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Jüdische Rundschau · 1920-08-17 · Heft 56 (17.8.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 56 (17.8.1920)
Date
1920-08-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 444 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 50 ים zuständig, meist aus' Gebieten stammten, welche nur früher ztir Monarchie gehörten. Dies brachte und bringt gewichtige Erschwerungen, da es sie aussdilicßt von den Vcrsorguiigsltäuserii, Sjv.tälcrn und Sicchcahcimcn. Früher konnten diese Juden dort wie andere aufgenommen werden. Heute müssen die Hilfsorganisationen für sie die entsprechenden Betrüge erlegen. Die Lander, die Deutsch-Oesterreich mit Lebensmittein versorgten, haben sich jetzt hermetisch abgeschlossen. Sie ersehen aus der Statistik von Pirquet den ungeheuren Prozentsatz der unterernährten tuberkulösen Kinder in Deutsch-Oesterreich. Wir sind ein armes Land, und im scharfen politischen Kampfe geben die Juden den Sündenlrork ab. Samt• 1»c h e j ti d i s c h e 11 Flüchtlinge ni ü s s e 11 W i e 11 lau tRcgicrungsbcfc hl verlassen, das o 11 st mit Verhaftungen gegen sic vorgegangen wird. Wir brauchen vom Ausland auch hierin Hilfe, und cs schmerzt uns sehr, dal! wir bitten müssen, die wir früher gegeben haben und beneiden Ameiika, dali es geben kann. Es gibt in Wien 36 051) lülNbedüiftigc luden, erwerbsunfähige invaliden, Witwen und Kinder. In Ausübung eines Erwerbes und trotzdem hilfsbedürftig sind vor allein Mitglieder des Mittelstandes und der geistigen Arbeiter. Auch die jüdischen Kinder sind zum großen Teil mitbetroffen von dem Elend Wiens, indem sich unter ihnen 301)00 Unterernährte befinden, welche in sehr zahlreichen Fällen ein Opfer 0er '1113erkulose werden. Auch der Gcburtciirückgan > ist ein ungemeiner. Die Siechenhäuscr sind leer, weil keine Wäsche für die betten da ist, die Sterblichkeit ist ׳ungeheuer. Ich weiß, unsere Not ist nicht so groß wie die im Osten. 1W11 sagen mir meine Petenten auf solche Entgogming slcli: Wein miIi« trefft, dem i .Ix i.ililciiit, Wir verlangen Bruderhilfe, wir wollen nicht Almosen, wir wollen nur Arbeit, daß wir wieder ein fröhliches Volk werden wie einst. In der dritten Sitzung sprach zunächst Rabbiner Nimicrowcr über die Verhältnisse in Rumänien. Ich hatte weniger die Absicht, die rumänische Judennot zu schildern, sondern wollte vielmehr an dem einen Hilfswerk für die Ukraine teilnehmen. Denn nadi dem, was wir heute hier gehört haben, muß man sich schämen, über die Judennot anderer Völker zu reden. Ich will mich darauf beschränken, ganz kurz über die Lage der Juden in Rumänien etwas zu sagen. Die Hilfsorganisationen während des Krieges waren vor ungeheuere Aufgaben gestellt, da schnelle Hilfe vor allem geleistet werden mußte. Wir bemühten uns, den üefangenen und den in den Konzentrationslagern Internierten zu helfen, auch wurde Kinderfürsorge jeglicher Art unternommen. Die Bnai Britlt aus Amerika sandten Hilfsmittel, wir erhielten solche auch vom Wiener Bnai Britli. Heute beschäftigt uns die Frage der Aufbautätigkeit. Während man in anderen!-ändern nicht von Autbau reden kann, weil sie sich ständig auf einem Vulkan zu bewegen schei- 11en, kann man jetzt anscheinend in Rumänien davon reden. Verschiedenes wurde bereits unternommen. Man denkt vor allem an die Hoffnung des Volkes, an das Kind: In Bukarest wurden zwei Waisenhäuser errichtet, in Jassy eines; es werden Kindcrhoimstättcn geplant. Den Beschädigten muß Hilfe werden. Es gibt viele, die ihren Wohnort verlassen haben, und die jetzt zurückgebracht worden sind. Sic fanden ihre Häuser zerstört. Hier leistet die amerikanische Kommission viel. Ueberäll wird organisiert, um eine jüdische Assistenz einzuführen. In der Bukowina wurden in den