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Jüdische Rundschau · 1920-08-17 · Heft 56 (17.8.1920) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 56 (17.8.1920)
Date
1920-08-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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’ Seite 442 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 56 dische Anjiclc^cnhcitca Solosvcitschik, und der ן Unterstaatssekretjir R a c h in i l e i w i t s c h. Für die russischen Juden ist Sl iosb’e rg erseliienen, einer der' berühmtesten Jüdischen Advokaten Rußlands, tler seit Jahrzehnten die Hüfsarheit der russischen Juden leitet, t'eher die Ukraine berichtet ein׳ genauer Kenner der dortigen furcht tarct» Verhältnisse, Ingenieur Teinkin, dessen gmliangelegter lierieht über die Verhältnisse in tlcr Ukraine auf die Delegation׳ einen niederschinetteriiden I mdrm k machte. IH׳r Nestor der Versammlung ist l'rnl. Dt S I ווו ווו o 11 s e 11 von der jü1l;׳,rht׳n <10ineimle Kopenhagen, der Führer der skandinavischen Hilfsaktion. Auch Amerika ist zahlreich vertreten. Der Präsident des Pcoples relief eommittee Herr A. K a h ן וו ist hier, ebenso R o 11 e 11 b 11 r g , der PoaIt׳z:;mist l). Zuckermann und andere. Die Tschechoslowakei ist durch den ,Präsidenten des jüdischen Nationalrats f)r. L Singer, durch Prof. Engel, Wald stein, Dr. M a r g 111 i e s , Präsident des Volksvcrhandes Wint c r, Dr. F i s 1 c r, Weinstein u. a. vertreten. Dcutschösterreich vertritt Oberrabbiner Chajes, Frau A n i 11 9 Müller und andere. Aus Deutschland ist Herr Dr. Klee. Mitglied des Zionistischen Actions-Coinites, mul Dr. Bernhard Kahn, Prof. S o b e r 11 h e i 111, Frau Henriette May, J)r. KoscnblUth, von Rumänien, ein bekannter Zionist, Präsident der rumänischen Großloge des Ordens Bnai Britli, Dr. Nemierower, erschienen, außerdem Dr. K r ä nt e r - Czernowitz. Auch der Redakteur der ״Jcwish Times“ Mr. Moritz Myer ist unter den Delegierten. Was hier von den einzelnen Delegierten über die Klage des Judentums in den einzelnen Ländern berichtet wird, ist unsäglich traurig, oft geradezu haarsträubend, ,und zeigt mit unwidcrstchhchcr Gewalt die Not und die furchtbare Krise, in welche dieses schwergeprüfte Volk durch Krieg und Revolution geraten ist. Ein jedes Land hat fachkundige Vertreter gesandt, welche das Material beherrschen, die Führer der dortigen Hilfsaktionen, und so wird hier auf der Konferenz ein wirklich aiithentisches Matgrial vorgetragen, die Berichte der Juden unglücklicher und ganz, unglücklicher Länder, Berichte von Massakres, Krankheiten, ständiger Lebensgefahr, wirtschaftlicher Verarmung und Ruin, politischen Schwierigkeiteu kompliziertester Natur. Eis ist zu hoffen, daß die Konferenz ein Zusammenwirken derjenigen, die helfen wollen, und derjenigen, denen geholfen werden muß, die Wege ebnen und den Grund zu einer umfassenden Hilfsorganisation legen wird, F. W. Erez •Israel Aus einem Brief ״Ich habe Jaffa schon vor 2• י Monaten verlassen; die ständigen Ueberfälle auf die jüdischen Kolonien (1al;|äas haben mir die Arbeit im sicheren ״Hinterland'‘ verleidet, und als sich die Siedlungen der Jesreel-Fhciie wegen drohender Ueberfälle an die ״Hadassa“ um ärztliehe Hilfe wandten, ühcrualim ich freudigen Herzens diese Mission. Wie kleine Inseln im großen O/emi liegen Merchawjah, Balfouriah und Tel-Adas, von arabisehen Doriern eingekreisl, im Finch Jcsreol. Eine kleine Schar von Menschen Balfouriah zum Beispiel hat 22 Arbeiter und S Arbeiterinnen arbeitet hier wie zu Neheimas Zeiten mit dein Spaten in der einen, der Waffe in der andern Hand. Die Siedlungen selbst sind von Schützengräben und Drahthindernissen