Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 36 (4.6.1920)
- Date
- 1920-06-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 36 JUEDJSCIIE RUNDSCHAU Seite 281 befruchten und zu unserem Leben mit unseren Idealen lieraniührcu können. ׳ Nicht taktische Sclmclutigc, aber auch nicht Kultur• Programme sind cs. die den Misrachi heute auf dem Weee zu seinem Ziel am wirksamsten vorwärtsführen, .üiulcrn (abgesehen von der inneren Arbeit der quan- ״Htivcii Ausdehnung und qualitativen Stärkung seiner Kcihcn) politische Arbeit mit und inner־ [ b d e r Zionistischen Organisation, eo'ch ־ Arbeit wurde, geleitet von unserem idealer füllten ' hinreißenden Führer Meier Berlin und erwogen nntworiiiimsbcwuhter Hingebung von erprobten Männern aus allen Ländern und Erdteilen, in Amsterdam ,'׳,'leistet. Ein ScMagwort wie das von ■uhule, mit dem die deutsche Misrachijugend 11 a 1 Soh mul in vera Xi./?* *AAA P i 0 « (י » H t, i in m 7 0 t, t e 1 l «Wik Dortin J ז■ ISc-a, Ucchlaainvnlt 3, Altonacr Straßo 7. 11111 o n Eiuheitsder entgegen- 11 k t•' e SU 1t fUt rc m 7* 1׳n si• ur tiait LT- •זי זז¬ Amsterdamer Kulturreso , arbeiten zu müssen geglaubt hat konnte ebensowenig ,,,,, Wk< einsichtige Männer auf allen Flügeln der , •miistisclicii Organisation darüber himvegtäusehen, daß die Finlieitsscluilc kulturelle Gegensätze zwar ver- chteiern oder vergewaltigen, nicht aber ausgleichcn kann und daß die geistige Freiheit, die wir in unserer Heimat fiir alle Gebiete des Lebens durchsetzen wollen, im Erziehungswcsen nur in Form , einer weitgehenden Autonomie verwirklicht werden kann, die jeder kulturellcn Richtung Gewissensfreiheit und Schaffensmög- Uchkoit gibt und gerade durch die Freiheit Anreiz zu ideellem Wettkampf t11Hh7׳.um Austausch geistiger Einflösse bietet. Auf die soziale Frage in diesem Zusammenhang näher citmtgehcn, muß ich mir versagen. Ich kann um so leichter hierüber schweigen, als es außer Zweifel zu stehen scheint, daß hier die radikale Richtung über eine starke Mehrheit verfügen und ihre Forderung, die Durchsetzung der sozialen O e r e c h - ligkeit auf jeglichem Gebiet des w i r t י •. e 11 a f 11 i c h c n Lebens Palästinas in dem äußersten zti ermöglichenden Maße, zum offiziellen MisiMchiprogramm machen wird, Freilich ist die Verwirk• lictumg dieser Forderung mit vielen schwierigen wirtwliattiichen Fragen verknüpft, die leider vorläufig nicht .die in den ausschließlichen Kompetenzbereich unseres \olkes fallen. Wir denken in diesen Fragen im großen ganzen ebenso wie der Hapocl-Ha/ai'r, und cs ist nur H'ii.'nU', daß die Unduldsamkeit und Verständnislosigkeit, mit der einzelne Führer des I Lipoel-Iiazair unseren kulturellen idealen gegenüberstehen, es verhindert hat, ans der Identität unserer sozialen Postulate taktische Folgerungen zu ziehen. Ich schließe mit einer Bemerkung über unser Verhältnis zur Zionistischen Organisation. Fromm ineint, der jüngste Delcgiertentag habe die Entscheidung der Frage gebracht, ob der Misrachi ״auch wirklich eine zionistische Föderation ist, wie er sich nennt, . . . oder ob er vielleicht nur eine zweite Agtidah mit amiiTcr Taktik ist". Ls wäre fiir diese wie Jur manche andere von Fromm erwähnte Frage überraschend, wenn die Weltkonferenz ihre Lösung dem Itclegiertentag des (zahlenmäßig relativ unbedeutenden) deutschen Misrachi überlassen hätte und wenn dieser sich zur Entscheidung kompetent fühlen könnte, ln der Tat geht schon aus dem oben skizzierten politischen Programm des Misrachi hervor, wie dieser seine Ziele