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Jüdische Rundschau · 1920-04-27 · Heft 27 (27.4.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 27 (27.4.1920)
Date
1920-04-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27 jJ!U2ÖISD['2□ RP^ÖDCHSa Seile 205 r i i t I 4 I 1׳ rundbhf Klostar&trafie, .) |י—י׳ין ß L I Li y iJ o Es oerelesi spreche: Prof. Bi «tua^ 9 ״ •ניf )b ■*•ו ,וי"*.»,.• lyoc^ii %*■׳?» ־• Jü Üg tgmeasxzismssss!a1^xss^sssssmsmMmi^fBsxzstsrz^^: mir politisch interessierten Uiiiversilätsprofessoren, son- (lern auch Ministerien ziizuscndeii. Die lenden/, war klar. 1:9 ist tatsächlich Dr. ,Zollschaii «ud» gelungen, uurdi sein verworrenes Buch auch bei tschechischen Poiitikern seilest eine große Vcnvirrtuig anzustiften. Wie selbst vorurteilslose Tsdiechen die abstrusen Gedankengiingc Zollschans auffaßten, dafür mag als Beleg dienen, <i:1l» i'mfc'i.or l'mniiuel Radi, der im ״Uozvoj“ ,las Z01!sd1a!1!:ehe Buch gelobt und seine Anschauungen gcgvm'iber denen des Nationalrates als richtig erklärt hatte, Dr. Max Brod auf dessen Frage erstaunt mitteilte, er hätte geglaubt, daß Zoilschan selbst, der im. deutschen Karlsbad wohnt, auf Grund seiner Anschaumigen bei der nächsten Volkszählung sieh zur tschechischen (!) Nationalität bekennen werde. Daß Dr. Zollsdian für sich das Recht in ,Anspruch nehme, sich zur deutsch cn Nationalität zu bekennen, wäre ihm nicht eingefallen. — Eine Ablehnung fand das ZoÜsdiansdie Buch in einem׳ ausführlichen Artikel des Prager Rcditslchrcrs Professor Dr. Josef Schusta im agrarischen ״Veukov“. Diesem unterlief allerdings der Irrtum, zu glauben, daß die Zollschauschen Anschaumigen die der offiziellen nationaljüdischen Politik seien. — Daß letzten Endes die Anstrengungen der tschechisch-jüdischen Assimilanten und auch die des Zionist Dr. Zoilschan ergebnislos blieben, ist neben der Arbeit de9 Jüdischen Nationa'ratcs und ihrer Förderung durch den Präsidenten der Republik und den Mb nister des Aeußcrn vor allem der politischen Einsicht 111x1 der Sympathie zu verdanken, welche die tschechische Intelligenz den Renaissancebestrebungen des jüdischen VoSces, die ja den eigenen in manchem ähneln, entgegenbrinct. A. H. ... - - ־ ־י ׳ ר! «8 entsprechenden Vertretung der Oesterreich Eine Rede Strickers ki der Budgetdebatte der österreichischen National- Versammlung iiicit der jüdischnationaie Abgeordnete Ing. Robert Stricker eine großangelegte Rede, in der er aimächst erklärte, f ü r das Budget zu stimmen. Er tue das nicht deshalb, Weil er von den politischen Fähigkeilen amscrer regierenden Herren entzückt sei, nicht deshalb weil er alle getroffenen Maßnahmen gutheiße, sondern weil er den guten Willen der regierenden Parteien anerkenne, die Rulle in diesem Staate auf fcch tzuerh a 11ett. ״Ich stehe auch nicht an, d\1 sagen, daß es den koalierten Parteien gelungen ist, diese Ruhe tatsächlich zu bewahren. Ich muß mich dagegen wenden, wenn voll verschiedenen Seiten die Zustande in unserer Republik 80 dargestellt werden, als wenn wir hier im Zustande der größten Anarchie leben würden. Ich muß mich gegen die von söge■ nannter bürgerlicher Seite ausgeübte Dana■ gogic auxsprechc«. (Bravo!) Es ist demagogisch, wenn neun sagt daß in Oesterreich der Angehörige des Mittel׳ s!;indes seines Lebens und seines wirtschaftlichen Be■ *tzes nicht sicher ist.