Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1920-07-09 · Heft 45 (9.7.1920) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 45 (9.7.1920)
Date
1920-07-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2652228-2652272--13222-2670926
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 45 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 359 ^י־־*״~•' Die politische Debatte Wunderlich, Oppeln: Meine Freunde und ich hedauern, dal! es nötig war, auf dem Deiegierleni.ig׳ 1'in Referat zu hören, wie es l.ieiitlieim gdi.dlcu lut, ein Referat, von dem wir glauben, dal! die Mehrheit des IVlrgierlonlages nicht mit ihm einverstanden Dieses Referat, das anlleroidrnlliVI! deprimierend l'.iiulritch. als we Wir Halten es Ich hin kein Optimist, ץי> O fl f׳^ ,»—-■ן ך—'־' J ן I ׳Ir..■■-»# i t ן \ ג' c\ c׳ 1 1 \ 1 C7\) t ך > ״׳w 1.. in Olga!11■ zurzeit >k melle Schriftttei Ti• trhetter tiedene . Hilfsiveitere; sind, n. Datrhoits• 1; ׳die sserlei- : Zentraliiunm• $e, ein ial.e in■ >י i Bl' II isl'lt jn Awiw en p 11 ■־ ׳׳ i 1 «f \ ■ ־־■] a h * 11 Yn;<J br ־ 11C f ., ,in vU'ttt ‘ ik’1; idt :c 1;; 11er ßd V. 1׳n־ '1;tri! 1 tU'H. ־:;«צ; i >;t* f> Pa־ j|SM u /U a: ־sei* >• ewirkt hat, machte’ den Ijmlrnfl», als wenn es von enieiii Gegner gehalten worden sei. V» ir lulU'ti es l'nr die Bewegung .schädlich. Ich ht aber es mutt dem doch widersprochen werden, wie J icht/ieiiii iiisliesoiidere die Arahct frage behandelt hut. Solange die poliiisdic Leitung der Bewegung sieh in Dcuischlaiid befand, haben wir eine derartige Hcurteiltmg der Lage in Palästina nicht vernomnten. Erst seitdem die Leitung sich in London befindet, wird von seiten des deutschen Zionismus Kritik in die■,:■:• Form ״ciiht, die wir sachlich für unbegründet halten. Die Araber! rage ist zweifellos ein ernstes und wichn״es l'roblent. Sie ist aber keinesfalls eine Gefahr. Der deutsche Zionismus ist naturgemäß sehr stark be- ,1111110.,׳ von der Art und Weise, in der mau in Deutschlaml politische Fragen ztt erledigen pilegt, und tlie der englischen diametral entgegengesetzt ist. Der Eng-!ander ist ein matter of faets, Waltrend man itt Deutschland stark im Theorcfixieren ist und sich mit systeinatischer Grinullidtkeit einen Plan zuiechtlegl, dem ge- :’cuiibei alles als 811111111;; empfunden wird, was ־.!dl 111 dieses Sehern,•1 nicht hineinprcsscii läßt, ,echt der I 11” latulc‘r von den praktischen Notwendigkeiten des Augenblicks aus tmd sucht in erster Linie tlie l'atsaachen zu meistern. Angesichts der Politik, wie sie unsere Freunde Wciz- 1,1:0111 und S.iknlnw mit so auerkeimeuswerteni Erfolg 1 ,trieben haben, sollte uns die Feststellung genügen, 0 di in London auf englische Weise praktisch gearbeitet u ird, timl wir sollten nicht den Versuch .machen, durch llieoretisiereii tmtl durch die Spekulation auf allerlei spatere Möglichkeiten ihre Arbeit in einer Weise zu beeinflussen,' die letzten Endes doch nur eine Stimm;;• sein könnte. Vor allen Dingen wird es nötig sein, auch die Araberfrage vom englischen Standpunkt aus zu betrachten, Die Arahertrage ist wirklich nicht im entferntesten so ״•roll, wie l.khtlu'iin sie dargestellt hat. Fs darf doch nicht vermesset! weiden, dall neun Zehntel aller Araber in Palästina Analphabeten sind und daß sich schon aus diesem Grunde der Einfluß der arabisch-nationalistiseiten Prellpiupagainla auf die verhältnismäßig geringe Zahl der städtischen Bevölkern!»