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Jüdische Rundschau · 1920-04-27 · Heft 27 (27.4.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 27 (27.4.1920)
Date
1920-04-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 27 JUEOISOHE RUNDSCHAU Seite 203 gleichfalls wohlgesinnt. In der Tat, wo in Palästina der Jude am besten bekannt ist, dort ist die Feind- Seligkeit;;!-,;m ihn am geringsten, Vor dem Krieg gehörte es keineswegs zu den Ausnahmen, daIV Araber du ire Streitigkeiten zur Entscheidung den jüdischen Seliiedsgericntoi vortrugen, anstatt zu den staatlichen Gerichten zu gehen. Tatsächlich kann mnu alte Verwicklungen, die steh her.uisges teilt haben, auf die 11 n g I ü ck sei i ge Ve r - /. öge r 1111 g der endgültigen Regeln 11׳g zuriickführein. Das ist schon fast eine Binsenwahrheit. Wenn man Farsul und seinen Jingoes klannaclit, daß Palästina 11ml Syrien getrennt sind und bleuten Werden, so Werden sie die Entscheidung hinnehmen. In Palästina selbst wird es einer energischen und unparteiischen englischen Verwaltung, die eine jüdische Eiuwandererschaft leitet, welche die Lage aller Bewohner günstig beeinflussen wird, Sicherlich gelingen, 111 einer kurzen Spanne Zeit alle Elemente, die sich zuerst;״!״efeimtet oder ix-driiekt fühlen, aiiszusohncn.“ Aus San Re1110 ־ schreibt der Korrespondent der ’11י‘* יי Wie *׳Klarstellung der britischen Stellungnahme <11 Palästina ist nicht zu erwarten; obgleich diese Sache nicht direkt mit dem Text des türkischen Vertrages zusainiucnhängt, würde zweifellos eine klare Stellungnahme bezüglich der Zukunft des Zionismus %'on den britischen Juden freudig begrüßt werden. Das Interesse, das an dieser Angelegenheit genommen wird, kann aus der Tatsache geschlossen werden, daß die britische Delegation in San Rcmo viele Tele- ■r ן■ am me von jüdischen Organisationen erhalten hat, die für ein britisches Mandat und britische Kontrolle in Palästina plädieren als fundament.ilo Notwendigkeit für den Aufbau eines judiselim Staates in Palästina,11 In Dailv News" erklärt Wilson Harris, daß der türkische Friodensvcrtrag kaum bis 10. Mai fertig wm winl. Weiter führt er aus: ״Die Streitigkeiten zwischen Arabern tmd Frauzu sc« m Svrieu sind noch nicht beigelegt; es ist noch keine" endgültige Entscheidung bezüglich der Redde der Araber und Zionisten in Palästina gefallen. In diesem Zusammenhang erwartet man jetzt hier die Ankunft Dr. Wei z m a uns des Führers der zionistischen Bewegung, Ein Punkt, über den er energisch vorstellig werden wird, ist die strittige nftrd liehe Grenze Palästinas, Wenn der Sykes- Picot-Vertrag von 10H> zwischen Großbritannien und Frankreich durchgofiihrt wird, würde Palästina die Wasserkraft verlieren, die es für die Elektrizität braucht, welche die Basis seiner industriellen Entwicklung sein muß. Diese besondere Frage über den Besitz des Berges Merino« und des Flusses Eitaiiy ist einer jener strittigen Punkte, über den die feindlichen Exporten monatelang debattieren können. Aber alle diese Fragen können zweifellos offen gelassen werden bis nach der Ueberreichuiig des türkischen Vertrages, Sie betreffen nicht die türkische Regierung, sondern nur die Verfügutig ober Gebiete, die der türkischen Regierung genommen werden sollen. Das Londoner Büro telegraphiert: Hier herrscht große Freude. Die Gebäude der zionistischen Organisation sind beflaggt. Die Zimmer sind mit Blumen geschmückt. Eine große Fest- Versammlung beginnt soeben. Die wärmsten brüderlichen Glücicwünsdie in diesem historischen Augenblick im Leben des jüdischen Volkes. Das Berliner