Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 41-42 (29.6.1920)
- Date
- 1920-06-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2652228-2652269--13190-2670891- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 332 Nr. 41 Versuchen wir min /.u wmschrcibcii, was die konkreten Ziele jüdischer Diasporapolitik sind utkr sein können. Diese Politik ist selbstverständlich gerichtet auf Erhaltung des Judentums, auf Stärkung um! Vertojdipifiig der Positionen, die die Judciilicit besitzt, auf Schaffung von Bedingungen, die attcli im Golus Was jiulische Leiw'11 erhalten sollen. Kulturpolitik I s »st da ziinäehst von der Kuitur|x>btik zu redet►. 1 )!esc!111111 in West wie in Ost fast einheitlich sein. 1,1 kurze» Schlagwortcn handelt es sielt tun MchraiSuiiis und nationale Erziehung. Es ist ein großer Irrtum zu glauben, Hai! in Osteuropa eine geringere Assi• aiiiiatioiisgcfahr als int Westen bestelle, ln Polen hat sielt die Oberschicht sehr rasch assimiliert, in Ruß- Lind hat die Assimilation seit langem erheblichen Um• fang angenommen. Die knitni'clle Assimilation kommt mit''Naturnotwendigkeit zugleich mit dem Wirtschaftliehen Aufstieg der Juden, sofern nicht die Kraft der nationalen Idee, wie sie sich im Zionismus darstcllt, ihr einen Damm entgegensetz.!, Die östlichen Juden sind!läufig in dem Glauben befangen, daß die jvt/igen Verhältnisse, in denen die jüdischen Massen leben, sortis,ngen von Natur eine jüdische Kultur begünstigen und .־tuf 1 echterltalten müssen. Es ist da die Meinung 1 erbreitet, als sei östliches Judentum ein kulturel! in sich• so starker Faktor, dali unabhängig von kommenden wirtschaftlichen und politischen Geschehnissen durch sein eigenes Schwergewicht das Judentum bestellen bleiben werde. Dies ist falsch. Insbesondere irrt sich die kieltlung des Jkklisehismus, wenn sie meint, die jetzige jüdische Kultur werde aus eigener Kraft bestellen bleiben, I lies zu glaitihen ist politische Blindheit. Wohl mag die liidhehc Spravhe gegenwärtig im Osten sowohl in den Häusern wie in den Schulen notwendig sein, wohl mag sie grolk־ und wichtige Oegenwartsaufgaben bcsitzen. Alter an den Kräften gemessen, die der Erhaltung des jüdischen Somlcrlebcns in Osteuropa feindlich sind, erscheint die Kraft der jiddischen Sprache und Kultur perin!׳. Ja, man hat mit Recht!läufig gesagt, daII die statische Kultur die Juden noch rascher und gründheiter aiifsatige, als es etwa die deutsche vermag. Deshalb ist das Kulturproblcm in Ost und West das gleiche. Es war früher, solange das geset/estreue Judentum ein festes Band um die Juden schlang, weniger drohend, doch müssen wir uns klar sein, dali da, wo dieses Band nicht mehr bestellt, insbesondere im westlichen Europa, es nicht durch gutes Zureden oder «In• 111 den Hinweis auf ‘,eine nationale Bedeutung tmd Niii/iirlikeit geknüpft weiden kann, Gerade jmlb.elio Religiosität hängt so sehr mit Tradition und Erziehung /usamitMMt, dali dort, wo solche nicht mehr im ■früheicn Malle gegeben sind, das religiöse Moment stark ni den 1 Untergrund tritt. Daher sucht die nationale Jugend nach neuen f ormen und Inhalten, deren stärkster eben jetzt das zionistische Ziel ist. Ein lestes Programm läßt sielt da nicht geben. Der junge Jude unserer Zeit sucht und schafft neue Formen jüdischen Lehens. Kultur ist ja nicht einmal Pertiges, und wenn auch Kulturpolitik altes Erbgut erhalten soll, so tiutb doch der lebendige Mensch es uniformen und aus den immer lebendigen Kräften der eigenen Seele bereichern, ln der Kulturpolitik fordern wir gröbere Freiheit tmd Am Kuiotme, wozu überall die gesetzlichen Unterlagen vorbanden sind. Der nationale Wille in seiner Reinheit kann, so wie er das Palästinaideal Wach erhält, auch die hebräische Sprache lebendig erhalten. Es ist wo immer dieser nationale Wille wirklich stark und