Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 39 (17.6.1920)
- Date
- 1920-06-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 305 jUEOlSCHE RUNDSCHAU Die ״Jüdische WclthiUskonfcrcnz“ cinbcrufcn Das Komitee der jüdischen Delegationen vor der Friedens- Konferenz lut in seinen Sitzungen vom 8, 9. und 10. ]uni 1020 endgültig beschlossen, die allgemeine jüdische Weltlillfskonfcreuz mich Karlsbad für den 27. Juli —- 3. August 1920 ciri/uhcnifcn. Diese Konferenz wird der erste Versuch *ein, für das gegenwärtig durch 1111crlu>rtc Kat.ulioplun betroffene jüdische Volk die notwendige Hilfsarbeit auf rationelle Basis zu stellen. Zusagen der Teilnahme gingen bisher aus folgenden ländern ein: Vereinigten Staaten. CanatL». Argentinien, Südafrika, Aeevptcn, Australien, öroßrußland, Weißrußland, Litauen, livland Estland, Polen, Ukraine, Türkei, Wcslgalizien, Ostealizien, Italien, Frankreich, England, Rumänien. Iranssylv snien Ikßarabicn, Holland, Helgien.Skandinavien, Dänemark, Deutschland, Deutsch - Oesterreich, Schweiz und der Tscliecho- Slowakei Jüdische Hilfskonfcrenz in Warschau •T)1׳r /iisaiiimeiitrill der jüdischen 1 lilfsk-mifcrenz in Warschau wurde um zwei Wochen verschoben. Die Vorbereitungs-Arbeiten gellen rege vor sich. Fast in allen Institutionen sind die Wahlen der Delegierten beteils d11rel1::<׳fnhrt. Die Tagesordnung lautet: Die ökou.v s mische tage der Juden in Polen und ihre weiteren Ausl sichten, ehe Staatsgeset/e und die jüdische Wirtschaft, , Mittel und Wege der Aufbau-Arbeit, die Nationalisierung! der jiidiseheii Wirtschaft, die kooperative Bewegung, neue j Forderungen des jiidiseheii I iandels, Kreditfragen, Gang! und Aufgaben der 1 lilfsarbeit, Schutz der Emigranten und Recinignanten und Organisations-Fragen. Die Kon* t'creuz wird vom II. bis 18. Juni tagen, jedoch _ werden die meisten Delegierten In'reits drei Tage früher in Warschau eintretien. um sieli entsprechend zu gruppieren. Wdllioiifcrenz von zionistischen Intellektuellen Vor einigen ,Monaten faßte die Niederländische Zionistische Studeuteuorganisation den Beschluß, die initiative zur Bildung einer Weltorganisation zu ergreifen, welche die zionistischen Studierten und Studenten der ganzen Welt umfassen würde. Sie entschloß sich für ein bestimmtes Programm, dessen Hauptpunkte folgendermalien lauten: 1. Bessere Vorbereitung für diejenigen, die nach Pa-!ästina gelten wollen, für den sic erwartenden Wirkungskrejtf. 2. Zentralisierung der Arbeit, die jetzt in Vereinen wie in dem Verein zionistischer Ingenieure in Amerika, Verein zionistischer Natur- und Ileilkumliger in I lolt.iml iisw. zerstreut geleistet wird, also die Ansammlung von Material und die Bearbeitung von Problemen und Projekten im Zusammenhang mit dem Aufbau Palästinas. 3. Das Fungieren als Zwisehenperson zwischen eien zionistischen Intellektuellen einerseits und dem Londoner Büro und Palästina andererseits. 4. Verstärkung der Bande zwischen den zionistischen Studenten der ganzen Welt, indem sie sich kennen und sich dadurch gegenseitig besser schätzen lernen. 