Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 52 (3.8.1920)
- Date
- 1920-08-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 ■i 1 cP1;tu; Um! k". )׳.<! 1 Ci׳ Öl•• 11 fl;1 ■141 fra■ Stlicn •וווו len!«<' nser ״111 nsalc ler .*tu!11ein ntk'n &o- Ci: nt;r 3v r )14 Ml;• rt - kn;11/ Jes ICH kr lim 1 I * Zur I)111'chiuhriing der nationalen Aktion für dvn Keren Hajnr.sod ist 111• opferwillige Mitarbeit aller indischen Volkstcifc notwendig, |>k Zionistische Konfeicr/z erklärt daher dk• Aufbietung aller Mitglieder ik** Zionistischen■ Organisation für die Dauer eines JnFi'cs für nötig und verpflichtet sk\ sieh der ExekutiViC zur Mitarbeit unverzüglich zur Verfügung zu sticllicn. ZlatopoisKi unterstin/t den Antrag Naiditsch. Wir können keine Steuern cinheben, da wir keine Exekutivgewalt besitzen, aber mit Almosen können wir Palästina nicht;utiixuien. Da finden wir einen Ausweg in unserer (iesehiehte, die uns das licispiel des Maas-ei •darbietet. Der Maasscr hat die Bedeutung einer Steuer ihk! tloch wurde er nie mit Zwangsmitteln nulgclu ac nt. Pr war immer eine freiwillige Abgabe. Mittelst des Maasscr hat die Diaspora immer Palästina erhalten. Nun wollen wir den Maasscr leisten, 11111 dem grolle״ Augenblick gerecht zu werden, von dem Herz! geträumt bat und der jetzt gekommen ist und! um gleichzeitig die Massen bedrängter Juden des Ostens aus der Hb'le hcraiis/uführen. Unser nationales (iewissen wird 1׳ur dann ruhig sein, wenn jeder einzelne von uns seir.e Pflicht erfüllt hat. Pin Jahr lang wollen wir alle unsere Kräfte anstrengeu, um das erhabene Ziel zu erreichen. Julius Simon erklärt im Namen des Eiu:1u/.a1x• ncIuisscs, dali Absatz 1 der Resolution nicht so zu ver- -teilen ist, als ob der Keren Hajessod eine ganz selb- -timdige Institution ohne Zusammenhang mit der /.inoistisehen Organisation sein solle. Die Konstituierung als juristische Person seiaus l'oriiiellen Gründen notvv endig. Sodann hält eine Reihe von Vertretern der ein- /einen Landsmannschaften und Soiidcrverbändc kurze und eiiulrucksvoi’e Ansprachen, in denen sie ihre Bereit- Willigkeit erklären, für den Keren Hajessod jede Au- ווי cnguitg auf sieh zu nehmen mn i kein Opfer zu ■M-Inmen, ’ Ls sprechen S a cli 1׳ r (England), S p r i n - / ,1 k (I lapoel-Hazair-Palästina), Rabbi (1 raubart (Mis- 1 lieht), D r. Klee (Deutschland), de Maas (Amerika), Oold stein (Rußland), David J e 11 i 11 (Palästina), l)r. Leon Reich (Ostgalizien), l־rau Ben Jeluida (Palästina), Dt, Osias Thon (Wcstgulizien), Ba- 1 11 ch Z 11 eker m a n 1v (Poalc-Zion-Anierika), Dr. Cliajim VVcizmann (von lebhaftem Beifall begrübt). Von den breunden von »ier linken Seite ist mir eine Resolution übergeben, worden, woritf gesagt wird, die Jnhreskonfereiiz. erwarte, dali in kurzem die Beschränkungen für die Entwändermig in Palästina aufgehoben und die Tore des Laudes geöffnet werden. Darüber brauchen wir nicht ab- /.!:■stimme». Wir sind alle einverstanden, aber der Schlüssel, um die Tore Palästinas zu öffnen, liegt in unserer Hand, Vom I, August ab werden die meisten i i’tscliränktiiigcn abgeseliaH'l sein und es werden Mögiiilikeileii /i.r Einwanderung gegeben sein, die vielleicht unsere Kräfte übersteigen. Die Möglichkeiten der Lin- Wanderung sind abhängig von unseren Anstrengungen uikl nur von unseren Anstrengungen. Ich glaube, der Bi sdil'iili, den wir jetzt fassen, die Gründung des Keren I