Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1920-04-13 · Heft 23 (13.4.1920) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 23 (13.4.1920)
Date
1920-04-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2652228-2652251--12983-2670666
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

rar Natur und zum' Leben. Das heißt nicht, daß wir die Emmgensdiaften der Zivilisation ablchnou, aber die Haupfsadie ist das Schaffen. Wir braudien eine geistige Erneuerung und Anfängen muß cs damit, daß man hingebt und arbeitet. Wenn heute die Menschen einen Wald pflanzen, fragen sie nidit «ach seinem uatürlietien Sinn und nach seiner Schönheit, sondern nadi dem Profit. Wir müssen anders arbeiten. Das Land Wartet auf uns. Jeder Jude, der sidi selbst sucht, der das Volk, das Leben sucht, muH nach Palästina gehen. fXiit vollzieht sich die Vereinigung von Mcnstfv, Natur und Artveit, Es ist eine Leiter, die zum Himmel führt, aus dem Galuth nadi Palästina. Audi im Gahith!missen vir arbeiten. Jüdische Arbeiter sind wichtiger als jtidisdie Minister. Die Völker kennen uns nidit, sie sehen nur unsere Schwindler. Wir wollen einen Zusa’mnvcnliang zwisdien uns ׳und den Chawerim im Galuth schaffen. Aber nicht durdi abstrakte Ideen, sondern durch innige menschliche Beziehungen. Wir müssen einen neuen Himmel sdinffeu und eine neue Erde. N. S c 11 w a 1 b c (Warschau, Zei're-Zion): Bubcr ver- <ud1t eine Synthese zwisdien Nationalismus und Anarchist• mus und deshalb hat er den Staat und den politischen Sozialismus angegriffen. Wir gehen nicht so weit. Wir eikcniicn an( daß die Theorie Engels-Lenin vom ״absterbenden Staat“ soweit richtig ist, daß sidi erst im sozialistischen Staate eine neue Generation erzieht, die reif sein wird, die Ideale des Anarcho-Kommunisinus zu realisieren. Der Schwerpunkt des Sozialismus besteht darin, bei den industriellen Arbeitern dieselbe innere Beziehung zur Arbeit z.n entwickeln, wie sie bei den Landarbeitern sdion jetzt existiert, besonders bei unseren palästinensisdien Genossen. Wir müssen deshalb den politischen Kampf mitinaclien, natürlich lassen wir nicht außer Acht die spezifischen Bedingungen, bei welchen wir, als exterritoriale Minderheit und vorwiegend kleinbürgerliche Nation im Galuth, der soz.iaüstisdien Bewegung der territorialen Völker uns siisdificßcn müssen. Im Osten hat sich die zionistische Bewegung soweit sozial-politisch differenziert, daß jede Gmppicrung (Misradti, Allgem. 11, Zcirc-Zion) ihr eigenes Gegenwarisprogramin aufgestellt hat und es ist ausgeschlossen, nicht nur in sozialen, sondern auch in politischen und kulturellen Fragen diese Differenzicrung abzttschaffen. Wir glauben, daß Ost-Europa zum- Sozialismus sdireitet. Wir besitzen das Bewußtsein, daß eine rasche soziale Revolution für einen großen Teil des jüdischen Volkes eine furchtbare Katastrophe bedeuten würde und den Standard of life des Kleinbürgertun« plötzlich herabsetzen wird. Wii• müssen aodh de■ Sozialismus n1itmachen7 auch vorn zionistischen Standpunkt denn nur in einer sozialistischen Gesell- «diaft werden wir,im Stande sein, das nötige Mcnsdicnvfateria) in großen Massen für ein sozialistisches Paiistina aus dem Osten zu bekommen, Fortsetzung der Programmdcbatte. Mittwoch, den 31. März. Gig cs (Hapocl-Ha/air Warschau): Wir wollen keine Lösung allmcnschliclicr Probleme, sondern vor allem das nationale Leben wieder aufbauen. Das Streben «ach normalen Bedingungen für unser Volksleben einigt uns mit allen Teilen des Volkes, wir fügen noch das Prinzip der produktiven Arbeit hinzu. Palästina wird ■och lange in gegenseitiger Beeinflussung mit