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Jüdische Rundschau · 1920-08-27 · Heft 59 (27.8.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 59 (27.8.1920)
Date
1920-08-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 59 Seite 404 JUEDISCHE RUNDSCHAU russisch-jüdisches L. ii tv Komitee, das ווי Kontakt mit dem russisdi-jüdisehuii Koimtee 111 Kopenhagen stand,!׳'einer bildete sieli ein ׳!)amenkomitee, das sieh der aus Deutschland auspewiesenen Familien '1und Kinder annahm und durch fünf Jahre Unterstützte. Außerdem war ein Hilfskomitee in Rothenburg, eines in Malmö tind eines in einer kleineren Provinzsiadt, die teils in Verbindung standen mit Stockholm, teils mit Kopenhagen. 250 000 schwedische Kronen wurden an die verschiedenen Länder geschickt. Außerdem wurden private Sammlungen veranstaltet durch Herrn Rabbiner Haurowitz in Jerusalem, dann Frau Dr. Roth weit für galizische Waisenkinder, zur Gründung einer jüdischen Wirtschaftsschule in Ostgalizien. Wir haben viel getan, hätten aber viel mehr erreicht, wenn Fehler vermieden worden wären und wenn zwei Faktoren vorhanden gewesen wären, die wir eben hier schaffen wollen: nämlich eine gute Organisation und Vertrauen. Nieniand hat gewußt, oh die Gelder, die weggeschickt wurden, auch in der richtigen Weise verwendet wurden. Alles war sozusagen anonym, Es haben sieh auch Fülle ergehen, die geeignet waren, das Vertrauen zu erschüttern. So wurden nach Wilna zweimal größere Beträge geschickt, die ins heute noch nicht, bestätigt wurden. Ein Betrag ist überhaupt nicht nach Rumänien gelangt, sondern Vom schwedischen Roten Kreuz nach Petersburg geschickt und irgendwo stecken geblieben. Ferner haben wir .Briefe aus derselben Stadt von verschicdcncn Seiten erhalten, in denen wir aufgefordert wurden, tick! zu schicken, und in denen die Leute einander gewissermaßen verdächtigten. Es war daraus ersichtlich, daß eine-gewisse Unstimmigkeit herrschte. Zinn Beispiel aus Wien haben sich verschiedene Vereine an uns gewendet. All dies erschüttert das Vertrauen mul ist geeignet, die Sammeltätigkeit zu unterbinden. Ich erwähne dies, damit da in Zukunft Abhilfe geschaffen werde. Polen. Lewite: Wenn wir von Polen sprechen, miissen wir bedenken, dab dort seit 25 Jahren ein großer ökonomischer Kampf herrsdit, der von einer einflußreichen politischen Partei, der nationaktemokratisclien, geführt wird und den Zweck hat, die Juden aus allen offiziellen Positionen zu drängen. Dieser Kampf wird mit großer Heftigkeit und allen möglichen Mitteln geführt. Das ist das große Problem. Die Lage der 21/2 Millionen Juden in Pulen wind ,»ich auch in der nächsten Zukuiift nicht bessern, wenn wir /. B. die Orenzen mit Rußland nicht so haben, daß wir! aus Polen nach Rußland Waren aiisführen. können, das heißt, wenn wir auf uns selbst angewiesen bleiben. Die jüdische Bevölkerung Polens hat vom Export nach Rußland gelebt und kann unter den jetzigen Verhältnissen nicht weiterlcben und ist entweder zum Auswandern oder zum ökonomischen Tode verurteilt. Wenn dieses große politische Problem nicht zugunsten der polnischen Juden gelöst wird, kann uns nichts helfen. Ich greife dieses Problem heraus, ■um allen zu zeigen, daß man dicht mir von Produktivierung der Juden! sprechen darf, die z. B. auch damit ziisammenhängt, daß wir Fabriken in Polen gründen können. Wenn dies nicht möglich ist, dann werden wir auch nichts zu tun haben. Vor allem jnüssen wir statistisches Material haben, denn wir operieren hier mit Ziffern, die nicht ganz genau sind. Wir wissen nicht, wieviel von den 21/2 Millionen Juden in Polen Arbeiter sind, wieviel Handwerker usw. Wenn das Joint kommt, arbeitet es chaotisch aus dem