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Jüdische Rundschau · 1920-10-01 · Heft 67-68 (1.10.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 67-68 (1.10.1920)
Date
1920-10-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite!!Hi Ist der Standpunkt Brunners wirklich der des Zentralvereins? Hiell es bisher nicht immer, der Zeutiulverein wolle für die Cileichberechtigiuig• streiteil und das Judentum erhalten? Wie kommt es dann, da» er an der Spitze seines Blattes ohne Zusatz oder Kritik einen Aufsatz bringt, der die Aussichtslosigkeit des Kampfes um ' Aufklärung und ■Gleichberechtigung ״philosophisdi*‘ begründet? Wie kommt es, da» er einem Manne das Wort gibt, der IX'utschtum und Christentum zum Inhalt des Judentums erklärt und die Behauptung aufstellt, der Antisemitismus diene der Erhaltung des Judentums, er sei notwendig im Sinne der Geschichte, die nicht will, ,,dal) die Elemeutarinacht der Juden vom Geschichtsproze» ausgeschlossen werde“ (S, 104), der ferner helumptet: ״ohne Antisemitismus würden die Jude!» sieh nach und nach den Nichtjuden assimilieren, mit ihnen verschmelzen, und das Judentum würde verschwinden“. (S, (>$,) Ist auch diese Meinung neuerdings die des Zentralvereins? Wie kommt es, da» dieser Verein alles preisgibt, was er bisher gelehrt hat und durch den Mund des Herr« Brunner lehren läßt, was von jedem jüdischen Standpunkt falsch!und verwerflich ist? Antwort: Weil derselbe Herr Brunner gegen den Zionismus schreibt, und weil im Kampfe gegen den Zionismus jedes Mittel recht ist III. Der Zeuge Verax. Die hohe Philosophie Brunners scheint den Zionismus noch nicht genügend getötet zu haben. Die gewöhnlichere Journalistik des Herrn Segel um» nachhelfen. Schon vor längerer Zeit habe ich an dieser Stelle in einer genauen Analyse eines in den K.C.- Blättern erschienenen Aufsatzes von Segel (alias Vcrux-Austriacus) gezeigt, durch welche Verdrehungskimste dieser vom Antizionismus lebende Schriftsteller den Zionismus und die Kolonisation Palästinas in Gegensatz zu bringen, die Bedeutung des Zionismus zu verkleinern, sein Wesen zu entstellen sucht. Jede Nummer der Zeitschrift ,,Im Deutschen Reich“ enthält unter der Ueberschrift ״Jüdische Rundschau“ eine Variation der Segelschen Angriffe auf den Zionismus. Auf welches Niveau der Mcinungskanipf durch Herrn Segel herabgezogen wird, scheint den Vorstand des Zentralvereins nicht zu bekümmern. Die dümmsten Erfindungen, ,gröbsten Verdrehtmgen scheinen im Kampf gegen den Zionismus gut genug. Man braucht kaum noch zu widerlegen, man braucht nur aufzuzählen, was Herr Segel zum Besten gibt, und die Absurdität der Angriffe sind für den aufmerksamen und unterrichteten Leser klar. Aber Herr Segel hat es leicht. Seine Leser sind weder aufmerksam noch unterrichtet, sie wollen nur, da» es tüchtig gegen den Zionismus losgeht. Lin paar Beispiele: Herr Segel nennt es eine V o r s p i e g e I u n g falscher Tatsachen, wenn man (d. 11. die Zionisten) glauben machen wolle, die Ernennung Samuels zum Oberkommissar habe auf die Araber beruhigend gewirkt. Als Gegenbeweis zitiert Herr Segel arabische Zeitungsstimmen, die nur leider den Fehler haben, da» sic sämtlich vor dem Amtsantritt Samuels geschrieben und gedruckt wurden. Natürlich konnte die Beruhigung erst cintreten, nachdem Samuel sein Amt übernommen hatte. Sic ist dann eingetreten und nirgends ist anderes behauptet worden Methode Verax. Im übrigen hält Herr Segel es für seine Aufgäbe, als Mitarbeiter des Zentralvereinsorgans gegen England zu hetzen und das harte Los der Araber zu bejammern. Glaubt