lajessod, erweitert unsere Möglichkeit, Ich habe liier eine Liste, auf der neun Menschen einen Betrag von Kid 000 C für den Keren Hajessod gezeichnet haben. Wenn jeder von uns ebenso seine Pflicht, tut, daun habe ich keine Sorge darum, dali der Ponds von 23 Millionen Plimd aufgebracht wird, und divon hängt die weitere Arbeit all* Der Mann, der heute der Herr Palästinas isi und den die Konferenz gewiß begrüßen wird (lebliaftt-r Beifall), hat uns telegraphiert: ״Die Zionisten mögen wissen, dali, w e n u sie tun, was nötig ist, kein Z w e i f e l daran ist, daß das zionistische Prog r a m 111 in kurzer Zeit restlos verwirki eil t w e r d e 11 k a 1111," Dar mn bitte ich die Resolution über den Keren Hajessod .inzimcltmen. Wenn dies geschehen ist, wird eine Pause emtrclcn, in der Zeichnungen für den Keren Hajessod rfoigen können. Der Präsident bringt den Antrag Naiditsch zur Abstuiummg. Die Annahme erfolgt einstimmig unter lebhaften Ovationen. So.lanu trittt eine Pause von 15 Mi nuten ein, in welcher die Zcichnungstiskn zirkulieren. Nach Wiederaufnahme der Sitzung berichtet Leo Al o l z k i 11 im Namen des Senioreiikonventes über dessen Vorschläge .zur Wahl. I)a das Große Aetions-Camite mal die Lxckuiive demissioniert und ihre Mandate der Jalueskout'eieuz zur Verfügung gestellt haben, muh die■ Jalircskonfcrcnz eine neue Lciiung wählen. Nach langen Beratungen und Verhandlungen ist der Seniorenkonvent m der Lage, der Konferenz einen Vorschlag zu unterbreiten, der auf einer Einigung aller Gruppen beruht. Danach wären zu wählen: Jttstice Brandeis zurti Ehrenpräsidenten der Zio- ^itistisehen (!׳rganisation; י' ׳• *•haini W ei/manb /tun Präsidenten der Zioiiistischcn Organisation; IN a »ihm So ko l«w zum Vorsitzende» der Exekutive .... ‘Ier ■nonistisehcn. Organisation. (D״e Nennung jedes einzelnen Namens wird mit lebhaften Ovationen aufgenommen ) Weiter schlägt Motzkin vor: Die Jalireskoiifereivz beauftragt den Präsidenten imd Chairman (Vorsitzenden der Exekutive), Leiter der Ressorts zu berufe״, die vom Actions-Comite zu beslatigc» sind. Diese Ressortleiter sind dem Präsideuten und dem Chairman, sowie dem Kongreß für ihre Tätigkeit verantwortlich. Sie bilden zusammen mit dem Präsidenten die Exekutive der Zionistischen Organisation, . Motzkin teilt noch mit; daß zwei Körperschaften m Bildung begriffen sind, die die finanziellen Aufgaben JULI)ISCHL RUNDSCHAU der ()rganisation zu unterstützen haben werden und über die Dr. W ei/m an 11 noch nähere Mitteilungen mache» wird. Die V o r s c 111 ä g e des S e » i o r e n k o n v e 11 t s w e r d e » e n b 1 o c a n g e ח o in in e n. Dr. Weizntann Sie wissen, dali wir für unsere Arbeit auch Kialte heian/u/leheii haben werden, die bisher außerhalb der zkmistischen Bewegung standen, die aber durch die Ereignisse der letzten Jahre, insbesondere d'irclt den Beschluß von San k’emo veranlaßt wurden, mit uns ar.1 Aufbau von Lrez-Israei zu arbeiten. Wir sind hun- 11;»■!11־ in der l äge, einige hervorragende Pcrsönlicliknkn i:1 der l'onn in unsere Arbeit eiuztiiiezieiien, dal! cm wir!