eiligesäumt und die Selbstwehr verschlingt viel Geld und Energie. Berittene Wächter durchstreifen des Nachts die Felder, während eine Reihe von Schninrrm daheim über die Sicherheit der Schlafenden wachen. Und unsere Vorsicht ist nicht unbegründet. Zweimal wurden während meines Hierseins Ueberfälle auf Tel-Adas abgeschlagen und einmal ein Angriff von arabischen Dieben auf der Tenne von Menlnwj.iii; Letzteres Ereignis fiel bereits m die Aora, wo (he englische Okkupatkmsbchüi'tk•, dem Drucke von London folgend, sich an die Deklaration zu halten 'begann, und der Gouverneur von Nazareth entsendete sofort 15 indische Reiter, die bis heute im Hofe des Kolonisten Bluincnfeld kampieren und uns durch fleißiges Patrouillieren manche ungewiinschte Aibtit abnehmen. Vor etwa über zwei Wochen bekamen wir aus zuverlässiger Quelle die Nachricht, oati die Fellachen von Sole in -- einem eine halbe Stunde entfernten Araberdort, das seit Jahren mit Merchawjah in Blutfehde Icht mit den Beduinen des Üaurnn in Unterhandlungen getreten sind, um ihre Mitwirkung für einen Ue'neriall auf uns zu gewinnen. Wir ,trafen natürlich alle nötigen Vorbereitungen und warteten. Indessen ist aber Herbert Samuel eingetroffen, der ״König der Juden“, wie die Araber sagen, und sein bloßes Erscheinen hat genügt, um die Atmosphäre zu reinigen. Die arabischen Nationalislen sind von seiner Ernennung nicht entzückt, und am Tage sriner Landung in Jaffa haben drei ihrer Zei- Hingen einen gleichlautenden Protest abgedruekt. Der ganze Beschhiß von San Remo geht diesen Kreisen gegen den Strich und sie haben eine mehrgliedrige Abordnung gewählt, die in London und Paris dagegen protestieren soll. I>ie Abordnung ist aber nicht abgefahren, obwohl «sie sich der Fördeiuug des englischen Obcrkontniandierenden, General Bois, zu erfreuen hatte - es war seine letzte Tat; eine Stunde nach Samuels Eintreffen hat er sang- und klanglos das Land verlassen und dies ans dem einfachen Grunde, weil das Reisegeld nicht aufgebracht werden konnte. Die Effendis lieben es zwar, die Massen zu hetzen, aber in die eigenen Taschen zu Steigen, lieben sie nicht. Und das Volk? Das hat für den ganzen Tantam so wenig Verständnis, daß es auch nicht einen Matter hergibt. Wese Geldsainmlung fiel in die Zeit, wo die Juden Palästinas innerhalb einer Woche unter großer Begeisterung über zwei Millionen Franken für den Kcrcn Gculah aufbrachten .und öas Geiammer der arabischen Zeitungen, die ihren Lesern dieses Beispiel wo!hielten,!machte einen belustigenden Eindruck. Herbert Samuel hat in Jerusalem und am nachfolgen- «km Tage in Haifa all die großen und kleinen Führer 41er Im Lande teilenden Völker •und Religionen um sich versammdt — auch der Scheich oder Muchtar des kleinsten IXirfcs ist nicht vergessen würden —und ihnen sein Programm verlesen. Am selben Tage sind Jabotmsky und seine Genossen sowie die arabischen Urheber des Jerusalemer Pogroms aus dem Gefängnis von Akko entlassen worden. Und es macht ziemlichen Eindruck im Lande, daß zwei dieser Urheber beim Verlassen des Gefängnisses auf Jabotinsky zutraten und ihn, sowie das jüdische Volk wegen ihrer Hetzereien um Verzeihung baten; auch sic seien Opfer einer Verhetzung geworden, man habe ihnen eiiigeredet, daß ein Pogrom in der Heiltgen Stadt die Sache der Zionisten schädigen und die eigene fördern werde. Und nun sehen sie, daß nur eine Zusa.mmenarbt'it mit den Zionisten dem arabischen Volk Suorii h1n11M*t1 kimiit‘, IvVnnt'f der i1r;1l>iuhrn Psvtlir scheu allerdings; in ilieser Reue nichts als .Heuchelei, aber nach .meiner Ansicht ist es ganz, gleichgültig. I laupt- Sache ist, daß die Führer der ״iitizionistischeii Hetze den Mund halten