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Jüdische Rundschau · 1920-06-17 · Heft 39 (17.6.1920) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 39 (17.6.1920)
Date
1920-06-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 304 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 39!1 I I t I! ן. 1 j• I 1 i Wcizraanns Londoner Rede Die Rede, die Dr. W e i Z m a » » auf dt'r der l'nglish Zionist Federation gehalten hat, will mit besonderem Interesse vernommen s.'in. In ihr besitzen «II die eiste nlfl/ietle Aeiiltei 1111(! der Icituug, die nach dem Beschluß von San Konto von all den I)innen spricht, die f 1!r die zionistische Welt im Mittelpunkt ihres Denkens steht, Wir haben immer wieder betont, dall alfe politischen Erfolge, deren Bedeutung wahrlich nicht zu unterschätzen ist, doch nur die V 01׳ a u s s e t z1t ti £ für die eigentliche zionistische Arbeit schaffen können, daII auch der Beschluß von San Kein״, dieser größte l:'rfolg jüdischer Politik, der seit Jahrhunderten erningcu wurde, nur eilte der wichtigsten und tutcrüdWhstcn dieser' Voraussetzungen geschaffen hat. Indem wir aller den llliek voiwürts richten, erkennen wir es: was bisher geleistet wurde, war Vorarbeit, d a s \\ e 1׳ k beginnt erst j e t 7. t. •-'s |',1|,|.,tu1a waltet und das jiidisclu׳ Volk waltet nicht minder, I ine Aul'bnniistiiitiiittng sondergleichen, ein \>;eh-Kiist1־n vornebmlicb aller jungen, kräftigen, zukunfts- Vollen Menschen in tmsern Reihen zeigt sich überall. Indiesem so bedeutsamen Moment ruht eine besondea־ VerNntwortung auf dem Manne, der als Führender und Wisseיו10!ץ Auskunft zu Reben hat.. Aus Wci 7.111a 1111s Rc*dc *ijriclit das HewulSiscin solcher Verantwortung. Sie enfl) an »1:1111־ der anspornendon Hoffinmgsfrctidigkcit in der 1 -'iirteilung der (iesamtlage, sie hebt alles das hervor, w'p an Tatsächlichem vorhanden ist oder aller V01a:1ssn.l!( nach demnächst Tats :eile sein wird, und sie übt wolilubci’ciilc Zurückhaltung da, wo von Möglichkeilen und I 1 ’«it׳klnncon die Rede ist, die in ihren Einzelheiten!11• hl lestlus vorherbestiinnib.w sind, Es ersehe:!!: des'iah., nicht überflüssig, ihre Hauptergebnisse noch einmal 7usa\nmet1fasscttd wiederzugeben. D;e Mitteihin.j, dail am 1. J tt I i d. Js, die Zivil- \ e 1 w a I t 11 11 1: anstelle der militärischen Okkupationsbelionie de Verwaltung des Landes übernehmen wird, ist von grölhe:• bedcutung. Die Bestimmtheit, mit der ein Tages Intimi genannt wird mul die Ergänzung, dall diese Entscheidung endgültig sei und dall auch die N i c 1t 111 n t e r z e i e 11 n 1111 g des E r i e d e 11 s v e r - träges 11 u 1׳ e 11 11 i e Türkei keinerlei aufschieb e n d e 11 i i 11 f I 11 li b e ־, i t Z e 11 w ü r d e, zeigt mit aller Deutlichkeit, dall mit dem Beschluß von San Remo jede Diskussion über das Mandat abgeschlossen ist und England nicht zögert, von den ihm durch den ־־— Völkerbund gegebenen Rechten Gebrauch zu machen, Pflichten zu erÜÄ» v’>ik ^einrber auf^.iommenen Die ^runtlk'^ciKiu Hodcutiin^ der Lrrichtun^ einer Zivileervvaltim^ nicht oft ^enu^ betont werden, Selbst wenn die britische Militärverwaltung in Palüstinn ihre Gewalt nicht dazu numiraiicbt hatte, um eine ״Politik‘‘ zu machen, wedelte die Pläne der Regierung in London zu sabotieren trachtete, nüilltc sie als ein Uebel betrachtet werden, dessen Notwendigkeit so früh als irgend möglich zu verneinen war. Die Gesichtspunkte, unter denen