Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 55 (13.8.1920)
- Date
- 1920-08-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 55 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 4j7 li f;11L ׳ « i ־• tu. ,W! r i> '1 1 י (VI i.* 1 ■! v 1 n, ■sui { .-־11 ■OU f ticl, •'U, iVi . vn ln ׳; .ur j 7 Ei■■-־ ־ eit! ' 1 > r. 1 cm! ' U J 11 j« t/t 1u• von i\! 1 iitt 4• 1' m f ו 111׳ i i m״ *IIJ• 1 e״) j! te 11IV : at (las; MH len d v.‘SU all! üld; hl 1 ta.; V O II- | n! l!IH'II 00 .V, denn •t, mit X) M. inlicn, 11 mal JIIKcn tö;y11 ät l u f SCHI 1111׳ res •natio- Jiner- Kami rpim!» 1 viel erden i» s!:. da II >iuad apilal!also issen •rden, »den, »aii'ii .7. B. Maliteuer •Set/t!r sh. 11׳ ml irk'11, Ünalonist <ticn 0 s!1. . ein t e r• ׳k m- V» iie 10 alt Sr er ria/i• r im escii»!ließ- Ein tider sehen Wir :bea, tba“ je!.»־ pier־ ssen iX^ Src* die ״Bar Ihr ri» , der he 11- \>st- Veit- Izcit-• rauf, titet, eise Darlehn von 23 000 sh. in bar erhalten. Damit kann er etwas anfangett. Die anderen 23 OüO sh. sind ihm sicher, er besitzt in Palästina 50 000 sli, und — er kann mit seinem sousligcn: immobilen Vermögen inul seinen Kenntnissen und seiner Arbeitskraft nach Palästina übersiedeln uikI am Aufbau des Laiules mitarbeiteii. Die Heise nach Palästina allein kostet ihn nicht zirka 20 bis '10 000 M״ den dritten bis fünften Teil seines ganzen Vermögens, sondern zirka 2000 sli., den fünfundzwanzigsten Teil. Dasselbe trifft, in noch stärkerem Malle, für die Zionisten ans RiiBlaitcl tisw, zu. , , , . UikI die Organisation? Erleidet diese Schaden? Nein!'Nicht den geringsten! Was der einzelne Mensch nicht aushalten kann, weil er vorher stirbt oder zu alt wird, was ziemlich gleichbedeutend ist, kann die Organ!- sali״״ tun Der J. C. T. erhält so viel Geld, wie er braucht die Millionen Mark, Rubel, Kronen kamt er atifltehen und abwark'11, bis sich im Laufe der Jahre der Wert derselben wieder hebt; denn einmal wird es kommen, es können noch Jahre, ja Jahrzehnte vergehen. Aber die große Organisation kamt abvvartea und den richtigen Zeitpunkt zum Umtausch abpassen. Wer nicht nur immer reden will, der verbessere den Vorschlag und helfe zu seiner Durchführung ן denn eine derartige Regelung wird die Grundbedingung zur Uebersiedeiung der meisten Zionisten sein, die nicht das Glück haben, in eines der wenigen valutastarken Länder zu sitzen oder Kriegsgewiiuier zu sein. Wer nicht nach Palästina selber will, der mag spenden inul theoretisieten, wir anderen aber, denen cs mit der sofortigen oder baldigen Uebcirsiedelung ernst ist, wir müssen eine derartige Regelung, eine derartige Unterstützung als Wichtigstes mul irrstes im systematischen Plaue der Kolonisation verlangen! Eile tut not! Und handeln! Zu den! Vorschlag von Lichtwitz Lichtwitz sucht den Uebersicdlern ihren Uebergang aus den Ländern der unterwertigen Valuten nach Paliistina zu erleichtern. Aber er beschränkt die von ihm vorgeschlagcne Ausgabe von J. C. T. sltares nicht auf diejenige», die sich verpflichte», in kurzem nach Palästina iiberzusietM». Vielmehr verlangt er nur besondere zusätzliche Verteile für die Uebersiedler, indem ihnen ihre sltares in Palästina mit 5Q Prozent beliebe» werden sollen. Sonst aber kann ein Jeder -- Jude oder Christ — nötigenfalls durch Deckadressen-sltares zeichnen, die zunächst einen atilkrordcntlichen Valutagewinn zu bringen scheinen. Denn zu einer Zeit, wo die Mark nur 1 bis 2 penoc wert. ist, sollen dafür 6 pcnce in sltares ausgegeben werden. Da Lichtwitz vermutet, daß daher Mißbrauch von Leuten getrieben werden könnte, die sielt nur auf Kosten des J. C. T. bereichern wollen, will er dieser Gefahr durch eile Beschränkung •auf