Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 37 (8.6.1920)
- Date
- 1920-06-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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y;; 37 jyüd 1 schc nundscmaij 289 Vor einigen Monaten habe kh in der ״Jüdischen Rundschau“ geschrieben, daß viele italienische Juden, u&besondere die, welche AmtslcUei» bekleiden, ein ewiges 1 lindernis für jede jüdische Aktion bilden und gegebenendU auch nun energischen Widerstande bereit sind,!)er Zufall wollte, daß einer von diesen Juden, Lodovico Mortara, Justiz.- und Kultusminister wurde (vor einigen Tagen hat er übrigens demissioniert), und daß sein Bruder, Aristo Mortara, gerade in Horen/. Oberstaatsanwalt ist. Dieser letztere war _ubcr die Forderung, Steuern zu bezahlen, höchst entrüstet, Die Assimilationspartei hat mm entsprechende Schritte bei den beiden Brüden» unternommen; die Folge davon war ein Bericht des Florentiner Präfekten an das Justizministerium, in dem die Zionisten als gefährliche Leute, die die Finheit des italienischen Staatswcscna Bedrohen, geschildert wurden und der Antra!׳ d e s I u s t i 2 in i ״ i s t e r s M o r t a r a senior an den Staatsanwalt von Florenz, Mortara j u 11., die Sache zu untersuchen. Durch einen Zufall •ist das, Dokument In die Hände des Ocinciiuleratcs gefallen, der;hn der Veröffentlichung preisgegeben hat, was den Ausgang der Sache nur beschleunigte. Am 25. Mai wurde dem Rate mitgcteilt, daß er durch königliches Dekret aufgelöst sei und daß bis zu den neuen Wahlen, die ln drei Monaten stattfinden werden, der königliche Kommissar alle Geschäfte leiten wird. Die Uebcrgabe hat am nächsten Tage stattgefunden. Die Auflösung ist im Dekret mit dem ungesetzmäßigen Beschluß, die Verbindlichkeit der Steuern eiiuurichten und durch Abfiihrung von Gemeiiidegeldern an politisch-zionistische Propagandazweeke begründet. So ist der erste Versuch einer zionistischen Gemeindcvcrwa'tung in Italien in unglaublicher Weise;?stört worden. Allgemein herrscht die Ueberzeugnug, daß es niemals der italienischen Regierung eingefallen wäre, sich in innere Gemeindeangelegcnlieiten cinzumischen, wenn nicht an der Spitze des Kultusministeriums rin Jude stände, und ein anderer Jude den Posten des Staatsanwalts bekleidete. Von diesem letzteren liegt übrigens ein Brief an den Gemcindcrat noch vom '1 April vor, in welchem ausdrücklich gesagt wird, daß er die zionistischen Tendenzen des Gemeinde- 1-ates ״als privater Bürger lebhaft mißbillige, während er sich als Amtsperson eine Untersuchung der .Tätigkeil des Rates und ein eventuelles Eingreifen vorbehalte“. So trifft höchstwahrscheinlich die ganze Verantwortung die beiden Mortara. Wie die Sache heute stellt, stellt sie sicher einen schweren Schlag für die junge national-jüdische Bewegung in Italien dar. Die Angelegenheit ist aber noch nicht abgeschlossen, da dem Gemcindcrat das Appellationsrechi zustcht; er hat aber noch nicht beschlossen, ob er davon Gebrauch machen will oder ruhig die neuen Wahlen abwarten wird. Ebenso haben weder die zionistische Föderation noch das Komitee der jüdischen Gemeinden ihre Stellung den Vorgängen in Florenz gegenüber festgelegt. Sprcchs&al Sehr geehrte Redaktion! Idi bitte Sie um Aufnahme folgender kurzen Notiz in der ״Jüdischen Rundschau“ noch vor den Wahlen: Folgender Antrag wird, wenigstens dem Sinne nach, von mir »lern Ddcgicrtcntag für die Z. V, f. D. vorgelegt werden. Ich unterbreite ihn schon heute der zionistischen Oeffentliehkeit mit der Bitte, denselben schon bei den Wahlen zum Dclegicrtcnkongrcß zu bciücksiehtigeii, auch ohne daß er bereits Gesetz geworden ist. 1. Alle zionisiichcu Ortsgruppen sind verpachtet, ihren Delegierten zum Delegierteiltag, Kor,;;.