Okkupationsbchörden die ihnen unterstellten Länder verwalten, pflegen sich in der ganzen Welt zt| gleichen. Ein kaum noch erträgliches Minimum an persönlicher Freiheit und wirtschaftlicher Ergiebigkeit sind Une Folgen, die in Palästina ebensowenig ausgeblieben!sind, wie in Belgien oder Polen. So darf man erwarten, daß am 1. Juli in Palästina eine neue Epoche beginnt, die vor allem der Jischuw als die Befreiung von einem Albdruck empfinden wird. Die lelzten Monate sind für die Juden in Erez-Isracl eine Prüfung sondergleichen gewesen. Wie sehr sie das waren, wird erst daun fcstznstellen sein, wenn sich in der palästinensischen l’res-e die Zensurlücken schließen werden, die noch heute deutlicher von der Brutalität der :ililrelemlrii Militärbehörde zeugen, als alle verbotenen Artikel es zu tun vermöchten. Gibt die Errichtung der Zivilvcrwaltuug in Palästina dam Jischuw die Möglichkeit, mit allen Kräften an der Wiederkehr normaler Vcsliiiltniss,־ mul an der Vorbcrei* tung für die Emigration zu arbeiten, so erweckt sie in den Massen des jüdischen Volkes die i foffmmg, daß der Termin des Beginns der Einwanderung in greifoare Nähe gerückt ist. Hier ist einer der Punkte, bei dem Vorsicht besonders geboten ist. Ging doch bereits durch einen Teil der zionistischen Presse die sensationelle; Nachricht, dal! gleichzeitig mit der Errichtung der Zivil- Verwaltung, also am 1. Juli auch die ״Oeffnung des Landes“ für den Einwamlererstroin stattfinden solle.. Diese Meldung ist zweifellos verfrüht, denn es scheint klar zu sein, daß es erst eine der wesentlichsten Aufgaben der Zivilvcrwaltuug sein wird, die uuerläßliehen Maßnahmen zu treffen, die vcrwaltungsledinisdi die Einwanderung vorbereiten. Eine Aufgabe, die nicht bereits in dem Augenblick gelöst sein kann, in dem die Zivilverwaltimg ihre Funktionen auszuiiben beginnt. Aber es ist anztmeiuiien, daß wenigstens die durch die militärisebe Verwaltung bedingten besonderen Einreise- Schwierigkeiten zugleich mit der Militärverwaltung selbst beseitigt werde». Daß dennoch der Begum der Einwanderung in midister Zeit bereits zu erwarten ist, zeigt die Tatsache, daß W c i z 111 a 11 11 für die midisten zwölf Monate mit einer E i 11 w a n d e r tt n g v o n 25 000—30000 Siedlern rechnet und hofft, daß ״die Häfen und Tore des Landes in ein bis zwei Monaten geöffnet sein werden“. Trifft das zu. so werden wir in kürzester Frist Einzelbeiten zu hören bekommen über die Zusammensetzung; und Arbeitsmethoden des Jewislt Council, jenes jüdischen Volkswirtsdi.aftsrates, dessen gutachtliche Entscheid״!!- gen bei der Regelung der Eiiiwamlerungsfrage von aussdilaggcbemier Bedeutung sein werden. Ferner wird eine baldige Regelung bezüglich der Praxis stattfinden müssen, in der die Pässe ausgegeben werden sollen, durch welche die zionistische Organisation diejenigen Einwanderer, die sieh ihrer Kontrolle unterstellen, den britischen Behördcii gegenüber legitimiert. Alle diese Fragen sind Gegenstand schwebender Verhandlungen. Sehr beachtlich ist, was Weizmann über die allgemeinen Entwickluiigsniöglichkciten Palästinas sagt. Es scheint sich in London eine optimistischere Auffassung in bezug auf die Fassungskraft des Landes und auf das Tempo der Einwanderung durcligesei/!