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Jüdische Rundschau · 1920-06-17 · Heft 39 (17.6.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 39 (17.6.1920)
Date
1920-06-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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/ ן V ע KVBaktion umi Vrrl«jj W, 15, M». 8, t'.radiniit jni*m um! Krfil*!(, Ii*־/»i׳j«j1teta bei der riihui■ uml dnj Pos\*mfet» vmt*sj'»»hrirr,J1 H> M, in Deutschland, Amh*«Uah«>1me• ment* werden i» der Währung der fin*t׳lncn Liinttar berechnet. A 1־ % c I v’ f־u*V« . 1 I u Nummer 39 Berlin, 17. VI. 1920 WeH-Verlag, Berlin NW. 7, Dnrothe״׳*traß« 55. Telephon: Amt‘ Zentrum 4MM u. 4815• An**ig־naproi* lür •ji• »icbcn£<1־־paHen* Nonp־1«־eiU<j*fiW M., Aiizeigeaacbluil: Dienstag umi Freiing nnchmitta^• 4 Uhr. l'pleph..n: Aust U hl'Hu.l .נ♦ י uni) 11ו(), PotiLnfn »*.kt/iUu; Urriin Ni. I / yt'i. Kt» C)c*trrfesci»; Post *pa»ka1H«Hj*1A\ W ׳.׳», Konto Nr. 1.5n t׳.i J. hui rgdirelionlowakei: P«3*t»p*jW״i»er1«mt!,ruf. Konto Nr 156 UJO ked«ktHm*nt,l״ü Sonntag und Miliwod׳ narlumtt-g. 1. Thammus 3000 XXV. jahrg. Der Ztonlema• erstrebt für das Jüdische Volh die : 3r ö.fcrjtriah-rcchtJIeh gesicherten Helmat&tte tu Palästina. ״Baseler!*rogramta‘ S: I |f!/ IgjlJ /ןן /8/^1 Zum Delegiertentag Der diesjährige Delegiertcntag tritt in einem entscheidenden und beinahe feierlich zu nehmenden Augenblick zusammen, Der politische Zionisums hat ־/uiiädist sein Ziel erreicht; die internationale Anerkennung ist erfolgt und das Ziel der weiteren Tätigkeit ist jetzt nicht mehr ein so einheitliehcs und klarumrissenes, wie es die Verfolgung des Baseler Programms war, sondern die künftige Eiligkeit des Zionismus ist eine vielfältige, reale, .mf die unmittelbare Gestaltung der Wirklichkeit ausgehende. Diese Tätigkeit bedarf einer Anstrengung ganz anderer Art als die bisherige zionistische Betätigung. Demi während es sieh bisher zunächst um die Durchsetzung eines Postulats nach außen hin handelte, beginnt nunmehr das Werk des Aufbans, für das die eigenen materiellen un’d geistigen Kräfte des jüdischen Volkes mobilisiert werden müssen. Der Delegiertcntag muß sich dessen bewußt sein, daß aus dieser Sachlage auch dem 'deutschen Zionismus ganz neue und wesentlich größere Aufgaben erwachsen als bisher. Er wird sich nicht nur dieoretisch und akademisch mit den Problemen des Aufbaus beschäftigen dürfen, wie es schon frühere Delegiertcntage getan haben, sondern er ׳miß ganz umi gar beherrscht sein von dem Willen, Mittel und Wege zu suchen, um an der Lösung der praktischen Aufgaben teilzunehmen und die spezifischen Begabungen und Vorzüge gerade des deutschen Judentums für die Sache fruchtbar zu ״lachen. t:s muß volle Klarheit darüber herrschen, daß dies und mir dies die wichtigste Aufgabe iles Delegierteiitages ist und daß demgegenüber Meine innere Streitfragen und Diffeicnzen in den ffii 11eigi 11 fiel tieren miissen, m! Klärung gewisser prinzipieller Grundfragen des Zionismus sein mag. Der Anteil des deutschen Zionismus am Aufbau Palästinas ist ein zweifacher; zunächst müssen wir in der nächsten Zeit in Deutschlaud finanzielle Mittel aufbringen, wie sie noch niemals einer jüdischen Aktion zur Verfügung standen. Um diese Mittel zu bekommen, ist es notwendig, den! deutschen Judentum die Einzigartigkeit dieses