dem Galuth stehen. Auch für das Galuth gelten unsere Forderungen der Produktivierimg. Dies aber heißt noch nidit tinc sozialistische Etikette auf unsere Organisation kleben. Die jüdischen Sozialisten sind immer mehr vom nationalen Wege abgeirrt. Grawicki (Hapoei-Hazai'r, Warschau): Unser Ausgangspunkt ist das nationale Moment, und nur das jüdische Arbcitszcnt! um kann die Garantie für den Aufbau des jüdischen Volkes bieten. Aber von einem Kampf für den Sozialismus kann in der jüdischen Gasse keine Rede sein, denn diesen kann! man nur gemeinsam mit dem Proletariat des Wohnlandes kämpfen und das ist ein fremder Kampf, durch׳ den die jüdische Frage nicht gelöst wird, wir wollen uns nicht wie die früheren jüdisch-sozialistischen Parteien durch Gründe Das Fest des Ncbi Musa Von Dina Clcmcnc e Mayer, Jerusalem. Wenn in der ganzen Welt die Söhne Israels sich rüsten, das Pc sich fest zu feiern, das Fest unserer Bofrdung und nationalen Erweckung, dann begehen audii die syrischen ׳und palästinensischen Araber das große Wallfahrtsfest des ״Ncbi Musa“, des Propheten Moses. Mohammed hat unsern grollen Gesetzgeber in die Schar der zahlreichen, dem Islam izugeredmeten und von ihm verehrten Proplicten eingcreiht und so wie Moliammcd selbst genießen die ״Propheten“ Ibrahim (Abraham) und Musa (Moses) die tiefste Verehrung der Mohammcdaner. Nächst der Wallfahrt zur Kaaba oder zum Grabe des Propheten ist die jährliche Wallfahrt zum (angeblichen) Grabe des ״NeW Musa“ dem Islamiten! ein Verdienst, das ihm im Jenseits hoch angerechnet wird. Das Fest geht mit einem höchst cindrucksvollcri religiösen Pomp vor, der deshalb umso tiefer wirkt, weil religiöse Feste, die sich vorwiegend nach außen abspielen, bei den Mohammedanern selten sind. Nur wenigen Europäern war cs bisher vergönnt, dem Wallfahrtsfest beizuwohnen, Do. ich zu den wenigen Glücklieben zählte, will ich dieses, eines der licblingskindcr meiner PalästiuacrlebnLssc, aus der Vergessenheit hervorziclien, in die eine ereignisvolle Kriegsyeit 80 vielo friedlich-frohe Erlebnisse verbannt hait.—י--Zwischen Jericho und dem Toten Meere, weit abseits von der Heerstraße, liegt in großartiger Einsamkeit eine Mo- «chce, die nadi arabischen Ucbcrlicfcrungen das Grab Moses bergen soll und als besondere heilig gilt. Ende des zwölften Jahrhunderts hat der Sultan SaHah-cd-Din um diese Moschee eine Art Kastell errichtet zur Auf- «ahme der Pilger, Acht Tage lang sollten während des WaUfahxtfestes die dorthin wandernden Gläubigen umsonst beherbergt und bewirtet werden. Die Vervreltwig dieses Amtes hafte SaJla!v«d-D1in der angcder Taktik zum Verlassen des zionistischen Lagers zwingen lassen. Samuel'(Berlin): Der Weg, der zur Renaissance des Volkes fülirt, kann nur cm sozialistischer sein. Sozialismus ist nicht identisch mit Sozialdemokratie. Für uns kann nur diejenige sozialistische Richtung brauchbar sein, die der wirtschaftlichen Struktur des jüdischen Volkes angepaßt ist. Wir verwürfen den Parlamenterismits und den Klasscnkampf, weil beides bei uns nicht angemessen ist. Wir müssen den Weg des konstruktiven Sozialismus geben und jeder einzelne muß selbst mit der Verwirklichung beginnen. Schweiger (Zeire-Zicxi, Warschau): verliest das auf der letzte» Konferenz, des Misrach-Vcrbamles der Zcirc-Zion in Warschau angenommene Programm und gibt zu den einzelnen Punkten die Begründung. Insbcsondere betont er die Forderung der Zei're-Zion, daß die neue Partei sozialistisch sein und sieh als Feil der internationalen Arbeiterbewegung erklären müsse. Audi in Palästina können wir keine sozialistische Insel bilden. In der Diaspora müssen wir