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Jüdische Rundschau · 1920-06-23 · Heft 40 (23.6.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 40 (23.6.1920)
Date
1920-06-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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־■•liB RUNOSCHftD Seite 319 Nr. 40 i.emit. Aber meine Freunde über allen Gegensätzen muß /u nllcn Zeiten noch ein einigendes Bautl sein. Bei allen liegenditzen uml Kämpfen dürfen ׳wir nie :mller acht lassen, das große zionistische Ziel, das wir mir erreichen können, wenn wir eine (*׳rolle, kr,Silits', starke, wirkliche Stellkraft habende zionistische Bewegung haben, l assen Sic die Verhandlungen des Delegierten• tages tragen sein von diesem Geist, mögen w ir die Gegensätze in unseren Reihen so durchkainpicn und ״liiren, dali, wenn sich die Spreu vom Weizen scheidet, eine gedeihliche Weiterarbeit möglich i-t nach dem Grundsatz: ein Gott, eine Sprache, ein V'olk, ein Land. R ivvkiii• Polen ühei'briugt die Größe des Jüdj• sehen Nationalrates in Polen und der Misi.ichi-Grpgmi־ ,atioit in Polen uml 1 ilaueii. t.r sprieht von dem vytnulei• i'aren Erlebnis, zu «lein die ostjüdisehen Zionisten die Gculah-Ecier gestaltet haben, erinnert־ an den Op!er- ״eist Frcz-Israels und wünscht dem Delegiertenta״ eine Xrlieit, die beseelt ist von dem (Jedankeu an die wiederruferstehung des jüdischen Volkes. (Starker Beifall.) (Fortsetzung des Berielits folgt.) ״Waad Haarazoth‘‘ Das jüdische Leben der Gegenwart besitzt zwei politische Zentren. Das eine ist die Zionistische Organisation 'in London, von der ans alles in die Wege geleitet wird, was der Errichtung der jiidi- -.eiten 1 leinistiitte in Palästina /n dienen vermag. Von dort aus wird vorläufig das Schicksal Ere/- Israels, soweit es vom jüdischen Volke selbst abhängt, geleitet. Der Sinn aller Faktoren, die bei dieser Arbeit mitwirken, ist auI das Zukünftige;:erichlel. Ls gehört zu den bestechendsten Ligen• chatten der Wietieraulbauarbeit in Ercz-Israel, dal!!e gleichsam auf jungfräulichem Boden vor sich ״eilen wird. Zu der neuen jüdischen Genuin- M'hal't im alten Lande Israels ist vorläufig nicht mehr vorhanden, als einzelne kleine Keim/cUeii, die vielleicht als Beispiele für das zu Schaffende dienen können, die hingegen zu gering au Zahl nid, als dall mau von ihnen als von den ״be- \1ehenden Verhältnissen“ sprechen könnte, die beispielsweise in den Kriegsgebieteu Europas den Wiederaufbau so außerordentlich erschweren. Aus dem Nichts heraus wird sozusagen das neue Ercz- Israel geschaffen werden, ohne viel Anlehnung au Bestellendes und stark beeinflußt tarn neuen (!!*danken, die insbesondere in demjenigen f eil nnsercv Jugend lebendig sind, der bereit ist, sich mit der ganzen Persönlichkeit rückhaltslos für die• Verwirklichung des zionistischen Zieles eiii/nsetzen. So stellt sich die Aufgabe der zionistischen Leitung darals das wundervollste Problem, das je eine politische Führung zu lösen hatte: etwas gänzlich Neues zu schaffen, ohne daß Gewesenes und Bestellendes maßgebenden Einfluß darauf zu gewinnen vermöchten. Neben dieser Aufgabe bleibt die Sorge tun all die brennenden und quälenden Fragen, die das jüdische Volk in den einzelnen Ländern seiner Zerstreuung beschäftigen, ein Problem, das weder vernachlässigt werden darf, noch Aufschub verträgt. Jeder neue 1 ag bringt den jüdischen Massen, insbesondere denen des Ostens, neue moralische und materielle Verluste. Es gewinnt fast den Anschein, als wenn das Galuth, dessen zerstörendem Eintluß das Judentum durch Jahrhunderte getrotzt hat, jetzt seine Anstrengungen vervielfacht, um