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Jüdische Rundschau · 1920-06-01 · Heft 35 (1.6.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 35 (1.6.1920)
Date
1920-06-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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J U E D1S CH E RUN DSC K A U Seite 275 IlfS ItS ■ י:י; ||§i|. itfp ^ffe" jf j|^jj i|t |j§ mp $0 . Nr. 35 von die Ir Nationale und Opportunitätspolltik (R.'mtlbeinerktmßeu um« Fall Well.) Von Heinrich Margulics. Die nationale Politik, welche mit dem Zionismus ״״setzte, bedeutete in ihrem Wcscu eine Abkehr der assimilatorischen Politik, wcldie bis dahin lu'rr^chcnüc geweseu war. Worin liegt der Gegensatz beider, der ja, da es sich um eine wesentliche Abkehr handelt, unüberbrückbar sein muß? Die assimilatorische Politik hatte die Linanzmation des einzelnen )״den proklamiert. Sie crschopite sich in dem Bestreben, einer möglichst grollen Anzahl einzelner Juden irgendwelche Rechte zu sichern. Diesem Bestreben konnte uml mußte alles andere untergeordnet werden, so insbesondere alles, was nicht die Juden rinzclne sondern was die Juden als Einheit, als Nation anhiVtc Fs war durchaus folgerichtig, daß diese Politik den Anspruch der Juden a s Nation aufopferte, um die Ansprüche der Juden als Einzelne zu K״CDi'e nationale Politik proklamierte im Gegensatz zur vorerwähnten nicht den Schutz der Einzelnen, sondern den Schutz der Einheit, der Totalität, der Nation. Dieses ist ihr oberstes und unwandelbares Prinzip — so sehr, daß sie ihm ausnahmslos .alles andere uutcronlnct und insbesondere alles das, was lediglich die Juden als Einzelne oder auch als Einzelgruppen angeht. Niemals kann und darf sic dieses Prinzip aufgeben. Andererseits gibt cs keine Politik, die nicht paktieren lähmte und müßte. Politik ist nun einmal die Kunst des ,Möglichen. Um mm einmal das Mögliche, d. h. um das erreichbare Maximum der erstrebten Idee auch wirklich zu erreichen, kann jede Politik Opportunilälscrwägungen weitgehend berücksichtigen. Auch die nationale. Nur können diese Erwägungen nicht das Prinzip, das Wesen, ' die eigentliche Begriffsbestimmung der nationalen Politik zum Gegenstand haben, sie können sich lediglich auf »leien Grundlage den Fragen des Kriegs- und Aufmarschplanes zuwenden. Sie können sielt insbesondere mit der ßimdnisfragc beschäftigen und entscheiden, ob die Art, in welcher man das unwandelbare Prinzip der nationalen Politik praktisch betätigt, so beschaffen sein kann, üall auf die Unterstützung oder doch Kooperation heüimiuter anderer Kreise von vornherein verzichtet wird, oder ob sie so sein muh, daß ein solches Zusammenwirken ermöglicht wird. Es ist selbstverständlich, daß jede Bewegung danach strebt, den Weg bis zum Ziel möglichst ungetrübt und durch Bündnisse oder Kompromisse nicht geschwächt zurückzulegen. Jedes Programm ist von Haus aus radikal. Es liegt bereits im Worte ,(Opporü1nitütsp«litik“, daß man sich zu ihr nicht freiwillig, sondern mir unter dem Drucke der Verhältnisse, denen man Rechnung tragen muß, entschließt. Gibt cs also tatsächlich eine Gruppe, welche heute von 1ms verlangt, aus Gründen der Zweckinüßigkeit Bündnisse cinzugclicn, die unsere Aktion«- l'reiheit beengen, so 11111b von vornherein erst die Frage gesteilt werden, ob diese Gründe wirklich zwingender Alt sind. Die so gestellte Frage ist aber zu verneinen. Unsere Position ist stärker als je zuvor — und San Remo hat uns so recht deutlich zum Bewußtsein bringen können, wie unwesentlich