letzten Wochen zwei Millionen gesammelt. Auch die großen ׳ Städte haben schwer zu kämpfen. Die Vertreter von Amerika haben ein Bild des Landes gegeben und sogar die, die tief im Osten gewesen sind, erschraken vor den Bildern des Elends, die sich ihnen boten. In den kleinen Städten ist es nicht* möglich, aus eigener Kraft Hilfe zu schaffen. Hier muß von außen geholfen werden. Die Komitees (das der einheimischen Juden, das Komitee des Nordens und andere) trachten dieser schwuren Not Herr zu werden. So wurden kooperative und Konsumvereine ins Leben gerufen, Vereine nach dem System Schulze-Dclitzsch, auch eine Kreditbank großen Stils. Man wollte nidit Nehmer und Geber schaffen, Halbgötter und Untermenschen, sondern aufbauend wußte man Vorgehen. Man wollte die rumänischen Juden zur selbständigen Arbeit heranziehen, aber sic stehen natürlich vor großen Aufgaben, denn es sind nur wenige Gemeinden, die halbwegs organisiert sind und kraftvoll genug, um die Schulden »ml all die Institute zu erhalten, und um der jetzigen Lage gerecht zu werden, muß inan alle Kräfte aiispanncn, und auch dann noch sind die rumänischen Juden auf die Hilfe der G׳>- sainthcit angewiesen. Ich weiß nicht, wie die Vereine und Gesellschaften sich beteiligen werden; dort, wo die amerikanische Kommission Spender ist, Ist cs selbstvcrstündlich, daß sich die inländischen Institutionen nach ihr richten. Dort, wo Bnai Brith und die zionistischen Organisationen, die sich auch sehr gut bewährt haben, besonders bei Hilfe geistiger Art, bei Gründung von Kindergärten usw. an der Spitze stehen, ist es auch selbstverständlich, daß sich die inländischen nach ihnen riditiin werden. Bukowina. Dr. Krämer: Es wurde hier gesagt, daß nach den erschütternden Berichten es den ,Referenten anderer Länder schwer faßt, über ihr Elend" zu sprechen. Ich glaube nicht, daß jemand die Berichte so auffassen kann, als sollte in dem Programm möglichst viel Jammer und Elend geschildert werden, um möglichst viel zu bekommen. Diese Ansicht kann wohl niemand haben. Dazu wollen wir uns auch über andere Länder ini'ormicrcn, um zu erfahren, wie dort die Hilfsinstitutionen eingerichtet sind, abgesehen von der Hilfe des ״Onkels aus Amerika“, der kaum ewig als Spender zu fungieren beabsichtigt. Gemäß der Kleinheit meines Landes berichte ich nur kurz: In der alten Monarchie war unsere Lage stets «ine exzeptionelle, weil unsere Judenschaft politisch außerordentlich hochstehend, sich selbst ihre Verhält- . nisse ordnete. Wir hatten schon zu jener׳ Zeit 15 jüdisclie Abgeordnete. Die jüdische Bevölkerung beträgt in der Bukowina 120 000 Seelen nur. Doch diese bilden dp\*ä1S:8UIi‘lc^ Mittelstand, kräftige Bauern, auch Hanwird getrieben. Vor allem ist d»e Judenschaft stets im Boden verankert gewesen. Der ür u n d besitz w׳ a r z u ()0' i ח j ü tl 1 s c 111!n H .1 *l <1 1^ ׳ -״ lfa1H!c!ss:ami sicher /u Um! dicM־r I laiulelsxt.intl _ war gesund, und obzw.tr die judeiiscnait nie icicii war, gab es doch keine Armen. Der Kiieg hat alles geändert, das Land wurde sechsmal zum . Schauplatz streitender Heere. Die Judensdiaft, erschreckt von den Gerüchten, verließ vor den Russen einhergehend zu. fast S()u. % das Land. Bei der Rückkehr fanden diese Flüchtlinge ihre Häuser zerstört, waren ohne irgendwelche neuen Möglichkeiten, sie überschwemmten in ungeheurer Zahl Czernowitz. Die Wohlhabenden unter ihnen waren in Wien gehlieben. Einzelne amerikanische Gruppen, die sich an die Verwandten erinnerten, gründeieii die eisten Komitees, dann wurde der Hiltsdiciist eingerichtet. Jetzt amtiert dort der Joint, doch tritt e־׳ nicht als Diktator auf. Er ist genau, wie auch unser Nationalrat, als Unterhändler mit der Regierung auf- ״eiretcu. Der Bukowinenser Joint funktioniert sehr gut, er wurde