Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 28 (30.4.1920)
- Date
- 1920-04-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Mr. 28 " •1 - .j i U C1, E R UN DSC HAI,) Seite 211 i I (ftiirt mr Entwicklung der jüdische» Besonderfteit »md dient damit der .׳d!״cmein-n»tion;dcn Aufgabe. Er muß einmal begonnen werden, ohne Rücksicht darauf, itaß er lauf׳ ist und nielit sogleich;:um letzten Ziel fuhrt. Oie Einwendungen gegen diese Ur.uullagen der zioinMischcii Anschauung sind also unbmcttUgt Audi der konkrete Vorschlag Weil«, der die Formulierung eines oositiveu Verhältnisses der Zionisten zum Staate verlangt, geht von unrichtigen Voraussetzungen aus. Oer Staat ist freilich eine sehr starke Kraft für das Lenen der Menschen und ihrer Gemeinschaften, aber es liegt kein Grund vor, seine Bedeutung so sein׳ I1crai1sz1ji1ebeu) *ie Weil cs verlangt. Oie überragende Siol.img 1111 inensddichc(» Leben, die dazu berechtigen könnte und von der Weil ausgeht, bestand früher einmal; der antike Staat beherrschte das Leben der Menschen so, da» es kaum etwas gal:, was sich ihm t'ut/idiou Konnte. Ihe I ntwiekhmj: des modernen Staates wild geiadc duidi die entgegengesetzte Auffassung bezeichnet: es wer• (fen immer mehr I.cbensgcbiete festgesteüt, die frei vom Staate sind, sie werden iinnier stärker durch Schranken gestützt, die and! dem Staat gegenüber gelten. Das ist einer der wesentlichsten Züge der Verfassung:.- gesrfiiclite. Es gU»t also starke Kräfte, die dem Staat flicht imtcrwocfeii sind, es wäre heute sonderbar, ihnen gegenüber eine Vorzugsstellung des Staates in der I ebensgestainmg zu betonen. Und es ist ja heute deut- «1. daß sogar umgekehrt andere Kräfte^ -- wirtsd'.aft• lidie, nationale* Zusammenhänge — den Staat gestalten, ln» Zeitalter einer so gründlichen Staateiiveränclcruu״, wie wir sic* erleben, braucht das nicht weiter bewiesen zu werden. Oer liieorctische Unterbau für Weils Forderung ist .׳•'«.> brüchig. Uebirdies ist es gar nicht richtig, doll der Zionismus bisher sein Verhältnis zum Staat mit rnur verdächtigen Unklarheit behandelt habe. Die zio- «iMische Anschauung enthält - das ist immer wieder fii'rwirgchohc'n worden - eine Auffassung vom Staat in dem Sinne, da ft eine erzwungene Identifizierung von Staatsangehörigkeit und Volksangchörigkeit abg dehnt und das Lcbeiisrcclit von Minderheitsnationcn auch gegenüber der Staatsgewalt und der herrschenden Mein•• lHitsn/1tio;1 liervorgdioticn wird. Diese Meinung stimmt «herein mit der modernen Auffassung vom Staat, die »ich weigert, wertvolle Lebenskräfte durch die nivellieren• den Tendenzen einer gouverneinentalen Mechanik unter• drücken /a lassen. Sie setzt sich heute Tn der Praxis des Staatslcbcus überall durch. Soweit die zionistische Po!!uk staatliche Interessen berührt, wird sie immer du m* Auffassung zum Ausdruck bringen müssen, so dall ‘ B. in Deutschland das zionistische Verhältnis zum Staate sich in der Behandlung der Schul- und üemeindefragen zeigen! würde. Abgesehen von dieser Grundaufusymig (und abgesehen von der im Zionismus ent- Halte nett grundsätzlichen Anerkennung der staatlichen Orgaiiisatkmsform als solcher) übt der Zionismus keinen, insbesondere auch keinen negativen Einflub auf das Verhä'tnis zum Staate aus. Auch das ist immer wieder Wioiit worden. Es kann daraus freilich nicht die Forde• nmr abgeleitet werden, ein positives Verhältnis zum Staate irgendwie zu formulieren. Es soll nicht erst d1״u.1f hing(׳wiesen werden, dall eine solche Erklärung leicht als Bekeiuitnis zu bestimmten staatlichen Einiieätungen angesehen werden könnte, was doch gewiß men; gemeint sein kamt. Vor allem ist die Stellung• des < »t/ebten Zionisten zum Staatlichen seine eigene L׳;:t'j1ueit, die er frei, nach seinem persönlichen Empfinden, rege!