Grunde, weil es nicht weiß, was zu schaffen wäre. Es glaubt, daß die Gesellschaft rn!Warschau nicht reif ist, um selbst zu arbeiten und bringt seine eigenen Beamten, die die Verhältnisse nicht kennen und die Anordnung geben, daß diese oder jene Hilfe zu leister» ist Daher wäre vor allem ein Zentralorgan zu bilden, das aus Faktoren gebildet sein muß, die im lande leben und *he Verjiältnisse kennen. Jedes Land hat seine eigenen Hc• dingungen. Hier auf der Konferenz, kann mau nur ]Jcdingungen aufstellen. Es ist unmöglich, in 1 ölen und Litauen zu arbeiten wie in Amerika. Das Joint teilt 1. B. die Bevölkerung in Polen in Orthodoxe, Großbourgeoisie und Proletarier ein. Ich habe sowohl Herrn Dr. Gold mann wie laaich Herrn Dr. Bogen wiederholt genau die Lage• illustriert. Aber die Arnerikaner wollen alle Parteien (zufrieden stellen. Um dies pber zu tun, muß an a!11 Geld geben, um die öffentliche Meinung zu beruhigen. Auf diese Weise unter, die Autorität der Gemeinde. Das Joint nur in Polen, sondern auch land spezielle Komitees nach Alle Parteien, berücksichtigt sagten. Zwar wird in der Diaspora der Gegensatz zwischen Juden und Nichtjuden niemals verschwinden, doch kann er gemildert und erträglich gemacht werden, wenn beide Teile die Einzigartigkeit der Stellung der Juden unter den Völkern begreifen. Jedenfalls gibt cs keinen Gegensatz zwischen der Verwirklichung der zionistischen Ziele Ln Palästina und den Interessen der Staaten, deren Bürger heute die Juden sind. Lichtheim schildert sodann die politische Entwicklung nach Herzls Texte, die Verhandlungen mit der Türkei und schließlich die großen Erfolge der zionistischen Führer in England während des Krieges. Diese letzte Phase des' Zionismus wird von Liehtheim ruit ilwen Wirkungen aut die Judcnhcit, besonders auf die englische lind amerikanische Judcnhcit, eingehend dargestellt. Zum Schluß weist der. Artikel auf die Beziehungen zwischen England und dem Zionismus •hin und stellt fest, daß England zwar den Juden die Möglichkeit gab, ihre nationale Freiheit 'wiederzugewinnen, daß das Werk der Verwirklichung aber nur von den Juden selbst ausgehen kann. ״Wenn die Juden sich so willig zu Opfern, so ganz zur nationalen Tat entschlossen zeigen, wie diese Stunde von ihnen verlangt, dann wird Palästina wiederum das jüdische Land, dann ist das Ende des Exils gekommen, der ewige Bund erneuert.“ I>cr Aufsatz int niißcforriciitliel» zur Aufklärung um! zur Propaganda in jüdiscltcn und nichtjüdisdien Kreisei» geeignet. Es ist zu empfehlen, daß• unsere zionistischen Ortsgruppen von dieser Gelegenheit ausgiebig Gebrauch machen und die Aufmerksamkeit der in Frage kommen den Persönlichkeiten auf diesen Artikel henken. Der Jude, Eine Monatsschrift. Herausgegeben von Dr. Martin Buber. Jüdischer Verlag, Berlin NW.7, Dorotheenstr. 35. Vierteljährlich 15 M., Einzelhefte 5,50 M. Heft 3 ist 60cben erschienen und hat folgenden Inhalt: Annold Zweig: Der heutige deutsche Antisemitkinus; Paul Amann: Assimilation In F rank!viel!; Samuel Rappaport: Aus dem religiösen Leben derOstjudcn (Krankenfürsorge);Martin Buber: Zwei Wundergeschichten; Jakob Rabinowitz: Von westjüdischen Schriftstellern; Helene Hanna Cohn: Arthur Ruppitr. — Umschau: Dr. Nathan ben Nathan: Kolonisation; Markus Reiner: Sozialismus. Vom jüdischen Leben: HansKohn: Juden in Sibirier, l'rabt man tat nicht in Litauen und Weißruß• diesen Prinzipien gebildet, mit Ausnahme der Arbeiterpartei, werden Man schafft ein eigenes Organ, und die bestehenden’Organe, auch wenn sie auf demokratischer Grundlage aufgehaut sind, bekommen das Geld ment. Die Gemeinde ist machtlos, da sie kein Gelt! na/, 11t gar nichts oder •kämpft gegen das Joint. Das