Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 38 (11.6.1920)
- Date
- 1920-06-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652228-2652266--13150-2670848- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 298 JUBDISeiiE RUNDSCHAU Nr. 38 Zionistische Bewegung Die 21. Konferenz der Englisli Zionist Federation Die Jahrcskonfcrciu der E. Z. F., dk am 30. Mai in London eröffnet wurde und drei Tage in Anspruch nahm, hat besondere Bedeutung durch die Mitteilungen erhalten, die Wcizmann dort gemacht hat. Wir bringen seine Acußerungen an anderer Stelle und werden auf sic noch zurückkommcn. Aus den Verhandlungen der Tagung, die sich mit dem ganzer» Komplex der organisatorischen Fragen befaßte, sind folgende Einzelheiten bemerkenswert: Resolutionen zur Politik, t. Di. Wei/mann brachte folgende Resolution ein: ״Die 21. Jahreskonferenz der englischen Zionisten• Föderation spricht dem Obersten Rat ihre Dankbarkeit aus für die Einverleibung der Balfourdeklaration in den türkischen Friedensvertrag auf der Konferenz von San Remo am 24. April, sowie für die Ucbcrtragung des Mandats für Palästina an Großbritannien; sie gibt ihrer vollen Anerkennung für die bedeutenden Verdienste Ausdruck, die die Staatsmänner der alliierten Völker und der vereinigten Regierungen sich durch ihre Mitarbeit an diesem denkwürdigen Werk für die jüdische Nation erworben haben; sic verspricht, daß die Zionisten Englands keine Mühen und keine Opfer scheuen werden für die Wiederherstellung Palästinas als jüdischnationale Heimstätte.“ 2. Resolution Rev. J. K. Ooldbloom Dr. Da ich es: ״Die 2E Jahreskonferciu der E. Z. F. spricht im Namen der Zionisten Großbritanniens ihre tiefe Befrie• digung und Dankbarkeit aus, daß das politische Ziel der zionistischen Bewegung, wie es von unsenn unsterbliehen Führer Theodor Hcrzl im Baseler Programm bestimmt worden ist, internationale Anerkennung gefunden hat; die in dieser feierlichen Stunde unserer na• tionaien Befreiung versammelte Konferenz dankt Sokolow und Wcizmann für das mit Gottes Hilfe vollbrachte Ruhmeswerk unserer Geschichte und beglückwünscht gleichzeitig Lord Rothschild, daß er der Ueberbringer dieser Freudenbotschaft an das jüdische Volk sein durfte. Die Konferenz gelobt, unsere Führer in ihren weiteren Arbeiten am Wiederaufbau unserer alten Heimat in Erez- Israel nach Kräften zu unterstützen.“ Zum 25-MiDionen-Fonds. ״Die Konferenz begrüßt die Schaffung eines 25-Millinen-Fonds für den Wiederaufbau Erez-Israels, und jeder der Delegierten verpflichtet sich zur Selbstbcstcuerung bis zur Äußersten Leistungsfähigkeit für dl« Dauer von zehn Jahren“ Zur Kulturfrage. Die Kulturdebatte der Tagung war die erste Dis• kussion in England, die in hebräischer Sprache geführt wurde. Dawid Y c 11 i n sprach über den Wert der heb räischeiP Erziehung und machte praktische Vorschläge für die Tätigkeit zur Wiederbelebung des Hebräischen. Slatopolsky sagte, inan solle in der Freude über politische Erfolge nicht die Pflege des Hebräischen vergessen. Hebräische Kindergärten und Schulen genügen noch nicht; die Schüler müssen in einer hebräischen Umgebung aufwachsen. Kein Jude, der nicht hebräisch könne, dürfe nach Palästina komme». Herr Morgenstern brachte folgende Anträge des hebräisehen Komitees zur Verlesung: Da die hebräische Erziehung in England nicht or• ganisiert ist und keinem besonderen Komitee untersteht, ersucht das hebräische Komitee, die Konferenz zu bcschließen: 1. Daß die Zionisten baldmöglichst ein Erzichungsdezernat schaffen, das sich zusammensetzt aus Vertretern der Talmud-Thoras, Lehrern und Nationaljuden, die die Erziehung der Jugend begutachten. 2. Das Erziehungsdezernat soll sofort ein Programm für alle Erziehungs-Institutionen ausarbeiten. 