Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1920-09-03 · Heft 61 (3.9.1920) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 61 (3.9.1920)
Date
1920-09-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2652228-2652288--13374-2671094
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 61 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 477 % p',dr t zwei gust,! den t sul wird gland nwra etwas »ntr.il'!n Ar• dein St U״s I c r I Sinn Wir «in 11 dessen j sind. ru1HCc״ I tVUM.1 Natt־״!•,reihe« jedem ts tigert Das jüdische Leben in Sovvjet-RuCland j Der wirtschaftliche Ruin. . Mißglückte Versuche. Zwangsarbeit, l>er Kamj>f gepo» den Zionismus. Diejenigen, di«.׳ geglaubt haben, daß mit dem Lm/ug der soziale» Revolution, die Judcnfrage in diesem l.atKle verschwind01 ו werde, müssen jet/t die schwerste» I »Uä'uxeluwkgvii e1־U׳Sx11׳. Noch niemals hat die Judentrage ia Rußland solche scharfen Formen angenommen. Ls muH zugegeben werden, daß i,(1|׳n)11H in Sowj v t - k u iS 1 a n d nicht g e d u I d e t w erden, und jeder Versuch zur Aufhetzung eines Teiles der Bevölkvnuvg gegen (teil amleren, gleich ob es sich um Jinlen oder NichtJuden liamlelt, wird I>lutij4־ unterdrückt. Aber es ist die ökonomische Frage mit ihrer ganzen Strenge. die eine mächtige Weile des Aiitweuulknius ni Rußland Irerauflx.•,schworen liat. Seihst diejenigen jüdische» linken Parteiführer, die von Anfang au dem Sowjotrogimo zaigcstinimt haben, erklären jetzt offen; ״l ur das Judentum gibt es in Sowjet- Rußland so gut wie keinen P I a t z. mehr‘'. Die jüdische Bevölkerung war die einzige, die durch die Nationalisierung des Handels fast vollständig ruiniert wurde. Welche Folgen die jeden privaten Handel zerstörenden Maßnahmen der Sowjetmacht für die Juden hatten, läßt sieh leicht ersehen, wenn man in Erwägung zieht, daß vor dem Kriege etwa 06 Prozent der jüdisehen Bevölkerung im Handel beschäftigt waren, während die restlichen 31 Prozent als Handwerker und Fabrikarlieitci■ existierten. Während1 der größte Teil der nichtjüdischen ruinierten Haudelswelt mit Leichtigkeit eine Existenz auf dein (iebietc der Landwirtschaft finden konnte, blieb den Juden dieser Weg völlig verschlossen. Jeder Versuch, die Juden als Landwirte in den Dörfern a u zu s ie de T n , scheiterte au dem Widerstand der Bauern, Man müsse bedenken, daß in Rußland auch unter dein Sowjetrcginre die Nationalisierung des Bodens nicht eingeführt wurde, daß un Gegenteil für die Bauern das Recht des Ligentmus au Grund und Boden als fortbestehend erklärt wurde. Die Bauern, die jeden Fußbreit Boden mit Eifersucht mul Mißgunst hüten, lassen unter keinen Umständen neue Ansiedler, geschweige denn Juden, zu. Die Sowjetmacht zog es vor, sich mit den Bauern der Juden wegen in keine Händel einzulassen, Mehrere jüdische Gemeinden haben den Versuch iinternommeii, die Juden aLs Handwerker und Fabrikarbeite!׳ in großen Massen einzurichten und haben dabe* von der Regierung eine ziemlich weitgehende Unter- Stützung erfahren. Speziell hoffte man, daß die Kleider- Industrie, die in Rußland eine große Zukunft hat, sich als das für die Juden am' meisten passende Arbeitsgebiet erweisen werde. Einige Fabriken, die, s[>cziell im Gouvernement Mohilew, sieh gut bewährt haben, konnten aufrechterlialtcn werden. Aber die Versuche, den Juden Arbeit im großen Stile zu verschaffen, sind aus Mangel an Rohmaterialien ttnd Maschinen zusammengebrochen. Unter den Juden ■entstand ein schweres Elend, welches sieh in der großen