Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 33 (21.5.1920)
- Date
- 1920-05-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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\ r c 1 \ X i 1 ) I ‘ .. ..3t... ף Ät׳:Ä«^r:x5.^™־:aas ־־׳ * KcvtaktioD und Verlag “W. 15, SiichtUdi« Sir. 6. Kndbcint je>i«׳a DienMfif und Fieitng, Bexugftpreis bei der Expedition und dea Poatimtern vierteljährlich 10 M. in Deutschland, Atmlaacbabonue- BMN3ta werden la der Wahrung der einzelnen Lander berechnet, Nummer 33 Berlin, 21. V. 1920 Anxclgcn-VerwaHting: Welt-Verlag, Berlin NW. 7, DorothccuxtraS• SS. Telaphoa: Amt Zentrum 4314 u. 4315* A&x«l£Ct>pr •ia für di« aiebengecpaHfo« NonpcretUoseü• 2.&G 1!^ AmeigeisichtuS: Dicaata? and Freilag ftochmlttag• 4 Uhr. Telephon: Amt UhUnit @45 und 846. Po;*«•■■hcni-kmito i Berlin Nr. \1 MT. Für Oesterreich t Postftparkaaeeaamt Wien, Konto Nr. 156 030. Für T»djedi«a!ow1dcel: PosUparkaaienamt Prag. Konto Nr. 156 OSO. RedaktiooaaddaS Sonntag und Mittwoch osaüraitUg. 4. Sslwan 3630 XXV. Jahrg. Der Zionismus erstrebt ff3r daa jadlscie Vollidla SveEaff.oa״einer &C?cnfcüicls-rocJitMch geateliertca Keimstatt• In PalflBtto®. ״Baseler Prognunm* i I 1 ו i 4! ־ t ' l! 1? / Die Convention der amerikanischen Zionisten Eine Miilioncndemonstratioa — Unbeschreiblicher Jubel — Eia herzliches Telegramm Lloyd Georges Freiheit verpflichtet j-r.ipr doch in, den früheren Zeiten nncli, die vor dir gewesen sind, seit der Zeit, wo Gott Menscheu auf der Erde geschaffen hat, und von eincnl Ende des lliuuncls bis zum andern, ob je so große Dhigc geschehe!» sind oder ob je dergleichen ge* hört wurde: Ob jemals ein Volk Gott vernein!!־ lidi mitten aus dem Feuer heraus hat reden höre», wie du cs gehört hast, und am Leben Hieb! Oder ob je ein Gott versucht hat zu kommen und sich ein Volk zu nehmen mitten aus einem Volke, mit Zeichen und Wundem, mit Krieg, mit starker Hand und ausgestrecktcm Arm und mit großem Schrecke», wie das alles init euch der I lerr euer Gott in Aegypten getan hat vor deinen Augen! V. M. •1,'J2 ff. Wenn du in das Land hincinkoimnst, das der Herr den» Gott dir gibt, so sollst du die Greuel jener Völker nicht nachahmen lernen. V. M. 18,9. Denn dieses Gebot, das ich dir heute gebe, übersteigt deine Krhlte nicht una ist dir nicht uuerreichbar. Nicht im Himmel ist es, daß du sagen könntest:• Wer steigt i» den Himmel, um es uns hcrabzuholen uiui es uns zu verkünden, damit wir danach handeln? — Auch ist es nicht jcuscils des Meeres, daß du sagen könntest: Wer i.ilirt über das Meer uikI holt es uns und ver* kündet es uns, daß wir danach tun? Sondern überaus nahe liegt dir die Sache: in deinen Mund und in dein Herz ist cs gelegt, daß du danach tust. Siehe, ich lege dir heute vor das Leben und das Gute, den Tod und das Böse ... V. M. 30,11 ff. An diesem Schawuoth-Festc soll unsere Bcfreiung verkündet werden. Das zionistische Aktions-Komitee hat eine Geuluh-Woche angesetzt. Niemals hat eine Generation von Juden die jüdischen Feste so erleben können wie wir. Der Auferstehung unseres Körpers geilt das Erwachen unserer Seele voraus; wir beginnen wieder den tiefen Sinn unseres Erbgutes zu verstehen, der \0u Geschlecht zu Geschlecht weitergegebenen Botschaff. Durch Jahrhunderte waren uns die Feste holieitsvolle Symbole; heute sind sie uns eine Lehre für unsere unmittelbare Wirklichkeit. Unsere Feste knüpfen an an nationale Ereignisse; aber sie sind zugleich Andeutungen kosrnischer Vorgänge, Spiegelungen des schaffenden Wirkens der Natur, lind Sinnbilder ewiger nienschheitlicher Gesetze. Pessach ist der Auszug aus Aegypten, Schawuoth die Offenbarung am Sinai; Pessach ist das Erwachen der Natur im Frühling, Schawuoth die Zeit der ersten Früchte, die inenschliche Arbeit dem Boden abgerungen; Fcssacli ist die Befreiung vom Joch der Knechtschalt, Schawuoth ist die Berufung zur sittlichen Aufgabe. Durch Jahrhunderte war nur der nationale Sinn dieser Feste deutlich; sie waren geschichtliche Gedenktage. l\־r naturhafte Sinn war mit dem Verlust der palästinensischen Heimat zur Erinnerung verblaßt. Der mcnschheitlicheSinn mußte verborgen bleiben, seiidem die erste