3. Die Zionisten sind verpflichtet, Einfluß auf die bestehenden Erziehungs-Institutionen auszuüben und sich zu bemühen, Schulen für die Jugend und Abendklassen für die erwachsene Jugend ins Leben zu rufen, sowie sie finanziell und moralisch zu unterstützen. Eine Palästina-Sondcrtagung. ln» Namen der jungzionistischen Fraktion brachte Dr. Proujansky folgende Resolution ein: ״Die Konferenz möge nach dem Beispiel der zionistischen Organisationen in Amerika und anderwärts die Leitung ersuchen, eine Spezialkonfercnz einzuberufen, dk Beschlüsse für die Stellungnahme der Föderation z u allen palästinensischen Fragen zu fassen hat.“ Dr. Proujanskys Antrag wurde nach längerer Debatte mit 24 gegen 17 Stimmen angenommen. Die Sonderkonferenz winde für den 20.. Juni festgesetzt. Die Delegierten zur Jalircskonferenz. Zur Jahreskonferenz wurden folgende Delegierte gewählt: Lord Rothschild, die Herren Coldbloom, Shire, Horowitz, Goodman, Dr. Brodctsky, Herr P. P. Baker und Fräulein Ginsburg. . Stuart Samuel als Gast. Als Stuart Samuel für einige Zeit in der Sitzung erschkn, wurde er vom Vorsitzenden begrüßt. In seiner Dankrede sagte er, jetzt komme die Zeit der praktischen Arbeit. Die zionistischen Fülirer sollten alle Teile des Volkes zur Arbeit heranziehen. England könne jetzt die jüdische Intelligenz mobilisieren, man sollte alles versuchen, um die Zusammenfassung , aller Kräfte wirksam zu machen. Die Wahlen. Die Wahlen hatten folgendes Resultat: Präsident: Dr. Wcizmann, Vizepräsidenten: Rev. J. K. Goldb 1 0 o in , Dr. S. Da ich es, P. G 0 o d in a n , und J. Owen; Vizepräsidenten für die Provinz: 11. Sacher und P. P. Baker; ehrenamtlicher Sekretär: P. Horowitz. Londoner Mitglieder der Leitung: Shire, J. Cohen, M. L. P e 1 I z w c i g , Fräulein O. Ci insbürg, Herr L. Eisen, L. Passof־, N. Lazarus, M. L c v y , H. Hoobcrma n und A. T a r1 o. Zum Stellvertreter für Israel Coiien, der auf neun Monate verreist, wurde Herr S, T e f f ernannt. Mitglieder für die Provinz: Dr, Salis Daichcs, Dr. S. Brodetsky, Rabb. i. Raffalowich, So. Cohen, Frau I. M. Sieff, Herr N. I. Adler, Fräulein H. Weisberg, B. 13. Benas, 11. Comor und Dr. S. J. Fox. Die Beschlüsse der amerikanischen Convention Wir bringen ün folgenden zusamiueufasscuü die Beschlüsse, die von der zionistischen Convention in New York am 9. und 1». Mai angenommen worden sind: 1. Die Gelegenheit, die jüdisch-nationale Heimstätte wieder aufzurichten, ist für ganz 1 s r a e. gegeben Jeder Jude muß von jetzt an für seine Person Anteil an dem Wiederaufbauwerk nehmen. 2. Die Delegierten für die bevorstehende zionistische Weltkonfercnz sina angewiesen, die Annahme des Pittsburger Programms durch die zionistische Weltorganisation zu verlangen, weil dieses Programm mit den Idealen der Propheten Israels in Einklang steht und den Willen unu das Vermögen des jüdischen Volkes zu sozialer Gerechtigkeit in der jiidisehen Heimat zum Ausdruck bringt. Dabei \vird_ auch die Notwendigkeit der Schaffung verantwortlicher Stellen für die praktische Durchführung dieses Programms betont. 3. Die Zionistische Organisation wird aufgefordert, von der britischen Regierung die sofortig,e Üeffnung Palästinas für jüdische Einwanderung zu fordern. 4. Im Interesse der Volksgcsundheit wird die zionistische Organisation ersucht, unverzüglich einen vollständigen Plan für öffentliche Gesundheitspflege und iirztliehe Hilfe für alle Einwohner Palästinas auszuarbeiten. 5. Es wird die baldmöglichste Errichtung von Ver- Suchsstationen, Laboratorien, sowie die Einsetzung permanenter Fachkommissionen von Ingenieuren, medizinischen und anderen Sachverständigen empfohlen, um den Aufbau Palästinas vorzubereiten. 