maximal 10t) 000 M. pro Zeichner uml durch eine mehrjährige Verkaufs spe rr e begegnen. Ls fragt sielt aber, ob es sich tatsächlich um ein gutes Geschäft für den Zeichner handelt. Offenbar ergibt sielt ein Vorteil mir dann, wenn 50 sh. Nominalwert eines J. (j, T, sltares mehr wert sind, als 10() Papiermark. Man denke sich mm eine Hebung des Papiermarkkurses auf 1,3 sli., so wird man erkennen, daß der sitares-Zeidmer alsdann nur solange ohne Verlust bleibt, als der Kurs der sltares ihrem Nominalwert gleicht. Wenn also ein J. C. T. sltares z. B. mir mit 50 Prozent seines Nominalwertes verkauft werden könnte, so würde der Zeichner, der für 50 sh. 100 M. hergegeben hat, bereits in Vcrhist kommen, wenn 100 M. mehr als 25 sh. wert wären. Die Untcnvcrtigkeit der J. C. T. sltares gegenüber ibreiii Nominalwert ist aber keineswegs uuwalirsdieiiilieh. Der J, C. T. soll unser Kolonisation:•,(riiger sein, der zum Teil nach durchaus anderen als wirtschaftlichen Erwägunge» zu arbeiten hat. Er soll Unternehmungen finanzieren, die auf sehr lange Sicht hin Ergebnisse zu zeitigen bestimmt sind, er muß Kapitalrisiken cingdien, die sich nur aus nationalen Momenten rechtfertigen lassen. Deshalb ist trotz des groß erscheinenden Valutagewinncs wahrscheinlich hereits von vornherein ein starkes Risiko mit der Zeichnung der sltares verknüpft "I rotzdem würde die Methode vielleicht größere Kapitalien für die Kolonisation hcranzieheu, als mittels der reinen Spende zu erwarten sind — falls für den J, C. T. die Methode zulässig wäre. Aber für den J. C. T. darf das Valutarisiko ebensowenig unterschätzt werden. Wenn wir z. B. anndimen, daß in Deutschland '20000000 M. gegen lOOOOOOOsh. nominal liergegebcii werden, so würde der J, C. T. bei sofortiger Umwechselitng — wenn man den Ktirs von vS M. für 1 sli. zugrunde legt — tat- ־,ädtlich mir 2500 000 sli. erhalten, also drciviertel des Nomiualknpitals verlieren. Es ist aiiziinehmeii. was icit im Augenblick nicht nachprüfen kann, dal) das englisdie Gesetz die Ausgabe von solchen sliarcs verbietet, die nicht in Pf mul Sterling oder vollwertigen Paritäten gezahlt werden und dodi ajtf Pfund Sterling-Währung lauten solle». Aber setzen wir den Fall, solche entgegenstehenden Gesetzesbestimmungen könnten vermieden werden (etwa durch Begründung einer deutschen Fiiinlgescllschaft der J. C. T., die slinres in Mark ausgibt tiiui deren Umwandlung in Pfund Sterling des J. C. T. für einen um 5 Jahre späteren Termin zum Kurse von 1 M, für G sh. vertraglich festgelegt wird). Wenn Lichtwitz den Wert einer solchen Maßnahme darin sieht, daß der J. C. T. die Kurssteigerung der deut- “1chen Mark abwarfen kann, so befürwortet er damit due reine Valutaspekulation, die sich, falls eine entsprechende Besserung des deutschen Papicrmarkwcrtes nicht innerhalb dieser Zeit •cintritt, sehr verlustreich gestalten kann. Da die sofortige Umwediselung unter allen Umständen einen großen Verlust brächte, würde cs sich fragen, ob der J. C. T. an dem Besitz größerer Bestände an Mark (und ebenso natürlich an anderen unterwertigen Valuten) ein zureichendes Interesse hat, die die Valutempckulation rechtfertigt. Das dürfte aber '״ur J-C.T, der doch die geschäftlichen Aufgaben, die mit der Uebersiedlung und Ansiedtung verbunden sind, erfüllen soll, zu yenieinen sein. Es werden zwar auch in Deutschland und 'den anderen Ländern Zentralum! Osteuropas erhebliche Gelder aufgewem'et werden müssen, aber kaum für geschäftliche Anlagen, somlem Gelder aus dem Spemlenfonds. Der J. C. T. wurde Guthaben in Mark oder anderen Untervaluten nur als Bankgutliaben bei fremden Banken anlegen können, ohne sie für seine Aufgaben nutzbar zu machen. Dalter