im Grunde genommen die Tatsache ist. »laß wir speziell in Deutschland nur eine Minorität bilden. Heute ist die Jiidonfragc zur Weltfrage erhoben und daher ist es heute selbst in einem Lande, das gar keine Zionisten besitzt, möglich, der Regierung bcgreiflich zu machen, dah in jüdischen Fragen nicht mehr das Votum der Nicbtzioiiistcn entscheidet. Niehl, d a b die OpporUmitülspolitik propagiert wird, ist erstaunlich; aber, daß sie sich gerade diesen Zeitpunkt ausgesucht hat, wo wir uns als die Siegenden erweisen (und wo wir selbst für reine Pnliistiiiaaufbauzwecke keinen zwingenden Anreiz finden können, gerade den Mark-Kapitalisten zuliebe eine Politik der Selbst- Schwächung in den Kauf zu nehmen) das ist unbegreiflich! In den ersten Kricgsjalircn lag die Situation wesentlich anders. Damals waren wir vom Zusammenhang mit der Weltorganisation abgesclmitten. Wir waren ganz aut unsere eigenen Kräfte angewiesen und diese waren minimal. Die politische Führung dein Staate gegenüber verstanden die Nichtzionisten an sich zu reißen und .iiis/iinützea. Auf der anderen Seite fielen die Grenzen ׳•״icii dem Osten und das Ostjudenproblem wurde in -emem ganzen katastrophalen Ausmaße vor uns ntifgerollt. Wir, wir allein in Deutschland, hatten die Möglichkeit und die Pflicht, hier einzugreifen. Da galt es wirklicli, die gesamten im deutschen Judentum liegenden Kräfte zusamnienzttreißen zu gemeinsamer Abwehr, zu gemeinsamer Hilfe. Auch der Schreiber dieses hielt sich damals für verpflichtet, dafür cinzutreten und somit eine Opportunitätspolitik zu billigen. Aber wie sehr haben sich seither die Verhältnisse geändert! Nicht einmal an1., ׳c Ostjuden rechtfertigt sich uns heute ein Vcr- •’arri'ii bei solcher Politik, denn wie alles so kann auch eiesc Arbeit heute nur mit amerikanischem Gelde ge- ן lc|det werden, und dazu bedarf es keiner Kompromisse zwischen uns mul *Jen deutschen Assimilanten. Es gibt also nichts, was uns heute zwingen Konnte, einem Bündnis zuliebe Kompromisse zu 'criepr l״״l damit wäre die Frage, eigentlich, , . Pcr Oruppe, welche nach Bündnis und Ausgieicli ,1., *!*־hwcht aber noch ein anderer Beweggrund als ״ üesrfwangcs aus Schwäche vor: die Notwendigkeit , crcssu״vertretung für jenen großen Teil des L>“ Volkes, der trotz Palästina im Gaiuth ver- Fntf' 'v‘rc*• Für diesen Teil 'lehnt die Gruppe die 'Vl?r?-U1|ng“ ab und verlangt statt dessen die Aner- 11,1t w dali dieser Teh dort bodenständig zu werden ist ’ a1׳m׳ nu1' 1'*1en *“r die Dauer zu bleiben verurteilt W1I11,!. r>scr Forderung wird ohne Zweifei ein noch ,״*!״״kt des Zionismus berührt una gerade der Ver- 1 •ל d|eser Zeilen tritt seit Jahren dafür ein, daß der rein tU? Ausfüllung der hier vorhandenen Lücke sein Anfn?iE 'alästinn beschränktes Baseler Programm durch w!ין ,ן ci״cs Galuthprogramms ergänze. Aber ebenso di f •ICeC Forderung müßte jene zweite unstrittig sein, ru!״ ,.״ auf >hr aufbaut: daß nämlich auch diese ,“"'Politik völlig dein Primat der nationalen Idee n110*"״rdnen sei! Richtlinien eines solchen nationalen rogramnis für die politische Einstellung der Juden «>l|i!ü|!|ll""‘1y1i:;|l"""l1ap1““״lä;i|!||i״"»M|jj!|!!|.'״l|i|;||II״'"ll|||j]j!|l»״״lmj1j;j'»i™|||j|j|1,|W Vw•’’ (fc sind die Gemeindewahlen in Berlin. Wer die Um- Wandlung der größten deutschen Judengemeinde in eine TI < ן.*י■/ ^"■י ~ך ך־ן יי »Afe* will, sorge mit allen Mitteln dafür, daß die *rr <m> *ך ft 1!י’״־ד-!17ו y Wa N*׳. ¬יז ו f* י״א► fa. .