Voraussetzung für seine Erfüllung, das freie nationale Leben, geschwunden war. Die Größe dieser Stunde liegt darin, daß wir spüren; die drei Seiten unserer Feste sollen wieder zusammcnfallen. Wenn wir jetzt nach Erez-lsrael kommen, wird Pessach wieder Frühling, Schawuoih wieder F.rstlingsfcst sein. Wenn wir wieder zur 1 reiheit gelangen, dann verstehen wir die doppelte Bedeutung des großen Wortes Freiheit, formuliert in den zwei Fragen: Freiheit wovon — und Freiheit wozu. Auf die erste Frage gibt Pessach die A!1t- ^'ort '• Knechte sind wir gewesen im Lande Aegypten. Auf die zweite Frage gibt Schawuoth die Antwort: ihr sollt mir sein ein Reich von riestern und ein heiliges Volk. Als das Volk aus Aegypten zog, war cs ein unorganisierter Haufen, kleinmütig, ungläubig, widerstrebend, rebellierend gegen den gottgesandten Führer und nur besorgt um sein materielles Wohlergehen. Es war dem Pharao entlaufen, aber cs war bei jeder auftauchenden Schwierigkeit be- [Clt> zu den Fleischtöpfen der Sklaverei zurückzu* kehren; es war nicht ergriffen von der Idee. Erst als es vor den Sinai kam, wurde es ges°rmt vom Gesetz des Geistes, hier erhielt es seine Bestimmung, hier wurde es nun erst eigentlich V 01 k.־ Der Sinn seines Seins wurde enthüllt, New York, 10. Mai. Zur Feier der Beschliisse von San Remo haben sich gestern die Vertreter der zionistischen Organisationen der Vereinigten Staaten zu einer außerordentlichen Konfercn'z in New York versammelt. Die Konferenz, an der 10011 Delegierte der zionistischen Organisationen aus allen Gebieten der Vereinigten Staaten teilnaluncn, ist in eine längere Tagung iniigewandelt worden und gestaltete sich zu einer ungeheueren Manifestation der gesamten amerikanischen J u d e n h e i t. Die großen Feierlichkeiten sowie die darauffolgende spontane riesige Demonstration einer Million Juden in den Straßen New Yorks löste überall unbeschreiblichen Jubel aus. Die Prozession zog durch die belebtesten Straßen und Avenuen, auf allen Seiten von einem Fahnenmeer mit den Auf- Schriften: ״Der Erlösungstag des jüdischen Volkes" umgeben. Diesem jüdischen Massenumzug schlossen sich ebenso spontan sämtliche Juden, die während des Krieges in der amerikanischen Armee und Marine gedient haben, an. In besonderen Reihen marschierten Soldaten und Offiziere der jüdischen Legion, die nach der Demobilisierung nach Amerika zuriiekkehrten. Die Tagung der amerikanischen Zionisten fand in dem Metropolitan Opera Housc statt. Den Vorsitz führte Julius Mack, Richter im Federal High Court. Die Festreden wurden vom Oberrichter Brnndcis und Rabbi Stephen Wise gehalten. Sowohl diese als auch die anderen Redner besprachen die Probleme der für die praktische und politische Durchführung einer unverziigliehen Masse nein Wanderung nach Palästina erforderlichen Vorarbeiten. Mr. Nathan Strauß, der zur Erinnerung an diesen großen Gedenktag eine Summe von 100000 Dollar für das Gesundheitsamt in Jerusalem spendete, war Gegenstand großer Ovationen. Der greise Staatsmann drückte seine überwältigende Freude aus, daß es ihm noch vergönnt war, in seinen alten Tagen der Feier der jüdischen Erlösung beizuwohnen. Der Appell von Stephen Wise und Mister B a r 0 n d e ß, dem Beispiel Strauß׳ zu folgen, ergab weitere 150000 Dollar für denselben Zweck, mit der ausdrücklichen Bestimmung, das Gesund-!mitsamt der medizinischen Fakultät der bald zu errichtenden hebräischen Universität in Jerusalem anzugliedern. An der Konferenz nahmen auch als Gäste die gegenwärtig in Amerika lebenden Vertreter einzelner jüdischer Organisationen Ost- und Mitteleuropas teil. Unzählige Begrüßungstelegramme ans der ganzen Welt liefen bei der Konferenz ein. Die Convention faßte eine überaus herzliche Dankresolution für Großbritannien lind gedachte mit besonderen! Lobe der Verdienste der amerikanischen Redas Volk entdeckte sein Ich. Denn am Anfang der wahren Befreiung stellt das Durchringen zum Bewußtsein der Freiheit, das höchste Vcrantwortlichkcit bedeutet. Befreiung ohne sittliche Sclbstentdeckung ist sinnlos, führt zu Enartung und Zerstörung; wir heutigen Menschen wissen genau, wie der geheiligte Name der Freiheit zu einem Freibrief