6. Der Zweck dieser Convention ist, der zionistisehen Organisation Amerikas unverzüglich aktive und dauernde Teilnahme an den verschiedenen ausführenden Körperschaften der zionistischen Weltorganisation durch die Mitgliedschaft gewählter Vertreter zu sichern. Die Convention beauftragt daher die amerikanischen Delegierten in diesem Sinne. 7. Die amerikanischen Delegierten sollen bei der Konferenz die Annahme eines Budgetsystems fordern, das nach Rücksprache mit den Vertretern der verschicdenen konstituierenden Föderationen ausgearbeitet werden soll. 8. Diese Resolution billigt den Beschluß, den Jewish Colonial Trust zur zentralen Finanzinstitution zu machen; er regt die Zusammenarbeit des nationalen Exekutivkomitees mit dem J. C. T. und der Anglo- Palestine-Coinpany an, und verlangt die Unterstützung des jüdischen Nationalfonds. « 9. Dr. Norilau wird zu seinem Geburtstag beglückwünscht; es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß er es erleben möge, Palästina als freie und blühende jüdische Heimstätte zu sehen. 10. Um eine, klar formulierte una endgültige Be- Schlußfassung aut der zionistischen Weltkonferenz zu erreichen, ersucht diese Convention die amerikanischen Delegierten, auf der Konferenz ihren Eintlub für die Annähme eines parlamentarischen Systems geltend zu machen, demgemäß sollen die Beratungen■ der Konfereuz auf bestimmten Resolutionen, die von durch diese Körperschaft ■gewählten Ausschüssen eingebracht werden, fußen; die Konferenz soll keine Frage, über die nicht auf diese Weise berichtet Ist, zum Austrag bringen, wenn nicht ein Votum von einer Majorität der anwesenden- Delegierten vorliegt. Eine weitere Resolution bringt die .Anerkennung für abotinski und seine Kameraden zum Ausdruck, die loffnung auf ihre völlige Freisprechung und schleunige Befreiung. ,,Wir sind stolz, daß die Juden Palästinas, unter der Führung ihrer Rabbiner, in einer am Sabbat Unterzeichneten Petition die Verantwortung für Jabotinskis Vorgehen mit übernommen haben.“ Bei der Eröffnung der Convention wurden einstimmig Resolutionen angenommen, die der britischen Regierung, den Alliierten, den Vereinigten Staaten und dem Präs»- denten Wilson danken, und ferner die Dankbarkeit und Anerkennung für -Wcizmann und Sokolow zum Ausdruck bringen. . N.-FJ-yertrauensmännerkonferenz Es wurde bereits mitgcteilt, daß während des Delegiertentages eine Konferenz der deutschen N. - F. -Vertrauensleute stattfindet. Sie ist diesmal besonders wichtig, weil Inf gegenwärtigen Zeitpunkt, unmittelbar vor Beginn des Aufbaus von Palästiua, sehr viel von dem Erfolg der Natioilalfondsarbeit abhängt. Die deutsche Zentrale des N.-F. ladet daher alle Vertrauensleute für Mittwoch, den 23. Juni, abends »/»9■ Uhr, in den Biüthner-Saal, Berlin W., Lützowstr. 76, ein und rechnet auf zahlreiches Erscheinen. Die Vertrauensleute werden dringend ersucht, ihr Einverständnis der Zentrale umgehend mitzutcilen. Die Tagesordnung wird durch besonderes Rundschreiben bekanntgegeben. Zentrale des א aiionalfon dg. Der XV!. Delegicrtentag findet am 20. (abends), 21., 22., 23. und 24. Juni 1920 Im Blüthnersaaf, Berlin W. 33., Lützowstr. 76, statt. Für alle öffentlichen Versammlungen des Dcleglertentage* werden Zuliörerkarten zu folgenden Preisen ausgegeben: Für die ganze Tagung M, 10.—, für die Eröffnungssitzung M.5.—, für die einzelnen Verhandiungsfage ä M. 2.