ä y9*׳% den Wahlkampf erfolgreich besteht. Werbt Stimmen, teilt Adressen mit, sammelt Geld für den Wahlfonds. JüdiGcIie VollsoparÄci Berlin C. 2׳, Helliöcgcistsfrafjc 52. Telephon: Zentrum 16t0, Postscheckkonto: 81322, Bernstein und Baer, Schatzmeister der Jüdischen Volkspartel 1ill!IIIII!ll11,11till!!i!!llmnllJilllltll!iuHl!l!liliIm111illl!llllIhl ״ll!lllH!lltt״i<lllllI!!ll!>,<>1l!ll1n1!h1״״l1!l[]l!!t1״ ETIZZPP* ,,..-^■וM.-.וMrw■ו-וו■^r1•mM»ן■ןS^W■ו^—י^«||.ד^ .«'1 ו■■ו i i I» im Gaiuth zu entwerfen, ist eine erst begonnene Aufgäbe. Jedenfalls aber steht auch das eine schon »priori fest: man darf aus der Tatsache, daß große Judengruppen nun einmal im Gaiuth verbleiben werden, alle Konsequenzen ableitcn — nur die eine nicht: daß cs notwendig, wäre, ün Gaiuth und hinsichtlich des Galutlis weniger national und radikal zu sein als hinsichtlicli irgendeiner anderen unserer nationalen Positionen. Unser Nationalismus verlangt ganz, gewiß nicht, daß wir uns am Staate desinteressieren, wohl aber verlangt er, daß wir an ihm nur in einer ganz bestimmten Form aktiv Anteil nehmen. Lediglich diese Form zu umgrenzen, kann eine Streitfrage bilden, und wenn die Gruppe Weil ihren Passus, der die aktive Anteilnähme am Staate fordert, in der Richtung ergänzen, wenn sie gegen jeglichen Versuch, die so geforderte Anteilnahme am Staat schlechtweg im Sinne der liberalüberiKitriotiselieii Genti'alvereiiispolitik festz.uli'gen, von vornherein eine scharfe Barriere bauen, una wenn sie etwa zmn Ausdruck bringen wollte, daß die Unter- Stützung oder gar die Mitarbeit an einer irgendwie antisemitischen oder auch nur a 111 i z i o ui s t i s c h c n Regierung m i t dem Z i on i s :11 n s 1111 v c 1׳ e i 11 b a r sc i, es sei denn, daß sic ün Aufträge und in Vertretung der zionistischen Organlsalicm erfolgen könne, dann würden ihr zweifellos zahlreiche aus den Kreisen jener, die sie heute bekämpfen müssen, zusammen. liier erscheint der Punkt gegeben, wo dieser Aufsatz über eine Abwehr des Angriffes Weil hinaus und zu einem Vorstoß gegen unsere Parteileitung übergeht. Zweifellos wird cs die Aufgabe des Deiegierteutages sein, nicht nur Versuche zu weiterer Kompromißpolitik abzuweisen, sondern gleichzeitig auch dafür zu sorgen, daß die Politik unserer Partei künftig mit größerer Unabhängigkeit und Selbständigkeit geführt wird als bisher. Der unselige Geist der V. J. O. D. ist immer noch heimisch, und parallel mit einem Anträge, der In vorerwähntem Sinne die Teilnahme unserer Gcsinnungsgenossen an deufschpolitischeii Fragen regelt, müßte ein zweiter erledigt werden, der von der Z. V. f. D. die sofortige Lösung jeglichen Bündnisses verlangt, durch welches ihre politische Aktioiisfreiheit der Regierung oder der Oeftcntlichkeit gegenüber irgendwie beeil!- träclitigt wird. Vergessen wir eins nicht: wir brauchen den Radikalismus. Wir haben Lim bisher oft betätigt — nicht das war unser Felder, sondern die Art und Weise, in welcher das geschah, hat zmn Widerspruch gereizt, hat ihn schließlich kompromitteirt. Die Jugend kann ohne Radikalismus nicht leben. Das ist kein Wtinschuricii, sondern eine Eriahrungstatsache. Findet sich für diesen Radikalismus nicht das richtige Feld, so schafft er sich ein falsches. Wir stehen also nicht vor der Frage, ob wir unserer Jugend erlauben wollen, radikal zu sein — sondern nur vor der Frage, ob wir in der Lage sind, diesen Radikalismus nutzbar zu machen und ihn in das richtige Bett zu. leiten. Bisher haben wir cs nicht vermocht. Was wir der Jugend bisher an Radikalismus geboten haben, vermochte