Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1920-07-02 · Heft 43 (2.7.1920) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 43 (2.7.1920)
Date
1920-07-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2652228-2652270--13202-2670904
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

J U E D1 S C rt E RUNDSCHAU •' 111c!Einig »'Sans Niete ti'H'ä*■ Los- 1d 1» ־ Krn für 1f zu Ktat;samtver- SCilllS, omlerc vohnet Z. V. oa l>. hat RmLilf stein r«׳t.:irin kündige ׳n־ g*•- tgemäll ahlpr*•■ r i'riit ub! r >; de» in Ju־n. I r gef ihigv 1. ,sio» dUT.ei«;1 Mit- Imbrii. Mim- •diT il teil, SO 4; 11 cs dalli» iw1 sich!י nieer׳ der : •Irr ׳•.;!alb •■׳ rin eint•!leint, iuuk־t i!t es ave rein. Xistiert, lr.11 , die 1.1 m ihrer itnren eil.“;!3!em •;,eilt ,r:\qe . •,.tea , lue■ s ■, rien r auf ,0 den :,ehr!eeher ,;!.mg , :;irre 1, dem ihre |a'1r- Jnuer diese mm nun;41de ׳er i1!r ■ lie V» : '.C!er ־11« ■ ni, nes . zu un »Ina der!40. Nr. 43 v״n *ler ZV. f. IX nicht anerkannt; eine Mitgliederliste existiert nicht, LamU*s-Bcitriige sind niemals gezahlt vv\>r- .un, Audi liier ist *las Mandat des gemeldeten Herrn (üldingow Ihr ungültig erklärt worden. Eine Ra»׳*’ keilte weiterer!»röteste sind als gegenstandslos erklärt worden. l>ie übrigen Waiden sind sämtlich als un■11׳״ .merkannt worden. Der Rechenschaftsbericht des J. N. F. IW. Wotlsteincr, Berlin: Geehrter Delegierten tag! Als l.eiter der deutschen Saimnclslcße des Judi- »dien Nationalfonds habe ich *he Ehre, 41׳ kur/ über unsere Arbeit m informieren. IXe Bedeutung״r^chobin *I'IkIlten jedes Zionisten .. _ gaben, der Landaiikaul' lie Aullorstuug des Kaiidcs sind die Basis für jede isationstätigkeit, die gedeihliche Entwicklung der seine I•onlening /n den ersten ־ . eliört. Seine beiden I lauptanlgaben, der Landankaul und di Koloiii».n , ״ . ..... gesamten Siedlung ist daher von der Lctstungstahigkat des Natkmalfotids durchaus abhängig. Hinzu kommt, dal! *las Prinzip des N.-F., den BikIcii als Nationaleigenuun des ganzen Volkes zu erwerben und ihn in I rhpacht zu gehen, auch in sozialer Beziehung von hervorragender Bedeutung ist. Dieses Prinzip, *las sieh ui Europa erst unter *len gegenwärtigen Verhältnissen, wo der soziale Sinn eine entscheidende Wandlung erfahren hat, durchzusetzen beginnt, hat der N.-K. vom läge seines Bestehens an sielt /neigen gemacht, seine I unktioii im neuen Palästina wird heute von allen Parleien uuhesiriiten anerkannt als das I uiidauient unserer ganzen Bcsic!llu״gs]>oiink. Es isl also gar keine I rage,!lall die Lutwiekhnig des N.-K'. zu de« ersten zionistischen Aufgaben der Gegenwart gehört. Keuler sind seine Einnahmen, wenigstens in Deutschland, 11 m laufenden Jahre weit hinter den Er- Wartungen zurückgeblieben, *lie wir in Anbetracht seiner Bedeutung liegen miillten. Wahrend das Jahr Bild mit einer Million Mark wesentlich mehr als das Vorjahr, nämlich das Vierfache an Spenden ergab, sind in de« vertlosseiten 5','״ Monaten dieses Jahres erst (000ר2ו AI. *angegangen, d. 11. nur ungefähr 301)00 M. mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Es ist allerdings hierbei zu berücksichtigen, dali für unseren I laiiptsaminelzu eck, den l.ainllomls, aulicr den bar gezahlten Beträgen noch zirka 2(n(IO!) M. gezeichnet siiul, mit deren Eingang wir sicher rechnen können, so dali in Summa!lie bisherigen Ergebnisse mit zirka 000 000 M. beziffert werden können. Sie alle wissen aber, dali wir in diesem Jahr vier Millionen Mark aufbringen müssen, wenn die kolonisatorischen Plaue der Leitung des N.