der Zeiitralverdn, da» diese Methode politisch klug ist? Wem soll diese Hetze dienen? Deutschland? Den deutschen Juden? , Herr Segel ist sehr unzufrieden darüber, da» England das Mandat über Palästina erhalten hat. Der Völkerbund hätte Palästina unter die Obhut europäischer Nationen stellen sollen, ״aber nur solcher, die im Orient politisch uninteressiert sind und nicht im Verdachte stehen, ihr Mandat dazu auszubeuten, die Bevölkerung zu knechten und den heiligen Boden als Aufmarschgebiet zu benutzen, um die anliegenden Länder unterm Joch zu halten. Schweden, Holland und die Schweiz sind solche Nationen“. Der weise Verax! Ja, warum hat der Völkerbund nicht auf ihn gehört! 1Da» die genannten kleinen Nationen gar nicht die Macht und die Mittel haben, um den Orient zu verwalten, weiß Verax natürlich nioht. Wir fragen nochmals: Hält es der Zentralerem für zweckmäßig, in diesem Zeitpunkt in diesem Ton über das englische Pa- JU ED ISCHE RUNDSCHAU lästiuaniaiidat schreiben zu lassen? Doch das Bedcnldidiste kommt noch. In gröbster Verdrehung der Tatsachen versucht Segel-Verax, seinen Lesern eitiz.ureden, da» die Förderung des Zionismus einzig und allein England, nicht aber eleu Juden zugute komme. Er entrüstet sich über den ,,Zyuisums“, mit dem Herbert Samuel die Jmleiihcit aufgefordert habe, den Interessen Englands zu dienen, obwohl doch die meisten Juden gar keine;Engländer sind. Darum brauchen die Juden auch kein Geld für Palästina zu geben, denn England werde schon selber für den Aushau seines Bollwerks am Suezkanal sorgen. Außerdem ist es nach Segel ״der Judeiiheit der ganzen Welt — mit Ausnahme von dem kleinen Häuflein der Juden Großbritanniens — unmöglich, an dem Aufbau von Erez-Israel irgendwie aktiv mitzuarbeiten, es sei denn innerhalb der Grenzen der reinen Philanthropie“. Die Tendenz ist klar: Die deutschen Juden sollen verhindert werden, sieh am Aufbau Palästinas zu beieiligen. Die Unwahrhaftigkeit der Verax-Dar- .Stellung liegt auf der Hand. England hat sieh — trotz aller Gegnerschaften uind Bedenken — für die Errichtung des jüdischen Palästina entschlossen. Es hat einen Juden zum Gouverneur ernannt und erwartet nun Mitarbeit aller Juden. Aber vom Segel-Verax hat es nichts zu hoffen. Der schreit über den englischen Imperialismus (der deutschtürkische störte ihn nicht), tut so, als wenn England nicht den Juden, sondern die Juden England einen Gefallen getan hätten und hat die Stirn, von der englischen ,,Fremdherrschaft“ in Palästina zu behaupten: ״die Juden bedürfen ihrer nich t“ Als wenn wir auch mir einen Schritt in 'Palästina vorwärts kommen könnten, wenn England nicht die Ruhe im Lande aufrecht erhielte und die jüdische Arbeit förderte! ' Ebenso unwahr ist die Behauptung, nur die englischen Juden seien in der Lage, am Aufbau Palästinas mitzuwirken.- Und was bedeutet das Gefasel von den ״Grenzen der Philanthropie“? Versteht Segel vielleicht als Gegensatz zur Phil ant h r o p i e nicht die nationale jüdische Ko- Ionisation, sondern . . . deutsche Politik? In diesem Falle werden wir Zionisten uns gar nicht genieren, der Katze die Schelle umzuliängen! Die Wahrheit ist, da» die Juden aller Länder — auch Deutschlands in Palästina willkommen sind, da» Englands Interessen sich in Palästina mit den jüdischen Interessen decken, da» wir ohne Englands Wohlwollen und Hilfe Palästina nicht kolonisicren können und da» wir selbst — wir Juden — die Menschen und Mittel zur Kolonisation aufbringen müssen. England glaubt, bereits sehr viel für uns getan zu haben. Gewi» sprechen manche englischen Interessen für die