Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 41-42 (29.6.1920)
- Date
- 1920-06-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2652228-2652269--13192-2670893- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 334 JU EDI SCH E nUNDSCHÄÖ Nr. 41 dielt,;tut Einrcliiiitiativ c darauf angewiesen, daß man dich nicht als Volk, sondern als Objekt einer privaten oder vereinsmäßigen Fürsorge betrachtet. Hier klafft ein Widerspruch, der es mitverscliulvlet, daU die großartige Idee der Stetierlcistimg für die Volksuotwendigkeiten, die die Zionistische Organisation als erste wieder aufgenommou int, das Volk noch nicht ergriffen hat. Wollen wir verhimlern, dali die Steuer in Wahrheit nur ein anderer Ausdruck, ein neuer termiims tcehnicus für den alten Heu;riff lies Voreinsbeitrages oder der Spende ist, so müssen wir den Trauer der Stcuergcwalt darstellen, die Regierung, die Verwaltung,' die die Menschen, von denen sie Steuer verlangt, als Volk betrachtet, und ihre Angelegenheiten wie die eines Volkes behandelt, die sich als Regierung fühlt, das heißt, die die Verantwortung für die Existenz des Volkes gi seiner Gänze auf sich nimmt. In dem Maße, in dem wir den ganzen I.eheuskreis des jüdischen Volkes in unseren Aufgabenbereich einbeziehen, in demselben Maße können unsere Anforderungen an das Volk wachsen. Wir brauchen uns nur vorzustellen, welche enormen materiellen Möglichkeiten erwachsen, wenn es gcliifgeu sollte, die großen, die ungeheuren Beträge, die überall und jederzeit im Judentum für öffentliche Fürsorge, für Wohltätigkeit, für kulturelle und soziale Zwecke iliellen, auch nur teilweise zu zentralisieren, unter einen Plan und eine Kontrolle zu •bringen. Wieviel (iroßes könnte aus all dem Kleinen geschaffen werden, wieviel Anforderungen au die Institutionen, an die Organisationen^ an die Einzelnen könnten erspart werden, wie (iroßziigiges national Förderndes könnte geschaffen werden, und wieviel Geld und wieviel Energie könnte frei werden für Palästina I Nicht neue Aufgaben verlangt unsere Forderung, sie verlangt Vereinheitlichung, Zentralisierung, Nationalisienmg, sie nimmt uns nicht die Mittel für Palästina, sie macht sie frei, und zwar in einem solchen Ausmaß, daß jede andere Quelle daneben klein erscheint. Muß ich noch reden von der moralischen, von der nationalen Kraft, die von einer solchen National!- sierung der Volksarbeit ausgeht? Wenn inan nicht mehr gezwungen ist,;nt Wohltätigkeit, an Interesse zu appellieren, wenn nationale Einrichtungen vorhanden sind, um das zu bewilligen, was die Armut, was der Bildungslumger, was das soziale Bedürfnis verlangt, müssen wir dann noch die Existenz des jüdischen Volkes erst beweisen? Zionistische Dienstpflicht Darnach bleiben uns njcli zwei Fragen zu beuut- Worten übrig: Wie bekommen wir die Kräfte für eine so großzügige Auffassung unserer Aufgaben und in welchen Organisationsformeil muß sie sich vollziehen? Wir wissen ja, unter welchem Menschenmangel wir heute schon leiden, wie die wichtigsten Aufgaben sogar des engeren Palästinabereichs Not leiden müssen, weil man uns sagt, daß wir keine Kräfte dafür haben. In der Tat, man muß ziigeben, daß wir über sehr wenig geschulte Menschen verfügen, wenn auch keineswegs alle ausgenutzt werden, daß schon der Ausbau, ja nur die Aufrechterhaltung unseres Organisätionsapparates uns große Schwierigkeiten macht, weil wir die hinreichende Anzahl geschulter Funktionäre nur sehr schwer erhalten können. Hier ist auf ein Versäumnis hiiizuweison, das die Zionistische Organisation von Anfang an begangen hat und auf das wiederholt schon hingedeutet worden ist. Wir haben es niemals unternommen, uns systematisch einen Beamtenja nur einen Mitarbeiterstab heranzuzüchten. Wir waren im Notfall imitier darauf angewiesen, Ausschreibungen zu erlassen, auf irgend einen guten Zufall zu hoffen׳ und die Kraft zu nehmen, die