-F. in Palastiua entsprechend gefördert werden sollen. Es ist also gar keine I rage, *lall wir weit hinter unserem Kontingent zurückgebiiehi'ii sind. Alan soll indessen nicht glauben, dali der N.-K. nicht das genügende Verständnis bei unseren (»csini«itiigsgeiKissen gefunden hätte, oder dali unsere Mitglieder im ganzen Lande es an intensiver Arbeit und trendiger Hingabe hätten fehlen lassen. Jm < »egeuteii, das Verständnis und Interesse für den N.-K. Nt in allen zionistischen Kreisen entschieden gewachsen, 111 den kleinsten Gemeinden haben wir unserer Sache Freunde gewonnen, die eifrig bei der Arbeit sind. Das I iaupthinderiiis für eine den Aufgaben der Gegenwart angemessene Weiterentwicklung des N.-F. bilden die;,rollen Anforderungen, die durch andere ziouisliselie thii.inen au die Opferfreiidigkei( der Zionisten und der indischen Oefleiitliciikeit überhaupt gestellt werden. Eine solche Aktion ist der Palästina-Aufbau-Fonds, dessen /uceke liii den Aulbau von Erez-Israel gewiß ebenso "iilnig sind, der aber naturgemäß unsere Sammeltiitigk< it stark beeinflußte. So mußten wir z. B. die von uns r imüoiiM.ihiiBldin.ul ht j f 14-׳t ,rV Z״■ U \j EINE MONATSSCHRIFT j Herausgegeben von Dt. Huriin Buber Inhalt des t. Heftes: Martin Buber, In später Stunde / Michael Jtx- : chakl. Der 24. April / Theodor Herzt, Verhond- : lungen mit dem türkischen Sultan / Max Brod, I; Heldentum, Christentum, Judentum/ Moritz IMlecki, ן Das Kompromiß des deutschen Judentums / Guitav \; Mayer, Ferdinand Lassalle und die Jüdische Reform- | bewegung (Ein Jugendbrief Lassallcs) / S. J. Agnoo, p Die Geschichte von Robbt Gadlel dem Kinde. L' BEMERKUNGEN |: Robert Welt ich, Die Prager Konferenz / J. S., | Trumpeldor. | UMSCHAU I; Siegmund Kaznclton, Politik (Chronik - Staat und | l Nation) / Nachum Goldmann, Zionismus und nationale Bewegung / Adolf Böhm, Ein neuer Vor- =j schlag für die Besiedlung Palästinas / Elia» Auer• |j bach, Rassenkunde / Ella* Hurwicx, Völker- |> Psychologie / Erwin Kohn, Jüdisches Gewerbe In g! Wien / Presserundschau. ׳ : Vierteljährlich M. 15.- Einzelheft M. 5.50 tl Jüdischer Verlag / Berlin W15 §; 4 Sächsische Sirafje 8. | ־ nnmümfifiM mninnmtoä-UMMi;!; oo-hoo1 ־«!׳m!t oumhumi mm! p1/-gppp!'י00ןז1-וזו01ח! oomi-o1 .-!«'׳ angeregten Landfomlstnge, von denen wir uns erhebliehe Einnahmen versprachen, in vielen Fällen zugunsten des Palästina-Aufbau-Fonds zuriickstdlen. Es war uns aus diesem Grunde auch unmöglich, eine ähnliche Aktion wie die im vorigen |ahse veranstaltete Palästina-Woche, die als erster Versuch in iliesser Richtung großen Erfolg hatte, *lurehzufülueii. Wenn inan all diese Umstände berücksiehtigt, so kann von einer Riiekentwicklung doch nicht gesprochen werden. Das ändert aber nichts an der Notwendigkeit, daß die Einnahmen aus Deutschland in diesem Jahre noch ganz erheblich gesteigert werden müssen und unseres Erachtens trotz der angeführten Schwierigkeiten auch gesteigert werden können. Es gibt zwar heute gewiß keinen Zionisten mehr, der nicht von der Bedeutung des N.-F. durchdrungen wäre, aber andererseits muß doch festgestellt werden, daß eine große Zahl unserer Gesinnungsgenossen es an der entsprechenden finaiizicllcii Unterstützung bisher hatte fehlen lassen. Die Beiträge zum Landfonds müßten allein aus dem Kreis der Zionisten noch sollr viel mehr als bisher ergeben, wenn jeder Einzelne sich wirklicli mit *lern Mindestsatz besteuerte, den die Vertrauensmänner-Konfcrenz. vorn Januar einstimmig festgdegt hat und der die BiUigung aller Vertreter unserer Ortsgruppen fand. Unabliängig von allen sotisiigen Sammlungen, deren Wichtigkeit gewiß nicht verrannt werden soll, muß der N.