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Jüdische Rundschau · 1920-04-16 · Heft 24 (16.4.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 24 (16.4.1920)
Date
1920-04-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite!82 JUEDISDHE RUNDSCHAU Nr. 24 i 1 i I 1 1 i % * l i 1 j ז..! ן t t *, 1 i '׳!־ ־‘ i v Die arabische Bewegung »ulen, sozialen, und demokratischen Empfinden eine• Brandeis hervor. Achnliclie Parallelen lassen sielt au di in bezug &ul andere Länder ziehen, z. B. Kanada, Südafrika — überall wohin sich große Sclvaren hilfsbedürftiger Ein- Wanderer wandten, hat die eingesessene jüdische Bevölkcrung sich beeilt — teils aus Mitgefühl, teils aus nüchternen Erwägungen —, ihnen zu helfen. Selbst ai dem vom Kriege so schwer betroffenen Oc• terreich wurden beträchtlidie Hilfsvorrkhtungc!» ge- •duffen. Wie lange noch wird die deutsche Judcnhdt mit solcher liilfc zögern? Deutschland Die Osijudenverfolgungcn Von den 281 Ostjuden, die am 27. März in der Grenadierstraltc verhaftet worden sind, sind nunmehr alle bis auf drei politisch Verdächtige aus dem Internierungslagcr Wünsdorf bei Zossen entlassen worden. Es hat sich gleich bei der ersten Kommission des Arbcitcrfürsorgcaintcs der Jüdischen Organisationen Deutschlands hcrausgcstcllt, daß bei der Razzia lauter »unschuldige Menschen verhaftet und tagelang grundtos «1 unmenschlichster Weise gequält worden sind, Mac» lut außer den bei der Razzia in der Grenadierstralle fesfgerionimenen 25t), am selten Tage noch etwa 35 bei einer früheren russischen Telcgraphcn-Agontur angcstellt gewesene Personen, die im Berliner Westen wohnen, verhaftet, uin ■einen Vorwand zu haben, Von politisch verdächtige« Personen zu sprechen; auf diese Weise hat man sich die Möglichkeit geschaffen, die ganzen Internierungen unter dem Sammelnamen ״des Scbictertums und Bolschewismus verdächtig“ zusamiucnzufasscn. Auch von diesen Personen mußten alle bis auf drei .mangels jeglicher Verdachtsmomente freigegeben werden. Es ist unglaublich, wenn inan bedenkt, welches frivole Spiel hier mit der persönlichen!־'rcllieit der Menschen getrieben wird. Das Staatskominissariat für öffentliche Ordnung und die Polizeibchördc haben selbst einsehen müssen, daß ein unverantwortlieber, durch nichts zu rechtfertigender liebergriff der militärischen Machthaber vorliegt. Der inilitaristische Unfug rüttelt noch immer an den Fundamenten eines geordneten Rechtsstaates. Es ist unzweifelhaft eine Folge der maßlosen antisemitischen Hetze, daß solche ׳unerhörten Uetergriffe vor der öffentliehen Meinung bestehen können. Das Ansehen Deutschlands »n der zivilisierten; Welt wird jedenfalls durch derartige Cicignisse in bedauerlichem Maße beinträchtigt. Was sich in dem Wünsdorfer Lager in diesen wenigen Tagen ereignet hat, ist teilweise durch die Kommission des Arbeilerfürsorgcamtcs festgestellt worden. Die Behandlung der Internierten ist an Roheit nicht mehr zu überbicten. Kolbenstoße, Ohrfeigen und wüsteste Beschimpfungen wurden wahllos ausgctcilt. Gleich bei der Ankunft der wehrlosen unschuldig Gefangenen sind im Lager Scheinwerfer und Maschinenge wehre aufgestellt worden. Ein Offizier hielt eine Ansprache, in der er für die geringste Unvorsichtigkeit den Tod androhtc. Erschossen sollte werden, wer sich mit den Soldaten in ein Gespräch einließ, wer abends nach eintretender Dunkelheit aus seiner Baracke herausträtc. Die meisten Gefangenen wurden einen ganzen Tag ohne jede Nahrung gelassen, an den folgenden Tagen war das Essen völlig unzureichend und zum Teil ungenießbar. Die Angehörigen der Leute, die mit de« Ausweispapieren und Lebensmittclpnkcten hkiauskamen, wurden