Augenblicks der jüdischen Geschichte ganz und gar zum Bewußtsein zu bringen. Das deutsche Judentum stellt zum großen Teil heute noch skeptisch, teils ablehnend, teils — im besten Fall — passiv der jüdischen Volkssachc gegenüber. Es beweist damit, daß es nicht begrillen hat, was eigentlich heute in der jüdischen < iesehichte vorgeht. Es ist eine Hauptaufgabe unserer Propaganda, den Sinn für die Bedeutung dieses Ereignisses zu wecken, die historische Rolle unserer Generation, der es vergönnt war, an einem Ewigkeitswerte entscheidend und gestaltend zu arbeiten, ins rechte ,Licht zu rücken und dadurch ilie toten Herzen des deutschen Judentums zu in heben zu bringen. Auch bei der Aufbringung der finanziellen Mittel kann cs uns diesmal nicht gemigen, daß einer oder der andere Jude aus wohlwollender Gleichgültigkeit uns einen Beitrag gibt, sondern wir müssen diesmal wirkliche Opfer ver- Lugen, Hingabe eines wesentlichen Teils des Verinogcns für die Sache des Volkes. Die Opfer- Willigkeit war bis jetzt eine ziemlich beschränkte׳. Wenn wir lesen, daß in Palästina die Beamten und Lehrer beschlossen haben, dem Keren Hageulah ein Monatsgehalt zu widmen, so müßte das deutsche Judentum beschämt erröten. Um die Mittel, die eutschluiid aufzubringen hat, zu beschaffen, 1'Hissen viel stärker als bisher alle zionistischen j-r.1 te in den Dienst der Finanzaktion gestellt wer- ‘Insbesondere gilt das von den älteren Zio- 's en, die im bürgerlichen Leben stehen und schon ^ermogc ihrer sozialen Stellung in den für die ״ in Betracht kommenden Kreisen ein gewisses Ansehen haben. Der Delegiertcntag wird ICSC Lrage eingehend beraten müssen. L)ie zweite Art des Anteils der deutschen Zio- 11‘Den am Aufbau Palästinas ist die direkte Anteilnähme der geeigneten Menschen. Es ist hier nicht 1'e Rede von Leuten, die einfach nach Palästina 1׳ocrsiedeln wollen, sondern wir meinen hier die spezifische Anteilnahme am Werke des Volkes, am nationalen Aufbau, die Erfüllung gewisser, für das beginnende Wirtschaftsleben und kulturelle Leben notwendiger Funktionen. Gerade die deutschen Zionisten sind für diese gemeinnützige Tätigkeit außerordentlich prädisponiert. Es gibt eine ganze Anzahl von Kräften, die eine vorzügliche fachliche Ausbildung in den verschiedenen Gebieten haben, und dazu kommt die psychologische Eignung durch das Verständnis für die jüdischen Probleme, insbesondere auch durch die Berührung mit dem Ost- Judentum, das in Palästina auch in Hinkunft Zweifellos das dominierende Element sein wird. Es ist unbedingt notwendig, daß die Organisation die Dis- Position über diese wertvollen Kräfte, die aus dem deutschen Judentum herausgeholt werden können, übernimmt. Zu diesem Zweck müssen auch für bestimmte Funktionen Menschen erst herangebildet werden und nie Organisation muß entsprechende Ausbildungsinöglichkeitcn schaffen. Vor allem ist es eine Hauptaufgabe der Organisation, den jungen Menschen Hilfe zu leisten, welche als arbeitende Pioniere nach Palästina gehen wollen und jetzt schon ihren Beruf so wählen, daß sie für diese Aufgabe geeignet sind. Die Vorbereitung der Menscheu für Palästina muß endlich in ausreichendem Umfang in Angriff genommen werden. Kleine Ansätze hierzu waren bisher schon vorhanden, aber sie sind bei weitem ungenügend. Es wird erforderlieh sein, daß die Organisation im Verein mit den in Betracht kommenden Gruppen, vor allem mit den Chain/.