Zahl der Typhuskranken und Todesopfer unaufhörlich demonstriert. Im März dieses Jahres erschien das Dekret betreft's der Zwangsarbeit, Alle Berufslosen, söge» nannte ״unproduktive Elemente“, wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet «klärt. Nichtuachkommen dieser Verpfliehtung wurde als Desertion erklärt, die mit Todesstrafe bedroht ist. Fast sämtliche Juden wurden zur Kategorie der Berufslosen erklärt, unabhängig davon, ob sie ein Handwerk besaßen oder nicht, Es begann eine fürchterliche Jagd auf die jüdischen Massen, ausgeführt durch Militärgruppen der Roten Armee, denen der antisemitische Pöbel freiwillig zur Hilfe harn. Die Juden wurden in den Höfen der Arbeitskaseriieu eingesperrt, mußten tage- und tiäduclatig unter freiem Himmel, fast ohne Nahrung, kampieren. Die zu verrichtenden Zwangsarbeiten bestehen größtenteils aus den schwersten Arbeiten, in Wege- und Gmisscebautcn wie auch in ekelhaften kemigmigsarbcileii. Bei der Ausführung ihrer schweren Ai beiten werden die Juden voll den Wächtern, wie auch von der Bevölkerung ofieiithch verhöhnt, und als Strafarbeiicr behandelt, tu Charkow bestellen zurzeit <18 ״״ der Z w a 11 g s a r b e i t e r aus Juden. Audi Kranke werden vielfach zur Arbeit geschleppt, und alle Proteste der jüdischen Arbeiterführer bei dem Kommissar für 'Zwangsarbeit blieben bis jetzt erfolglos. Allmählich wird die iiidiljtaiisehc Bevölkerimg daran gewöhnt, im Juden einen Paria der neuen Gesellschaft zu erblicken, ein minderwertiges Objekt, dessen einzige Aufgabe es sein muß, sieh der nichtjüdischen ״produktiven“ Umgebung'nutzbar ztt machen. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht darüber Ver• zweifluiig mul eine erbitterte Stimmung. In anderen Füllen dagegen behandeln die bolschewistiselien Kommissare die Juden in gleicher Weise, wie die Niditjuden. Die• Außerordentliche Kommission hat bei ihrem letzten Einzug in Odessa eine ganze Anzahl von Personen wegen konterrevolutionärer Propaganda erschießen lassen, wobei auch mehrere' Juden zum Opfer fielen, darunter der bekannte Advokat Eliasb e r g. I > i e e i 11 z i g e H o f f n n n g d e r J 11 d e 11 ist jetzt in der Tat die Emigration nach Palast i na, selbst in den jüdisch-sozialistischen Kreisen, wo man sich zum Palästina-(icdaukcu stets gleichgültig verhalten hat, ist die Erkenntnis durdtgedrungen, daß eine Lösung der 'Judenfrage in Rußland ohne ein jüdisches Palästina schlechterdings eine Unmöglichkeit ist. Die Beschlüsse von Sau Rcmo haben daher im ganzen russischen Judentum Gefühle der Freude und Dankbarkeit hervorgerufen, was, trotz aller Verbote und ernsten Gefahren, sich in lebhaften Manifestationen kundgegeben hatten. In zahlreichen Synagogen wurden spezielle Dankgottesdienste abgehnlten, und in vielen Orten wurden die Juden von Vertretern der russischen 111telligeuz zum Siege des jüdische» Nationalgedankens warm beglückwünscht. ln der bolschewistischen Presse findet man nichts über die Existenz einer Judenfrage, atier um so schärfer existiert diese Frage im Leben. Das' einzige Jüdische, was in der bolscliewistiseheti Presse zu bemerken ist, ist der Kampf und die ewigen Anklagen gegen die Zionisten. Nachdem die während der zionistischen April- Konferenz verhafteten Delegierten freigclasseu wurden, haben die Initiatoren der Verhaftungen es offenbar für notwendig gehalten, die Schuld der Zionisten wenigstens in der!,resse nachz.uwciscn. Die Zionisten werden gewohnlich als ״englische Agenten״ bezeichnet, deren