gar nicht zu den Gefangenen /!!gelassen. Selbstverständlich kam cs auch zu allerlei Exzess«! und antisemitischen Flegeleien. Die Woche Wünsdorf gehört zu den blamabelsten Skandalen der jüngsten deutschen Geschichte. Trotzdem scheint noch nicht überall die Ucbcrzeugung durchgedrungen zu sein, daß das Verhalten den Ausländern gegenüber einer durchgreifenden Revision bedarf, ln letzter Zeit steht Süddcutschland an der Spitze der Aktion, ln München ist ein förmlicher Terror gegen alle Fremden aufgcrichtet worden und am schwersten leiden natürlich wieder die Ostjuden. Die antisemitische Bewegung in Bayern übertrifft alles bisher Dagewesene. Wir erhielten eine Sammlung von antisemitischen Flugblättern und Flugschriften, die nn unflätigem Blödsinn die ganze pamphlctistische Literatur in den Schatten stellen. Die Situation hat manchmal citicn geradezu• bedrohlichen Charakter angenommen* Bedauerlicherweise macht die Regierung den Kreuzzug gegen die Juden mit, ohne sich durch irgendwelche Bedenken moralischer oder politischer Natur behindern zu lassen, ln letzter Zeit wurde auch in Württemberg mit den Ausweisungen begonnen. Auch von dort erhalten wir Berichte über das brutale Vorgehen der Polizciorganc. Es ist höchste Zeit, daß diese Quälereien endlich ein Ende nehmen. Man soll mit dem Gedanken eines Pogroms in IXmtschland nicht «picJcn. Die Folge«! können unabsehbar sein, Die Zustände in der Berliner Jüdischen Gemeinde Am 8. Mürz hielten folgende Vereine eine gemeinsame Mitgliederversammlung ab: Jüdischer Reiigionsverein Friedenau, Sieglitz, und Umgebung;' religiöser Verein Steglitz; jüdischer Fraucnvcrcin der südwestliehen Vororte, Jugciulbund Friedenau, Steglitz und Umgebung. Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde war iturdi Herrn Hcntschei vertreten. Es׳ wurde ein• Das Manifest des Waad Hasmani an das arabische Volk Der ״Waad Hasinaui“ wendet sielt mit folgender Kundgebung an das arabische Volk: ״ln dieser ernsten Stunde der Geschichte des jüdischen und arabischen Volkes halten wir es nach den Ereignissen der letzten Tage für notwendig, uns an unsere arabischen Brüder mit folgenden Worten zu wenden: Verschiedene böswillige Elemente überreden Euch, daß die Juden nach Palästina kommen wollen, tun euch eurer Rechte zu berauben und euch von eurem Boden zu verdrängen. Dies ist Lüge! Wir sind nicht gekommen, irgendjemanden zu berauben oder zu verdrängen. Wahr ist, daß Erez-lsracl unser einziges Vaterland ist. Es ist das Land unserer Vergangenheit und unserer Zukunft, das Land, in das wir zurückkehren werden, um unser nationales Heim wieder aufzubauen. Aber wir kommen nicht hierher, um Krieg zu führen, sondern wir wollen in ,Frieden leben, wir kommen nicht um zu rauben, sondern u!n zu arbeiten und aufzubauen. In Palästina ist Platz genug für uns und für euch. Wir wollen hier ansässig werden, um den Boden mit unserem Schweiß zu bearbeiten, alle lebendigen Kräfte zum Wiedererwachen zu bringen, die Naturschätze zu lieben. .Wir wollen unsere Energie, unser Wissen und unsere moralischen und geistigen Kräfte in den Dienst des Landes stellen. Während 2000 Jahren ist das lebendige Band zwischen dem jüdischen Volke und Ercz Israel nie gerissen. Ihr alle, die ganze Generation der Gegenwart, seid Zeugen des großen Werkes, das wir unter Euren Augen in Palästina vollbracht haben, und ihr seid nicht nur Zeugen, sondern ihr zieht daraus den gleichen Nutzen .wie wir. Das jüdische Volk, das während 2000 Jahren von verschiedenen Bedrückern unterjocht wurde, wird niemals jemanden seiner Rechte berauben und nicht in ein Land kommen, um irgendjemanden zu verstoßen oder auszubeuten. Wir wollen