5. Das Studium der Lösung von Problemen für die?aden im Golus, so wie Emigration, Autonomie u. dgl. Im Laufe der letzten Monate hat sich herausgestellt, daß viele eine solche Organisation für nötig und nützlich erachten. Insbesondere die Ereignisse der letzten Wochen zeigen uns, daß eine Organisation von allen zionistischen Intellektuellen der Welt not tut, 1 damit sie ihre Kräfte organisiert der zionistischen Lei- I tmig zur Verfügung stellen können. Der Vorbereitungs- 1 anssciuiß hat sielt darum dazu entschlossen, eine Kon- 1 feren/ von zionistischen Studierten und Studenten einziiIhtuIcii, welche Koiüci *.׳!»/. gleichzeitig und am gleichen Ort mit der Sitzung der Jahreskonferenz, der zionistischen Weltorganisation, also Anfang Juli in London, stattfinden wird. Für diese Konferenz ist folgende Agenda festgesetzt: 1. ITÜffllUMg. 2. /.weck und Arbeitsmethoden einer zionistischen Welt- Organisation von Intellektuellen. 3. Kurze Berichte über die Tätigkeit der verschiedenen zionistischen Organisationen von Studierten oder Studierenden, welche von den Abgeordneten der vorsciiiedciK'ii Organisationen zu erstatten sind. ■I. Die Autgaheu der zionistischen Intellektuellen mit Rücksicht auf den Aufbau von Palästina. 5. Die zionistischen Intellektuellen und die Arbeit im (iolus. (1. Lr/iehungsa1׳beit in »len zionistischen Studentcnorgani-! sationen. j 7. Frurnmmg eines Ausschusses für die Statuten. 8. Gründung eines Büros. Wir schicken unsere Pläne und• die Agenda ,111׳ alle Oigams.ilioiicii zionistischer Studierter und Studenten, deren Adressen uns bekannt waren, um sie aufzufordern, Abgeordnete zu entsenden. Wir fordern aber jeden zionisiiselieii Intellektuellen, der der Meinung ist, daß organisierte Arbeit durch zionistische Intellektuelle für den Aufbau Palästinas nottut, auf, diese Konferenz zu besuchen; Ort mul Zeit sollen noch bekannt gegeben werde״. Im Namen der Vorbereitungskommission•. J. ß a w 1 y. . Delft, Holland. Vom Internationalen Fraucnstimmrcchtskongrcß Auf der Eröffnungssitzung des 8. Internationalen Fniucnstimmrcciitskoiigiesses in Genf am 7. Juni, auf dem 31 Nationen durch zirka 300 Delegierte vertreten sind, hob die Präsidentin, i7rau C 11 a p m a 1111 - C a 1t ta ihrer Begrüßungsrede mit warmer Anerkennung hervor, daß in Palästina, soweit Zionisten tu den Verwaltungskörpcru tätig sind, die Frauen bereits jetzt volles S t i 111'in recht genießen oder dasselbe doch für sie angestrebt wird. Palästina werde sich unter zionistischer Autonomie jener Majorität moderner Staatswesen eüirciheti, welche den!•'rauen politische und soziale Gleichberechtigung gewähren. Lettland 111 die lettläiidisdic Konstituante, die zirka 60 Mitglieder zählt, wurden auch vier jüdische Vertreter gewählt. Ls sind dies: Rabbiner Dr. Nttrok, Liban, ein alter Vorkämpfer de« ZDuUiniw, Rechtsanwalt T h r O n , Riga (Zionist), Dr. 11 e 11111;1 u 1!, Riga (Zeire-Zion), De. jiir. M in t z, Riga (Parteilos), der einen Ministerposten im Kabinett Ulmanis erhielt. Es zirkulieren zwei jüdische Listen, die des ״Blocks'1 (Zionisten, Volkspartei, Agudas* Jisroel) und die der Zeire-Zion. Beide Parteien waren eine Listenvcrhindung eingegangen. Aus Livland und Kurland (Riga, Liban, Mitun) erhielt der Block die Majorität der jüdischen Stimmen, während in Lcttgallen (Diinahurg, Rjcschtza) die Zeire-Zion die Majorität hatten. Der ״Bund“ hatte sieh der allgemeinen lettischen Sozialdemokratie angcschlosscn und lehnte ein gemeinsames jüdisches Vorgehen bei der Wald ab, obwohl die lettische Sozialdemokratie im Wahlkampf sich vom Antisemitisimis