“ Nachdem er sich ausführlich zu den innerpolitischer I'סין!,leinen geäußert hatte, betonte Redner die Not• weudigkeit der Scliaffung großer Wahlkreise Emiögiachutig einer ei iioritiiteii. ״Ich spreche diesen Wunsch auch aus als־ Vc r t roter des jüdischen Volkes. Auch wir ei heben den Anspruch, daß man uns die Möglichke gibt, unsere Wähler zu raüiicren. Es wäre gar kei Schaden für diese Republik, für diesen Staat, wenn durc L'nisendtmg geeigtiefer Vc r t re t e r d cs jüdische Volkes Gelegenheit zu offener Aussprache i der Juden frage gegeben wäre. Ich sage: offen und ehrliche Aussprache. Ich bitte Sie, betrachten Si die Judcufragc auf der einen Seite nicht als neben säe! iiche Frage, über die inan am besten zur Tagesordnuii übergeht, auf der anderen Seite nicht als Frage, die ma «ncht anders als mit Haß und Hohn betrachten kan! 'Vetm Sk? sich nur die Mühe geben wollten, auf di t'svche der .Juden und auf die Vorgänge, die sich ii judcutimi nbxpielcn, ein zügelten, so würden Sic zi gebet», daß es besser ist, wenn es ein freies un offenes Judentum gibt. Sic sagen, Ihre Natio habe so oft bitter unter den Ausstrahlungen jüdische feistes gelitten. Ja, sic hat gelitten, aber nicht untc nein Geist des aufrechten und braven Judentums, so» uem Sie sind infiziert worden durc!» den Geist de r a *' * c n J »1 d e!1 ( u nt s. Was durch Druck und Verfolgung sich von uns Io: ״eusscti lut, ist auf Ihren Körper übcijgcgangen, un!1:!n.h^r׳,״״M1Crl; , ‘״icn 00’!erreich haben Sie sorgsai ariibe gewacht, daß um Gottes willen kein Jud I > r 1 e f 11 a g er wird. Das könnte den Körner d< deutschen Nation schädigen. In dem Moment aber, w « J10״ ge roffen hat, frech zu sein, da konnte < Ihr Herr werden. Vor dem SiesTiart kt Österreich dreißig Jahre auf dem Bauch geleg® Ei Renegat hat dieses Oesterreich‘ bc herrscht aber kein Jude konnte Briei tTügcr werden! Und 1u)0h heute beherrscht 1 noch fioute ist er toben, er kauft Zeitungen zusamtne! -׳״ird Präsident der größten Bankinstitute, »chiebt h «nd her. (Zustimmung.) Unser Volk macht jetzt seine größte geschichtliche Periode mit. Wir stehen vor der Wiederaufrichtätig unseres nationalen Zentrums. Große Nationen, große Staaten nehmen daran Interesse. Als ich vor einigen Wochen hei den Sitzungen unserer Organisation “in London war, sind — ich sage es nicht aus Protzerei für meine Partei — Begrüßung«, vom ganzen englischen Ministerium, Lloyd George an der Spitze, vom Präsidenten Wilson und anderen eilige* troffen; sie haben es für wichtig gefunden, sich mit dieser große« Bewegung zu befassen. Sie (zu den Parteien gewendet) befassen sich nicht damit und sagen höchstens; ״Der Zionismus ist gut, denn dann weiden wir endlich einmal die Juden los.“ Ich appelliere an Sie. unterstützen Sie unsere Bestrebungen mit Verständnis, cs wird nicht nur meinem Volke zugute kommen, sondern auch dem Ihrigen.“ (Lebb. Beifall.) Frankreich Hetze gegen die jüdischen Flüchtlinge ״L’Erc notivelle“ vom 0. April 1920 veröffentlicht iö der Rubrik ״Für die Unterdrückten“ nachstehenden Aufsatz: Die Poßromflüchtlingc haben ein Recht auf die Gastfrcumiscliaft Frankreichs. Die französischen Verwaltungsbehörden haben im Verfolg einer antisemitischen reaktionären Preßkampagne strenge Maßregeln — um keinen anderen Ausdruck zu gebrauche« — gegen die Pogromflüchtlinge ergriffen, die Opfer unerhörten Hasses im wicdcrcrwachten Polen, der meistens von der Regierung unterstützt wird, welche die Pflicht hat, alle ihre Bürger zu schütz®. Man hetzt diese unglücklichen Juden, man treibt sie in Massen aus, und sie sind nach Frankreich, ln das Land des Asylrechts, in der Hoffnung gekommen, l!icr vorübergehend ein Obdach zu finden, hier ein Stück Brot zu essen, bis der Tag der endgültigen Befreiung koimiit. Welche Tragödie ist doch das Leben der Juden in Polen! Es ist eine Hölle. Die öffentliche Meinung׳ würde vor Schrecken und Abscheu schaudern, wenn ,Sk־ die mörderische Politik