iiint, dessen Organe etwas •tun, es schlecht oder gut im, ’aller sie leisten etwas. Die jüdische Bourgeoisie n!,ölen gibt entweder gar nichts oder gibt sehr wenig. Und selbst die bestehenden Organisationen werden ihr vom Joint aus der Hand genommen. Zum Beispiel eine Gemeinde hat einen Arbeitsnachweis, dann kommt das Joint und macht selbst einen. Die lokalen Bcdürfnisse sollen nur aus lokalen Mitteln gedeckt werden. Aber schnelle Hilfe hat auch zentrale Aufgaben. Ls ist z. B. kdne leichte Aufgabe, die Emigranten m Prag zu unterstützen, das ist eine Aufgabe der zentraten Organisationen. Und diese Zentralisierung muß zusammen mit dem Joint durchgeführt werden, und lic Arbeit muß getan werden, wo es nötig ist, beute in Prag, morgen in W.useh.ui. Wir haben versucht, eine Hilfskonferenz für ganz Polen abzuhalten, die nicht zustände kam, weil im letzten Augenblick die Orthodoxen sich zurückgezogen haben. Kinderelend Referat vor» A 1» 111 a Müller. Wenn wir in Wien gedacht hatten, daß unser Kinderelend nicht mehr zu übertreffen sei, so haben die Berichte der einzelnen Delegierten bewiesen, daß das Kinderelend im Osten so unsagbar groß und furchtbar isf, daß Worte nicht hinreicheii, um cf zu schildern. 1(10 000 K1 ic!׳••waisen irren unversorgt in den Straßen der Städte Rußlands, Galiziens und der Ukraine umher, bis ein gütiger Tod sie von dem Leben, da» nur Hunger, Qual und Entbehrung gekannt hat, erlöst. Wir stehen fassungslos vor den großen Qualen, die unsere Brüder im Osten erdulden mußten und aud» jetzt noch erdulden. Die furchtbaren Opfer, die sie alle für ihr Judentum gebracht haben, sollen unser Gewissen zwingen, für ihre Kinder zu sorgen. Kinderfürsorge ist nicht Parteisache, sondern die Angelegenheit des ganzen jüdischen Volkes. Die Kriegswaisen sind das heiligste Nationalgut, und nicht nur unser Gewissen, sondern auch spätere Generationen werden Rechenschaft von uns verlangen, wie wir dieses Nationalgut verwaltet haben. Wir leben in einer Zeit der Evolutionen auf geistigem, wirtschaftlichem und politischcm Gebiet. Es ist daher selbstverständlich, daß, wenn die ganze Welt nach neuen Formen ringt, auch die soziale Fürsorge neue Formen braucht. Was früher als Geschenk des Staates und der Gesellschaft gegeben wurde, ist jetzt anerkannte Pflicht. Aber auch der Umfang der sozialen Fürsorge ist ein anderer geworden. Die soziale Fürsorge vor dem Kriege konnte sich mit der Not des einzelnen befassen, die Arbeit nach dem Kriege muß auf den Notstand ganzer Völker eingestellt sein. Daraus ergibt sich von selbst eine weitgehende Demokratisierung. Die Träger der Für• sorge sind nicht mehr einzelne Personen, sondern ganze Gruppen, Parteien und Landesorganisationen. Das Kinderelend ist in der ganzen Welt eine Teilerscheinung des allgemeinen Elends. Jede Maßnahme, welche geschaffen wird, um das allgemeine Elend ru lindern, bekämpft auch das Kinderelend. Das Ziel der Kinderfürsorge ist leider durch den Krieg auch ein anderes geworden. Konnte man in glücklicheren und ruhigeren Zeiten sich damit beschäftigen, auch jenen Kindern, welche die öffentliche Fürsorge brauchten, eine sorgfältige Erziehung angedeihen zu lassen unc Urnen eine glücklichere Jugend zu schaffen, so muß man sich heute damit begnügen, tausende Kinder vor dem lode zu retten. Unsere Aufgabe besteht also vor allem darin, Kinder vor körperlichen und geistigen Schäden zu bewahren, um sic zu tüchtigen, arbeitsfähigen Menschen zu machen. Frau Müller beschäftigte sich hierauf mit einer Reihe anderer Probleme, welche sich mit der Reform der sozialen Fürsorge im allgemeinen und der Reform der Kinderfürsorge 1m besonderen befassen. Als Mittd zur Bekämpfung des Kinderelends