Unterstützung des Zionismus, aber andere Interessen und Einflüsse sprachen dagegen. England hätte im Sinne der Araber, des Armeekoinmandos und einflußreicher politischer Kreise eine ganz andere Paliistinapolitik treiben können, eine Politik, •die den Arabern mehr und den Juden gar nichts gab. Daun wäre Herr Segel gewiß zufrieden gewesen. Dann hätte er sich über Englands Kopf hinweg mit den Arabern verständigt. Diesen Blödsinn schlägt er tatsächlich vor. Die ״ganze Judeiiheit“ solle die Verständigung mit den Arabern herbeiführen und die jüdischen Kriegs- Waisen ans Osteuropa nach Palästina verpflanzen. Für ostjüdische Kriegswaisen, die unter dem' Protektorat des Zentralvereins Palästina besiedeln, haben die Araber offenbar große Vorliebe, während׳ sic die zionistischen Cluiluzäm nicht leiden können. Von diesen schwindelt Segel-Verax schnell noch seinen Lesern vor, da» sie in die englische Kolonialurmee gesteckt würden, um ״den englischen Krieg gegen die Araber und den Islam zu führen“. Soviel von den neuesten'Leistungen des Herrn Segel. Und nochmals fragen wir: Weiß der Zentralverein, was er tut, wenn er diese Hetze duldet? Ist im Kampfe gegen den Zionismus wirklich jedes Mittel recht? IV. Entscheidet Euch! Das jüdische Palästina wird aufgebaut. Die Juden der ganzen Welt sind berufen, das Werk zu tun. Wir Zionisten sind bereit, den Erfolg, den wir errungen haben, mit allen zu teilen, die ehrliehen Herzens das jüdische Palästina errichten wollen. Auch die deutschen Juden, die nicht Zionisten sind, werden sich zu entscheiden haben! Briefverkehr mit Sowjetrußland. Das Korrcspomlcnzbüro W. Gorodcrfcy ft S. Perlmann, Reval, Kl. Karrist 1 w 3, teilt uns mit, dal) es sämtliche Korrespondenz nach Rate-Rußland zu befördem in der Lage ist, und für das Befördern eines Briefes inkl. Postspesen i0 deutsche Mark berechnet. Nr. 67/68 Die Einwanderung und Geldbeschaffung Mitteilungen von S. I. a n<l in a 11 , Sekretär des London r Zionistischen Büros. Wir entnehmen nachstehende wichtigen Milteihnigen einer Unterredung, die Herr Landman auf seiner Reise in Prag dein Redakteur der Prager ״Selbst« ehr" gemacht hat: Die palästinensische Regierung hat eine bestimmte Zahl von Einwanderern für das erste Jahr festgesetzt. Es wird Ihnen bekannt sein, dal) diese Zahl 10 300 beträgt; mit den Familien entsprechend mehr. Darunter sollen sich hauptsächlich Landarbeiter, Bauarbeiter, Han 11 \v c r k e r und T a g e lohn e r befinden. Personen, die nicht von der Regierung, resp. der zionistischen Organisation, A r b e i t s 111 ö ״ - lichk eiten verlangen werden, sind in dieser Zahl iiicht eingeschossen. Ihre Einwanderung I-t selbstverständlich nicht beschränkt. Das Zionistische Zcntralbiiro tu London verteilt diese (i e s a m 11 a h 1 auf di e v i 11 z e I n e!, Land e 1־ und informiert die Paliistinaiunter darüber. Di englischen Konsulate werden die Instruktion bekommen, Personen, welche von den Palästinaämtern empfohlen werden, Visa zu erteilen. Selbstverständlich müssen d.e Palästinaiimtcr resp. ihre Leiter, die volle Vcrantwortung für die empfohlenen Personen übernehmen, liauptsächlich dafür, da» es zuverlässige Leute sind, die alle Voraussetzungen der Palästina wunderer haben. Die Zulassung ungeeigneter Elemente kann für das Funktionieren dieses ganzen Apparates gefährlich werden. Unter gewissen Bedingungen können von den Ko■!