lebendig ist, durchaus möglich, neben der Umgangssprache auch das Hebräische als gesprochene Sprache tkirch/nset/en und ein jüdisches Schulwesen zu errichten. Wirtschaftspolitik Die in den letzten Jahren besonders im Osten lurvorgetretcuen Bestrebungen auf Durchsctzim״ einer besonderen jüdischen Wirtschafts- und Rechtspolitik sind Ihnen bekannt. Diese Politik wurde während des Krieges durch das Pariser Omtite des Dclegntioiis Jtiivcs gefordert. Das letzte Wort über die Aussichten solcher jüdischer Goluspolitik kann heute noch nicht ׳gesagt werden. Es bestellt heute infolge der bürgerlichen Emanzipation der Juden ein grundsätzlich anderer Zustand als im Mittelalter, in dem die Juden auch reehtiieh eine Sonderstellung entnahmen und wirtschaftlich, aus Gründen, die mit ihrer Berufsgliederung zusammenhingen, einen besonderen Organismus bildeten. Die Juden sind heute flicht mehr, oder wenigstens bei weitem nicht mehr in dem Malfe wie früher, Träger besonderer wirtschaftlicher Aufgaben. Denken Sie etwa an Polen, wo die Juden zu der Zeit, als cs noch keinen polnischen Mittelstand gab, die Funktionen des städtischen Kaufmanns tmd Gewerbetreibenden hatten, während?ich beute ein starker polnischer Mittelstand entwickelt hat, der die Juden als Konkurrenz empfindet und bekämpft, ״ oeier denken Sie an die Stellung der Juden im Reiche Karls des Grollen, wo sie sogar gewisse Privilegien recht- Itrltcr Natur genossen, weil sie besondere Wirtschaftliehe Aufgaben zu erfüllen hatten. Unter solchen Umstanden kann es geschehen, dali die Juden im eigenen Interesse wie im Interesse der Nichtjuden zu einem auch wirtschaftlich und politisch abgegrenzten Sonderduscht gelangen. Heute ist die Stellung■ der Juden aus naheliegenden Gründen eine ganz andere. Sie sind mehr oder weniger gesetzlich gleichberechtigt und zugleich wirtschaftlich tmd politisch in das Dasein anderer Völker als Einzelindividuen hincingcstellt. Hierauf stützen die Gegner der Goluspolitik ihren wichtigsten Einwand: dalt nämlich die Gefahr bestehe, daii die Juden «ich selbst wieder ein Ghetto schaffen und dadurch ihren Feinden eine erhöhte Möglichkeit geben, sie zu hekämpfen. Die Anhänger der Goluspolitik hingegen belumpten, daß unter den heutigen Zuständen angesichts der Bedrückung der jüdischen Masse kein anderer Weg möglich sei, als durch besondere jüdische Wirtschafts- Institutionen diesen Massen aufzuhelfen und gleichzeitig auch eine besondere jüdische Rechtspolitik zu treiben, d. h. die Juden politisch zu organisieren und ihnen Vertreter in den Parlamenten und öffentlichen Körperschäften zu verschaffen. Wie dem auch sei: in jedem Falle handelt es sich bei der Rechts- und Wirtschaftspolitik im Golus um etwa? JUEDISCHE RUNDSCHAU_ anderes als bei der KtiltmjXjlihk. Unsere Redtts- und Wirtschaftsbeziehungen sind von den Verhältnissen der Umwelt bedingt. Sie sind keine autonome jüdische Artgelegenheit, sondern bedeuten eben ein Verhältnis, das von beiden Seiten her bestimmt werden muß, nämlich vom Standpunkt der jüdischen Interessen und gleichzeitig von den äußeren Bedingungen. Es ist daher nicht möglich, diese Fragen einheitlich für alle Länder zu erledigcit. Die besondere jüdische Rechtspolitik wird vor allem dort z.weekvoll sein, wo viele kleine Nationen nebeneinander wohnen, wie etwa in der Tschccho- Slowakei, in der Türkei oder im heutigen Oesterreich. Dort wird wahrscheinlich, wie dies ja schön wenigstens in den Anfängen erprobt wurde, der politische Zusammenschluß der Juden die geeignete Eorni der Vertretung der jüdischen Interessen *ein. Im Westen ist gegenwärtig für eine solche besondere jüdische Wirtschaftstmd Rechtspolitik keine Voraussetzung gegeben. Wohl können einzelne Aktionen unternommen werden, die politischen oder wirtschaftlichen Charakter haben, ich erinnere an soziale Eiirsorgctätigkeit