Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 38 (11.6.1920)
- Date
- 1920-06-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 296 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 38 Die Berliner Gcmcindewahlcn I ür die Vahle״ zur Berliner Jüdischen Gemeinde’ liaben auch die Poale Zioi» eine eigene Kandidatenliste aufgestellt, als deren Führer der bekannte Abgeordnete I>r. Oskar Cohn figuriert. Da poaiezionlstischc Wahlkomitec hat einen Antrag der Jüdischen Volkspartei auf Listen-, erbindinig uhgclchut. Dies ist außerordentlich zu bedauern, da durch dieses Vorgehen die Befürchtung berechtigt wird, daß durch Stimmenzersplittcning der oppositionelle Block geschwächt wird, so daß die Wahlaussichten der hhernl-assiiui'.atovischcti Liste steigen. Ls ist praktisch besonders bedenklich deshalb, weil die Aussichten der Liste Oskar (lohn, auch nur einen Kandidaten dm di/ubraigeu, äußerst schwach sind. Bei allen sachlichen Differenzen, die etwa /wischen dem Poalc-Zioii und der Jüdischen Volkspartei bestehen mögen, hätte das Ziel der Bekämpfung des gemein- ,־-amen Gegners unbedingt vorangestellt werden müssen. 1 's handelt sk־h heule vor allein darum, die liberale Herrschaft hi der Gemeinde zu ־brechen. Daß die Poale- Zion durch ihre Sonderpolitik und durch die Ablehnung der ihrem Wesen mach die Stellung der zwei verbindenden Parteien nicht präjudi/iereuden, sondern nur ihre Solidarität in der Bekämpfung der heutigen Machthaber dokumentierenden Listenverbiiulung eine Beeinträchtigung des l'rfolge . möglich machen, beweist nicht nur Mangel an nationalem Instinkt, sondern auch an politischer Klugheit imd Vi'runiworilkhl.eitsgcfülil. Die Aufstellung einer Kandidatur Oskar Cohn wäre pellt nur wegen der auch in politisch andersdenkenden Kreisen hochgeschätz- 1en Persönlichkeit des Listenfiihrcrs, sondern auch darum zu ׳begrüßen gewesen, weil durch sie vielleicht eine Anzahl so/inlistisch gesinnter Juden, die bisher an len GemchKle.n1״clegenhcitcn gar kein Interesse hatten, zur Anteilnahme veranlaßt werden. Dennoch m ü s s e u v, i r mit allem Nachdruck darauf h i 11 w e i s e n, da 11 n u r d i e Liste d c r J i'1 d i s c 11 e n V o 1 k s p a r 1 e . Aussicht auf Erfolg hat und daß 11 a 11 e r jede S t i m m e , die f 11 r die poale- ׳ Io 11 i s I I seh r Liste abgegeben wird, in-! o I g e «11• r a h g e 1 e 11 u t e n Listen verbind u 11 g und ihrer geringen eigenen Aussichten \!׳ r 1 o 1׳ e n g e 111. n;e Jüdische Volkspar'ici entfaltet bereits eine rege ׳V'.piatioiistätigkcil, Ls haben mehrere Versa inm- 1׳ ngeo stattgefmiden und wir verweisen auf die An-! ündigimg u.id die Affidien auf den Berliner Anschlagsv.uloit. Nach dem z.utagetretcnden Interesse ist eine rege Wahlbeteiligung zu erwarten und es ist sclbstvcr• ständlich, daß nicht nur jeder zionistische und nationale Jude, sondern jeder Jude, der das liberale Gemeinderegime als eine Entwürdigung des Judentums undSchädiguiig der jüdischen Interessen ansieht, um 27, Juni zur Urne geht und die Liste der Jüdischen Volkspartei wählt. , 1 1 Wahlvorschlag der Jüdischen Volkspartet 1. Dr. Alfied Klee, Altonacr Str. 7, Rechtsanwalt. 2. Prof. Dr. Heitir. Locwe, Fleiningstr. 12, Bibliötliekar. 3. Dr Abraham Lob, Güntzelstr. 3, Rechtsanwalt. 4. Max Lewit, Kleiststr. 25, Fabrikant. 5. Dr. Gustav Witkowsky, Westfälische Str. 35, Arzt. o. Gnstai l.össer, Braimsberger Str 5, Holzhändlcr. 7. Dr. Jacob Tugend reich, Grunew., Winkler- Str. 23, Arzt, S. Dr, Max Strauß , Bregenzer Str. I, Rechtsanwalt, 0. Sicgmuud Rochelsohn, Hcinersdorfer Str. 17, Kaufmann. 