Büro hat folgendes Telegramm nach London abgesandt: ״Zioiübiiro London. In unermeßlicher Freude eins mit Euch erleben wir die Verkündung unserer nationalen Bcfreiung. In tiefster Dankbarkeit lind Verehrung begrüßen wir unsere Führer, die in unerschütterlicher Arbeit unsere Sache zum Sieg geführt haben. ,Wir fühlen die Verantwortung, die diese große Stunde dem jüdischen Volk auflcgt. Mit Schaffensfreude und gesteigerter Energie werden wir alle unsere Kräfte dem Aufbau der Heimat widmen, getragen von der Zuversicht, daß die Verwirklichung unseres Ideals unserm Volke Er- Idsung und Freiheit geben und für die ganze Welt den Beginn einer neuen glücklichen Epoche bedeuten wird.“ Das Telegramm ist gezeichnet von der Zioni* stischen Vereinigung für Deutschland, den Berliner Mitgliedern des Actions-Gomites und den leitende» Sekretären des Berliner Büros. An die zionistischen Gruppen! Der diesjährige Dclegiertentag wird im Juni d. J. statttfinden. Wahlberechtigt sind nach unserem Statut nur diejenigen Gruppen, die die Landesbeiträge abgeführt haben. Wir fordern daher alle Gruppen auf, die rückständigen Beiträge für das Jahr 1019, sowie die erste :Rate dew ,Landesbeiträge für 1920 schleunigst an uns abzuführen. Der Landesbeitrag beträgt für Mitglieder von Ortsgruppen 5.״ M., für Mitglieder von Jugend gruppen 2.- M., für Misrachi- und Hapoel-Hazair-üruppen 3.- M., für Misrachi- und Hapoel-Hazai'r-Jugcndgruppen 1.50 M. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Berlin W«. 15, Sächsische Straße 8. 2ür Cz Pdä Sosidarfcdkeo Eintreten Beschluß des ״Joint Poreign ',Committee“ London, 23. April. (Tel. der ״J. R“). Das ״Joint Foreign Gonunittee“ hat einstimmig beschlossen, der Regierung die Forderung zu übermittelu, daß Großbritannien das Mandat über PaUistina übernimmt und daß eine unverzügliche Regelung im Interesse Palästinas und jener Juden, die sich dort ansiedeln wollen, erfolgt. Diese Resolution wurde auch telegraphisch nach San Rcmo übermittelt. Die Resolution der ״Liga der britischen Juden“ ״Daily Telegraph“ veröffentlicht einen Brief des Majors Lionel de Rothschild, Präsiden* teil der ״Liga der britischen Juden“, an den Staatssekretär des Auswärtigen. Der Brief stellt zunächst fest, daß die Liga nicht mit allen Forderungeu der Zionisten übereinstimmt. Sie würde jedoch ״mit Mißfallen“ (״regard with dismay“) den Vorschlag aufnehmen, Palästina unter arabische Suzeränitiit zu stellen. ״Aus Gründen, die nicht nur die Juden, sondern ebensogut alle Christen angehen, wünscht die Liga energisch, daß Palästina freie Institutionen unter einem britischen, oder, wenn das nicht gellt, unter französischem Protektorat genießt. Obgleich die Liga aus Juden zusammengesetzt ist, die nicht den Wunsch haben, ihre staatliche Zugehörigkeit aufzugeben, erkennen ihre Mitglieder doch an, daß viele Tausende ihrer weniger glücklichen Glaubensgenossen in Osteuropa sich in Palästina anzusicdcln wünschen, und deshalb möchten sic, daß die Zukunft dieses Landes so geregelt wird, daß sie mit diesen Wünschen nicht in Widerspruch stellt und daß ohne Schädigung der arabischen Bevölkerung die Einwanderung solcher Juden erleichtert wird.