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Jüdische Rundschau · 1920-06-17 · Heft 39 (17.6.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 39 (17.6.1920)
Date
1920-06-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 39 Seite 307 # § tag(* ־. ► Jl I 1 1 ׳. i i <1 J ,•w < \»f ü Jede Stimme der Liste Klee! Nach jahrelangem, mühseligen Kampfe weiden endlich Zionisten in die Repräsentanz der Beiliner jüdischen Ciemeinde einziehen — wenn "״^rc Freunde am 20. Juni ihre Wahlpflicht erfüllen. Wir brauchen ans der Tatsache kein Geheimnis zu machen daß die zionistischen Kreise in Benin den Gcmciiidofragcn bisher ein sehr temperiertes Interesse entgegengobnicht haben. Diese etwas abseitige Arbeit wurde vertrauensvoll einigen Spezialisten übertragen, die sich mit ihr'nach eigenem Ermessen abfiuden mochten. Zweifellos wird der Zustand einer durch nichts gerechtfertigten Gleichgültigkeit ein Ende nehmen, sobald unsere Vertreter der zionisiischen (.)Öffentlichkeit werden zeigen können, welche bedeutsamen Aufgaben schon in den michsteil Jahren zu erfüllen sind. Noch immer bestehen die zahlreichen Judengesetze der deutschen Länder zu Recht aus einer Zeit, die inan nicht als vorrevolutionär — das könnte zu Mißverständnissen Anlaß geben —, sondem eher als vorsintflutlich bezeichnen müßte. Die' gesetzliche Gesamtorganisation der deutschen Juden wird kommen. Unsere Aufgabe wird cs sein, ihr eine Form zu geben, die der zionistischen Aufiassimg vom Wesen des Judentums möglichst entspricht. Der konfessionelle Charakter des Judentums 11.11( jedenfalls nicht noch einmal einen gesetzliehen Ausdruck finden, damit der Jahrzehnte langen Irreführung über die Struktur der jüdischen Gemeinsohaft endlich ein Ende bereitet wird. Wenn die Berliner Lokalorgaiiisatiou der U.S. P.D. zum Beispiel ihre für die Sladtverordnetenwahlen in Aussicht genommenen jüdischen Kandidaten aufgefordert hat, aus dem Judentum auszutreten ׳und konfessionslos zu werden, so liegt hier ein klasnischer Beweis vor, 7.11 welchen politischen Konscqucnzen die beharrliche Betonung eines nur im Religiösen begründeten Judentums führen mußte. Daß wir keine nationale Autonomie erstreben, braucht nicht erst gesagt zu werden. Für eine solche Forderung fehlen die wichtigsten Voraus- Setzungen. Doch muß es gelingen, der eigenartigen, mit nichts zu vergleichenden jüdischen Daseinstonn den adäquaten rechtlichen Ausdruck zu finden. Damit wäre freilich nichts Neues geschaffen, sondern nur ein bereits bestehender Zustand öffentlieh anerkannt. Doch läge ein nicht unerheblicher (iewinn schon darin, daß die großen politischen Verbände, wie der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Gl atibcns, ihre Firma richtig bezeichnen müßten, daß die zahllosen religiös völlig indifferenten Juden ihre Zugehörigkeit zum Judentum nicht mehr sophistisch aus/.iidetiteii brauchteil. Eins der wesentlichsten Hindernisse unserer nationalen Agitation, die falsche Grundcinstellung der deutschen Juden wäre aus dem Wege geräumt Aus diesem einen Beispiel mag der zionistische Wähler ersehen, von welcher Bedeutung der Ausfall der Wahlen auch für unsere zionistische Arbeit sein kann. Es ist unmöglich, die Fülle der Aufgaben hier noch einmal aufzuzählen, die ihrer Löstiiig harren, Schule, Jugenderziehung, Emigration und Palästinaarbeit - ein Programm, das die ganze Breite des zionistischen Wollens umfaßt. ln letzter Stunde sollte jeder Zionist, welcher Richtung er auch angehören mag, begreifen, daß■, die alle Mahnung Hcrzls, die Gemcindestuben zu erobern, aktueller denn je ist, und daß der Ausfall auch nur einer Stimme den Verlust eines Maildats, das heißt Minderung unseres Einflusses, bedeuten