• zu haben. Weizmann lind‘ ׳KccVnb'üii h':n,"'w־V"b's,/.u"i(V;iü Seeleir'pef'liBiiira^ kilometer leben. Er fügt dem wörtlich hinzu: ״Es ist zweifellos, daß bei gutorganisierter Entwicklung, zureichenden Wohngelegenlieiten und verständiger Vcrwaltung 1111 b (•grenzte M ö g 1 i c 11 k e i t c n für die Landwirtschaftliche Entwicklung vorhanden sind, die sicherlieh die nächsten vier oder fünf jüdischen Generationen befriedigen werden. Das Land muß nutzbar gemacht werden und jetzt, wo wir wissen, daß eine gute Verwaltung im Werden ist, haben wir keine Veranlassung zu fürchten, daß es nicht sehr bald schon nutzbar gemacht sein wird,“ Wo Weizmann auf die industriellen Möglichkeiten zu sprechen kommt, ist es der bekanntlich schon seit langem von Davis Trietsch propagierte Ge* danke‘ der Heimindustrie, den er mit größtem Nachdruck betont. ״Ich glaube genau wie in der Land- Wirtschaft sollten wir auch in der Industrie es v\׳rsuchen, kleine Haushalte selbständig zu machen, so daß jede Familie einem liaiiswirtsehaftliehen Industrie/« ng obliegen kann. Solche Industrien sind leicht zu schalten im Hinblick auf die Bedürfnisse der I.amhvirtsrliaft uml bei der Verarbeitung ihrer Produkte. Seidenspinnerei, Feinmechanik, Diamant- und Glasschleifern, fiir die es innerhalb des Judentums bereits eine gewisse gewer!»- liehe Tradition gibt, bieten weitere Möglichkeiten /״)״ Ausbau einer Heimindustrie.“ Besonders ausführlich sprach Weizniann über arabische Frage. Er stellte allen Versuchen, das Recht des jüdische״ Volkes auf Palästina aus irgendwelchen Gnu!, den heraus zu bestreiten, den unbedingten Anspruch aui das jüdisch-nationale Heim entgegen: ״Das arabische Volk hat viel Platz. Die Mittelpunkte der arabischen Kultur sind Damaskus, Bagdad und Mekka, und dort, hofftich, wird ein großes und blühendes Arabien entstehen. Palästina soll die nationale Heimstätte des jüdiselten Volkes werden. Das müssen wir offen und ehrlich unseren Freunden wie unseren Feinden sagen, Und wir Juden, die wir unter so vielen Pogromen gelitten haben, werden uns sicher durch die Bluttat von Jerusalem nicht abscltrecken lassen. Es ist unsere Bestimmung, nach Palästiiia zu gehen, wir werden hingehen und dort bleiben. Aber gleichzeitig strecken wir die Bruderhand den Araher!» in Palästina entgegen. Wir wollen mit ihnen ztvsamineitlebcn und ihnen Anteil gönnen an dem Aufschumig, den wir für das Land erhoffen. Ith glaube, daß die Masse der arabische» Bevölkerung, von einigen Hetzern abgesehen, auch mit uns denselben Weg gehen will.“ Znm Schluß möchten wir nochmals auf das hinweisen, was Weizmann über die gemeinsame Arbeit zwischen Zionisten und Nichtzionisten im InteresXe Palästinas sagte: ״Es ist in den letzten Tagen seit San Remo sehr viel über die Zusammenarbeit von Zionisten und Nichtzionistcn gesprochen worden. Seit Jahren warten wir auf die Gelegenheit, welche diejenigen mit uns gehen läßt, die bisher entweder gegen uns waren oder sich gleichgültig verhielten. Wir haben gehofft uml erwartet, daß dieser Augenblick dann cintrctcn würde, wenn wir eine sichere politische Anwartschaft auf Palästina erlangt haben. Dieser Moment ist gekommen und wir fordern jetzt wieder alle diejenigen auf, 'die bisher beiseite standen, in gemeinsamer Arbeit mit uns am Aufbau Palästinas tcil/i״uhi!1cn. Ich glaube nicht nur im Sinne aller Zionisten Eng lands, sonderii im Namen der Zionisten in aller Welt sagen zu dürfen: Wir stellen keinerlei Bed 1 n e 11 n g e n. a!