Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 30 (7.5.1920)
- Date
- 1920-05-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Dcle- ,״•rtentag ersucht alle Orts- und Jugendgruppen Mit- Gliedern, denen die Aufbringung des ganzen Mitgliedsbeitrages unmöglich ist, die Mitgliedschaft dennoch möglieh zü machen. Einstimmig augenomtnen. 0 Antrag R a b i n F r o m m. Das Abonnement lor Neuen Jüdischen Presse‘* kann an Stelle ues Av-mcsabonncmcnts der ״Jüdischen Presse“ treten. ־ ' Fiustimmig angenommen. 7 Resolution Lazarus Barth-Dr. Ra bin. Die Kultur des Judentums ist eine national- ,eli 'iöse Im Mittelpunkt des Thoragesetzes steht das ,:•di'die Volk und das jüdische Land. — Das Exil hat las'Land die Assimilation hat das Volk aus seiner ',,«,.'j,,1' ״ •me verdrängt. Die Rücksicht auf die Galuth- Verhältnisse erschwert das volle Erleben und Ausüben des göttlichen Thoragesetzcs. Die kulturelle Tcndevz <!es Misrachi ist, dort anzukiiüpfcn, wo das Exil das Hand zwischen Volk und Land zerrissen hat und diesen le'״len Faktoren wieder ihre überragende Bedeutung ,a verschaffen, um die volle jüdische Einheit herbei- /!׳uiliren. Einstimmig angenommen. 8 Antra״ Adler, Lübeck. Das Zcntraibiiro wird ermächtigt, eine gesonderte Stelle für die gesamte vi'iuneltü'iigkeit, gegebenenfalls auch• in einer anderen vaiit als Berlin, zu errichten. — Die Snmmclstclle soll ui!• ja■ Aufbringung der misrachistischcn Zwecken dienen- Jen Gelder verantwortlich sein. Die Sammelstellc hat eine weitgehende, energische Propaganda bei den O. G. durchztiführen. - Es steht ihr uas Recht zu, säumige!Ui. durch die Misrnchi-Presse an ihre Pflicht zu , mahnen. Die Sammelstellc untersteht der Leitung des j /eutralbüros. 1 Einstimmig angenommen. Herr Adler hat sich zur t Vbcrnahine «7er Stelle bereit erklärt. | 9. Antrag des M i sr a ch i - J ug c nd v c r ba nd ן Deutschland. Die soziale Gerechtigkeit ist, nie Gerechtigkeit überhaupt, eine Grundforderimg der göttlichen Lehre. Beim Aufbau Palästinas muß diese I Liderung auf jedem Gebiet, d. h. mit Bezug auf den Boden in Stadt und Land, auf Handel und Industrie, sowie alle sonstigen Zweige des Wirtschaftslebens, durchgesetzt w erde n. Einstimmig angenommen. 10. Antrag Knolle r, der Jugendgemcinschaft Deutsdilands IÜÜ00 M. für ihre besonderen Zwecke zu bewilligen, wurde aus finanztechnisclicn Gründen nbgclehnt. Jedoch wurde die Leitung ermächtigt, von Fall zu Fall die Jugeiulgcmeinschartcn finanziell zu unterstützen, wo deren Mittel nicht ausreichen, Wahlen Man uat nunmehr in den Wahlakt ein. Es wurden gewählt: Kulturkommission: Herr Rabbiner Dr., r s ehe rn o w i t z , Berlin, Herr J. H. Wagner, Berlin, Herr Rabbiner Dr. Lieber man 11, Berlin, Herr Jak. Posen, Frankfurt a. M., Herr Dr. Grünborg, Berlin, Herr Artur Rau, Berlin, Herr Rabb. Dr. Nobel, Frankfurt a. M., Herr Dr. Ra bin, Frankfurt a. M. Zentralkomitee: Herr Laz. Barth, Berlin, Herr Jak. Posen, Frankfurt a. M., Frau Lina Wag- «er, Berlin, Herr S.-R. Frank, Altona, Herr R.-A. Rudolt Möller, Hamburg, Herr Hermann Warrisch, Hamburg, Herr Adler, Lübeck, Herr Dr. Rabin, Frankfurt a. M,, Herr Sally Geis, Frankfmt a. M., Herr Erich Fromm, Frankfurt a. M., Herr Dr. P .er I mann, Königsberg, Herr Dr. J. Bambergei, Nürnberg, Herr Justizrat Frankel, Mdiiclu'11, I h rr (i i I «i i n!; o r i 11, Leipzig, I lerr Privatduzen( 1'räiiKel, Marburg. •* Die Wahlen gingen per Akklamation vor sich. Hermann Struck erklärte, daß er infolge Ueberlastting den Posten als erster Vorstand des Zentral- Büros unter keinen Umständen mehr annelnnen könne. 