innerhalb und nur innerhalb der Zionistischen Organisation verfolgt und verfolgen kann, eben weil seine Ziele auf eine Spezialisierung des zionistischen Prograinms liinauslaufcn. Dies wurde in Amsterdam nicht mir in der politischen Resolution ausdrücklich betont, mildem noch schärfer beleuchtet durch einen Vorfall, der als charakteristisch hier angeführt sei: Es war beantragt worden, die Kultiirresolution zu schließen mit dem Satze: ״Hierdurch wird das Verhältnis des Misrachi zur zionistischen Gcsamtorganisation in keiner Weise berührt.*‘ Die Einfügung dieses Satzes wurde mit allen gegen zwei Stimmen (worunter die des Schreibers dieser Zeilen) abgclchnt mit dem ausdrücklichen Bemerken, es verlohne nicht, «o Selbstverständliches zu formulieren. Weder in Amsterdam, noch - - wie seinerzeitigen Tendcnzmeldungcn gegenüber hervorgehoben *־ ’ויי jemals zuvor im amerikanischen Misrachi war ■1» eine l.oslüsung unserer Föderation von der Zionisti- ׳'dien Gesamtorganisation auch nur gedacht worden ן »nii gerade in der bedingungslosen Bejahung des zio- ן nistischen Programms liegt unser Gegensatz zur Agudnli. ״ ן'it aller Energie wollen wir an der Durchführung I dieses Programms in unserem Sinne arbeiten; dann I ■viTden die geistigen Folgen ganz, von selbst kommen, 1 '11111 11׳eilt von Berlin und nicht von London und nicht legt, am 20. Juni jeder in die Urne, der diu liberalen Reuktionliro und ihren konwrvativ ־ kmnprouiinslerinchen Anhang bekämpfen will. Nur die Jüdische Vulkspartel vertritt die ]iitermimi dos positiven Judentums. JidiscSiQ VoKscpartci Berlin C. 2! Heiligegeiststrasse 62. Telephon: Couirnm (1 (110). Postscheck 81 322. Bernstein & User, Schatzmeister der Volkspartel. Palasiiiiazioüissiius oder WeUzionismus? Von Dr. Leopold Fried berg, Karlsruhe. Wir bringen hier noch eine Aeußeruug zu der Diskussion über den Artikel von Gotthold Weil, der besonders deutlich die Konsequenzen des von uns als zionistisch anfechtbar angesehenen Standpunktes demonstriert. Mit dem folgenden Artikel von H o 1 d 11 c i m schließen wir die Diskussion. Die Red. von!1rag, Uhre“. sondern erst ״von Zion wird ausgehen die in .־m/*'0rti während einer zionistischen Versamin- Der Krakauer Korrespondent des B.-Büros in •irsciia״ telegraphiert nach einer Meldung des ’1™"101׳ '■ daß am 21. Mai in Krakau ,bei einer zionistii rs.ammlu"8h w0 ״ach einem Referat Dr. Schmarja Htu 4kr Diskussion der Führer des ״Bund“ ganze spr;'c11’ "'ährend der Rede des Bundistcn der als .>2״;.zur Tribüne von Bundistcn besetzt wurde; ז.״,1^״!ihrige Schimon Korngold zur Tribüne mul ,׳״!,ן entstand ein Wortwechsel zwischen ihm Glalm•11 ”'.m(l's1en Glafmann, in dessen Verlauf 1 ‘"ו j111,'1 sein Taschenmesser zog und dem Korngohl Ah ,1 ,,lsl s,icß• Korngold fiel sofort tot nieder. hafti *orsitzende der Versammlung, Dr. Wahrsofort h•’ 70" 4*0"י Vorfall Kenntnis erhielt, schloß er 1 die Versammlung zum Zeichen der Trauer. , Alle 1 ”cha״ Allcnby in Palästina. Lord wo er* 1 *s* am i״ Jerusalem eingetroffen, ן , cr 411״ei bis vier Tage Weilet! 