Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 60 (31.8.1920)
- Date
- 1920-08-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 470 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 60 Er hat z. B, in Td-Awiw־ mitgeholfen, Boden für städtische Ansiedlung in Privatbcsatz zu bringen. Die Folgen sind bekannt. Er hat einzelnen ntdionalcn Instituten den Baugrund geschenkt, aber da* durch mir mitgewirkt, daß 'der Botten in der Umgebung dieses Institutes steigt. De Lieme hat dagegen darauf hingewiesen, daß es die wirksamste Bodenpolitik in den Städten ist, die noch billig zni erhaltenden Terrains in Wer Umgebung rund um die Stadt zu erwerben und dadurch den Bodenmarkt zu regulieren. Um den Jüdischen Nationalfonds zu befähigen, seine Aufgabe in größtem Stil auszuführen, muß er mit den nötigen Mitteln ausgestattet werden (Beschluß 4). Dies scheint ein platonischer'Wunsdi zu sein, da ja der J.N. F. seine Mittel durch Spenden nufbringt. Aber dein ist nicht so. Durch die Gründung des Keren Hajcssod ist dem J.N. F. eine zeitweilige Konkurrenz; erstanden. Jener Be- Schluß besagt, daß der J.N.F. aus den allgemeinen zionistischen Mitteln, also vor allem aus dem Keren Hajcssod dotiert werde. Es ist in Aussieht genommen worden, dem J.N. F. 20 Prozent der Einkünfte des Keren Hajcssod zu überlassen. Doch genügt cs nicht, derartige starre Vcrhältniszahlcn aufznstelleu, .Sollte der J.N.F. in einem gtgebenen Moment fiir Bodenkauf größere Mittel brauchen, als er inklusive jener 20 Prozent Beteilignng am Keren Hajcssod besitzt, so wird dieser ihm auch das Mus bewilligen müssen. Der Be- Schluß spricht daher von ״ausreichenden Mitteln“, die dem J. N. F. zur Verfügung gestellt werden müssen. Unausrottbar spukt in den Köpfen der Zionisten! die Vorstellung, der J.N.F. könnte gegen Vor- Pfändung seiner Liegenschaften Anleihen aufnehmen. Wir hatten in der Kommission sehr stark gegen diese Meinung zu kämpfen. Es ist natürlich gänzlich ausgeschlossen, daß irgend ein Pächter oder eine Pachtgenossenschaft sich finden kann, welche auf J.N. F.-Land sich anzusiedeln bcreit ist, darauf Investitionen macht, wenn das Damoklesschwert der Veräußerung des Bodens durch den Handgläubiger des J.N.F. über ihm schwebt. Eine Unterlage für Verzinsung und Amortisierungj von Anleihen ist nur in der Rente zu suchen, die der J.N.F. von den Ansiedlern erhält, und äuch von dieser, nur so weit cs städtischen Besitz betrifft, denn die Rente von ländlichem Besitz ward in der ersten Zeit (wenn sie nicht ganz gestundet werden wird) sehr klein und ihr Eingang sehr unsicher sein. Es ist auf Verlangen der Antragstdlcr in Beschluß 4 von der Möglichkeit einer Nationaljondsanlcihe auf Grund seiner Pachten;- ■ahmen gesprochen worden. Im selben Beschluß ist es als wünschenswert erklärt worden, daß die Rescrvcvcrpflichtung des Jüdischen Nationalfonds (25 Pro/ent seiner Mittel müssen liquid angelegt sein) fallen gelassen werde, da sic bisher nur «ne Behinderung seiner Tätigkeit darstellte. Die Bodenpolitik des J.N. F. hat natürlich nicht nur die eine Seite, die des Bodenkaufs, sondern auch die der Boden Verwertung. Diese ist eine Frage der Kolonisation, und ihre Erörterung fällt atißcrhalb des Rahmens dieses Artikels. Nur auf Politische Nachrichten Oie arabische Krise Unter diesem Titel veröffentlicht Jabotinsky in ״ftaarcz“ einen Leitartikel, in welchem er anläflheb der Tragödie von Damaskus das Verhältnis zwischen Arabern und Juden bespricht. Die Araber haben sich durch ihre eigenen Gewalttaten die Möglichkeit genommen, an die Gerechtigkeit in den Westländem zu appellieren und sind nun selbst der mächtigeren Gewalt preisgegeben. Jabotinsky wendet sich aber gegen die Stimmen bofliiungitoscr Verzweiflung, die im aiatiiseiten Lager laut wurden, ״Der Fall von Damaskus“, sagt er, ״ist eine Wunde, aber kein Untergang.