für die Ostjuden, an unser Arbeitsamt und Arbeitsfürsorgeamt, an die Wahrnehmung der politischen Interessen der Ostjnden, sowie an alles, was mit dem Gebiet der Durch- Wanderung und Auswanderung Zusammenhang?. Als dauernder Inhalt jüdischer Politik bleibt jedoch in! Westet! im wesentlichen nur die Kulturpolitik und hier eröffnen sich für das westliche Jiuientr.m noch sehr große Autgalten. Da diese Kulturpolitik nicht Pflege von Alterttimern bedeuten soll, sondcin der Erweckung der Nation dient, muß sie in der Hand der nutionnlgesinnteu Juden liegen. So stellt sielt uns das Problem der Goluspolitik dar. Wenn wir liier im Westen im großen und ganzen auf eine eigene Rechts- und Wirtschaftspolitik verzichten, so ist dies etieu ein Verzicht auf jene Formen nationalen Sonderdaseius', deren L11tw icIJimg die Umstande lalsächlieh nicht gestatten. Im Prinzip liegt es in der Richtung des Zionismus, auch auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet ilas jüdische Leben auszugestalten. Wo aber kein rechter Inhalt für eine solche Politik gegeben ist; da soll man nicht von ihr reden. Man kann vom Staat nicht als allgemeines Prinzip etwas verlangen, dessen Inhalt zu bestimmen nicht möglich ist. Die äußeren Bedingungen können sieh ändern. Lassen diese eigene Wirtschafts- und Rcchtspolitik als möglich und als im jüdischen Interesse erwünscht erscheinen, so werden wir sie treiben. Die nationale Bewegung hat unendliche Ziele und 'Möglichkeiten. Die konkreten Aufgaben wechseln. In unserer l.age ist ein nationalistischer Schematismus niclu möglich. Damm ist nielit alles gut, dem man den Mantel des jüdischen Nationalismus nmltängeti kann. Dies zu tun, wäre chauvinistische Blindheit. Die erwähnten Ein/di'ordcrungeu sind in jedem Lande zu prüfen. Dennoch gibt cs, wie ich anfangs sagte, auch im Golus jüdische Politik und es gibt jene höhere Einheit jüdischer Politik, die Palästina mit der Diaspora verbindet. Diese Einheit ist das über aller Palästinaarbeit tmd aller Galutharheit schwebende nationale Wollen, ist der radikale Zionismus, der im Primat des Judentums gipfelt, in diesem Sinne sind wir radikal auch in der Golusarbeit, Nur das jüdische Interesse bestimmt unser Handeln, niemals soll die Rücksichtnahme auf Umwelt oder bisiterige Verhältnisse unser Denken und Handeln bestimmen. Denn auch die Goluspolitik treiben wir tun der Nation willen, die liier sieh erhalten und entfalten will und die nach Palästina strebt, um dort die Idee der Einheit der Nation zu verwirklichen. k Julius Berger: Der Erfolg von Sau Rcmo manifestiert sich in zwiefacher Gestalt, auf dem Gebiete der äußeren Politik in der Anerkennung der Judciilicit als eines Volkes, auf dem Gebiete der inneren l’olitik in der Anerkennuug der Zionistischen Organisation als berechtigten Vertreters des jüdischen Volkes. Aus der Anerkennung der luden als Volk folgt die Anerkennung ihrer Rechte auf Palästina. Aus der Anerkennung der Zionistischen Organisation als der Trägerin der jüdischen Voiksinteressen folgt die Anerkennung der Verantwortlichkeit der Zionistischen Organisation für das Leben, für das Wirken, für das Gedeihen des jüdischen Volkes, Mit der Zionistischen Organisation werden die Verbandlungen geführt, mit der Zionistischen Organisation'wird der Vertrag geschlossen. Die Zionistische Organisation ist hei den politischen Gewalten akkreditiert als die Repräsentanz, der Judciilicit. Wenn wir ein Recht haben, diese Tatsachen als einen Triumph zu betrachten, so darf uns die freudige Stimmung, in die uns der grolle Erfolg versetzt, in nichts von dem Bewußtsein der Verantwortung befreien, die wir auf uns genommen haben, als wir die Leitung der Geschicke des jüdischen Volkes auf uns nahmen. Wir sind heute verantwortlich wie eine Regicrting sozusagen für alles, was mit und in dem jüdischen Volke