kennen würde, die man gegen die Juden im alliierten Polen eingcsehlagen hat. Schändüng, Plünderung, Blutbad <— das ist das tägliciic Leben dieser armen Teufel. Was wirft man den Juden vor? Man nimmt an, daß sie dieser oder jener Tat fähig wären. Aber seit wann bctzl man 1jemanden auf eine bloße Vermutung Irin? Man «will Präventivmaßregeln ergreifen? Aber seit wann schließen Präventivmaßregeln die Gerechtigkeit aus? Nein, «ein, die französische Republik darf kein schreiendes Unrecht begehen; man darf niemanden vertreiben, um die Launen der polnischen Gesandtschaft zu befriedige«, die ihren Staatsangehörigen die Pässe verweigert; es geht nicht an, daß man aus Angst vor dem entsetzlichen Bolschewismus eines der heiligsten Rechte seit dem Altertum verweigert: das Recht der Gastfreundschaft. Tausende von Juden haben sich töten lassen für die Sache der Alliierten. Will man diese Opfer so be• lohnen? Wir hoff®, daß Frankreich trotz allem Frankreich bleiben wird! Italien Flüchtlingsiiiifsarbeii in Italien Von unserem Italienischen Korrespondenten. m. b, Rom, 28. März. Nachdem der Umfang des Nationalunglückes, das die Juden vor allem in der Ukraine während der letzten Jahre betroffen hat, durch den persönlichen Kontakt mit Flüchtlingen, seien es gewöhnliche Emigranten, seien es Männer, die in Rußland an der nationalen und philantliropischcn Arbeit teilgcnomincn haben, für itaücnische Jude« besser als durch alle Zeitungsnachrichten klar wurde, schritt mau zur Organisierung der hiesigen Kräfte mit dem Zwecke, den Ostjuden in ihrer Not beizustehen. Bald gelang es auch ein spezielles Komitee zu bilden, das in seiner Mitte Vertreter von allen Hauptrichtungen des italienischen Judentums zählt und nun zur Konkret!- sierung seiner Arbeit, die in vollständigem Einklang mit schon bestehenden analogen Organisationen der anderen Länder, vor allem dem Komitee der jüdischen Delegation in Paris vor sich gehen muß, zu ׳schreiten gedenkt. Solche Bildung eines speziellen Ausschusses, der über die bestellenden Organisationen hiuausführt, wurde deshalb als notwendig eraeiltet, weil keine von ihnen einzeln genommen imstande gewesen wäre weder die Arbeit in dem erwünschten Maße zu bewältigen, noch die breiten Schichten des Judentums zu vereinigen, denn dieser Ausschuß soll als Zentralorgan für ganz Italien dienen, überall Tochtervereine bildend, besonders aber in den Hafenstädten Genua, Neapel und Triest (in dieser letzten Stadt hat sich übrigens ein!analoges Komitee sclion gebildet). Außer der agitatorischen und diplomatischen Tätigkeit (zu welcher man auch die Christliehet» Kreise heranzuziehen die Absicht hat) hat sich das ivcngcbildete Komitee als Hauptaufgabe die konkrete materielle Hilfe gestellt, die vor allem in einer unmittelbaren HilfeleisUmg für die Flüchtlinge, die durch Italien reisen, in Anteilnahme an einer geregelten Einigratio« in großem Stil (vor allem nach Palästina), und endlich in der Unterstützung für die Wiederaufrichtung der zerstörte» jüdischen Wirtschaft, wenn möglich auf gesünderen Grundlagen, bestehen soll. An der Spitze des Ausschusses stehe« Rechtsanwalt Israek Ottolenglti (Präsident) und Professor Tomnuso Montefiori und Seekapitän Levi Bla nebln! (Vizepräsideuten). Polen Der Bericht der Samuel-Kommission ln» englischen Unterhaus fragte Mr. William Shaw de« Unterstaatssekretär dos Auswärtigen, ob der Bericht der Kommission Sir Stuart Sa in ue 18 über dk? jüdischcn Massaker in Polen schon «ingegangen sei; und wenn ja, wann das Haus damit bekannt gemacht werden solle? Mr. Harmsworth: Der Bericht ist eingelaufen. Er wird jetzt gedruckt und ich hoffe, daß er in kurzem