« kann. Der Zionismus hat keinen Grund, *einen Anhängern die Teilnahme am Staate zu verbieten. Aller er hat noch weniger Grund, von ihnen «■E׳• positive Stellung zum Staate zu verlangen. Was sollte ihn veranlassen, ein so starkes staatliches Inter• evse zu fordern, wie es ja auch bei einen( ganz großen feile der Staatsangehörigen deutschen Stammes nicht vorhanden ist? Diezionistische Politik hat auch in T< 11 der eigenen «birken und jeder Sentimentalität lernet! Liebe ein Echo ei den gedrückten und halb vcrsclAtteten Sec■ ko. Um diesem bedeutsamen Werte die äußeren Möglicbhritcn zu sciiafiVn, muß •ie einen verzweifelten Kampf kämpfen. Die ganze Träglieit einer Umwelt; die 1.; 1 aften Trott weitertraben und nicht durch revokitkuiicrcMide Neueningtii in ihrer Bequeiniichkcit gestört »ein möchte, stellt *ich ihr in den Weg. Sie f» ist durch d.is Land, um aUcnthaUK*n Ateliers cuv/uriclUfo, *ie sucht Hilfskräfte und führt sie in ihre Ari jf ein, sic macht diese Reisen und leistet diese Ari.wt unter den schwierigsten, initiuitcr abcuteuer• liebsten Bedingungen, aber sie erkämpft sieh Schritt um Schritt ihren Boden. Die Gcldmitte! drohen zu versiegen; als üire Hilferufe ungehört"verhallen, macht «ie *ich ohne Zustimmung der Kreise, von denen sic •tbhäiiglg ist, nach Europa auf und feuert die müden Herzen zu neuer Opferwiliigkeit an. Neben der ganzen Bürde dieses öffentlidten Wirkens trägt sie die Last eines in seinen Mitteln beschränkten im!) von den primitive» Einrichtungen des Landes abhiingi;{«! kinderreiche» Haushalts. Sarah Thon ist ja nicht nur soziale Arbeiterin, sic ist ja auch Gattin — ■"■'b, wie sehr Gattin! —, die dein Lebensgefährten allen Lebenslagen mit Liebeskraft und Verständnis "‘ז beite stellt, sie ist Mutter von sechs Kindern, VXl״ denen drei den Nöten eines überharten Lebens Am Op!« fallen, sie ist Herrin eines Hauses, dessen 'yanne Atmosphäre jeder, der Zutritt z» ihm. hat, dankbar empfind^. Sie ist die Beraterin einiger Frauen und die FTi'iusulin einiger Männer, deren Wirken 1h*- ״״maend für <ja8 Geschick der jungen Gemeinschaft **b Audi dieser Rolle als Beraterin und Freundin, in der sich die ganze Größe ihrer Seele ׳enthüllt, wkfmet sie Zeit und Kraft. Um die Welt von Widerstände», die «ich vor ihr auf türmen, zu überwinden, rau 8 sie mamcfies, das sie ומ <k*n milden, und weichen Seiten des Lebens ruft, *n ihr tiefstes Innere htnabstoßen. Sie muß mitunter hart sein, um nicht in die Gewalt de« vielen Sdtwarticn dieser Richtung nur ihre, die jüdische Besonderheit zuiii Ausdruck zu bringen (sie befindet sielt dabei in Uebercinstiuuming mit den Parteien des dentsch-polilisehen Leben־., du* ja auch ihre besonderen Meimui-en vertreten und sich nicht um die Formulierung aligemeiner Verhältnisse bemühen). Sie muß sieb also mit den nicht sehr weilen Gebiete,; des Staatslebcns begitügen, auf denen es wicht!״ und möglich ist, diese Besonderheit zu betonen. Die Tatsache, daß die Zionisten auch i.n übrigen am Leben der Staatsgemeiu- Schaft beteiligt sind, kann keine Veranlassung zu einer programmatischen Feststellung gehen. Programme . hezeichnen nicht Tatsachen, sondern Tendenzen. Es ist hier genau so wie bei der ״Entwurzelung“: für das zionistische Piogramm ist nicht die Tatsache der Verbumlenbeit mit fremdem Geist, sondern das Streben nach eigener Kultur wesentlich. Ebenso gehört in ein zionistische'- Programm, insbesondere in das einer zioiiistisclieu Politik, nicht die Tatsache unseres Mitlebens im Staate, sondern das .