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Jüdische Rundschau · 1920-05-07 · Heft 30 (7.5.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 30 (7.5.1920)
Date
1920-05-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 225 I { Nr. 30______ j.U.:•:,י RU.NancaAU 1t;!jj-, | iv .!cn I ft’i ,äcn : 1'(•CV 1 i Vir-! A :!ich! ikhcr• &!cq! 1 '> ein; «Klent; 11.1״t 1 d der '■ eine i 1 Md, . j Ifotir• :! tr.!, , inner■ | ־ irnnj 1 eine ] •חיet/in! ebene r! Kon•; < eset/t : treck- : stiina! Ma- , י A'arcn l ver- •\ Ideen; ן ch in 1 c rte ־ euere r' , da 8 I : IIIK'II-! «vorj kters. i;inem | türen, | wenn | ilireti fried-? »irtijr ן; der I; 11 de *׳faiie : da« (rom- | sieh j ■ stüt/t { trlieh, [ Ob- | sind, 1 ן erliilt. I \ 01iu׳>. i | ich ul- | j twehr!' 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April: ״Die Ruhe ist jetzt im ganzen l.ande wieder he rgcstellt. Offenbar auf Befehl aus London hin haben die hiesigen Behörden überall umfassende Sicheru!!gsi11a«ns!11ncn ergriffen. In allen Städten patrouillicich bewaffnete Gendarmen sowie britische und indische Keilerei und achten auf Ruhe und Ordnung, Am K1. April fand in Jaffa ein großes mohammedanisches I ukalfest statt, au dem eine sehr große Menschenansaminlnng erwartet und daher Unruhen befürchtet wurden waren. Dank den Maßnahmen der Militärpolizei ist die Ruhe nirgends gestört worden. Mau merkt außerdem auch in der Stimmung der Bevölkerung eine!eichte Entspannung. Die Militürgouverneure haben sieli überall verpflichte״ müssen, für die Sicheriieit der Einwohner cin/iisteheii, und sie tun dies mit Erfolg. Man erwartet im ganzen l.ande mit großer Un* geduld die Berichte aus London, die für die Vorfälle in Jerusalem (ieiiugluiiiig bringen sollen. Wie wir erfahren, hat in Alexandrien eine Massenkundgebung aus Teilnehmern aller Nationen stattgefunden, in der die Ereignisse in Jerusalem schärfstem» verurteilt und die notigen Sanktionen verlangt wurden. Aehnliche Demoiistiatioiien sollen bereits auch in London und New- York;!!!gehalten worden sein. Ungeachtet der unruhigen Zeiten werden in diesen l agen dicW&lilcnfürdicjüdischeVcrtrcter• Versammlung (einer Art Parlament iin kleinen) mit In ׳soliderem Eifer dnrehgefülirl. Die Vcrtreterversatnuihing wird sich nächstem, in Jerusalem vereinigen. Ihre ersten Sitzungen werden der Besprechung der politisehen Lage sowie der Ausarbeitung eines Arbeitspro- £ rammt gewidmet sein. Die Stimmung vor Pcssach. Die ״Neue Züricher Zeitung“ veröffentlicht einen Bericht ihres palästinensischen Dr. A. B.- Korrespondenten, der für die Stimmung im Lande noch vor den Pessaeliereignissen charakteristisch ist. Wir entnehmen der SchildcriMig nachstehende Ausführungen; Nicht nur der Mangel au Touristen ist cs, der die 'ttim/tiiiii/j־ im l uulc in der letzten Zeit dauernd .auf dem Gefrierpunkt hält. Im Gefolge der politischen Wirren in Syrien und der mit Wissen und Duldung einzelner Verwaltmigsbeamten auch hier im Lande angezettelten Hnlipropagamla gegen einen Teil der Einwohnersehaft haben der allgemeine Zustand des Landes und dessen wirtschaftliche Lage sehr gelitten. Die Neuerung hat enorme Dimensionen angenommen. Alle* ist knapp geworden, das ganze Land befindet sieb trotz löbliclieu Gegenmaßnahmen der Regierung in einem /,iiü.ind des 1 fiilbhmigers. Da nämlich durch die Ereigni*se in Syrien mul die Zerschneidung des Landes d'irch die willkürlich gezogenen Grenzlinien Palästina von seinen