ist nt. E. der Lichtwitzsche Vorschlag in dieser allgemeine» Form ab/nleltnen. Es bleibt aber zu prüfen, ob er in strenger Beschränkung׳ auf die Uebersiedler als Hilfe herangezogen werden kaum Mau würde dann denjenigen, welche nach Palästina iibersicddn, gestatten, bis zu 100 OCX) M. ihres Vermögens in der dargele״te!1 Form in sltares des J. C, T. timzuwandeln. Der J. C. I. müßte diese sltares bei fünfjähriger Vcrkautssperre mit 50 Prozent beleihen und mit diesen kleineren Summen entweder de» Valutaverlust oder die Valutaspekulation aus nationalen Gründen auf sich nehmen. Man muß sich darüber klar sei», daß der Verlust für den J. C.T. durchaus nicht unwahrscheinlich ist. Es wäre also ei» Opfer des J. C. T., das er nach geschäftliehen Grundsätzen nicht auf sich nehmen darf. Die Rücksicht auf die Anteilseigner des J. C. T. muß derartige außerordentliche Risiken verbieten. Auch für den Zeichner wäre die Lage nicht so günstig, wie Lichtwitz glaubt. Er nimmt an, daß dem Zeichner außer dem Darlelm in halber Flöhe des Nominalbetrages der sltares auch die zweite Hälfte des Nominalwertes seiner sliarcs sicher wäre. Aber das ist recht zweifelhaft, da niemand garantiere» kann, daß der sliare des J. C. T. auch nur 50 ״/o seines Nominalbetrages wert sein wird. Es ist also der Umweg über aie Zeichnung von sliarcs und ihre Beleihung für beide Beteiligte wenig empfehlenswert. Im Prinzip das gleiche ist ja dadurch zu erreichen, daß eine Liquidatiotisbank — evcntl. also eine Filiale des J. C, T. — die Vermögenswerte deutscher Ueber- Siedler hier in Verwaltung nimmt und dagegen in Palistina in •!!-Währung ausgibt. Nach bankmäßigen Gesichtspunkten sind solche Geschäfte ebenfalls äußerst riskiert. Denn die Besserung des Markkurses ist selbst auf lange Sichten sehr zweifelhaft und der in Palästina gewährte Kredit wird in viele» Fällen nicht wieder eingetriebeu werden können. Dabei bliebe als Pfand- Objekt immerhin der ursprüngliche Wert der lombar- Gierten Vermögensbestnndteile erhalten, während der Lombard- und Veräußerungswert von J. C. T.-sltares ungewiß ist. Daraus ergibt sich, daß auch die Liquidationsbanken — deren wirklicher Wert in einer Verwaltung von Vermögensbcstaiultcilen der Uebersiedler liegt, die nicht sofort verkauft werden sollen otler können — solche Kreditgcsäiüfte nicht auf eigenes Risiko machen dürften, wenn sie ihrer Hauptaufgabe genügen sollen, da sie sich für deren Erfüllung des unbedingten Vertrauens erfreuen müssen, daß sie riskante Geschäfte vermeiden. Daher müßte als Kreditgeber eine Instanz Auftreten, die das Risiko des Verlustes ertrage» kan» .und cs im Interesse der Uebersiedhmg übernimmt. Als solche Instanz, kommt allein der Spendettfonds in Betracht. Es ist dabei klar, daß die Leistungsfähigkeit des Speitdenfonds ganz, von dem Erfolge der Sammlung abltängen wird. In dem Referat Julius Simons ist ausdrücklich die Kreditgewährung als Aufgabe des Spendenfonds erwähnt. Das kann so verstanden werden, daß Kredite gegeben werden sollen, die sich rein bankmäßig nicht rechtfertigen lassen, die aber im Interesse der Siedlung liegend erscheinen. Vor allem aber soll der Spendenfonds allerdings Kreditinstitute ins Leben zu rufen helfen, die von der Privatinitiative allein nicht rasch und leistungsfähig genug geschaffen werden. Somit ist m. E. zu prüfen, ob die Fälle, von denen Lichtwitz ausgeht, für solche Kreditgewährung geeignet erscheinen, oder welche Gesichtspunkte überhaupt für die Kreditgewährung maßgeblich sein sollen. Das kann in diesem Rahmen nicht ausführlich geschehen. Aber einige Gnindz.