1 lef betroffen nahm die Versammlung davon Kenntnis. Arnold Barth, der vorgeschlagen wurde, lehnte mit «Kt Begründung ab, dal) er niemals die Funktionen eines Vorsit/entlen ausführen könne, solange Hermann Struck dem Zentralbüro angehörc. Es entspann sich eine längere Debatte, in der alle Redner einstimmig, die Verdienste Strucks würdigten. Professor Pick machte den Vorschlag, daß man, solange man nicht das Glück habe, einen anderen ebenso geeigneten Menschen» wie Hermann Struck für den Vorsitzenden des Deutsehen Misrachi wählen zu können, man ein Zentral- .büro aus fünf Mitgliedern wählen soll. Diese iuiit mögen dann unter sich die Arbeit clatcilcn und zu gleichen Teilen an der Verantwortung mistragen.. Das Recht der Kooptation stehe dem Zcntralbüro zu. Dieser Vorschlag wurde angenommen und folgende Herren per Akklamation gewählt: Hermann St ruck, Dr, Arnold Barth, 1. Groß, Du. Willy David, Qabriel K n o 11 e r, "**'*25 r’np jfRS tiüsjit ■ *Lr SPS Sendet sofort die List« Eurer über 21 Jahre alten m!tunlichen Bekannten, vor! denen Ihr glaubt, dass sie am 20. Juni für die Liste der Jüdischen VoIIrspartci stimmen werden, an das Wahlbüro, HciligogoisUtr. 52, (Sofortige Meldung von freiwilligen Helfern und Hülfe rinnen sehr erwünscht 1!) laadBS t «*ו* «o Wahlbüro: llciligf'geiststr. 521■ (Tel.: Zentr. 8010). Geöffnet 9-7 Uhr. Die antisemitischen Studentenkrawalle (Von unserem Wiener Korrespondenten.) r. Wien, am 1. Mai. Die letzten Tage des April werden ein Schandfleck ,, Gesetzliche Sabbathruhc in New York. Wie die ,dcwish World“ aus Philadelphia meldet, wurde von ״;״ ßesetzgebenden Versammlung des Staates New York n״U8santraK Samuel Dicksteins mit 126 b-, ”, Stimmen angenommen, wonach den Juden, o״״am, San*dag geschlossen haben, gestattet wird, zu arbeiten. Man erwartet, daß auch «er Senat unmittelbar ein gleiches Gesetz annehnien wird, und daß die zeichnen wird. ein gleiches Regierung sofort das Gesetz unter- 1* Htau‘schcn Wahlen. Bei den Wahlen zur litauischen Verfassunggebenden Versammlung wurden sechs jüdische Kandidaten gewählt in der Geschichte der neuen Republik Oesterreich bleiben. Die Lorbeeren der Reaktion im benachbarten Ungarn haben die Wiener akademische Jugend nicht schlafen lassen und sie hatte den Ehrgeiz vor aller Welt zu beweisen, daß sic der Horthy-Garde ebenbürtig ist. Der Antisemitismus ist in Wien keine neue Erscheinung. Wien ist die Geburtsstatte der christlichsozialen Partei, die stets radikal-antisemitisch war. Dies war die Partei des kleinen Mannes, der Greis!«.*־ und Hausmeister, deren Repräsentant im Parlament einmal gesagt hat, Bücher sind das, was ein Jud* vom andern abschreibt. Die letzten Vorfälle haben ein ganz anderes Element zur Führung der antisemitischen und reaktionären Bewegung erhoben: Die sogenannte Intelligenz, die akademische Jugend, die Trägerin der geistigen Zukunft der Nation. Mit Recht hat Abgeordneter Stricker in einer großen Rede in der National- Versammlung am 29. April, in der er über die Vorfälle Klage führte, bemerkt, daß in diesen Tag«m dem deutschen Volk mehr geschehen ist, alls dem jüdischen: Das deutsche Volk hat allen Anlaß, sich seiner Jugend zu schämen. Die Krawalle begannen am 26. April mit einer großen Versammlung in der Universität, die sicli zu einem wahren Pogroinistcnmecüng gestaltete. Einzelne Redner forderten unter stürmischen Heilrufen der Zuhörer offen zu Mord und Totschlag auf. Nach der Ver- Sammlung zog inan zur jüdischen Mensa Academica, die gestürmt und demoliert wurde. Ein Serviermädchcn wurde zu Boden geschlagen. Die Wache schritt erst nach dieser Szene ein, wonach sich die Heiden unter Absingimg der Wacht am Rhein entfernten. Da die Mensa unter dem Schutz des ״American Joint Distribution Committee“ stellt, erschienen unmittelbar nach den Szenen zwei Beamte des Wiener Komitees dieser Körperschnft und photographierten die demolierte Mensa. Die Photographien wurden den ausländischen Missionen in Wien übermittelt. Am gleichen Tag hielt der Antisemitenbund eine große Hetzvcrsammlung ab, in der wütende