“ Versammlung des ״Board 0? Deputles“ London, 20. April. Säumig, den IS. d. M., fand im Jewish College eine außerordentlich stark besuchte Versammlung des ״Jewish Board of Deputics“ statt. Stuart Samuel führte dm Vorsitz. Nach Erstattung des Berichts des ״Joint Foreign Committee'‘ (gemeinsame politische Vertretung der ״Anglo Jewish Association" und des ״Board of Deputics" — Red. d. ״J. R“.) fragte Herr Rubins, warum die Lage in Palästina angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse in dem Bericht nicht erwähnt sei. Herr Stuart sagte in seiner Antwort, das Joint Foreign Committee habe sich bisher nicht mit Paliistinafragen beschäftigt, weil man dies völlig der Zionistischen Orgaeiisatiou überlnssen habe. Aber man sehe ein, daß im gegenwärtigen Augenblick eine Aktion unternommen werden müsse, tmd deshalb gedenke er einen diesbezüglichen Antrag cinzubringvn, Dieser Antrag Sir Stuart Samuels lautete folgendermaße«: ״Das Joint Foreign Committee wird ersucht, die gegenwärtige politische Lage in Palästina zu pfiifon mul eine Aktion in die Wege zu leiten, die zweckentsprechend erscheint." Samuel erklärte, er sei bereit, seinen Antrag zugunsten desjenigen von Dr. Daiches zurückzuzieht'n, falls dieser dein Joint Foreign Committee unterbreitet werden sollte. Der Antrag Daiches lautet: ״Der Board spricht die leidenschaftliche Hoffnung aus, daß die Friedenskonferenz ohne Verzug die Deklarat i o n der Regierung betreffend die E r r i c 11 - tttug einer jüdischnationalen Heim- Stätte in Palästina verwirklichen möge und daß das Mandat Großbritannien übertragen werden möge." Da Dr. Daiches der Anregung des Vorsitzenden nicht entsprechen wollte, brachte $ir Stuart seinen Antrag ein. Er sagte, es scheine eine Krisis in der Palästinafrage gekommen zu sein. Es kursieren Gerüchte, daß Großbritaimicn nicht beabsichtige, ein Mandat für Palästina zu übernehmen, sondern bereit sei, einen arabischen Staat aimicrkennen, der auch Palästina umfasse. Er persönlich glauix: nicht, daß Großbritannien den einmal eingenommenen Standpunkt aufgeben ,werde. Als Jude, betrachte er de« Bericht mit Ikuuiruhigung, aber er müsse gestehwi, als Engländer erfülle er ihn mit Bestürzung. Er lehne es ab, zu glauben, daß England seine ursprüngliche Stellungnahme aufgeben werde. Er sei überzeugt, daß Großbritannien seinem gegebenen Versprechen treu bleiben werde. England könne seine Bürger nicht mit der Scli an de belasten, seine Verpflichtungen nicht ei nge ha11 e n zu Jjaben. Fortfallrend sagte er, cs sei ein kritischer Moment in der Geschichte des jüdischen Volkes gekommen, cs dürfe jetzt keinerlei Streit und keinerlei persönliche Konflikte geben, sondern jede Aktion müsse in Einigkeit durchgeführt werden. Aus flicsem Grunde »ei er be-!er englischen Judeniieit tinaforderung strebt, es dem ״Joint Foreign Committee" au untcrbreiten, und er freue sich, initteilcn zu können, daß er von Claude G. Montefiorc eine Erklärung erhalten Italic, die der Einleitung einer Aktion nach dieser Richtung hin zustiinme. Lord Rothschild sagte, daß er die Resolution mit der größten Genugtuung unterstütze; es sei untlenkbar, daß die englische Regierung etwas anderes Um könne, als ihrem Versprechen, wie es in der Balfotir• Deklaration zum Ausdruck gekommen sei, treu zu bleiben. Dr. Ga ster, die Resolution unterstützend, sagte, die Bemerkung des Vorsitzenden sei richtig, jetzt sei nicht die Zeit für Streit oder Kritik. In dieser Zeit müssen wir Schulter au Schulter »t ehe 11 und der ganzen Welt unsere gerechten Forderungen unterbreiten. .Er wies auf die Hilfe hin, die die Juden der Sache der Alliierten geleistet haben und er betonte die Tatsache, daß sie nicht nur im Namen der englischen Judeniieit, sondern im Namen der Juden der ganzen Welt sprechen, wenn sie fordern, daß England das Mandat über Palästina übernehmen solle. Er wünsche, zum Ausdruck zu bringen, daß er gegenwärtig von der Auffassung einiger Zionisten abwciche, die, wie er glaube, manche