- sdtaftlidter Beirat (Leonomic Council) geschaffen wiixi, tiher dessen Bildung wir in einigen Tagen endgültiges I miiteilen werde». Außerdem haben u׳ir noch eine zweite Körperschaft geschaffen, die ila/u dielten soll, die l'inanzen der (:rganisation zu kontroliieren. Die :111 den I inan/en der ()rganisation geübte Kritik ist, so lauge sie hier im Freundeskreis ausgesprochen wird, notwendig und heilsam, sie wird aber ivur zu oft von unseren Leinde» mißbraudit. Darum hielten wir es für notwendig, ein solches Kontrollorgan zu schaffen, das jede Sicherheit dafür bietet, daß unsere Pinanzen richtig verwaltet werden. Ich sdtlage Ihnen daher vor, daß die Jahreskonferonz ihre Zustimmung dazu gibt, daß ein Board of Ti.istees geschaffen wird, der aus folgenden drei Herren besteht: Sir Alfred Mond, Lord Rothschild und Bernard L I e x n 0 r. (Lebhafter Beifall.) Der Antrag D r. W c i z m a » 11 wird e i » s t i m nt i g :1 :1 g e 11 o 111111 e n. Leo Motzkin trägt die Vorschläge des Senioren- Konventes betreffend das Große Actions-Comite vor. Hie Liste umfaßt zirka <10 Namen. 1י entwickelt sich 1 111 :י s 11 f11r die letzte der erregten Szenen, durch die alle Sit/ungen der Konferenz charaktcri* •:iert waren, indem de Haas darauf hinweist, daß die Konferenz eist gestern beschlossen habe, das Große Actions-(:omite solle 45 Mitglieder zählen, während diese Zahl nunmehr verdoppelt sei. Durch die Zusammen• Setzung der vorgescii'a-eni’u• Liste sei den kleinen Födcrationen ein iniverluiltnisin.ißiges Ucbergewiclit gegeben. Er verlange daher, dal) das Actkms-Comite mir bei An- Wesenheit von mindestens 45 Mitgliedern beschlußfähig sei. Als Ergebnis einer ganzen Keilte ton Amendement- Vorschlägen wird endlich folgendes beschlossen: Die Vorschläge des Senioreiikonventes werden en blae angenommen; eins Große Actions-Comite Soll bei Anwesenheit von 45 Mitgliedern beschlußfähig sein, im Lalle der Besdiiuliunfäliigkcit einer einberufenen Sitzung soll hinnen einer Woche eine weitere Sitzung statitiindeu, die bei Anwesenheit von 'J3 Mitgliedern beschlußfähig ist. (Amendements de Ha is und; Klee.) Die Mitglieder der Exekutive haben Sitz und Beratirugsreelit, aber nicht Stimmrecht im Actions-Comite. (Amendement Motzkin.) Nachutn Sokolow: Die Jahreskonferenz geht zu Ende. Ein neues Kapitel in der Geschichte der zionistischen Bewegung ist geschrieben worden. Diese Schlußsitzung hat zwei wichti״e Beschlüsse gefaßt: D i e G r ii ml 11 11 g d e s K e r c 11 11 a j e s s o d und die E i n s e t z u n g ei 11 e r 11 e 11 e 11 Leitung. Ich danke Euch für das Vertrauen, das Ihr uns geschenkt habt und bitte Euch, uns bis zum nächsten Kongreß Kredit zu geben. Wir bitten Euch, uns mit allen Euren Kräften zu unterstützen, Ihr habt uns ja nicht zif 1 lerrsciiern gemacht, sondern zu Knechten. Aber es ist eine große, eilte heilige Knechtschaft, eine Knechtschaft im Dienste des jüdischen Volkes, im Dienste eines großen Ideals. Nun genug der Reden. Es gibt nur ein Wort mehr, das heißt: Arbeite»!! Wir stehen am Beginn einer völlig neuen Arbeit von Grund auf, die aus zweierlei Aufgaben bestellt: 1. Juder. nach' Palästina zu bringen, und 2. die Juden, die noch nicht Zionisten sind, hcreinzufüliren in die Zionistische Organi* sation. Palästinaarbeit und Aushau der Zionistischen Organisation, das sind unsere zwei Aufgaben, denen wir alle unsere Kräfte zu widmen haben. Die Schwierigkeilen, die wir in diesen LI Tagen der Konferenz zu überwinden hatten, scheinen nur den Außenstehenden als kleinliche Streitigkeiten, sie sind vielmehr Schwierigleiten des Aufhaus, die überwunden werden mußten. Wir haben sic überwunden und wir sind wieder einig. Freuen wir uns über die Verschiedenheiten unserer Auffassmtgen. Freuen