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Jüdische Rundschau · 1920-04-13 · Heft 23 (13.4.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 23 (13.4.1920)
Date
1920-04-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 23 JULOISCHB RUNDSCHAU Seite 169 Abend Hielt der Uey des befreundeten Metwaknudammes den Leuten in Kfar-Gffadi mittvilen, daß die Räuber einen zweiten starken Angriff vorl>ereiten und gab den Rat, sieh von Kfax-Giladi zuriiekzuziehen, tu der Umgebung bemerkte man die Anzeichen, die gewöhnlich einem Angriff auf die Franzosen voraiigingea. Aus Baiijas tiürte mau <ie;duit/.i'ea :r. Um S Uhr morgens bestrich das erste ücsclnitzfcucr Kfar-Giladi. Sclmeersohn kommandierte Rückzug. Kazlowski mit zwei Reitern des Heys benachrichtigten Metulia, daß auch die Leute von dort den Ort verlassen und zusammen mit diesen Begleitern zogen sie über das Gebirge der Metwale» mul am Donnerstag morgens kamen alle nach A je! e th-Fi e sei ז a du r. (Die Metwaku sind arabische Schii* len, welche im südlichen Libanon und jm nordwestliehen Palästina wohnen,)“ , Auf diesen Bericht folgen noch weitere Schildcrungen di r Kämpfe der paläsiinendselien Arbeiter und der mul ^cseUsdudtlielici» Vornan#*י*1* '־ Lamve, Die Siiu;ükm ist eine alitierst gefährdete, nicht nur iu Obcrgaüläa, sondern auch schon in Unterg.aliJäa und audi 'im Innern des Landes ist die Lage ernst. Wir braudK'ii neue Men;dien mul neue Kräfte, Nach der Verlesung dieses Briefes, der mit tiefer Ergriffenheit angclnht wttrde, wird eine kurze Pause eingeschaltet. Nach Wiedereröffnung der, Sitzung hält Sprinzak dem gefallenen Chawer Josef Bussei einen warmen Nadirui. Eia Nachruf Bubcrs für Laüdaucr. Hierauf erhall das Wort Dr. Martin Bub er: Chawerim! Wir haben eben unserer toten Brüder;11 Erez-I srael gedacht lind vor allem derer, die in Verteidigung unseres Werkes gefallen sind. Wir wollen aber and» des Mannes gedenken, der, ohne dali er uns eigentlich kannte, und oluic dal! ihn die meisten vou uns gekannt haben, doch unser heimlicher Führer gewesen ist: Gustav Landauers. Gustav Lau- (Fiuer war ein prädestinierter Führer des neiu.11 Juden« In ns und cs ist ein /.eichen der Tragik unseres Schick- ■״;«, wie wenig anderes in dieser Zeit, daß er in j der Wirklichkeit des Lebens nicht ■unser Führer gewor- (Irrt ist und daß er im fremden Lande, im feindlichen Lande, in der Arbeit, in der verzweifelnden Arbeit an einem nussidildosen Aufbau neuen Lebens in diesem fremden, feindlichen Lande ermordet worden ist. iis ist eine Fragil; unseres Schicksals, daß dieser Mann und die Sache, für die er geschaffen war, nicht zusairtlncngekomnien sind. Landauers Idee war unsere Idee. Es war die Erkenntnis, daß es nicht darauf anlooinnit, Einrichtungen zu ändern, noiidern das menschliche Leben, die Be- Ziehungen der Menschen zueinander zu verwandeln. Haß Sozialismus nicht etwas ist, was aus der Entwichhing der wirtschaftlichen Verhältnisse, ans irgend einer automatischen Entwicklung der wirtschaftlichen Verhiillnisse heraus enthebt, sondern daß Sozialismus etwas ist, was nie kommen wird, wenn cs nicht jetzt und von uns;;..Man wird. Das war die Idee Gustav Laudmicrs und das i-/ musere Idee. Und diese Idee hängt zutiefst zusammen mit dem Wesen dieses Mannes. Gustav Landauer war ein Mann, der ganz und gar bis in seinen Leib hinein mit allen Teilen seines Wesens •0יי nnmitlcibare Verwirklichung gestellt war, nicht auf Politik, sondern auf unmittelbares Tun und Leben. Und deser Idee, diesen! Wesen cntsprcdicnd, war Landauers Fe'rriic'.x ■unerfüllte Bestimmung, an dem Aufbau •eines ni'tK'n Landen an dem Aufbau eines Neulandes führend und «■';rvnd teilzimeluneu. Diese Bestimmung Laudauers ist nicht erfüllt worden. Sein Schicksal war ein gaaz anderes. Jahre, Jahrzehntelang׳ hat er in diesen! iicrmU'n Lande, in dem er lebte, in dieser Seelen wüste, :״ der er lebte, umsonst gerufen. Und wenige, sehr wenige haben diesen Ruf wahrhaft mit ihrer Seele vernommen. Und daun kam das Ereignis, das man die deutsche Re\v>l-utioa genannt hat, und das im Gnwde mir eine armselige Militärrevolte geworden ist. Gustav Landauer trat in diese SchcinrcvcÄ׳utio11 eines fremden Volkes als Täfer, als tuender Mensch ein. Er verkannte ganz und gar, daß der Blirikreislaut dieses fremden Volksorg.anisinus ein ganz anderer ist, a1_s seiner und unserer. Er wollte das Tempo seines Bußes, den Rhythmus seines Blutes diesem fremden VaJksorgan&r!vu$ mrfzwingen, er und ein paar andere!iKjisdie Menschen mit ihm. Und das ist nicht gc- £*udkt *md kannte uiclit Daran, nicht an äußeren Dingen, an dieser inneren notwendigen Tragödie [?, Gustav Landauer zugrundegegangen, Und als die Sc;leinrev<)"סיi<m sidi als das enthüllte, was sie war glaubte er a!e noch einmal retten zu können und׳ irrte neuenith. Er trat in die erste bayrische Räteregienmg mm Und als er ganz unmittelbar mit diesem Volke <וד!Uri hatte, als dieses Volk ihm nicht mehr gegenüberüatid, c1״ß er es wie einen Horizont sah und als Ganzes Klcaiisierie, ■Kindern als er mit dem Menschen unmittelbar nisaimnentraf, da ging ihm die Erkenntnis auf. In diesen wenigen Tagen ging Landauer, das glaube ich ''Vs Aeußcrungcn aus dieser Zeit entnehmen zu können, me Erkenntnis auf. Er schrieb in diese«״ Zeit an einen (״Ti 011011 Zettet, auf dem nur die Worte standen: ״WeMie Arbeit, welche Qual!" - Das war es. Das ,w;lr me yu.d der unmittelbaren Erkenntnis. Bald nachucr gesdiali, was. gesdiehen mußte. Er wurde zuerst ncisede gesdmben, dann von den einziehenden Regierungstrumjcn gefangen genommen und van ihnen ge- ,'(,‘*י'*,, ד־" •lcrA das Herz unseres Führers, zertreten’0” der Sticfdsohlc eines deutsdien Sofdaten ״.;r dieses Leiten und so war cs, daß er und ״ehör!״?״1"“*,״ .‘“יRckommc« sind. Er fiat oft davon chirch’mich ״״ crn N<ntc1 J’n Judentum gibt, er hat mi<tdhare^*G°3!״ davon gehört, aber es ■war nidit un- Neue das ijw?i״^artvfc‘r ö׳1״ irgendwie war dieses •Xm icSh^•ultdmI.yCrN"raf״"S,lvcut<; f4U!I>ar win!- n ie in diese40״» ״ Äw<»den. Vielleicht war er gc׳ daß cs eit ®old.es htauJS Ä ’׳ חי der Gustav UmSS■ Vdte Sc״ dS Stadt, tin&iuCM wniT Jddisdi-sorialistischcn Jugend cuiowufeti worden, von Gustav Landauer unci mir Und aut deser Konferenz woälte Gustav Undmjer seinen Pha des sozialen Aufbaus Palästinas entwiAdn Vidfeidit wäre es — wenn man so etwas aussprcchon dm׳*■ — viellcidit wäre dann diese Verbindung dach gesdiehen. Aber ich weiß nidit, ob niaii ein solches Wort aussprechen darf, denn im Grunde ist gesdiehen ' was dem Sinne dieser tragischen Situation nach gcj sdieiien mußte. Und nun gedenke ich dieses Mannes hier und ich mdditc, daß iiir seiner gedenkt i11 einem ganz hestimmten Sjtm: Wir sind als (1a11z.es für diesen Mann dodi noch nicht bereit gewesen, denn sonst wären wir ihn( doch irgendwie sichtbar, fühlbar gewesen. Seien wir, .die wir für den Lebenden nicht bereit wäre«, für den Toten bereit, für seine Lehre: für die Lehre des schöpferischen Sozialismus, die unsere eigene Wahrheit ist, endlich mit ganzer Seele bereit. Die Tagesordnung. Hierauf werden einige naditräglieh eingekingte Be• grüßungsldegranmie verlesen, darunter ein Tele-!