für Gewalt und Verbrechen miß* braucht werden kann. Nicht durch den Auszug aus Aegypten wurde uns die Freiheit zuteil, sondern durch die Gesetzgebung am Sinai, die mit dem ״Ich bin“ anhebt und mit dem ״Du sollst“ endet; als deren erster Grundsatz der Satz gilt: Du sollst keine andern Götter haben vor mir. Kein Schwan* keil, kein Hin- und Herpendeln, keine offene Ruckzugslinie nach Mizraim; sondern ganz und ungeteilt und ohne Vorbehalt hast du der zwingenden und kompromißlosen Stimme des Geistes zu folgen. Dies erst ist Freiheit, daß du dich loslöscst von den Fesseln deiner eigenen Selbstsucht und von dem Schutt, den die Verbannung in die fremde Welt auf deine Seele gehäuft hat. Dann erst , kannst du erkennen, was du zu tun hast. Am I Sinai schloß drs Volk den Bund, cs übernahm gicrung und ihrer Friedensdelegation, namentlich des Obersten Housc, um den jetzigen Sieg des jüdischen Volkes. Der Convention war unter anderem folgendes T e 1 c g r a 111111 des englischen M i ni s t c r - Präsidenten Lloyd George zugegangen: ״Die Ratifizierung der Baifour- Deklaration durch den Obersten Rat und die Uebertragung des Mandates über Palästina an Großbritannien bedeutet einen großen Triumph für den Fortschritt der jüdischen Sache. Ich zweifle nicht daran, daß diejuden der ganzen Weit mit Großbritannien zusammenarbeiten werden, um Palästina nicht nur zum glücklichen Heim für diejuden, sodern zum Lande der Freiheit und des Wohl* Standes auch für alle andern Ein* wohner zu machen. Lloyd;.George.“ Der englische Gesandte in New York, Sir Auck- . land Geddes, telegraphierte: ״Ich bedaure lebhaft, daß ich verhindert bin, an Ihrem Kongreß teilzunehmen. Ich wünsche Ihnen vollen Erfolg und schließe mich Ihren Gebeten und Hoffnungen an. Möge das jiidisthe Volk in Palästina das Heim und Kulturzentrum finden, nach dem es so lange gestrebt hat!“ Telegramm Wcizmanns Weidmann hat folgendes Telegramm an die Special Convention in New York gesandt: ״Die politische Lage in Palästina ist jetzt geregelt; in einigen Wochen wird die praktische Wiederaufbauarbeit beginnen und die ersten jüdischen Pioniere seit der Balfour-Dcklaration werden in Erez-lsrael einziehen. Die Zeit des geduldigen Abwartens ist vorüber, die Juden müssen jetzt alle ihre Energie auf den Aufbau ihrer nationalen Heimstätte konzentrieren. Für diese ungeheuere Arbeit darf kein Opfer zu groß sein. Für unaufschiebbare Arbeiten sind große Geldsummen dringend nötig. Die amerikanische Judenlieit muß jetzt hervortreten und ihre großartigen Leistungen für den Wiederaufbau unserer angestammten Heimat noch verdoppeln. In der ganzen Welt haben die Anstrengungen der Juden für den Wiederaufbaufonds einen neuen An* stoß erhalten. Die erste Schewuoth-Woche soll eine ״Gcitlah-Woclie“ werden, in der durch Sammlungen und Spenden des Aufbaus Palästinas gedacht werden soll. Sehalom ubracha! Wcizmann.“ Nathan Straus geht nach Palästina - Mr. Nathan Straus erklärte auf der zionistischen Konvention in New York, daß er am 11. Juni nach Palästina abreise n werde, um nach Kräften am Wiederaufbau der nationalen Heimstätte niitziiwirkes. eine einseitige Verpflichtung; bis dahin war es aus E.ndcnstoff gebildet, am Sinai wurde ihm der Atem Jes Geistes ciiigebluscn. Scbawiiolh ist das Fest der Bändigung der auseinandei strebenden niederen Volkstriebe durch die Kraft des Geistes. Damals wurde unser Volk geboren. Heute soll cs wiedergeboren werden. Es gibt keine Wiederholungen in der Geschichte; aber wenn wir heute am Festtage verkünden, daß der Tag der Befreiung für unser Volk anbricht, dann soll uns dieses Fest auch erinnern: Freiheit verpflichtet. Das ausziehende Volk wird ein regelloser Haufe sein, wenn es nicht von der Idee ergriffen ist, wenn es nicht seiner Bestimmung eingedenk bleibt, .wenn es nicht durch die Donner des Sinais gellt. Die Befreiung ist noch nicht da; sic kann nicht von San Remo kommen und von keiner Macht der Welt, sondern nur von der sittlichen Entscheidüng, die das Volk sprechen läßt: Alles was der Herr geredet hat, wollen wir tun. Der geschichtliche Sinn und der Ewigkeitssinn unseres Festes wird Sinn unserer Gegenwart. Robert ,Weltsch.