'wird, um die jetzige zun1־«bU studicrcn. Hierauf kehrt er wieder nach Kairo iben *°dcr einc Besprechung mit General Oouraud Ernst Simon ruft in Nr. 32 der ״Rundschau“ Gottholu Weil und Arno Wagner 10 sc liadercch zu, wie allen, die als Zionisten zugleich Palästina und das Gallith bejahen. Er und seine Freunde erblicken die einzige Aufgabe der zionistischen üeistesentwiekhing im Gatuth oder um speziell von Deutschland zu reden, in Deutschland i n u c r Entwurzelung des jüdischen Menschen liier, und darin ihn bereitziunachen, nach Palästina zu gehen. Er verlangt Menschen, die jeden Atemzug der zionistischen Idee und ihrer Verwirklichung widmen, also mit anderen Worten dasselbe unglückselige Verlangen, das einst Erich Cohn aulstellte, als er hier die Ansicht vertrat, den Zionisten gingen deutsche Interessen in keiner Weise etwas an, cr sei hier ein Fremder, der sich im Grunde genommen in deutsche Angelegenheiten nicht eininischen dürfe. So spricht allerdings ein hier Entwurzelter, der nur noch die eine Aufgabe kennt, jeden Atemzug der zionistischen Idee in ihrer nächsten und wichtigsten Aufgabe dem Aufbau Palästinas — zu widmen. Und docli spricht so nur ein schlechter Zionist, der von der nächsten und wichtigsten Aufgabe gebannt, die Gesamtaufgabe des Zionismus nicht überblickt. Ehe ich diese Ansicht begründe, will ich zwei Gedanken vor* aiisschickcn: 1. ״die einheitliche Zielsetzung der Chaluziin“, ihre ״klare Entscheidung“ in hohen Ehren: sie ist Ziel mul höchste Aufgabe für den kleinen Kreis, der berufen ist, den gegenwärtigen Aufbau Palästinas durch persönliches Hiuühergehen mitzumachen. Aber sie ist eben nur Ziel und Aufgabe für den kleinen Kreis, dem ein gütiges Geschick diese erhabene Aufgabe gönnt. Sie ist ein kleiner, wenn auch der 'wichtigste Teil der ,zionistischen Jugenderziehung, aber nimmer die Aufgäbe der zionistischen Volkserziehung. 2. Es ist bedauerlich, daß die zionistische Literatur und zum großen Teil die Versammlungen, spez eli in Deutschland, von gewiß begeisterter Jugend beherrscht werden, die in jugendlichem Idealismus und 211m groben Teil ohne praktische Lebenserfahrung, die schwersten Probleme der Geubla des gesamten jüdischen Volkes übersehen und es war dankenswert) w׳enn im gegenwärtigen Moment, wenn auch vielleicht verfrüht, Weil und Wagner wieder mit ihren Ansichten hervortraten, und es war gewiß nicht der letzte Versuch, diesen Ideen auch im deutschen Zionismus wieder zum Sieg zu verhelfen, sondern die Lebeiisnotwendigkeit wird, wie im englischen Zionismus, so überall, wo es sich nicht um Länder mit geschlossenen, entrechteten jüdischen Masscnsicdhmgcn handelt, die Idee in ihr Recht einsetzen, daß Zionismus die Neubelebung des jüdischen yolkes durch Schaffung und Ausgestaltung des jüdischen Gemeinwesens in Palästina zum Ziel hat, aber nimmer erfordert, Juden in Deutschland oder anderen Ländern zu entwurzeln, sie tatsächlich hier fremd und heimatlos zu machen, wie es Menschen sein müssen, deren ״ganzes Leben und jeder Atemzug“ diesem Aufbau gewidmet ist. Die Anhänger dieser Idee übersehen die einfache, von keinem Menschen zu leugnende Tat- ,sache, daß Palästina niemals alle Juden aiifiielinien kann. Daß somit der Zionismus sich nicht darin erschöpfen kann, Juden bcrcitzumachen nach Palästina zu gehen, daß cs geradezu ein Verbrechen ist, wie es unsere radikale Jugend vielfach tut, den Juden riehfige zionistische Gesinnung abzusprechen, die für sich oder einen Teil ihrer Nachkommen, das Hinübergehen für unmöglich mischen. Ist der Satz aber richtig — und cs ist nicht zu bezweifeln —, daß Palästina stets nur die Heimat für einen Teil — lind leider noch nicht einmal den größeren Teil des Judentums werden kann — so ist es Aufgabe des jüdischen Volkes und damit des Zionismus, dafür zu sorgen, daß dieser größere Teil ihm nicht verloren geht, und für diesen feil ist die persönliche Vorbereitung zum Hinübergehen nielit das Endziel, sondern sein Endziel kann nur bestehen in der Mitvorbercitiing