« beschränkt. Ihr 1110/1.111׳nm’<l.111iscl1e Araber, den man anders beurteilen miili als den christlichen, ist ein beispiellos genügsamer Mensch, der wenn seine geringen Bedtiifuis-e befriedigt sind, sicherlich nicht zu Putschen geneigt 1-t Außerdem ist er kein Alkoholiker, und /eit.ttt. slese:• ist er audt nicht. (Zwischenruf: Aber er schießt!) tieuiß, gelegentlich kann er audt wild werden, int all• gemeinen aber will er Ruhe haben iiihI gönnt sie anderen. (Widerspruch.). Was die christlichen Araber betrifft, tlie einen erheb• lullen Teil tler städtischen Bevölkerung aiismaeheit, so ist zu beachten, daß das katholische Protektorat durch den Friedeiisverlra« ausdrücklich aufgehoben ist tttul daß es daher dem Katholizismus nicht inehr möglich seht wird, von einer Zentralstelle aus uns entgegen• zin'irkcn. , ' \ Man sollte aber nicht vergessen, daß England k.merlei Interesse daran besitzt, daß tnts irgcudwlTehe ) Sii'oirii!;!,eiten ״eiiiathi werden und daß es vor und na■tleit Beschlüssen von 8:111 Renv.> durch die ectt nfieticn Mailnaliiiieit bewiesen hat, daß es mm vmt uns die Auf• imium der praktischen Arbeit erwarbt, zu der wir jetzt d.e Möglichkeit haben. Durch die Lnieiiniiii׳; 1 llidurt Samuels zttnt Oherkommissar tuiil Haupt der j Ziuhviwnlhmg sowie durch die Errichtung der Uni• i vt r-11,1t hat I;'.1t״l1M״l auf politischem wie auf kulturellem i (ieliict tlie Grundlagen geschaffen, auf denen wir die י piaktisehe Arbeit zu beginnen haben. , j Die Araberfrage tritt als Problei'n zweiter ״tler J dritter Ordnung zurück hinter tler drängenden Aufgabe,! rasch soviel Mcuscliett und soviel Kapital wie möglich ".1111 Palästina za bringen. Die Araberfrage ist viel- | leicht ein Problem, aber sicherlich keilte Gefahr. Die Pi,;Tome in Jerusalem sind kein Beweis des Gegenteils. Menschen tmd Kapital so rasch wie möglich nach Palästina zu bringen, ist die Forderung des Augen- Wieks. Wir selten weder eine drohende Arabergefahr, mich tlie Wahrscheinlichkeit einer Mciiiungsändcrmtg Lttglaiitls gegenüber dem Zionismus. Wir wünschen , t eine prinzipielle Zustinnmingserklärung ztt der in Eng* I hhI betriebenen Politik tttul erwarten vom! Delegiertentag, p 11:111 er diese Politik nicht durch Theoretisiereu stört, 1 sondern sich seiner Aufgabe bewußt ist, praktische | '• Mb״t zu leisten. Sukberger stellt den Antrag, die Debatte über!, :m%u|x1litiseltc Referat ,•11s inopportun zu schließen, Dem vwdcrspvu'lit׳ . Bachum Goidniann: Es ist beschämend, daß dieser : .:,י1' '־י ,eiis nach dem ersten Redner eingebracht \"T״!. ., ״ ׳l״l'• •-ine Möglichkeit, die zionistische ' 1 ,eniHnstik vor den Delegierten der deutschen Landesuigamsation zu besprechen, müsse um so mehr ge- D‘i)c!1 werden, als die Jaltreskottfercnz von Karlsbad. Ian1 London verlegt sei. Es sei unumgiiiiglich not- "CHlig, daß unsere Vertreter in London in der Lage sein werden, die Beurteilung der zionistischen Politik durch die deutschen Zionisten darlegen zu körnten. Der Antrag auf Schluß der Debatte wird ab fi e 1 e h n t. 0; Zlocisti: Es stellt dahin, ob der alte Brauch 1hält besser war im Rechenschaftsbericht die großen Politischen Richtlinien anzudeuten, als sie in ein besolideres Referat zu bringen. Die Gefahr, in politische Spekulationen hineinzugeraten, müßte gerade jetzt nat so größer werden, als wir über die Einzelheiten int I Gauge unserer politischen Arbeit nur ungenau informiert 1 sind und im speziellen nichts wissen über die Motive, ׳ die hinter der Balfoursclten Erklärung tmd ihrer j Fixierung ittt St. Remo-Progratmu steilen. All tleit Ge'• 1 lallreu eines Soudcrrcferutes ist l.ichtheim nicht aasgewichen. Er hat sich aufs Prophezeien verlegt und vergessen, daß die Politik höchstens eine schweigsame Prophetin sein kann. Mau hat hier den Zionismus in den Rahmen des englischen Imperialismus hineiiigestellt. Zwingen die vorliegenden Zeugnisse zu diesem Vorgehen_und lasset! nicht vielmehr die Andeutungen von Weizmami erkennen, Hlaß er die Grundlinien der äußeren Politik des Zionismus bclolgt hat, wie sie 1 Iteodor 1 ierzl in jemu monumentalen und zugleich