Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1920-07-09 · Heft 45 (9.7.1920) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 45 (9.7.1920)
Date
1920-07-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2652228-2652272--13223-2670927
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 3<0ו JUEDIRÜHB RUNDSCHAU N45 ׳ (1,1s Zentrum seiner Seele. Es ist nicht praktisch, wenn man eine solche Propaganda treibt. Wir wollen keine I lot'fnmigcu wecken, selbst wenn wir überzeugt sind, daII wir atii diese Weise eine bessere Stellung gegenüber unseren Gegnern gewinnen. Worauf es au• kämmt ist, daß wir eine Kerntruppe von innerlich gefestigten Menschen besitzen, welche die Dignität unserer Bewegung mul die Klarheit des Glaubens an unsere Idee sich, bewahrt. Die Reinheit des Gedankcens ist die wichtigste l'ordernng. Nicht wie war uns mit den anderen, sondern wie diese sich mit uns ahfimlen, ist die Präge. Arnold Wiener (Kattowitz): Ich muH die Diskussion, die durch Herrn Klatzkin zu einer gewissen Hohe fiüiaufgeiübrt worden ist, zu der gemeinen Wirklichkeit ziiriiekfiihren. Herr Berger hat vorhin, gesagt, ein Wauderstiirm steht bevor. Ich sage ihnen, der Wandershtrm ist schon losgebrochen: In Kattowitz lagern zurzeit 70t) Palästinai,ihrer, mellt nicht nhhcfbrdcrt werden können. Ich will den I )elegiertenlag nicht nufregen durch die Schilderung der unwürdigen Lcbciisbcdingtingen, unter denen die Leute dort untergebracht sind. Was können wir aber tun. t ז!!! diese Menschen zu versorgen, braucht man täglich mindestens )000 M, Eine vergleichsweise kleine Stadt und Gemeinde kann diese Summe nicht aufbringen, natürlull übersteigt sie auch die Leistungsfähigkeit unserer Zionisten bei weitem. Wir tragen keine Schuld an dieser Notlage. Es hat sieh irgendwie in Polen wie ein Lauffeuer das Gerücht verbreitet: ״Kattowitz rüstet Palästinaexneditionen aus“ und da ist der Wamlersturm losgeb rochen. Wir haben Dringtelegrammc 11,■ich Warschau au den ״Haint“ und ün den ״Moment" gelichtet und die Unwaliilicl! dieser Nachmin verkündet. Wir haben die jüdische Jugend Polens beschworen, iune/iihalten, sonst kommt es zu einer Katastrophe. Dennoch nimmt der Zustrom von Tag zu Tag zu. Ich bitte alle Delegierten ^mcl das I’iiblikum, «las zu Polen Beziehungen hat, dorthin zu melden, dali das Gerücht ein trügerisches ist. Die Emigration nach Erez- Nrael ist noch nicht freigegiboti und Kattowitz hat nicht die Möglichkeit, irgend Jemand dorthin zu befördern. Die Sache gebt jedoch den Zionismus mehr an, als Sie glauben. Herr Wciz.inami hat vor II Tagen vor der Eiigländischei! Zionist-Föderation eine Rede gehalten und man hat sich bemüht, sie der Ocffcntlichkcit bckanntzugeeheii. WVizmumi hat u. a. gesagt: Mit dem II. Juli wird die Ein Wanderung nach F.rez-Isiael frei. E.r meinte damit prinzipiell, vorausgesetzt, dali die eriorderlichen Vorkehrungen getroffen sind. Aber in jedem Lalle das Wort war übereilt. Er hat einen Funken in ein Pulverfaß geworfen, er hat einen Ziimler geschleudert m die mit furchtbaren Spannungen erfüllte Atmosphäre der polnischen Jiideulieit. Jetzt ist die La »via# ins Rollen geraten. Die Vorsteher der zionistischen Gruppen von jenseits der Grenze kommen zu uns herüber und klagen, daß sie ihres Lehens nicht sicher sind. Tag für Tag Werden sie von Hunderten junger Menschen bedrängt. ״Kattowitz rüstet Palästinaoxpeditiouen aus; nur die Vorsteher der Gruppen auf der politischen Seite sind zu unwissend, zu feige und zu faul um ein Gleiches zu tun.