־eß usw. die R e i s c k o s t e u zu er- *ctz.cn. 2. Das Zentrnl-KomUee der TL. V. f. D. ist verpflichtet, seinen Mitgliedern die Fahrt zu Tagungen, Jahreskonferen/cn zu ersetzen. 3. Alle Delegierten sind verpflichtet, die lirstattnug der Unkosten auzunchmcn. l:s bleibt ihnen überlassen, die refiisierten Gelder ziouistischcii, jedoch nicht lokalen Fonds zuztiwcisen, Der grsdiäftslüliremle Ausschuß wird beauftragt, einen Mo- *Ins atiszuarbeiien, der leistungsschwachen Ortsgruppen die Aufbringung der Mittel erleichtert. Es wird ihm aiiheimgcstellt, zu erwägen, ob es möglich erscheint, ■ms den etwa refiisierten Geldern zur Unterstützung dieser Ortsgruppen einen Wahlfonds zu bilden. Die Begründung dieses Antrages ist einfach und kurz. Wir müssen dahin kommen, daß auf einer Tagung nicht mir die Menschen vertreten sind, die die Zeit und das Geld haben, hinzufahren, sondern die dem Willen der arbeitenden Zionisten entsprechen. Es werden sich nur in den seltensten Fällen bei Ortsgruppen, die weit entfernt sind und daher große Reisekosten isaticu, Schwierigkeiten 'bei Aufbringung der Mittel »,rgeben. Absatz 3 bezweckt, zu verhindern, daß 1-A״Je us1crt?n Gelder doch der Ortsgruppe zugute ftntti11״״ '1״!! Wahlen doch nicht ganz unbeein- 11.?'1“ , :",וBen gehen. Ich bitte die Ortsgruppen, schon zu verfahren8'״’Se״ Wa,1'CI1 nac^ diesem Gesichtspunkt Leipzig, d*u 3. juni Dr, Georg Wo 11 s t e i n. Q , ,y< .ר“.־ :jiif.)( י״׳ ן M l«z 11 iw iZii ä k -1G Im w) 11 k 0׳..... k “ ’’ uJ ' für diu Öeimumlewnlilon ist d.w beste Mittel, um weite Kreise für die Ziele der «lödiscltort Voil'.sparlol zu intoressiorou. Jeder wirke iu seinem Bekanntenkreise für den Krfulg der JGdlsclien Wolttopaifel der demokratischen, die Ziele der Volksgesamtheit hetonenden Gruppe. JiülGClie VQiuC^astei Berlin C.2, Heiligegoiststrassi! 52. Telephon: (Contrum IdlO). Postscheck 81 322. B.e r n 3 t e i u & Bier, Schatzmeister der Volkspartei. .,רז יחר י »!׳ן ך>ז ., c ü jtä v!lC w 2 Der Kampf um die Gemeinde Von Dr. S i e g b e r t $ t e i 11. Das mittelalterliche Judentum hatte sich in der Kchillah eine bewundernswerte Organisation geschaffen; in ihr konzentrierte sich das ganze jüdische — und das hieß damals das menschliche — Leben der Gemeinde- .׳ingehörigen, sie stellte •die Brücke dar zwischen dem Ei.nzeljuuoii und der Uesmatjudeuheit. Welche Aufgaben wies das deutsche Judentum der jüdischen Gemeinde zu? Die des Ucbergaugs! Alan sorgte für die Befriedigung der noch vorhandenen religiösen Bedürfnisse, mau erledigte die laufenden Verwaltungsarbeiten, weiche eine jede Organis.ru:>11 mit sich bringt, und allenfalls kümmerte inaii sich — wenn auch ganz unsystematisch und unvollkumnicu — um Linderung der sozialen Not. Ls blieb nichts anderes übrig, als die Aufgaben des Tages zu erfüllen, da mau weder die