natürlichen Hinterländern (llanran, Ost- 1»rdanieu) getrennt wurde, ist der ganze Lebensmittelmarkt mir noch auf Einfuhrwaren angewiesen, denn die Ernten der letzten Jahre, die in Palästina sehr schlecht ausfielcn, gestatten die Anlegung von Reserven nicht. Die Anstrengungen der jüdischen Kolonisten, L Ein hebräische« Buch ist bekanntlich im Verhältins zu seinem Inhalt außerordentlich kurz, da das Hebräische den stcnographicnrligen Vorzug besitzt, die v'okal/fidien forllassen zu können. Für den liebräivlieii Schauspieler und Spielleiter folgt daraus die einzigartige Aufgabe, die Vokale unter eigener Verantwortung j /l* *,,Ken, und dem Kritiker erwächst die Verpflichtung, j ln‘Jzu,cpc״» mit welchem Erfolge und auf Grund welcher! Prinzipien eine Lösung gefunden wurde. Aus kriti- ן sehen Betrachtungen dieser Art werden sich an Hand 1 konkreter Eiuzelprohlcme prinzipielle Diskussionen über ”1e ungeklärten Probleme des ״modernen Hebräisch“ ergeben.^ wodurch diejenigen, die bereits das Hebräische ״erlernt" haben, zu intensivem׳ Interesse für unsere sprad1e angeregt werden dürften, 2: ״Das Theater“, so heißt es in dein Aufruf n1J Gründung einer hebräischen, dramatischen Gesell- 'vnaft, ״wird der Sprache ihren musikalischen Kling *icdcrgcben“, ])er Kritiker wird' also fcstzustellen »aben, wie weit der Schauspieler die verschiedenen cndtzciciifji unserer Vorfahren durch die verschiedenen f *)**Brechenden Laute angemessen interpretiert. ' .'י e 'pic das Ajin, weiches in Palästina unter arabi- . jl P-ihBu« bereits zu neuen! Leben erwacht, und 1V lc *״deren, die sich in keiner der dem Schauspieler יcn ,%rachcn finden, wird man jedoch zweck- 7״' FtfTnlSe vwl'iu% besser nicht verlangen, um nicht 1. .!C. 'cj,c'UT?i m verführen und die Aufmerksamlei elitär - ,״sP”?,<r und Zuschauer von der Fülle der ejr . ״ ,'v;,is'genden und darum für ernsthaftes In er.) . .1 nglidieren Ausspracheaufgaben abzulcnkcn. /"ו . Cf Lm»e dürfte vielmehr auf die Wahl der Toastelle PuHilJt י .U״ti au* die Unterscheidung von Kamaz und . M . 1 ®diten *ein, sowie bei polnischen Juden, 1J״״ .ZWlschc״ P״» «des Herren“ und paarna ״Fräuc*l.lcn Auapradieunterschied machen, auf den Da- Resch chasak. durch!;rohenmg von Neuland (Aiistrorkmmg \־w1 ן Sümpfen Bearbeitung öder Land striche) die Produktion zu crliöhcn, werden durch die antijüdische Agitation und die unkluge Absperrung des Landes gegen weitere Einwanderung durchkreuzt, und 80 fließt das ganze Kapital des Landes nach dem Auslände oder in die Taschen einiger Großspckulaiitcn, die ihre Getreide- Vorräte zu horrenden Preisen verkaufen. Natürlich wirkt diese Sachlage und die ewige Ungewißheit über den politischen Status auf die seelische Verfassung der Bevölkerung ein. Den großarabischen Propagandisten blüht jetzt ein eigentümlicher Sport: sie sind auf bestem Wege, den wütendsten Judenhaß in eine Gegend zu bringen, wo cf als eine fürchterliche Ironie wirken muß. Die arabische Presse isi jetzt von jutlcnfcimllichcu Artikeln ebenso voll, wie einst die russische oder rumänische. Die Verwaltung hat sich bis jetzt in dieser Richtung als zu wenig wachsam erwiesen. Durch zufällige oder gewollte hrnninlcrimg einzelner arabischer Kundgebungc« und durch eine in vielen Fallen pedantische Einhaltung der alten und morschen türkischen Gesetzgelnnig im Lande liabcu die Verwaltungsorgane, die (iic Vorbereitungen zur Errichtung der durch die ■Dekiaratioii Balfotirs versprochenen