“ Das arabische Volk ist gesund an Leib und Seele, reich an Begabung und Entwicklungsmöglichkeiten. Noch besteht der Beschluß des Völkerbundes, wonach Syrien ein selbständiges Reich unter der Aufsicht des Völker- Hundes werden sott. Alle damit in Widerspruch stehenden Ereignisse sind nur vorübergehend. Jabotinsky betont die starke Interessengemeinschaft der Juden und Araber als verwandte semitische Völker und auch in bezug auf ihre im Werden bc- Simlliclten, benachbarten Gemeinwesen. Die Araber und Juden müssen sich dessen bewußt sein, daß sie aufeinander angewiesen sind, und darum sind wir weit davon entfernt, uns über die Niederlage der Araber zu freuen; im Gegenteil, wir wünschen ihnen einen baldigen Aufschwung, sind aber überzeugt, daß ein politischer Aufstieg nur dann möglich ist, wenn eine Verbreitung von Kultur und Bildung im Volke vorausgegangen Ist. Ehe Araber sind ebensowenig wie die Juden mit einem der in Europa neu geschaffenen Staaten zu vergleichen, weil de beide in ihrem Lande zwei der Beschlüsse-, die hierher gehören, sei hier hingewiesen. Der eine spricht aus, daß die Bodenpolitik des J.N.F. durch Kreditinstitute für landwirtschaftlichen und städtischen Besitz gefördert werden soll. Dies ist natürlich eine so selbstverstündliche Forderung, daß sie keiner Erläuterung bedarf. Wenn der J.N.F. noch so viel Boden besäße und eine genügende Zahl von geeigneten Ansiedlern bercitständc, so könnte ohne Mithilfe solcher Institute ihre Kolonisation nicht erfolgen. Der andere Beschluß ist ein prinzipieller und von weitgehendster Bedeutung; Der J.N.F. soll die Kosten der Okkupation des Bodens bis zur Ansiedlungsreife tragen. Die Erfahrung in Palästina hat gezeigt, 'daß cs für keinen Ansiedler möglich ist, zur Rentabilität zu gelangen, wenn er die Kosten einer ersten Ameliorisierung des Bodens und eine solche ist bei der Mehrzahl der Böden in Palästina notwendig — tragen müßte. Es entstand die Frage, wer diese Kosten zahlen solle. Es ist natürlich, daß zu ihrer Deckung keinerlei separate Mittel aiifbringbar sind. Andererseits ist es sicherlich Aufgabe der nationalen Gemeinschaft, den jüdischen Siedlern jene Voraussetzungen zu bieten, welche ihnen ein Gedeihen möglich machen. Die Ucberriahmc der Kosten auf den J.N.F. stellt naturgemäß eine schwere Belastung dieses Fonds und eine Verringerung seiner Kapazität, Boden zu kaufen, dar. Dagegen ist aber zu bemerken, daß der J.N.F. aus dem Aufbaufonds Zuwendungen erhalten wird, welcher Fonds ja vornehmlich dazu dienen soll, die ersten Voraussetzungen für die Besiedlung des Landes zu schaffen. Der J.N.F., wenn er sich darauf beschränken würde, einen Boden beizustcllen, der noch nicht für die Ansiedlung reif ist, würde sehr bald sein Prestige als Hauptfaktor für die nationale Kolonisation ver- Heren, und dies wunde einen Rückgang seiner eigenen Einnahmen zur Folge haben. Ich hoffe, daß aus vorstehenden Ausführungen hervorgehen wird, daß die Beschlüsse der Londotier Konferenz über die Bodenpolitik ein zusummenhängendes Ganzes von einer gewissen Systctnatik darsteltcn. Es war in der betreffenden Konimission, der sehr wenig Diskussionsgrundlagen zur Verfügung standen, nicht leicht, aus dem Chaos der zahlreichen Einzelanträge, die von den Delegierten gestellt worden waren, herauszufinden und zu einem halbwegs befriedigenden Vorschlag für die Konferenz zu gelangen. Die Arbeit, welche die Kornmission geleistet hat, sollte deshalb auch von denen anerkannt werden, welche von dem erzielten Resultat nicht voll befriedigt sind. Zum ersten Mal wurden auf einer zionistischen Tagung die Fragen der Bodenpolitik und des