Vergangenheit beachten woliie noch von der Zukunft etwas für die Gemeinde erhoffte. Niemals hat eine Gemeinschaft eine gedankenarmere Führung gehabt als das deutsche Judentum im letzten Jahrhundert! Nur den religiösen Aufgaben sollte die Gemeinde dienen. Aber noch in diesem zu eng gespannten Rahmen i1;itte_ viel geleistet werden können. Wir sehen die Ergebnisse der liberalen ücmcindeherrsdiaft: das religiöse Interesse nimmt von Jahr zu Jahr ab. Die Reiigionsgemeinschaft verlier» immer mehr an Inhalten und wird immer mehr zur Formel. Lin Beispiel aus dem geguerisehen Lager zeigt dies deutlich: die ״Vereinigung׳ für das liberale Judentum“, die Organisation, die immerhin zu einen» größeren Teil aus Leuten besteht, die noch ein gewisses jüdisch-religiöses Interesse haben, hat eine kläglich geringe Mitgiiederzahi, der Zenualverein, der sieh zu וו»" größten '1 eil aus den bloßen Abwehr- und Trutzjuden, denen die jüdische Religion wenig oder nichts . ist, zusammensetzt, repräsentiert die Masse der deutschen Juden. 1111 GemcmUevvahlknmpf aber s<e!h sich diese Masse auf die Seite des liberalen Juden tums, ohne innere Beziehungen zu »hm zu haben. Die Forme! siegt, obwohl ihr kein Inhalt zugrundeliegt! Die Berliner Jüdische Gemeinde, die nunmehr ein Viertel des deutschen Judentums umfaßt, hatte besonders wichtige Aufgaben zu erfüllen und gerade sie hat am meisten versagt. Hier zeigt sich das Verwaltungsjudentum iu reiner Gestalt. Aus Mangel au Ideen mul aus Furcht, die Macht zu verlieren, hat man cs dahin gebracht, daß die Berliner Gemeinde nichts anderes ist als ein Verwaltungsmeehanisnuis. Der Berliner Jude hat keine inneren oder persönlichen Bc- Ziehungen zu irgendeiner üeiueiiidecinrkhtuu!׳ und kann sie nicht haben. Die einzige Möglichkeit, den einzelnen Juden mit der Gemeinde »11 persönliche Fühlung zu bringen, und das heißt die einzige Möglichkeit die Lethargie des Gcmeindclebeiis zu beendigen, war die Dezentralisation. Und die eben wollte inan nicht! Denn bei ihr mußte die liberale Mehrheit befürchten, daß ihr bei dem jetzigen zentralistischen System vorhandener Einfluß nicht mehr die Kreise erreicht, die nicht liberal sind. Auf diesen Einfluß kommt es ilir aber trotz aller Versicherungen von der Toleranz gegenüber den anderen Richtungen au. Ehe nicht die Machtposition der Liberalen gebrochen ist, wird es nicht möglich sein, das religiöse Zusammenleben der verschiedenen Riehtmigcn in friedlicher Form ׳ hcibcizuführcu und wieder jüdisches Leben in die Gemeinde zu bringen. Wir stellen dem zentralistischen System der Liberalen, das sich Einfluß auch auf das religiöse Leben der Nichtliberaieii anmailt, die Forderung entgegen: Dezentral»• s a t i o n der G e in e i n d e ’ u 11 d Trennung von Verwaltung und Kultus sowie autonome Regelung des religiösen Lehtiis durch »lie einzelnen religiösen Richtungen. Die Volksgcincindc bedeutet uns in diesem Zusammenhang die Belebung der jüdischen Gcmcinde durch Heranziehung der Gemcindemitglieder zur Teilnahme am Gemcindeleben in i 11 c I s der Dezentral!• s a t i o n und Befreiung der Gemeinde von religiösen Kämpfen d u r c h S c 11 a f f u n g selbstau d i g c r I< 1! 