mich umnittelbai vor Anbruch der neuen Zeit jenen Sieg zu erringen, der ihm bisher versagt blieb, s״ ergibt sich die zwingende Notwendigkeit, daß 1, ■bei! jenem Zentrum, welches den Plan der jiidisehen Zukunft vorbereitet und durchführt, ein anderes nicht׳ minder starkes, nicht minder wachsames vorhanden ist, das die g e g e n w ä 1׳ t i g e n Positionen des Judentums in allen seinen SiedUmgs- Lindern erhält und stärkt und der Gefahr entgegentritt, daß ein dezimiertes eutkräftigtes, moralisch und materiell gebrochenes Volk den Weg nach Palästina antiitf. Die Grundlage für ein solches Zentrum polihseliei Gaiutharbeiten ist durch das ״Coniite der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz“;wiegt worden. Als die Vertreter der alliierten und assoziierten Nationen zur Friedenskonferenz in ' aris zusamineniraten, wurden sie sofort zum Mittelpunkt von Abordnungen aller derjenigen Völkerschaften, die von der Gestaltung der Friedeiisschliisse eine entscheidende Beeinflussung des ‘igenen politischen Schicksals zu befürchten oder zu erhoffen hatten. Das Prinzip des Schutzes der kUincu Nationen, das von Wilson der Friedens- Konferenz als Leitmotiv gegeben war, hatte alle Gilkerschafteu bis auf die kleinsten ethnischen Gruppen auf den Plan gerufen. Man weiß, welche hervorragende Rolle unter den Vertretern dieser ״kleinen Nationen“ die Führer der zionistischen Bewegung als Repräsentanten des jüdischen Volkes gespielt haben. Aber auch in Paris zeigte sich die Doppelitatur des jüdischen Problems. Während die große, entscheidende Zukunftsfrage des jüdischen Volkes in jener denkwürdigen Sitzung zu Versailles im Sinne unserer Forderungen bejaht wurde, war es nötig, die Minontätsrechtc der Juden, insbesondere in den neuentsteheiideii Staaten, durch Einflußnähme auf die Gestaltung der entsprechenden Friedensschlüsse zu sichern. Die jüdische Bevölkenmg dieser Länder sandte daher ihre Vertreter nach Paris, die sich dort alsbald zu einem ״Comite der Jüdischen Delegationen bei der Friedeiiskonferenz.“ zusamincnschlossen, um ihre im Wesen gleichgerichtete Arbeit gemeinsam und nach einlieitlicheii Gesichtspunkten zu fördern. Je mehr nun dieses Comite in seinen Berntaugen fortscliritt und je mehr praktische Erfah- 1 ׳uiigen es in der politischen Arbeit gewann, desto klarer trat die Uebcrzeugmig zutage, daß die gesamte (!alutlipolitik nicht so sehr eine Sache der einzelnen jüdischen Landsmannschaften sei, als vielmehr die Aufgabe einer G c s a in t vc rt r e tu 11 g des Juden tu ms der ganzen Welt, die nach einheitlichen nationalen Gesichtspunkten diircligefühi't werden müsse. Je mehr sich seine eigentliche Aufgabe, Einfluß auf die Entschließuugen der Friedenskonferenz zu gewinnen, ihrem Lndt; näherte, desto deutlicher wurde es, daß das Gönnte nicht wieder auseinandergehen dürfe, wenn die Friedenskonferenz geschlossen wäre, sondern sieh ais die permamente Vertretung des Gesamt-, judeiiüun zu betrachten habe. Aus der Mitte des Comite. selbst ist der (iedanke erwachsen, diese Körperschaft zu einem ״W :1 a d Haarazoth“' umzugestalicn, zu einem ״Läuder-Rat“, indem die Vertreter der Juden in allen Ländern der Welt Sitz und Stimme haben sollten. Nun fehlt zur Ausführung dieses Planes bis heute noeii etwas sein׳ Wesentliches. So zahlreich auch die Staaten sein mögen, deren jüdische Be- | volkeruug Vertreter in das Comite5 der Delegationen | entsandt hat, so sind es doch nocli nicht alle und ' insbesondere fehlten bisher die Vertreter aller derjenigen Länder, die im Kriege gegen die Alliierten gestanden haben. Aus der Geschichte des Comites ist diese Tatsache