“ Unsere Verlegenheit ist unbeschreiblich, und wir wissen nicht, was wir tun sollen. Wenn die Einwanderung nach Erez-Israel freigegeben ist, dann muß es in Europa offizielle Emigrntionsbüros geben, ja sogar jüdische Konsulate, die .mit den Behörden verkehren können. Der Reiseverkehr darf nicht auf das Niveau des Schleichhandels, auf den Weg der Heimlichkeit herabgctlrüekt werden. Aufrechten Hauptes müssen wir 111 unser Land ciuzichcu und hier in Europa ist schon damit der.Antang zu machen. Bevor die Auswanderung beginnt, müssen die Emigrati *nshiiros da sein, sie haben die Auslese zu treffen, welche Leute für Palästina ein Gewinn sind und sie müssen auch wissen, welche Zahl 1111 gegebenen Momente aufgenommen werden kann. Dann müssen die Untcrkunfts- und Vcrpilegungsstationen vorbereitet weiden. Dimhgehemle Eisenbahntransporte bis Triest oder Constauza müssen sichergestellt sein, Dampfschiffahrtsgesellschaften bis Jaffa sind neu zu begründen. 1dl zwcitle keinen Augenblick daran, daß das Aciions- O! mite die• alles sch 111 überlegt hat. Aber sind die Dinge wirklich schon so weit, daß Weizmann sprechen durfte: ״Der Weg ist frei“. Ist Jaffa gerüstet, die Wanderer aufzunehmen? Sind die Ouaiaiitänenlager fertig, die hygienischen Vorkeltrimgeii erledigt, die künftigen Arbeitsgelegenheiten sichergestellt? Herr Weizmann mußte wissen, wie sein Wort wirken wird. Er kannte den Druck, der auf die Juden Polens lastet, Herr |akoh Wolff hat mir vorhin eingeworfen, wer still die Reisekosten aufbringen? Gewiß, auch diese Frage muß vorher geklärt sein. Wir haben das Geld jedenfalls nicht. Dann aber muß dieser Punkt am Ursprungsorte des Reisenden geklärt sein. Wenn die Zahlung der Reisekosten Sache der Privaten ist, dann muß er selbst sich darüber »itsweiscn, im Notfälle auf seine Gemeinde, oder Familie zurückgegriffen werden. Aber vor allem es muß ein Plan dasein. Ich sehe, wie hier in Berlin auf der Straße eine Zeitung für Auswanderer feilgeboten wird. So ein Blatt hätten wir schon längst haben müssen. Es muß ein Organ geschaffen werden, wodiijch die Leitung in l-omlon direkt mit den Auswanderern sprechen kann. Meine Damen und Herren! Sie werden jetzt die Delegierten ־zt| wählen haben, die z.ur Jahrcskonfereiiz nach London fuhren. Die deutsche Landsmannschaft muß ihnen den Auftrag mitgeben, daß sie der Leitung das Gewissen .schärft. Gerade der Zionismus Deutschlands ist der nächste dazu, denn für den Verkehr vom Osten sind wir das Durchgangslaitd und! wenn die Emigration nicht reibungslos arbeitet, dann werden wir es zu fühlen haben. Arbeiten Sie in London für die jüdische Einigration nach Erez-Israel, das ist die Forderung der Stunde! Professor Lcwin: Wir haben uns gefreut, Klatzkin hier zu hören, er ist der Typus des Poeten, und die brauchen wir sehr notwendig. Aber im Augenblick scheint cs uns notwendiger, auf die gegenwärtigen Dinge eln/ugiduMi und die Durchführung an sich wüitsehenswerter Agitation und der Propaganda von Theo- ■» in den Hintergrund zu steilem Die Referate vou Lichtheim und von Berger halte ich nicht für opportun,, und zwar weniger des Inhalts wegen — ich bin der Ansicht, daß sachlich das Sprechen über auswärtige Politik augenblicklich nicht zweckmäßig ist ״־־ aber (Tie Referate haben in anderer Hinsicht die Arbeiten des 1 )elegiev׳tentages nicht erleichtert. Sie sind beide auf alle Prägen cingegangen, so daß alle Themen etwas aiiseinandergcrissen wurden. Was unsere Stellung zu den Problemen anlangt, so sind wir der Ansicht, daß in diesem Augenblick die praktische Palästinaarbeit »in Vordergrund aller zionistischen Arbeit stehen muß. l.icbtlieini siebt es bedauerlicherweise als feststehende Tatsache an. daß die Assimilanfen für das jüdische Palästina nicht zu gewinnen sind. Wenn das der Grundgedanke unserer Arbeit sein soll, wollen wir lieber entpacken. Aus unseren eigenen Reihen ist es nicht möglich, die Tätigkeit in dem Maßstabe auszuüben, wie wir es alle wünschen. Ich möchte prinzipiell den Standpunkt vertreten, daß wir das g.iu/e Judentum für die augenblicklich einsetzende Arbeit für Palästina zu gewinnen haben. Von diesem Gesichtspunkt aus haben wir die Kongrcßaktion cingelci'.et. Bhimenfeki hat einmal gesagt, wir sind so stark, daß wir sogar Kompromisse