üge jeder nationalen Kreditpolitik sollen doch ausgeführt werden, u!11 phantastische Forderangen abzinvehren. Alle Kreditpolitik muß darauf bedacht sein, für die gewährten Kredite ausreichende Sicherheit zu erhalten. Immobilien und mobiler Besitz der Kreditnehmer sind die mehr oder weniger geeigneten Beleiliungsobjekte. Es ist daher verhältnismäßig einfach, die Gesichtspunkte fcstzusiellc 11, nach denen die Landwirtschaft und der städtische Hausbesitz mit Kredit unterstützt werden können, Aber bereits hier bedarf es der erfahrensten Fachleute und Bankiers, die Kreditanträge zu prüfen, solange die wirtschaftliche Entwicklung des Landes im allgemeinen, die Rentabilität der Betriebsarten und Größen, die Eignung der Kandidaten' für den landwtrtschaftlichcn Beruf und ihre Beständigkeit im besonderen als so sehr unsichere Faktoren cmzustellcn sind. Das gilt im, verstärkten Maße für gewerbliche Kreditc. Der Kaufmann und Industrielle wird daher fast ausschließlich auf den üblichen Bankkredit angewiesen sein, mit dessen Hilfe in verschiedensten Formen (Lombardicrung, Disoontierung, Bankbeteiligung usw.) das Eigcnkapital des Unternehmers vermehrt werden kamt. Zweifellos wird cs dabei eine wichtige Pflicht der zionistischen Banken sein, die jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden durch Kredite im Konkurrenzkampf gegen die frcmdnationalcn Unternehmer zu stärken und zugleich ־mit der wachsenden Bedeutung der jüdischen Unternehmungen auch den Einfluß der zionistischen Banken zu erhöhen. Aber der gewerbliche und kaufmänmsche Kredit ist im hohen Maße Personalkredit - d. h. ungesichert - der nur bewährten Unternehmungen zur Verfügung gestellt werden kann. Es gellt also nicht an, daß der Spendenfonds nur deshalb zur Kreditgewährung verpflichtet sein soll, weil ein deutscher Jude mit einigem Vermögen nadt Palä- 5 na übersiedeln will. Das Vermögen, das er in Deutsch- I״,!d besitzt, ist keine Gewähr, daß er auch in Palästina I produktiv und erfolgreich arbeiten wird. Zahllose Er- ׳ werbszweige, die in Deutschland und anderwärts ihren Mann ernähren und volkswirtschaftlich wertvoll sind, werde״ in Palästina durchaus übertliis ■lg oder so überfüllt sein, daß die Uuterstiilz.uiig solcher Einwanderer evcntl. sogar als schädlich betrachtet werden muß. Der Kredit zur Hille bei der Begründung־׳ von gewerblichen und Handels-Unternehmungen sowohl, wie ebenso für die Niederlassung von Aer/.ten «der anderen Kategorien der freien Berute kann mir eit! Hilfsmittel in der ll.imi einer zielbcwnßten Kolonisatiaiiskitung sein. Wo es gilt, Lücken auszufiil'c», wo neue Erwerbszweige ins Land gebracht oder gefördert werden sollen, ist die Kreditgewährung an erfahrene Fachleute eines der wenigen Mittel, die wir besitzen werden. Sie wird die Qualität des Bewerbers mehr als Sein Vermögen zu berücksichtigen haben. Wir müssen annehmen, daß sich das für diesen Punkt zuständige Ressort der Leitung in Palästina rechtzeitig einen geeigneten Beirat aus erfahre!;«•״ Laiideseinwolincrn seitafft, der es bei dieser verantwortlichen Aufgabe beraten kann. Deshalb ist für die Forderung von Lichtwitz im I Rahmen unserer Kolonisationspolitik kein Platz. Kolonisicrcn heißt nicht: wahllos Menschen und Vermögen ins Land bringen. D. h. also, wir können nidit ohne sonstige volkswirtschaitüche Prinzipien jeden Einwattderer ein Valutagcsehcnk machen. Dalter gibt es für denjenigen, dessen Uebcrsicdlung vom Stande der Valuta abhängig ist, meiner Auffassung nach nichts anderes als warten. Dr. Walter P i n n e r. Sind Zionismus und persönliche freiheit Gegensätze? Voo Dr. J, Kronstein, Berlin. Anscheinend besteht die einzige Antwort auf diese Frage in einer anderen Frage: Kann es etwas Unsirmigeres geben als die Herstellung eines Gegensatzes zwischen Zionismus