vorgelegt werden kann, Die ostgalizischc Kommission In Amerika Wie bekannt, ist am 1. April 1. J. die galizisclie Kommission bestehend aus Dr. Pacht mann, Dr. Teanenbaura, Dir. Eisler und Redakteur Frostig in New York eingetroffen. Der galizisclie Verband hat der Kommission einen feierlichen und herzlichen Empfang zuteil werden lassen. Die Kommission hat bis nun bereits Vcrluuidhmgcn mit verschiedenen provisorischen jüdische« Organisationen besonders mit dein Joint Distributio« Committee geführt. Der bisherige Gang der Verhandiungen berechtigt zur Hoffnung, daß die Kommissien ihr Ziel erreichen und es ihr gelingen wird, das amerikanische Judentum für eine großzügige Wiederaufbauaktio« im jüdischen Ostgalizien zu gewinnen. Die jüdische Presse in Amerika widmet der Kommission wanne Worte. Das jüdische ״Tageblatt“ New York, vom 2. April schreibt: ״Die Jude« auss Amerika haben zu den Osterfeiertagen angenehme und erwünschte Gäste bekommen. Wir meinen die Kommission des ostgalizischen Judentiuns. Sechs Jahre sind bald verflossen, seit unsere Brüder jenseits des Meeres die größte Not leiden und In einer wahren Hölle sich befinden. Während der ganzen Zeit aller haben wir keinen unmittelbaren Boten von unseren Brüdern in Galizien gehabt, einen Boten, der tms die nötigen Aufschlüsse Und Erklärungen erteilt und xms angezeigt hätte, wo es am meisten 'nottut, wo zuerst a:1 zugreifen wäre, um die in Trümmern liegende jüdische Existenz wieder aufzubauen. Ein derartiger Bote, eine wahre Vertretung der Jude», welche Selbst von der Tiefe des Elends kommt, welche die blutige Pein mit ihren eigenen Augen angesehe« hat, war hier notwendig, notwendig für die Hilfsarbeit, welche das hiesige Judentum für seine Brüder leistet. Sehr oft, ja fast immer ist die Meinung des Leidenden sehr wichtig, vielleicht noch wichtiger als dk* des Arztes. Beim beste« Willen können diejenige״! die Hilfe gewähre«, nicht so gut wissen, was nottut, als diejenigen, ,welche Hilfe in Anspruch nehmen. Gleich mich Ostern beginnt die seitens des Joint cmsetzende Kampagne für die 35 000 000 Dollar, die für den Wiederaufbau benötigt werden. Dieser Betrag muß schlellstcus ™»geschaht werden. Die Kommission wird das ]ganze amerikanische Judentum zur heiliget» Mitarbeit auiweckcu, dank der Wahrheit, welche ihm nun initgeteilt wird, der schrecklichen und bitteren Wahrheit von der Lage der Juden im Osten. Wir glaube«, daß dieser Besuch und die von der Kommission zu leistende Arbeit eine Wohltat für das ganze leidende Judentum, für alle unsere leidende» Brüder und Schwestern sein wird. Der ״Plnkeß“ wird neu aufgelegt Ein Jahr vor dem Kriege ist von Ben Borochow .und S. Nider ein Jahrbuch für jütische Sprachforsclnuig, Folklore und Literaturgeschichte heraus׳,regebeu worden. Der prächtige Band ״Der Püikeß“ (= Die Chronik) betitelt, stellt in der jidischen Literatur einzig da. sowohl was den Inhalt anlangt, als auch in der gediegenen Durcharbeitung der behandelten Materie; I dieses Standard Work jidisdier Sprachforschung wurde jedoch infolge des Krieges nicht fortgesetzt. Der erschicncne Band war bald vergriffe!» und heute ist das auch prächtig ausgestattete Buch beinahe eine Rarität. Nun kommt durch einen Privatbrief von S. Niper die aufs freudigste zu begrüßende Nachricht, daß »n Amerika die Vorbereitungen zu einer Neuausgabe des ״Pinkett“ bereits vollendet sind. In Kürze wird also dieses wert* volle Werk denJ jüdischen Publikum, das für Volk•- spräche und Volkskunde ernsthaltca Interesse hat, Wiede•- gegeben »ein. I i } \ t-x ־1 : ‘ \ iß i■'!! , f %; * ■ k s: % f ־1 י i

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