von Vertretern aller Fraktionen gebildet und arbeitet zu großer Ziifiiedenlieit des Guides wie auch der inspizierenden Herren aus Amerika. Wir wollen ir i e h t, daß das Schnorrer- 111 in g r o ß g e z o ge n w i r d , u n d e s w a r s c h w e r, dies den Amerikanern klar zu machen, die immer nur schenken wollten. Heute ist es durchgegangcii, und man hat sich auch in Amerika zu dieser Ansicht gefunden. Tatsächlich haben bessere Menschen, die niemals früher die Hände ausgcstreckt hätten, gesehen, daß mau sich bald das Erröten abgewöhnt, und erscheinen jetzt täglich vor den Schaltern des Joint. Für 10 Millionen wurden Mobilien zerstört, cs ist dies alles ausführlich im Einzelberichte uictlcrgeleHt, Wir haben eine große Anzahl von Witwen und Waisen. Am giülttcii ist der Kmlilscliaden. Aber aus den Kreisen der Handwerker und der kleinen Arbeiter erhebt sich vor allem der Wunsch, nicht mehr kleine S p e n d e 11 geschenkt zu bekommen, sondern ein geordnetes K r c - d i t w c s e n zu erhalten, langfristig und mit vernünftigen Zinsen. Dann wird cs möglieh sein, die Judensdiaft neu zu organisieren. Ru- Tiiänien hat vier Judenschafteii, die von Siebenbürgen, die jetzt fast durchweg ins nationale Lager gegangen ist, uie eine sehr gute und gesunde Politik treibt, indem sie jede Position unnachgiebig verficht, die von Bessarabicn, die sich sehr gut bewährt hat, und die der Bukow'ina, die schon mit juditischen Rechten liereinkam und diese auch beibchielt, so daß man sich in der Bukowina damit abfand. Mau überläßt cs uns, unsere Angelegenheiten selbst zu otdneu, in unseren Händen liegt unser nationales Schulwesen, vor allem die Volksschule. Wir können die Gemeinde Verwaltung uns selbst ordnen. Die Bukowiner Judensdiaft muß die schwersten ökonomischen Sofgen verlieren, damit sie imstande ist, politisch weiter zu wirken, beispielgebend vielleicht ttir den ganzen Osten wirksam Tschechoslowakei. Professor Engel: Von einer eigentlich großen und weitverzweigten Hilfsarbeit hat man in den westlichen Ländern nie sprechen können, auch auf unserem Boden hat es das 11:0 gegeben und erst als 25 (HK) Flucht- Enge in der Tschechoslowakei, erschienen, erwachten die Juden aus ihrer Lethargie. Wir können liier sagen,! daß dies viel Erfreuliches zeitigte. In der Fürsorge w urde viel Eifer aufgeweiulet und große Geldsummen aufgebracht. Erst in der Nachkriegszeit ist dieser Eifer unserer Juden etwas gesunken. Was die kulturellen Hilfsaktionen betrifft, so haben hier die Sudetciiläiidcr den besten Erfolg, da in ihnen 12000 Kinder wirklich jüdisch erzogen werden, Schulen und Kinderheimstätten, vom Staate gefördert, bestehen. Mit dem Umsturz ist das seinerzeit alles zusaniinengebrochen, und wenn nicht jene fünf Männer zusaiiimcngetrcteri wären und den jüdischen Nationalrat gebildet hätten, um die wichtigsten sozialcn Probleme zu lösen, wäre die Lage der jüdischen Flüchtlinge eine furchtbare gewesen. Er hatte mit ungcheurcii Schwierigkeiten zu kämpfen angesichts der großen Unsicherheit der politischen Lage, die noch heute besteht. Dies ist es auch, was das Interesse der Juden am mächtigen Hilfswerk vor allem beeinträchtigt. Die Juden aus der Tschechoslowakei liaben ihre Pflicht seit den Oktobertagen nicht erfüllt. Es war der Nationalrat, der sich mit einzelnen Personen immer in die Bresche stellen muß. Im Ausland sieht inan in der Tschechoslowakei seit je eine Art glücklicher Insel, nie wurde wahrlich zu einer solchen dir die •U)(X) jüdischen Studenten, die vor 1 lorthy zu uns kamen und die Universitäten Prag und Bratislava überschwemmten. Auf sie muß auch die Aufmerksamkeit der Konferenz hingelenki werden. Es muß ein großes Hilfswerk für diese Studenten eingesetzt werden. Eine Unterstützung, von der wir schon heute