kann. Leider ist die Einheitsfront gegen den klerikalliberalen, antinationalen Block durch das Sonder- Vorgehen der Poale-Zion gestört. Wir hoffen ״ ״Hjvsscn. daß der Schaden bei der numerischen Schwäche und der eigenartigen Taktik 'dieser Giuppe, die eine eigene Liste aufgestellt und Listen-! Verbindung mit uns ״Bourgeois“ abgclchnt hat, unserer Sache nur geringen Abbruch tun wird. Bundesgenossin der Poale-Zion ist die ״A r b e i t s - ge 111 einschaft“ der Angestellten der jüdischen eine ',-י-־,״ JjfcÜ . * *iw» •44 ׳^ % •“*ץ יי /f U וו # ה־ יי”*,.—, Gemeinde, eine deutsch-gewerkschaftliche, aus Christen und Juden bestehende Organisation, deren Beziehung zum Judentum lediglich in der 25ufälli״en Tatsache besteht, daß ihre Arbeitgeber eine jüdische Körperschaft ist. Das Programm dieser merkwürdi- Wahlbezirk: I Charlottcnburg 9, 5, Westend, Pichelsberge, Spandaucrbeig, II Charlottenburg 1, 4, nördlich K.inlstr., Jungfernheide, III CI1arlottenbnrg4,südl. Kantstr. IV Charlottcnbuig. V i lalensee, Gruncwald, Schmargendorf. VI Wilmersdorf, westl.Uhlandstr. 11. Mecklenburgische Str. inkl, VII Wilmersdorf, östl. Uhlandstr. 11. Mecklenburgische Str. VIII W. 15, westi. Ühl,■iiulstr. IX W. 15, östl. 11. inkl. Uhlandstr., \V. 50, westi. u. inkl. Nürnl'SPTOT'f St r X W. 50, 'östl. Nürnberger Str. XI W. 62 und W. 10. Xli W. 57, 35 und 9. XIIi W. 30, nördl, Barbarossastr. XiV W.30, siidl. u. inkl. Barbarossastrasse, inkl. ganz Schöneberg. XV Schöneberg, ohne XIV. XVI Steglitz, Friedenau, Süden de, Lankwitz, Qroß - Lichterfelde, Tellow.Zehlendor(,Schlachtensee, Nikolassee, Düppel,Wannsee, Dahlem, (jroliheereu, XVII SW. 47, 20, 61, S. 61, 48, II, Tempelhof, Maiicnfelde, Mariendorf, Osdorf, Heinersdorf, Blankenfelde (Kreis Teltow), Lichienrade. XVIII S. 59, SO. 33, 36, Neukölln, Britz, Buckow, Groß - Zieteu, Rudow, Treptow. XIX SO. 26, 16, S. 42, 14. XX C. 2, W. 56, 66, S, SW. 19, 68. XXI C 25, NO. 13 XXII 0.27, 17, östl. Warschauer Str., O. 34, siidl. Frankfuiler Allee, XXIII O 17, östl. Warschauer Str., 0.112,Lichtenberg, Friedrichs* berg, Stralau - Ruminelshurg, Friedrichsfclde, Biesdorf, Karls* hörst. XXIV O. 34, nördl, inkfurtcr Allee, NO. 13. XXV NO. 55, nördl. Danziger- und Elbinger Strasse, Weißcnsee, Hohenschönhausen, Heinersdorf (Nordb.), Wilhelmsbcrg und Schildow XXVI NO. 55, östl. Prenzlauer Allee, siidl. Danziger u, Elbinger Str. XXVII NO. 55. westi. u. inkl. Prenzlauer Allee, N, 27, siidöstl. Kastanien-Allcc, N. 58. XXVIlla A—K N. 54, 31, 28, 37, nordwestlich Kastanien-Alice, XXVIilb L-Z N. 51, 31, 28, 37, nordwestlich Kastanicn-Allee. XXIX N. 20, 113, Pankow, Niederschöiihausen, Frz. - Buchholz, Rosenthal, Blankenfel«lc(Nordbahn), Schildow, Schönholz. XXX N. 24, 4, 39, 65, NW. 6, 7, 41). Reinickendorf usw. XXXI NW. 5, 21, 85, Plötzensee. XXXII NW. 52, 23. Wahllokal der Jüdischen Gemeinde Wählt üro der Jüdischen Volkspartei Rest Herbst, Fredericiastr. 7. Bogens Vereinshaus, Bismarckstr. 57. Rest. Wilde, Monnnsenstr. 45. Nebengebäude der Synagoge Fasanen- Straße 79/80 (1. Saal) Rest. Schmidt, Kurfürstendamm 116. Rest. Schultz, Sächsische Str. 37a. Engelhardts Bierhallen, Badensche Straße 11. Hamburger Großloge, Ern8er Sir. 12/13. Nebengebäude der Synagoge Fasanen- Straße 79/SO (II. Saal). Rest. Gerdes, Passauer Str. 3. Synagoge Lützowstr. parterre 1 ״ ״ Tr. Rest, zur Wartburg, Hohenstaufen* Straße 11, Rest. Jänicke, Orunewaldstr. 70. Rest, zur Hütte, Koburger Str. 9. Bürge Rest. Oöbel, Steglitz, Kuhligkshof 1. Kammersäle, Teltower Str. 1/2. Rest. Pophal, Kottbuser Damm 62, Rest. Pieske, Dresdner Str. 37. Synagoge Lindenstr. 48/50. Synagoge Kaiserstr. 29/30. Andreasfestsäie, Andreasstr. 