schließen können. Wir denken, daß es in diesem Augenblick notwendig ist, die Arbeit des gesamten Judentums für die große Palästinaarbeit auf/urufen, weil wir geleitet sind von dem Gedanken der Einheit des gesamten Judentums. Es liegt uns daran, vor dem Delcgiertentng festzustellen, daß wir zu praktischer, im eigentlichen Sinne zionistischer Arbeit Uns zur Verfügung gestellt und geglaubt haben, dadurch viele Kreise zu gewinnen, die noch nicht Anhänger unseres Programmes sind und durch manche Eordcrungon unnötigerweise von ams zurückgestoßcu werden. Dr. Kalmus: Als einer der Alten, der die Ent- Wicklung des deutschen Zionismus von Anbeginn an mitgemacht hat, spreche ich zu Ihnen. Audi ich halte die Referate für überflüssig insoweit, als sic uns, die wir mitten in der Ideenwelt des Zionismus stehen, wenig Neues gebracht haben und in bezug auf die äußere Politik fehlen uns die Unterlagen. Mein Vorredner hat Recht damit, daß neben Palästina-Politik üahith-Politik getrieben werden muß, aber er hat vergossen zu betonen, nationale GaliitJi-Politik. Er hat sieh auf Blumenfeld berufen, der gesagt hat, daß wir ohne Kompromisse nicht iortkommen werden, aber er hat vergessen, daß nur der Kompromisse schließet» darf, der selbst auf einet» festen Boden steht. 1dl darf aus den Worten des Redners schließen, daß er nicht auf dem Boden der bisherigen Leitung der Zionistische!» Organisation steht, denn er hat mit klaren Worten das unmögliche Ansinnen ztttn Ausdruck gebracht, Assimilantcn für die Bewegung zu gewinnen. Auf der anderen Seite steht der Vertreter des reinen extreme!» Nationalismus. So reizvoll die gedanklich interessanten und feinsinnigen Ausführungen des Herrn Dr. Klatzkin waren, er wird selbst nicht glaube», daß er dureil seine Theoriet» die Gruudzüge einer zionistjsehen Politik gegeben hat. Der Grundgedanke, daß unser Nationalismus sieh aufbaucn müsse auf den Prinzipien von Recht und Gerechtigkeit, ist von Anfang unserer Bewegung an stark betont worden. ־ Wenn Klatzkin meint, daß diese Gedanken noch stärker betont werden müssen, so hätte er sich beschränken sollen, zu sagen, daß das religiöse Element unseres Gedankens mehr in den Vordergrund treten muß. Aber Ideen 80 radikaler Art in den Zionismus hereiiizubiingen, macht uns jede Propaganda unmöglich. Von den Amerikanern als Balbattim im üblen Sinne zu sprechen, halte ich für falsch. -Wir können unmöglich verlangen, daß die amerikanischen .Juden auf einem so rein geistig liation.den Standpunkt stehen, wie Herr Dr. Klatzkin es verlangt. Was wir bisher nicht erreicht haben, das werden diese modernen Propheten auch nicht erlange«. Mit einem Zionismus, der die ernsten, weil durch die Verhältnisse begründeten politischen Absichten Eitglumls bezweifelt, können wir keine praktische Politik treiben. Das Richtige liegt hier in der Mitte, indem wir die bisher von der Zionistischen Organisation betriebene, streng nationale Propaganda weiter führen, ohne daß wir 1 ordenmgen stellen, die (liirchziiführen unmöglich sind . Ich habe nicht den Eindruck, daß die zionistische Leitung Eindrücke zu erwecken trachtet, die zu uribegründeten I loffmmgen Veranlassung geben. Herzl hat cs ebenso gemacht. Man hat Tatsachen mitgctcjlt. — Das Wesentliche ist aber: Wie machet» wir den Aufbau mit den anderen? Daß wir sie nicht in absehbarer Zeit gewinnen können, das steht fest. Ebenso fest stellt, daß wir auf der anderen Seite keinen so gereinigten Ide.disiiuK erzielen werden. AI* national befc'siigte und richtunggebende Organisation werden wir sehr wohl imstande sein, unter unserer Führung die Angek'genhcitci» gemeinsam mit den anderen zu erledigen. Auf der Londoner Konferenz ist von einer Gruppe von Zionisten, die etwa den Standpunkt des Professur Lewin einnehmen, ein Antrag gestellt worden, die Besiedlung und die Organisation des Aufhnus der Gesamtorganisatiou zst überlasset». Wie es bereits in den Ortsgruppen gescheiten ist, so wird man auch in London Mittel und Wege finden, die anderen hcran/.uzichcn und »ms die Führung zu überlassen. Die Möglichkeit einer Gallith- Politik beweiset» die Erfolge des Arbeiterfürsorgeamtes in Berlin, wo es ohne Schwierigkeiten gelungen ist, alle Organisationen zu einer einheitlichen Gruppe zusaniiiienzuscliließen, in der wir die Führung besitzen. Dies!