׳ramm des Engeren Action s-Co mit es aus London, das mitteiit, daß Dr. Sch in ar ja Lew in unterwegs ist, tun das Actions-Comitc bei der Konferenz persönlich zu vertreten. Hierauf wird in die Beratung der Tagesordnung clngegangcn. Elieser Joffe sddägt vor, daß die Delcgierten an diesem Abend ohne Formalität einfach als Menschen und nicht als Vertreter bestimmter Gruppen miteinander reden solien, Twcrski schildert die Erwartungen, die man in Palästina auf das Erwachen des Judentums in den Länden! der Zerstreuung gesetzt ‘hat. Das Wunder einer inessianBchen Bewegung ist vergeblich erwartet worden. Darum sind die Palästinenser jetzt gekommen, um die Bewegung zu entfachen, die notwendig ist, um die Kräfte, die das Land braucht, hin- Zubringern. Dies erwarten wir von der Konferenz. Elges (Hapoel-Hazai'r, Warschau) legt den Stand- );unkt seiner Gruppe dar und schildert die Schwierigkeit der Arbeit unter den Volksinassen in Polen. lieber die Frage der Tagesordnung entspiunt sich eine längere Debatte, an deren Schluß ein Antrag Joffe- Lcwinson angenommen wird, als ersten Punkt der Tagesordnung׳ nach den Tätigkeitsberichten die Fragen (ier Arbeit tu Palästina zu behandeln ■und die weitere Fcssleilung der Tagesordnung dem Permanenzausschuß zu überlassen. ins Präsidium werden auf Antrag Lewinsons die Chawerim: Sprinzak, Kaplan und Hugo Berg m an 11 gewählt. 111 der dritten Sitzung, Sonntag, werden zunächst die Rechenschaftsberichte über die Tätigkeit der einzelnen Gruppen eiilgegengenoimncn. Es sprechen Sprinzak und Twcrski für den paläsliiicnststficn Hapoel-Hazai'r, wobei ersterer über die Tätigkeit wälirend des Krieges bis zum letzten Jahre und Twcrski im einzelnen über die Ent- Wicklung des letzten Jahres berichtet. Ferner sprechen Mcrcminsky für den Misrachiverband ״Zeirc-Zion“, Gerda Arlosöroff für den deutschen Hapoel-Hazai'r, Grawitzky für den polnischen Hapoel-Haza'ir, Lewin son für die ukrainischen Zeirc-Zion, Rosenso 11 für die litauischen Zcirc-Zion, Zajcck für den polnischen Chahiz. — Sämtliche Redner geben im Zusammenhang mit dem Rcchensclinftsheridit auch die wichtigsten prinzipiellen Gesichtspunkte, von denen die Arbeit ihrer Gruppe bestimmt war. Im Verlaufe der Nachmittags-Sitzung erscheint Abgcordneter Dr. Osias Thon, Krakau, und begrüßt die Tagung namens des zionistischen Zentralkomitees für Polen und besonders im Namen der Zionisten Ostgalizicus. Er warnt vor der Schaffung einer von der zionistischen losgelösten Organisation. Das Palästinareferat In der Abendsitziuig erstattet Elieser Joffe das Referat über die Arbeit in Palästina. Wir braudien keine Programme und keine vielen Worte. Es gibt nur einen Weg, den wir brauchen, jeder muß selbst hingelie’n und arbeiten. Wir brauchen eine große Einwanderung. Die Cliahizim debattieren viel, es gibt aber wenige, die unbeirrt auf ihr Ziel losgehen. Nur aus der Zerstörung der Galuth kann Ercz-israel gebaut werden. Die Frstigung der Galuth ist die Zerstörung von Erez-Israel, Unsere Bewegung ist auf den Einzelncn gestellt. Jeder, der von der Wahrheit des Zionisnius überzeugt ist, soll hingehen und selber arbeiten, im weiteren Verlauf seines zweistündigen Referates setzt Joffe ausführlich die geographische Beschaffenheit, (Las Klima, die landwirtsdiaftiiche und wirtschaftlidic Lage in den einzelnen Laiides-siellcn auseinander. Uebcrgehend auf die praktischen Fragen erörtert er zimädist die Vorbereitung unserer Mcnsdien für die Arbeit Palästinas, diese ungeheuere Umwälzung in der sozialen und wirtschaftlichen Struktur des Volkes und kennzeichnet dann das Prinzip ■der Arbeitersiedlung. Das wichtigste Moment ist die Eigenarbeit, daß niemand mehr Boden zur Verfügung hat als er bearbeiten kann und wovon er leben kann. Heute brauchen wir dazu siebzig bis hundert Duiiain. Wenn wir durch Bewässerung, die fast überall möglich ist, zu intensiverer Arbeit übergehen können und mehr vorgebildete Leute haben werden, werden wir vielleicht im Laufe von 15—20 Jahren dazu kommen, daß wir mit 15 Dunant Auskommen. Demgegenüber ist es unwescutlieh, ici welcher ökonomische« Form die Landwirtschaftliehe Ansiedlung erfolgt, ob genossenschaftlich oder in selbstständigen