- auf die jüdische [■'rage gerichtete - Ziel. Das Programm kann nur solche Gegenstände umfassen, die diesem Ziele dienen Diese Auffassung wird, wie sich häufig gezeigt hat, auch von deutsch-staatlich stark interessierter Seite sehr gut verstanden. Es sei hier nur an die Aeullerung eines konscrvativ-gericUtetcn Politikers wie Oscar A. Fi. Schmitz über den Zionismus erinnert. Es würde zu weit und in andere Zusammenhänge führen, auseinanderzusct/cn, weshalb die zionistische Gesinnung auch für den Staat wertvoll ist, trotzdem, sie die von Weil verlangte programmatisch-positive Anerkennung ablchneu mul». Umgekehrt führt die zu starke Betonung der Staatsangehörigkeit zu Verzerrungen, wie wir sie bei den deutschen Juden oft beobachten können. Dieses Bemühen, Tatsachen, die aber für die jüdischen Aufgaben nicht entscheidend sind, in gestaltende Ziele umziivandeln, schädigt nicht nur das jüdische Wesen und die jüdischen Interessen; sondern, wie sich immer wieder zeigt, auch den zu stark betonten Gedanken selbst. Eine überlaute Versicherung unserer Staatszugehörigkeit würde auf die Dauer nur diskreditierend wirken. Die Weilsdien Vorschläge sind vom Standpunkt eines konsequenten Zionismus aus abzulelinen. Sie wären nicht einmal geeignet, die Masse des deutschen Judentums in der Weise zum Zionismus zu führen, wie Weil cs sich vorstellt — und das ist ja sein stärkstes Argument. Die wirkende Kraft des Zionismus liegt in der Reinheit seiner Idee. Was sollte die deutschen Juden vom Zionismus überzeugen, wenn mau in den wesentliehen Punkten ihre Auffassung und ihr Verhalten als richtig anerkennt? Wenn man mit ihnen die Vcrwurzchm״ in der umgebenden Kultur als gegeben und besti nunend ansieht, wenn man wie sie die Teilnahme an» Staatslcbcn als zentrale Forderung des jüdischen Programms behandelt, worin soll denn die entscheidcnilo Wendung bestehen, die doch der Weg zum Zionismus bedeutet? Die deutschen Juden werden dann gewiß mit Befriedigung eine Annäherung der Zionisten an ihre Anschauungen feststeile», aber unklar bleibt, wie noch die Notwendigkeit des Zionismus bewiesen werden soll Uiev r Weg zur zionistischen Politik ist ungangbar. Denn Politik verlangt vor allen Dingen Klarheit in den Grundsätzen. Eine Politik, die von taktischen Gesichtspunkten beherrscht und nicht durch die eindeutige Linie einer grundsätzlichen Erkenntnis bezeichnet wird, ist immer schlecht. Die unerschütterliche Grundlage jeder zionistischen Politik muß die jüdische Besonderheit, der jüdische Nationalismus sein. Es ist unrichtig, wenn man, in Weils Art, als den wesentlichen Inhalt der zionistisehen Politik den Aufbau Palästinas bezeichnet, an den! alle Juden unterschiedslos mitwirken könnten. Nicht der Aufbau Palästinas, sondern der Aufbau des jüdischen Volkes ist der entscheidende Gedanke, dein die zionistische Politik zu dienen hat. (Diese Gegenüberstellung und Gefühlsseligen zu geraten, das sich an sie drängt. Sie muß auf allen Empfindungshixus verzichten, um den großen Grundlagen ihrer Idee unbeirrt zu folgen. Und sie muß sich gewöhnen, zu schweigen, wo Ar Gefühl nach Ausdruck drängt. Diese herbe Kraft der Selbstzucht, dieser vornehme Stolz aber trägt ihr Gegnerschaft ein. Naturen, über deren Wolle;; sie — oft nach innerem Kampfe -- hinwegschreiten muß, um ihren Weg zu rollenden, fühlen sich durch ihre