Aufgäbe es ist, unter den Juden Sympathien für England zu erwecken. Das Zionistische Zentralkomitee iu Ruß-!and veröffentlichte darauf in dem ״Moskowskija Isu'cstia“ einen Protest gegen die absichtliche Ent- Stellung des Zionismus und verlangte sein Recht auf Grund des von der Sowjet-Regierung vertretenen Prin-- zips, des Selbstbestimmung-, rechtes der Nationen. Hierauf erschien am 25. Juni in derselben Zeitung ein Artikel, der sielt hinsichtlich der Juden gegen die Berechtigung dieses Prinzips wendet. Der Artikel hat aber wenig Eindruck gemacht. Zurzeit führen die rttssisdieti Zionisten ihre Kulturarbeit fort, sowohl in Petrograd wie in Moskau. Das üerücht, daß der Leiter des Jüdischen Nationalfonds in Moskau, Herr Tscherikower, verhaftet sei, beruht auf einem Irrtum. (Vorabdruck aus ״Zionist Bulletin“.) Die poakzionistischc WeUlionfcrcnz Morris Myer zur Frage der III. Inlernationale Morris M vor, der Vertreter der cngii-cheii Poalc- Zum auf der Wiener Wcltkonfcrciiz. der Partei, außette sich einem Vertreter der ״Jüd. Preßzentr. Zurich" gegenüber folgendermaßen: Die Ansichten der Poalc-Zionisteii über die Frage des Beitritts zur 111. Internationale sind geteilt. Diejenigett, welche das sozialistische Prinzip über die Interessen der jüdischen Volksmasseu stellen, sind für den baldigen Anschluß an die III. Inlernationale, und zwar ganz' bc d i n g 11 11 g s los. Sie sind in den Irrtum der alten Sozialisten-Assimilaiiten verfalle», die da glaubten, daß der Triumph der sozialen Revolution alle nationalen Probleme, also auch das jüdische Problem, losen wird. Ihr Glaube, daß der Triumph der sozialen Revolution vor der Türe stellt, ist ebenfalls irrig. Daß die Ereighiss.• in Rußland sich in naher Zukunft auch in allen amtet׳ zu t aiuleri! wiederhole» werden, stellt keineswegs zu ei warten. Die anderen, denen die Interessen der jüdischen Volkstnasscn ebenso wichtig sind wie das sozialistische Prinzip, sind für die III. Internationale weit weniger begeistert. Sie betrachten den Aufbau Palästinas als jüdisch-nationales Heini auf sozialistische» Grundlagen als hauptsächlichstes Feld ihrer Tätigkeit mul sind der Ansicht, daß die III. Internationale in dieser Richtung nur sehr Wenig fiir sie leisten kann. Dieser Teil der Poalc-Ziouistc» richtet seine Blicke mehr auf die englische Arbeiterpartei und möchte «uv einer Intern,itionaie angeliören, der der sozialistische Flügel der independent l.abour Party angüiort. Diese (truppe vertrat auf der Weltkonferenz in Wien den Standpunkt, daß der Anschluß an die III. Internationale keineswegs bedingungslos erfolgen könne. Falls beschlossen worden wäre, solche Bedingungen festzusetzen, so wären diese sicherlich derart ausgefallen, daß auch für die englischt‘ Arbeiterpartei die Möglichkeit vorhanden gewesen wäre, such der 111. Internationale »iizuschÜciSen. Ich bin allerdings sicher, daß die III. Internationale derartige Bedingungen nieakzeptiert hätte. Diese zwei Richtungen unter den Poale-Zionistcii konnten zu keiner Uebcrcinj Stimmung gelangen, und so ist die Spaltung entst uulen. Man bemüht sich zwar, eine Brücke zu schaffen, um bezüglich der /Arbeit in Palästina ein Zusammengehen zu ermöglichen, aber ich glaube kaum, daß dies gelingen wird. Falls dies doch der Fall wäre, dann dürfte dieses Zusammengehen wohl kaum von langer Datier sein. Ebenso dürften die "WestSozialisten gegenwärtig wohl nicht der gleichen Internationale angeboren können wie die Ustsozialisten, weil diese glauben, berauscht von