im politischen Leben eindeutig zum Sozialismus Stellung nehmen. Der Misradii- Verband der Zei're-Zion ist der Anschauung, daß nicht sein ganzes Programm von der Weltorganisation übernoiiuncn werden müsse, wohl aber die Mindestforde• rungen der Annahme des sozialistischen Namens der Partei und die Erklärung der Bewegung als Teil der internationalen sozialistischen Bewegung, was jedoch nicht bedeutet, daß wir bei den heutigen ungeklärten Verhältnissen sofort in eine bestimmte Internationale eintreten sollen. Abraham Grawicki׳ (Hapoei-Hazai'r, Warschau): polemisiert gegen die Forderungen der Zcirc-Zion. Wenn wir uns sozialistisch erklären, werden wir notwendigerweise denselben Weg gehen müssen, wie die Poalc- Zion, denn wir weiden ihre Taktik übernehmen müssen. Wir sind Sozialisten, weil wir für den Aufbau Palästinas durch jüdische Arbeit sind, aber wir stellen die nationalen Zusammenhänge über alle Klnsscngegcnsätzc. Von der internationalen sozialistischen Bewegung haben wir nichts zu erwarten, in Polen gibt es keine sozialistische Gruppe, welche das Recht des jüdischen Volkes auf Leben und Arbeit anerkennen würde. Welt sch: Es handelt sich im Grunde um den Gegensatz zwischen Politik und Verwirklichung, gar nicht um den Inhalt des Programms. Wir müssen das schwierige Problem lösen, cm Programm: zu Enden, das nicht durch bloßen Beitritt zu einer Partei den Weg zur Verwirklichung erleichtert. Wenn Gordon in Palästina ein neues Volk schaffen will, so bedeutet das Gemeinschaft, Sozialismus, Dagegen müssen unsere Freunde von Zei're-Zion sich von der Hypnose der politischen Schlagwortc und Begriffe befreien. Unsere Bewegung darf nicht nur durch nationale und sozialistische Motive begründet sein, sondern vor allein durch menschlich-sittliche, nur dann wird sie, eine geistige Macht werden. Blumcnfcid: Der Nationalismus ist nicht mehr genug schlagkräftig, wir fühlen heute, daß wir sozialistiseh arbeiten müssen. Aber wir müssen in der zionistischen Partei bleiben und dort die Positionen erübern. Das Programm der Zeire-Zion ist gerade als sozialistisches Programm sehr schwach, dann können sie mit dem Bund nicht konkurrieren. Es ist demagogisch und ■opportunistisch und beides noch dazu unwirksam. Eine Pionierbewegung kann keine Massenbewegung sein. Unsere Bewegung kann nur wirksam sein als Identifizierung mit dem palästinensisdien Hapoef- Haza'ir und seine Ergänzung. Sie muß das Pioiiiertum hier vorbereiten durch Hebraisicrung und sozialistische Erziehung. Die Arbeit im Galuth ist eine Frage der Möglichkeiten, die Arbeit in Palästina unter Umständen auch eine Frage der Unmöglichkeiten. Man kann die bdden Gebiete nicht gleichstellen. Twerski (Palästina): Es fst charakteristisch, daß das Programm der Zei're-Zion nicht ausgeht von der Not des jüdische« Volkes, sondern von acr kapitalisti- ' sehen Wirtschaftsordnung. Keine Klasscnintercssen haben die Chaluzim nach Ercz Israel gebracht. Wir sehen den Beginn derselben Entwicklung, die die Poale- Zion genommen haben. Man kann auf die Dauer nicht sehensteil arabischen Familie des Landes übertragen, den El Hussei'nis^ die sich Nachkommen des Propheten nennen und deren Mitglieder noch heutzutage sich dieser recht sdiweren Pflicht unterziehen, Gastfreundschaft au tausenden von Pilgern zu üben. Der liebenswürdigen Einladung der El Hussei'nis w׳ar cs auch zu danken, daß unsere kleine jüdische Gruppe das Fest von An״ fang bis zu Ende miterlebcn konnte. Freitag Morgen. In den winkligen, engen Gäßchen und Durchgängen des Jerusalemer Bazar (drängt sidi eine bunte Menge, die selbst für ein schon an orientalische Farbenpracht gewöhntes Auge von seltenem Reize ist. Aus der, Umgebung sind zahllose Fellachen herbdgeströmt, die Frauen in wundervoll gestickten Festgewandern, Beduinen mit kühnen, bronzefarbigen Gesichtem unter der Koffia, Derwische aller Art. Alles drängt( «ach dem Sfcunmäiause der Husseini, wo sich die heilige Fahne befindet. Von dort soll der Zug seinen Aiifang nehmen. Im inneren Hofe sind die Notabein versammelt. Der Mufti, das Oberhaupt der Geistlichkeit, bewegt sich Würdevoll in einer großen Sdiar von Sdieidis und Hodjas. 