Fehler begangen hätten, nber jetzt sei nicht der Augenblick, um Fehler festzustellen. Die Juden müssen jetzt e i n s t i m m i g s ין r e c 11 c 11 und ihre Anspräche geltend machen, die auf der hisioriselvcn Gerochtigkeit fußen und auch im Interesse der Menschheit liegen. Er wisse, daß Herbert Samuel jetzt in San Remo sei und eine einstimmige Re801 ution der englischen judeniieit werde seiirer Mission beträchtlichen Nachdruck verleihen. Mr. H, S. Henriques sagte, daß er gern die Resolution unterstützen würde, aber er glaube, der Ausschuß müsse selber zum Ausdruck bringen, in welchem Sinne die Aktion unternommen werden sollte und er schlug deshalb noch einen Zusatz zu der Re- Solution vor, der vom Vorsitzenden angenommen wurde. Nachdem noch andere Redner die Resolution unterstützt hatten, wurde sie mit dem Zusatz einstimmig «11genommen. Sie hatte folgenden Wortlaut: ״Das Joint Foreign Committee soll ersucht werden, die gegenwärtige politische Lage ü» Palästina zu prüfen und jode Aktion zu unternehmen, die sich als erforderlich erweist; insbesondere der Regierung das Vertrauen dos Board zum Ausdruck zu bringen, daß Groß, britannien die Absicht, das Mandat über Palastina anzunehmen, nicht aufgeben wird.“ Die West London Zionist Association hielt eine Versammlung ab, in welcher das Mitglied der Zionist Commission, Ür. Eder, referierte. Er erklärte, daß die britische Verwaltung Palästinas der klar ausgesprochenen Politik der britischen Regierung abhold sei. Die Ver- Sammlung nahm eine Resolution an, welche fordert, daß Großbritannien das Mandat über Palästina aiwiimint, und die Balfour-Deklaration verwirklicht. Die belgischen Juden an Lloyd George Die Londoner Tageszeitungen vom 20. April bringen eine Rc u t e r* McId 11 ng, wonach nach einem zion isti sehen Meeting in Brüssel am 19. April eine Resolution a!1 Lloyd George abgesandt wurde, ״die nachdrücklich auf die Notwendigkeit uer Uebcrnahnie de« Mandats über Palästina durch England unter dem Schute des Vötkcrbmides hinweist, damit die Heimat der j,üdisehen Nation in Uebereinstimmu״״ mit dem Vetsprechen Großbritannien» tmd den Wünschen des |!udisehen Volke» wiederhcrgestcllt werden kamt". Profestrabbiner ln ״The Times“ vom 20. April weist J. j. Mattuck (Seelsorger der liberalen jüdischen Synagoge) darauf hin, daß die ״Times“ ungenau ist, wenn sic Ix־* richtet, daß 90 Prozent der Juden in den Vereinigten Staaten ״glühende Zionisten“ seien (siehe vorige Nun!- 111er der ״Jüd. Rundschau“ — Anm. d. Red.). Er stellt fest: I. Die meisten amerikanisch-jüdischen Zeitungen sind nicht zionistisch; 2. die Mitgliederzahl der ״Amerikanisch-jüdischen Federation" ist: ״wenn mein Gedächtnis zuverlässig ist, ungefähr um '200 000 herum, das würde bedeuten weniger als 1 Million Seelen Von einer jüdischen Bevölkerung von sdiätzungsweise drei Millionen“; 3. die Zentralkonferenz der amerikanische« Rabbiner hat sich immer dem׳ Zionismus widersetzt. Nach seinen persönlichen Erfahrungen hält er die amerikanische Judeniieit für ״indifferent den zionistischen Grundsätzen gegenüber und ohne jede Sympathie für die nationalen Ziele des Zionismus, aber für wohlwollend gegenüber den philanthropischen Bestrebungen der Bewegung,“ In ״Tlie Times" vom 21. April erwidert Paul Ooodman dem Rabbiner J. J. Mattuck und weist darauf hin, daß der amerikanisch-jüdische KongreB in Philadelphia (eine gewählte Körperschaft) im Jahre 1918 und die Vertreter dieses Kot^rcsses in Paris ״durch weg die zionistischen Forderungen unterstützt haben.“

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