Stärke verletzt, beschämt, legen ilix Hindcrriisse in den Weg, trübe» ihr Bild. Erschreckt, verstört durch Widerstände, deren Quellen ihrem lauteren Wesen unverständlich bleiben, zieht sie sich immer mehr in sich selbst und das Einverständnis mit ihrem Gatten zurück und lernt immer mehr,■ sieh von der Meinung der Menschen unabhängig zu machen. Und — erklärlich genug! je härter und je einsamer ihr Leben wird, desto mehr wächst ihr Wunsch, trotz aller äußeren und inneren Hemmnisse ein Werk, in dem ihre Personlidrkeit sich ausprägt, aus sich herauszustcllen. Aber in dem Augenblick, da sie fühlt, daß ein warmes, ehrliches Gefühl den Weg zu ihr sucht, erschließt sie sich, und der sie wirklich mit Liebe sucht, findet auf dem Grunde ihres Wesens die ganz zarte, liebebedürftige Seele. Eine Weilelang sieht sic sich nach Mcitiungsvcrschiedenheiten mit den europäischen Geldgebern in der vollen Entfaltung ihrer Arbeitskraft gehemmt und muß ihre Berufstätigkeit auf die Kontrolle des Spitzeaatcliers in Jerusalem beschränken. Diese Begrenzung ihrer Tätigkeit nach der einen Seite hin, die sie schweigend er-, trägt, wird ihrer rastlosen Energie Anlaß zu anderweitiger Betätigung. Sie kennt die Einzelheiten der Kolonisationsarbeit und ihr Frauengeist ist häufig den leitenden Männern Ergänzung und Anregung. Besonders wo es sich um die Wünsche und Ziele der Arbeiter handelt, weiß ihr feines Verständnis oft den richtigen Weg. Zu voller Entfaltung kommt ihre Arbeitskraft erst wieder nach Ausbruch des Krieges. Da ist ihr Rat und Urteil von höchstem Wert bei sozialen Einrfchtwige«, die der junger» Gemeinschaft helfen, dte *drweren Prüfungen zu überwinden. Da hilft ■ie bei von Dinge», die für jeden Zionislc!» awauimengehören n;üs«cn, *ist möglich und notwendig ir.ir in einer Lrwidcruit״ auf die Weüsche, den Nationalismus versdifeier.ide Auflassung.) Auel» im Baseler Programm ist der nationale Gedanke eindeutig dadurch zum Ausdruck gebracht, dal» die öliVntlich-rechtlids gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk gefordert wird. IVr Zionismus kau» sieh daher immer nur an die Kreise richlcn, die imstande sind, den nationalen Gedanken aufzunchmcii. Wir wissen, daß das, zum mindesten heule, hei den meisten deutschen Juden nicht der Fall ist. Der nationale Inhalt tiilirt den Zionismus in einen tiefen Gegensatz zu der Masse des deutschen Judentums, die sich mit aller Energie gegen den jüdischen Nationalismus wehrt. Weil mag etwa den Versuch tnadien, im Ausgleich gegen eine formulierte Anerkennung de« Staatsgcrfankens durch den Zionismus ein jüdisch-nationale* Bekenntnis) /tun deutschen Judentum zu verlangen. lX׳r Gegensatz würde sich dann wieder deutlich zeigt». Wir suchen nicht, nach assimilatorischer Methode, von uns abzuweisen, was uns nicht paßt; wir wisse», d:1J! auch die Assimilantcn Juden sind, für die wir nach וזוזseren Kräften die Verantwortung trage» müssen. Alter wir wollen dabei das Gefühl der Gegensätzlichkeit und Unterschiedenheit von dieser Iseltarrendeu Masse nicht aufgeben. Eine zionistische Politik, die hier »;:«;;!eichend wirken wollte, würde grolle Werte der zionistischen Anschnuung und Lebenshaltung gefährden. Unsere ״Politiker“ berufen sich zu gern auf Her/I. Sie sollten wissen, dall auch ״Mauscbel“ ei» zionistisch-politischer Aufsatz ist. Die Versuche, den Zionismus so eiimmehte», d»5 er auch dem Gros der deutschen Juden genehm ist, müssen ahgetehut werden. Zionistische Politik darf auf die Klarheit ihrer Grundsätze nicht verzichten. In Weils Ausführungen wird