-F. imstande sein, in Palästina den nationalen Roden für die gesamte Kolonisation zur Verfügung zu stellen. Weder die Aufbauaktion noch die bevorstehende große Sammlung, von der auf dem. diesmaligen Delegiertentag noch ausführlich gesprochen werden wird, darf uns Konsularischen Vertretungen von ״mehreren Nationen“ also wohl des noch kommenden Völkerbundes gestcll «erden müsse. In!lein,eiben Jahre erschien in der Zeitung ״Times‘!uw /n-.1.1111 mit *km Initialen ״F. B.“ gezeichnet י"!!׳ schlichte bescheidene Stimme aus dem Publikum die!;!׳/Mil!!leshalb besonderes Interesse in diesem Zu -1mme1ih,1m;e beansprucht. .,Duaußerordentliche Krise in der Orientpolitik ruf >m allgemeines 101 sehendes Interesse hervor, und da vlncksal der Juden scheint tief verwickelt zu sein mi der Lösung des syrischen Problems, das jetzt melircr «hn,111che Regierungen beschäftigt. Ich glaube nun, da; du• Rückkehr der Juden nach Jerusalem durch eme be! '{Heliose Verquickung der Umstände realisierbar gc worden ist, und daß sie besonders wünschenswert ei H'hcint als die richtige Lösung, der alle führenden Macht im eigenen Interesse zustimmeii. Die gegenwärtig Ausführbarkeit der Rückkehr der judeuheit ist tvunmel! kem Paradox: die Zeit beweist es. Die Idee der Wiedei herstellimg eines jüdischen Reiches, die noch vor wenige Jahren als Faiitusiegebilde .einer krankhaften Vcr/ückuii 'erlacht gewesen wäre, wird jetzt als ein praktische 'willigen der Diplomatie in Betracht gezogen. Es stell lest, daß die Juden die uralten Besitzer von Svrie waren und *laß Syrien das eigentliche Herz und Zentral: '״res Reichs gewesen ist. Es stellt fest, daß die Jude; י״ן Jahrhunderte״ einen herzlichen Drang nach de /,ai f‘,,llle” Ulltl bcrdt größte Opfer finaii /״ ״r M vorsclucclciicn interessierten Parteien da! H״11״U(ä״’ sie in den friedlichen und sichere.* iwk ■1'", ,.,״״mk's versetzen können. Es ist ebenfall 'Miiih•1 '״i'vildem die Juden aus Syrien verdräng h,Schauplatz von Streifigkeiten de hVw d ״"• M״chu' "״.!״״־, die alle sich desse i p ,׳ e 111 '111 '1. daß sie hier kein legitim e 1111(111,1,11;!," s u b c ד״, Ullt! ‘״F alle auf ihr gegenseitige .'1״'׳":;!»'vesen eifersüchtig sind. wohl 1"f 111111 l^i'ißv in dieser Weise liegen, kan id'lragt werden: warum haben denn die Jude *ץ« seit 1,’ingeni nicht vernicht, durch Handclsvc _ ,'kv in de« Besitz Syriens zurückzugelangen? A! ) all consckms thnt tiiev ■'־'״ ■ ., S. 237. had no legitiniak* right Antwort mag darauf gesagt werden, daß, obsclion sie augenscheinlich wünschten, dies zu tun und auch Versuche dieser Art unternahmen, waren die Umstände stets ihren Wünschen entgegengesetzt . . . Nun aber sind diese Hindernisse zum großen Teil beseitigt; alle stärksten europäischen!Mächte erschienen als Vermittler zur Regelung der syrischen Angelegenheit . . . Ich habe nun Grund zu glauben, *laß die Juden leicht solche finanzielle Verträgea (.)schließen könnten, *lie ihnen den absoluten Besitz von Jerusalem und Syrien sichern. Ich seile nicht ein, warum die Juden nicht ein unabhängige^ Königreich in Syrien wieder herstellen sollten, wie etwa die Aegypter in Aegypten und die Griechen in_ Griechenland. Ais praktisch politische Lösung glaube ich, daß durch einen Versuch der jüdisehen Rückkehr viel leichter ist, den Frieden Europas urnl Asiens zu sichern, als bei einer Zuweisung syrischer Gebiete an Türken *)der Aegyptcrn, wodurch sicherlich Gelegenheiten zu neuen Eifersüchteleien und Streitigkeilen entstehen würden. Ich glaube, daß die Sache der Wiederherstellung des jüdischen Reiches eine wesentlieh weitherzige und edle ist und daß alle Individuen sowohl wie Völker, welche welche dieser weltentsagenden Nation verhelfen würden, das Reich ihrer Almen zunickzuerlangen, durch himmlischen Segen belohnt sein werden. Jede patriotische und philanthropische Erwagung muß Großbritannien dazu drängen, ein Werkzeug der prophetischen Offenbarungen von Schicksalsvoller Konsequenz zu werden.