nicht Wurzeln zu schlagen: Ls begann mit dem rein mtdiekfii.'ilisiiscii-ideo'logischen Radikalismus im Sinne Uhimcnfckls. Ls setzte sich fort in der Terminoiogie von der Unbedingtheit und schob sich auf ein rein sittliches, zmn Teil religiöses Geieise. Ls miindete vorläufig Lin Wortschatz des Sozialismus. Das waren ausnahmslos Variationen, die vom eigentlich jüdisch-iintioiialpolitisclicn ••!!)drängten. So radikal man sich auf diesen Gebieten kuiidgab, so schwächlich und unradikal war andererseits die politische Einstellung. Verband der Jtigendvcreinc — Ceiitralverein -- Viod — Arbeiterfürsorgeamt — lauter Marksteine ,einer Entwich- Iung, die zur radikalen Betätigung auf den der konkreten Gestaltung entrückten, lediglich dem Diskutieren una Reden ausgelieferten Gebieten im krassesten Widerspruch stand. Wer kann heute noch einen anderen Schluß daraus ableitcn, ais den, der besagt, daß das Gros unserer Freunde noch nicht einmal wirklich Wurzel gcschlagen hat im nationalen Gedanken! Daß dieser Gedanke noch immer zu schwächlich ist, als daß er sie vor dein Anheimfallen an Tagesströmungen bewahren könnte! Genau so haltlos wie vor 1897 greift auch unsere nationale Jugend mit hysterischer Hast bald nach dieser, bald nach jener Sache, um sie mangels einer eigcnschöpfcrischen zu ihrer eigenen zu machen. Warum? Weil sie ohne Führung ist. Weilihre Führer sie dort, wo es wirklich darauf ankommt, sich national zu betätigen, im nationalen Kampfe gegen Assimilation und gegen feindliche Nichtjuücn erbarmungswürdig im Stiche lassen — und ihr das Musterbeispiel einer Politik bieten, die nur der selber bereits mit aller Schwächlichkeit zufriedene, nicht aber die stets nach Stärke_ zumindest sehnsüchtige Jugend billigen kann. Mißleiteter Radikalismus! Wir müssen ihn auf die rechte Balm zurückiühren. Erkennen wir immer noch nicht die Front? Der Feind ist weder der Niehtphilosopli, noclider Unreligiösc, noch der Wirkiiclikeitsmensch, noch das Schreckgespenst Wynckenseher Jugend: der Erwachsene, noch der Bourgeois, noch der Kapitalist: ‘‘,cr, Feind ist das mchiiiationalc Judentum sowie jenes Nichtjudentuiu, das amijüdisch im nationalen Sinne (nicht antisemitisch im menschlichen Sinne) ist. Sammelt die noch ungebündigle, aber fast schon hoffnungslos zersplitterte Kraft der Jugend, reißt die versickernden Bädrlein zum Strom zus;mimen, führt eine ncuverjiinpte, selig ihr eigenes Wünschen, Wollen, Hoffen allein dem Volksganzen hinopfernde, eine sich übcrrcidi verschwendende Jugend, so ihr cs vermöget, gegen diesen Feind, begreifet, endlich, das jüdische Problem, wo ihr es auch anpacket, als politisches Problem — und auch die letzten Bastionen der Festung, die wir benennen, brechen zusammen — — — —. (Aus Raumgründen gekürzt.; Zum Dogma von der ewigen Gaiuth Den folgenden Brief sandte ich der Redaktion von ״Volk und Land“. Er wurde mir, weil das Blatt nicht mehr erscheint, zurückgcstcllt. Da das Problem, wie ich glaube, allgemeines Interesse beansprucht, so möchte ich es hier durch die VcröftentJichung des Briefes zur Diskussion stellen. A. Sch. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sic haben in Nr. 29/30 dieser Zeitschrift meinem Im ״Juden“ erschienenen Aufsatz ״Das Dogma von der ewigen Galuth“, eine besonders freundliche und zustimmeiide Besprechung gewidmet, da Sie darin eine von ideologisch-theoretischer Seite kommende Bcstütigung der von Ihnen propagierten kolonisationstcchnisch-praktischen Tendenzen scheu. Ich bin in der unangenehmen Lage, erklären zu müssen, daß ich diese Freundlichkeit nicht verdiene. Wir stimmen nämlich nicht überein. Vor allem möge mir gestattet sein, zu betonen, daß meine Ausführungen und ideologischen Fordcrungen vom Streite Minimnlismus-Maximalismus im Kerne nicht berührt werden, daß die Anhänger sowohl der einen als der anderen Richtung .meine Ansicht akzepderen oder verwerfen können. Denn mein Essay, allerkürzest und ganz skizzenhaft zusammengefaßt, besagt: Das Dogma, die Gaiuth müsse ewig׳ bleiben, weil Palästina alle Juden nicht fassen kann, erwuchs ursprünglich auf antizionistischem Grunde. Später übernahmen wir es von drüben, tim damit die Galuth-Gcgemvartsarbcit zu rechtfertigen, und seither bildet dies in immer wncl*• seitdem Maße ein Prinzip der Hemmung und Verirrung in unserer Ideologie und Bewegung, dessen übie Wirkungen auf vielen Gebieten ich dort aufzeige. In Wahrheit aber vermag kein Fachmann — Gelehrter, und gar schon kein Laie, über die Aufnahmsfähigkeit eines Landes, dessen Kultivierung noch eigentlich nicht begonnen hat, Bestimmungen auszusagen; vollends jetzt, da die ökonomisch-soziale Entwicklung der Welt überhaupt während der nächsten Generationen ganz eine Unbekannte, ist. Das jedoch ist sicher: ״Wenn Millionen Juden einmal gekostet haben werden, ohne Gaiuth zu lohen, so wird keine Schwierigkeit der Welt die anderen abh.1l ten, sich mit aller Gewalt und Anstrcngung aus der Gaiutli hinausziidrängcn.“ Sollte es sich dann, nach Generationen, erweisen, daß Palästina alle Juden absolut nicht fassen kann, so wird sich das jüdische Volk ein anderes Konzentrationsgebiet suchen. ״War irgend ein Uganda vor der Erlangung Palä-, stinas mit Recht eine Gefahr, so wird es das nicht mehr sein, sobald Palästina durch Millionen Juden gesichert sein wird.“ Nach einer oder zwei oder drei Generationen wird sich darüber diskutieren lassen. — Ich empfinde es demnach als eine Negierung des tiefsten Fundaments des Zionismus, wenn wir auch nur für einen Moment auf die Einstellung cingchcn, daß diese Ideen- und Massenbewegung nicht auf eine Lösung der Judenfrage in erschöpfendster Totalität durch Konzentration iiinzielt; wenn durch de» Zionisinus nicht einmal nach einem entsprechenden Zeitraum das drückende Griindproblcm, die Judcn-Gahithfragc verschwindet; wenn wir neben dem Zionismus auf andere dauernde"* und befriedigende Lösungen in der Gaiuth, z. B. auf nationale Autonomie, Minoritätenschütz u. dgl. unsere Hoffnung setzen.“ Dies schrieb ich im ״Juden" und das, wiederhole ich, wird von der Alternative Maximalismus-Minimalismus im Grunde nicht berührt, insofern diese Streitfrage einen Meinungsstreit unter Kolonisationsfachleuten( darstellt. Und ich halte es für dringend notwendig, daß die Bezeichnung Minimalist — Maximaiist jetzt auf diese kolanisations-tcchnische Sphäre beschränkt werde. Es bliebe uns dadurch viel Verwirrung und dialektischer Zank erspart. Wenn also einer nur darum Minimalist wäre, weil Palästina nicht alle Juden fassen kann und der Zionismus daher nur eine Teillösung der Juden bedeutet, so wird er uns beide, Sie und mich, in gleicher Weise als seine Gegner finden. Die Differenz aber zwischen Maximalsten und Minimalistcn kann bestehen — und besteht —, auch wenn mau mit Ihnen und mit mir in der Formel einig ist: ״Was soll der Zionismus? — Die Judenfrage lösen!“ Der Minimalist, der das zugibt, sagt: ״Jawohl, lösen — aber mit welchem I 1 5 .1 k ' 1 i i V, 1

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