10. Leo Kreiiidlcr, Pfalzburger Str. 10, Sekretär der Jüdischen Gemeinde, 11. Alfred Scherk, Neue Jacobstr. 6, Möbelhändler, 12. Bruno l)ob r z. y n s k i, Charl., Scldüterstr. 60, Maßschneider. 13. Dr. Theodor Zlocisti, Südende, Denkstr. 3/4, Arzt. 11. Hans Goslar, Rankest!-. 30, Regierungsrat. 15. Joseph Himmel, Mnrkgrafcnstr 83, Fnbiikhcsit/er. 16. Julius M a!1 d e l b a u m , Neue Ansbaelier Str 12, Sduihniachcrgeselle. 17. Max Holz, Lychencr Str. 115, Kaufmann. 18. Hermann liileski, Wallncr-Theater-Sir. 31, Kaufmann. 10. Max Fcblowicz, Rosenthaler Str. 4, Reditsanwalt, 20. Philipp G r ü n b a 11 m, Invalidenstr. 142, Kaufmann. 21. Samuel Haarpuder, Neuk., Hobrcchtstr. 35/36, Kaufmann, 22. Adolf Kraus, Köpenicker Str. 136, Fabrikant. 23. Felix Rosenblütn, Pariser Str. 18a, Rechtsanwalt, Wtthler im Hansa-Viertel, Sprechstunden tn Ocmelndgwahl-Angctegcnhclten bei Böhm, Caminer und Co., Flensburger Str. 3, täglich abends 8 bis 0 Uhr, 1 vifen wir zair Mitwirkung im Grim'imlmvnhlkiunpf anf. Wir kütnpfun für Ktter Wnldioclit■. Wir wollen Buch (hm KiiifluM in der Gemeiudo erringen, der den llülern des ,jüdiscliCD HauNVs zukominl. Unterstützt deshalb unsere Arbeit. Sorgt dafür, . dass Bur« (!alten und Siilme um 20. Juni die laste der Jüdischen Vnlkspartei, dio LLiJa SUOß» wühlen. Helft uns bei den Wahlvorbereitungen, ]irojiagiort unsere Gedanken, summelt Geld für unseren Wnblfunds, unterstützt j unsere Werbetätigkeit, um Wahltage. i Moldungen von Mitarbnilern werden im Büro deFVolk»- Partei entgogenge 11 (immen. Jüdische ¥ofö5pariei Qcrlin C. 2, IleiligegfiistStrasse 62. l-'ornsprecher: Centrura (1610). l'u-tsrliek 8! 322, BotaUoin & B »er, Schatzmeister der Volkspavnd. ^'2'־״׳®, יי '*1<־-,ץלזי־--^ח’לו^^וו''"ו'r»•וי'«״,’»««■«*•>׳«■>«■<׳•*•»■’■•«•■( Der klerikal-liberale Block Wir erhalten folgende Zuschrift: ״Nr. 31 der ״Jüdischen Rundschau“ bringt einen Artikel ״Der klerikal-liberale Block“, unterzeichnet I)r. Gustav Witkowsky. der eine Reihe den Verein zur Lihultmig ilcs überlieferten Judentums, wie meine eigene Person betreffende Behauptungen aufstellt, die sämtlich unrichtig sind. 1. Ls ist unwahr, daß ich im Jahre 1013 ein mit dem Neuen Jüdischen Geincmdcvcrein geschlossenes Abkommen im Stich gelassen habe, um für meinen Verein ein Mandat zu erhaschen. Wahr ist vielmehr, daß der Neue Jüdische Gemeiudcvercin sich an dem Kompromiß nicht beteiligte, weil sein Vorsitzender, Herr Dr. Alfred Klee, als Kandidat von den Liberalen nicht akzeptiert wurde und die Verhandlungen wegen eines Ersatzmannes sich am Ende zerschlugen. 2. Ls ist unwahr, daß ich jemals den Versuch gemacht habe, das allgemeine Wahlrecht für die Gemeinde zu sabotieren. Wahr ist vielmehr, daß ich, um den A'usiiN 11K Voihcdiugimg iür die Wahl aus/.uschalten, den Vorschlag machte, eine fiktive Veraulagütig der keine Gemeindesteuer zahlenden Wähler mit dem Satze von M. 1,50 vorzunehmen; ein Vorschlag, der sofort von allen Beteiligten, auch von den Vertretern des Neuen Jüdischen üctueindevcrcins, akz.cptiert wurde. 3. Ls ist unwahr, daß ich je versucht habe, mich selbst au die Spitze der zionistischen Liste zu »lazieren. W a 11 r ist vielmehr, daß bei diesen Verhandlungen, die übrigens nicht ״vor Monaten“, sondem vor 7,wei Jahren staUfandcn, ich meine grundsätzlichvn Bedenken gegen eine gemeinsame, mit dem Namen Alfred Klee" beginnende Liste äußerte. Berlin, 8. Juiu 1020 M (»ritz A. I o c b " Entgegnung. 