-Organisation cn, diese Aufgabe Zu lösen unternimmt. Der Delegiertcntag wird auch über diese Frage sprechen und eindeutige Richtlinien der künftigen Arbeit aul'stellen müssen. Die bevorstehende Jahreskonferenz wird die praktischen Palästinafragen in ihrem ganzen Umfang LaL״1,»״u rv - י * י -»• t dern, daß die Palästinaarbeit der Zentrale unter sachverständiger Leitung in weit umfassenderer Weise in den Kccis der Tätigkeit gezogen wird als bisher. Der Zionismus ist die Bewegung, welche die Erneuerung des gesamten jüdischen Lebens umfaßt. Um das Material für Palästina zu gewinnen, muß auch das Reservoir, aus dem es geschöpft werden kann, in den Kreis der Tätigkeit einbezogen werden. Palästina wird belebend auf die Diaspora einwirken, aber die Diaspora muß für diese Wirkimg aufnahmefähig gemacht werden. Die zionistische Organisation wird sich in der jetzt anliebenden neuen Periode noch weit stärker als bisher der Arbeit der Nationalisierung des deutsehen Judentums zuwenden müssen. Dabei muß der Anfang vor allem in den Reihen der Zionisten selber gemacht werden. Es kann sieh dabei heute nicht mehr um ein bloßes Lippenbekenntnis zum Nationalismus handeln, sondern um den Beginn einer wirklichen Verwurzelung in unserer nationaien Kultur und klare Orientierung des Bewußtseins in jüdischem Sinn. Auf dem Wege zur Natio- «alisiertmg ist heute vor allem die Jugend vorangegangen, die ein gewisses Mal) nationaler Bildüng erreicht hat; es genügt aber nicht, daß dieser Prozeß so nebenbei und gewissermaßen illegitim vor sich geht; er muß vielmehr durch zielbewußtes Eingreifen gefördert werden, vor allein muß dem Ausbau des jüdischen Erzielvungs- und Bilduiigsvvescns ein entscheidender Platz in unserer Tätigkeit eingeräumt werden. Dazu bedarf cs zweifellos auch gewisser politischer Schritte und vor allem der Eroberung der jüdischen Gemeinden, welche immer mehr zu Zentren jüdischen Lebens gemacht werden müssen. Neben dieser Erziehung-;- aufgabe ergibt sich aber aus der heutigen Situation des deutschen Judentums noch eine Fülle anderer Aufgaben. Die soziale Struktur unserer Gemeinden hat in der letzten Zeit durch dyn Zuzug der Ostjaden eine gewisse Aenclerung erfahren. An dieser Tatsache dürfen wir nicht vorbeisehen und wir müssen die daraus sich ergebenden Probleme zu bewältigen trachten, auch wenn es sieh um Problcmc handelt, die dem deutscher! Zionismus bisher ferngelegen sind. Dabei wird es sich natürlieh nicht nur um spezifische Aufgaben der Xionistisehen Organisation handeln, sondern auch da muß es unser Bestreben sein, das ganze deutsche Judentum über seine Verpflichtungen aufzuklären und für reale Volksarbeit zu gewinnen. Seihst die Hilfstätigkeit ist bis heute noch recht desorganisiert und wird vielfach nach alten Methoden völlig unproduktiv vorgenommen, was nicht nur einen schlechten Einfluß auf die Menschen hat, sondern auch eine ungeheuere Vergeudung finanzieller!Mittel/ ist. Uns Nationaljuden sind notleidende Juden' niemals Objekte charitativer Tätigkeit, sondern wir fühlen die Verpflichtung, unseren Brüdern wieder zu einem menschenwürdigen Leben zu h.lfctg besonders dort, wo ihr Mißgeschick ein spezifisches Judenschicksal ist. Die Ostjudenf ag’e erheischt auch eine