tiefverlialtenen Rede aut dem Londoner Kongreß vorgezeichnet hat?! Für Herzl war die Erfüllung' der zionistischen Forderungen ein (iclvnt vier, historischen Rechts. Ihm galt nur das große historisch-ethische Moment also, daß die Begründung einer Heimstätte für das jüiiisilie Volk in Palästina gewisserntaßen eine Auigabe aller Volker sein müßte, ein Index für den Rciiestand des Völkerbttmigedaiikens; in dem das Recht über der brutalen Macht steht. Diese Linie mul! der Zionismus immer verfolgen, will er sielt nicht aufgeben! Fs wäre ein Unglück für unser Volk, es wäre ein Verbrechen, uns unlöslich in eine augenblickliche Kombination zu verknüpfen. Der Zionis.uris hat seine praktische Politik in seiner i.leoüeit! Er muß sich behaupten können, auch wenn durchaus anders geartete Momente, etwa gittmlstiir/cmle ökouo• mi-i'he, wie etwa die in Rußland gescltafieneii Tat- Sachen zum vveltgestalteiideit Prinzip werden! So wenig wir die große Hilfe Englands unterschätzen dürfen, so dankbar wir für den unserer Arbeit geschaffcucii Rahmen sein müsse«, so gewiß ist es, daß unser Werk mir bestellen kann, wenn cs getragen wird vom Geiste der Völkerverbrüderung. Nicht der Imperialismus, sondern die Ethik des Gemeinschaftslebens entspricht unserer Mentalität, unserer Mission, uttsercut -- praktischen Interesse. Jüdische Politik ist das Streben nach unserem historischen Recht, das uns di«, harte Faust bisher versagt hat. Innerlich ist mit dieser Vorstellung auch die nrabische Frage verbunden. Eine uns feindliche tt a t i ,י uale Bewegung gibt es nicht! Wird sie einmal sein? Heute existiert sie nicht, und es wird unsere Aufgabe sein, besonders die unserer Arbeiter, die Araber emporzuläutern zu einem sozialen Menschentum. Es gibt keine arabisch-nationale gegen die Juden gerichtet« Bewegung, weil die noch atialpliabetische arabische Masse über ein I)orfgefültl, seihst nur in die Richtung eines Staniine.sgefiihls, nicht liinatisgekoinmeu ist. Die kürzlich gegen uns unternommenen Pogrome sind die unterirdische Fortführung des Weltkrieges, die die lyipitalisfisdteu Interessen des arabischen Groß• grmulbcsitzcrs für sich benützt. Die Pogromhetze ist eine Revolte englischer .Militärs, die nicht wissen, welchen Einflüssen sie erlegen sind, und aus welchen Quellen ihre Einpauker gespeist werden! Mit dieser Hetze läßt sich der Geliliniiiger der Gnmdstückspekulation, tlie sii.lt gefährdet glaubt, gut verbinden. Nicht an der Ab• wehr der Juden, ist ihr gelegen, sondern an der Erzielung höherer Affektationspreise. Gebet den heraufentwickeltei! Fellachen geht unser Weg! Er war das Opfer desselben Raubtiergeistes! Und wir müssen verhüten, daß er es bleibe. Die LöMiug der arabischen Frage und unsere äußere Politik können nur aus einem Prinzip heraus aus Ziel gelaugen, daß wir ins Land kommen als Träger und Getragene der völkcrvereinenden sozialen Gerechtigkeit. Das ist unsere Kraft. Sie zu entfalten durch ein gescblosseries, wirtschaftlich festtimdicrU's Volkstum ist unsere Aufgabe. Klatz.kin: Die Aufgabe, die Lichtheim mit seinem L'eferat übernommen hat, ist keine dankbare gewesen, l'.s war ihm unmöglich, der Versammlung nette Tat- Sachen mit/.utcilcu. Und wenn wir bedenken, dal! den gleichen Mangel die Reden attfweiscu, die von höherer Stelle aus au die zionistische Oet'fentlielikeit gerichtet werden, so wird tnts jeder Vorwurf der Dürftigkeit Lielttlieiui gegenüber ungerechtfertigt erscheinen. Undankbar wäre es auch für mich, wollte ich Iliiien aus einer ganz anderen Atmosphäre heraus über Hoffnung tmd Zuversicht des Zionismus sprechen. Aus den Reden meiner Vorredner klang deutlich heraus, auf welchen tatsächlichen Grundlagen sielt in der letzten Zeit die zionistische Politik aufbaut: auf der Klugheit und Geschicklichkeit