21. Schwarzer Adler, Frankfurter Allee 99 Rest. Diuke, Fredericiastr. 6. Rest. Strakmann, Kaiser-Friedrich-Str.29. Rest. Redwanz, Wilmcrsdorfer Str. 37. Rest. Sauer, Fasanenstr. Rest. Engelhardt, Kurfürstendamm 116. Rest. Reichwald, Brandenburgische Straße 69. ) wird noch bestimmt. Siegb. Wolf(, Kurfürstendamm 216. Konditorei Schwarzer, Passauer Str, 1. Konditorei Wieser, Lützowstr. 22. Rest. Franke, Lützowstr. 20. Rest. Schulz, Hohenstaufenstr. 16. Rest. Prinz Heinrich, Orunewaldstr. 29. Konditorei Jeschke, Mühlenstr. 1 a. Rest. Beckmann, Berlinische Str. Ecke Mittelstraße Rest. Friedrich, Belle Alliance - Str. 3. Rest. Berliner Kindl, Kottbuser | Damm 36/37. I Böhmische Bierhalle, BuckowerStr.il, Rest. Brumierski, Kommandanten* Straße 77/78. Wilhelm Dörffler, Kaiserstr. 22/24. Rest. Breuer, Andreasstr. 64. Rest. Schmidt, G&rtelstr. 2. Rest. Peters, Gr. Frankfurter Str. 99. Rest. Berliner Hof, Weissensee, Ein* gang Langhansstr. 1. Rest. Kulk, Bötzowstr. 30. Synagoge Rykestr. 53. Rest. Friedrich Fröbel, Or. Frankfurter Straße 47. Patzenhofer, Tassostr. 1. Rest, Kulk, Bötzowstr. 30. E. Lenz, Rykestr. 6. Rcicheiiheimsches Waisenhaus, Wein* | Kondit. Dammann, Weinbergsweg 12. bergsweg 13. Rest. Friede!, Elsässer Str. 3. II Waisenhaus, Pankow, Berliner Straße 120/21. Repräsentantensaal, Oranienburger Straße 3.). Synagoge Levetzowstr. 7/8. Rest, zu den drei Linden (Grundmann) Holsteiner Ufer 25/26. Rest. Bessert, Elsässer Str. 1/2. Necker, Pankow, Berliner Str. 13 Rest. Orüubaum, Oranienburger Str. 30 Rest. Berger, Levetzowstr. 21. Rest. Tiet2e, Kirchstr. 14. gen Koalition ist kurz, aber sinnig. Neben der Demokratisierung der Gemeindeverwaltung, die nicht mehr eine ״Machtqueile für Kapitalisten•‘ sein soll, wird nichts mehr und nichts weniger als die jüdische sozialistische (!) Volksgemeinde in Berlin und ein jüdisches sozialistisches Palästina verlangt. Von diesen großzügigen Fürderungen wird, damit auch die Arbeitsgemeinschaft zu ihrem Recht kommt, das programmatische Verlangen nach besseren Arbcits- und Lohiibedingtingcn der Gemeiiidcangestellten sehr wirkungsvoll eingerahmt. Die Koordination nationaler Bestrebunbilligen mit der Lohnforderung einer ajüdischen Wirtschaftsgruppe mag manchem Zionisten als Blasphemie auf die Nerven fallen, man könnte trotzdem die Angelegenheit.von der humoristischen Seite nehmen, wenn nicht der Name eines so verdienten Mannes wie Dr. Oscar Cohn der Liste als wirksames Aushängeschild diente. Die meisten von uns würden es gewiß mit Freuden begrüßen, Oscar Cohn in der Repräsentanz zu sehen. Doch kommt bei der Arbeitsüberlastung dieses Mannes solche Möglichjveit nicht in Frage. Sein guter Name dient also Leuten als Lockmittel, deren Wahl wir Zionisten zu fördern nicht den mindesten Anlaß haben. Bei dieser Sachlage dürfen wir von allen organisierten Zionisten erwarten, daß sie das Maß von Parteidisziplin wahren, ohne das eine wirksame• Politik überhaupt nicht gemacht werden kann, daß keine Stimme unserer von den zionistischen Parteiinstanzen gebilligten Liste verloren geht. Zer- Splitterung heißt bei dem Wesen der Verhältniswähl Stärkung der gegnerischen Liste. Reststiminea gehen zugunsten der Gegner verloren, wenn keine Listenverbindung bestellt. Darum kann es nur eine Parole geben: Jede Stimme der Liste Klee! Dr. Gustav Witkowsky. An unsere Wähler! Wir bitten alle Freunde der Volkspartei, so früh als möglich zur Wahl zu gehen. Sie machen sich dadurch die Wahl bequemer und erleichtern uns die Arbeit am Wahltage. Jeder, der gewählt hat, stelle sich in unseren Wahlbüros zur Wahlhilfe ' zur Verfiigung. Wir brauchen für den Wahltag alle unsere Kräfte. Jüdische Volkspartei. i

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