gerade frei war. Nichts von Schulung ist erfolgt, nichts von Heranbildung, im (icgciiteil: Wir haben tlas Gefüllt groß werdeti lassen, das heute einen Teil unserer Jugend beherrscht, wunarli es fast als unzionistisch, als unter zionistischen Gesichtspunkten nicht ganz, anständig erscheint, seine Lebensarbeit der Orgauisation zur Vertilgung zu stellen, wos natürlich in der Regel nur gegen Entgelt gescheiten kann. Mail spricht sogar von einer ״Sekreliirwirtsehaft“ und es liegt ein etwas verächtlicher Untertan in diesem Ausdruck. Wir haben es nicht verstanden, das Gefühl zu erwecken, daß es etwas (iroßes ist um den Dienst :111 der Organisation, etwas, was unter ein anderes Maß gestellt werden muß als irgend eine berufliche Tätigkeit. Andererseits beruht ja eiten die Abneigung, die man gegen die sagenannte Sektctiirswirtsebaft empfindet, nicht zum wenigsteil darauf, daß unsere Beamten fast immer •unentbehrlich sind, daß wir mangels Nachwuchses keine Möglichkeit haben, Kräfte durch andere zu v1>et7.cn oder gar sie nur zu versetzen. Aber auch die Ausbildung unserer freiwilligen Mitarbeitcr laßt alles /n wünschen übrig, Auch sie sind angewiesen auf das, was sie gelegentlich erfahren, auf die Broschüren, auf die Bücher. Die Dinge aber, die nicht durch schriftliche Mitteilung weiter gegeben werden können, die man mir aus eigener Anschauung erfassen kann, die rein organisatorische Schulung, die Einstellung in die technischen Zusammenhänge werden keinem gegehen, der nicht eben in den Büros drinsitzt. Das nicht zum wenigsten hat die Organisationsni&digkcit zur Folge, von der die Jugend beherrscht wird.־ Sie weiß nicht, was das heißt Organisation oder Zcntralhüro, sie ist geneigt darin ein bürokratisches Ungeheuer zu sehen und in der Arbeit in diesen Einrichtungen eine qua.utite negligeable, der sich ein anständiger Mensch und ein guter Zionist möglichst zu entziehen trachten muß, Darunter leidet unsere gesamte Wirksamkeit im Großen wie im Kleinen. Erst ganz neuerdings beginnt ja die Berufsunisdiichtung auch die Ausbildung zu jenen Arbeiten zu ergreifen, die ׳außerhalb der ackerbaulichen oder handwerksmäßigen Tätigkeit in Palästina liegen. Schon erzieht man Menschen systematisch zu hebräischen Lebrern, für technische Berufe für Palästina usw., aber ist damit das Gebiet bereits erschöpft? Wieviel sonst bleibt noch zu tun? Noch fehlen uns z. B. die Volkswirtschaftler, die Menschen, die das Genossenschaftswesen kennen, die imstande sind, an Kredit-Instituten, an kooperativen, an gemeinnützigen Unternehmungen zu arbeiten. Polen und Litauen seufzen hgute unter dem Mangel guter, *ge- Schulter Kräfte für das große Wiederaufbauwerk und wir können sie nicht geben, und hierauf nicht zum wenigsten beruhen die Mängel der großen Unterstützungsaktion, die von Amerika aus dort geleistet wird und die eben , infolgedessen wieder in die Hände der Gruppen und ן Kliqucn, der Politiker und Politikaster, der Notabein, ן der Assimilante 11 gerät. Es fehlen uns die geschulten ן Organisatiousteehiiiker, die Vcibaiidsbeamten, es fehlen I uns die Kaulleutc sogar —- wo sonst schriebt!'sich die merkwürdige Impotenz, ja. Inleriortat unserer Wirtschaftliehen l'ntcrueh,innigen her? Was geschieht z. B, um unsere FTaucu für den Dienst am Volk zu schulen?‘ Ueberall, nicht mir in Polen, fehlen die sozial geschulten weiblichen Kräfte und die Kindersterblichkeit in den Pogromgcbicteu, in den Fleckfieberzentren, in den Städten des Hungers und des Elends im Osten wäre viel geringer, wenn wir nur ein paar Dutzend für die Volksarbeit begeisterter Krankenschwestern, Säuglings- Pflegerinnen, Wolniuiigsinspcktorinnen hätten, wenn wir Beratungs- und Fürsorgestellen entrichten könnten, wenn mit anderen Worten die Menschen da wären, die nicht nur willens, sondern auch geschult sind, tun die Fürsorge und die Wiederherstellung zu leiten, in ihr zu