Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 48 (20.7.1920)
- Date
- 1920-07-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Anschluß au du! ״Königliche Herbert Samuel folgende kV 110: ״So. .V1ajesl.il li.ibm mich /um Ohcrkoiiimissar er* naunt mtd mir den Vorsitz der Zivilverwnltung übertragen, die jet/t eingerichtet worden ist. Die Grundsät/e, nach denen die Verwaltung ihre Politik entrichten wird, sind in der holten Botschaft enthalten, die ich Ihnen soeben verlesen habe. In welchem Teil der Welt auch immer britische Herrschaft sich findet, ist vollkommene Freiheit und tileichheit fiir alle Religionen vorhanden, herrseltt gleiches Recht für jede Person im Lande, ohne Ansehen der Klasse, der Rasse odertles Glaubens. Großbritannicn verlangt keine Vorrechte fiir sich selbst, keinerlei Steuern sind dazu bestimmt, seine eigenen Einkünfte zu vermehren und die vom Volk erhobenen Beträge worden ausschließlich zum Besten des Volkes verwendet. Sobald das Mandat seine endgültige Festsetzung cif.ihren hat, wirtl die Zollverwaltung des 1 amles ihre endgültige Form erhalten. Die höheren Beamtenstellen werden hauptsächlich von Engländern besetzt werden, bis eine hinreichende Anzahl von Palästinensern dieser Aufgabe voll gewachsen und in der Lage sein werden, größeren /Anteil , an der Verwalttwvgspraxis zu nehmen. Andere Stellen werden allen Palästinensern ohne Unterschied des Glaubens offen stehen. Ehrlichkeit der Beamtenschaft ist die erste Vor- Aussetzung einer guten Verwaltung, und die Regierung wird mit der grollten Schärfe des Gesetzes gegen jede Person Vorgehen, die einem ihrer Beamten, oder einem Mitglied oder Beamten der Gemeindeverwaltungen Besteclumgsgclder ,־inbiete! und wird ebenso gegen jede Person ohne Unterschied des Standes verfahren, die Bestechung amiimmt. Ich bin im Begriff, einen kleinen Beirat (Advison Gouncil) zu berufen, in dem hauptsächlich Regiernngsheamte sitzen werden, aber der auch zehn nichthenmiete Mitglieder umfassen soll, die von den vorschiedenen Bcvölkcruitgsgruppen gewählt werden. Dieser Rat wird unter meinem Vorsitz mit kurzen Zwischenraumen tagen, mul eine Reihe voll Verordnungen über wichtige Angelegenheiten sowie das Jahresbndget werden ihm zm Besprechung vorgelegt werden. Den unbeamteton Mitgliedern stellt es frei,!•'ragen zur Diskussion zu stelle:!,;1:11 die sie die Aufmerksamkeit der Regierung zu lenken wünsche 1. Die 1־iitscliließiingen des Rates werden veröffentlicht. Auf diesem Wege sind bereits in vielen Teilen de- Britischen Reiches die ersten Schritte in der Richtung aut spätere Selbstverwaltung geschehen. Ich hoffe, daß im Laufe der Zeit in Palästina eine ähnliche Tntwickhutg sich auhalmen wird. In dm türkischen I'r'e.leusverlrag ist ein Paragraph mitgenommen worden, der ei 1c von der britischen Regierutig zu ernennende Somlerkoinmissio.i Vorsicht, welche aüc Frage״ um! Ansprüche studieren und entscheiden soll, welche von den verschiedenen Religion*- gcineinsclinfton erhöhen werden. Bei der Zusammensetzung diese;- Kommission sollen die beteiligten Gruppen berücksichtigt werden. Der Vorsitzende dieser Korninission wild \om Völkerbund ernannt werden. I> j-t jetzt erfreulicherweise die Zeit herangekommen, »n der die wirtschaftliche Entwicklung des Landes wirksam gefördert werden kann, nachdem sie durch den Krieg und seine Folgen solange hinten,mgehalten wurde. Die Maßnahmen, die der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte dienen sollen, werden diese Entwicklung wesentlich fördern. Landkäute und andere Transaktionen mit dem Boden werden in sehr kurzer Zeit wieder aitfgciiommen. Sie werden gewissen Bestimmungen unterworfen sein, welche Spekulation verhindern sollen. Diese Be- Stimmungen werden unverzüglich in einer besonderen Verordnung