• Acntter werden sich unzweifelhaft zu Answandereriimtem entwickeln. Wir können nicht besonderc Aemter für Amerika besitzen und besondere für Palästina. Es muß eine einheitliche• Politik gemacht werden. Das Geld wird von den anderen mitbeschafft werden müssen und mit den anderen werden wir in unseren» Sinne die Emigration einleiten. Eine cinheitliehe Galiith-Politik allein zu betreiben, ist meiner Ansicht nach unmöglich, sie wird an dem Mangel an Mitteln scheitern. Mat» muß den lokalen Verhältnissen entsprechend arbeiten. Die Organisation muß aber eine zentrale Beratungsstelle für Galuthfragen schaffen. Auf diese Weise werden wir die unendlich schwere Gallith»rbeit auf der (•inen, die Palästinaarbeit auf »lex anderen Seite mache», ohne daß wir ein Jota von tuiscrcu nationalen Tendenzen aufgeben. Nachm״ Goldntann: Ich mochte hier gründen/, lieh den Standpunkt zur zioni-tisehen Politik, den Dr. Klatzkin vertreten hat, noch etwas eingehender begründen und verschiedene Mißversiüminfsse, die er hervor gerufen hat, beseitigen. Verschiedene Redner haben geglaubt die Auffassung von zi mistischcr Politik, wie sie Dr. Klatzkin vertreten hat, und die ich durchaus’teüc, schließe die rein politisch-diplomatische Wirksamkeit, wie sie die Londoner Leitung mit großem Erfolg nusgeiibt hat, aus. Davon kann naturgemäß keine Rede sein. Seitdem die zionistische Bewegung existiert, hat sie solide Politik getrieben, sie wird es auch weiterhin tun und wir alle sind den Männern in London, die die großen politischen Erfolge erzielt haben, von ganzem I ler/en dankbar. Unsere Auffassung von zionistischer Politik differiert von der jetzt herrschenden nicht s> sein hinsichtlich der einzelnen politischen Aktionen, aU vielmehr in bezug auf die Atmosphäre, auf die innere Ein- Stellung, von der die zionistische Politik getragen k! , Es kommt auf die Stellung und Bedeutung■ an, die die P.ilitik iiiuei'halb des gesamten Umkreises de-, zi misti sehen Lebens entnimmt. Immer haben weite Kreise <|IA Zionismus ein gewisses Mißtrauen gegen unsere di;!!,,, mati-'chc Betätigung■ gehabt. Denken sie an die früheren Kämpfe gegen die ilcrzlsdie Diplomatie. Es äußerte sich darin der gesunde Instinkt der jüdischen Masse, die davor zurückseiireckt, die stärkste Betonung( auf die diplomatische Wirksamkeit zu legen. Das ist es, wogegen wir uns heute wenden. Die zionistische Politik hat ganz und gar die Form der europäischen Diplomatie äugenommen. Das ist gefährlich. Wir leben in einer Zeig in der diese europäische Diplomatie innerlich Banknut erlitten hat. Die Zukunft der Völker wird nicht mein durch die Methoden der bisherigen Diplomatie beherrscht und geregelt weiden. Geistesgesihirhtüch ist dies bereitentschieden. Es kann noch eine Weile dauern, bis diese Entscheidung auch realpolitisch sich durchgesetzt hat. Aber der steigende Einfluß, den Rußland auf die emo päische Politik ausübt, zeigt, wie wichtig die neue Form der Politik auch realpolitisch schon geworden ist. Ich halte cs für gefährlich, in einer solchen Zeit, da die Dipl - matte abgewirtschaftet hat, unsere Politik innerlich auf diese diplomatische Methode festzulegen. Ich halte cfür besonders gefährlich für unsere Bewegung, deren ganze politische Kraft nur in der Seele und im Eth. s ]er Nation wurzelt. Wir haben keinerlei Machtmittel, die hinter unserer Politik stehen. Nur aus der Seele um frc!. Volkstums gewinnen wir unsere Kraft und wnsen• M.uh*. Unser Volk aber ist ein politisch noch unreife- Legt