- suln auch sogenannte Eaissor-P.isser's erteilt werden, das sind Papiere für solche Leute, welche keinen Pal; haben. Die Betreffenden müssen unter anderem du• Absicht 11,abipt, für die palästinensische Staatsangehöri•;* keit zu optieren, sobald sie in Palästina sein werden. Außer den von den Paiiäsliuaämtcni emplnlil.iio Personen können :Midi andere Personen Visa bekomme!;, wenn sie den englischen Behörden nachwciscii könne,1, da» sie wirtschaftlich unabhängig sind 1!: I da» bereits Arbeitsgelegenheit speziell für sie in Pa■ lästina vorhanden ist. Fi 1» besonderer Paragraph wird jene Juden betreuen, welche aus religiösen Gründen nach Palästina auswandcni wollen; die Voranssetzung für ihre Einwanderung ist nur der Nachweis, daß sie dem Lande nicht zur Last fallen werden. Ich kamn somit sagen, daß die Organisierung d׳ r Auswanderung seitens der englischen Regierung für uns im weitesten Ausmaße günstig geregelt winden ist. Trotzdem ist heute -- und das mul) auf das stärkste betont werden absolut noch k e ine Möglichkeit vorhanden, diese uns so vorteilhaften lieslimmuiigen ausziuiülzen. Es gibt heute keine Arbeifs- 111 ög I i c 11 k e i t in Palästina, lut Gegenteil, die Zahl der Arbeitslosen in Palästina ist derzeit bereits a! u f '2000 a 11 g e w a e 11 s e n. Somit ist jede weitere Einwanderung nach Palästina im gegenwärtigen Zeitpunkt für den Aufbau und die geregelte Entwicklung des Landes von höchster Gefahr. Die erste Arbeitsmöglidikeit wird die Inangriffnähme öffentlicher Arbeiten gehen, welche geplant sind. Um aber diese öffentlichen Arbeiten zu ermöglichen, sowie auch um andere Arbeitsmögliehkeiten zu schallen, ist heute in Palästina neben privaten Geldmitteln und Unternehmergeist da!s finanzielle Eingreifen des jüdischen Volkes auf der ganzen Well notwendig. Die brennende Frage der Geldbeschaffung wird von der palästinensischen Regierung sowie von der zionistisehen Leitung in ihrer g.i.nzen Schwere gewürdigt. Die ersten Schritte sind bereits unternommen worden. Ls sind folgende Aktionen in Aussicht genommen: 1. Eine palästinensische Staatsanleihe von 2!/- Mill. Lst. Diese soll garantiert sein durch die Einkünfte Palästinas, Es sollen reiche Juden in Lomle! und New York die ganze Anleihe übernehmen und sie daun vielleicht durch die Kolonialbauk, vielleicht durch andere Banken dem jüdischen Publikum anbieten. Die palästinensische Regierung mul der lligli-Coimub• sioner Herbert Samuel sind überzeugt, dall diese Anleihe einen groben Erfolg haben wird. '2. Der Keren liajcssod. Es wird ihnen über diesen Griiiulutigslönds, der bereits auf der Jahrey konlcrenz beschlossen wurde, mul der nun der Grundstock »Iler zionistischen Arbeit werden soll, das Wichtigste bekannt sein. 3. Der Economicnü Council. Diese Körperschaft, welche auch auf der Konferenz, ins Leben gern tat wurde, hat vor allem zwei Aufgaben: l. Die Verwendung des für 1enta.ble Unternehmungen in Anspruch genommenen Teiles des Keren liajcssod zu prüfen und 2. in nichtzionistischen Kreisen, Geldmittel zu beschatten vonseiten solcher jüdischer Interessenten, welche sich mit Rücksicht auf die Rentabilität dieses Betrages an dein Wiederaufbau beteiligen wollen. Wie bekannt, gehören dem E. C. bereits an: Sir Alfred Mond, der gegenwiirtige Minister der öfientlichen Arbeiten (JroBbritanniens. Lord Rothschild, der Chef des englischen Hauses. Boroard Flcxner, ein amerikanischer ein-!!»»reicher Zionist, justice Brandeis, Weiztnann u. a. Der E. C. soll noch durch andere Mitglieder erweitert werden. Ich hoffe, daß es gelingen wird, in anderen Ländern Gesellschaften analogen Charakters zu gründen, welche mit dem Londoner E. C, in engem Kontakt stehen wer* den. Ich habe auf meiner Reise bereits das Terrain ln %

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