hckanntgcgcbcu werden. ich schlage die Frnoiumug einer Land-Kommission vor, bestehend aus emem englischen Beamten und zwei anderen Mitgliedern, zu dem•״ Juden, Mohammedaner und Christen volles Vertrauen haben und deren Aufgabe es* sein wird, sieh dessen zu versichern, welcher Boden geeignet erscheint, chirrli engere Besiedlung der Entwich- Imig de- Landes iFcnsthnr gemacht zu werden und, darüber zu wachen, daß keinerlei Unrecht den vorhandenen Bauern, Züchtern oder sonstigen Bodenbesitzern zugefügt wird. Eine La״<L1ufnal1!ue im Wege des Katasters ist begönnen worden, in Verbindung damit wird ein Gerichts- iiof für Landessicdluiig errichtet werden. Die frühzeitige Einrichtung von Banken zur Gewährung langfristiger Agr.nr• und Gcworhokreditc wird in die Wege geleitet. Die < Eisenbahnen werden in kürzester Frist ■von der Verwaltung überttommen •werden und nötige Arb,eiten an ihnen werden noch vor Eintritt der Regenzeit erledigt werden, um eine Wiederholung der Verkelirsunterbrechuiig zu vermeiden, die im letzten Winter so viel Schaden: anrichtete, Dia Eisenbahn von Jaffa nach Ludd wird au&gebaut werden, andere Strecken sind für die Zukunft geplant. Eia großes Programm für die öffentlichen Arbeiten ist in Beratung, es umfaßt Straßenbau, Herstellung des Telegraphen• und Telephonnetzes, die Kraftversorgung• des ganzen Landes, den Ausbau des Hafens von Haifa, üw Entwässerung det Sümpfe und die Aufforstung da- I)airunter befinden sich einige die znrürkgestelH werden ,Mittel verfügbar sind, zu sein, eine Anleihe zu arrangieren, sobald das Schicksal des Landes endgültig feststellt, die den Beginn der Verwirklichung wenigstens eines Teiles dieses Programmes ermöglichen soll. Andere Teile mögen ganz oder teilweise durch Anstrengungen und Mittel von anderer Seite als von der Regierung ausgcfülirt werden. Das G e s ti nd 110 i ts - De pa r t e me 111 wird für die Erhaltung der Volksgcsundlieit wirksam sein und sich besonders mit der Ausrottung der Malaria befassen. Mit wachsendem Wohlstand und dementsprechend sieh steigernden öffentlichen Einnahmen wird das Erz i e 1111 ״ g s I) e p ar 10 in e 111 mehr und mehr in der Lage sei״, die Volkscrziclning zu vervollkommnen. Die historische Bauten, welche Jerusalem־ zu einem Ort von so hohem Interesse für die Besucher aus allen Teilen der Welt machen, werden sorgfältig gepflegt werden mul es wird Sorge dafür getragen werden, den historischen Charakter der alten Stadt zu bewahren. Archäologisch« Studie! solle;! veranlaßt wcrJon und es werden Schritte getan, um die Pläne der Errichtung neue;• Wohnviertel zu sichern, die man in vielen Städten Palästinas * erwarten darf. Alle Anstrengungen sollen gemacht werden, um Pilger und Reisende zum Besuch des heiligen Landes zu ermuntern. Die Entwicklung des Landes wird nicht nur der gegenwärtigen Bevölkerung die Möglichkeit eines gewissen Wohllebens gehen, sondern den Unterhalt für eine weit größere Anzahl Menschen hervorbringen. .Das wird allerdings mir möglich sein unter Zufiihriing weiterer niensclilicher Kräfte. Häfen und Grenzen werden in Kürze einer beschränkten Einwanderung geöffnet werden, deren Ziffern den Aiheits- und UntcrbrLngungsmöglichkeiten des l.audes angepaßt sind. Eine Verordnung wird umgehend erlassen werden, welche die Einwanderung unter Regierungskontrollc stellt und die Bedingungen bekann! gibt, unter denen Einwanderer /!!gelassen werden. In der Hoffnung, daß die Empfindungen, die vor drei Monaten zu den unglückseligen Unruhen in Jerusalern Anlaß waren, mmmehr stell gelegt haben, und daß Aussicht auf ein harmonischeres Zusammenleben aller Teile der Bevölkerung besteht, erlasse ich hiermit eine Amnestie für alle diejenigen, die sieh zurzeit in Verfolg jener Unruhen in Haft befinden und für alle politischen Gefangeneii