Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 48 (20.7.1920)
- Date
- 1920-07-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kür T»,J,rt־-h*«10w*kri: P0iUp«rk*־.r,n*mt rr,3, Konto Nr. 156 030. K1,5(10»••(1,1 uü Sonnt*? und MiUw<x*> n.rhmilUi,. 5. Aw 5680 XXV. Jahrg. D Zi i u«1 erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.‘* Weizmanns Mahnung Als ut San Kein» die Aufnahme der Balfour-Deklnrat1״x1 ,״ de1 ״ ü rki sei 10 1NL riedeil svert rag beschlossen war, (eilte Lloyd (i cor ge dieses Ergebnis Chajiiu V\" e 11 n! a li n־mit de״ Worten mit: 11 1״ r J ttd c ״ habt 1 c 111!' 11 r c n S t;1 r 1, z c i g t, was Ihr d a r a 11 s / 11 11: a cli eu w i li t!" ln diesen lakonischen Worten liegt das gaii/e Oe• lieiimiis der gegenwärtigen, Situation des jüdischen Volkes, Wem! wir cs bisher nicht gewulit hätte״, so wüliten wir f.!etrt, nachdein Weizmann seine politische Rede!"ז tler Jahreskonferenz gehalten hat. Line Rede, die n,an /\\ct• mul dreimal lesen sollte, um klar zu erkennen, was in ihr unter dem Vielen, was notwendiger• eise allgemeine oder bekannte Dinge behandelt, neu ,•int 1 ■nt-rheidciiJ ist, Demi alles kommt darauf an, Hali jetzt die breiteste jüdische Oeffentlichkeit, daß jeder ein/eiiie Zionist sieh ganz klar und deutlich dessen bewußt ist. daß wir wirklich jetzt an unserem ״Start“ '-!eben, daß die Augen der ganzen Welt auf uns. ge- 1;einet sind uml daß unsere Leistung unser Schicksal -ein wird. f s liegt etwas ungemein Starkes und Drängendes io der Art, mit der W e i 7 in s 1111 den Zionismus auf die Quellen eigener Stärke als auf die alleinigen Heller zum Ziel hinweist. Hinter den nüchternen und sachlichen Salzen wohnt die Kraft einer Beschwörung, Er zeig׳, daß kein äußeres Hindernis mehr vorhanden ist, das 1 irimd oder Vorwand zum Zaudern bieten könnte. Das Mandat ist erteilt, seine Einzelheiten werden in Kürze bekannt sein. 111 L'rcz-isracl Zivilverwaltung und Friedens- .•!:stand, und der High Commissioner, Jude und Zionist, verkündet m seiner ersten Amtshandlung feierlich den Willen der Alliierten, durch die Mandatanuacht die nalionale jüdische Heimstätte errichten zu lassen. In 1.011•!Ion die Vertrctersehaft des jüdischen Volkes ans allen reiten der Welt zu entscheidender Beratung versammelt, die Linheii des Zionismus, die int (iedaitklidteii nie aufgehört har, jetzt niicii im Organisatorischen wieder hergestellt; nulils I e 111 ', , was wir als notwendige Voraiissel/ung unseres Werkes ausehen, was wir als freundliehe Lörderiutg unseres Beginnens uns erwünscht׳!! körnten, Line ganze Welt hat unser Recht bestätigt, unser Wollen gutgeheißen, eine ganze Welt hat unsere Bahn freigemacht. I.ine ganze Welt erwartet, daß wir sie nicht enttäuschen. Mit .einem Satze sagt es Weizmanu; ,,Kein äußeres Hindernis h ä 11 uns davon ah, die (i r u n d 1 a g e des Aufbau- Werkes zu schaffen. Man erwartet von!i 1. '1 . ' ״ ß w 1 ׳' es tun und gut tun!“ Weizmaim erläutert das dahin, daß in der ganzen Welt die Balfour-Deklaration die Auslegung erfährt, daß sic so viel oder so wenig wert sei. wie das jüdische Volk aus ihr mache, mul zwar nicht mit Worleu und Phrasen, sondern mit Taten durch wirklich atifbaucnde Arbeit in Erc/.