geschieht, für das, was» nnt uns gesehicht, was ohne uns geschieht, was gegen uns geschieht. Dies müssen wir wissen, daß wir uns keineswegs Langer als einen Verein, eine Organisation im Judentum betrachten dürfen, wir sind die Repräsentanten, und so wie die Außenwelt von uns Aufklärung, Vorschlag und Forderung erwartet, so hat das jüdische Volk das Recht, sielt von uns geführt zu sehen. Und auch dieses muß uns klar sein, daß diese Führung sich nicht auf die zionistischen Menschen und sich nicht auf diejenigen Fragen <Ies jüdischen Volkes beschränken darf, nie in engstem Zusammenhang mit der Palästinaforderung stehen. Wir haben es durcligesetzt, daß sich die Welt freigentacht hat von der Meinung, es gäbe viele Zusammenhanglose Fragen vieler zusammenhangloser Teile der Judenheit. Unsere engste Verbundenheit als Individuen »st festgestcllt und die Abhängigkeit all unserer Probleme von der einen Grundtatsache unserer Volkseigenschaft ist bestätigt. Indem wir für das Volk auf getreten sind, unsere Forderungen als das Zentrum aller Belange des Volkes vertreten haben, haben wir die Verpfliehtung übernommen, die Forderungen, deren Bcrechtitung anerkannt worden ist, so zu erfüllen, daß alle elange erfüllt werden. In erster Linie und am deutlichsten 11018 dies natürlieh zum Ausdruck kommen in allem, was die Verwirklichtmg der Palästina-Forderung angebt. Dt(> Schwierigkeiten sind enorm, die zu überwinden siml, aber es genügt keineswegs, «lall wir dies iVststellen’ Und es genügt andererseits durchaus nicht,!laß wir uns auf die guten Eigenschaften mul den guten Stern unseres Volkes verlassen. Gerade weil unsere politische Führung sielt so außerordentlich bewährt hat, gerade weil es uns gelungen ist, unsere Fordern» 11■,׳!׳ in st, beaeutsamer Manier, in so prinzipiell wichtiger Form durchzusetzen, sind wir verpdiditct bet der Wirtschaftliehen Realisierung dieses politischen Erfolges mein wieder von der erreichten holten Stufe Iterabzusteigi■n. Es muß so bleiben, «lall das jiulische Problem, 11,dt die Palästina{rage eine jüdische Voiksirage ist, es muH so bleiben, daß die Art, wie die Zionistische Orgauis״?!..!! den Aufbau Palästinas zu verwirklichen s.idit, auf dein Niveau der Aktion eines Volkes stellt. Nicht tun d!» Prestiges der Zionisten halber, aber weil jede andm׳ Regelung jetzt heißen würde, die Einheit des Pr>äic:n« wieder zerreißen, aus der Lebensnotwcudigkeit <k־s Volkes wieder den Programmiiihalt' von Vereinen machen. Es ist gerade für uns nicht so einfach, sich auf diesen Standpunkt zu stellen. Die Notwendigkeit der politischen Einstellung die die Arbeit( 11 unserer Leitung 111 diesen entscheidenden Kriegsjahre! beherrschen mußte, die Konzentrierung auf die eine Forderung Palästina die unsere Aktion leitet •mißte, halten einmal dazu geholfen, unseren Üliek allzu sehr von den wirtschaftlichen, von den konstruktiv(» Aufgaben ahzuleiiken, die das große Buch sind, 11.!s wir zu schreiben haben, und in dem die p.iliiiwlnu Resultate den Einband darstellen, tu dem es geiumden ist. Das andere Mal aber hat diese politische pali-oi״.,- zentrische Einstellung eine Verengung unserer Bcentie bewirkt, die not wendig,, die sogar /.weekntalii,: u u die aber die Gefahr in sich birgt, daß wir den;.:!׳n Blick für den Gesamtkomplex, das Gefühl für die Emheitliehkeit der jüdischen Probleme verlieren. Wie -1111 die großzügige, höchst verantwortliche Auflassung da Aufgaben, die auf uns liegen und für die wir d. it Volk und den Völkern verantwortlich sind, notwendig ist, und wie sehr schon die allerersten und primitivsten Vorarbeiten, die wir lur den Aufbau Palästinas /* leisten Italien, aufs engste verknüpft sind mit uVm Gesamtkomplex aller Existenzfragen des jüdi-ihai Volkes überhaupt, ergibt sieh, wenn wir uns diese ersten Palästina-Probleme in ihrer Totalität vor