arbeiten, sie unter große, volksmäßige Gesichtspunkte zu stellen. All diese Kräfte brauchen wir ebenso in Palästina, all das fehlt uns .ebenso für Palästina und wenn nicht schon aus anderen Gründen, so müßte allein um der Vorbereitung für Palästina willen die Ausbildung dieser Menschen von der Organisation in die Hand genommen werden. Wie aber kann das geschehen? Sind überhaupt die Mensche» vorhanden, die bereit sind, Kraft zu werden? Es kann etwas geschehen, und zur Durchfültnmg dieser Aufgabe bedarf es nichts wie des Rückgriffs auf ein Institut, das uns unter ganz anderen Gesichtspunkten vertraut ist, auf die Dienstpflicht. Die zionistische Dienstpflicht muß cingcfiihrt werden, sie muß zur jüdischen Volksdienstpflicht ausgestaltet werden. Die Zeit ist gekommen, diese große und doch so einfache Maßnahme durchzuführen, es darf nicht länger damit gewartet werden. Es muß zur Pflicht jedes junget» Inden und jeder jungen Jüdin werden, ein Jahr oder vielleicht nur ein Semester der Arbeit am Volk zu widmen. Wir wollen uns wohl vorstellen, daß dies keine einfache Aufgabe ist. Ihre Organisation «miß viel mehr ab gut sein, wenn sie sich durchsetzen soll. Sie muß mit der Akkuratesse, mit der glänzenden Ordinnig des militärischen Apparates arbeiten und hat nicht dessen Zwangsmittel zur Verfügung. Sie muß unter der Leitung eines Generalstahes stehen, der imstande ist, jeden Einzelnen zu erfassen, ihn auszulwlden, ihn auf die richtige Stelle zu setzen, ihm die Ucberwachung und Leitung an die Hand zu gehen, die er braucht, ihn so /ti beschäftigen, daß daraus ein Nutzen für die Menschen und ein Dienst für das Volk wird. Damit kann sofort begonnen werden; es wäre lächerlich, die Aufgabe des Dienstjahres auf die Arbeit in Palästina zu beschränken und zu warten, bis diese möglich wird. Was wir!)rauchen, ist Arbeit am Volk, die von dem einen vielleicht in Palästina, von dem anderen besser hier oder dort geleistet werden muß. Diese Arbeit muß alle Aufgaben umfassen, die überhaupt zu dem großen Begriff Volksarheit gehören. Sie ׳muß Menschen überall hinzu• schicken imstande sein, wo sie vom Volk und für das Volk benötigt werden, sie muß in ihrer letzten Ausbildung so großartig funktionieren, daß »vir immer mul überall die Soldaten haben, die wir für unsere friedliche Arbeit brauchen. Für diejenigen aber, die schon außerhalb des Alters Steher, in dem von ihnen das freiwillige Jahr oder das freiw illige Semester verlangt werden kann, bleibt die Notwendigkeit der f r e i w i 11 ig c n D i c n s 11 e i 81 ti n g aut eine kürzere Zeit. Jeder Zionisti jeder national denkende Jude sollte verpflichtet sein, wenigstens vier Wochen in bestimmten Zeiträumen, etwa im Laufe von zehn Jahrei» dreimal, dem jüdischen Volk uneingeschränkt zu widmen, cinznrüekcu zum Dienst am jüdischen Volk, Damit hätten wir ein atisgezeidtnetes Material für die Kadre-׳, in denen die Ausbildung der jungen Leute des freiwilligen Dienstjahres erfolgen kann, den Untcroffi/ierstand, dem wir sie anvertrauen können, Menschen, die über Frfahnmg, Kenntnis, Takt verfügen, die im Lehen sielten iimi mit ihm fertig werden können und die wir den jungen Leuten als Berater und Führer zur Seite geben können. Mit diesen beiden Einrichtungen haben wir das Mitarbeitermaterial das wir brauchen, um den großen Aufbau des jüdischen Volkes mit Aussicht auf Gelingen in die Hand zu nehmen. Schaffen wir dazu die Ausbilduiigsatistalien, die Volksdicnstschulcn, die Lehrgänge und Kurse, bringen wir das alles unter einen einheitliehen Plan, ordnen wir das jüdische Wohlfaltrlsministerüun ein, dann allerdings sind wir auf dem Wege, der uns aus den Schwierigkeiten lünaushilft, die heute die großzügige Volksarbeit behindern. Für die Zionistische Organisation ist diese Frage im Augenblick besonders aktuell, wo wir an die große Finanzaktion herantreten. Der Plan, der an anderer Stelle für die Durchführung der Finnnzaktion in Deutsch•!and vorgelegt werden wird, sieht als Grundlage der Organisation die Einführung des F'reiwilligensemesters und der freiwilligen vierwöchigen Dienstleistung für alle außerhalb des Pflichtalters stehenden Zionisten vor. An dieser Stelle sei au 1 f eine Wirkung besonderer Art hingewiesen, die sich aus dem Freiwilligen- Dieustjahr in seiner Ausdehnung auf die gesamte Volksarbeit ergibt: Es bringt die, die es leisten, nicht nur den Institutionen und Einrichtungen nahe, macht sie nicht nur vertraut mit der Struktur der Organ!