Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 56 (17.8.1920)
- Date
- 1920-08-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 56 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 443 k' tr« 1 * *י n ts .ii lüI־•e n, J.1 ' M.iil, I 1;:r Sru; ■. 1 f iur t der :b;m. ibmnr inte! \'L I » Ga.st ( erc!u j tage!• J der 1;!ndeii Paris l he- : den j , daß zum I :eilen ü zu a n g iclk'i) Die litten! a!a i )ui VOIim. Du. »licht Für- :h ui pclio-;!‘lau B es Rc 1 t )r. teilen Stand , die der ׳areu mit• De/«■• He- 1 111■ gar rot/ ׳g י!׳ tim m ]ands ’■ 1..1I1 ender ״Im f Re• I des I da» 1t die IR. 'a11־ J, : *if s:■ di ie, rt |n ak- 'in al;< in 1(1■ urt r Re- II Rer C ־st JüReu GRnt ,'litt nicht oder gmijl ij,'«־׳ 1 g1’׳ ■ aus Tage Ge• rzelu, nach- Falsch lier/u , d-115 |C1R1U an des sehen Sogar t* ';.לי fclüre hinzuiiiiert -ת<1<יי*ו 5,Welt! I 1 1 I I I 1 < I I , o . .. גד"» י•״■ > רי־״ז \ , ••, \ ii \ ' ■ fi V \ וי־■» >ך r—ך J t > ך—־^ 3>׳»^ I ' WO &"/ ג ' ' \ t._J 1 . ■ J 4. C.~ ..J> <kj ץד* / i 'vi-*# «Li» «L .j Die bis jetzt vorliegenden Mitteilungen über den Verlauf der Jüdischen Wcithilfskoiiferenz bringen die Berichte der Vertreter der einzelnen Lander über die jüdischen Verhältnisse in ihren Staaten, insbesondere über die wirtschaftliche Lage und das I hltserfordernis. Fast alle diese Schilderungen geben Kunde von irnerhörter Not, aber sie alle verblasse» vor den erschütternden Einzelheiten über die Zustände in der Ukraine und in U ngurn! Was in diesen beiden Ländern geschehen ist, ist ein Vorbrechen so unerhörter Art, dalä kein Wort der Vcrdammitis zu stark ist für eine ״Kultur“, unter der solche Dinge möglich sind, ohne den tätigen Protest der ganzen zivilisierten Welt automatisch ausziilösen. Bezeichnend ist, dali die Träger des Pogroms immer una überall der von den niedrigsten chauvinistischen Instinkten aufgepcitschtc Militarismus ist. Was die uniformierten Horden Koltschaks, Den ikins und Petljuras in der Ukraine und in Sitdmßlaiul begönnen haben, setzen die Oifiziere Horthys in Ungart! fort. Erhebend ist die Feststellung, dali die schwer heimgesuchte Judenschaft all dieser Länder trotzdem, den Drang und den Mut empfindet, aus eigener Kraft sich wieder emporzuarheiten und von aulien nur die unttmgängliehste finanzielle Hilfe verlangt. Die chr/.eluen!ieiiehte bringen erfreuliche Mitteilungen über die Art und Weise, in der mau in den verschiedenen Ländern zum konstruktiven Wiederaufbau des jüdischen Lebens geschritten ist. Dieser unbesiegbare Lebenswille, der seihst unter den furchtbarsten Verhältnissen den Glauben an die Zukunft nicht aufgibt und stets noch einen letzten Rest eigener Kraft findet, manifestierte sich auf der Wclthilfskonfereiiz in überzeugendster Weise. Wenn die Judcnhcit der helfenden Länder so sehr auf den Gedanken der produktiven Selbsthilfe eingestellt ist wie diejenigen, die der Hilfe bedürfen, kann von der Konferenz trotz aller Schwierigkeiten fruchtbare Arbeit erwartet wenden. / * Das Präsidium: Professor Sitnonsen, Kopenhagen, Leo Motzkin, Paris, l>r, A. Salkin, Petrograd, H. Sliosberg, Petrograd, Sr. M. S01 o we i t scli ik , Kowno, Dr. N. 1! i 1111 ־) a u m , Berlin, A. L ין s t e i n . New York, A. Rot teil bürg, New York, Dr. Ludwig Singer, Prag. 1 ist Sekretariat Von vier Personen: Dr. I). ('.oben, Haag, Hans l< o 1111, Prag, l)r. M. Krämer, C/crnowitz, L eon C11 a s a no w 11 s c 11,. Hierauf wird zur Wahl einer Mandatskommission geschritten, welche die Legitimationen prüfen soll. Es werden gewählt die Herren: Ur. Gelber, Uosenblüth, Shelwin, Prof. S o b e r 11 c i 111 und Ungar. 