man cs innerlich auf die diplomatische Form dci Politik fest, so wird es nur mit ungeheuren Schwierig• keilen den Uebergang zu anderen Formen finden können leh will ihnen diese Festlegung der zionistischen Politik auf die diplomatische Methode an einigen Aus- Wirkungen darstellen. Die eine Wirkung war, daß cur uns ganz und gar auf die heutige imperialistischen Großmächte festgeiegt haben. Wir haben uns völlig eingestellt in das System des heutigen Europas. Nt das nicht gefährlich’in einer Zeit revolutionärer Er. schiittcningcn, in der das Heute flüchtiger und bedeu timgsloser ist als jemals sonst? Niemand von uib weiß, was das Morgen bringen w׳ird. Wir haben 1ms derart festgelegt daß wir nur schwer und unter groben Erschütterungen die Verbindung zu den Mächten v.m morgen finden werden. Ganz im Zusammenhang damit stehen auch die Bedenken, die wir gegen die Presse und Propaganda Politik zier Leitung hegen. Sie bestanden dauernd darin, das jüdische Volk in einem Zustand von Jubel hinein■ zubringen. Mast sagt, die Reden unserer Führer m London seien nicht Schuld daran. Ich gebe zu, dal! Weizmann imitier sehr vorsichtig und maßvoll sich ge• äußert hat. In der Politik kommt es nicht auf die /Misicht und den Willen, sondern auf die Wirkung und den Erfolg an. Durch die Form der Aufmachung, durch die übertriebene Feierlichkeit, durch all das. was ich das lnpoiiclerabile an der Politik nennen möchte, was aber für die Erzeugung der Stimmung und At ntosphärc wichtiger ist als die Tatsache selbst, wurde diese Wirkung, eine überschwengliche Stimmung, erzeugt, die wir für gefährlich halten. Das Volk wurde in Hoffnungen hincingctrichcn, die sich nicht alle, und jedenfalls nicht so schnell, werden erfüllen lassen. Rückschlüge sind in einer Zeit wie der heutigen tiuvei• »leidlich. Indern man das Volk in eine solche überschwengliche Stimmung hincinbringt, macht man cs schwach und unfähig dazu, die möglichen Rückschläge, die Verzögerung der vollen Verwirklichung der vollen Erfüllung seiner ׳ Hoffnung ohne Schaden zu iihcistehen. Der innere Zustanu unserer Bewegung ist dadurch ein sehr labiler geworden, was gerade heute aiilleinrdeiitliih gefährlich ist. Eine weitere Auswirkung dieser rein diplomatisch n Politik sehe ich in der Ara her frage. Ich halt(׳ diese Frage für außerordentlich wichtig. Verschiedene• Redner haben versucht, ihre Bedeutung zu verkleinern. Sie kann in Wirklichkeit nicht ernst genug genomineii werden. Man hat gesagt, die Ereignisse in Palastiiu hätten iltre Ursache lediglich in der antiziomsüscfieii Politik der britischen Militärbehörde, Das ist eine falsche Auffassung. Britis.he Behörden pflegen die Direktiven ihrer Zentrale mit allen Kräften zu befolgen. Daß sie cs in Palästina nicht getan haben, vielmehr anti/i■’■ nistischc Politik gemacht haben -— und zwei Verw-'l tungen hintereinander haben es getan - muß jcdi"״׳ ein Beweis dafür sein, wie ernst die arabischen Wiiicr stände int l ande zu nehmen sind, die die eiigli-cli1״ Behörden für ihre antizionistisdic Politik veranlaßt ItaM Sic müssen die Araberfrage unter weiteren Gesicht( punkten ansehen, als unter denjenigen Palästinas. fh'r vordere Orient befindet sich ßt einer ungeheuren Krisis- Er ist zum Erwachen gekommen. Weser Prozeß wird in der Zukunft fortgehen ulief in noch stärkerem Maße Wir haben immer dieses Erwachen des Orients ge־ wünscht. Nim, da er beginnt und in zunächst fiu uns unangenehmen Formen äußert, dürfen wir nicht davor zurückschrecken, sondern müssen versuchen, um mit ihm in positiver Art auscinandcrzusetzen. D1s haben wir bisher nicht gctanv uns zwar infolge unserer einseitigen diplomatischen Einstellung. Wir bähen ge- «;l.'iuht mit der Diplomatie allein sei cs getan ״יי“ «iahen übersehen, daß die Welt heute nicht mehr von» grünen Tisch aus nach dem Diktat der Machthaber

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.