der Zionismus zurückdatiert. Wem» die zionistische Politik von ihrem Grund 1md Ziel, der Aufrichtung des jüdischen Nationalismus, gelöst wird, wozu soll dann .noch der ziouistisclie Lärm? Die Grundlage eines unerschütterlich-nationale!» Pro• gramms verschwindet, der Sinn des Zionismus wird getrübt, seine wichtigste Voraussetzung soll unselüdlieh gemacht werden. Diese En tvvurzeiu ng de* Zionismus ist nutzlos und gefährlich. Wir würdet» bei den deutschen Juden kaum etwas gewinnen, wir würden uns von der Verbindung mit dem Gesamtjude!»- tum absdmeiden. Und schließlich darf nie vergessen werden, daß auch alle äußeren Erfolge des Zkmisnms an; den Kräften beruhen, die dem nationalen Erdreich entstamme!*. Protestversammlung in Wien gegen die ungarischen Pogrome Am H. d. M. fand in Wien eine von mehrere*» tausend Personen besuchte jüdische Masseavers.unnihing statt, die siel) zu einer überaus eindrucksvolle‘« Kundgebung gegen die judenfeir.d'.ichen ürcucliatcn *n Ungarn gestaltete, ln der Versammlung■ sprachen Abgeordneter Stricker, Oberrabbiucr IV. C h a j e s, IV. Isidor Schalit, Gemcinderat Dr. P1 a s c h k e s und I )r. K ieive. In der vom Vorsitzenden Abgeordneten Stricker verlesenen Resolution, die einstimmig aiigcaoiinnen wurde, beißt es u. a.: ״Die zivilisierte Menschheit darf nicht dulden, daß eine grauenvolle Feme zu einem Regierungssystem werde. Wer schweigend zusieht, wird mitschuldig. Im Name« unseres: Brüder, deren Musd verschlossen ist,•fordern wir von Europa, *ie au« dieser Hölle zu befreien.“ der Organisierung einer Konsumkontrolte, da sorgt «Je für die Familienmitglieder der Ausgewicseuen. Sic sammelt die halb verhungerten Frauen.auf der Straße und setzt sie an Spinnrocken, um Erwerb und Kleidung zu beschaffen. Sie hilft aus der Tiefe' ihres mitlcidenden Frauenherzens mit Rat und Tat, und ihre Stimme wird immer maßgebender im öffentlidten Leben. Nkmals verliert sie den Mut noch die Hoffnung; itnicr den schwersten Prüfungen, auf der Flucht aus Jaffa, beim Tode des inmitten der Krkgsnöte geborene» Kindes, behält sie ihre Entschlossenheit. Und mit dieser leidenschaftlichen Liebe zu den» Lande der Heimat, mit diesem grenzenlosen Vertrauen auf seine Zukunft trägt sie die Verzagenden über sieh selbst hinaus. Nun, da hinter der» Schwierigkeiten der »umüttdbaren Gegenwart die Verheißung einer großen Zukunft unseres Landes steht, ist ihre Kraft gebrochen. Der qualvollen Krankheit, die sie verzehrt, vermag ihr Herz nicht mehr standzuhalten. Mit der stählernen Kraft ihres Willens kämpft sie gegen die Krankheit an, solange sic den in Europa weilenden Gatten vertreten muß; nachdem er zurückgekehrt ist, ergibt sich das von tausend Kämpfen und Leiden ermüdete Herz. Der Tod ist-schließlich die Von Aren Freunden fast herbeigewünschte Erlösung von furchtbaren Qualen und Sarah TIkuis Namen ist nun unter der» Namen derer, die dem jüdischen Lande bis zum letzten Atemzuge gedient haben. Für yms, die wir eine jüdische Zi&unft wollen, für uns, die eine neue gerechtere Gesellschaft wollen, für uns, die das Weibtun» unseres Volke» veredeln und erhöhen wollen, ist Sarah Thon gestorben. Die licdeutung der Lebenden haben nur wenige ganz gewürdigt. Werden sich nun Mitstreiter finden, die dem Namen der Toten ein ihrer würdiges Denkmal setzen? Denn Sarah Thons Name muß unseren künftigen Frauengescblcchtem eingeprägt werden, als der Name einer, die in einer Zeit noch schwacher und kampfunlustigcr Seelen iür *ff Ideal au leben und au leiden wußte. Htleae Hanna Cohn. וי־* r I i h \< ו