9 In der zweite» Sitzung der Wclthilfskonfereuz erstattete Ingenieur W, Teilt kin den folgenden Bericht über die schreckliche Lage der Juden in de! Ukraine. Das grollte Unglück für das Judentum 111 der Ukraine war stets der Wechsel der Macfit. Jedesmal, wenn die Macht von einer Hatnl in die andere überging, entstunden die fürchterlichen Massakers. Stilist unter den Bolschewisten ist dies nicht ganz vermieden worden, ohschoti sie allgemein den Exzessen ein Ende machten. Am schrecklichsten waren die Ausschreitungen, deren sich die Banden Petljuras und einer Reihe anderer Generäle schuldig ׳machten. In Strömen floh das jüdische Blut, cs waren Grausamkeiten, die aufzuzäldeu schon aullcr* ordentlich schwer ist. Man hat tatsächlich Bäuche aufgeschlitzt, Schädel zertrümmert, Frauen und Mädchen vor den Augen ihrer Männer und Eltern geschändet. Und die;, geschah nicht 1)1015 durch Bande», sondern durch organisierte Armeen einzelner Heerführer. Es ist falsch, zu glaube», dali dort absolut chaotische Zustände geherrscht haben. Die Behörden haben von diesen Pogromen gew u 111 und sie zum Teile selbst inszeniert. Ein Kommandeur Bat unmittelbar vor dem Pogrom einen Befehl erlassen, in welchem er die Juden warnte, sic als unglückliches Volk titulierte und sie fragte, ob sie denn nicht für ihr Leben besorgt seien. Als der Pogrom atishrnch, dauerte er sechs Tage, und an jedem Tage wurde er wie eine bestimmte Arbeit tim 6 Uhr mit Musik zu Ende geführt. Zuerst waren die Pogrome nicht so fürchterlich, wie sie später wurden, aber schon die ersten Pogrome versetzten die luden in höchste Besorgnis und Angst. Das war schon Lude PJ18 und Anfang 1910. Ueber die GrausnmU'it der Pogrome führt der Redner folgendes an: Fs sind Leichen gefunden worden, denen 36 Wunden hei;:! bracht waren. Die schrecklichsten seelischen Torturcn bestanden darin, dali man nicht e rin übte , die Ermordeten zu beerdigen, Sobald sich mutige Juden ansdiickten, ihre Brüder zu begraben, wurden sie niedergeschossen. Das geschah insbesondere im Orte Prosktirow. Die Parole, unter der diese Pogtwe pnacht wurden, war: Heilige Ukraine, Tod den Juden! Erst am sechsten Tage, als der Bürgermets;er von Proslcurow, ein Jude, unter der größten Erniedrigung dem Bandendief die Fülle küßte, fand der 1 “g“>n1 ein Ende. Furchtbar waren dann die April- Pogrome. Vier Städtchen wurden absolut ausgeschlachtet. Die Dampfer wurden äugehalten und die Juden, die sich flüchteten, wurden hinausgezerrt und ertränkt. An vielen Orten fanden die Po* greine zehnmal zu verschiedenen Zeiten viele Tage hin- “hrch statt. Ratfomysl hat überhaupt einen ständigen Pogrom «riebt. Dann begannen die Maipogrome unter Metman Gregoriew. Es waren "keine 1-Wrome mehr, sondern an Pogromorkan. Den ganzen Sommer hindurch tobten die Pogrome. Im ganzen waren es zirka •i0״ Orte, die zum Opfer fielen. Man fragt: Wie kommt es, dali die Juden sich gegen solche Geschehnisse nicht sclmt/ei! konnten? Der Grund ist, dali an allen Oiteu stets vorher den Juden! alle Waffen abgenomnien wurden, und eine Gegenwehr gegenüber der ungeheuren Ueber» zahl einfach nicht möglich war. Es sind bis jetzt 568 Orte pogromiert worden. Er» mordet sind 138 000 Juden. Die Zahl der Kranken, Vcrwuudcten, Mißhandelten ist unabsehbar. Völlig ruiniert sind von 3 Millionen Juden 1 200 (10o Seelen. Die Summe, die notwendig wäre, tun zu helfen, ist •100 Millionen Dollar. Die Zahl der Waisen beträgt 120 bis 150 000. Das ganze Material, welches Temkm voi'gebrncht hat, samt Dokumenten, Befehlsabschriften usw. wird in einem Schwarzbuch in französischer, englischer und deutscher Sprache erscheinen. Großrußland. Sliosb