11 u s g e in e i 11 d c n. So arm an Gedanken und an jüdischem Zukunft*• glauben die liberale Mehrheit ist, so sehr sucht sie sich mit allen Mitteln an dty Macht zu halten. Sie muß dies tun; denn jede Belebung der Gemeinde durch Heranziehung der jüdisch stärker empfindenden Eiemente bringt die ״Mission“ des Liberalismus: liebergang und Vorbereitung für die Zeit zu sein, die die völlige Assimilation bringen kann, in Gefahr. Darum mußte sieh der Liberalismus sträuben gegen die Amdchnung des Wahlrechts, darum trat er tür Beibehaltung des Zensus, ja sogar des Dreildassenwahlrechts ein, darum suchte er mit allen Mitteln die Ostjuden vom Gcnicindelcbeu fenmihaltcn, darum warf er dem aufstrebenden Natioiialjudeiitmn Steine in den Weg. Ls ist •oft genug auf die komödienhafte Situation hingewiesen worden, daß dieselben Leute, die im deutschen politischen Leben sich nicht demokratisch genug geb.irden konnten, in der Gemeinde Ihren jüdischen Brüdern die demokratischen Reellte voreiithielteu, welche sie für sich 1m deutschen Leben forderten. Auch die Revolution hat hieran nicht; geändert. Wenn der Liberalismus ernsthait gewollt hatte, wir hätten heute schon die demokratische Gemeinde. Cr aber verschanzte sich'hinter juristischen Bedenken. Es soll nicht vergessen werden, wie der Liberalismus, durch die Zionisten mit Hilfe eines preußischen Ministeriums dazu gezwungen werden mußte, auch nur den Kriegsteilnehmern das Wahlrecht zu geben! Niemand wird sich dadurch täuschen lassen, daß der_ Berliner liberale. Verein jetzt unsere deuiokratischen I 0rdcn1n!;e11 in sein Waldpi'ugranim übernommen hat. Zu oft schon haben wir in der Berliner Gemeinde das Doppelspiel erlebt, daß die liberale Repräsentanz beim liberalen Vorstand das liberale Wahl- Programm nicht durchsetzen konnte, als daß wir den Versprechungen des Liberalismus noch Glauben schenken könnten. Der Liberalismus wird, wenn übcrliaupt, nur gezwungen sich zu einer Demokratisierung der Gemeinde entschließen; denn diese bedeutet den Anfang vom Lnde seiner Herrschaft. Gegenüber den Bemühungen ues Liberalismus, sich mit uiidemokratischen Mitteln an der Macht zu halten, verlangen wir die völlige D e m o k ratisicrung der Gemeinde. Volksgemeinde bedeutet uns in diesem Zusammenhang die Z u e r t e i 1 u 11 g gleicher Rechte au alle J u den derGe m e i 11 d e o ltne Unterschicddes L i 11 k o m mens, des Geschlechts, und der S t a a t s .־» n g e!1 ö r i g k e i t. So. wichtig die Demokratisierung und die Dczentralisation ucr Gemeinde und die Schaffung selbstündiger Kuluisgcmcindeii ist —, dies sind alles nur Voraus- Setzungen iür die eigentliche Uemeindearbeit. Auch bei iiir stellen wir überall im Gegensatz zum liberalen System. Dieses, auf die Formel der Religionsgeiitcinschaff, eingestellt, .vernachlässigt mit Absicht alles, was nicht in das religiöse Gebiet fällt. Zwar Ir.1t es iu der Praxis sein .Prinzip nicht vollkommen auireducrhnUen können. . Die wiitschaftlichen und sozialen Aufgaben waren ott zu dringend und vor allen Dingen zwang die priyatc jüdische Wohltätigkeit die Gemeinde, sie!» um soziale und vcirtsUtaftUcite Angelegenheiten zu kümmern. Aber dies alles geschieht I1;»!b widerwillig und vollkommen unsystematisch. Das nlutakratische Wesen des Liberalismus, das sich in der Aufrechlerha - tung der imdcinokratiselieii Gestaltung der Gemeinde zeigt, offenbart sich auch iu der sozialen Hilfstätigkeit. Selten ist i.11 ucr sozialen Gemeindearbeit die Liebe zti linden., weiche dem Bedachten die soziale Hilfe erst erträglich, macht, selten sind die modernen Gedanken sozialer fätigkci.» verwirklicht, nirgends sind che Volksschichten zur Mitarbeit herangezogeu, denen die soziale Unterstützung zugut? kommen soll. Wir verlangen, daß .die jüdische Gemeinde die Förderung der wirlavhafuiilio״ uoC Ina״ ,״.!.