und persönlicher Freiheit? Ist der Zionismus nicht eine Freiheitsbewegung? Besteht nicht das jüdische Volk, das durch den Zionismus aus der Knechtschaft erlöst werden soll, aus einzelnen Juden? Wie kann das Volk frei sein, wenn jene Einzelnen, die cs bilden, gefesselt sind? Diesen Selbstverständlichkeiten zum Trotz ist die Frage nach der Gegensätzlichkeit von Zionismus und persönlicher Freiheit durchaus berechtigt Diese Frage wurde bei mir durch zwei Abhandlungen angeregt die in Nr. 53 der ״Jüdischen Rundschau'‘ nebeneinander abgedruckt sind, ihrem Inhalt nach aber nichts geineinsames haben, bis eben auf diesen Punkt: Feindscltaft gegen die persönliche Freiheit. Oder wenigstens ihre Geringschätzung. In der erste» Abhandlung*) heißt es wörtlioh: ״Dagegen wird es Sache unserer sozialistischen Parteien sein, ob sie, wie icli es ihnen mehrmals dringend׳ empfohlen habe, neben der Forderung der Sozialisierung des Bodens auch die Forderung der Sozialisierung des Wohnwcscns in ihre Gegenwartsprogramme werden aufnehmen wollen. Eüte solche Maßnahme wäre nicht so unerhört, wie sic dem ruhigen Bürger vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag, man hat ja gerade in Deutschland mit dem Zwangseinquartierungsgesetz einen F beachtlichen Anfang zur Aufhebung des unbeschränkten Privateigentums am Wolmratim gemacht, das nur infolge seiner mehr als lässigen Handhabung seine segensreiche Wirkung' nicht entfalten konnte. Bei den prinittiveren Wohnverhältnissen Palästinas wären solche Maltnahmen natürlich viel einfacher als hier durchführbar.“ Also: Das Zwaiigseinquanieniiigsgesctz, das in dem durch Krieg verarmte» Deutschland durch den Ma11<׳el an Baustoffen - teilweise auch durch den Ueberfhth an Baubehörden — entstanden ist, mag zwar ״dein ruhigen Bürger“ abscheulich erscheinen (und dem ״irnruhigen“?), in der Tat aber sei dieses Gesetz, das die Möglichkeit gibt, in jedes Eigenheim wildfremde Leute i ztt setze», zwar nur ein Anfang, aber immerhin ein 1 brauchbarer tmd segensreicher. Vorausgesetzt ist aller- 1 dings, daß das Gesetz stramm angewendet wird, was ״bet den primitivere» Wohnverhältnissen Palästinas viel i einfacher als in Deutschland durchführbar sei“. Soli damit! gemeint sein, daß die — gewiß primitiven — arabischen Hütten ein besseres ״Zwangseinquartienmgs“objekt sind, ' als die geräumigen Wohnungen des Berliner Westens'׳ ׳:; Wir wollen von ganzem Herzen hoffen, daß das Zu- I! satnmenleben der zwangseinquartierten. jüdischen Litt- 1' Wanderer mit der i» ihren Hütten oltjiciitit zusammen- F gepferchten Urbevölkerung sich recht friedlich gestaii ten wird. De gustibus non est disputandum. Wenn Herrn v Levy ein rücksichtslos durchgeführtes Zwangseimntar- X tierungsgesetz als eine bei aller Bescheidenheit segens- reiche Einrichtung erscheint, so ist das seine Sache. i: Ich rate ihm allerdings, über dieses Gesetz das Gut-? a{f-ten seiner Frau cinznfordem, da die Frauen in diesen ' alltägliche» Sachen etwas mehr verstehen als die Männer, insbesondere die sozialistischen. Bleibt er aber auch J nach diesem Gutachten ein, überzeugter Anhänger der ’ Sozialisierung des Wohnens, so ist dagegen nichts einj zuwenden. Die Freiheit des Einzelnen hat gerade von י meinem Standpunkt nur eine Grenze: Die Logik, die! Folgerichtigkeit, ohne die die Verständigung der Menselten, also auch die menschliche Gesellschaft, tuimöglieh sind. Uml leider muß ich feststellen, daß Herr Lcvy -- wie übrigens alle nicht bolschewistischen Sozialisfc» — gegen die Folgerichtigkeit erheblich v**• stößt. Herr Levy verlangt: 1. Die Zusammenlegung der privaten BaugeseBschäften; ״׳ *) Alex. Levy: ״Bauleute an die Front.“ 08' Lj y jyj f נד