hinlänglich erklärt. Indessen liegen heute keinerlei Hindernisse inehr dafür vor, daß Vertreter aus den Staaten der Mittelmächte, insbesondere aus De 111 s c 111 a 11 d und Deut sch - Oesterreich in den ״Waad Haarazoth“ aufgenommen werden. Das Comite der Jüdischen Delegationen hat dem auch nunmehr Rechnung getragen. Es hat eine Plenarsitzung für die Zeit vom 5. bis zum 8. August Dazu werden außer den le diejenigen Laneingcladen, die n i c 111 vertreten aufgefordert, ihre Delenach Karlsbad einberufen. bisherigen Mitgliedern a 1 d e s o 1׳ g a n i s a t i o 11 c u h i s h e 1־ i in Co 111 i t e waren und sie werden gierten zu ernennen. Somit wird bei der Zusammenkunft in Karlsbad ans dem ״Comite der Jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz“ tatsächlich, der ״Waad Haarazoth“, die einheitliche politische Zentrale für das nationale Judentum im Galuth geschaffen worden sein. Damit tritt die Einheit des jüdischen Volkes in der Diaspora hinsichtlich seiner nationalen Ansprüche und Ziele über den Rahmen des theoretischen Postulats heraus und wird zu einem politischen Faktor, mit dem die einzelnen Nationen zu rechnen haben werden. In welchem Sinne der ״Waad Haarazoth“ seine Aufgabe auffaßt, z.eigt die von ihm aus erfolgte Einberufung der W e 1111 i 1 f s k o u f e 1 e 11 s nach Karlsbad, liier wird zum erstemal der Versuch gemacht, die ökonomische und politische Notlage der jüdischen Massen als ein nationales Problem zu betrachten, demgegenüber nur die Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte unter dem Gesichtspunkt der jüdischen Selbsthilfe in Frage kommen kann. Wer weiß, unter welch ganz anderen Gesichtspuiikten die jüdische Philanthropie bisher ihre •verschiedenen Hilfsaktionen organisiert hat und daß bei allem guten Willen und bei aller an/.uerkeimenden Opferbereitschaft das Fiasko dieser Philanthropie eben durch die Verschiedeiiartigkeit ihrer Gesichtspunkte bedingt war, wird den Fortschritt ermessen, den die Einberufung der Welthilfskonferenz sowohl in Bezug auf den von liier zu erwartenden praktischen Erfolg, wie in ihrem volksei'zielieiischeii Einfluß zeitigen wird, Die letzte Sitzung des Comites, die am 8., 9. und 10. Juni in Paris stattfand, hat sehr bedeutsame Entschlüsse gefaßt. Auf ihr erschien ais Vertreter des englischen Judentums Sir Stuart Samuel, der Vorsitzende des Board of Deputies, um über die Zusammenarbeit zwischen dem Joint Foreign Com■» inittee und dem Comite der Delegationen zu verhandeln. Nach dem sehr eingehenden Bericht Sir Samuels wurde eine Entschließung angenommen, in der zum Ausdruck gebracht wurde, daß samtliehe internationalen Schritte zum Schutze der jüdischen M i n d e r 11 e i t e n durch eine geschlossene solidarisch e Vertretung des gesamten J u d c!1111 in s geleitet werden m ü s s e n, und daß man hoffe, durch die Vermittlung Sir Stuart Samuels das englischt׳ Judentum ständig im Comite der Delegationen vertreten zu wissen. Ebenso wurde eine Resolution in Bezug auf den amerikanisch-jüdischen Kongreß gefallt, die wir nachstehend im Wortlaut wiedergeben: Das Komitee der jüdischen Delegationen hat in seiner Sitzung vom!Juni ID'JO auf Grund der Mil• U'ihing über die zweite!Tagung des amerikanisch■ jüdischen Kongresses mit Befriedigung die Tatsache der Organisierung eines provisorischen Komitees für einen permanenten jüdischen Kongieß ׳zur Kenntnis genommen. Das Komitee der jüdischen Delegationen legt besonders großen Wert darauf, daß es als Vertretung des (iesamtjudentuins zum Schulze der jüdischen Reehtsfoiderungeii auch weiter eine Delegalion des amerikanischen Judentums einsdiließen