Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 60 (31.8.1920)
- Date
- 1920-08-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wie aber dieses׳ Prinzip in der Praxis durch/tiset/en ist, mul ob es durchgesetzt werden kann, darüber gingen die Ausielue.i1 auf der Londoner Konferenz weit .,uisoi»- ander. j Lines war von vornherein klar: Line ״Nati.oi iialisienmg“ des Bodens heute־, zn verlangen, hielie ' nichts anderes, als den gesamten Boden in den < Besitz, der Laudesversammliasg zu bringen, was j natürlich nicht identisch ist mit dem Verlangen, j dali das jüdische Volk in den Besitz dös Bodens,,! ״ui dein es Kolonisiert, gelangen soll. Sehr richtig sagte daher das Simonsehe Referat: National!- sieruii”׳ des Bodens kann für uns gegenwärtig nichts anderes bedeuten als Natioiialfouds. Cs erhob sieh nutx sofort die Frage: Sol] der National foiids allein berechtigt sein, Boden zu kaufen, oder sollen auch jüdische Privatleute Boden׳ in Palästina erwerben können? Die liiiae Gruppe, die Arbeiterparteien, beantragten, dali nur der jüdische Natioiimfoiuls Boden kaufen dürfe. Hierüber entspannen sich erregte, Debatten in der Koni* mtssion und im Plenum. Ls ergab sich dabei, da. 15 die enragiercesten Natioiiaifondslet!״',, wie B. de 1 .ieine und ich selbst, gegen diesen Antrag Stei- 1 hing nehmen mnliten, gewil) ein Zeichen, dali er ן dem lkaüsielitigteu Zweck niclit entspreche. Die' f Arbeit(. 1 gruppen \erteidigiteit ihn ,leidcuschnüiich! und wiesen darauf hin< dali jüdischer Privatboik'»- ' besitz unweigerlich uichtjüdische Arbeit bedinge. S dali daher der private Kauf von Boden durch i Juden für die nationale Sache nicht nur kein Nutzen, j sondern direkt eine Schädigung sei, weil durch ihn die Ausbreitung der nichtjütlischeit Arbeit und! damit die Aeabisierung des Landes gefördert werde,, j Nichtjüdische Arbeit zu verwenden, sei eine wir;־ schaf'dichc Notwendigkeit für dein Bodenkäufer, da j er hei jüdischer Arbeit keine Rentabilität er/wLa j könne. Auf diese Argumente ist noch /uritckzu- I.:.i111r.cn. '1 rmz ihrer unbestreitbaren Richtigkeit, war es dennoch unmöglich, bei vollster lieberem- •־..hnnumg mit jener Ansicht, für diesen Antrag: zu stimmen, denn er enthält die Forderung, dali 1 .odeu in Palästina, der zum Verkauf stellt, zwar von Nichtjiidcii Christen und .Yloslita •- nicht z:b r vor. Juden gekauft werden darf. (Da!'׳ der Jüdisch!. Natioiialfouds stets so viel Miticl haben werde, um jeden käut'lichen Boden zu erwerben, ist nicht nii/uiiehimn.) Ls würde dadurch der Jude inner ein minderes Recht gestellt sein, als der Nichtinde, was wir schon aus politischen (iründeu niemals fordern dürfen, und was auch die englische Administration aus (mindei! der Demokratie und der Rechtsgleichheit niemals zugeher! würde. Die Frage steht daher nicht so, ob Paliistiunboden in jüdischem Privalbesitz oder Nationalbesitz, stehen soll, sondern oh man neben dem Nationallomlsbcsitz nur uichtjüdische» oder auch jüdischen Bodenbesitz zulassen soll. Stellt man die Frage so, dann beantwortet sie sich von selbst, tun! die Haltung der Majorität, inklusive des Leiters des Natioiialfouds, wird erklärlich. Die Stellung des Avarags in jener Fassung hatte die Frage voll- Warnen verwirrt, und ich habe deshalb nach der Abdiimtiung unter!einmütiger Zustimmung der Majorität erklären können, dal! die Ablehnung des Anlrags der Arbeitergruppc keinerlei prinzipiellen. Charakter habe und nicht bedeute, daß gegen das Grundprinzip gestimmt worden sei. daß der Boden ürr jüdischen Kolonisation zu Nationalfondsboden; ',״erden soll, und darauf hingewiesen, daß die Antrage der Kommission voll und ganz auf dieser Plattform stehen. (Die von der Konferenz angenoiiimenen Anträge sind in diesem Blatte schon veröffentlicht worden, weshalb ihre Wiederholung hier überflüssig erscheint.) Wenn nun auch im gegenwärtigen Zeitpunkt der Kauf von Boden durch private jüdische Käufer Oberst ßiaocliinl ermordet! j Nach einem Teiegramm aus Jerusalem vom V.