nicht Kampf und Streit, der nur beiden Seiten Schaden bringen kann. Wir wissen aber auch unsere Rechte, unsere friedliche und kulturelle Arbeit zu Verteidigen. Keine Macht wird imstande sein, unsere Arbeit zu stören und uns zu hindern, unser Ziel zu erreichen. Wir sind bereit, für das Wohl und die Wiederbelebung des Landes mit dem arabischen Volke, das im Lande lebt, mit seinen Massen, Bauern, Arbeitern und Handwerkern, die nicht Streit suchen, sondern friedliche und einige Arbeit wolle«, Schulter an Schulter zusammen zu arbeiten. Nicht möglich ist cs, daß das arabische Volk, das zum Eigenleben erwacht, nicht ebenso wie alle Völker und Regierungen unsere nationale Wiedergeburtsbewegung, unseren Anspruch auf unser Land, unser historisches Recht, die Gerechtigkeit und Billigkeit unseres Anspruches anerkennen sollte. Ein gleiches Schicksal hat das jüdische und das arabische Volk getroffen. Sowohl ihr als auch wir waren ehemals Völker, die durch Macht und Geist herrschten, und sind durch Gewalt und liistorische Umstände anderen unterjocht worden. Wir fordern euch auf, mit uns zusarntnenzugehen und mit geeinten Kräften den schlummernden Orient aufzurichten, ihn zu beleben und von neuem fruchtbar zu machen auf materiellem und geistigem Gebiet. stimmig beschlossen, eine Eingabe an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Fichten, in welcher über die Mißstände im jüdischen Religionsunterricht Klage geführt wird. Es weiden darin bestimmte Forderungen über eine bessere technische Organisation des Unterrichts aufgestellt. Fenier wird gelordert, daß in dem mehr als 2000 Steuerzahler umfassenden Bezirk Friedenau-Stegäitz ein Rabbiner domiziliert, widrigenfalls diese Bezirke zum Separatismus gezwungen würden. Auch weitere Forderungen bezüglich der Ausgestaltung des Gottesdienstes werden erhöben. Aus dieser Beschwerde einer großen Gruppe der Bcriiner Gemeinde erhellt wieder, w׳ie unbefriedigend die Tätigkeit der Berliner Jüdischen Gemeinde in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung^ selbst für diejenigen Arbeitsgebiete ist. welche die Gemeinde als ihr ausschlielllichcs Arbeitsfeld in Anspruch nimmt, Nicht einmal den Angelegenheiten des Kultus und des Reiigions- Unterrichtes vermag die heutige Verwaltung jene Auf■» merksamkeit zu widmen, welche die Wähler zu bcan- Sprüchen das Recht haben. Wir hoffen, daß diese Tat- Sache dazu beitragen wird, in allen Kreisen des Berliner Judentums die Ueberzcugung zu stärken, daß eine Demokratisierung der Gemeindestube und eine Ersetzung der heutigen unzulänglichen Leitung durch arbeitswilligere und arbeit&räftigere Elemente dringend geboten ist. Wir rufen cudi auf zum Frieden und zur Arbeit für unser und euer Wohl und für das Wohl des Lande«. Der ״W a a d Hasmani“ der palästinensischen Jude«, Der Bericht des Daily Herald ״Daily Herald“ vom 8. April bringt unter dein 1j1cj ״Kämpfe in Jerusalem“ nachstehende Schilderung: ״Eine ernste Situation ist in Palästina entstanden. Moslems und Juden »ind aiieinander'geratcn. Es ist klar, daß eine strenge Telegramnizensur eingesetzt hat. Alle fragmaitarischen Nachrichten, die wir haben, kommen von Kairo. Wie der ״Daily Herald“ am Dienstag berichtete, haben am Sonntag schwere Kämpfe in Jerusalem stattgefunden, wobei cs 188 Unfälle gab. Zu weiteren'' Zwischenfällen zwischen Juden imd Moslems kam cs, nach einer Rcutermcldung aus Kairo, am Montag. Wilde Gerüchte, meldet die Börse, sind bezüglich der Situation in Palästina in Umlauf. Alle Einreisebewilligungcn für dieses Land wurden s’.stiert. Die Truppen wurden in ihren Standort auf der Westseite des Kanals zuriiekterufen. Briefe aus Palästina kommen nicht an. Der Reuter-Korrespondent in Kairo schildert u! einem Telegramm die Unruhen vom Sonntag, zur Zeit als die Moslem das Fest des Nebi Moussa, die Juden das Passahfest und die Christen Ostern feierten. Eine Anzahl von Mohammedanern kam am 4. April von Hebron nach Jerusalem herein, als eine Prozession sie!! dem 'Jaffaer Tor näherte. Plötzlich ertönte ein Schrei: ״Die Juden greifen uns an.