1. Den gegen Hern•. Loch erhobenen Vorwurf, daß er ein mit uns geschlossenes Abkommen nicht gehalten hat, mul! ich vollinhaltlich aufrecht erhalten. Vcrhandlungcn über einen Ersatz für Dr. Klee haben nie statigcfuudcii. Dessen Kandidatur war für uns wie für licrni Loc!> conditio sine qua non eines Komprotnisses mit den Liberalen. Während wir fest blieben una vom Kompromiß zurücktraten, fiel Herr Locb um und einigte sich mit den Liberalen, als diese Klees Kandidatur nblehnten. 2. Herr Loeb hat das allgemein» Wahlrecht zu sabotieren versucht. Er hat unsere Bemühungen, eine gemeinsame Aktion der Parteien und Gcnieindcbchörden bei■ der Regierung zugunsten des allgemeinen Wahlrechts licrbeiz.uiüjiren, nicht unterstützt. Als endlich dank unserer alleinigen Arbeit der bekannte Regierungserlaß bezüglich des Wahlrechts erschien, hat Herr Loeb unserer Forderung nach Auf- Stellung einer völlig neuen Wählerliste sich widersetzt und nur die nachträgliche Zulassung der Kriegsteilnehmer akzeptieren wollen. 3. Herr Loeb gibt zu, sieh der Kandidatur Klees an erster Stelle aus grundsätzlichen Bedenken widerset/t zu haben. Das genügt mir. Linen liberalen Lisicnfiilirer anzucrktiuicn, lag für Herrn Loch kein grundsätzliches Bedenken vor. Aus solchem widerspntchsvollen Verhalten habe ich einen psychologischen Sclilub gezogen, den Herr Loeb als unwahr bezeichnen mag. Entscheidend kann für mich nur das Urteil der unbefangenen Leser sein. Dr. Gustav Witkowsky. Jüdisches Arbeitsamt Wir fordern alle Gesinnungsgenossen auf, uns mögliehst umgehend Adressen von jüdischen Gütern mitzuteilen. Es handelt sich um die Unterbringung ostjüdischer Arbeiter. Ebenfalls bitten wir dringend! uns jede andere Arbeitsmöglichkeit für diese Arbeiter unv gehend mitzuieikn. Flüchtlingsichrer aus Posen erteilt Unterricht, am liebsten Hebräisch und Religion in besseren Familien. J ü d, A r b e i t s a in t, Berlin, Monbijouplatz 1. Lehrstelle gesucht. i;ür einen vierzehnjährigen ostjüdischen Flüchtling, Waise, wird Lehrstelle mit Wohnung und Verpflegung eventuell Lehrstelle und Pfkgestclie getrennt, gegen Bezahlung gesucht. Arbeiterfürsorgeamt, N. 24, Auguststr. 15. KULI . Abermals ״Verax“ Wir haben in Nr. 34 der ״Rundschau“ den Nachweis geführt, daß der Zenlralvcrein deutscher Staatsttirger jüdischen Glaubens einem Mitarbeiter seiner Zeitschrift, der unter dem Pseudonym ״Verax“ scltmltf, Angriffe auf die zionistische Bewegung und auf mehrere ihrer Führer gestattet hat, die nur unter hartnäckigster Verleugnung der Wahrheit ausgesprochen werden konnten. Wir müssen heute feststellen, daß dieser Nachweis auf den Zcntralvcrein ohne jede Wirkung gcblübeti ist. Die soeben erschienene Juni-Nummer ״Im dem■- sehen Reich“ enthält abermals einen Beitrag von ״Vc.nx“, der an Verlogenheit nicht mehr zu iibcrbictcn Ist. Abermals wird wider besseres Wissen behauptet, tlaß Liehtheim und kuppin ״die Enteignung der Araber“ gefordert hätten. Ls fehlt uns die Möglichkeit, hier jede ein/elne Unwahrheit und Halbwahrheit, die Herr Verax seinen Lesern anftischt, zu erwähnen und zu widerlegen. Zur Kennzeichnung seiner Demagogie diene folgendes Xitut: ,,Eins aber verdient, daß inan darüber ent-.slieh nachdenke tuid sich’s fiel cinjrräge: in Galizien und Ungarn, solange sie unter der Herrschaft des rückschrittlichen, völkcrknechtciukn Oesterreich standen, in Palästina, solange es unter der!:rausameu Oberhnhcil der Türkei sieh hriuud, waicn Judenpogrome unerhört und undenkbar; -kfingen an zu wüten, sei; diese Länder unter den üherwättigeudeu Einfiub des völkerbefreicndvn. •iür ücierhtigkcit