und uns in unserer Arbeit jucht allzusehr stören, bis wir das numerische Gleich- oder das Hebergewicht erreicht haben. Dann erst haben wir die ge- )tilgende Standfestigkeit. Die Einwanderung hält sich vorläufig in uen bcscheideneii Grenzen, die sie im letzten halben Jahr erreicht lut. Alle zwei Wochen einmal kommt von Triest und Koiistaiitinopel ein Schiff und setzt einige Dutzend ('halu/iiii und ein |K1ar Lamilicn aus Land. Die Chainzim, besonders die aus Wien und Galizien kommenden, machen einen ausgezeichneten Eindruck. Ihrer Masse nach Studenten, die dem Studium den Rücken gekehrt und .sich der landwirtschaftlichen Arbeit zugewendet haben, überraschen sie den alten Palästinenser durch die Meisterung der hebräischen Sprache, durch ihr selbstbewußtes Auf treten und ll u roh die Fülle der Landwirtschaftlichcn Kenntnisse, die sie sieh drüben auf den . Farmen des Chaluz oder Haschotner erworben haben. Die Mädchen, die mitkommen, teilen zum größten Teil diese Vorzüge, fallen aber durch ihre inangelhaften Kocl1kcm1t11is.se unangenehm auf. Es ist ein schwerer Felder, wenn man bei der Vorbereitung für Exez-Israel dieses Fach so sehr vernachlässigt. Die Mädchen arbeiten nicht nur im Feld, sondern abwechselnd auch in der Küche, bei der Wäsche, in der Milch- und Geflügelwirtschaff, tuul es sind die Anforderungen, die man an sie stellt, redit große und mannigfaltige. Ich wage zu hehaupteu, daß ein im Kochen und in den hauswirtschaftliehen Arbeiten gut ausgcbikletes Mädchen, das ohne landwirtschaftliche Kenntnisse ins Land kommt, viel besser seine Sendung erfüllen wird als die gegenwärtig eüilangendcii Chalu/oth; denn während man von den alten Arbeitern alle Geheimnisse der Agrikultur abgticken kann, hat noch niemand in Palästina — koche» gelernt. Und doch ist diese Arbeit von unschätzbarer Wichtigkeit. Der Arbeiter, der verschwitzt und müde vom Felde *heimkommt und nach dem erfrischenden Bade sieh zum Tische setzt, will mul muß gut essen, um für die Arbeit und gegen die Kiankheit gewappnet zu bleiben. Es war für midi eine Ueberraschung, and נ in Erez- Israel selbst eine Oialuzbewcgung vorzufinden. Audi hier triffst Du unter den Arbeitern Absolventen und Schüler aus Jaffaer und Jerusalemer Gymnasien, und es ist überflüssig, zu betonen, daß sic ein treffliches Element abgeben. Die Zahl der jungen Leute, die nach Paris oder Kopenhagen gellen, um ihre Studien fortzusetzen, nimmt von Jahr zu Jahr ab, in gleichem Maße w e die Anziehungskraft des Ackerbodens zunimint.“ Gründung einer Presseagentur Um den Zeitungen und Zeitschriften, die aus Valuta- und anderen Rücksichten nicht in der Lage sind, einen eigenen Korrespondenten im Orient zu unterhalten, aber dennoch über Palästina und die Nachbar- Linder informiert zu werden wünschen, entgegenzukommen, hat sich soeben eine ״Palästina-Preßagentur“ gegründet, die unter der Leitung des bewährten Journalisten und Orientkemiers Dr. A. Mibashan (Braunstein) sticht. Diese Agentur wird auf Grund günstiger Bedingurigen allen dafür sich interessierenden Zeitungen und Zeitschriften regelmäßig größere Artikel oder lair/.e Notizen über die Ereignisse und die politische und Wirtsehaftliehe Lage im Heiligen lainde mul seiner nächsten Umgebung zukoininen lassen. Anfragen richte man an den Leiter der Agentur, Dr. A. Mibashan, Jaffa, P. O. B. 20. Politische Nachrichten Völkerbund Die ״Mandate“ Die Mandate selber werden nach dein Versailler Vertrag, der zum Teil schon die der Türkei auferlegten Friedensbestiinmungen vorwegninmit, in verschiedene Gruppen zerfallen. Die ehemals deutschen Kolonien in Südwestafrika und im Süßen Ozean, die sehr sparlieh bevölkert sind, können von den