Englands und auf der Klugheit und Geschicklichkeit der Juden. Wir besitzen so wenig Einblick in das Wesen und in die Entwicklung der cnglisclfcn Politik, daß man bis zum Beweise des Gegenteils anztinehnicn verpflichtet ist, daß Lichtheims Kritik an der Leitung der Berechtig«»״ entbehrt. In London sind während des Krieges altbewährte Zionisten zu Führern der Bewegung geworden und wir müssen atmeltmen, daß sie nach besten Kräften und nach reinstem Wissen alles gclan haben, was ihnen für die Bewegung notwendig und förderlich erschienen ist. Es scheint mir deshalb wenig Sinn zu haben, bei dein völligen Fehl«» zuverlässiger Kenntnisse Kritik an der Außenpolitik der Leitung zu üben. Aber diese Außen- Politik hat ihre Kehrseite. Es gehen von ihr Wirkungen aus, welche die innere Politik der Bewegung stark beeinflussen. An den politischen Tatsachen Kritik zu üben, leime ich ab. ׳Aber ich empfinde Verpflichtung zur Kritik gegenüber der Art, iti der die Ergebnisse tinu Erfolge unserer Politik der zionistischen Welt bekanntgegeben worden sind. Es ist gesagt worden, daß ja zweifellos in uns der Gedanke lebendig sei, daß an Stelle alles Imperialismus Recht und Gerechtigkeit bei uns herrschen müsse, daß aber im gegenwärtigen Augenblick die allzu starke Betonung dieses. Prinzips angesichts der so anders ge* arteten Welt unfruchtbares Moralisieren bedeutet. Ich glaube, das ist nicht mehr Moralisieren: das »st schon Moral! Es handelt sali tl.miin, «h wir gegenüber den Mächte» des Inges »las respektieren wollen, was ich die unterirdische Existenz unseres Volkes nennen möchte. Wer weiß, was morgen geschiebt, wie tlie Pu.gc stell *wandeln werden und ob wir vor einer Dutter des vegeuwatt:;;en Zustandes oder am Vorabend des Sabbaths tler \ olker stehen.■׳ Das Vertrauen auf die Dauer der heutige» Verhältnisse kann unmöglich die Gnm.ßuge der äußeren PoHbk des Zionismtis sein. Sie kann es nicht, denn das hieße freveln an unserer größten und ernstesten Aulgahe, die Massen und insbesondere tlie Jugend zu einer \k eitaidlassting zu erziehen, tlie des zionistischen י »edankens und des jüdische» Ideals würdig ist. liier drohen aus einer Propaganda, wie sie bisher getrieben wurde, die erschrcckciidstc» Konsetpieuzeu. Mit diese» Agitation!»- mediode» treibt mm die Masse uml die Jugcr.d mit Gewalt aus unserem Lager, denn sie ist nicht zu halten durch eine Spekulation auf Klugheit und üoschicklich• keif, sondern ist erfüllt von dem tiefen Bedürfnis, an eine Idee in aller Reinheit glauben zu dürfen. Wir würdigen die Arbeit unserer polinselten Führer tmd wir können nicht umhin, sie in ihrer Lage zu bedauern. Wir müssen froh darüber sein, daß wir Menschen haben, die cs über sielt bringen, sieh fuit den Widerwärtigkeiten des Auticliambrieretts lierumzuschlage'». Wir n.liiiten Anteil an ihrem Leid, aber wir wünschen nicht, daß man ein Programm daraus macht. Von einem Führer soll gesagt Molden sein, die Massen des Ostens seien für Palästina unbr lucltbar, weil sie!lalselieuistiseh verseucht sind. Ich will hier* egen nicht protestieren, denn man soll gegen Gesinr.unge.t nicht aukimipfen, sondern sie zu .indem suche». Denjenigen aber, die alles vom jüdischen Kapitalismus erwarten, sei gesagt, daß, wenn sie glauben, das jüdische Palästina werde in allem politischen Dreck Europas weitcrleben, sie sich schon nach wenigen Jahren enttäuscht selten werden. Man darf fes!stcl!en, daß der Gedanke, dem heute die Besten alter Völker anhängen, nicht tmjiidisch ist und daß er in jenen unterirdische» Abgründen der jüdischen Seele viel lebendiger ist, als *es den Anschein gewinnt, neun matt gewisse Erscheinungen des jüdischen Lebens betrachtet. Von der Politik ist hier in einem Tone gesprochen worden, der sehist Politikern nicht gefallen kann, ln der A.