des Hinübergehens der anderen und in lebendiger Mitarbeit an der Ausgestaltung des hoffentlich bald wirklich wiedergewonneuen Landes, an Ider Wiedererweckung der hebräischen Sprache, an der Mitarbeit an jüdischer' Ethik, Literatur und Kunst sein jüdisches Volkstum zu betätigen. Dies schließt nicht aus, sondern erfordert geradezu, daß der Jude, der nicht liinübergeht, sich hier nicht entwurzelt. Denn darüber sollte sich doch jeder, trotz aller unklaren Phrasen vom Minoritätenschutz klar sein, daß Fremdlinge, deren ganzes Leben n 11 r der Idee der Auswanderung und der Entwicklung eines fremden Staatswesens gewidtmet ist,!kein Recht darauf haben, in einem Staate, dem sie gewissermaßen zufällig und gegen ihren *Willen angehören, Gleichberechtigung zu verlangen, sondern nur das Recht, als Fremde ge-, duldet zu werden, (soweit sie dem betreffenden Staate nicht lästig fallen. Von gleichberechtigten nationalen Minderheiten kann und muh der lleimatsstaat verlangen, daß sie unbeschadet ihrer nationalen Besonderheiten und Ziele, mich ■seine Zwecke und KuHiiraufgaben als die ihren mitverfolgen. Ls ist eine unerträgliche Anmaßung, wenn gewisse ultra radikale Zionisten von jedem deutschen־ Zionisten verlangen, daß er ״sein g a n z e s Leben, jeden Atem/ng“ dem jüdischen Volks- Bewußtsein und■ den *jüdischen Volksausgaben widmen iiiiisse. Damit untergrabt mau die Existenz des jüdischen Deutschen und gibt sowohl 11 en Antisemiten in ihrer Forderting auf Entrechtung der angcbtidi deutschen Juden, die es damit nicht mehr gibt, als dem Zentralverein in seinem an sich grundlosen Kampf gegen den Zionismus,. recht. Mit der Annahme dieser Forderung gibt cs keine deutschen, englischen, französischen usw, Juden mehr, sondern nur noch Juden, die zufällig in einem dieser Länder wohnen. Mit der Ablehnung dieser Forderung dagegen durch den Teil der Zionisten, die nicht liimihrrgt'ht'U können oder wollen, erfiillcn diese eine hohe zionistische ׳Pflicht. Denn die jüdische Aufgäbe ilcs Zionismus ׳erschöpft sich doch sicher nicht jn der Aufgabe, in Palästina einen kleinen Nationalstaat zu schaffen, wie etwa Bulgarien, Serbien, Tschceiio- Slowakei, der;die seine Conationalcn umfaßt, sondem ein jüdisches Gemeinwesen, das zuglcicü geistiger aber nicht politischer Mittelpunkt des gesamten Juden-, tunis wird. Von diesem neuen Gemeinwesen erhoffen alle gläubigen Juden, daß cs seinen Endzweck nicht in europäisch-nationalistischer Ausgestaltung findet — (sonst dürfte cs von vornchcrcin wieder baldigem Untergang gewidmet sein) —, sondern die erhabener! Grundsätze jüdischer Ethik von der Gleichheit aller Nationalitäten mid von der Verständigung der Gesamtmcnscliheit ihrer Verwirklichung ciitgcgcnziitühren bestrebt sein wird. Hieran als Juden und in jüdischem Sinne mitziurbciten, wird nach durchgclührtcr Schaffung und Ausgestaltung des jüdischen Gemeinwesens die hehrste Aufgabe des üesamtjudentums sein; weder an der Mitarbeit ain Aufbau, noch an der an dieser Zukunftsautgabe hindert die deutschen Zionisten ihre gleichzeitige innerliche Zugehörigkeit ׳zum deutschen Kulturkreis, ihre gleichzeitige Mitarbeit an deutschen Zwecken und Aufgaben, mit anderen Worten, ihre gleichzeitige Zugehörigkeit zun! deutschen Volke im Staatssinne. Daß diese Zugehörigkeit selbstverständlich keine unlösliehe ist, welchen Unsinn der Zentralvercin behauptet, bedarf wohl keiner Auseinandersetzung. Aber sie erst gibt dein deutschen Juden die materielle Existcnzmögikhkeit, um überhaupt an den jüdischen Aufgaben