Angriffe gegen die Juden sich mit begeisterten Ovationen f ü r H 0 r 111 y und Kapp vereinigten. Der Rathausplatz war durch einen starken Wachkordon abgesperrt, so daß nach Schluß der Versammlung die Pogromheldcn nicht in das Judcnvicrtel gelangen konnten. Nach Schluß der Versammlung erschien auf dem Rathausplaiz ein Trupp deutschnationalcr Studenten, der dann unter Absingimg nationaler Lieder mit den Massen abzog. Es (;dang der Wache, Ausschreitungen zu verhindern. Der jinlisduialiimale Gemeimlerut lir. Plasehkes hat 1m Wiener Gemeinderat eine scharfe Interpellation eiligebracht. Am nächsten Tag haben die deutschnationalen Studeuten die Universität besetzt und den jüdischen Studeuten den Zutritt verwehrt. Sic haben gewaltsam alle Juden aus den Hörsälen entfernt und sodann keinen Juden in die Aula hineingelassen. Die bewaffneten Deatschnntionalcn stürzten sich auf die jüdischen Studeuten und Studentinnen und mißhandelten sic derart, daß einige jüdische Studentinnen blutüberströmt weinend zu den Ausgängen stürzten, und die unbewaffneten jüdischcn Studenten mußten der bewaffneten Uchennacht weichen. Der jüdische HodischulaussclmQ hat an die Staatskauzlei und an das Staatsamt für Unterricht entsprechende Memoranden gerichtet, in denen er jede Vcrantwortung für die Folgen ablehnt, wenn die Rechtsläge nicht hergestellt wird. Die Universität 11 ml die Technik wurden nach den Exzessen gesperrt. Vor der gesperrten Universität kam es nr.: nächsten Tag wieder zu Ansammlungen und Ausschreitungen dcutschnatio naler Studenten. Wieder wurden nicht nur jüdische Studenten, sondern auch Mädchen und alte Leute mißhandelt. Allmählich beschränkten sich die Pogromheiden nicht mehr auf Juden, sondern überfielen auch Fremde. Ein italienischer Offizier wurde zu Boden geschlagen, so daß er von der Rettungsgesellschaft geholt werden mußte. Auch ein Mitglied der ״Society of Friends“ wurde verprügelt. Der jüdische Hochschiilatisschuß hat strikte Weisung atisgegeben, daß die jüdischnationaien Studenten sich vollständig ruhig verhalten, sich nicht in Gruppen bei den Hochschulen aufhalten und bei Zusammenstößen keinen Anlaß geben, bis die Ergcbnissc der Memoranden an die Staatsämter festgestellt werden. Die Wiener Universität bleibt bis auf weiteres ge schlossen. Abgeordneter Stricker hat sofort nach den Vorfällen beim Unterstaatssekretär für den Unterricht, Olöckel, interveniert und die Zusicherung erhalten, daß die Lehr- und Lernfreiheit unter allen Umständen gcwahrt bleiben wird. Im Parlament hielt Abgeordneter Stricker wie bereits erwähnt, am 29. April eine große Rede, in der er in außerordentlich wirkungsvollen Worten die Schmach dieser Vorfälle geißelte. Zum Schluß wies Stricker darauf hin, daß das Vierzehn-Millioncn-Volk de! Juden heute bereits in der Weltpohtik anerkannt ist und soeben vom Obersten Rat Palästina erhalten hat. Fs war ein großer geschichtlicher Moment und es ist geradezu beschämend, welchen kläglichen Widerhall das Ereignis im österreichischen Parlament hervorgentfer« hat: Her: Heini, ein chrisdich-sozialcr Abgeoalneter, hat währem! der Abstimmung über die Wettrcnnstcucr gerufen: Hoch Zion. Mau wird auch hier lernen müssen, sagte Stricker, auf einen in der Geschichte einzigartigen Moment, wenn ein Volk nach sechstausendjähriger Existenz und nach zweitausendjähriger Zerstreuung seine Heimat wiederbekommt, anders zu reagieren. Zum Schluß erwiderte Stricker sachlich auf den Vorwurf, daß zu viele Juden an der Universität studieren. Er versuchte bei seinen Zuhörern ein Verständnis für die tragische Situation und die Ursachen der abnormalen Wirtschaftliehen Struktur der Juden zu erwecken und schilderte die Versuche des jüdischen Nationalratcs, eine planmäßige Umschichtung «kr jüdischen Berufe durch Umleitung der jüdischen Jugend zur landwirtschaftlichen