■•berfrage hat man eine Politik des Entweder Oder, eine Art politischer Balaiicierktmst propagiert. Das entspricht ganz der jüdischen Politik, die wir als das traurigste Kapitel des jüdischen Lebens im Kt lege kennzeichnen müssen. Letzten Endes wüte es doch darauf .׳!»gekommen, die Moralität der Volksma-sen zu festige», statt dessen hat man Opportimit itspuiink im schlimmsten Sinne getrieben. So lange Deutschland Chancen dts Siegers hatte, wurde z. B. erklärt, der Jargon sei!cutscln׳n Ursprungs und das Judentum im Osten bedeute deshalb einen Aktivposten in der Gcrutam• sierung Polens. Ein jüdischer Minister -- die jüdischen Minister sind unser«‘ neueste Plage —, der auf dem Kongreß erklärt hatte, die Juden hätten nur ein Vatirland, Palästina, trat für die Annexion Memels durch Litauen ein. Eine Gruppe von Posmer Zionisten, au deren zionistischer Zuverlässigkeit kein Zweifel erlaubt ist, trat aus Gründen des polnischen Staatsgedankens fiir die Bercsiuagrenze ein. Hier haben sie eine Vorgifttmg der Masse!» mul eine Irreführung des guten Instinkts unserer Jugend, die so verlierend ist, daß die ״politische» Erfolge“ dieser Politik wahrlieb mit ihnen ztt teuer erkauft wird. Und dann die Bedeutung, die der Eren• Raw (Mitläuferschaft) bei uns gewonnen hat! Welch überragenden Einfluß hat bei all unseren En,Schließungen «Sie Rücksichtnahme auf Amerika gewonnen, von «lein mau die Millionen erwartet. Bedenkt mau meht, daß der ganze Haufen tler netizkmistischeu Mitläufer im Augenblick zerstoben sein wird, wo ein ernsthafter Ri'rcksdtlag die Bewegung triff!> Im (ästen müsse» wir Zusehen, wie Tag für Tag die beste Jugend aus unserem Lager liiuweggeht. Uml in Amerika machen sieh B;dhattim einer neuen Art breit mul gewinnen bedenklichen Einfluß auf die Bewegung. Es ist auch ein längst' widerlegter Irrtum, dall es die Millionäre sind, die «las Geld gebet». Ei!» hebräisches Sprichwort sagt: ״Der gibt, der nimm!.“ Dieselben Massen, für die wir «lie Millionen haben wollen, werden sie attibringen. Aber diese Massen behalten sie nur durch die klare Macht unserer Idee. Nur sie garantieren uns den Bestand der Bewegung auch in finanzieller Hinsicht, San Remo. Wem cs mögUdi war, die telegraphisch nnernpfohkne Freude prompt nuf/ttbnngen, besitzt sicherlich eine Kraft der Freudigkeit, «he erstaunend ist, aber es ist sicher, daß solche Freude unweigerlieh eine Herabniimlerung der Kraft des Mitempfindens bedeutet. Die Teilnahme an den Vorgängen in Ruß-!and und in der Ukraine, an dein Pogrom in Jerusalem si»u hinter ,dem Jubel gänzlich zuritekgetietett. Nun ist mir «las verständlich, wenn dieser Jubel wirklich «1er iiberwiilligeiMlei» Tatsache gilt: Palästina ist unser. Aber bedeutet San Remo wirklich diese Tatsache•׳ Mat» ist schon früher mit dem Schcheehcjmiumaeiten bei uns sehr billig gewesen. Aber 111a» ist in der Profanierung unserer Tradition jetzt soweit gegangen, daß matt Weizmann und Sokolow mit Esra tmd Neltemia verglichen hat und das sogar bei den Orthodoxen. Dieser Vergleich hinkt. Dem» Esra und Neltemia waren sicherlieh tiiicht so gute Diplomaten wie W'eizmatm tmd Sokolow. Sie besaßen etwas anderes: den Glauben! Sie waren Neviint. Diplomaten und Neviim, das ist kein Vergleiche Wie weit ist es gekommen, wenn man jedes Gefühl für Distanz so gänzlich verloren hat. In der Diaspora konnte man folgende Beobachtung machen, die charakteristisch ist für die Psyche des jüdischen Volkes: Wir haben bittere Enttäuschungen erlebt, aber niemals im Gallith, im.Oaltith hatten wir nur Nissim, aber bittere Enttäuschungen hatten wir in bezug auf Palästina. Es ist kein Zufall. Für das jüdische Volk war und ist Palästina die letzte Rettung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.