keineswegs freihielt. Einer ihrer Führer, Zelms, drohte in einer Rede den Juden mit der Schaffung eines ״Ansiedlimgsrayons“, falls sie nicht sämtlich sozialistisch | luillos zerrissen würde, daß notwendigerweise in den 1 imu'rpolitischcu nationalen Kämpfen Juden gegen Juden I stunden, daß der Antisemitismus maßlose Nahrung zu- : geführt bekäme, wäre die Folge; sondern auch eine soVhh• lkiuoralidciiuig des Judentums dem empfohlen wiiil, sieh jeweils der Nation anzuschlicßcii, die ihm am günstigsten erscheint. Dies war eben das Wesen der 1 *׳••*,milatorischen Lüge, di!: heute gerade in der Tscheche)- j Slouakei wieder so eklatant zutage tritt, wenn Juden | m der ehemals ungarischen Slowakei aus dem Lager | titr .,magyarischen Nation•' in das der ״slowakischen I Nation" übergehen. Der Zionismus hat demgegenüber 1 du• elementare Wahrheit e• 1 Rannt, daß Juden sich nur 1 ״׳r jüdischen Nation bekennen dürfen und aus diesem I unerläßlichen praktischen Frfordernis heraus wurde die | indisch-nationale Forderung der Anerkennung der ji'alif selten Nationalität zum politischen Ziel.. Alle nationalen } l’arteiun wollen von der Zugehörigkeit der Juden nichts f wissen; es wäre also nötig, einen politischen Kampf \ um die Anerkennung der deutschen oder tschechischen t Nationalität der Juden zu führen. Das wäre im Grunde : D'imii dasselbe, was die Assimilaiiten immer getan haben, wenn sie den Deutschen nachweiscn wollten, daß sie ■UH'h deutscher Nationalität sind. Diese praktischen Ktmseqtienzun zeigen die völlige Absurdität des ZollscbanwIhh Standpunktes, der auch mit keinem Palästinismus 'etvinbar ist. Die Frage des nationalen Bekenntnisses 'st in diesem Zusammenhang eine rein moralische und eme ״wissenschaftliche". Durch keinerlei Opportuni- / ,1'״j'"*'■’ ‘,'"י' dieser Sachverhalt verschleiert werden. ""•11's Iheorie mag man von ihrem Standpunkt aus j‘|S r1c"!ig gelten lassen, nur das eine kann man von ',r sagen, daß sjc durch eine Welt von zionistischer '1"'•ffiauimgsvveise getrennt ist. Man muß sich, hier vor dem Irrtum hüten, daß ‘ je jüdisclmationale Politik etwa eine Verneinung des - Dates sei. Das Gegenteil ist richtig, ln der» Nationali- •uenstaaten wie Oesterreich und Tschecho-Slowakei ist '־יי' nalionaliüdische Politik sogar die einzige Mög- K'nkcit der Bejahung des Staates. Denn gerade dadurch, daß die Juden sieh, als Minderheit organisieren, können sie ihre Kraft für den Staat nutzbar machen, während sie im anderen Fall nur ihre Kraft zersplittern und als Juden jedes politische Interesse im Staat verlieren. Die jüdisclmatioiiale Politik ist der einzige Weg der Auseinandersetzung mit den Problemen der Gegenwart. Diejenigen deutschen Zionisten, die (durch die in Deutschland naheliegende Verwechslung von Staat und Nation verleitet) den radikalen Natioualjuden Uuinteressicrtlieil am Staatslcben vorwerfen, können aus dem Beispiel anderer I ander erkennen, daß das gerade Gegenteil ziitrift't. Fs lohnt nicht, mit Zollselsans theoretischen Ahleitungen und seiner ganzen Pseudowissensciiaft sieli auseinamler/uset/en. Fr beruft sich auf Klat/kins Galuth- Verneinung, ohne dabei zu erkennen, daß Klat/kin nicht aus Entgegenkommen, sondern aus radikalen» Nationaiismus die üaluth negiert, so daß er weit davon entfernt ist, daraus Zollschanschc Konsequenzen zu