י ß e r d e r ei 11 e 11: ti a II P a 1 ä s t i n a die nationale Heimstätte des jüdischen Volkes werde. Das ist die einzige Plattform, auf der wir uns mit allen begegnen können. Palästina ist kein Wohltätigkeitsbazar, es ist auch nicht mir eine religiöse Gemeinschaft. Es ist die jüdische nationale Heimstätte, ei». Werk, das alles umfassen will, was innerhalb des Judentums lebendig und wirksam ist, und ich glaube, daß alle diejenigen Juden, in deren Herzen noch ein Funke lebendigen Judentums glüht, begreifen werden, welch historische Gelegenheit sich ihnen bietet. Mögen sie alle kommen, um die nationale Heimstätte des jüdischen Volkes initzuerbauen. Es ist Platz für alle in i h r.“ | i 1 | j 1 I | 1 Unzulässiger Revisionismus Die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Behandlung politischer Probleme und die Erkenntnis der tatsächlichen Voraussetzungen, mit denen jede reale Politik rechnen muß, steht außer Frage. Es ist keine Unterschätzung der Theorie, wenn wir es trotzdem für eine Selbst- ,aiisduing halten, wenn man meint, daß das politische Wollen von theoretischen Erkenntnissen entscheidend bestimmt wird. Ein Musterbeispiel dieser Selbsttauscliung ist das Buch von Dr. Ignatz Zollschau, ״Revision des jüdischen Nationalismus“, das auch in den Kreisen der Zionisten erhebliche Verwirrung angerichtet hat. Dieses Buch spricht mit solcher Prätcntion und sagt in so geschraubt-überheblicher Sprache teils Banalitäten, teils Unklarheiten, daß es schwer fällt, sich ruhig damit aiis-eiiiiuulerzusetzen. Zollschan ver- (litt ein politisches Piogranuu, das ebensowenig neu ist, wie die Argumentation, die er verwendet; beide sind der Ideologie der Assimilanten entlehnt. Für dieses Programm (ritt er mit der Geste des wissenschaftlichen Wahrheitsfaiiatikers auf den Plan, der wirklich zu meinen scheint, daß er wissenschaftlichen Erkenntnissen folgt, während er in Wirklichkeit vorgefaßte politische Tendenzen begründet. Zollschans Buch kann in Deutschland nicht ganz verstanden werden, ohne daß man die Verhältnisse in Oesterreich, wo es entstanden ist, berücksichtigt. Die österreichischen Zionisten führen seit 15 Jahren einen erbitterten Kampf um die Anerkennung der jüdischen Nationalität. Im alten Oesterreich war das Bekenntnis zur jüdischen Nationalität verboten, in Galizien wurde Strafe darauf gesetzt und der galizische Jude gezwungen, sich zum Beispiel bei Volkszählungen zur polnischen oder deutschen Nation zu bekennen. Nicht nur, daß diese Angabe objektiv unrichtig war, durch dieses Verfahren wurden auch die Juden in die nationalp״ Kämpfe *kr anderen Nationen hereingezerrt, sie mußten zwischen ״kn und Ukrainern, zwischen Deutschen und Tschechen arte! nehmen und hatten natürlich von beiden Seiten entsprechend zu leiden. Alle nationalen Parteien waren stets antisemitisch und die Juden wurden nur zu Helfersdiensten mißbraucht, dann aber in der schmählichsten Weise preisgegoben. Eine Gruiulcrkenutnis des Zionismns hat diese politische Pariaexistenz verurteilt und für die Juden das Recht gefordert, sich zu ihrem Volk zu bekennen mul auch in politischer Hinsicht souverän über sich zu bestimmen. Nach Zerfall der östcrreichisehen Monarchie hat der jüdische Nationnlgedauke sich schnell durchgesetzt. Die überwältigende Majorität der Juden hat sich zu ihm bekannt; *in Deutschösterreieh verschwand das assimilatorische Judentum aus dem politischen Leben, in der Tschechoslowakei bekannte sich die Majorität der Juden zum jüdischen Nationalrat, der nach schwerer politischer Arbeit auch die Anerkennung der jüdischen