Augen führen. Die Einwanderung nach Krez-Isracl ln der Diskussion zwischen der sogenannten m.1\r malistischcn und der zweifellos fälschlich soge11:1nnn•» jiiinimalistischen Tendenz ist von Gegnern des Heim Trictscli ihm und seiner Richtung immer wieder v <! geworfen worden, daß er einen unnötig lenienseiiatt• iielicn Kampf führe lediglich arithmetischer Rechenexentpei wegen. Es soll hier nicht untersucht werden, inwieweit die Form der Diskussion diesem Vonwirt ein gewisses Recltt gibt. Ich habe den Kein des 'hfl- Verständnisses immer darin gesellen, dal) die w\a\v inaiistisehe Seite die Wanderung nach Pal'is'.ma als ein großes Volksproblem aufgefallt sehe״ wdi, während sie offenbar überzeugt ist, daß unsere ver• antw örtlichen Instanzen sie zu einem sicillmigsUtli nischeu Problem hituhdriteken. Natürlich ist die Fra:( der Ueberfültrung des jüdischen Volkes oder von Teilen des jüdischen Volkes nach Palästina rein fachlich hetrachtet ein Problem der Sicdlungstcchuik. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, daß diese Auffassung nicht ausreicht, wenn sielt die Zionistische Organisati >n nicht sowohl als eine SiedluitgsgeseHscIutft denn als die verantwortliche(׳ Steile fühlt, der das Volk die Durchführung seiner lebensnotwendigen Eorderunuin übertragen hat. Man kann über die Aufnahmefähig^-)! Palästinas, über das Tempo seiner Entwicklung und über die persönliche Eignung unserer Leute verscliiedener Meinung sein. Hier handelt es sich um \crwickelte, technische Fragen, die letzten Endes nur durch die Erfahrung richtig gelost werden können. Aid dic-em Gebiete werden immer Differenzen, der Meinungen herrschen, bis diese Erfahrungen vorliegen. Was »kr ohne weiteres geklärt werden kann, ist die Stillung des Volkes selbst zu diesem Problem•, seine ökonomische und ethische Beziehung dazu, sein Wille mul sogar seine Kräh. Daß die technischen Fragen lu-utc noch wenig klar erscheinen, wird angesichts der große»• teils unerforschten Materie nicht weiter wunderlich!!!(׳», wenn auch vielleicht eine intensivere und beschleunigt( re Arbeit möglich gewesen wäre. Daß aber über »ix Fragt• der Aiiswaiuierungsbereitschaft, der judi-du» Massen, der sozialen, physischen und inoralisclicn Gua■ lität des in Frage kommenden Menschcnmaterials nicht nur noch fast gar keine Klarheit herrscht, sondern »lad bis jetzt kaum etwas Organisches geschaffen wurde» ist, »las diese Klarheit herbeiführen soll, daß heute noch nicht mir keine einheitlichen Richtlinien für »I!»' ,^•1״ derung selbst, sondern nicht einmal fiir die Schulhing der Vorbercitungsinstitntioncn vorliegen, muß •mytdings den Eindruck erwecken, als ob diese Wirtschaft*־ politischen Probleme in der ihnen zuteil werden»!»» Sorgfalt allzu sehr hinter den politischen zurückstehl»■ Die Art insbesondere, wie in den Veröffentlichungen der Leitung diese Franc behandelt wird, wie heute einmal von SO 000 bis 100 000 und morgen von 30 000 bis 50000 Einwanderern pro Jahr die Rede ist, wie d״' Frage des Termins der Oefftumg Palästinas rethoristh — allzu rcthoriscli behandelt, wie uns dauernd dieser Termin als sehr nahe bevorstehend geschildert wird, ohne daß andererseits auch nur . irgend etwa» davon wahrzunchmen ist, daß die Einrichtungen auch nur 1» ihren Grundrissen geschaffen werden, die für die dann doch offenbar sehr bald einsetzende Einwanderung umä deren Regelung notwendig sind, — eine Ein- oder Au*־ Wanderung die eben infolge jener Rethorik erst entsteht oder zum mindesten von ihr neuen Antrieb erhält, — diese Art macht allerdings sehr stark den Eindruck einer Auffassung, die himmelweit verschieden ist '״׳־יי der großzügigen, national bewußten Art, in der unsere Politik geführt worden ist. Es muß durchaus verlangt werden, daß sofort ganz großzügige Maßnahmen ß6־ troffen werden, die uns'ein gutes Bild von der b»m*