-lsiael. Nie- ■iiandem stellen an dieser Aufgabe Rechte zu, niemand 11:11 ihr :je;;eucher Pflichten außer uns! Alle Kräfte, <1:0 zu ihrer Verwirklichung notig sind, müssen von ׳ms. und nur von uns aufgebracht werden: die iiiian/ielleii und die materiellen, die moralischen und die intellektuellen. Das jüdische Volk soll seines eigenen Glückes Seitmied sein, und niemand kann ihm die Aufnahe abiU'iimcn, den Hammer seihst z.u schwingen. Mit besonderem Ernst sollte man bei uns jene Ued.inkeiigänge W e i / m a 111t s aufnchmeii, die andeuten, daß die Balfour-Deklaration nicht unbefristet ist. ״Wir haben auch k e i 11 e 11 u 11 b c g r e 11 z t e n (1«> htisehen) Kredit. Die Welt erwartet Ergebnisse richtige, wirkliche Ergebnisse, in Kürze zu. .selten! Ich sage nicht, daß matt erwartet, daß wir in ein paar Monaten oder in ein paar Jahren aus' Palästina ein jüdisches Land machen werden, aber wenn wii mdtt zeigen können, daß wir den Willen und die r.;-heit ״.JK* buben, das durcimiführen, zu dessen I);irdiiülirung wir das Recht beansprucht halten, d a 11 n_ k ö 11 n t e b c t r c I f s u n s e r e r L. e i- S 11111;; s f a h i g k e i t ein Zweifel entstehen 1׳' r t u r 11 n s e r e w c i t e r e A r b e i t e i 11 s cit w e -;,Hlmdcrttisbedciitcn w ü r d e. Es ist nicht »bcririeben zu sagen, daß die nächsten beiden •ihre die kritischem Jahre der nationalen 11׳,1־s iieit Heimstätte sind, und daß wir danach, was ,":r :li beiden Jahren leisten, beurteilt werden •'.011(111<׳'׳ Solche Satze _ zeigen den ganzen Emst unserer :I'''1'■0‘י• l)ie Zeit des Redens, Dehattierens, der U11- "r.y.tWörtlichkeit, der abstrakten Ideen, der theoreü-1neu Programme ist vorbei. Der Zionismus, der bis- ,ei im wesentlichen als eine Propaganda des G e - ‘1,uike ns!״ I.rsdteiiiung trat, braucht jetzt eine Pro- P״;:nnt. 1 der Tat. ״Künftiges Jahr in Jerusalem“ ist '־cm troiunier Wunsch mehr, an dem für viele die '׳iieiiüilbarkcU das •Wesentlichste war, sondern die n;uh sw■ 11 /wet Jahre, die kritischen Jahre der iwiionalcn jüdischen Heimstätte, sind bereits in un- •niihaltsainem Aufrollen, Jede Stunde, die ungenützt vergeht, kürzt die Frist. i£ Die ״Königliche Botschaft‘•, die der High (,״mmissioiicr für Palästina, Sir Herbert Samuel, am 7. Juli in Jerusalem der Versammlung von Vertretern aller Gruppen und .Schichten der Bevölkerung verlas, hatte folgenden Wortlaut: An das Volk von Palästina! Die alliierten Mächte, deren Waffen in dem nun beendeten Kriege siegreich geblieben sind, haben meinem Lande das Mandat erteilt, über die Interessen Palästinas zu wachen und Eurem Lande jene friedliche urtd gedeihliche Entwicklung zu sichern, die Ihr so lange vermißt habt. Ich gedenke mit Stolz des großen Anteils an der Befrclttng Eures Landes von der türkischen Herrschaft, den meine Truppen unter dem Befehl des Feldmarschalls Lord Allcnby genommen haben, und ich werde mich aufrichtig freuen, wenn ich und mein Volk zu Mittlern werden könnten, um Eurem (Jebiet die Segnungen einer weisen und freilieitliehen Verwaltung zu bringen. Ich möchte Euch der absoluten Unparteilichkeit versichern, mit welcher die Pflichten einer Mamlatarmacht erfüllt werden sollen, ebenso des Bestrebens meiner Regierung, die Rechte jeder Rasse und Glaubensgemeinschaft unter Euch zu respektieren, sowohl in der Zeit, die noch vorübergellen wird, bis die Einzelheiten des Mandates durch den Völker- €% blind gutgeheißcu sein werden, als auch später, wenn das Mandat zur vollendeten Tatsache geworden sein wird. Es ist Euch wohlbekannt, daß die A11 i - ierten und Assoziierten Mächtc beschlossen haben, daß Maßnahmen getroffen werden sollen, um die allmähliche Errichtung einer nationalen Heimstätte für dasjüdisehe Volk zu sichern. Diese Maßnahmen werden in keiner Weise die bürgerlichen oder religiösen Rechte der allgemeinen Bevölkerung Palästinas berühren oder deren Aufblühen beeinträchtigen. Der High Commissioner, den ich beauftragt habe, diese Grundsätze zur Ausführung zu bringen, wird, dessen bin