wissen, daß sie in 4—5 Jahren sicher zurückgezahlt werden wird. Auch für den Flüäitlirigssfrom brauchen wir dringende l liife. Ob die Eiiiigranten nun nach Palästina, Jugoslawien, Belgien, Holland oder Amerika reisen, beinahe wöchentlich passieren bei uns solche Trupps, wir müssen für sic geeignete Aemter errichten und zu deren Schaffung brauchen wir die Hilfe der Konferenz. Wir können dies nicht allein leisten. Die letzte Aufgabe ist die Hilfeleistung für iguc, die ich als eigentliche Kriegsopfer bezeichnen muß. Eigentlich müßten dies die Gemeinden tun. Man darf nicht nach dem Beispiel der großen Gemeinden diese Hilfeleistung abzulehncn versuchen. Mögen sich die Gemeinden gemeinsam in emc Reihe stellen und sich vereinigen, um den invaliden Juden Hilfe zu leisten. Slowakei. Dr. Eisler: Wir in der Slowakei sichen mit der Bevölkerung 1m besten Einvernehmen; auch die kleinsten Gemeinden befinden sich kulturell wie wirtsdiaftlidi in schönem Aufschwung;; sozial haben die Juden stets ihre Pflicht getan, nicht nur im Vaterlaude, sondern auch für Ercz-Israel. Als der Krieg die furchtbaren Verfolgungen brachte, wurde den Juden alles zum Vorwurf gemacht, was sie taten, oder was sic nicht taten. Im Jahre 191$ wurde durch Raub und Plünderung schon damals zweihundert Millionen Schaden den Juden angerichtet. Selbst kleine Gemeinden erh'tten Schaden bis zu 15000000 Kronen. Die jüdische Bevölkerung wurde aus ihren Geburtsorten gejagt. Die Möglichkeit ihrer Bociiaftigimg wurde dir entzogen. De'reichen Juden han11־ ihr Vermögen nach Budapest ׳,chrach;, wo es noch jet/1 liegt, mixidicr und teilweise entwertet. Jetzt ergießt sich ein ungeheurer Elüchtüngsstrom, den nun kaum zu unterstützen vermag. Wenn sich die Juden wirtschaftlich aiifralfen wollten, war die nichtjiidisclie Konkurrenz viel zu groß. Der ״Volksverbatul“ tat alle Schritte, um thhe zu bringen, die wirtschaftliche Lage zu bessern, die $tudeuten und die Flüchtlinge zu unterstützen. Ein Effekt wurde nur durch die Arbeit des Jomt möglich. Die Lage Karpatliorußlands ist ähnlich. Materiell ist sie noch elender. Die Juden in Karp״j׳h0. r u ß I a 11 d g c 11 e ח d e m voll! g c n V e r k o m m c n entgegen. Hier bietet sich auch eine große l/cfihr für den Westen. Wird nicht Hilfe schnell gebracht, w wird sich über den Westen ein riesiger Strom von Flüchtlingen ergießen. Wir bitten nur ungern und täten cs lieber nicht, aber wir müssen ersuchen, die Juden der Slowakei uml von Karpatlioiußlaiul zu unter■ stützen, wir bitten, daß ihnen der WiederauHua — möglicht werde. er Ungarn. Hierauf ergreift, lebhaft begrüßt, Oberrabbiuer Dr. Chajes-Wien das Wort: Sie werden sich wundern, daß ich hier über Ungarn berichten werde. Ich habe m Ungarn nichts zu tun, bin aber leider unter Ihnen \id• leicht der einzige, der einiges über die unglaublichen Zustände im Lande Horthys zu berichten bat. Ich werde Ihnen keinen Vorschlag ökonomischer Natur zu machen haben. Um materielle Hilfe wird cs sich nicht handeln. Trotzdem können wir etwas tun. Wir können 11 ä m I i »• 11 di c ö f f 1■ 11 I I i e 11 e M c i 11 11 n g unter J u.d e 11 und N i c 111 j uU e 11 gegen die Schundtaten, gegen den Terror mobilisieren. Es ist etwas Unerhörtes in unserer Geschichte, daß in einein Falle solcher Verfolgungen keiner von den Bctroffenen den• Mut oder die Möglichkeit fand, über die traurigen Erlebnisse selbst zu berichten. Die Juden Ungarns schweigen und müssen schweigen, denn jedes Wort bedeutet Lebensgefahr für sie. Ich war vielleicht der erste, der Mitteilungen über die Zust.imk׳ in Ungarn bekommen hat und diese Mitteilungen weiter nach Paris, Amerika und San Konto gebracht hat. Die Namen der Männer, die vollkommen verläßlich sind, darf icii nicht nennen. Es wird einigen unter Ihnen