den Siegen der Bolschewisten in Rußland, daß die dortigen Geschehnisse den Anfang der sozialen Weltrevolution bedeuten. Sie sehen nicht ein, daß das,, was in Rußland vorgcfallcn ist, in Wirklichkeit 11.ir eine national e Revolution ist, die■ proletarische Fortuen angenommen, hat, und zwar deshalb, weil die übrigen Klassen nicht stark und selbstbewußt genug waren, diese Revolution in ihre Bahn zu lenken. Diesen Standpuukt der Ostsozialisten können die NX'estsoziuhsteii nicht entnehmen, weit iu deren Ländern die bürgerlichen Klassen noch genügend kräftig sind und nicht so leicht überwältigt werden können. ik׳s weiteren sind die Bedingimgen ihrer Volker nicht so arg wie die des rttssiselten Volkes. Sie wollen auf diese günstigeren Verhältnisse nicht verzichten, weshalb sic geneigt sind, den Sozialismus stufenweise durch Evolution zu verwirkliehen, unter Ablehnung׳■ jeder Gewnltrevolution und Diktatur des Proletariates. 1dl glaube, daß ' die Ost- Sozialisten zum Standpunkt der Westsozialisten gclangen werden und nicht umgekehrt, weil selbst die Bolschewisten, trotz der Diktatur des Proletariates, nicht imstande sind,!11 Rußland den Sozialismus vollständig durch Zufuhren. Dies wird auch dort nur stufenweise gehen, wobei die kapitalistischen Methoden noch lange Zeit bciln-hattcn werden dürften. Solange es keine Einigkeit zwischen Ost- und Westsomiistcu gehen wird, ebensolange werden auch die 'jüdischen Sozialisten nicht einig gehen. Ein Teil wird der einen und der andere der anderen Internationale angehören. Einfluß des herrschenden Volkes; 3, ein menschliches Verhältnis zu den übrigen Völkern; nicht nur zwischen den einzelnen Menschen der verschiedenen Völker, sonder« auch zwischen den Völkern selbst muß ein VerhäJtnis der Gerechtigkeit und Brüderlichkeit herrschen. Dasselbe lieft befallt sich noch mehrfach mit den Frage» der palästinensischen Arbeiterschaft und des neuen Gescllschaftsideals. Hugo Bergmann schildert in einem Aufsatf über die Prager Konferenz, die dort zutage getretenen Gegensätze, die er als analog dem in der sozialistisch.cn Bewegung auftretenden Gegensatz zwischen ״politisdicin“ Sozialismus und verwirklichendem Sozialismus (״dlr.ecte action“) charakterisiert. Ein Aufsatz. ״Gemeinschaft und Gesellschaft“ von Martin Btt her ist die Wiedergabe des auf der Prager Konieicnz. gehaltenen Programm-Referates. Das Heft enthalt ferner eine längere Arbeit über ״Die Kwuzah und tltic Rolle innerhalb des Jischuw“, einen Aufsatz van Jakob Steinberg über Carlylcs Hcldenbuch und von Gluck soll n über Zangwills Buch über Natioualis- "1K Im belletristischen Teil befindet sich außer Ge- 'hclitcn \<m S clt 11 c 11 r, Bar a sch, F j ch m a n 11 und einer Lr/ählimg von Debora Baron auch die Uebcr- H-tziing einer Novelle von Thomas Mann. 111 der umfangreichen, politischen Chronik ist eine Ucbersiclit und Beleuchtung der Ereignisse in Palästina sowie außerhalb Palästinas. Die Bemerkungen enthalten einen Aufvitz von Lippschütz!