111 einem kleinen Saal bewirtet man die geladenen europäisdicn Gäste mit Mokka. Es sind Juden. Christen, nicht viele. Nun Trommelwirbel tmid Salut: Aus all den vielen Fahnen in! den Händen der Priester erhebt und entfaltet sich eine besondere: Die heilige grüne Fahne 'des ,JNebi Musa“. Ein kurzes Gebet, von den Stadtmauern donnern die Kanonen, der Zug setzt sich in Bewegung. Draußen schließt sich eine wimmelnde Menschenmenge an. Sie begleitet die heilige Fahne zur Omar-Moschee, wo sic nochmals cut Pilgerfahrt durdi die Gebete der Gläubigen geweiht weiden soll. Wir gehen indessen durch das Stefantor hinaus vor die Stadt, um den Z|ug herankoimmen zu sehen. Ein wundervolles Bild bietet stell: die alten Gräber zu beiden Seiten des Stadttores und gegen-, über der Abhänge des Oelbeigcs sind besetzt von zwei Herren dienen, man muß sich entscheiden fuv Gott oder Baal. Mcrcmiciski iMisrarh-Verband): D.e palästincusischcn Chawerim bann! nicht widersprochen, als man sagte, daß sic als Sozialisten leben. Warum widerstreben sie so heftig dem Nanu״» Sozialismus? Wir wollen die Vereinigung aller arbeitenden Kr.ifte, aber warum haben die ■ Palästinenser nicht einmal in Erez Israel die Einigkeit hergestellt? Wir bestehen darauf, uns mit der ganzen palästinensischen Arbeiterschaft zu vereinigen. Mau hat unser Programm ein poatezionistisdies genannt, die Poale-Zion haben einen ganz «nieren Weg. Es ist ein Unterschied zwischen Arbeitenden und Proletariern. Wir sind eine Arbcitcndcnbcwegung, die sich auf die Kleinbürger und die wenigen Arbeiter im Volke stützt. Bei der heutigen Struktur unseres Volkes kann unser Sozialismus nicht anders sein, bevor wir einen gesunden Arbeit erst:! ml geschaffen haben. Gerade beim Aufbau Palästinas wird sich der Interessengegensatz zwischen jüdischem Kapital und jüdischer Arbeit zeigen. Leider bemerken vor auf der Konferenz wenig Willen zu gegenseitigem Verständnis. Man müßte cinsehcn, daß wir nidit die Volksarbeit im Galuth einfach stehen lassen und Weggehen können. Wenn unsere Vorschläge unannehmbar sind, ward keine Einigung zustande kommen. Ludwig Strauß (Berlin) versucht die einigenden Punkte hervorzuheben. Zwei Dinge sind es, die uns verbinden und die das vorliegende Programm der Zeire-Zion von dem der Poale-Zion unterscheidet: De stärkere Betonung des nationalen Moments, die sich in der Anmerkung über die Zusammenarbeit mit anderen Parteien in nationalen Fragen äußert, und 'der Wille, den Sozialismus den besonderen Bedingungen des indisclien Volkes anzupasseu. Uns leitet kein materielles Interesse, sondern ein ideelles. Die Erfüllung unseres Menschentums durch die Erfüllung unserer N’ationaiitat. Dies läßt sicli nicht ein ordnen in den Marxismus. Die besonderen Bedingungen des Volkes versi nken die Tendenz, eine organische Bewegung zu schaffen,!