׳. August ist Oberst B i a n c h i n i unweit Denn! bei einem Angriff auf eilten Eisenhahnzug von Beduinen ermordet worden. Diese Nachricht, die uns kurz vor Redakuonssclthili •/■;״eilt, wird mit tiefstem Bedauern und taiipöning ,׳.׳:׳teei101;1me!1 werden. Oberst Hiaiichiiii, ein Mann von etwa •10 Jahren, war ein italiienisclior Jude und einer der bcdemctulslen italienischen Marineoffiziere, Lehrer aa der italienischen Marine-Akademie und Herausgeber des offiziellen Organs der Admiralität. Kr war ein begeisterter Zionist lind wurde von der ilalienisehen Regierung unserer Bewegung zur Verfügung gcstellt. Kr trat damals in die erste zionistische Palästina- Kommission ein. In dem Wunsch, der z.ionistisdieu Sache zmn Sieg zu verhelfen, war er auch in San Rcmo im Kinvernelnncn mit Wc'i/.m;mn und Sokobw tätig. Line Woche vor seinem tragischen Ende wurde er vom Oherkouunissär Sir Herbert Samuel empfangen. Biattdtini war ein Manu von außerordentlichen organisatorischen Fülligkeiten. Man hatte sich von seinen Diensten, insbesondere bei der Regelung der Einwanderung, sehr viel versprochen. Da nähere Details noch ausstehen, Ist cs mtmoglieh, fest/.ustelk'ii, oh sein Tod in irgendwelcher Be- /iehting mit der jüngst ־gemeldeten Ermordung des syrischen Premierministers A 1 a! cl 11 i n cd Rn hi steht. Dieser sowie noch mehrere Mitglieder des Kabinetts, j ein arabischer Offizier, ein französischer Ot'ti/ier, mehrere Sold.v.cn und ein franz.ösisclter Priester wurden am! 'JO. August hei einem Angriff revolutionärer Banden bei | Khürbct-el-Gltuzali an der Hodschas-Balm östlich von Oaülän getötet. (Aladdiit cd Rubis Ministerium war nach dein Lall des Emir Faisu! gebildet wovt.en.) Spätere Nachrichten melden, dali i(> Passagiere des Zuges und ö Angreifer getötet worden sind. »iclu ttitr /ii.geiasseti, satidertt ^Beschluß u) auch ermutigt werden so|i, ״sofern der spätere Heben::,•mg' des so gekauften Bodens in naii.;aalen Besitz gewiihrleistet ist“, im! über die Kapazität des Jüüischeu Nationalfoiids hinaus, möglichst viel Baden in jüdische Hände zu bringen, so müsse» doch Kaittelen dafür geschaffen werden, daß sielt aus diesen Käufen keine Schädigung der nationalen, Interessen ergibt. Hierbei handelt es siel: hauptsächlich tim dreierlei: 1. Line stürmische Nachfrage nach Land rlttrcll Juden, die bei der ״besonderen Vorliebe‘‘ der Juden für Palüstitiaboden zu befürchten ist, würde eine sprunghafte Steigerung der BoiLaprcise mit sich bringen, wie dies ja selbstverständlich und aus der Geschichte der jüdischen Kolonisation, namentlich der Periode ISöO/Mi genügsam bekannt ist. Es ist daher nötig, dali der Bodenkauf durch Juden — wie dies Beschluß! 5 ausspricht ״bei einem offiziel! anerkannten, unter der Kontrolle der Zionistisehen Organisation stehenden Institut zentralisiert werde“. Schon vor dem Kriege ist es |)r. Ruppin׳■ geiungett, in Verständigung mit der j.C. A., den jüdischen Bodenkauf in E re/.-Israel zu konzentrieren■. Manche Delegierte meinten, ■es sei vorteilhaft, dieses Institut streng vom Jüdischen Nationalfomls zu trennen. Die Mehrheit war aber der richtigen Ansicht, daß das Gegenteil wünschenswert ist, weit sonst der gute Boden, auf den allein private Reflektanten vorhanden sind, in die Hände dieser gelangen würde, mul dem jüdischen Nationalfonds nur der schlechte übrtgbleilten würde. Zudem wird der Jüdische Nationalfonds, wenn er in jenem Institut eine maßgebende Rolle spielen wird, im-■ stände sein, den ganzen Bodenkauf durch Juden zu kontrollieren, den gesamten Markt zu überwachen und dadurch regulierend zu wirken. 2. Muß verhindert werden, daß der jüdische Käufer den Boden als Spekulationsobjekt benützt. Dies wird im Wege der allgemeinen Landesgesetzgebung durch Erlaß bodenrcfonnerischcr Bestimmungen verhindert werden, wie sie Sir Herbert Samuel schon in seiner ersten Botschaft angekündigt hat. 3. Der schwerwiegendste Einwand gegen privaten Bodenbesitz ist jener, den die Arbeiter erhoben haben, daß die Gefahr besteh), daß er ausschließlich durch Niclitjuden wird bewirtschaftet! | werden. Dagegen gibt cs eine gewisse Sicherung, die darin bestellt, daß die /1.m;-'׳t:m.hc )!