Maudatmächteri, die zum Teil ihren künftigen Schutzgebieten unmittelbar benachbart sind, als integrierender Bestandteil ihres eigenen Landes, nach den eigenen Landesgesetzen verwaltet werden, wobei jedoch für die Wahrung der Interessen der Eingeborenen bestimmte Garantien gegeben werden müssen. Die mittelafrikanisclmr Kolonien Deutschlands, die zwar dichter bevölkert sind, deren Einwohner jedoch auf einem so niedrigen Kulturnivcau sieheil*,• daß sie an der Verwaltung nicht Anteil nehmen können, sollen von den Mandatmächten rm Interesse der Eingeborenen regiert werden. Die bisher unter türkischer Herrschaft stehenden Mandatgebicte dagegen sind, wie der Versailler Vertrag erklärt, einer weitgehenden Selbstrcgierung fähig, bedürfen jedoch zunächst, bis sie sich zur völligen Selbständigkeit entwickelt haben werden, des Rates und der Hilfe einer europäischen Macht; bei der Wahl des Mandatstaates für diese Gebiete soll der Wunsch der ansässigen Bevölkerung ״eine hauptsächlichste Erwägung“ bilden. Alien Mandaten gemeinsam ist die Bestimmung, daß sie im Namen und Auftrag des Völkerbundes aus- ,geübt werden sollen (womit die Verteilung durch die Alliierten im Widerspruch zu stehen scheint), und daß der Bund regelmäßige Berichte darüber erhalten soll. Eine ständige Mandatkommission wird diese Berichte prüfen und dem Rate in ׳ allen Fragen der Mandatgebiete beratend zur Seite stehen. Um dieser Kornmission einen unparteiischen Charakter zu sichern, soll sie zur Mehrheit aus Angehörigen solcher Staaten bestehen, die keine Mandate ausüben, wenn auch selbstverständlich die Mandatmächtc selber in ihr vertrete# sein werden. Man hofft, daß die ״Pflichtenhefte“ der Schau. Staaten rechtzeitig ausgearbeitet werden können, u״) der Versammlung der Mitglieder des Völkerbundes jn Genf vorgclcgt zu werden. l)k• Versammlung dur{te an dieser Frage ein lebhaftes Interesse bekunden, ja alle Staaten direkt oder indirekt daran interessiert sn!,j Der Hiiiiilesveitiag nennt inner «len Bedingungen ״!׳ die Ueliernahme eines Mandates aueii die Sichern,J ״gleicher Möglichkeiten für Handel und Verkehr y. f die anderen Mitglieder des Völkerbundes“. Einige d, Mandatgebicte haben eine so vielverheißende wirtschar, hebe Zukunft vor sich, daß die genaue Umschreibung dieser Bestimmung für alle am Welthandel inte!• essierten Staaten von großer Bedeutung ist N. Z. 7. 1 Nationale Minderheiten I N a h u in S o k o l o w , der gegenwärtig als Ga,ן bei den Verhandlungen der jüdischen Weltliiltakoufcreni l in Karlsbad weilt, hat einem Mitarbeiter des ״Präger i Tagbkatt“ folgende Auskunft über die Tätigkeit dir i jüdischen Vertretung bei der Friedenskonferenz gegeben; j ״Unsere Forderung, die auch von den leitenden Staatsmännern und vor allem von Dr. lieiiesch in Pari! soglei eil anerkannt wurde, war, die Juden frage zu bt׳ reinigen. Es geling uns, zu erreichen, daß die Juden | als Nation anerkannt wurden, das heißt, «laß ( Juden, die sich bei Wahlen, Volkszählungen usw. zuia { Judentum bekennen wollen, keinerlei Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Es ist natürlich, daß zu dem Bekenntnis zur jüdischen Nation kein Zwang besteht. Aber selbst die Möglichkeit dieses offiziellen Bekenntnisses bedeutet schon einen großen Erfolg. Die zweite Aufgabe war, über den Rahmen der sogenannten Minoritätsklausel hinaus in solchen Lindern, die als jiidcnfeindlich bekannt sind, Garantien zu schaffen. Das ist auch tatsächlich für Rumänien und Polen vor• geschrieben worden; man erinnert sich, daß Rumänien deshalb den Vertrag nicht unterzeichnen wollte. Da» Schicksal der anderen Minoritäten fiel natürlich nicht in unsere Kompetenz und bedurfte nicht