ח dczentralistischcm Sinne. Es gibt Keime für eine Vercinigung, aber vielleicht wird auch diese Einigkeit erst langsam wachsen. Raw icz (Misrach-Verband): Das eigene sozmüsusehe Leben ist zwar wichtiger als das sozialistisdie Denken, aber Hapoei-Hazai'r ist weit von uns entfernt iiv der ganzen Beziehung zum Komplex des jüdi eben Lebens. Wir wollen nicht die Frage von Einzelnen lösen, sondern die frage der jüdischen Massen. Bezüglich des Sozialismus muß man bedenken, daß, wenn auch heute nirgends eine klare Vorstellung über den richtigen Weg besteht, doch in jeder Frage des pMnischeu Lebens zwei Lager da sind, zwischen denen wir entscheiden müssen. Auch in der Kulturfragc k innen wir nicht die strenge hebräische Forderung im Galuth stellen: Wir brauchen Schulen für die Kinder der kleinen Leute, der Schüster und Schneider, die nur ir. der Muttersprache geführt sein können und Arbeitssdv.iten. Vereinigen tut uns der Wille, daß Erez Israel auf sozialistischen Grundlagen gebaut wenden soll. Der Moment, eine einheitliche Partei zu schaffen, ist vielleicht noch nicht gekommen, nur in praktischen Fragen können wir Zusammengehen. Zw׳i Jehuda: Ich habe nicht geglaubt, daß Oie Frage der Negation des Galuth einer, solchen Gegensatz liervorrufen wird. Wir wissen, daß Erez Israel durdi das Galuth aufgebaut werden wird, aller cs müssen auch die entsprechenden Perspektiven da sein. Wenn ihr unseren zionistischen Ausgangspunkt negiert und das einigende Band des Hebräischen zerreißt, dann untergrabt ihr das Leben des Volkes. Wir müssen die Massen zu uns eniporheben, darum brauchen wir «ach hebräische Schulen. Wir können uns keiner IntcniatrxiMc anschließen. Kaplan stimmt in den meisten Punkten mit Rawicz überein. Wir müssen die Synthese suchen zwischen Galuth und Palästina. Wir können uns tiidil als Einzelne lost rennen vom jüdischen Volk. Der Suzinüs• mus ist für mich keine Frage materieller Interessen, sondern eine Frage der Wahrheit. Faktisch ist gerade Tausenden von Menschen; im Glanze der leuchtenden Sonne ein Anblick von eindrucksvoller Farbeupr.vlu, trotzdem sidi so viele schwarzverschleierte Frauen dirunter befinden. Auf halber Höhe des Weges, dem ״Goldenen Tore" gegenüber, ist ein Zelt für die Ehrengäste errichtet. Dort erwarten der Gouverneur, der Kommandant und die geladenen Gäste den־ Zug. Jet/t naht er. Voran auf prächtigem Schimmel der Mufti, die heilige Fahne in der Hand. Hinter ihn! auf ■reich geschmückten Kamelen, Pferden ־ und Maultieren zahllose Gläubige, aber nur Männer und Kinder; die Frauen kommen nach. Hinter den Berittenen kommen Setiaren von Derwischen und Fellachen, die den weiten. Weg in der glühenden Sonne zu Fuß zurücklegen müssen. Unaufhörlich donnern die Kanonen über das Kidrontal hin Nach einer kurzen Ansprache vor dem Zelte des Gouverneurs nimmt der Zug seinen Weg auf der Landstraße nach Jericho und entschwindet in einer dichten Staubwolke. Zwei Tage später fahren Wir in einem bequemen, Wagen denselben Weg. Said Bcy war von Ncbi Musa zurückgckommen, um uns abzuholen Und selbst hin,11־ geleiten. Das ist echt ärabische Gastlichkeit. Den südlichen Abhang des Oclberges entlang geht es über Bethanien und am Hiobsbrunnen vorbei Dann wird die Gegend immer einsamer und großartiger. Man ist, nur wenige Stunden von Jerusalem entfernt, in der Wüste, in einer erhabenen Einöde, die in ihrer Größe und Ruhe überwältigend wirkt. Fern auf einem Hügel erblicken wir einen betenden Araber. Scharf hebt sich die Silhouette vom blauen, Htnunkl ab. Mit gekreuzte« Armen steht er da. Dann wirft er sich zur Erde und berührt mit der Stirn den Boden. Er mag ein Ziege*,- hirt sein, schmutzig und vielleicht mit rohen Sitte«, aber hier verkörpert er das Urbild der Religion, die Gottesanbetung, losgelöst von allen Schlacken. — Oege« Abend erreichen wir Ncbi Musa, das einem großen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.