Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 29 (4.4.1920)
- Date
- 1920-04-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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■ Nr. 20 Seite 219 31320 ISS IIE RU.NQaOHSD \rj mm «t •ייץ y.«’! ך־״׳ןרי-ךז ץ־׳/! > ,י*׳*. 1־«■*•* ,•«I f k^l*׳ Ü M i» ^Mfc» Wj> \«|f *1 m L✓‘ M Die Zionistische Vereinigung für Deutschland »jndte an Wcizinann und So ko low folgendes Telegramm: Die deutschen Zionisten drücken Euch ihre höchste Bewunderung aus und geloben Euch treueste Gefolgschaft im Dienste unserer großen Aufgabe. Klee. Au den Führer der amerikanischen Zionisten, Brand eis, wurde nach New York folgende« ge- K4kl)cli! Im Augenblick der Erfüllung unserer Hoffnungen dankt die Zionistische Vereinigung für Deutschland der zionistischen Organisation Ainehkaa in der Person ihres!Hochverdienten Führers für die treue, im Dienste unseres Ideals geleistete Arbeit, die so große Erfolge gezeigt hat. Zionistische Vereinigung für Doutedhland Klee. Jerusalem an Prof. Warburg Am Jerusalem ist für Professor Warburg folgendes Telegramm eingelaufen: ״Nehmen Sie unsere Olilckwünsche entgegen zu dem Tage des Triumphes de! politischen Zionismus. Vom Anbeginn der prakti- •dien Arbeit haben Sie bei der schaffenden Arbeit mitgewirkt. Uebermiltcln Sie untere Orüße allen unseren J״reund»n in Ihrem Lande.“ Eine Festsitzung in London London, 2§. April. Unmittelbar nach dein Einlangen der Nachlicht aus San R e tu 0, dal) die Friedenskonferenz die zionistischen Wünsche befriedigt Habe, versammclten sich die in London anwesenden Mitglieder der zioni* »tischen Leitung, die Beamtenschaft und die Vorsteher der englisch-zionistischen Federation zu einer Fest- Sitzung:. Boris Goldberg cröffnete mit einer hebräiicheu Ansprache und verkündete, die Fried easkonferenz von San Rcmo habe am 21, April das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina anerkannt. Die Balfour- «che Deklaration werde ein Teil des Friedensvertrages. Der Tag sei gekommen, für welchen der Zionismus zwanzig Jahre gearbeitet und das jüdische Volk zwanzig Jahrhunderte Verfolgungen und Pogrome erlitten habe, ohne Jemals den Glauben an seine Wicdercrneuerung 2U verlieren. Die letzten Wochen und Monate waren unerträglich. Auf die ukrainischen Pogrome folgten die Exzesse in Jerusalem. Aber diese waren die Schmericn vor der nationalen Wiedergeburt. Der Redner gedenkt Herzhi (die Versammlung erhebt sich) und dankt Weizniann und Sokolow, deren Namen vereint in die Geschichte «ingehen werden wie die Namen von Esra und N'eliemia. Als nächster Redner sprach Dr, Nord au. Er eröffnete •eine Ansprache mit einem Zitat aus der Marseillaise: ״Le jour de gloire est arrivd.“ Heute, am JE April, beginne das zweite Kapitel der Geschichte, deren erstes am 2. November 1917 anhebc. Wir *tehen uoch *11 der Schwelle unseres Landes. Aber wir sind schon vor dem Einzug, und sagen der Welt, wir werden unser eigenes Geschick ausgestaltcn zum eigenen Ruhm und zum Segen der Menschheit. Diese bedurfte niemals mehr eine« Musters, das Gerechtigkeit und Liebe lehrt. Unsere eigene Befreiung bedeutet die Errichtung eines Mittiterstaate* für die Welt. Feiwel erklärte: Im Sturme der Gefühle, welche der historische Moment in uns erweckt, scheu wir rückblickend das Bild des gewesenen Zionismus, welcher bisher nur ein Weg war. Das Ziel ist nunmehr erreicht. Von der ganzen Welt verlacht, hat eine Idealistengruppe Mühen, Arbeiten und Enttäuschungen auf sich genommen und trotz des in den letzten Jahrzehnten gehäuften Leids sein Ziel nie ans den Augen verloren. Wir fühlen um aufs tiefste vereint mit dem ganzen jüdischen Volke und grüßen den Tag der Befreiung des jüdischen Volkes und Landes. Josef C o w e n drückte die Dankbarkeit des jüdischen Volke* für