soll. Auch die politischen Aktionen des amerikanisehen Judentums zugunsten der jüdischen Millionen-!nassen sind keineswegs beendet und bedürfen insbesonders unter Berücksichtigung der gegenwärtigen ständigen Katastrophen und Rechtsverletzungen, einer programmatischen und permanenten Furtarhcit. Wir hoffen, daß das amerikanische Judentum im Hinblick auf das Wohl des gesamten jüdischen Volkes ebenso machtvoll um! autoritativ den permanenten jüdiscltcn Kongreß zustande bringen wird, wie es seinen ersten Kongreß für die Friedenskonferenz ge• bildet lut. Nach einem eingehenden Bericht über die politische Tätigkeit, die das Comite in der letzten Zeit lü׳- den Miiioritätenschutz der Juden in Polen, Ungarn, Litauen, der Ukraine und Türkei ausgeübt hat, sprach die Versammlung den Wunsch aus, daß insbesondere die Aktionen für die Juden in der Ukraine und in Ungarn mit allem Nachdruck betrieben werden unter Zuhilfenahme aller hierfür in Frage kommenden jüdischen Fakturen. Das Comite der jüdischen Delegationen hat Anspruch auf den wärmsten Dank des Judentums der ganzen Welt. Von seinen Mitgliedern ist in vieliiionatlieher Arbeit außerordentlich Wertvolles für den Bestand des jüdischen Volkes im Galuth getan worden. Wenn es in Karlsbad zusammentiiu und die Vertreter der ihm bisher nicht angesehlossenen jüdischen Landsmannschaften in ihm Platz genommen haben, wird das jüdische Volk in diesem ״Waad Haarazoth“ jenes zweite politische Zentrum anerkennen, in dem die verantwortungsvolle Arbeit für die jüdische Gegen• wart im Galuth geleistet wird, auf daß die Zukunfts• arbeit für Erez-lsrael Früchte zu tragen vermag. C. Z. K. Die S. H. S.-Regieruntj und der Zionismus Nach der Veröffentlichung der Balfoursdien Dekla• ration richtete der damalige königlich serbische Ge• sandte in!,aris und gegenwärtige Ministerpräsident Dr. Milenko V e s 11 i c an Dr. David A 1 b a I a , Mitglied der königlich serbischen Mission für Amerika, ein Schreiben, worin er mit warmen Worten im Namen der serbischen Nation und der königlich serbischen Regiertmg die Sympathien für die Bestrebungen der zio-» nistischen Bewegung und für die Errichtung einer jiitüschnationaleiv Heimstätte in Palästina zum Ausdruck brachte. Der Zionistcnvcrband Jugoslawiens wandte sich anläßlich des Beschlusses in San Remo an den Ministerpräsidenten Vesnic mit einem Schreiben, worin iluit für seine seinerzeit gegenüber dem jüdischen Volke und dessen nationale Bestrebungen ausgedrückten Sympathien gedankt und unter anderem hervorgehoben wird, wie günstig diese Erklärung die Beziehungen der Judenheit Jugoslawiens zum Volke, dessen freundliche Gefühle er verkündete, beeinflußt hat Darauf erhielt die Leitung des Zionistenverbandes Jugoslawiens ein Amwortschreiben, in dem es heißt: ״Der 1 lerr Präsident hat sein ganzes Leben der Idee nationaler Befreiung und Vereinigung unseres Volkes gewidmet und hat keinen Augenblick daran ge• zweifelt, daß die Verwirklichung dieser großen Idee auch die Befreiung aller anderen Völker voraussetzt. Somit hat er — indem er für die Befreiung unseres Volkes arbeitete auch für die Befreiung ihrer Volksgenossen gewirkt, denen er Achtung und Vertrauen eiitgegeuhringi, im Bewußtsein, daß derjenige Teil von ihnen, welcher im freien Jugoslawien lebt, mit allen Kräften danach streben wird, daß unser Staatsleben der allgemeinen Arbeit und dem Wohlstände zugefiihrt werde.“ Dr. Faitelowitsch geht nach China Der bekannte Erforscher der Falaschas, Dr. Fahrnach China, um die dor- 10 w i t s c h, tigen Juden reist demnächst zu studieren.

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