ich sicher, seine Aufgabe mit ganzem Herzen und nachdrücklichst erfüllen und wird sich bemühen, auf jede Weise die Wohlfahrt aller Klassen und Schichten unter Euch zu hegen und ihre Einigkeit za fördern. Ich empfinde tief die Bedeutung des Vertrauens, die der Regierung eines Lindes entgegengebracht werden muß, das in gleicherweise den Christen, Mohammedanern und Juden heilig ist, und ich werde mit tiefem Interesse und warmer Zuneigung über dem zukünftigen Fortschritt dieses lande» wachen, dessen Geschichte eine so außerordentliche Bedeutung für die Welt gehabt hat. (gez.) Georg, R. I. Jabotinsky frei! London, 13. Juli. Die ״Times“ melden vom 8. d. M. aus Jerusalem: Jabotinsky und seine.zwölf Kanteraden wurden heute in Acco nach Verkündung der könlgliehen Botschaft in Freiheit gesetzt. Sie kehren morgen nach Jerusalem zurück, wo man für sie einen begeisterten Empfang vorbereitet. Eine Botschaft Lloyd George’s an die zionistische Jahreskonferenz London, II. Juli. (jüd. Korr.-Biiro.) Doktor W-’ciz- ״״.;״•> et!!teil die iuigcu le liotseh::ft w>:1! Mimsterpiib'ideuten Lloyd George: ״Ich übersende meine her/Jidisu.׳!» Glückwünsche dem ersten seit Kriegsausbruch tagenden zionistischen Weltkongreß aus Anlaß der Wiedererriclttung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk. Ich vertraue fest darauf, daß das jüdische Volk alle seine Figcnsdiaflcu an .Energie, Entschlossenheit, Toleranz, Weisheit und Ucbcrlcgimg gegenüber seinen .Mitbürgern in Palästina zeigen wird, die für seinen Er-! folg notwendig sind. Ich hin überzeugt, eh!', in diesem 1 Lalle das jüdische Volk aberifinis einen großen Teil ' /tun Fortschritt de.- Menschheit beitragen wird.“ | Die Frist, die wir selbst uns gewähren, um den Lrj'.st unseres Willens mul die Kraft unseres Könnens In greifbaren Ergebnissen sichtbar werden lassen, muß um so viel kürzer itemessen sein, als unsere eigene Leidenschaft, endlich verwirklichen zu dürfen, was wir ersehnen, an Ungeduld die wohlwollende und kritische Anteilnahme überflügelt, mit der die Welt unser Werk wachsen sehen möchte,, Mit besonderem Interesse verfolgen wir daher jede Aeiißcrmtg, die auf die Gestaltung baldigster praktischer Arbeit in ITez-lsrad hinweist. In der Rede, mit tler Herbert S a 11111 r I sein Amt;mgeireten hat, limlet sieb in dieser Hinsicht ninnclics. In Weizmanns Rede ist die Avulieriing bemerkenswert, daß man ein größeres, zus iinmenhängeitdes Land,!real für geschlossene Besiedlung in Aussicht genommen hat. während der Aushau der bestehenden Kolonien im wesentlichen Aufgabe der lea werden soll. Wenn eme solche Arheiisteihtug zwischen der zitmisiisclten Organisation und der lea als wahrscheinlich limgestellt wird, so darf daraus geschlossen werden, daß bereits Abmachungen mit der lea auf jener Basis be־' stellen, die Wei/mann als die einzig mögliche und windige Plattlorm liir die iiucrlaßlielie Zusammenarbeit aller I eile des Judentums gekennzeichnet hat. ln der Mitarbeit der lea wäre dem Aufbauwerk in ITez-lsr.iel ein bedeutsamer Teil ties jüdischen Volksvermögens zugewendet. Daß wir unsere finanzielle Kraft bis aufsäußerste nnspauueu müssen, um in unserer Arbeit vorwäns zu kommen, mich darüber hat Weizmanns eindringliche Art keinen ZwctUd gelassen. Denjenigen von 1ms, die an ein finanzielles Unter-slie-Arme-Greifen länglamls oder sonst einer Macht geglaubt haben, raubte er diese llhisiott mit vielleicht schmerzhafter, aber wohltätiger Schärfe: ״Wer den Gedanken finanzieller Unter- Stützung für unsere spezifisch jüdische Arbeit in P;düsliua in Form einer Anleihe oder sonstwie, von tler britischen oder irgendeiner anderen Regierung, liegt, d e r m ö g e sieh i h n a 11 s d c nt K o p f o s c 111 a g e u! Unser und nur unser ist die Aufgabe mul die Ver.mtwortung.