“ Die Führer der moslemitischen Prozession drängten nach dem Tor, uährcnd der Rest stehen blieb und jeden Juden!11 der Nähe atigriff, schreiend: ״Wir haben das Land mit dem Schwert erobert. Wir werden es mit dem Schwert halten.“ Es folgte ein Kampf mit Messern und Steinen. Ein unbestätigtes Gerücht besagt, daß eine Anzahl von Juden auf die Polizeistation am Jaffaer Tor eilte, um sich mit Waffen zu versehen, und daß einige jüdische Soldaten vo»1 einem jüdischen Bataillon, die liercmgekommcn waren, um Peßach zu feiern, auch bei der Teilnahme an den Kämpfen betroffen wurden. Im größten Tumult erschienen britische Soldaten Und stellten sofort die Ruhe wieder 11er. In der Folge kam cs noch zu zahlreichen Zusammenstoßen in den engen Seitenstraßen der Stadt, überall, wo Juden betroffen wurden. Die letzteren kämpften riiutig und die Zahl der Verwundeten wird Wohl auf beiden Seiten gleich sein. Zehn Tote wurden gefunden, die Gesamtzahl der Opfer steht aber noch nicht fest. (Palästina gehört zu den ausgedehnten Distrikten, über welche der Syrische Kongreß kürzlich de* Emir Faisul zum König ausgerufen hat.)“ Anfragen im Unterhaus Am 30. März : antwortete Unterstaatssekretär Har ms worth auf eine Anfrage des Leutnants Kenworthy bezüglich der Vorfälle in Palästina, daß in der britischen Zone keine Unruhen vorgefallen seien und daß er über die französische Zone keine offiziellen Informationen habe, mir einen unbestätigten Bericht über Zusammenstöße jüdischer Kolonisten und Araber in der Nähe von Me 1111 Iah, im Febniar und Anfang März, in deren Verlauf fünf Juden und fünf Araber getötet sein sollen. Es sei eine äußerst schwierige Frage, ob die britische« Streitkräfte Hilfe leisten können und ob Frankreich dies zulassen würde. In bezug auf die Imnügrationsfrage sagte er, ihre Regelung hinge Von der endgültigen Entscheidung der Friedenskonferenz ab. Er fügte hinzu, daß die letzten Nachrichten zeigen, daß sctexi eine gewisse Schwierigkeit in der Versorgung der gegenwärtigen Bevölkerung besteht. Hilfskonferenz und Waad Haarazotli Das ״Comite des Delegations Juives aupres de la Conference de la Paix“ versendet ein Communiquc über die momentan bevorstehenden Aktionen des Komitees, dem wir Nachstehendes entnehmen: Das Komitee der jüdischen Delegationen hielt unter Vorsitz des Generalsekretärs Motzkin in der letzten Woche mehrere sehr wichtige Sitzungen ab, •in denen auch cäiige auswärtige Mitglieder (so Redakteur Idcls o h n London, G o 1 d s tc i n - London, Abgeordneter Grün bauin-Warschau usw.) und eine Reihe von Gästen, die mit öffentlichen Missionen betraut waren, tcilnahmcn. Mehrere der Gäste hatten Gelegenheit, über ihre öffentlichen Missionen, die mit der Lage der Juden in den Ländern der großen Katastrophen verbunden sind, zu berichten. So ,war von großem Interesse der ausftihrliclie Bericht, welchen die Herren Masse! und Kamaiky, die als Vertreter des Hcbrcw Shcltcring and Immigrant «aid Society of America nach Polen, Galizien. Litauen und Rumänien sich begeben, über ihre Aufgaben erstattet haben, Das Komilcc beschloß « «ach einer »ehr eifrigen Besprechung, das Werk der beide« Abgesandten durch seine Beziehungen in jeder Weise tu fördern.

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