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Jüdische Rundschau · 1920-05-21 · Heft 33 (21.5.1920) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 33 (21.5.1920)
Date
1920-05-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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I Seite 250 JUEDISGHE RUNOSCHÄÜ Nr. 33 Das Echo von Berliner Festversammlung Sonntag, den 17. d. M., fand in Berlin in den Ufa• sälen am Zoo eine große P.il.istinafeier statt. Die Säte waren überfüllt, hunderte Besucher fanden keinen Einfall, Ansprachen hielten Herr Dr. Witkowsky, Dr. Leiewer, Dr. Klee. Die Redner fanden begeisterte Zustimmung. Schmarja Lewin ia Wien Die Anwesenheit Schmarja Lewins in Wien gab der Wiener Judenschaft Gelegenheit, die Feier der politischen ״Ciroßjährigkcitserklärimg“ des jüdischen Volkes (so nennt die ״Jtid. Zeitung“ den Beschluß von San Remo) mit besonderer Bewegung zu begehen. Donnerstag, am 13. d. M., fand die erste große Massen- Versammlung im großen Saal des Konzeilha uscs statt. Tausende von jüdischen Männern und Frauen waren dem Rufe des zionistischen Laiidcskomitees gefolgt, und die Zahl derer, die keine Einlaßkarten mehr erhalten konnten, geht abermals in die Tausende. Die Versammlung, in welcher eine enthusiastische Stimmung herrschte, bedeutete eine überaus eindrucksvolle Kundgebung der Wiener jüdischen Bevölkerung für das jüdische Palästina. Von den Vertretungen der auswärtigen Mächte war der englische diploin a tische Vertreter Sir Lindlcy erschienen, weldicrp die Versammlung eine Ovation von stürmischcr Herzlichkeit bereitete, ferner der französische Generalkonsul und namens der polnischc Gesandtschaft Herr Dr. Parncs, welch beide mit lautem Beifall begrüßt wurden. Den Vorsitz führte Abg. Stricker, sodann sprachen Oberrabbiner Dr. Chajcs und Sclunarja Lev in. Beide Redner wurden mif großer Begeisterung akklamiert. Hierauf wurde die Absendung von Danktclegranuncn an Premierminister l.loyd George und au die zionistischen Führer in London, ferner eine BegrüBungsdepesche an die amerikanische zionistische Organisation und deren Repräsentanten Richter Braud e i 9 und Mack beschlossen. Für S a n 11 n b e 11 d , 15. Mni, wurde ein Palästina- Meeting in den Swohoda-Saat im Prater einberufen, wo ebenfalls Schmarja Lcwin sprach. Eine dritte Massenversammlung fand Sonntag Vormittag wieder im Großen Konzerthnussaal statt, Diese Versammlung riehtete sich vor allem an die Frauen und Mädchen, sie.war vom zionistischen Frauenreferat (Anita Müller) einberufen. Dr. Sclunarja Lcwin wurde stürmisch bejubelt. Von Wien, wo er auch die kulturellen Institutionen inspiziert hat, dürfte Dr. Lewin sich nach Krakau und Warschau begeben Das Echo im Ostea Jubel in Rußland Einem Telegramm aus Helsingfors zufolge veröffentlich! die ״tswestia“ die Nachricht über die Ent- Scheidung in San Remo, welche sie auf drahtlosem Wege und außerdem von Reisenden die aus Finnland kamen, erhalten hat. In der gesamten russi sehen Juden heit herrscht unbeschreiblieh er Jubel. In allen Synagogen werden Gottes■ dienste abgehaltcn. In Wilna Am Dienstag, den 11. Mai fand anläßlich der Auer kennung der jüdischen Rechte auf Palästina im Stadt sank* in Wilna ein Massenmeeting statt, welches von einer nach Tausenden zählenden Menge besucht war. Die Reden wurden von den Vorstehern der zionistischen Vereinigungen gehalten und fanden enthusiastische Auf• «ahme. In Lodz In Lodz wurde die Anerkennung des jüdischen Palästina von der gesamten jüdischen Bevölkerung festlieh begangen. Die Feierlichkeiten wurden vormittags durch einen Festgottesdienst in der großen Synagoge eröffnet, bei welchem Rabbiner Dr. Braudc die Bedeutung des Ereignisses von San Remo würdigte. Um 11 Uhr vormittags fand ein feierlicher Umzug der zionistischen Vereine, der jüdischen Turner, der Schulkinder und von Abordnungen der