die Mächte und die Entschlossenheit zu eigener Arbeit aus. Der soeben aus Jerusalem cingetroffene Alexander Oold stein berichtete über die heroische Haltung der palästinensischen Judenheit, die während der Exze»w: vollkommen geeint und tapfer war. Die Juden- ״eit im Lande war derart organisiert, dati kein Angriff gewagt wurde, mich im jüdischen Viertel von Jerusalem mcht. Die Angriffe gingen nur von einer kleinen arabisehen Gruppe aus, und wurden von der arabischen Bev.j ‘er2״״ weder gebilligt noch unterstützt. Die jü- ,he DalUuig einschließlich des alten jischuw war bewundern «wert. Nach der Verhaftung von Jabotinsky begann man Unterschriften und Solidaritätserklärungen •1־himeln und Tausende von Unterschriften au* den Kreiicn des alten Jischuw liefen ein, nachdem Oberrabbuiei• K ni! das Schreiben am Sabbat erlaubt hatte. Die jududie Denkschrift an die britische Verwaltung, die fr?'41״' von Unterschriften trägt, erklärte, die Unterzeichneten forderten die gleiche Behandlung wie Jaboumky, da sie nur aus Mangel an Waffsn nicht gleich mm an der Selbstwehr teilgenommen . hätten. Der neroiamu* und die Entschlossenheit der jüdischen Be- '»ikerung Hi denkwürdig und fir dt« Zukunft bst- ״?Wgskeud. Schön fcld (Misrachi) betonte die Einheit des Zionismus, welcher in Gefahr und Kampf keine Parteien kenne, und drückte die Hoffnung aus, daß der Wiederaufbau des jüdischen Heims den prophetischen Geist wieder lebendig machen werde. Die Versammlung sandte Olückwunschtcleg ra mm e an Weizmaun, Sokolow, Herbert Sa'uiuc 1, Brandc is, den Waad-Hasmani, die Zionist Commission und an Jabotinsky ab. Die Vorgeschichte Anläßlich der Konferenz in San Remo ist aus Berlin am 10. April folgendes Telegramm an die Friedenskonferenz abgegniigeu: Prime Minister Lloyd George, San Remo (Italien) Peace Conference. In view foiliicomiiig meeting supreme couneil deal with setUement turki&h empire our Organisation >!accs on record its sense of urgency definitive setterneut polltieal Mure Palesfiue and conferement mandato 011 Great Britaiu uiuler leugne nations in fultilnieut plcdge of allies and unshakeable rcsolve entire jevvish ncople. Zionistische Vereinigung für Deutschland, Dr. Alfred Klee. (In deutscher Uebersetzung: Angesichts der bevorstehenden Tagung des Obersten Rates, der sich mit der Regelung des türkischen Reiches befassen wird, bringt unsere Organisation ihre Anschauung zun! Ausdruck, daß die definitive Regelung der politischen Zuktraft Palästinas und die Uebertragung des Mandates au Großbritannien unter dem Völkerbund in Erfüllung der Verpflichtung der Alliierten und entsprechend dem unersdiütietliuheu Willen des gesamten jüdischen Volkes dringend notwendig ist. Zion. Ver. f. D., Dr, Alfred Klee.) ״Die englischen Minister mit Petitionen überschwemmt“ Eine Rcutcrmeldung •aus San Remo vom Sonnabend sagt: ״Die zionistische Delegation ist aufs höchste erfreut über die sympathische Aufnahme, die ihr durch Mr. Balfour und Lord Curzoii zuteil geworden ist. — Die englischen Minister sind mit Pctit i o n e n u b e r s eh w e m rat Wo rd c n, darunter auch letztens mit einer von der Labour Partv, gezeichnet von Arthur Hcnderson, Mr. Clyn.es und Mr. Bowcrman, in der die Regierung ersucht vv;ird, dem Völkerbund ein Mandat für Palästina zu übergeben, um es als nationale Heimstätte für das jüdische Volk wiedcrhcrzustellai; die Petition empfiehlt eine sofortige Regelung sowohl im Interesse Palästinas als auch des jüdischen Volkes.