wir uns. daß wir kein Regiment von Soldaten sind, sondern ein reiches, kluges, vielseitißes Volk, und hoffen wir, daß unter unseren Fähig- Leite״ nunmehr eine zur vornehmsten Geltung gelangen soll, die Fähigkeit zu schöpferischer, aufbauemler Arbeit, Rcv. Sil ver hielt eine zündende Ansprache über die Aufgaben des jüdischen Volkes beim Aufbau) Palüstinas, worauf Justice Brandeis die ' Konferenz mit folgenden Worte״ schloß: Die Jalireskoiii'emi/. ist n: Ende, aber die Arbeit der Delegierten beginnt damit erst. Was wir in unseren Ländern tun, das w i r <1 zeige 11, o b w i r der G e I e g e n h e i t w ü rti i g sin d, d i c uns g e g e it e n \v ti r d e, <> b vv 1 r würdig sind des jüd.ische» Volkes. Die Konferenz ist geschlossen. Die Versammlung erhebt sich und singt, pumkt 12 Uhr Mitternacht, die. Hatikvvah. M!?F tüifUlÜJi fm1* rlm יי! 18 uRi Maüft talJI 5 f an?!& 1 Mil 1111 X Seite 415 Deutschland Demokratischer Antisemitismus. (Die Ostjuden-Dcbattc in der Preußischen Landes- Versammlung.) Naeli dem Eintreffen des stenographischen Berichtes können wir mmindir genauere Mitteilungen über die Osijudeu-I )chatte machen, die bei der Beratung des Etats in der Preußischen Laiulesversammlmtg stattgefumlcn hat. Sie wurde eingeleitet durch Ausführungen des dem o k 1־ a t i s eil e 11 Abgeordneten I)•1 in i 11 i c 11 s , der bei der Besprechung der WUmungsiiol die Forderung erhalt, das ״L > c It im Osten" zu/«stopfen. Ihm erwiderte der Minister des Innern, Sc ve ring;;1!K* legalen Mittel zur Verhinderung der Einwanderung de! Ostjuden seien von der Regierung getroffen worden, aber die Ostjuden seien auch Menschen, und Bürger Europas. Nach dem Friedensvertrag bestelle die Verptiiehtung, diese Eingewnnderten genau so zu behaudein, wie die Reichsbürger deutscher Abstammung. Ls könnten gegen den unerwünschten Zuwachs nicht Mittel in Anwendung gebracht werden, die mit den Bestimnmngen des Friedensvertragcs in Widerspruch ständen. Wenn die etwa 40 000 Ostjuden interniert würden, würde man sagen, auf Kosten der Steuerzahler würden die Ostjudeu in bequemen Baracken untergcbracht und verpflegt. Soweit matt die Internierung in Verbindung bringen könne mit einer nutzbringenden, werbenden Arbeit der zu Internierenden, könne dem Plane näher getreten werden. Aber wenn er;msgeiührt werden solle, müßten sich erst tatsächlich Auswüchse zeigen. Bis letzt seien alle Z e i tu it g sm c 1 d u 11 g e n und V e r s a m m 11111 g s r e d e 11 ü b e r* d i e 1111 g e h e u r e Ein w a n d e r u 11 g der Ostjuden kolossal e D e bc r t r e i b u 11 g e 11. Alle möglichen Mittel gegen die Einwanderung seien angewandt worden, wie Paßkontrolle, Grenzpolizei, Anweisung an die PolizeivcrwaStungen im Innern, Kontrollen und Wohuuugsrazzieu auszuführen. ‘ Nach dem Minister sagte der demokratische Abgeordnete GoII: Er wolle den Vorwurf bezüglich eines Ausdruckes zurückweisen, den Dontinicus bei seinen Ausführungen über die Ostjuden im Aufträge der Fraktion gebraucht habe. Der Einzug der Ostjudeu, der an und für sich gewiß begreiflich sei, müsse dazu führen, daß diesen Leuten irgendwie ein Heim geboten werde; in einzelnen Großstädten seien aber die Verhältnisse so, daß nicht etwa antisemitisch gerichtete Kreise und bestimmte ücsollschaftsschichlen die Einwanderung der Ostjuden auf ein erträgliches Maß /״rückgeführt haben möchten, sondern daß auch die •gesamte