schlug die Referentin eine Reihe von Maßnahmen vor und unterbreitete der Konferenz ein umfassendes Programm von Fürsorgemaßnahm'en, welches alle Mittel zur Bekämpfung des Kinderelend» vom Säugling Iris zu in erwerbsfähigen Jugendlichen anltiiirt. Die Refcrentin schlug zur l’ie- Känapfung des Kinderclends vor; eine Ausgestaltung des Vormundschaftswesens. Welches Los immer das einzelne Kind trifft, es braucht vor allem einen Menschen, der für seine Erziehung und sein Wohlergehen verantwortlich ist und der seine Rechte nach jeder Weise hin wahrt; die Ausgestaltung des Vormundschaftswesens zur Berufsvormundschaft, Sammdvonnundschaft und Vormundschaftsbehörde wurde vorgeschlagen. Als weitere Form der Kinderfürsorge käme eine sorgfältig durchgeführte Adoption im weitesten Sinne in Betracht. Hierzu wären Zentralen in den verschiedenen Länden» zu gründen, sowohl in jenen Ländern, welche Kinder iitifudimeii wollen, als auch iit jenen, welche Kinder zur Adoption vorschlagen. Für jene Kinder, welche sich im äußersten Elend befinden, wäre vor allem die Gewährung von Wohnung, Nahrung und Kleidung anzustreben, und es sollte auch dafür gesorgt werden, daß an jedem Orte, an dem sich Kinder rm Elend befinden, eine besondere Vertretung für Kinder, unabhängig von der anderen Fürsorge, geschaffen wird. Außerdem wäre ja oft eine Entfernung von Kindern aus verseuchten Gegenden ■otwendig. Die Referentin beschäftigte sich ferner mit der Art der Unterbringung der - Kirnt er nmi spricht siel» gegen Waisenltcinic und für d;e Schaffung von KimJcrdörfern und Kindcraicd• lungen aus. , ״ , ״ Vor allem aber wäre nach ihrer Auffaisung eine Neuorganisation der Auslaudslulfe notwendig. Hierfür kommen folgende Vorschläge in Betracht: Organisationen von K'iiderz.ugen und Kinderschiffen,'־die die verwaisten Kinder zu ihren Verwandten nach Amerika bringen; großzügig durchzuführende Adoption verwaister Kinder in Amerika, Südafrika, Kanada, Frankreich, Holland, England, Italien usw. Schaffung von Adoptionszentralen: a) in Ländern, welche Kinder adoptieren; b) in Ländern, welche Kinder zur Adoption in. Aus. land bringen wollen. Gründung von Kindersiedlungcn, welche Kinder in großer Zahl aufnehmen, in Amerika, Kanada und vor allem Palästina. Kriegspatenscliafteil für die Kinder einzelner Orie tl 111 eil 1 nndsiiiaiiMscluritcu. Zur Durchführung all dieser ungeheueren Aufgaben, meint Frau Müller, wäre eine internationale Regelung der Kinderfürsorge notwendig. Es müßte in einem neutralen Lande eine internationale Stelle geschaffen werden, an die sich alle Hilfesuchenden vertrauensvoll wenden könnten, andererseits aber auch die Vertreter jener Länder, welche Hilfe spenden wollen. Die Zentralstellc hätte die Sichtung und Schaffung authentischen Materials zu bringen über Zahl, Alter und Geschlecht, sowie über die Untcrbriiigungsmöglichkeit aller fürsorgebedürftigen Kinder. Ferner hätte sich diese Zentrnlstclle mit dem Studium und der Prüfung der verschicdcncn Methoden zu befassen und außerdem eine systematische Propaganda zwecks Aufbringung der für die Waisen fürsorge notwendigen Mittel zu betreiben. Mit einem Appell an die gesamte Judcnhcit schloß Frau Müller ihre Ausartungen, welche den ungeteilten Beifall der ganzen Konferenz und des sehr zahlreich erschicncncn Publikums fanden. Aller Voraussicht nach dürfte die Schaffung der Zentralstelle für jüdischen Kinderschutz tuid ’Jugendfürsorge schon in der allernächsten Zeit in Angriff genommen werden, und e8 wäre innigst zu wünschen, daß die einheitliche Regelung der Kinderfürsorge den verlassenen und verwaisten Kindern zu dauerndem Segen gereicht. Referat über Kindercrzicluuig Dr. Ehrenpreis: Der Ruf nach