- ► sation, der Art der Judcnheit, unter der sie zu arbeiten haben, viel wichtiger ist, daß es die Menschen zu den Maischet» erzieht, daß es persönliche Bindung herstellt zwischen denjenigen Menschen, die Dien9t tun und denen, au denen Dienst getan wird. Volksarheit heißt hi erster Linie Arbeit an der jüdischen Masse. Es wäre Selbstbetrug, zu leugnen, daß nicht sowohl zwischen Zionismus, wohl aber zwischen Zionisten und jüdischer Masse eine Kluft klafft, die es bisher nicht gelungen ist, zu überbrücken. Und wir müssen konstaderen, daß gerade da, wo am meisten mit dem Begriff Volk, mit dem Begriff Masse operiert wird, unter der radikalen Jugend, am wenigsten Neigung herrscht, sieh in die Masse zu begeben, Masse zu werden, sich mit der Masse, mit dem Volk zu verschmelzen. Das beobachten wir im Westen genau so wie im Osten. In den Elendsquarticreu von Warschau und Wilna ist die zionistische Jugend genau so wenig zu Hause, wie cs unsere jungen Leute in der ׳Grcn.ulicrstraßc und der Dragonerstraße sind. Sie haben keine Berührung mit den Menschen der Masse, sie verstehen nicht, mit ihnen zu sprechen, nicht weil sie die Sprache nicht keimen, sondern weil ihnen die Menschen ganz fremd sind. Wir schreiben über diese Menschen, sie bilden das Rückgrat unserer. Ideologie, aber wir kennen sie nicht, sie sind uns fremd wie ein exotisches Volk. Daran ändert nichts die Tatsache, daß wir vielleicht in Versammlungen, in Vereinen, in Organisationsarheit uns begegnen. Das Lebet» der Masse »st uns fremd. Wir kennen ihre Gefühle nicht, wir wissen nicht, wie sie sch einrichtet.* Ihre Art zu denken, zu handeln ist uns imbekannt und' wird daher auch von uns falsch gewertet. Dem kann nicht anders begegnet werden als durch unsere Einbürgerung in die Masse. Die Assimiiatiou der Masse an die Führer ist immer falsch und wirkt immer antinational. Wie immer man zu der Masse stehen mag, sie bat ־ besonders »vo es sielt tun die ostjüdische Masse im Verhältnis zur w estjüdischen handelt - bei ,weitem die stärkere natio• Haie Tendenz, die stärkere nationale Tradition, die stärkere nationale Geschlossenheit. Uns wjeder mit diesen jüdischen Menschen vertraut zu machen, die 111 jeder Hinsicht den Kern des Volkes darste'lcu, dazu ist die ganz gewöhnliche Arbeit in und mit dem Volke• das beste, das wirksamste und auch das schönste Mittel, cs bereichert uns und nützt den anderen. Was kann man von dem freiwilligen Volksdienst mehr ver• langen! Organisation der Volksarbeit Eine Frage bleibt noch zu behandeln, die nämlich nach der Form, in die wir die Volksarbeit kleiden sollen. Wir haben festgestellt, daß es die Aufgabe der Zionistischen Organisation ist, leitend, führend, so• Zusagen regierend die Ordnung der Angelegenheiten des jüdischen Volkes zu übernehmen. Das kann 111 du anders sein in diesem Augenblick, wo cs die Ziunistischc Organisation ist, die den Gedanken der Einheit des jüdischen Volkes verkörpert und die für die• ganze Welt die Repräsentanz dieser Einheit darstellt. Tatsächlich bildet die Zionistische Organisation im richtigen Sinne des Wortes die Vertretung des jüdisehen Volkes. Sie ist unter dein Gedanken vier jiiilisehen Volkseinheit zustande gekommen, sie hat seine Verwirklichung zu ihrem Programm sielt gesetzt und hat die grollen Siege auf diesem Wege errungen. Sie ist auch die einzige, die gewählt ist vom ganzen Volk, die sich freiwillig und bewußt der Kontrolle des ganzen Volkes unterwirft. Nur der Zionismus stellt keinerlei Bedingungen für den Eintritt in s.'