intensive politische Arlx , ebenso wie das Anwachsen der antisemitischen Bewegung eine Auseinandersetzung mit unserer L inweit und energischen Maßnahmen zum Schuft der Juden erfordert. Wenn der Delegiertcntag ,üb r diese Frage sprechen wird, so muß er dabei sich verhalten, daß eine solche Tätigkeit keine Beeinträchtigung unserer palästinensischen Arbeit :st, sondern daß jede Intensivierung jüdischen Lebens und jüdischer Arbeit letzten Endes auch Palästina zugute kommt. Wenn wir erweisen, daß nichts Jüdisches uns fremd ist, daß wir mitten im jüdischen Weiden drin stehen, dann werden wir zu einer Integration unserer gesamten jüdischen Kräfte kommen, die uns erst recht zu der außerordentlichen Leistung befähigen wird, die uns bevorsteht. Der Delegiertcntag wird diesmal zweifellos noch stärker als seine Vorgänger ein differenziertes Gepräge tragen. Die Entwicklung, ׳Q\.׳n 'Äns'chaumußte dazu 6‘l'־־^vichtißSten iXoblemkomplexen Gruppen bilde״, die auf dem Delegiertcntag und in der Partei überhaupt als Fraktionen in Ersehetuuug ircicu. üiue sulche Differenzierung kann unseres Erachtens der zionistischen Arbeit nur förderlich sein. Durch sie werden viele Kräfte für die nationale Arbeit gewonnen und stärker gefesselt, als es in der undifferenzierten Gesamtorganisation der Fall sein könnte. Diese neue Situation erheischt aber auch von den Delegierten ein hohes Maß politischer Reife, für die bei uns Juden vielfach noch die Schulung fehlt. Ucber allen Meinungs- Verschiedenheiten aber muß, wenn auch nicht die Einheitlichkeit, so doch die Einheit des nationalen Wollens stehen. Der Zionismus tritt in eine neue Epoche ein. Für Deutschland wird dieser Delegiertentag ihren Ausgangspunkt bilden. R. W. Bestätigung der Ernennung Herbert Samuels London, 10. Juni. (Telegramm der ״Jüdisehen Rundschau“.) Die zionistische Organisation veranstaltete gestern abend ein Festbankett zu Ehren Herbert Samuels vor seiner Abreise nach Palästina. Samuel hielt eine Rede, in der er sagte, daß die Landregistcr baldfürden Ankauf von Land in Palästina geöffnet werden. Die jüdische Einwanderung wird entsprechend der Entwichtungdes Landes zugelassen werden und wird beträchtlich sein. Solange die Grenzen nicht festgesetzt sind und das Mandat nicht fixiert ist, wird die Entwicklung langsam vor sich gehen. Bei der ganzen Arbeit wird die zionistische' Organisation einen führenden Anteil nehmen. Samuel sagte, er werde ausführlichere Mitteilung machen, wenn er seine Stellung in Palästina a״getreten habe. London, 0. Juni, (Tel. der ״Wiener Morgen- Zeitung“..) In einer Anfrage des Unierhausniitgliedes Ormsby Ci o re an den Ministerpräsidenten wird dieser ersucht, das Unterhaus darüber zu informieren, w a n n Palästina in die Verwaltung des Zivila d m in i s t r a t o rs übergehen und ob der soeben ernannte Zivilvcrwaltcr Herbert Samuel in Palästina eine den Beschlüssen von San Remo Rechnung tragende Politik befolgen werde. , Ministerpräsident Lloyd George antwortete, daß der zum Chef der Verwaltung von Palästina ernannte Sir Samuel unmittelbar der englischen Regierung unterstellt und dieser verantwortlich sein werde. Der genaue Zeitpunkt, an welchem derselbe sein Amt übernehmen wird, werde von der Regierung binnen kurzem mitgcteilt werden. 4

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