“ Wenn man die etwas schwankende geographische Einstellung des Verfassers dieser Zuschrift an ״Times“ berichtigt, so kann man sich nicht des mächtigen Eindrucks erwehren, daß vor achtzig Jahren eine Stimme aus dem englischen Publikum in so hellseherischer Weise *he historische Mission Britanniens im Bezug auf Pa-!;istina verzeichnen konnte. Leider klangen die Ver- Sicherungen, daß jiidiseherseiis alle Anstrengungen zur Wiedererlangung Palästinas gemacht worden wären und daß sie nur an den ungünstigen Umständen gescheitert wären, etwas zu optimistisch für uns . . . Ein anonymer englischer Autor richtete im Jahre 1854 einen beredsamen Aufruf an sein Volk, sich die einzigartige historische Gelegenheit nicht entgehen zu lassen, ein ewiges Bündnis mit dem jüdischen Volke zu schließen. Seit3 34 ״ veranlassen, den N.-F. zu vernachlässigen. 1)11■ Auigaben in Palästina sind gewaltig «•>*1 vielseitig, aln-i Keine steht an Bedeutung über *ter des N.-l . Und wenn!e,/t mehrere Sammlungen nebeneinander statfgefund״•׳ •*-**?•-'•* und wenn in Zukunft außer dem N.-F. die Aktion für den großen 25 Millionen-Pfund-Fonds beginnen wird, so ,muß, jeder von uns daraus die Konsequenz ziehe«, daß er jetzt ein Vielfnches seiner bisherigen Leistung zum Wiedernutbau des Landes beitragen muß, keinesfalls aber daß der N.-F. zurückgestellt werden dürfte. Jeder muß sich klamiachen, daß der Aufbau nur mit wirklichen Optcrn jedes Einzelnen durch/ufülircn ist; dann wiid der N.-F. in Deutschland künftig auch unbeschadet aller .־inderen Aktionen die Summe erreichen, die die KohmUieruitg von uns fordert und die zu ihrer Durehführuung unbedingt verlangt werden muß. Unsere Genieindepolltik Referat von Dr. Victor Hamburg Seit dem letzten Delegiertentage sind wir auf dem Gebiete der Gemeindepolitik ein Stück vorwärts gekommen, so daß cs notwendig erscheint, das bisher auf diesem Gebiete von uns Geleistete zu überschauen. Folgendes sind die Tatsachen: Das Wort llerzls von der Eroberung der Gemeinden fand in unseren Reihen zunächst keinen Widerhall. Alle verfügbaren zionistischen Kräfte waren für den vielgestaltigen Aufhau der Bewegung und die Palästinaarbeit notwendig und init Recht bestand wenig Neigung für die undankbare Aufgabe, die in den Gcmeimlestubeii thronende Assimilation ihrer Machtstellung /.1!;erauben. Die ersten Ansätze einer zionistischen Gemciudcpolitik in Deutschland zeigten sich im Jahre 1901. Kollmscher veröffentlichte in diesen« Jahre eine kleine Abhandlung über ״Aufgaben jüdischer Gcnieimlepolit.k■*. Im J.ilne 1*X)S beschäftigte die Gemeindepolitik den 11. Del*■־ giertentag der Zionistischen Vereinigung lur Deutschlarnl in Breslau. Das Referat Kollensdicis führte zur Annahme einer Anzahl Thesen; eine ticteigehende Wirkling hatten aber diese Beschlüsse nicht, da wichtigere Kragen die Gemüter bewegten. Auf dem Poscner Dolegiertentago im Jahre 10KJ wurde die I'mset/ung einer Gemeindckoinmission zur Ausarbeitung eines Gemeinde- Programms beschlossen. Im Scholk■ dieser Kommission kam 5s zum ersten Male zu grundsätzlichen Auseinandcrsct/tingcu über unsere Gcmeindcioideriiugeii, hei denen auch die Krage der Trennung der Gemeinde vom Kultus gestreift wurde. Zu einer Einigung kam es nur über gewisse Richtlinien, die