J.N. F. eingehend erörtert. Gilt es doch nunmehr, rasch zu praktischer Arbeit zu gelangen. Die Aufnahme der Arbeit größeren Stils in Palästina wird zur Folge haben, daß bei den weiteren Tagungen die sachliehen Fragen immer mehr den Hauptinhalt der Beratungen bilden werden und die Rhetorik in den Hintergrund treten wird. Dazu ist ein /Anfang auf der Londoner Konferenz gemacht worden, die schon deshalb für die Bewegung von Bedeutung war, so vieles sie auch noch zu wünschen übrig ließ. noch nicht eine vollwertige Kullur entwickelt haben. Darum müssen alle Kräfte auf diese Entwicklung konzentriert werden. Das arabische Volk hat den Aufstieg bereits begonnen. Dies ist eine Verheißung für die Zukunft. 9 Neue Zeitungen, ln Damaskus begann eine neue arabische Zeitung mit dem Namen ״Das Lebe!׳'• zu erscheinen unter der Redaktion des Herrn l.lkhu Schaschon. De Tendenz des Blattes ist die Schaffung eines gegenseitigen Einvernehmens zwischen den Juden und den Arabern mul die Verbreitung von!Nachrichten jüdischen und allgemeinen Inhalts unter den arabisch sprechenden Juden Varderasicn־׳. und Nordafrikas. Nach einer Mitteilung desselben Blatte s wird auch in Kürze die Zeitung ״Hainisrach" in hebräischer und arabischer Sprache neuerlich in Damaskus *׳־•- scheinen, welche von der früheren, syrischen Reg r eingestellt worden war. Ein Trauertag für die jüdischen Märtyrer in Ungarn. Am 5. September werden in sämtlichen Synagogen der Pcster Religionsgemeinde Gebete für das Seelenheil der jüdischen Märtyrer in Ungarn verrichtet werden. Audi die Provinzgcmeinucn haben sich diesem Beschlüsse angeschlossen, und so wird fortan der erste SeUehothtag als Trauergedenktag für die jüdischeu Märtyrer des ruchlosen I lorthy-Kcgimcs Bll'J bis 1920 gelten. Das Rituale für diesen Trauergottesdienst entspricht den in den Wormser, Nürnberger und Kölner Mcniorbüchern niedergek-gten Vorschriften und Anordnungen, auf Grund deren in den meisten deutschen Gcmeinden schon seit dem Jahre 1056 bzw. 1349 am ersten Selichothtag Gebete und Gesänge rezitiert werden, weiche die Erinnerung an die großen Judenvcrtrei- Hungen und Judenhümchtungen in jener Epoche unter den Juden Deutschlands bis auf den heutigen Tag wachhalten.! Erez-Israel Bericht (Von unserem Korrespondenten.) J. ü. Jerusalem, II. August 1020. Beschäftigung der Chain *im. Von den Chaüuzim, die in den letzten zwei Molinien nach l’alästina kamen, sind einige Gruppen mit Landwirtschalt und Aufforstung in den Wirtschaften der Kolomsatinns- und Siedlungsabteilung des Waael Ha/irim tätig. Line gewisse Zahl arbeitet beim Wegbau Semach -Tiberias und bei der Verbesserung der Straße llaila -Nn/areili. Die größte Gruppe von ChaJu/itn hat sich in Di lg bei Jerusalem konzentriert. Iber wurden schon u»r dem Kriege 1800 Dunam Boden gekauft. Herr Otting״• will hier die alte, stufenweise Anlage erneuern und Baume pflanzen, welche den klimatischen Verbal iimsm der Berge Judäas angepaßt sind. Hier arbeiten heute 170 Chaluzim und 30 Mädchen au« Polen und der ehemaligen österreichischen Monarchie. Diese Zahl wird mit Lrwei tenuig der Arbeit vergrößert werden. Die Arbeiter sind in vier Gruppen eingeteih und wohnen in militärisch angeordneten Zelten. Mari kann hoben, daß di« Arbeiten hier für die künftige weitzügige Arten mustergültig sein werden. Aufforstung. Die Kobnisations- und Siedlungsabteiliuig will die Gruppe in Kalcndiah aut 50 Arheiler bringen. Die Aufgabe dieser Gnippe wird sei״, die Aufforstung zu erweitern. Dieser Ort wird als Versuchsstation für die Pflege der Bätune benützt werden. Auf den Höllen, die zum Kinerethsec hinüberblicken, zwischen Kincreth und Poriah, wenden Vorbereitungen getroffen, die einer großen Zahl von Chaluzim Beschältigung geben werden. Auch auf dem Karmel wird die Aufforstung zahlreiche Arbeitsgelegenheiten 6chaffen. - In Jerusalem werden tn der Näh« des Zionstores auf dem großen, freien Platz Bäume gepflanzt, wo später ein großer Kinderspielplatz eröffnet werden »oll. ■ Eisenbahn R a f a - K a 111 a r a. ״Die .igyptische Verwaltung wird am 1. Oktober 11/ie Eisenbahnstrecke Kantara—Rafa in der Länge von 200 km übernehmen. Die Beamten werden Acgypter sein. Die Verwaltung wird Stationsgebäude und Wohnhäuser für die Beamten errichten.