ziehen. Dann kritisiert Zollsclian Ach ad Uaam mul Buher, allerdings, wie es uns scheint, ohne von seinem ״Wissenschaftliehen" Standpunkt aus auch nur die Grundbegriffe von deren Anschauungen richtig zu deuten. Wichtiger als dies ist aber der Schlulfteil, in welchem Zollsclian sein praktisches Programm formuliert. Nachdem er nochinals den innerpolitischen Nationalismus als etwas Unsinniges bezeichnet hat, die These der jüdischen Nationalität eine Unwahrheit nennt und das nationale Bekenntnis der Diasporajuden nur ״im Sinne der Angabe des Sprach- und KuUurkreises, dem sie unterworfen sind", gelten läßt, stellt er dann den nationalen’ Forderungen seine eigenen gegenüber. Und da kommt er plötzlich zu dem Resultat, daß die sachlichen Forderungen der jüdisch-nationalen ״Minoritätspolitik berechtigt und notwendig sind. Er schreibt von ihnen wörtlich: ״in der Regel sind es Bestrebungen, die ernst und wichtig und unerläßlich sind, und nichts Wesentliches soll davon gestrichen werden. Unser ganzer Kampf richtet sich nur gegen die Formen und ausschließlich gegen die Terminologie.“ wälileu würden. Die jüdische Wählerschaft ließ sich keineswegs ctnschüclitcm, sondern gab in überwältigenden Majorität den jüdisch-nationalen Kandidaten ihre Stimmen. Am 2. Mai fand in Riga anläßlich des Beschlusses von San Reuu» eine großartige Manifestation des pidisch-uationalcii Gedankens statt, Mehr, als IS 0(111 Melisehen veranstalteten edlen Umzug durch die Stadt mit Musik und Gesang und zahlreichen blau-weißen Fahnen. Vor den Regiermigsgehätiden und sämtlichen audändischeu Konsulaten wurde Halt gemacht. Die lettischen Miiiisler wie die ausländischen Vertreter hielten von den BalkAnen aus Ansprachen. Um 7 Uhr abends tarnt ein großes Festmeeting in der ״Großen Gilde" statt. Auch hier hielten die Vertreter der lettischen Regierung sowohl wie die ausländischen liesamlteii Anspiaclten. Dclcgieitcntag der schweizerischen Zionisten Von unserem N. W.-Korrespoiulenten. Am 0. Juni fand in St. Gallen der 23. Delegiettentag des Schweizerischen /iouistenverhaudes stalt. Die I aguug war von etwa 30 Delegierten als Vertretern von 20 Vereinen aus allen Teilen der Schweiz besucht, ycrbuiidsprüsidcnt Dr. B r u 1» s c!1 w i g aus Base! eröffnete d:c Beratungen. Zum Tagespräsidcliteii wurde das Mitglied des Zentralkomitees, Herr L. Burstein aus Zürich, gewählt. Herr Dr. Julius Becker stattete als Sekretär des Verbandes den Jahresbericht. Die. propagandistischen Arbeiten waren vielfach durch die Verzögerung׳ in der Frage der Erteilung des Mandates ungünstig beeinflußt. Das von Herrn A. jediin vor einem Jahre vorgeschlagcno Projekt der otuiidüng einer jüdischen Lehrtkum bei Mcndrisio im Tessin büch in seinen Anfängen stecken. - Int Juli 1010 verhandelte Fürsprech Dr. (»O'lschel auf Veranlassung der in Paris gebildeten Gesellschaft ״Le Magen David Rouge“ mit dem Internationalen Komitee ilcs Roten Kreuzes in Genf, um die Anerkennung zu erwirken. Im Frülisotnmer des vorigen Jahres trat die ״Ligue des Nationalites opprimccs par la Turqttie“ an den Schweizerischen Zionistenverband mit dem Ersuchen heran, daß midi die Zionisten als Vertreter des jüdischen Volkes an einem Meeting von Arabern, Armeniern um! Griechen in Genf unter Teilnahme von Genfer Politikern auflrctcn sollten. — Der Kampf gegen den