“ Die Grenzfrage Einem Bericht der ״T i m e s“ vom 25. April über die Konferenz in Saij Remo entnehmen wir: Der Oberste Rat hat das Mandat für Palästina Groß- Britannien gegeben und überläßt Frankreich und G10I1tuitaniiien die Regelung der Oreiizfragc. Es besteht noch eine gewisse Unstimmigkeit zwischen beulen Laudem wegen des Oberen Jordan und des l.itani, die Frankreich in die Grenzen von Syrien mit embegreifen möchte. Wahrscheinlich wird aber die englische Auffassung sich durchsetzen. Zionistische Massendemonstration in Berlin Anläßlich des Beschlusses der Fricdenskonferciiz von San Remo, Palästina dem jüdischen Volk als nationale Heimstätte zurückzugeben, hatte die Berliner Zionistische Vereinigung eine jüdische Massenversammlung in die große Halle des Berliner Stadthauses cinberufen. Der Beginn der Versamm- Jung war auf 8 Uhr angesetzt, allein um V2 8 Uhr war der Saal bereits so dicht gefüllt, daß kein einziger Mensch mehr Einlaß finden konnte. Das Gebäude war von einer nach Tausenden zählenden Menge belagert, die absolut nicht ablassen wollte, obwohl die Tore des Stadthauses bereits amtlich geschlossen worden waren. Es gelang den Veranstaltern, in der Nähe einen zweiten Saal zu erlangen, der aber auch nicht ausreichte, s«0 daß noch ein dritter großer Saal genommen werden mußte. Stundenlang wogten die Menschcninassen durch die Straßen trotz strömenden Regens von einem Saal zum andern, die meisten wollten vom Stadthaus nicht weichen, so daß eine große Anzahl von Menschen überhaupt nicht an den Versammlungen tcilgenommen hat. Die Zahl der Versammclten hat sich auf ungefähr 6000 Menschen belaufen, ein Massenaufgebot, das noch niemals bei einer jüdischen Veranstaltung zu sehen war. Die Stimmung der Menge war eine außerordentlich gehobene. Die Redner wurden mit Enthusiasmus begrüßt und oftmais durch minutenlange Beifallsstürme unterbrochen. Auch das Berliner Judentum hat deutlich gezeigt, daß es sich mit dein ganzen jüdischen Volke in diesem Augenblick eins weiß in der Freude über das große Ereignis der Wiedergewinnung der alten Heimat. In der Versammlung im Stadthaus sprachen der Vorsitzende des Aktionskomitees, Professor Otto Warburg, der Vorsitzende der zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Alfred Klee, das Mitglied des Londoner Executive Committees, Dr. Schmarja Levin, sowie Frau Anita Müller aus Wien, welche gerade in Berlin weilt, ln den Parailel-Versammlungen «prachen außer einzelnen der schon Genannten noch die Herren Dr. Kareski, Victor Chaiin Arlosoroff und Julius Berger. In allen Versammlungen wurde einstimmig unter großem Jubel nachstehende Rcso- _ lution angenommen: Die am 28. April in Berlin in der Stadthallc tagende, nach Tausenden zählende jüdische Massenversammlung begrüßt mit größtem Enthusiasrnus und tiefster Dankbarkeit den Be- Schluß der Friedenskonferenz in San Remo, Palästina unter Englands Mandat dem jüdischen Volke als seine nationale Heimstätte zurückzugeben. Sie erblickt in diesem Beschluß, der dem Anspruch des jüdischen Volkes auf ein freies, eigenes Leben in seinem historischen Heimatlande die internationale politische Sanktion verleiht, den entscheidenden Wendepunkt in der jüdischen Geschichte. Dem Gefühl innigster Dankbarkeit gegenüber den Führern der zionistischen Qrganisation, die der Sache des jüdischen Volkes zum Siege verhalten, gibt die Versammlung Ausdruck durch das Gelöbnis, fortan die höchsten Kräfte für den Aufbau Erez Israels einzusetzen. Die Versammlung richtet an die gesamte deutsche Judenheit die Aufforderung, an der Arbeit für das neue jüdisdie Palästina in großzügiger Weise teilzunehinen. Schlußrede Dr. Klees Juden, Jhr habt ein Landl Juden, wißt Ihr was das heißt: wir Juden haben ein Land? Das war da* Sehnen und Beten unseres Volkes durch die schreckliehen Jahre des Exils, das war das Seimen und Hoffen unserer Väter während der Fingen furchtbaren Üoluszeit, und wir sind das Geschlecht, das cinzichen wird, in das alte ewig neue Vaterland. Meine "Freunde! Es ist heute abend mehrfach gesagt worden, wir sind wie Träumende, wir können nicht anders, auch unsere