jüdischen Heimstätte in Palästina zit treffen hätten, eine Lage geschaffen, die mir schwer entwirrt weiden kann. Wir finden in der hebräischen Presse gegenwärtig viele Anzeichen einer wachsenden Unzufriedenheit und Erbitterung; man fragt sich in fast jedem Leitartikel, warum die jüdische Bc- .vüikmrng stiefmütterlich behandelt werde, weshalb die anfangs gegebenen Zusicherungen nicht eingehaltcn werden, wieso es komme, daß in Städten mit überwiegender jüdischer Bevölkerung die Stadtverwaltung judenleindlich sei 11s\v, 111 den tut ganzen Lande jetzt abgclialteiieii WälilerversammUingcii -- i1״ Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen zur jüdischen Abgeordneten- Versammlung — wird wie ein einziger Schrei der Ruf laut: Oeffnct die Grenzen des Landes, damit wir nicht länger Zeugen des mörderischen Schauspiels sind, daß Juden ,vor Pogromen flüchten und keine Unterkunft finden, oder aber in der Dol.riulscha oder auf den Prinzeninsein interniert werden müssen, während das versprachcne f and brach liegt, aus Mangel an Arbeit und Produktion noch mehr verödet und durch unlogische und unmenschliche Abgrenzungen zerschnitten und wirtschnftlieh zerstört wird. Daß unter solchen Umstünden auch die Enttäuschung und Entmutigung in manchen Kreisen groll ist, kann nicht wundcrnehmcii. Die Hinaus- Schiebung des türkischen Friedens und der Mandaicrtei* lung scheint verhängnisvoll werden zu sollen. in diesen Tagen schwerer Prüfung für den ganzen Orient und für das Heilige Land insbesondere klingen die von hcrufciicr Seite entworfenen Pläne für die nahe Zukunft des Landes wie traumhafte, ferne Verheißungen. Die Projekte zur Erschließung der brachliegenden Gegenden, zur Nutzbarmachung der Flüsse und Austrocknung der Sümpfe, zur Elektrifikation der Energiequellen des Landes, für Hafenbatiten und Errichtung von Schiffahrt*- linien, sind an sieh begründet und ihre Ausführung tnöglieh. Die Umwuiuliuug der unmöglichen, haishrccherisehen Wege in moderne Straßen, die Erhöhung der Produktion durch Vergrößerung der bebauten Fläche und die Einführung der Industrie in Stadt und Land sind Arbeiten, die nicht nur die volle Aufmerksamkeit der I.antlesbcwohiier und der erwarteten Zuwanderer beanspruchcn, sondern zum Wolde der ganzen Menschheit mit Erfolg durchgefülut werden können und sollen. Aber diese schönen Pläne sind vorläufig nur Hypotliescn solange die Tore des Landes für die geeignetsten Aiifbaukräftc verschlossen sind, solange die politische Lage im Orient nicht aus dein Stadium vier diplomatischen Gelieimkünstclcien und der Ucbcrraschungen heraus ist. Wie lange dieser Zustand noch audauern wird, kann von hier aus nicht■ erraten werden. Vorläufig heißt es geduldig warten und r״ii der Not der Zeit vorlieb nehmen, in Erwartung des Guten, das bald kommen werde. Es ist nur za wünschen, daß die Geduld nicht allzu straff gespannt und die erweckte Hoffnung nicht getäuscht werde. 3. Wir müssen vier Tatsache ins Gesiebt selten, daß die Dichter hebräischer Dramen sprachliche Felder machen können (wobei es späterer Entscheidung vorbehalten bleiben soll, fcstzusetzen, in welchem Ausmaße Neuerungen ajs ״Fehler“ gelten sollen). Der Kritiker wird also durch Vergleichung des gedruckten Dramentexte* mit der Aufführung konstatieren müssen, in welchen!hinkten der Dichter vom Sprachgebrauch des biblischen, taliirudischcn usw. Hebräisch abgewichen ist und ob die Aufführung ein Streben nach Korrektur solcher ״Abweichungen“ erkennen ließ. Die Berliner Aufführung von HirsehbeLns ״N’welah", der wir die Möglichkeit verdanken, die hier behandelten Fragen zu konkret!