über Herd, der» auch im ״.luden“ erschienenen Aufsatz ״ln später Stunde“ von Marti« Bub er, Notizen über Berkowitsch, den verstorbenen russisch-jüdischen, belktristisehen Schriftsteiler Karmen und über Heinrich Manns Roman »Die Annen“. Im ganzen ist das neue Heft wieder ein Beweis dafür, auf welcher geistige« und literarischen Höhe die neue Zeitschrift steht, ׳und zugleich «in Beweis, daß die palästinensische ArbcLtersdiaft auch auf den Gcbieten des kulturellen Lebens ein Faktor allererste« Ranges geworden ist, —sch. Menschen int Abgrund. Welchen fürchterlichen Zusammenbruch der Krieg für die Menschheit bedeutet hat und wie tief die jiidischeti Volkssplitter im Osten in diesen Abgrund mit hiiieingezogeu worden sind, kann nur der voll ermessen, der eine Zeit iu der Hölle der östlichen Etappe gelebt, diese versinkende und zerbrechende Welt in ihrer ganzen Fäulnis von innen gesehen hat. Jakob F i 1t g e r m a un , ein begabter junger Wiener Autor, ist wie viele jungen Westjudcn durch das Kriegsgeschick in diesen Sumpf verschlagen worden, und er schildert in seinem kürzlieh erschienenen Roman*) in einer Reihe realistischer Bilder, Menschen und Milieu in lebenstreuer Wiedergabe. Es ist kein Roman im technischen Sinn, vielmehr eine Folge von Szenen, in denen diese Menschen durcheilt־ ander wirbeln; in Dublin, dem Sitz des österreichischen Etappenkrciskonnnandos, laufen alle Fäden des Lebens im Okkupationsgebiete zusammen, hier kulminiert die unheilvolle Berührung der zwei Welten, der brutalen, gewinn- und genußsüchtigen Militärwelt mit deuv aufgeschreckten, feilen Geschäftsjudentum Polens, Der Krieg hat durch die Militärblusc auch die harmlosesten Zivilindischen in Bestien verwandelt, draußen, in der ״Freiheit“, sind alle niedersten Triebe entfesselt, alles ist in einen undurchdringbarcn Dunst von Gcldsitcht, Geilheit, Schlemmerei und Rücksichtslosigkeit «»gesponnen; und in diesen.Strudel ist das Ostjudentum mit hereingerissen, das keinen Widerstand leistet, sondern bereit- •) Jakob Fingermanu, ״Menschen im Abgrund“, Roman. R. Löwit, Verlag, Wien u. Berlin, 192Q; willigst in Schmutz, und Gemeinheit hinabsteigt, völlig entartet in seiner unsinnigen, unmenschlichen Jagd nncl Geschäft und Gold. Das Buch legt unbarmherzig dies׳ \v unden bloß, die der Krieg unseren Volkskrieg« ge sihingen 1t,1׳t, er zeigt, wie alle Sittlichkeit zerstört wird jeder Halt schwindet, der letzte Rest wu Moral au dem Geschäftslcben, aus dem Familienleben ausgemerz wird. Der österreichische Offizier ist der Verführet dessen Lockung jede jüdische Frau und jeder jüdisch! Mann erliegt, ln dieser wüsten, oft beklemmenden Schil derimg des Süitdenpfuhls ist der leidende, anklagcnd! Unterteil nicht zu überhören, der dem Buch eine ge wisse moralische Note gibt, obwohl es nur darstell mul schildert. Nur wenige Lichtblicke trösten, maiidi mal dringen zarte Töne hmter dem dichten Nebelschleie hervor, es gibt Gestalten, die eine gewisse Verheiß!»!{ sind: Der jüdische Handwerker, der unberührt vot dem Getriebe seiner Arbeit nachgeht und das Mäd dien zur Fra» nimmt, das durch unsäglich qualvoll! und anstrengende Nachtarbeit in der Fabrik den Lebens unterhalt für ihre Familie erwirbt, statt wie die änderet Mädchen mit den Offizieren zu gehen. Aber die jüdisch! Bourgeoisie fällt unaufhaltsam, es gibt keine Besinnung nnd das Ende muß Verzweiflung sein. Diese Schick sale werden zum Teil recht packend gezeichnet. Da Buch verfehlt seinen Sinn, wenn es als Sittenroman, al Untcrhaltungsiektüre gewertet wird; es ist eine Mahnung den Tatsachen ins Auge zu sehen, die Feststellung, dai unser Volk der großen Prüfung, die das Geschick diese: Zeitalters über es brachte, nicht Staubgehalten hat. S< kann man diesem Kriegsbuch als einem Dokument de ״letzten Tage der Menschheit" einsichtige Leser wün sehen denen der Schauer und Ekel bei der Enthüll״!״ des Zersetzungsprozesses der Antrieb zu neuem Er wachen und zu starkem Reinigungswillen wird. _Q—

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.