״Ilaa.״״;. j״.l, Natur in ihr Arbeitsgebiet einbezieht. Berufsuerutung irn Sinne, einer Rerufsumschiduuiig, Maßnahmen gegen das Umsichgreifen der Mischehe und der Spätehe, sozialc Maßnahmen tür Handwerker und Arbeiter, insbesondere für das ostiüdische Element, sind heute .Aufgaben, welche zur Erhaltung der Juden Deutschlands dringend notwendig sind und welche keine jüdische Gemcinde vernachlässigen darf. Noch mehr als auf sozialem und wirtschaftlichen Gebiet hat sieh der Liberalismus auf kulturellem Gebiete an der jüdischen Zukunft versündigt. Erschreckend groß war die geistige Flucht der Jugend aus dein Judentum. Der t.iberalismus tat nichts, um dieser Gefahr eiiigegenz.utreteii. Das Gesetz gestattete der Gemeinde, im gewissen Umlange eia Schulsystem durchzuiahre.i, das zum Min- Besten einem Teil der Jugend eine jüdische Schulbikbing ermöglichte. Die Gemeinde hat ■ vo!1 dieser Möglichkeit nur insoweit Gebrauch gemacht, als die Notwendigkeit sie dazu zwang. Der Liberalismus wollte, da er nur die Gleichberechtigung im Auge hatte und mit einer Förderung der jüdischen Kulturwezic schon das Ghetto wiederauftauchen sah, der Jugend keine Bildung /»!kommen lassen, welche sie in wesentliehen Beziehungen von der der Umgebung unterscheiden konnte. Selbst den Teil der Schulbildung, der ihm nach seiner eigenen Theorie au» Herzen liegen mußte, den Religionsuuterrkht, bat er nicht so ge- Pflegt, daß. er erhaltend gewirkt hat. (U׳,׳e:;hber der Vernachlässigung der kulturellen Werte durch den Lilieralismus und dein dadurch eingetretenen Abfall großer Teile unserer Jugend erheben wir die Forderung des Aufbaues eines jüdischen Schulsystems, soweit mir immer die .allgemeinen Gesetze es gestatten, und weitgehende Errichtung und Unterstützung von Anstalten, welche jüdisches Wissen verbreiten. Sind die Leistungen des herrschenden Gemeinde- Systems auf sozialem und kuiturciiem Gebiet gering, so hat es sich von jeglicher Vertretung der politischen Interessen des deutschen Judentums vollkommen fent? gehalten. Daß es noch solche -politischen Interessen gibt, offenbart die innere Unwahrheit der Formel: Religkmsgenieinsdiaft. Da die Formel aber aufrechterhalten werden mußte, überwies das deutsche Judentum: die politischen Aufgaben der privaten Vereinstätigkeit. I Dies geschah sogar auf dem Gebiete, welches heute das Denken der deutschen Juden fast ausschließlich beherrscht Den Kampf gegen den Antisemitismus igm>- riertc die Gemeinde; das deutsche Judentum ließ ihn durch private Organisationen führen. Dieses Verhalten hat zur Folge gehabt, daß die Zersplitterung der Parteien im deutschen Judentum sich auf solche Gebiete erstreckt, auf denen es keine Uneinigkeit geben durfte und zu geben braucht, in der Gemeinde oder in einer die Gemeinden zusanuiienfusscndeu Organisation wäre ך""» in der ü jüdischen Rundschau 4a