Wiederaufbau des zerstörten Judentums wäre eine leere Phrase, wenn wir nicht von vornherein uns klar werden wollten, daß dieser Wiederaufbau auch den Wiederaufbau des zerstörten Biklungs- und Schulwesens der Ostjuden in sich fassen sollte. Wenn es eine Arbeit gibt, welche zugleich rasche und konstruktive Hilfe zusarntnenfaßt, so ist cs diese. Es handelt sich zunächst um eine Not der Stunde. Tausende von Kindern laufen in dieser Stunde in der Ukraine, Litauen und Polen in Straßen, Wäldern und Dörfern aufsichts- und unterrichtstos her- 11m. Das ist auch die Not von morgen. Da ist der geistige Hunger, der ärger als der leibliche ist. Es ist hier sehr viel vom Joint gesprochen worden. Wir wissen, wie viel guter Wille und reine Gesinnung in den Männern des Joint steckt und wieviel Gutes sie geschaffen haben. Aber es gibt etwas Bleibenderes als der Joint und das ist der organisierte Wille des jüdischen Volkes. Ihn zu formen, sind wir da. Millionen von Juden horchen auf diese Konferenz, auf die Antwort, die sie gibt. Und diese Antwort wird auch eine Tat sein. Millionen von Gebern walten auf die Antwort dieser Konferenz, was man mit dem Oelde machen soll. Darum muß sie auch die Frage beantworten: was können wir gehen für die Not der Schule? Wir haben gehört, daß der Joint es ablehnt, Kultur• Hilfe zu gewähren. Ich hatte fast gesagt, ich kenne die Gründe nicht, aber ich mißbillige sie. Ich kann nicht glauben, daß eine Hilfsaktion gemacht werden kann, ohne dem Errichungselend abzuhclfen. Was uns not tut, ist, mit dem jüdischen Luftmenschentum aufm• räumen. Es handelt sich nicht darum, wieder aufmbauen, sondern umzubanen und neu zu bauen. Es ist eine neue Wirklichkeit, die uns das grimmige Antlitz dieser Zeit zeigt. Es war von Melamdim und Sehadchonim die Rede. Ich bin der letzte, der diese Menschen unterschätzen wollte, aber wir miissen es ein für allemal als Tatsache nehmen, daß für diese Menschen in der Welt kein Platz mehr ist. Man kann ein neues Oeschlecht nicht schaffen durch kondensierte Milch, »ondem durch vernünftig geleitete Schulen. Wenn wir von dem geistigen Aufbau des Ostjudentums reden, so müssen wir es mit seinen eigenen und nicht mit amerikanischen oder westeuropäischen Augen betrachten. Das Ostjudcntum in geistiger Hinsicht aufzurichten, ist im besten Sinn eine Selbsthilfe für uns alle. Wir müssen uns gewöhnen, das Ost- Judentum als einen schenkenden Teil des Volkes anzusehen, als die geistige Kraftquelle des Judentums. Diese Kraftquelle zu erhalten, Nt nicht mir eine 1'raK• der lokalen Hilfe, es Ist eine Frage der Selbsthilfe tue uns alle. .,.Es steht fest, wir müssen jetzt im Rahmen der Hilfsarbeit Kulturhilfc leisten. Denn alles, wa* seit Hunderten von Jahren mit vielen Opfern errichtet worden ist, ist zerstört. Wir haben in der Kommisslou vom Vertreter von Sowjetrußland gehört, daß 250 000 Kinder ohne anderen als bolschewistischen Unterricht heranwachsen. Wir haben von der Ukraine gehört, daß 150 000 jüdische Kinder ohne jeden Unterricht fre» in der Welt herumlaufem Wir haben gehört, daß die Baron-Hirsch-Stiftung beinahe auf gehört hat, zu funktionieren. Daß es infolge der Pogrome und der herrschenden Stimmung auch an vielen Orten unmöglich geworden ist, die öffentlichen Schulen zu besuche«■ Wir haben gehört, daß in. Litauen 45 **o der dortigen luden trotz der ungeheuren Leistung in diesem Lande tur die Erziehung vollständig ohne Erziehung herumlaufen müssen. Wir haben auch die orientalische* Vertreter gehört, wobei ich darauf hruweiset» möchte, daß wir den weiterer» Orient nicht vergessen dürfen, aas sephardische Judentum, deren Mittelpunkt heute

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