in Pnla-tiiiu. Ihre bürgerlichen und politischen Rechte werden wieder voll hergestcilt. Die Amnestie gilt nicht fiir zwei Personen, die sich der Justiz trotz geleisteter Bürgschaft nicht gestellt haben und für zwei andere, die anläßlich tier Unruhen ein vcrahscheuenswürdiges Verbrechen begangen haben. Diese Amnestie darf aber nicht dazu führen, daß solche Unruhen als •gnerliehUch betrachtet werden. Sollten sie sich wiederholen, so werden ich sic mit aller mir zur Verfügung stehenden Gewalt unterdrücken, Ein zweites Mal wird keine derartige Nachsicht geübt werdet). Aus Anlaß der Errichtung der neuen Verwaltung reiche ich auch einer Anzahl von Gefangenen die Hand• der Vergehung, die sich gegen das (leset/ vergangen haben, deren Fälle aber einer milderen Betrachtung empfehlenswert scheinen. Was mich seihst anhetritft, so möchte ich es vorziehen, daß mehr als meine Worte meine Handlungen der Bevölkerung meine Hingabe an die Interessen dieses verelirungswürdigen Landes beweisen mögen, wie den unparteiische» Geist, in dem idh die Aufgabe zu lösen bemüht sein werde, die in meine Hand gelegt ist. Möge der Segen des Allmächtigen, vor dem sich Moliammeduner, Christen und Juden in gleicher Ehrfurcht neigen, auf dieser Versammlung und auf dem ganzen Volke dieses Landes ruhen! .London, II. Juli. (J. K.-B.) Sir Samuel hereist gegenwärtig Palästina, um mit allen Bevölkerungsschichtcn Fühlung zu nehmen und ihnen die Botscliaft des Königs zu verkünden. Am S. Juli war er in Haifa, wo■ die Repräsentanten der nordpalästineusischen Bevölkerung versammelt waren, um die Bot- Schaft cntgegeo/iinelimen. Am ö. Juli begab sich Sir Samuel nach z\ 11 i t und den jüdischen Kolonien bei Samaria. Von dort ■reist er nach Nablus, S a nr a r i a und Jemal, Alles durch die Juden! Vor Eröffnung der Jalireskonferenz fand eine Zusaiiinienkunl't der Delegierten aus de» nngelsächsiselieii Ländern statt. In der Weizmann eine Rede hielt, in der er mit größtem Nachdruck folgendes betonte: ״Die große politische Verantwortlichkeit, die alle Zionisten tragen, ruht in erster Reihe auf Ihnen, Die Mandatannaclit selbst, sowie alle Niditjuden erwarten* d aß die Juden selbst alles in P a 1 ä s t i n a m a c 11 e n. Das ist auch die Ansicht Lloyd Georges. Der Erfolg von Sir 1 lerbert Samuel ist ein Teil Ihres eigenen Erfolges und es hängt nur von Ihnen mb, daß er ein entschiedener und vollständiger Erfolg werde.“ Dr. Weizmann •betonte ferner die Wichtigkeit einer Zusainmcnarbcit der Ica, sowie die Pflege frcuncischaft• | lieber Beziehungen zu den Arabern in und außerhalb Palästinas, die sich auch auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit •zu erstrecken habe. Man müsse eine Brücke batten, die zu allen sdtaffendcn Kräften im jüdischen Volke führt, wobei die Hegemonie der Zk>*. ntoten aufrecht erhalte» werden müsse. Erez-Israel Eröffnung des Katasters Jalta, ■’,1. Juni Di. A. H. Dir h't/lc Vt1׳ Ordnung der Militärregierung ist soeben in den palastinischen’ Blättern und durcii .Anschlag bekanntgegehen worden. Sie betrifft die Oeftnimg der Katasterburos im ganzen Lande. Seit dem Einzug der englischen Truppen in Palästina war jede Operation, die Kauf oder Verkauf von Boden und ländlichen Immobilien betrifft, unter■ sagt. Motiviert wurde dieser Befehl dadurch, daß es infolge des Fehlens eines richtigen Katasters zu großen Unannehmlichkeiten 1md Prozessen kommen niüliie, wenn man den Ikidenkauf freigäbe. Natürlich mußte infolge dessen jede größere Erschiießungsarbeit Privater unterbleiben. Zahlreiche amerikanische und englische Juden wollten einzeln oder fiir Kolonisationsgesellschafteii Boden erstellen und ihn mit Maschinen bearbeiten l.v. en, konnten aber infolge des obenerwähnten Verbotes nichts anfangen. Jetzt veröffentlicht die Militärbehörde