“ Es mag uns gefallen oder nicht: die dringeadste und weitgehendste Forderung, der die meisten von uns als fast alleiniger Forderung in mehr oder minder hohem Grade gerecht zu werden vermögen, Lord Allcnby und Herbert Samuel Kairo. Lord Allcnhy begibt sich nach Palästinu, um mit dem hohen Kommissär Sir Uerbert S a nt u e 1 zu konferieren. Die Londoner Presse meidet aus Kairo: Nach der Konferenz mit Sir Herbert S a in t. e I wird Lord Allcnby einen Urlaub autreten und nach England zurückkehren. Wie in politischen Kreisen angenommen wird, wird er auf seinen Posten in Aegypten nicht mehr zurückkehren. Als seinen Nachfolger nennt man Sir Ronald Uraltait, der in Aegypten eine langt׳ politische Dienstzeit hinter sielt hat. 1 terberl S a m u e l hat bereits seine Mitarbeiter gewählt, ln den engeren Stab seiner Mitarbeiter wurden folgende Herren ernannt: General Deedes, gewesener (!lief der politischen Nachrichtenabteilung bei Lord Allcnby; N. Beut wich, der letziens oberster Richter bei der Militiirverwnltü.rig in Palästina war; Mr. S t o r r s, Gouverneur von Jerusalem; Capt. Lord Ldw, May, der an den Arbeiten der Friedenskonferenz in Paris teilnahm; Mr. Groves, Mitglied tler arabischen Büros in Kairo, Jerusalem mul Dima.Mi-,!:11.1 Mr. Nurock, Sekretär der zionistischen Kommiss.״;! m Jerusalem. ist die finanzielle, tias ganz nüchterne, prosaische, ״unMiupathisdie" Verlangen nach Geld. Und wenn wir nach praktischen Ergebnissen unsere Kraft und die Zukunft unseres Werkes abschätzen wollen; 11:er ergibt sich ein untrüglicher Maßstab. Nur wenn die Fntäußevon Geld und Geldeswert, wenn die freiwillige Steuerleisnmg au das werdende Erez-Israei wirklich dein entspricht, was mit dem Worte ״Opfer* gemeint ist, wenn wirklich hier wie in Erez-Israel eine ״I lithnadwnsh“, eine jubelnde Ciehefrcudigkeit uns alle aus innerem Drange zwingt, über unser Vermögen Itinat;־. an den tin.111• ziehen Grundmauern des jüdischen Heims mitzubaucn, mir dann dürfen wir hoffen, daß bald werde, was solange ersehnt. Denn nur daun halten wir ein Recht, von allen Juden das gleiche zu fordern. Die Bedeutung dessen, was wir an finanzieller Opieibereitschalt atifltringi•״, liegt nicht so sehr im rechnerischen Ergehn,s als in der überzeugenden Kraft des Beispiels. Wieder sei es m.t W c i z tu a n!1 s Worten gesagt: ־ ״Die beste und lcicntcstc Form der Ueberzeiigütig amlerer ist es, ihnen zu zeigen, diß inan selbst überzeugt ist. Wenn wir Zionisten daran gelten, die außerhalb unserer Reihe Siebenden zu Opfern;1111zufordeni, müssen zunächst wir selbst die r e i c h 1 i e 11 s t c 11 O p f e r bringen. Was w ir zu tun haben, ist unbegrenzt, und wir müssen es rasch tun in׳ dem Bewußtsein, daß wir eine heilige Pflicht unserem Land und den künftigen Generationen ״egeuiiher erfüllen. Wenn jeder Ziom a hier und jeder Zionist in der ganzen Welt sofort ohne Zogen! leistet, was in seiner Macht steht, daun sind wir sicher 111 bezug׳ auf unsere linaii/icllcu Bedürfnisse. Da s g a 1! z e jüdische Volk w i r d dOn V o r - kä mp fern der jüdischen Sache folgen.“ Mit größter Spannung blicken wir nach London, haben wir auf das gewartet, was unsere Führer 1ms zu sagen haben. Wir hoffen, daß unsere Vertreter eine Fülle von Aufgaben, Anregungen, Tatsachen für uns luitbringen werden. Aber heute schon wissen wir: uns ist ein Ziel gesetzt und eine Frist gegeben Zwei Jahre sind eine kurze Span׳'-«־ ״״■ haben unseren Start. Machen wir d