und gewerbliehen Produktion durchzuführen. Für diese Bestrebungen forderte er die Hilfe des Staates. Durch Gewalt ist das Problem nicht zu lösen. Die folgende Debatte, in der vorzugsweise die sogenannten Großdeutschen das Wort führten, bewies allerdings, daß man für die sachlichen Ausführungen Strickers wenig Verständnis hatte. Es wurde nicht viel mehr zutage gefördert ,als ein paar antisemitische Pöbeleien der großdeutschen «Maulhelden, welche die würdigen Führer der deutschnationalen Jugend sind. Polen Ausschreitungen in Warschau Die Ausschreitungen gegen Juden in Warschau nehinen kein Ende. Immer wieder werden Juden von Soldaten überfallen und mißhandelt und insbesondere das Bartabschneiden ist noch immer eine beliebte Beschaftigung. Am 1. Mai kam, wie uns ein aus Warschau hier angckoinmcncr Gewährsmann berichtet, ein Trupp poscnscher Soldaten in Warschau an und begann sofort mit Attackierung von Juden. Ein Jude, der sich den Bart nicht abschnciden lassen wollte, wurde mit dem Bajonett erstochen. Zum Schutze der Juden rückte Gendarmerie auf und es entspann sich ein halbstündiges Feuergefecht zwischen den Gendarmen und dem Militär. Auf beiden Seiten gab cs Verwundete, deren Zahl noch nicht festgestellt ist. Nur mit Mühe gelang cs, weitere antisemitische Ausschreitungen des Militärs zu verhindern. Am vorigen Freitag intervenierte Abgeordneter F a r b s t c i n im Kriegsministerium und bekam den Bescheid, daß das Ministerium bereits alle Anordnungen getroffon habe ,um den Exzessen ein Ende zu machen. Es wurden noch weitere Maßregeln in Aussicht gcnommen. Abgeordneter Farbstein intervenierte auch bei der Obersten Heeresleitung und forderte Schutzmaßregeln für die Juden an all ilen Orten, welche von dem siegreichen polnischen Heer auf seinem Vormarsch berührt werden. Der Adjudant des Chefs des Gcneralsfabs versicherte dem Abgeordneten, daß mit Zustimmung der Staatsregicrung schon alles mögliche in dieser Richtung veranlaßt ist und daß auch die weiteren Forderungen des Herrn Farbstein erfüllt werden werden. Memorandum der englischen Poale Zion an die Labour Party Das Londoner jüdische Korrespondenzbüro verbreitet den Wortlaut eines Memorandums, das die jüdisch-sozialistische Arbeiterpartei Poale-Zion von Englaiul, dem Exekutivkomitee der Labour Paity überreicht hat. Die Denkschrift beginnt folgendermaßen: ״Genossen! In einem höchst kritischen Augenblick wenden wir uns au Euch. Wir haben auf der ganzen Weit nur die organisierte Arbeiterschaft, der wir unsere Nöte mul unsere Proteste gegen die grausamen Ungerecht׳.:keiten die uns angetan worden sind, vortragvu können. Wir bitten Euch hierdurch, unsere Pläne und Forderungen anzuhören, damit dieselben durch Euch von den Tribünen der englischen öffentlichen Meinung aus Widerhall in der ganzen Welt finden.“ Das Memorandum stellt zunächst fest, daß seit dem Waffenstillstand bis zum heutigen Tage die Tore Paläsiinas für die jüdische Einwanderung geschlossen waren, und daß die Juden auf diese Weise des Rechtes heraubt sind, in das einzige Land, «las natürlicherweise für die jüdische Einwanderung in Betracht käme, ausziAvandern. Es beschreibt die Verfolgungen in ־■*der Ukraine während der letzten Jahre, das schreckliche Blutvergießen, und sagt: ״Viele Tausende von Juden, die aus der ukrainischen Hölle entkamen, haben unter den größten Gefahren endlich die Grenzen Palästinas erreicht — ihre einzige Hoffnung. Sic irren jetzt in Triest, Konstantinopel, Saloniki, Kairo. Alexamirien, Betrut und Damaskus herum und klopfen vergebens an die Tore Palästinas. Keine einzige der europäischen Mächte hat bisher das geringste getan für diese große Masse eines unglücklichen Volkes, das Schutz sucht unter dem Himmel seiner historischen Heimat. In Ncu-Polen in vielen Teilen des früheren Rußland und in Oesterreich-