Antisemitismus wird angesichts der Schachtfrage, der Züricher Schultage und der gelegentlich der Völkerhunddebatte zpt.tge getretenen antisemitis»hen Strömung in (icmeiusdfaft mit dett anderen jüdischen Organisationen in der Schweiz energisch aufgenumuicn werden. Auch der Bericht des Vorsitzenden für den Jüdischen Nationalfonds in der Schweiz, des Herrn Jacques Marx, lautete• nicht günstig und legte dar, »laß neue Arbcitsiiuihodfit gesucht werden müssen. Die der Schweiz auferlegtc Summe von 1(10IKK) Frcs. für »las laufende Jahr könne bei entsprechender Beteiligung der N.-F.- Kommissionen aufgcbinuit werden. Wie bei alle:. Di'iegicrtcntagci» war die Dt-kussiott über die Schuldfnge äußerst lebhaft. Dem objektiven Zuhörer mußte klar werden, daß die Leitung titr »lei» Stillstand nur lab verantwortlich ge nacht werden könne, da auch die Meisten Vereine versigt hatten. Infolgedessen unterlag auch die Op|»ositirn unter Führung des aus dem Zentralkomitee freiwillig ausgcschiedeneu Fürsprech Dr. Goetschel. Der Vorort wurde wieder unter dem Vorsitz v״n Dr. Brunschwig mit den Gesinnungsgenossen Dr. Arnstein, Großtat Dr. W o r in s e r, Adolf H a c k uml Jacques M a r \ nach Basel verlegt. Diesen Kampf gegen die Terminologie also fuhrt Zollschati mit so schwerem Geschütz. Er bekämpft ״die Proklainieruiig der Nationalität als Organisation*• basis der Diasjiora-JiKlciilieit״ An Stelle der Nationalität will er den ״ethnischen Charakter“ gesetzt haben. Daran knüpft er seine Vorschläge nach Schaffung einer ״Zentralstelle“ für die jüdischen Angelegenheiten, die auch das nationale Schulwesen nsw. regeln sollen und die durch »las »len Staaten übergeordnete Völkerpariament ihre Aticrkenmiitg als öffentlich-rechtliche Körjwr• M'liattcn durchsetzen, Ls scheint also, »laß Z»>llschau nur vesmeiileii wil1, durch 11 .-,:;.'סין. tt Kampf ftir die eigenen Rechte Anstoß zu erregen und vor allem »las Mißfallen der assimilatorischen Juden zu finden. Er meint, daß eine künstliche Zentralstelle dieselben Funktionen erfüllen kamt wie eine erkämpfte polirische Position und daß »ier Antisemitismus gemindert wird, wenn wir uns statt nationale Einheit,;ethnische Einheit nennen. Mit derartig naiven Anschauungen geht Zollsclian an die Lösung politischer Probleme. Es ist aber ohne weiteres klar, daß eine solche Halbheit tuiiialtb.ir ist und daß nicht eine Terminologie, eine Theorie, ein ]»olitisches Programm und eine Wissenschaft nur nach dem Wunsch /ugesdinittcu sein darf, daß ein Jtitle in Karlsbad oder Wien sich ohne schlechtes Gewissen als Deutscher bekennen darf. .. i>ie nationale Politik der Juden in den Galuthländern ist ein außerordentlich kompliziertes und schwieriges ■Problem. Es haiuleit sich dabei ztttn großen Teil um Fragen, die nicht nur (ur die Juden, sondern überhaupt für das Zusammenleben der Völker von Bedeutung sind. Die Pariser Friedenskonferenz hat sich mit diesen Fragen eingehend beschäftigt und gerade das jüdische Problem hat dazu Anlaß gegeben, den Minnritätenschutz in seinem ganzen Umfang zi» erörtern. Die Praxis wird noch viel korrigieren müssen, bevor definitive politische Formen sich für das Minoritätenrecht herausgebildet haben- Auch wir Juden müssen dauernd diese Fragen studieren, aus den Erfahrungen lernen und unsere Anschauungen kontrollieren, eventuell auch revi-