c rg: Ich habe die Aufgabe, Ihnen einen kurzen Bericht über die Lago in Rußland zu erstatten. Rußland in seinem früheren Umfang ist das klassische Land der hilfsbedürftigen Juden. Es ist daher kein Wunder, daß gerade in Rußland schon von jeher vcrschiedcne 1 lilfsorgauisationeii bestanden haben. Wir waren auf Selbsthilfe angewiesen, da die Regierung nicht mir nicht mitgeliolfen, sonder» mancherlei Schwierigkeilen gemacht hat. Wir hatten Schwierigkeiten beziiglieh der Aufnahme in die Schulen, bezüglich Freizügigkeil, infolge der Frei/ügißkeBsbesrhräiikiiiigen sammelte sich in den Städten, und insbesondere in jenen Städte», wo der Aufenthalt den Juden erlaubt war, $.» viel jii- Gische Bevölkerung au, dali gar kein Mittel und keine Gnuullage zu ihrer wirtschaftlichen Ausbildung gegeben war. Wir hatten 15 Prozent Handwerker unter ihnen, freilich Handwerker ganz eigener Art, die ohne jede Mithilfe arbeiten. Es sind Klcinhnndwcrkcr, die kaum ihr Lehen fristen. Nur 5 Prozent der ganzen Bevölkerung waren i tt Handel und In dustrie vertreten: das waren die Wohlhabende». 15 bis 20 Prozent waren, die überhaupt keine bestimmte Beschäftigung hatten, sogenannte L ti f t m e n s e 11 en , sulche, die überhaupt nicht wußten, was morgen mit ihnen geschehen werde. Die übrige Zahl waren Kleinlüindler, Diese Kleinhändler waren keine Buitrgonis, das waren Leute, die mit einem Kapital von 5!> bis 00 Rubel handelten. Alle diese Klassen, die Handwerker, Luftmensehen und diese kleine» Händler, waren in den Städte» cingcsperrt iinil mußte» selbst eine soziale, gesells.chaftliclic Hilfe haben. So brauchten wir stets Orgauisaiiuiteu, die dem Notstand der russischen Juden abhelfen sollten. Da brach der Krieg aus. Es wurden Komitees in den verschiedenen Ländern gebildet, u n die Not der Kriegsopfer zu rindern. Aber schon am Anfang zeigte es sieh, daß noch mehr Opfer des Unfugs im Kriege waren, als eigentliche Kriegsopfer. Sie kennen die traurige Geschichte der Spi.iiuyebrSduiLligiuig, die Austrei- Innig• der Juden aas den Gegenden des Krieges, weil 111:111 die jaden von vornherein der Spionage beschuldigte. So begann die traurige Zeit, da die Juden aus den westlichen Länder» immer mehr nach Osten, bis »ach Sibirien bin, evakuiert wurde». Sie kennen die Geschichte von 11er vollständigen Ausweisung der Juden von Kur- Lind und Kowno. Während einer Woche wurden mehr als 70 000 Seelen, damnter Greise, Krüppel, Weiher und Kinder, ausgewieseu. Das stellte uns in Rußland vor eine ungeheure Aufgabe. Wir hatten es von Anf a 11 g a n für rieht! g e rächtet, d a Ii d i e Hilf e nicht nur in G c Id v er te i 1 u n g e n bestehen soll, sondern konstruktiver Art sei» müßte. Wir benützten die Hilfsorganisationen, die wir schon hatten. Die schnelle Hilfe, 1 ieransiinden von Plätzen für Flüchtlinge, Wolmmigs- und Nalmtngssargen, ) ransport der Flüchtlinge, wurden vom Hilfskomitee für die Kriegs- und Pogrouiopfer geleistet. Aibeitsliilfe organisierte die Organisation für 'Forderung des Hand- Werks und der Landwirtschaft. Sanitäre Hilfeleistung übernahm die Gesellschaft für die Besserung des GesundUeits/ustamii's. Für die Erziehung der Kinder sorgte die Gesellschaft fiir Förderung der Bildung und Aufklärung der jüdischen Jugend iii Rußland. Folgende Zahlen solle» ein Bild dieser Tätigkeit!1,׳eben: Unter unserer Aufsicht standen 238 001)' bedürftige Flüchtlinge, welche mit Kleidung, Wäsche, Nahrung und Wohnung versorgt wurden. Mehr als 16000׳ Kinder wurden von diesen Organisationen betreut. Es wurden DO Kinderheime gebildet, MO Aerzte waren tätig. In den Kinderheimen waren mehr als 8000 Kinder im Atter von 3 bis 7 Jahren, und mehr als 220 Schulen wurden fiir die Flüchtlingskinder gegründet. 