• sieren, ist meines Wissens in dramaturgischer Beziehung recht frei mit dem Texte umgesprungen; ob sic aber auch an den zahlreichen Stellen, an denen ein assitnilatorisdicr ״Lo" anstelle eines echt hebräischen ״En“ im gedruckten Texte steht, dies richiiggestcllt hat, darüber ließ sich aus der Kritik nichts ersehen. 4. Vor allem aber muß der Kritiker für rücksichtslose Beseitigung eines jeden Schauspielers sorgen, der etwa ״schwer von Mund und schwer von Zunge" sein sollte. Ein solcher mag in anderer Beziehung die besten Fälligkeiten und das größte Wissen besitzen; seine Bewertung als hebräischer Schauspieler sollte vor allen! davon abhängen, was er den Ohren der Zuhörer zti bieten hat Auch so dürfte das Verständnis des auf der Bühne Gesprorhenen manchem noch sauer genug werden. Selbstverständlich darf es nicht die Aufgabe •des Kritikers sein, ״scliarf“ zu kritisieren, sondern Verständnisvoll Es war — man gestatte mir die Abschweifung — allzu bequem, von der ״N’welah“ zu behaupten, daß sie nur aus lose aneinandergereihten Szenen besiikide, und da fl cs deshalb nicht lohne, den Inhalt des Stückes zu erzählen. Gewiß ist die ״N’welah“ kein Meisterwerk, da die Charakteristik der Hauptpersonen im Chargenhaften stecken geblieben ist und die der Nebenpertonen nicht einmal •o viel bietet Trotzdem kann Rückblick und Ausblick Von Dr. Hermann K a d i s c h.*) Die Menschheit, und mit ihr das jüdische Volk, ist an einem historischen Wendepunkte angdangt, der ■nur verglichen werden, kann mit der Umwälzung, die der französischen Revolution voiherging. Handelte e* sich aber damals bloß um eine politische Umgestaltung, um die Erkämpfung der staatsbürgerlichen Gleichbered»- tigung, so kann die jetzige Zeitepoche nur verstände■ werden als die des Emanziputionskampfcs der unterdrückten Völker und ausgebcutcten Volksschidite». Die letzten Friedensverträge, die nach der Meinung( der führenden Kreise der Entente den Beginn eine« neuen Wcltcpochc sowie weiter einer Acra de: Völkerfriedens, vier Völkerfreiheit, und sozialen Berechtigung bedeuten sollten, bilden nur das letzte Kapitel einer Geschichtsepoche, die durch Blut und Eisen, Heuchelei und Lüge der führenden Kreise, Verworrenheit «04 Enttäuschung in den großen Massen aller Völker gekennzeichnet wird. Durch die Friedensverträge wurde wohl das alte Europa endgültig begraben, aber du neue Europa, die Lösung der nationalen und soziale■ Probleme, und daher naturgemäß auch der Julenfrage, die teilweise nationaler, teilweise religiöser, teilweise sozialer Natur ist, werden die jetzigen Regicnmgssysteme die alten Programme und die alten Parteien nicht herbeiführen. Die neue Zeit braucht neue Me■- sehen, einen vollständigen Bruch mit allen durch den Weltkrieg und die darauf folgenden Umwälzungen und die allgemeine Weltkrise endgültig widerlegte■ Dogmen und Theorien, sie braucht eine Synfliese aus allen Programmen und Systemen, soweit sie geeignet sind, die Renaissance der Kulturmeiischheit und mit ihr des jüdischen Volke* aiizulKihnen. Dieser Aufgabe zu obliegen ist speziell in taiserer Bewegung eine K a rd i na I p f I ic 111 der ihre Zeit verstehenden, wirklich modernen jüdisehen Jugend, sollen die Ziele der jüdische« Moderne kein frommer Wunsch bleiben, sondern zur Tat werden. Es läßt sieh wohl nicht leugnen, daß (Ux jüdische Volk genau so wie die anderen Völker '!