“ — Wenn sich diese Nachricht bewahrheitet, wird damit die Südgrenze unseres i-andes in Rafa festgclegt, was gewiß keineswegs unseren Förderungen und Erwartungen entsprkht. * Ica und Waid Hachinuch. Mit Linie dieses Schuljahres bewies die lea ihren guten Willen, sieh in Angelegenheiten ihrer Schulen in den Kolonien Unter- und Obergaliläas mit der Zionistischen Organisation /u vereinigen. Nach Verhandlungen mit dein Leiter dev Schulen in UntergaliLäa nahm die lea den Vorschlag desselben an, daß dk־ galiläischen Schulen einem gemischten Komitee übertragen werden solkn, und zwar nicht den Kolonien-Komitees, sondern einem besonderen Komitee, bestehend aus drei Mitgliedern aus den Elternkreisen, einem Mitglied der Kolonien-Koniitees um! einem Schullehrer.- — Die lea beschloß, alle Schulen einem solchen Komitee zu unterstellen, das unter der Aufsicht des Wand Hachinuch stehen soll, mul sh übergibt ihr gesamtes Sduübudgct der Kasse ries Waari Hachinuch. Es sind schon Komitees für die Schulen von Jabneel, öeth Gart, Klar Tabor, Sedgcra, Melehamijeh, Kinereth und Mizpeh begründet worden. 111 Mizpeh baut man jetzt ein besonderes Schulgebäude. In Kineretit übergibt .nun das frühere Schulgebäude, das bis jetzt nicht benützt wurde. In Kfar Tabor wird die Schule um zwei Klassen erweitert. — Dk lea hat jetzt überhaupt ihr Budget vergrößert zur Vorbereitung von neuen Kindergarten, Ergänzung von fehlenden Geraten, Lehrmitteln, Bibliotheken ttsw. Auch die Schtikii in Roscli Pinah und Mischmar Hajardcn gehen in die Verwaltung des Waad Hachinuch über. — Im kommenden Schuljahr wächst somit der Einfluß des Waaii Hachinuch, und dieser wird sein Schulnetz über alle Städte Palästinas und tlic Kolonien ausbreiten. m■ Telephon. De Postdirektion in Jerusalem hat eine neue Telephonleitung angelegt. Außer bei den Regierungsbehörden ist das Telephon auch in den Banken, in den Hotels und in den Warenhäusern eingerichtet. Im ganzen gibt es jetzt ungefähr 150 Sprecltstellen in der Stadt. Eine große Anzahl Abonnenten haben sich .™gemeldet, jedoch aus Mangel an Apparaten noch 'keinen Anschluß erhalten. Ausgrabungen. Auf Grund einer Unterredung de- Herrn Ben Jehuda als Vorsitzenden der ״Jüdischen Gesellschaft für Altertumsforschung in Palästina'‘ mit dem Obcrkonimksär Herbert Samuel erhielt die ge nannte Gesellschaft die Erlaubnis, wissenschaftliche Au-• grabungen an fünf wichtigen Stellen des Landes vorzunehmen. Die Ausgrabungen werden demnächst in Angriff genommen werden. ‘Vorbereitungen für den Aufbau. Wie wir ״Haarcz“ entnehmen, ist in Lodz von einer Gruppe von Kaufleuten und Fabrikanten eine Aktiengesellschaft zur Herstellung von Perlmutter in Palästina gegründet worden. Die Gesellschaft hat bereits alle nötigen Maschinen für die Arbeit gekauft und hat auch dk Erlaubnis erhalten, sie aus dem Lande auszuführcn. Die Mitglieder der Gesellschaft beschleunigen die Vorbercihutgcn zur Eröffnung dieser Fabrik in Palästina. Das Grundungskapital beträgt 200000 Pfund. Dr. Weizmann in der Schweiz. Wie aus London berichtet wird, hat Dr. Weizmann am 11. August London verlassen, um sich nach Italien und der Schweiz zu begeben. Dr. Weizmann dürfte erst Anfang September nach London zurückkehren.