jüdischen Vereine statt. Blau-weiße Fahnen wurden jeder Gruppe vorangetragen. Nachmittags wurde vor der Stadt ein Massenmeeting unter freiem Himmel' abgehaltcn. Die Feier verlief würdig, getragen vom Enthusiasmus der jüdischen Bevölkcrung. Bemerkt zu werden verdient, daß beim Umzug aus polnischen Privatwohnungen und aus einer Konditorei Wasser auf ,die vorbcizichcndcn Kinder gegossen wurde. In Lemberg Die Feierlichkeiten anläßlich des Beschlusses von San Remo, welche am 9. Mai stattfanden, zeigten deutlieh die Freude und Begeisterung der jüdischen Bevölkerung. Die Fenster und Baikone der jüdischen Woh* nungen waren mit Herzl-Bildern und blau-weißen Fahnen geschmückt. Die Versammlung, welche nachmittags im großen Hof in der Kolontaja stattfand, war von mehr als 20000 Personen besucht, welche die Ansprachen der Herren Dr. Leon Reich, Wittels und Diener mit Begeisterung Aufnahmen, Nach der Versammlung formierten die Teilnehmer einen Demonstrationszug, . wcicncr unter Absingung hebräischer und jüdischer teiler zur Passage Hausmann zog; dort wurden wieder Ansprachen gehalten, in der Vorstadtsynagoge fand ein Festgottesdiensl statt. Brcst-Litowsk Ans Warschau meldet ma •uns; Am Lagb'oiiter-Tagc fand in Brcst-Litowsk ein Schülerunmig statt, an welchem 3000 jüdische Schulk hui er tcilnahmcn. Unter Vorantragung von Fahnen in jüdisch-nationalen Farben sangen die Kinder mit Orcnesterhcglcitung hebräische Lieder. Abends fand eine Moiisterversammlung statt, an welcher nahezu d r e i ß i gtausend Menschen sich beteiligten. Fünf Redner gaben der Freude des jüdischen Volkes über die Wiederei'Liiigiiiig Palästinas Ausdruck, Während des Fest- ' auch während der Versammlung jüdischen Geschäfte ge- Umzuges sowohl als waren sämtliche schlossen. Rumänien Am 26. April, tun 11 Uhr vormittags, traf bei der Zionistischen Föderation in Bukarest das Londoner Telegramin ein, daß die Nachricht von der Erfüllung des großen und langersehnten historischen Ereignisses, der Wiedererlangung Palästinas, brachte. Uni 3 Uhr nachmittags wurde den Zeitungsverkaufen» die erschienene Sonderausgabe der zionistisehen Tageszeitung ״Mantuirea“ buchstäblich aus den Händen gerissen. In den zionistischen Büros in Lipscani wurden die Fahnen herausgehängt und ein durch elektrische Lampen beleuchtetes Plakat verkündete die große Neuigkeit. Um 9 Uhr abends vereinigte die Födcration alle Komitees der hauptstädtischen Sektionen zu einem Meeting; es herrschte eine begeisterte Stimmung. Die Herren Schwatzt cid, Dr. 11. B/ezis aus Ploesti, Dr. N i e m i r 0 \v e r, Advokat Misit W a i s - in a n und Georg B i s c h o f f hielten Ansprachen; auch ein Telegramm nacli London wurde abgesandt. New׳ York Aus New York wird berichtet; Die Beschlüsse des Obersten Rates in San Remo haben in allen amerikanisch-jüdischen Kreisen freudige Begeisterung erweckt. Nicht mir die jüdischen politischen Parteien haben sich offen dazu bekannt, daß die Einverleibung der Balfour-Deklaration in den Fricdensvertrag mit der Türkei die OiHninchung eines Unrechts an dem jüdischen Volke darstcllt, auch die auf icii» konfessioneller Grundlage stehenden S y n a g o g e n g e 111 e i n d c 11 haben es als ihre Pflicht angesehen, dieses welthistorische Ereignis in ihrer Art zu feiern. Spontan und ohne vorherige Agitation haben in sämtlichen Synagogen New Yorks und in den meisten ,Synagogen Amerikas Fcstgottcsdienste stattgefunden, im Verlaufe derer sowohl liturgisch als auch in den Festpredigten auf die hohe Bedcutung der Wiedergewinnung Palästinas für das jüdische Volk Bezug genommen wurde. Spanien Tliiie zionistische Deputation überreichte dem britisehe Botschafter, der zur Zeit der Nachrichten aus San Remo zufällig in Barcelona anwesend war, eine Adresse, in der der tiefen Dankbarkeit gegen die britische Re* giert mg Ausdruck gegeben wird. Es heißt darin weiter: ״Wir setzen volles Vertrauen in den Gercchtigkcitssinn Großbritanniens und sind überzeugt, dab Englana tmserm alten Volke im Sinne der italfour-Deklaration behilflich sein wird, seine alte Heimat wieder anfzurichten, ein wichtiger Faktor für den ethischen und kulturellen Fortschritt der Welt und ein treuer und dankbarer Freund der hochherzigen britischen Nation zu werden. Wir hoffen, daß bei den bevorstehenden Auseinandersetzungen mit Frankreich über die Grenzfragen . England die Vereinigung aller Distrikte des historisehen Palästina erreichen wird." Der Botschafter versprach, die Adresse der britisehen Regierung zu übermitteln. Brief aus London (Von unserem Korrespondenten.; Zu einem Schauspiel, das in der Geschichte der Juden Englands ohne Beispiel dasteht, gestaltete sich der Empfang, den die Londoner Judenschaft (äh,■um Weizmann und Nachum Sokolow bei ihrer Ankunft aus San Remo bereitete. Viele Tausende nahmen an diesem Empfang teil, der einem ganzen Stadtviertel Londons sein Gepräge verlieh. Die Gebäude der zionistischen Organisationen und der jüdischen Zeitungen zeigten reichen Schmuck in den jüdischen Farben und vom Dach des Zionistischen Zentralbüros wehte die blau-weiße Fahne, flankiert von den Bannern Englands und Amerikas. Der Weg zwischen der Great Russe// Street und Victoria-Station war umsäumt von einer viel■ tauseiidköpfigen Menge, die geduldig stundenlang aut die Ankunft der Erwarteten harrte. Auf dem Baltnhot hatten sieh in Vertretung des durch Krankheit verliinderten Oberrabbiners Da;an C11 a i k i 11 und Dajan Feldmann eingcfimden, um die Ankömmlinge im Namen der Jüdischen Gemeinde zu begrüßen. Viel bemerkt wurde die imposante Gestalt des greisen Chnchambaschi Jacob M e i r, der bis vor kurzem der hochverehrte geistige Führer der Jüdischen Gemeinde in Saloniki war und jetzt Oberrabbiner von Jaffa ist. Als der Zug in die Halle einlief, tönte oin jubelndes ״Vrtichiin habaiin“ Weizmann und Sokolow entgegen. Dann trat tiefe Stille ein, als Sokolow mit lauter Stimme das ״Schehcchcjonu“ sprach, dem die Menge mit lautem ״Amen“ antwortete. Vor dein Zcntralbiiro herrschte bei der Ankunft der beiden Führer ein geradezu lebensgefährliches Gedränge und stürmische llciladrufc schallten Urnen entgegen. Inzwischen hatten sich im Konferenzsaal unter dem Präsidium von Boris Go. Id borg die Geladenen .versammelt. Aber der große Raun! faßte bei weitem nicht alle Erschienenen, so daß das ganze Haus von Menschen erfüllt war. David Yetlin, Naiditsch und Nord au begrüßten die heimgekehrten Führer in kurzen Ansprachen. Dann sprach Weizmann. Er stellte diesen Tag der Freude jenem der Trauer gegenüber, als die Kunde von den traurigen Ereignissen in Jerusalem eintraf. Er gedachte der Opfer jener Tage und J abo» insk i s, von dem er hoffte, daß man ihn bald in London würde willkommen heißen können, Daun sprach er von San Remo und berichtete, in welcher We isc Lloyd George ihm das erfreuliche Ergebnis mitgctcUt habe: ״Nun habt Ilir Euren Start, jetzt inachl Eure Sache gut." Das sei die Botschaft, die er dem jüdischen Volk zu bringen habe; an den Juden sei c< jetzt, zu zeigen, daß sie ״ihre Sache gut machen“ würden. Die vor dem Hause versammelte Menge forderte in unaufhörlichen Rufen das Erscheinen der Führer, bis endlich "Weizmann, Sokolow, Y e 11 i 11 und Nord au auf den Balkon hinaustraten und Ansprache.' an sic richteten. Im Anschluß an die Ankunft Weizmanns und Sokolows findet in London eine Oculahwoclie st311, in der zahlreiche öffentliche Versammlungen und Vitanstaltungen der einzelnen Organisationen abgehaltcn werden. Unter der Devise ״Ihr nabt Euren Start, macht Eure Sache gut“ wira diese Woche als Auftakt der nunmehr bcgiuncnUcn unmittelbaren ‘Arbeit für die jüdisehc Heimstätte in Palästina dienen, Die bevorstehende Ernennung Herbert Samuels Die offiziös angekündigte