Arbeiterschaft sehr darunter zu leiden habe. Das beziehe sielt nicht allein auf die Wohnungsnot, denn cs sei doch keine U e a e r t r e i b 11 n g , daß 11 a s ehrliche Arbeiten nicht zu dem taglieh e 11 H a n d werk jener L e 111 e g e it ö r e. V i e I! a c h sei e n Li l e m e n t e d :1 r 11 111 c r, d i e wuchern, s c It i e b e n u 11 d a 11 e r I e i C i e s c 11 ä f t e!11 a c 11 c n , die bei uns i 11 I > 0 111 s c It I a n d nicht üblich sind. Nur gegen diese 1 Auswüchse richte sich die Aeußerung. Alan müsse Mittel finden, um die Einwanderung auf ein erträgliches Maß zurückzuführen. Das habe mit irgenu welchem Antisemitismus gar nichts zu tun. Diesen Ausführungen schloß sich der Abgeordnete Klinge mann (deutsch-national) an. Was durch das Loch im Osten Zuströme, tue nicht nur Schaden am Besitz, sondern » ich am Blut um! der inneren Gesundheit des deutschen Volkes. Es sei ihm erfreulich, daß gerade die Frage der unerwünschten Zuwanderung ans dem Osten heute noch von anderer Seite betont worden sei'. Gegen diese Ausführungen wandte sich der Abgeordnete H e i 11 e in a 11 n (Sozialdemokrat). Dontinicus habe geglaubt, seinen Witz an den armen Ost- Juden wetze» zu müssen, und Go II habe hei dem Bemühen, diese Ausführungen /urecht/ubiegen, die Sache noch schlimmer gemacht. Er verstehe, wenn ein Redner der Rediten die Ostjmlen-EinwaiKierung nicht wolle, weil sie das Blut gefährde. Er verstelle aber nicht, wenn Demokraten ernsthaft glaubten, durch Verhindeniiig dieser Einwanderung die Wohnungsnot, die ן Arbeitslosigkeit und die Lebensmitjelknappheit belieben zu wollen. Bei den 60 Millionen Deutschen machten 10 000 Ostjuden keinen Unterschied in den Ernälmings- Verhältnissen. Die Einwandenideu seien zum allergrößten Teil die Acrmsten der Armen, sie wohnten zu 10 und 15 in einem Zimmer zusammen. Das sei gesuudheitlieh gewiß gefährlich, aber zu glauben, daß mau die Wohnungsnot der deutschen Beamten beseitige, wem! man die Leute, statt in der Grenadierstraße in Baracken unterbringe, sei ein Köhlerglaube, mit dem man : 111 eine stark antisemitisch gestimmte Volksversammlung, aber nicht •auf ernsthafte demokratische Politiker Eindruck mache. Er warne die Demokraten, diesen Weg zu gehen., sie würden damit keine Anhänger gewinnen. Das Schimpfen auf die Ostjuden besorgten die Anderen viel besser und die, denen sie den Haß gegen die Ostjuden eintrieliterten, winden die Partei der Herren Cassel, Preuß und Schioßmami doch nicht wählen. ' Die p re u Ii i s c 11 c R e g ieru 11 g wird 11 o c It v« 11 der demokratisch-sozialistisch v tt Koalition gebildet, der Minister des I 11 11 e r 11 ist ein Sozialist. Die Halt 1111 g ti e r Regierung e n t s p r i c h t in kcincrWcise den Anse h a u u n gen, w i c w i r s i e v o it de m o k r ״ - tischen und sozialistische״ Politikern erwartet hätten, Dem Minister ist vor allem daran gelegen, nach/uwcisen, daß er ,־die Mittel angewandt hätte, um die Einwanderung der Ostjuden zu unterdrücken tuid ihnen auch im Innern das Leben durch Kontrollinaßnahiticn, wie die hekarnten Razzien, mögliciist unerträglich■ zu machen.. Er legt Wert auf die Feststellung, daß sei» Bemühen‘ in dieser Beziehung durch juristische, ilun offensichtlich unerwünschte Ver■ pfliclitauige» begrenzt sei. Diese Art der Argumentation entwertet sein Bekenntnis, daß mensdilidie Gründe em Verständnis für die Lage der Ostjuden notwendig f \