etw Kundmachung, derzufolge in einigen Tagen die Ver inessung des ganzen Landes cinsctzcn soll. Pie Ver• messungsarbeiten beginnen mit den südlichen Bezirken Gaza und Berseba, wo verhältnismäßig sehr viel brach liegender Boden vorhanden ist. Gleichzeilig sind in allen Büros für Beglaubigung der Kaufverträge in den bedeutenderen Städten die Vorarbeiten zur Einrichtung derselben nach modernen Begriffen begonnen worden N. Z. 7. Die Lage am Jordan Nach einem Telegramm des ״Times“-Korrcspondenten hat sich die Lage im Jordan-Gebiete wesentlich gebessert. Das jüdische Bataillon, welches hier in Aktion . ist, habe sich ausgezeichnet bewährt und findet die volle Anerkennung der britischen Behörden. Die Jordru! Brücke bei Jericho •ward auf der einen Seite von jiidisehen Soldaten, auf der aivlercn Seite von Soldaten des Emirs Fasstil bewacht. Drahtlos! ln Jerusalem wurde eine drahtlose Telegraphen zentrale errichtet, von welcher aus der funkentele graphische Verkehr mit London und Paris abgewukelt wird. Postverkehr Nach einem im Jerusalemer ״Haarez“ erschienenen Communique der Postverwaltung von Palästina werden nunmehr an allen Postämtern Pakete zur Betonierung nach Oesterreich, Bulgarien, Deutschland, Ungarn Rumänien, Japan und Korea übernommen. Eine Steuer zugunsten des J. N. F. Die ״Acluluth Hnnsvodnh“ hat einen!*•«omlcrcn Antrag an die ein/iiberulciidc jüdische Konstituante aus gearbeitet, wonach jedem palästinensischen Juden eine progressive Steuer zugunsten der ״Gculath llaarc/'* durch den Jüdischen Nationalfonds auferlcgt werden soll. Die Antragsteller erwarten, daß ein solches Gesetz in allen jüdischen Gemeinschaften des Gallith Nach ahmung finden wird. Jüdische Beamte Die Eisenbahn-Verwaltung Haifa - El-Kaiitara hat be schlossen, '.)0 jüdische Kondukteure für diese Linie an ztistcllcn. Auch die ״Tabo“ (Bodensteueramt) beschloß, vier englisch, arabisch ihm) hebräisch verstehende Juden für ihre Buclilialtuiig an/ustellen. Neue jüdische Dörfer Außer dem vor mehreren Jahren gegründeten itui* sehen Dorf Mozza sind dieses Jahr in der Nähe jemsalcms weitere drei jüdische Dörfer: Kalandija, Dilb und Ramah entstanden. Es steht zu erwarten, daß ein ganze- Netz jüdischer Dörfer die nächste Umgebung Jerusalemumspannen wird, um die von dieser Großstadt benötigten Lebensmittel Ai liefern. Antizionistisches ln Jerusalem wurde ein Geheimverband ״I idaja'־ eiltdeckt, der letzthin zahlrcidie Proklamationeil verbreitet hat, worin die Araber aufgefordert werden, ihre Rechte den Juden gegenüber mit dem Schwert zo verteidigen und alle Juden aus Palästina zu vertreiben. Die Regierung beschloß, sechs Rädelsführer dieses VeTbandes nach d ז Festung Akk,ר zu verbannen. Am 23. Juni ist in Jerusalem eine neue englische Zeitung ,,Jerusalem Gazette ‘ erschienen, die in ihrem Programm die Bekämpfung des Zionismus als Hauptaufgabc bezeichnet. Ein Vertreter der Ica bei Faisul Das Jüdische Korresponden/büro berichtet aus Jerusalem: Der bekannte Administrator der ica, Chain! Kolvarciski hatte Ende Juni eine halbstündige Audienz bet Faisul, deren Gegenstand die Verbesserung der englisch-arabischen Beziehungen bildete. Faisul erwähnte seine guten Beziehungen zu W e i z m a!1 n. Kolvarejski Mies darauf hin, daß von seiten der Juden immer die Bereitwilligkeit zur Schaffung guter Bczieluingen bestand, Kolvarejski hatte dann längere Besprecht!״- gen ,mit dein Ministerpräsidenten Faisuls und mit seinem Minister des Acußera Er äußerte sich dahio, daß durch Verbesserung der Beziehungen zu Faisul und zu seiner Regierung 1sich der ganze Sicherheitszustand der Kolonien u! Galiläa ändern würde. Herbert Samuels Botschaft“ hielt Sir za geeigneter Ländereien, sehr kostspielige Arbeite», müssen, Ins giolle finanzielle Ich hoffe jedoch in der Lage