mitzuarbeiten. Oder ist unseren Radikalen wirklich der Zustand, in welchem zurzeit die zionistischen üstjuden in Deutschland leben, das Ideal jüdischen Lebens? Verkennen sie wirklich, daß gerade unsere größten Führer — ich neune nur statt vieler Herzl — in beiden Kulturkreisen groß geworden und doch gute Zionisten geworden sind? Ich will schließen mit einem von Simon aufgeworfelten Gcdankengangc: wie würde es, wenn Weltbolschewismus und Wcltrevoiution nun Siege kämen und zugleich Englands Stellung so erschütterten, daß es sein Mandatvcrsprechen in absehbarer Zeit nicht realisieren könnte? Ich behaupte, daß gerade der größte Teü der Zionisten, deren ganzes Leben ausschließlich auf die Idee der Auswanderung und des Aufbaues Paliistinas gerichtet ist, dann dem Zionismus verbreit wären und gerade wir, die wir in der Zugehörigkeit zu beiden Kulturk'eisen die Notwendigkeit erblicken, den Aufbau wiederum mit großer Geduld und inniger Liebe zum jüdischen Volke weiter mühsam vorbereiten müßten. Hmgcwicscn werden soll zum Schlüsse noch darauf, daß ein richtiger Aufbau der jüdischen Schule in Deutschland, zumal in meiner engeren Heimat, dem klassischen Lande der Simultansdvulc, Baden, sowie ein erfolgreiches Durchdringen der deutsch-jüdischen Gemeinde — zumal in Baden — wo die demokratischen Grundsätze iut jüdischen Landes- und üeineindcwahlrecht längst durchgeführt sind, wie überhaupt in Süddeutschland mit zionistischem Geiste, wohl nur von diesem Standpunkte aus, möglich sein dürfte. Der Angriff auf die zionistische Idee Ein Wort an die Wähler des Delegiertentagcs Von Gerhard Holdheim. Dein kommenden Dclcgicrtcntag wird die Aufgabe Zufällen, die verworrene Lage des deutschen Zionismus zu klären und richtunggebende Beschlüsse über unsere ein/uschlagende Politik zu fassen. Daß wir uns in einer inneren Krisis befinden, ist kein Geheimnis mehr. Und cs ist gut, daß mit dem System der Vertuschung gebrochen und offen Farbe bekannt wird. Schon die Vorbereitungen, die zu diesem Delegiertentag getroffen werden, unterscheiden sidi völlig von denen früherer Tagungen. .Wir sind endlich — und Gott sei Dank so weit, die Fraktionenbikhuig als eine politische Not- Wendigkeit anzuerkennen. Während sich früher die* oberste Instanz unserer deutschen Landsmannschaft aus Leuten zusammensetzte, die Zufallswahlen ihre Mandate verdankten, und die Maiidatsübertragung im wesentliehen nach dem Prinzip persönlicher Wertschätzung vor sich ging, wird diesmal die Innerpolitische Stellungnähme der Delegierten die ausschlaggebende ״ Rone spielen. Die Schattenseiten, die das System der gebundenen Listenwahl im Gefolge hat,׳ brauchen nicht auseinandergesetzt zu werden. Aber die Peinlichkeit, daß wir Programme und nicht Menschen wählen und den und jenen, den wir nicht kennen oder der uns persönlich nicht recht zusagt, nolens volens mit unserer Vertretung betrauen, müssen wir im Interesse der Sache in Kauf nehmen. Wir sind nun einmal über den Rahmen einer einheitlichen Gemeinschaft hinausgewachsen, und Sinn una Bedeutung des Delegiertentagcs kann nur darin liegen, daß er ein Parlament darstellt, in dem die Strömungen innerhalb der Bewegung ihren entsprechenden Ausdruck finden. Unsere Junitagung wird eine Fülle außen- und innerpolitischer Fragen zu erörtern haben. Aber schon jetzt kann man sagen, daß eine Frage ihr ein besonderes Gepräge geben wird. Sie Wird ein definitives Votum fällen müssen, ob die zionistische Politik, die wir Deutschland zu fahren haben, in der z׳* in Richtung eines ✓