>erifische Bedürfnisse hat, insbesondere in kultureller Hinsicht; indessen besteht, wie besonder» die jüngste Entwicklung zeigt, ein so inniger Zusammenhang zwischen den Lclvensinteresscii des jüdischen Volk!» und zwar nicht 11 u r i n seinen j c t z i g c u W oli ■- sitzen, sondern auch in Palästina, mit de■ allgemeinen nationalen und sozialer» Problemen filier- Haupt, daß die Zukunft des jüdischen Volkes bedingt ist durdi die Art ihrer Lösung, Speziell von der jeweiligen Macht des nationalen Cliauvinisnius, dra ko»• fcssionellen Zclotismus und des durch das kapitalistische Wirtschaftssystem großgezogenen Kla*scnfa11a(i uims kt die Intensität des Antisemitismus äußerst abhängig. Darum können ohne Verständnis für ilts Wesen der jetzigen Weltepodie, für die engere« 7m• santmenhänge der einzelnen Zeit- und Streitfragen uiJit einmal die verschiedenen Strömungen innerhalb der Judenschaft und des Antisemitismus verstanden werde». Bis vor kurzem standen sich zwei Hauptrichtunge« gegenüber, wovon die eine die Existenz de* jiulisdK•■ Volkes bejahte, die andere verneinte. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, hat wenigstens insofern vorwiegend unter dem Einflüsse des Weltkrieges und der feierliehen Zusicherung einer jüdischen Heimstatte in Palästina von seiten der En- *) Der Aufsatz ist bereits seit längerer Zeit gesetzt und wurde wegen Raummangel bisher znrückgcstcllt. uns manrhes der Völker im dramengesegneten Eimop* um dieses Stück beneiden, denn gerade sein Inlialt ist recht bemerkenswert. Es handelt sich darum, daß de! Sohn eines Trunkenboldes wahnsinnig wird, und zwar sowohl infolge der erblichen Belastung, als and! unter dem Einfluß der Umwelt seines durch die Trunksucht herabgekonunenen Vaters. Beide Ursachcngruppca wirken in vielfacher Verästelung und Verflechtung, die völlig echt, niclit etwa nur veristisch ist. Diese Haupt- Handlung wird mehrfadt kontrastiert durch die Neben- Handlung, deren Held ein gesunder Fleischer ist, und welche schließlid« ungezwungen genau in de« Höherunkt der Haupthandlung ciimiüudet. Zum Schluß noch folgendes: Von einer hebräische■ Aufführung wird man in sprachlicher Beziehung Bessere« fordern dürfen, als von einem hebräischen Gespräch oder Vortrag, sie wird Mustergültigkeit an üreben können, d» der Schauspieler ja sowieso jedes Wort auswendig lerne» und studieren muß und es »hin daher gar nicht viel mehr Mühe machen kann, Richtiges zu fernen *k Falsches, vorausgesetzt, daß er niclit allzu balebatiscfa an dem sclion fast zu einem neuen Assimilationsjargoo gewordenen Mauschclsfardisch fcstiüitt Was ״moderne* Hebräisch“ ist, wird letzten Eudes freilich nicht von dem jeweilig neuesten Stande der Bibelwissenschaft za bestimmen sein, sondern vom Instinkte der jüdische■ Vofksgesaintheit, nachdem (!) diese siel» nicht nur m Sprachwissen, sondern ■ auch an Sprachgefühl hebraisiert hat Solche kernhafte Hebraisierung und damit die dereinstige demokratische Entscheidung über die uesetze des ״modernen Hebräisch“ vorzubereitcu, ist Aufgabe der Bühne, der öffentlichen Meinung und — was fai anderem Zusammenhänge höchst wichtig ist — der hebräischen Lehrer, Eine Fortsetzung der bisherige» Nachlässigkeiten würde den Verzicht auf assimilation•- freie Regeneration unserer Instinkte bedeuten. Wilhelm Burchardt. > 1 [ i 1

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