Väter waren wie Träumende. Wir lesen in der heiligen Schrift, als sie aus Babylon zogen, um ihre ewig neue Heimat aufzubaucn, waren sie wie Träumende. Und der große Führer, der uns den Weg gezeigt hat, er hat uns gelehrt, daß wenn wir wirklich ernst wollen, dann ist es kein Märchen. Und in dieser Stunde der heißesten Erfüllung unserer Wünsche schweift unser Blick auf den Döblinger Friedhof in Wien, wo wir Zionisten das Teuerste was wir auf Erden besaßen, begraben haben. Das erste was wir tun werden, wird sein, daß wir die Gebeine unseres teueren Führers ausgraben und mit ms nach Zion nehmen werden. Meine Freunde, wir wollen ei! schönes Palästina, wir wollen ein Palästina reiner ן Menschen mit reinen Händen, und alles, was an Schlacken 1 vorhanden ist, hier zurückiassen, wir wollen das Drücket!, das!Bücken, das Atifgehcnwollcn in anderen Völkern uns labgewöhnen. Was an Körper und an Seele an uns schlecht geworden ist, weil wir die innere Freiheit;nicht kannten, das soll überwunden sein für;alle Zeiten. Wir wollen ein schönes neues Lebe« beginnen, ein jugendvolles Leben, ein Leben, zu dem wir unserer Jugend d«n Weg weisen wollen. Das heißt auch eine Verpflichtung: wir wollen in Palästina keine Kluft haben zwischen dem Reichen und dem Armen. Wir wollen die soziale Gerechtigkeit in unserem Lande entführen, wir wollen weder die Unterdrückten sein, noch die Unterdrücker spielen. Wir weiden Arbeit verlangen und auf Arbeit werden wir unser Land aufbauen. Und auf dieser Arbeit wird Segen ruhen, wie stets Segen geruht hat auf jeder ehrliehen Arbeit. Wir brauchen auch ein neues gottgesegnetes Leben ln unserer neuen Heimat. Als Weizmann zu Balfour von der Dankbaikeit des jüdischen Volkes sprach, da sagte Balfour: fiir alt das wünsche ich keinen Dank, sondern der crsie Ehrendoktor .an der jüdischen Universität in Jerusalem, der möchte ich werden. Unsere Universität soll ein mustergültiges Institut werden, das sich messen kann mit allen Universitäten der Welt. Wir brachten einen Augenblick mit Schweigen zu, weil wir lange gesproehen haben, als die verheißungsvolle Nachricht aus San Remo kam. Unsere Leipziger Freunde begriffen das, was es heißt schweigen, und als die Nachricht aus San Remo kam. da schlossen sie ihre Geschäfte. Und jetzt, nach dein Schweigen, heißt ts: an die Arbeit gehen. Dies bekundete am besten unsere Studentenschaft, die beschlossen hat, ein natlonalcs Dienstjahr einzuführen, d. h. ein Jahr Arbeit der Nation zur Verfügung zu stellen. Wir danken der Jugend nicht, aber vergessen werden wir es ,auch nicht. Es ziemt in dieser Stunde ein ganz bescheidener Blick in das zionistische Zcntratbiiro. Was war der Uranfang dieses Büros? ein kleines Zimmer in einem Gasthofe. Was waren dessen Führer? Ich erinnere mich noch, als ntan von einem Studenten Heinrich Löwe sprach, der das Abiturium gemacht hat und auch Zionist sein soll. Theodor Ziocisti sagte einst, ich habe gehört es soll einen Zionisten namens Wolffsolm oder so ähnlich in PappenItetm, Ostfriesland, geben. Ausgclacht wurden damals die Führer, ausgcladtt wie Verrückte. Meine Freunde, wir wollen hoffen, daß die Stunde des Kampfes, die Stunde des Kampfes, den wir mit der Welt führen ,mußten, vorbei ist. Aber noch ist nicht alles vorbei. Nocit wagt man z. B. hier in Berlin Razzias auf 'Juden in der Grenadierstraße zu veranstalten. Noch haben wir nicht deutlich genug ausgesprochen, daß wir Juden es-nicht dulden werden, daß man auch ,nur einen von uns unschuldig angreift, nur weil er ,Jude ist. Dem jüdischen Volk ist im Jahre 1S97 gmgt Worden: Nimm dein Schicksal selbst in die Hand; und wenn du dein Schicksal selbst in die Hand nehmen 'wirst, so wird der Segen des alten Qottea Israel« auf deiner Arbeit ruhen. Redner beantragt todann Annahme der Resolution