im wesentlichen die Demokratisierung der Gemeinde zum Ziel hatten. Die Schaffung eines Gemeindeprogramms wurde vertagt und ־zunächst die Errichtung eines Gcmcindcarchivs zur Sanimlang des umfangreichen Materials, einer Auskunftsstclle in Gcmeindcfrngeu und eines üenieuulcjahrbuchs beschlossen, das infolge des Krieges nur einmal im Jahre 1013 erschienen ist. Der Weltkrieg mit seinen gewaltigen Erfolgen für die zionistische Außenpolitik brachte auch eine Klärung in den I•'ragen zionistischer (k׳niei1»de|X)litik. Dem jüdischen Gemeinwesen in Palästina soll nach dem Kopenhagener Programm als Organisationsfonn der deutschen 1 )i.i'pora die jüdische Votksgemeiude entsprechen, die die Vertreiung der Juden als einer nationalen Minderheit bildet und ihre auf der Volkscigenart beruhenden kulturellen Angelegenheiten autonom regelt. So definiert Simonson in seiner lesenswerten Schrift das Wesen der jüdischen Volksgcmcimk•. Die Volksgcmeinde ist die Zelle, auf der stell die ' 1esamtvcrlieumg der Juden IX'Utsdilainis auf bauen soll. Die Volksgcnicindcn einer Provinz, oder eines Landes bilden zusammen die Provinzialgenieindc. Sämtliche Provinzialgcmeiuden, die Reichsgemeinde, welche die Go sanitinteressen der Juden Deutschlands zu vertreten hat. Mit der Ausarbeitung des Entwurfs einer solchen (iesaiutorganisation der Juden Deutschlands winde als- Nachdem er den verwahrlosten Zustand Palästinas unter der türkischen Barbarei geschildert hat, wendet sieh der Verfasser an die Mitbürger niit den folgenden Worten: ״Freuet Euch, Britten! Denn Ihr habt es zur Aufgabe, die lange Zeit verstreuten Glieder der vernachlässigten Judarasse in dieses schöne Land zurückzubringen und in ihrer Heimat eine Kolonie zu gründen, deren Anhänglichkeit an ihren Beschützer außer jedem Zweifel sein wird! . . . Jerusalem wird von neuem die glorreiche Stadt unter den Völkern werde!» . . . Es gibt unter Juden viele, deren Reichtum es dahin gebracht hat, daß der Name Jude zu oft mit dem Begriff von unschönem Gewinn verknüpft wird. Nun wird es schön sein für die wenigen, die jetzt eine hohe Position eimiehmen, jede Gelegenheit energisch zu ergreifen, um die Wiederherstellung ihres unglücklichen Volkes in Palästina zu fördern . . . Noch einmal Britten, seid auf der Hut und beeilt Euch, die Mittel zu ergreifen, die Euch zur Verfügung stehen zur Verteidigung Eures wertvollen Besitzes im Osten und zur Förderung von Gottes Ruhm durch die Rückkehr seines Volkes in das Land, wo er sagte einst- ««)als, er würde sie von neuem hinbringen!“*) Auch dieser Aufruf wäre von einer unheimlichen Aktualität für die Tage von San Remo. Jedenfalls ist die praktische Verquickung von ״wertvollem Besitz im Osten“ mit ״Gottes Ruhm“ auch heute ein charakteristischer Zug der englischen Mentalität. Eine Bewertung des Werkes Sokolows, als eines Versuches, die Gcsamtgcschichtc tles Zionismus dar- /(!stellen, liegt nicht in unserer Absicht. Wie *ler Verfasser selbst in *ler Vorrede ausdrücklich betont, üueressierte ihn zunächst nur die Entwicklung des z.ionistischcn Gedankens in England iiml um die Aufhellung seiner Beziehungen zu dem politischen Programm, das Theodor Herzl aufstelltc. Die eingehende Darstellung und Würdigung des mitteleuropäischen Zionismus soll *len« nächsten Band des Buches Vorbehalten bleiben. Es genügte aber gerade für heute auf die wertvolle Erschließung jener Dokumente aus der englischen Geistesgeschichte hinzuweisen, worin schon die Bedeuhing dieser neuen Leistung Sokolows hinlänglich begründet wird. *) S. 245—246.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.