unserer Für• spräche. Doch kann ich sagen, daß Dr. Benesch in Paris viel mehr für die Minoritäten der Tscheche• Slowakei durchzusetzen versuchte, und daß sein Plan eines Minderheitenschutzes viel weiter ging, als e> später im Vertrag tatsächlich zum Ausdruck kam. Du Klausel des Vertrages war das Aeullerste, was Ik Beiiesdt für die Deutschen im tschvcho•slowakischen Staate durchzusetzen imstande war. Der Widerstana war zu groß. Es ist natürlich, daß die Juden, die fast in alicu Staaten eine Minorität bilden, an der Frage׳ des Minoritätenschutzes lebhaft interessiert waren und daher an der Festsetzung der tkarantien mit• beteiligt waren. Nach Schluß der Friedenskonferenz wird die /*.׳< gation beim Völkerbund weiterbestehen und die B*• j schvverden oder Wünsche der Juden an dieses tustrument weiterleiten und dort vertreterr. Es ist gar kein Zweifel, daß der Völkerbund t r o 11 aller L i 11 w a 11111׳ wirklich arbeite n u 11 d g u t arbeiten wird, •o wie es heute in Paris keinem Zweifel mehr unterliegt, daß die Zulassung Deutschlands nur eine ganz temporäre Formalfrage ist und daß Deutschland in aller Kürze wenigstens mit beratender Stimme zum Bunde zugelassen wird.“ Aus der polnischen Presse j w. — In ״I>er Jud“, Warschau, lesen wir: ״im j Zusammenhänge rnit dem projektierten Aufruf der Re- { gierung sowie dem bereits veröffentlichten Befehl d«־s j. Kriegsministeriums gegen die antijüdischen Ausschuß i tungen, schreibt das einflußreiche Organ ״Rzecz Posj polita“: Vollkommen richtig ist der Gedanke, «laß nicht die Aufrufe der Regierung und auch nicht da׳ strengsten Befehle eine Besserung der augenblicklichen jüdisch-polnischen Beziehungen herbeitühren können. Die sind zu kompliziert, um sie durch einen Federstrich t lösen zu können. Der gegenwärtige Haß ist derart f stürmisch und stark, daß ein gesprochenes oder gedrucktes Wort ihn keinesfalls beschwichtigen kann. Um diese Beziehungen zu verbessern, müssen vor allem die Gründe, die den jetzigen Zustand herbeigeführt haben, beseitigt werden. Weder die Politik der Re gicrung, noch die Gesetzgebung sind die Ursachen der gespannten Beziehungen. Die wirkliche Ursache ist j die Ueberzeugung der politischen Masse», daß die Jude» Pole» schaden, daß sic die Verbündeten der Polen-! feinde sind, und daß che Juden der ganzen Welt aut!; ein Verderben Polens hinarbeiten. Wir wollen nicht; darauf eingchcn, ob diese Ueberzeugung begründet oder falsch ist; Tatsache ist aber, daß diese Ueberzeugung besteht, und daß dieselbe die einzige ist. Und die augw׳ blicklich gespannten Bcz chungcn werden nur dann *.<■• , ändert werden können, wenn diese UcberzcugimS.au9 j der Welt geschafft ist. Heute, wo Polen vor der üagc ( des ״Sein oder Nichtsein“ steht, ist «len Juden die P'׳ legenheit geboten, diese Ueberzeugung zu entwurzeln, ן sie haben die Möglichkeit, durch patriotische Taten »ad!־ j zuweisen, daß diese Meinungen über die Juden falsch sind. Erst wenn dies geschieht, werden die jüdisch-polnischcn Beziehungen sich von selbst verbessern. Hierzu bemerkt ״Der Jud“; Wir können nur hinzufügen, daß die jüdische Bevölkerung früher und auch jetzt genau : soviel Patriotismus beim Verteidigen des Vaterlandes bezeugt hat, wie dies der Fall bei den nichtjüdischen Burgern war. Die jüdische Geschäftswelt hat sogar größere Beträge als die christliche für die Anleihe gezeichnet, und so auf manchem Gebiete eine größere Leistung zu verzeichnen. Und — könnte man hinzufugen wenn die Polen sieh im Ausland diskreditiert fühlen, so sind es ihre eigenen Taten, intbeso«• dere auch ihre Judenpolitik, die ihren Ruf in der Welt schädigen. \

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