Ernennung Herbert S a - in 11 eis zum englischen Oberkommissär für Palästina ist bisher noch nicht erfolgt. Die Nachricht wird von den großen Londoner Blättern lebhaft begrüßt. ״Daily News“ schreibt in ihrer Nummer vom 12, Mai: ״Die Ernennung Sir Herbert Samuels wurde von den Juden mit der größten Zufriedenheit aufgenommen. Mr. Samuel hat sich nunmehr anläßlich der Verlobung seines Sohnes mit einer Palästinenserin auch familiär an das Schicksal Palästinas gebunden. Dieser erste familiäre Akt zwischen englischen und palästinensischcn Juden ist übrigens nicht allein romantisch, sondern vielmehr auch symbolisch zu werten.“ ״Daily Telegraph“ schreibt: ״Wenngleich diese Ernennung amtlich noch nicht verlautbart wurde, so sprechen doch alle Anzeichen dafür, daß die Angabe riditig ist und von allen Juden wie auch vom englischen Volke mit der größten Genugtuung begrüßt werden wird.“ ״Daily Expreß“ beklagt den Verlust Samuels als eines hervorragenden Führers der unabhängigen Libcraten, nadidem sic infolge der Designierung Samuels zum High-Commissioncr ihn verlieren. Das Blatt begrüßt in ihm einen der kommenden Männer seines Volkes und fütirt aus: ״Sein Name steht noch immer an erster Stelle auf der Liste der Exminister, deren Rückkehr von Asquith gewünscht wird, obgleich er auch zum gegenwärtigen Premierminister Lloyd George in frcundschaftliehen Beziehungen steht. Nun hat sich dieser Mann seit einiger Zeit der Renaissancebewegung des jüdischen Volkes angeschlosscn und es ist wohl zu bezweifeln, ob sein Herz ihn noch zur Politik Ziehen wird.“ Faisul geht nicht nach Paris Der Kairoer Korrespondent der ״Times“ meldet: ״Emir Faisul hat die Einladung, nach Paris zu kommen, abgclchnt. Es bestand Grund zu der Annahme, daß er mit Frankreich zum Abschluß von Bedingungen auf der Basis der Anerkennung des französischen Mandats für Syrien und der Anerkennung seiner Ansprüche seitens Frankreichs kommen würde. Es scheint, als ob die Extremisten in der arabischen Regierung in Damaskus die Oberhand gewinnen würden.“ Faisul äußerte sich einem Reutcr-Berichtcrstatler in Damaskus gegenüber, daß er die Ereignisse in Jerusalem bedauere. Er habe keinerlei offizielle Mitteilung darüber erhalten, aber aus den Berichten verschiedener Augenzeugen sei er fest überzeugt, daß der Ausfuhr keineswegs von den Arabern vorbereitet gewesen sei. Soweit er gehört habe, seien die Araber unbewaffnet gewesen, außer mit Stöcken und Steinen, während viele von den Juden Sdhußwaffen bei sidt führten und sie während der Kämpfe audt benutzten. Er wäre überzeugt, daß die Unruhen durch die von einigen Juden ausgestreuten Beschimpfungen der Araber verursacht worden seien, hauptsächlich durch gewisse schmähende Bemerkungen über die heiligen Fahnen, die in der Prozession getragen wurden. Der Vtürkische Vertrag ״Times“ bringen den offiziellen Text der Palästina-Klausel im türkischen FriedcnsvertraÄ' ״In Ausführung der Bestimmungen des Artikels 'R des Vertrages wird die Verwaltung Palästinas einet Mandatarmacht übertragen. Die Wahl derselben und die Grcnzregciung wird von den wichtigsten alliierten Mächten getroffen werden. Die am 2. November 191< von der britischen Regierung erlassene Deklaration betreffs einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, die von den anderen alliierten Regierungen gebilligt worden ist, wird bestätigt und der Wortlaut in den Friedensvertrag aufgenonunen. Es wird auch eine Spezialkommission vorgesehen, deren Vorsitzender vom Völkerbund zu bestimmen ist, zum Zwecke des Studiums und der Regelung aller Fragen, die mit den Ansprüchen der verschiedenen Religionsgemeinschaften in Palästina Zusammenhängen. Die Bestinunungen des Mandates werden von den wichtigsten alliierten Mächten festgesetzt und dem Völkerbund zur Billigung wterbreitet werden'*

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