36 000 Kinder haben liier ihre Schulbildung׳• erhalten. Ganz aulieroalentiieh entwickelt war die Hilfsaktion in der Arbeitsbeschaffung. Diese hat 75 Büros für Arbeitsnachweise gebildet, und mehr als 70 000 Juden habe» dort Arbeit gefunden. Außerordentlich günstig hat sich die Organisation von Patronaten erwiesen. Kinder von 12 Jahren au wurden zu verschiedenen Handwerkern als Lehrlinge pegeben, wobei wir in den verschiedenen Städten Aufseher hatten, diu die Fürsorge über diese Lehrlinge bcaufsichtigten und hierbei auch fachliche Ratschläge gaben. So entfaltete sich allmählich die Tätigkeit in Petrograd. Aber es wurden nicht nur von Petrograd aus etwa die Gesetze diktiert, sondern das Komitee bildete sich allmählich demokratisch aus, und in den letzten Jahren gab es ein Zentralkomitee, worin alle Parteischichten der Bevölkerung vertreten waren. Als der Krieg aufhörtc, kam a!c Revolution. Wir erlangten wohl vorerst die Gleichberechtigung, aber die Freude wahrte nicht lange. Die Folgen der Re» volution hatten die Wirkung, daß die Juden in ihrer wirtschaftlichen Existenz voll ko nt men vernichtet waren. Die Lage ist jetzt so, daß gerade die'städtische Be- ן Völkern ngi 11 re ökonomische Selbs tändig- I keit verloren hat. Es gibt keinen freien Handel 1 und kein freies Gewerbe. Alles ist verstaatlicht. Da; die jüdische Bevölkerung nicht im Bauernstände vertreten ist, da überhaupt kein Rohmaterial da ist, kein Handel and kein 1 iandwerk, so läßt sich wohl vorstcllcn, wie der Zustand der jüdischen Bevölkerung ist. Doch cs war nicht genug an Kriegsopfern und an Revolutionsopfern. Die Judenmassakers, von denen die Ukrainer heimgesucht wurden, schlugen ihre Wellen bis nach üroßrußland. Auch hier wurden viele Städte von den herum/ichenden,Banden überfallen, die Jude» geschlachtet, viele vertrieben. Wieder gab cs Flüchtlinge; und noch jetzt sind nicht weniger als 10000 jüdische Flüchtlinge in Smolensk, Wicbsk, HotncI, die nicht die Möglichkeit haben, nach Hause zu kommen. Wir waren von der Ukraine abgeschnitten und nur manchmal kamen Nachrichten, in welchen wir von den furchtbaren Pogromen der Armee Petljuras hörten. So gab es denn eine neue Kategorie von hilisbedürftigen Pogromopfern. Man kan» kaum feste Angaben machen über die Zahl der Hilfsbedürftigen in Sowjetnißlaud. Denn der Begriff Sowjctrullland ist kein fester, und immer mehr dehnt sich das Gebiet der Sowjetrepublik nach Westen aus. Nur allgemein kann inan die jetzige Not schildern. Ohne soziale Hilfe muß das russische Jud e n t um ökonomisch zugrunde gelten. Nur die Hoffnung auf Wiedergeburt erhält es am Leben. Denn der Zustand ist trotz, allen Jammers nicht hoffnungslos. Fs kann vieles geschehen. Vor allem müssen die Kin d e r g e r e 11 e t w e r d e 11. Wir liabeit in Rußland keine nationale Schule, es gibt nur Staatsschulen, Religionsunterricht ist verboten. Die 'ganze Bevölkerung verhungert. Wenn ich die Zahl der in den Städten von Sowjetrußland lebenden Juden mit 3• -' Millionen angebe, so habe ich damit auch die Zahl der Hungernden •angegeben. Es gibt keinen einz i g c 11, d e r » 1 c 111 hungert!