bekannt sein, daß ein jüdischer Abgeordneter in England, Sir Stuart Sa■ muef, die englische Regierung interpelliert hat, daß die englischen Vertreter in Budapest mitschuldig sind an dem großen Schweigen der Entente. Die Berichte des englischen Vertreters waren so gefärbt, daß Eng• land den weißen Terror ableugnen konnte. Der jüdische Abgeordnete hat die englische Regierung intcipelliert. Das Ergebnis war, daß ein Brief oiii/ie.k'!!.,disdier Persönlichkeiten aus Budapest vorgewiesen wurde: Wir bitten, in unserer Angelegenheit mein zu intervenieren 1 cs geht uns gut, es gibt keinen weißen Terror. Der Brief war von führenden Männern, von tlieologisciun und nichttheologischen Vertretern, unterschrieben, und die englische Regierung konnte darauf himvosen, cs gäbe -keine Ankläger und daher auch keinen Angeklagten. So liegen die Verhältnisse. Darum habe ich es t1.׳r meine Pflicht erachtet, in Wien und im Ausland die Aktion zugunsten der ungarischen Juden zu beginnen und halte es für meine Pflicht, Ihre Aufmerksam• keit darauf zu lenken, damit von hier ein Protest in die Welt geht, und ein jeder sich verpflichtet tuhle, in seinen Kreisen und in seinem Lande endlich ein• mal die ganze zivilisierte Welt aufmerksam zu machen auf das, was in Budapest geschieht. .Auch die Juden haben sich nicht darum gekümmert. Iimiur lut es in ähnlichen Fallen Protestkundgebungen gegeben. Ucker Ungarn schweigen auch die Juden. Sie wissen gar nicht, was in B u d a p e s t g c s c h i c 111! Der Generaldirektor des Joint, D. C. D.\ Gold mann, wollte, als er in Wien war, gar nicht glaub»!, was man von Budapest erzählt. Er fuhr nach Bml.ip.st, und als er nach S Tagen zurückkehrte, w a r er kau m zu erkennen. Ich habe so bald keinen >0 innerlich zerrissenen Menschen ge• sehen. Er hat nicht alles gesehen, aber er hat genug gesehen. Goldmann hat mit dt 11 Amerikanern dort gesprochen. Ein oder zwei Wochen nach seiner Abreise ist folgendes geschehen: 7wei Herrn! der a11u11׳k,misd>en Gesandtschaft sind 11■ Begleitung 101■ garischer Offiziere mit der weißen Leder, welche den Juden sehr gut bekannt ist, in das jüdische Viertel gegangen. Sic sind nicht in jene Häuser geführt worden, wo Opfer vorhanden waren. Durch Vormitflung der Offiziere haben die Amerika!!» an jeden die Frage gestellt: Haben Sic gelitten? us«. Die Juden im Ghetto sahen die beiden Offiziere, de Herren in Zivil waren ihnen unbekannt. Und »״ jeder hat natürlich geantwortet: ״Nein, uns ist nichts geschehen.“ Ein Mann war intelligent genug, zu sagen: ״Mir persönlich ist nichts geschehen, aber idi kann Ihnen Familien angeben, wo Sic vielleicht Näheres erfahren.“ Darauf liaben die Ungarn geantwortet: ״Das hat inan Sie nicht gefragt." So also war die Untersiicmmg. Sie werden ja manches aus den Zeitungen wissen, ich will mich in keine Schilderungen eiulassen. Jetzt ist es Zeit, daß Sie in den Ländern, die Sie vertreten, auf diese schrecklichen Leiden aufmerksam machen. Die öffentliche Meinung bedeutet noch etwas in Ungarn. Wir haben keine andere!1 M ö g ־ lichkeitcn, als die öffentliche Meinung aufzukUren. Ich habe hunderte Fälle notiert. Man könnte die r'1st...,am 1-eben verlieren, w־cnn man alles wüßte, ich tuhre nur einen charakteristischen Fall an. In Ofen hat cs einen alten 65jä!1rigen Manu gegeben, der im (wr5nam^ Chasen war. Eines Nachts kamen drei Uitiziere in seine Wohnung. Er war gerade grippekrank, ist überhaupt ein schwacher, halblahmer Mann. Man hat ihn in der Nacht verschleppt;, die Söhne, «hemalige .ungarische Offiziere, baten, ihren Vater 4>e■ gleiten zu dürfen. Sie wußten, sie würden niemals erfahren, ■wohin er gekommen ist. ,Man hat 09 ihnen nicht erlaubt. Acht Tage konnten sie nichts erfahren,

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