.ite Organisation, macht ihn abhängig lediglich von vier Erfüllung einer rein formellen Vorschrift, deren wiit• ziger materieller Inhalt niemals eine Leistung darstellt Das ist auch der Grund, warum die Mächte, nicht nur die des Imperialismus, sondern auch die des Sozialismus die Zionistische Organisation als Vertretcrin, als die wahrhaftige, als die einzige Vertretern! des jüdischen Volkes erkannt haben. Indem wir diese Tatsache feststelieu und uns »Wv Konsequenz und der Verantwortlichkeit bewußt worden, die sieh daraus ergibt, bemerket! wir zugleich, »laß die Position der Zionistischen Organisation noch tmaits gebaut ist. Sie führt die Geschäfte des jüdischen Volkes auf .dem Gebiete der äußeren Politik liinsicldlieh Palästinas, in jenem Bereich nämlich, der von ihr selbst bisher als einzig für die nationalpolitische jüdische Volksarbeit in Betracht kommend hinges'teilt wurde, ln allem aber, was die inneren Fragen des Judentums betrifft, gilt die Zionistische Organisation nur als eine Partei unter Parteien. Flier ist ein Widerspruch, der zur Lösung drängt, der beseitigt werden muß unter jedem Gesichtspunkt, unter dem wir an ihn hcrantreten. Die Zionistische Organisation darf nicht Partei sein oder sie kann nicht Volk sein, sie kann nicht hier so und dort so auftreten; cs ist unmöglich, daß sie zwei verschiedene Arten Voll• machten vorzuweisen hat. Es bleibt die eine Frage: Soll die Entwicklung dahin gehen, dali die Zionistische• Organisation auch in der Galutharbcit als die Führern!, als die Verantworterin auftritt oder muß tune nem׳ Form geschaffen werden, die der Tatsache Rechnung tragt, daß in vier Frage des Gallith das jüdische Volk nicht einheitlich unter der zionistischen Fahne sich sammelt V Auch hier tut nichts not wie die klare Erkenntnis, wie die Aufstellung des Planes, wie das Zielten vier Konsequenz. Bekennen wir uns zu der Uvber/eugtiiig, ela 1» Palästina und Gahith eines sind, daß aße nativinale Arbeit am jüdischen Volk nach Palästina teil• viieren muß, aber das ganze Leben des jüdischen Volkes wie es ist und wo es ist umfaßt, dann wird dein Zionismus von selbst die Führung in der Entwick• hing Zufällen, die zum grollen, organisierten Volk fuhrt und zu Einrichtungen, die aufgebaut sind auf dem Willen des ganzen Volkes. Dieses ist die politische Aufgabe der zionistischen Gegenwartsarbeit: es muß geschaffen werden die Vertretung des gesamten Vvökes, der große a11 j ü d i s c 11 e Kon gr c ß und seine Unter• organc, die jüdischen Kongresse der einzelnen Länder, und es muß dafür gesorgt werden, daß die ganze Volksarbeit, daß all die Einrichtungen, von denen liier gesprachen wurde, diesem Kongreß unterstellt werden, von ihm ihre Vollmacht und ihre Mittel verlangen. Der Zionistischen Organisation liegt es ob, den Heulen freizumaclicn für dieses Begreifen, die Parteigegensiitze untertan zu machendem Gedanken der Volkseinheit, sich selbst in allem und jedem ihm ־zu unterwerfen. Hier kann nichts maßgebend sein als der sichtbar gewordene Wille des jüdischen Volkes, der in ireien Abstimmungen zum Ausdruck kommen muß. Wie er entscheidet, sei Gesetz. Wo er sich gegen uns lieb gewordene Anschauungen ausdrückt, haben wir uns zu fügen, in der vollen Freiheit auf eine Aenderung der Volksstimmung hinzuwirken. Wir brauchen keinen Abfall zu fürchten, wenn wir die Idee der Volkseinheit vor uns hertragen. Und dann brauchen wir auch keine Sorge zu haben, inwieweit die Arbeit für Palästina unter das Gesetz dieser Einrichtungen kommen muß Auel» dies ist nur eine Frage der Entwicklung, und gerade sie ist am' meisten abhängig von der Stellung^ die wir zu den Galuthfragen cinnchmcn. Erkennt