‘ Freilich hungern die anderen auch. In dieser Beziehung herrscht vollkommene Gleichberechtigung. Aber das erleichtert die Lage nicht. Ganz, besonders leidet die Jugend und die Kinder. Ihnen müssen wir vor allem helfen. Die Entwicklung, welche die große Not in wirtschaftlicher Hinsicht hervorgerufen hat, zeigt schon den Weg zur Hilfe. Viele Elemente haben sich der Landwirtschaft /!!gewendet und suchen sich auf diese Weise zu ernähren. Diese Möglichkeit der Hilfe bestellt also. Denn wenn auch der Boden nationalisiert ist, die freie Arbeit ist nicht verboten. Der Handel ist wohl ausgeschlossen, aber die Bearbeitung des Bodens ist nicht ausgeschlossen. Man muß daher den Juden die Möglichkeit geben, die nötige» Werkzeuge zu beschaffen, damit sie siel» mit der Land- Wirtschaft beschäftigen können. Das ist jetzt das Bestreben der Organisation zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft, deren Präsident der Vortragende ist. So hat die Notlage vielleicht zum Woltle der Juden eine ganz neue Möglichkeit der Hilfe ausgebildet: die Unterstützung■ der landwirtschaftlichen Betätigung. Fine weitere große Aufgabe ist, den 1 iandwerkern die Möglichkeit zu geben, ihr Handwerk zu betreiben, De ״Möglichkeiten dazu mehren sich. Nach einigen letzten Dekreten der Sowjetregierun״ wird die Hausindustrie begünstigt, hier kamt schau vieles geleistet werden. Aber die Juden haben keine Werkzeuge und haben auch keine Möglichkeit, sie in Rußland zu beschaffen. Sie müssen importiert werden. Es gibt auch kein Material für das Handwerk, das alles muß durch jüdische Organisation geschaffen werden. Eine weitert Notwendigkeit ist die Kreditbeschaffung. Oesterreich Anitta Müller: Verschiedene Redner haben darauf hingewiesen, wie schwer es fällt, von Ländern, die trüber nicht spezielle Minder des Judenlekls gewesen sind, diesbezüglich sprechen zu müssen. Aber jetzt, wo ein Ucberblick von allem jüdischen Elend ge- Wonnen werden soll, darf man nicht in den Zahlen- Wahnsinn verfallen. Wir wollen Not lindern und müssen von der Heiligkeit des einzelnen Menschenlebens Und müssen auch von dem. Elend weniger Juden reden, wo nicht Massen, im Elend leben. In Oesterreich ist es nicht so schlimm wie in anderen Ländern. Dennoch herrscht auch dort große Not. Vorerst die Not der Fl üchtlinge, die nach Wien kamen. Es waren dies während des Krieges ungefähr 150 000, die der Staat, da sie doch seine Bürger waren, mit Unterstützungen bis zu 2 Krotten täglich bedachte, eine Summe, mit der nicht einmal ein Laib Brot gekauft wurde. Wir halfen, wie wir konnten. Die Juden von Wien haben sich ja in großzügige»• Weise bewährt. Wir bemühten uns in einer HiFstätigkeit, die materiell nutzte, ohne moralisch zu schädigen. Wir sagten uns: ln dieser Not dürfen die Leute iiiehi in jedem Einzelfall an eine andere Tür pochen, sonst werden sie za Schnorrern. Wir b c - ginnen bei“angeborenen Kindern und hören auf mit den krank ge wordenen Mensehen. So taten wir während des Krieges. Dann kam das Heer nach dem Zusammenbruch, und wir mußten wieder helfen, wo wir konnten, liach noch andere Not war in unserem Staate. Zu Beginn des Krieges half der Staat de» Flüchtlingen, die seine wirklichen Märtyrer geworden waren. Sie wurden zu Mitbürgern. Man gewöhnte sich an ihren Anblick. Das Märtyrerleid der Flüchtlinge wurde alltäglich, und man half nicht mehr so sehr; und nach dem Umschwung wurde der Märtyrer zum lästigen Ausländer, für den das arme Oesterreich nicht länger sorgen konnte! Die Stadt stellte ״ach Ende des Krieges ihre Unterstützung ein. Die Wiener Gemeinde konnte ilicht helfen, ln dieser Hin-, sicht half das Joint. Wir sind nicht mit allem einverstanden, was das Joint getan hat. Aber hier ist nicht der Platz, darüber zu sprechen. Wir hatten immer viel Elend ,ms dem Osten, und da unterstützte uns das Joint nicht, weil diese Leute schon vor dem Kriege in Wien waren, das Joint aber nur Kriegsopfer unterstützt Für diese zweite Kategorie von Armen war in Deutsch- Oesterreich nur schwer zu sorgen, weil sie meist nicht