Nationalität in der tsehecho-slowakischcn Verfassung durchsetzte. Innerhalb de(» nritionaljiidischen Lagers hat es oft Meiimngsdifferenzen darüber gegeben, in welchem Umfang nationale Rechte in den einzelnen Ländern anzustreben sind, sowie über Einzelfragen der institutionellen l-egelimg und der politischen Taktik, worüber man aber Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Zionismus für völlig unmöglich gehalten hat, ist die Grundwahrheit, daß die Juden eine Nation sind und daß sie auch in der Politik unter keinem anderen Namen auftreten können, ln diesem Augenblick kommt Dr. Zollschan mit (kr Forderung, diese Grundeinsicht zu revidieren.!Zollschan wirft nochmals die Frage auf, ob die Juden eine Nation sind oder nicht. ״Die wirklich konstituicrendcu Momente der Nationalität sind: die Blutsgemeinschaft, die territoriale Gemeinschaft, die Schicksalsuml Interessengemeinschaft, die Sprach- und Kulturgemeinschaft und die Tatsache des gemeinsamen Willens. Von diesen Kriterien - mag das eine oder das andere fehlen dürfen; das Vorhandensein von Sprache und Territorium ist eine conditio sine qua non. Danach ist es jjiclit fraglich, wie das nationale Bekenntnis der Juden wahrheitsgetreu erfolgen müßte “ Man fühlt sich zwanzig Jahre zurückgeworfen, in jene Anfangszeit des Zionismus, wo man darüber de batfieren mußte, oh die Juden ein Volk sind oder nicht. Wir haben gemeint, daß heute die Tatsache des na סח• nalen Bewußtseins einen Zionisten der Nötigung saldier Diskussionen entlieht. Zollschan scheint bei seiner Polemik völlig zu vergessen, daß weder der Zionismus noch irgendeine jüdisch-nationale Gruppe jemals die Behauptung aufgcstcllt haben, daß die Juden eine uormale Nation sind. ־ Vielmehr besteht das Wesen unserer nationalen Bewegung in der Erkenntnis, daß wir einst ein Volk waren, daß der Charakter unserer Gemeinschaft historisch ein nationaler ist, der sich auch in der Galuth rudimentär erhalten hat und daß es die Lebensfrage unserer Gemeinschaft ist, wieder eine Vollnatii'ii zu werden. Der Fall des jüdischen Volkes ist eine politische Angelegenheit sui gencris, die man nicht dadurch erledigt, daß ni.m •,io in irgendein ilegiiffssehi inu cinspannt und dieses Schema Wissenschaft nennt. Nicht die Wissenschaft, sondern die Wirklichkeit ist Ausgangspunkt der Politik. Wir sind ein Volk und wollen als solches auch alle Attribute, die nach Zollschan für cm Volk charakteristisch sind, wieder erlangen. Die Merktnale, die Zollschan anführt, mögen für ein Volk ko"־ stitativ sein, zur Konservierung jedoch ist auch Territoriuni und Sprache nicht unentbehrlich, sonst hätte das jüdische Volk hingst zu existieren aufgehört, was auch Zollschan nicht behauptet. Ein verhängnisvoller Fehler, den Zollschan macht, ist die Verwechslung von Staat und Nation. Seine Gegnerschaft gegen die nationale Politik beruht auf der Befürchtung, daß durch sic die Juden in eine Sonder- Stellung gedrängt werden, welche ihr Verhältnis zmn Staat erschwert, genau dasselbe Argument also, das alle assimilatorischen Politiker geltend machen. In Oesterreich und dessen Nachfolgestaaten sind aber Staat und Nation nicht nur begrifflich verschieden, sondern auch faktisch. In der Tschechoslowakei z. B. gibt es sieben Nationen; cs besteht also der Zwang, sich außer zum Staate noch zu einer dieser Nationen zu bekennen. Nicht mir, daß dadurch das Judentum

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