׳cutisation ihre Hilfe nur denen zur Verfügung -,HU. die sich den nationalen Prinzipien unie:werfen. Lun schätze diese Sicherung nicht gering. Es ist kaum anzunehmen, daß Juden, die in Palästina Landwirtseliaft betreiben wollen, dauernd ohne alle I litte der zionistischen iusiiUitioucn werden arbeiten können. Wenn mau ganz absieht von dem mit der wachsenden Siedlerzahl steigenden moralischen, Druck der äii'i'entlichcn, jüdischen Meinung nt Pal tstina auf jeden cict/eluen Juden des Landes, so wird der reale Wert der Hmcrsmt/ungen detudischen Siedlers durch die zionistische!] Institute so groß sein, daß er ohne sic nicht wird winschäften könne:!, ich habe daher schon auf der Aktionskomitee-Sitzung im Februar dieses Jahres• den Ar.Uag eingebracht, daß d!e Kredithille vier zionistischen Institute ausschließlich mir jenen Siedlern zugute kommen soll, die sielt den Prinzipien des Jüdischen Nationalfonds uitterweiicn, der auch angenommen wurde. Aut der Konferenz habe ich. denselben Antrag gestellt, bin aber damit leider nicht durchgedrungen. Die ״Rechte“, vor aüem bestehend aus der Mehrzahl der amerikanischen, westeuropäischen und polnischen I )elegierten, a*1wie des .Misrachi, hat diesen Antrag dahin modifi/iert, daß sie an die Stelle uni ״ausschließlich“ die Worte ״in erster Reihe׳• gesetzt haben. Ich gestehe, daß icit in dieser l־orm den Beschluß für völlig bedeutungslos arische und deshalb aussprechen itaiß, daß damit eine genügende Sicherheit gegen die erwähnten Gefahren nicht;;eschaffen wurde. Es ist selbstverständlich, daß alle streng auf dem Jüdischen Nation,■iltondsprin/ip• stehenden Zionisten im weiteren Kampf um die Durchsetzung der voliett Sicherung nicht erlahmen v.'erüe». Das wichtigste, praktische .Wittel, tt.u eine ge- Sunde Bodenpolitik uurchzusct/eii, wird natürlich darin bestehen, die Zionistische Organisation, \ ertreten durch den Jüdischen Natkutalionds, möglichst rasch in den Besitz großer und preiswerter Landflächen ,11 bringen, ihn so zu einem bedeutenden■ Faktor au! dem Bodcmnarkt zu titaciieu, wie dies de Lieme in der Kommission ausgeführt!tat. Wird der Jüdische Nationalfonds einen großen Boden- Vorrat haben, so wird kein Jude veranlaßt sein, /u übermäßigen!,reisen von ntehtjndis•.he» Eignern Boden ztt erwerben. Diese werden ihrerseits nie.it imstande sein, übermäßige!Leu.•nuigeu Uuvchzu•» setzen. Es ist alle Aussicht vorhanden, daß es dem Jüdischen Natioiialfouds gelingen wird, sich in den Besitz solcher Flächen zu setzen. Die Staatslätiuereiett werden in erster Linie und zu billigen Preisen: (vielleicht sogar zu Rateiizaliliiugcii) von der Adtninisiration der Zionistischen Organisation angeboten werden. Der Jüdische Natioiialfouds hat deshalb eine״ Vorsprung vor allen privaten Käufern, der nicht gering zu schätzen ist. Größere Flächen־ werden in zweiter Linie wohl auch von den Effcndis augeboten werden. Diese wissen sehr gut, daß mit dem Einzug einer modernen Verwaltung sehr bald die Möglichkeit, Bodenrenten aus der Ausnütz.ung der Fcllachenarbeit zu ziehen, schwinden wird, und deshalb werden sie geneigt sein, den Boden zu vernünftigen Preisen rasch zu verkaufen. Allerdings wird bei Verwertung solchen Bodens vielfach eine Auseinandersetzung mit den darauf arbeitenden Fellachen nötig sein, was hei dem Umstand, daß diese von ihrer äußerst extensiven zu einer intensiven, weniger Bot len erfordernden, Wirtschaft überführt werden können, nicht von ^llzu großer Schwierigkeit sein wird. Der Jüdische Natioiialfouds wird seine Rolle abet nicht nur auf dem Lande zu spielen haben, wie wie viele meinen, sondern auch in den Städten, wie Beschluß 2 ausdrücklich hervoriiebt. Gerade in den Städten liegen die Nachteile privaten Bodenbesitzes, die Aneignung des unverdienten Wert- Zuwachses, Steigerung der Mieten, Spekulation, namentlich durch das Unbebautlassen des Terrains bis zur Steigerung seines Wertes usw. so klar zutage, daß darüber kein Wort zu verlieren ist, wie nötig gerade in der städtischen Kolonisation eine nationale Bodenpolitik ist. Die bisherige des Jüdischen Nationalfonds war eine völlig verfehlte