—. Die Karten werden Im Vorverkauf abgegeben. Da nur eine beschränkte Anzahl von Oastkarien ausgegeben werden können, empfiehlt sich, insbesondere für auswärtige Mitglieder, Vorbestcllung gegen Voreinsendung des Betrages. Für Berliner Gesinnungsgenossen ist ein Kartenvorvcilauf im Büro der Zionistischen Vereinigung für Deutschland «n Wochentagen, außer Sonnabend, in der Zeit von 8—3'/, Uhr eingerichtet worden. Es stellt sich als unbedingt notwendig heraus, Delegierte in Privatwohnungen unterzubringen. Wir bitten daher dringend alle Berliner Gesinnungsgenossen, die in der Lage sind, einen oder mehrere Delegierte bei sich aufzunehmen, uns dies unverzüglich mitzutcilen. Wir rechnen hierbei mit Bestimmtheit auf die Unterstützung unserer Berliner Freunde, da es besonders jugendlichen Delegierten vielfach unmöglich ist, die heute sehr großen Kosten für den Hotelaufenthalt aufzubringen. Berliner Gesinnungsgenossen, die Delegierten während der Tagung Unterkunft gewähren können, werden gebeten, sich sofort mit der TL V. f. D. ln Verbindung zu setzen. ,Nachstehende Gesinnungsgenossen stellen sich den Gruppen für die Uebcrnahme eines Mandate« zur Verfügung: Dr. Georg Wolist ein, Berlin, Dr. Eduard Liepntann, Berlin, C. Z. Klötzel, Berlin. Siegbert Stein, Berlin Dr. Albert B a e r, Berlin, Zahnarzt Licht witz, Guben, A. Kraus, Berlin, Lehrer Auerbach, Berlin, Paul Lindenberg, Berlin. Oemcldcte Delcgicrtenwalilen Fulda: Frl. Mali Wertheim, zurzeit Halbe, Delegierte. Fulda: Zionistische Jugendgruppe: Frl. Bella Birk, zurzeit Hatte, Delegierte. Cöln: Airin Hofmann, R.-A. Arthur Cahn, Cöln, Delegierte. Cöln: Haschachar: David Koh n , Joel Grünb 1 a 11, David Abt, Cöln, Delegierte; Sarah Todtfeld, Jo- . achim Fink, Mendel Bader, Cöln, Ersatzdclegiertc. Cöl n: Hapoel-Hazair: Georg Landa ue r, Cöln,Delegierten Stettin: Hermann Jacob, Frl. Alice Tannen- \v a 1 d, Stettin, Delegierte; Ludwig Pincoft's, Berlin, Z.-A. Hans Nathan, Berlin, Ersatzdelegierte. Konstanz: Dr. Felix Theilhaber, Berlin, Delegierten Karlsruhe: Dr. Theodor Zlocisti, Berlin, Hermann Ellern, Karlsruhe, Delegierte. Duisburg: R.-A. Dr. Harre Epstein, Frau Bertha Epstein, Duisburg, Delegierte; Dr. Walter Prcnß, Duisburg, Praktikant Reinhold Cohn, Berlin, Ersatzdelegierte. Anfrage des GescliSftsführenden Ausschusses zum Delegiertentage Der Geschäftsführende Ausschuß beantragt die Abander ung des Statuts der Z. V. f. D. in folgenden Punkten: § 8 erhält folgende neue Fassung: Jedes Mitglied der Z. V, f. D., welches das 18. l.ebensjahr vollendet hat, hat das aktive Wahlrecht zum Delegiertentage. § 9 erhält folgenden 2. Absatz: Das gleiche gilt für Jugendvereine, die mit Genehmigung des Landesvorstandes als selbständige Gruppen der Z. V. f. D. anerkannt sind. Ortsgruppen und-* Jugend vereine, die noch nicht drei Monate existieren, naben kein Wahlrecht. § 16 erhält folgende neue Fassung: Die leitenden Sekretäre der Z. V. f. D. und die Redakteure der ״Jüdischen Rundschau“ haben während der Dauer ihres Amtes Sitz und Stimme im Zentral- Komitee. § 22׳ erhält folgende neue Fassung: Mitglieder zionistischer Sondereerbände können, * sow׳cit sie irn Gebiete des Deutschen Reiches wohnhaft sind, auch Mitglieder von Ortsgruppen der 2. V. f. D. sein; sie haben dann alle Rechte und Pfiichten der Ortsgruppcnmitglieder. Gruppen zionistischer Sonderverbände können sich als solche geschlossen der Z. V. f. D. anschließen; sie haben dann alle Rechte und Pflichten von Ortsgruppen. Das Wahlrecht zum zionistischen Kongreß haben Sondervcrbands-Mitglieder und Sondereerbands-Oruppen, jedoch nur in ihren Sonderverbänden gemäß deren Bestimmungen. § 24 erhält folgende neue Fassung: Die Höhe der Beiträge zur Z. V. f, D. ,wird durch den Delegiertentag festgesetzt. Das Wahlrecht zum Delegicrtentag ist von der Zahlung dieser Beiträge abhängig. Außerdem sollen d:c den Landesverbänden angehörigen Zionisten gemäß ihrem Einkommen und Vermögen die Ziojrislensteuer zahlen. Ermäßigungen der Landesbeiträge für Mitglieder von Sonderverbänden, die, gleichzeitig den Landesverbänden angehören wollen, kann der Landcsvorstand bestimmen Vom ״Hapo£!-Haza!r“ zentrale Waad des deutschen Landesverbandes Hapoel-Hapir teilt mit, daß die Adresse seines Sekre* tariates seit 1. Juni lautet: Berlin-Schöneberg, Schwäbische Str, 19. (Telephon Nollendorf 431.)