und Menschlichkeit kämpfenden Großbritannien geraten sind. Wie komim das:' Wir fühlen uns nicht Ix'mfcn, die englische Regierui'g gegen Verax zu verteidigen, sie hat unsreu Beistand nicht nötig. Aber es gehört eine Perl'klie sondergleichen dazu, durch sehr vorsichtig gefaßte Zweideutigkeiten den Eindruck erwecken zu wollen, als sei England der Anstifter der Pogrome in Ungarn und Palästina. Wo solche Pcrfidic in einem jüdischen Blatt gegen eine jüdische Partei angewandt wird, wiiili.t ־׳.ie sich zu einer Gemeinheit größten Stils aus. Herr Verax bemuhi sieh, darzutun, daß die Politik des Zionismus die Gegnerschaft der Araber zur Folge gehallt hat. Das sind politische Anschauungen, über die sich streiten ließe, obgleich man;n:c!1 hierbei wieder damit beginnen müßte, die mangelnde Wahrheitsliebe des Herrn Verax zu k־onstaticren. Der Schlußsatz dieses Absatzes nun lautet: ״Alan sieht, dieser Pogrom ist von sehr langer Hand vorbereitet worden, von den rühren: der Araber und — den Führern der Zionisten.‘■ Jedes Wort der Entrüstung demgegenüber wäre zuviel. Wir konstatiere:» nur: unter dem Pseudcr.vm ״Verax“ veTb'.rgt sich Herr ß i 11 j a nt in S e g c 1 Herr B i 11 j a in i 1» Segel ist ein - L In a in a 1111! Dali dieser Ehrenmann den Zcntralvcrein bei!l.!1 Menschen mit politischem Saüoerkeitsgelühl in Vernvt bringen darf, ist ein unmöglicher Zustand. Vielleicht dämmert den Herren doch einmal die Erkenntnis, daß diese Art der ״Abwehr des Zionismus“ zwar diesen» nichts schadet, aber die Gegensätze in unverantwortlicher Weise vertieft und letzten Endes auf Sin selbst zurückwirkt. Gibt cs denn in den Kreisen des Zentralverein? keinen Journalisten, dessen Wahrheitsliebe!11 einem weniger grotesken Verhältnis zu seiner Geschicklidikcit steht? C. 7 K Vom jüdischen Arbeitsamt in Duisburg Nachdem schon längere Zeit hindurch Versuche, die jüdische Arbeiterschaft I )eutschlauds in Arbeiterkulturvereine:» ziisammcnziifassen. gescheitert waren, weil die jüdischen Arbeiter teilweise ein fluktuierendes Element darsteilen, andere Teile den! Gedanken indifferent gegen- Überständer», gelang es seit einigen Monaten an vielen Orten Arbeilerktiltnrvcreine zu errichten, in denen die jüdische Arbeiterschaft Gelegenheit hat, zusammen zu sein, sich kulturell weiterzubikler», sich Unterstützung zu gewähren und Arbeit zu verschaffen. Unter anderem wurde in Duisburg ein Arbeitcrkulhirverein gegründet, der bereits 100 Mitglieder zählt und der am Sonn* nheml, den 29, Mai seine Generalversammlung batte In ihr setzte Chasver Berggrün auseinander, daß cs notwendig sei, eine Zentrale zu bilden, die dafür Sorge zu tragen habe, daß ein Austausch zwischen den ein- *einen Vereinen stattfinde, daß schwache Vereine durch andere unterstützt und eine Wanderbibliothek iür Deutschland eingerichtet werde. Nach einer k-bltaftcu Diskussion wurde fo'gcnde Resolution angenommen: ״Der jüdische Arbeiterknlturvere'm Duisburg stellt sieh zur Aufgabe, in ganz Rheinland und Westfalen jüdische Arbc:terkulturverc:ne zu organisieren und tu allernächster Zeit eine Landeskonferenz aller jüdischen Arbcitcrkulturvercine ztisammeuzurufcn.“ Es ist zu hoffen, da 11 es gelingen wird, endlich judiscltc Arbeiter in Arbeitcrkulturvereinen zusammenzufassen, die wirkliche Arbeit leisten werden. * V V VI»«WMIll,U^V4A.th UdU tÄ. IH V Buroräume, sowie die der Jüdischen Gesellschaft für sanitäre Interessen in Palästina sich bis auf weiteres in der Wohnung des Herrn Prof. W a r b u r g, Berlin W. 15. UMandstr. 175 befinden. mmä 0•