Kleinsiedlungen, alle diese Fragen sind auch auf Grund der Erfahrung noch nicht völlig geklärt. Von prinzipieller Bedeutung ist für uns die Verbindung des Einzelnen mit dem Boden, Wir müssen anstreben, daß jede Privat-Wirlschaft eine gesddossene Wirtschaft is־t, die ihren Bedarf selbst produziert. Sollte dies nicht durchführbar sein, so müssen wir wenigstens trachten, daß das ganze Land unsere Volkswirtschaft, eine geschlossene Wirtschaft ist, die nidit auf andere Völker angewiesen ist. Wir müssen auch die städtisdie Siedlung, die heute größer ist als die Ländliche in ein richtiges Verhältnis zur ländlichen Siedlung bringen. Montag vormittags spridit zunächst Twcrski, der Ergänzungen zu Joffes Referat naditrägt. Er schildert ausführtidh die wvrtsdaaftlidien Verhältnisse in Palästina und zeigt an vielen Beispielen, daß die Nationalisierung des Bodens die unerläßliche Bedingung einer gesunden wirtsdiaftfidicn und auch nationalen Entwicklung ist, (La nur dies zur vollen Ausnützung des Bodens führt. Er diarakierisiert sodann die Rolle des Nation,• rifonds und begrüßt d:e Forderung einer National-Anleihe. — Wir fordern die Forderung der Kooperation, die Er- Ziehung des Volkes zur Genossenschaft auf allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens. Es muß auch eine Kontrolle bestehen, daß jüdische Arbeiter beschäftigt werden. Selbst bei öifentiiehen Arbeiten hat man sieh 1111t der Vergebung an jüdische Unternehmer begnügt, die arabische Arbeiter angesteiit haben. Dr. Kuppiii hat ein Programm für Bau- und Piianzimgsgcseilscliaften gemacht. Das sind sehr wichtige Aufgaben, wenn sie aber von privaten Gesellschaften mit der Absicht auf Profit gemacht werden, so wird keine zionistische Arbeit geleistet. Unsere ISankeu sind unzulänglich. Die A. P. Z. ist eine reiche Handelsbank und man sucht jetzt ägyptische Kapitalisten für sie zu interessieren. Demgegenüber müssen wir alles aufhietvU zur Stärkung der lim-its gegtiiiidcten Ariieitshank. Line derartige Aktion muß auch von der Konferenz ausgelieii. 1111 weiteren Verlauf der Debatte bringt Reichert prinzipielie Forderungen des sozialistischen Autbaues vor. Sprinzak berichtet über seine Tätigkeit in London und über die Palästina-Debatten der ActiousComite- ,Sitzung. Kaplan kennzeichnet in scharfer Formuticrung die Probleme, die sieh aus den tatsächlichen Verhältnissen ergebe«, welche heute für viele unserer sozialistisdicn Forderungen ungünstig sind. Er berichtet auch über seine Erfahrungen in London und Paris. Schweiger wendet sich gegen die Art, in der Reicliert sozialistische Fordciungen ohne Berücksichtigung der Wirklichkeit aufgestellt hat. In später Stunde wird Montag abends die Paiastina-Dcbatle, in der nod! mehrere"Redner gcsprodieu haben, mit der Wahl einer Palästina-Kommission beendet. Die Programmdebattc. Dienstag beginnt die P rog ra 111111 dc b a 11 e, Referent Arlosoroff setzt in einem mehr als zweistündigen Referat die eigentümliche wirtschaftliche Situation des jüdischen Volkes auseinander. Uns kommt es nicht darauf an, eine neue Doktrin zu schaffen, sondern die Forderungen zu erkennen, die sich immittelbar aus dem Leben ergehen. Auch ein jüdischer Sozialisnuis kann keine Ucbcrtragtuig des Sozia ismus sein, den wir von anderen Völkern, kennen, vor allein danui! nicht, weil er sieh nidit auf Industrie-Proletarier stützen kann. Der jüdische Sozialismus kann sich mir auf zwei Typen produktiver Arbeit stützen, auf den Bauer und den Handwerker, und seine gesellschaftliche Zelle muß die autonome Kommune sein. Der Kiasankampf kann selbst nach streng marxistischen Anschauungen die Wirtschafts-Frage des jüdischen Volkes nicht lösen. Vielmehr nur die Ucberführuiig der jüdischen Massen z.ir produktiven Arbeit auf dem Wege der Kooperation. In diesem Sinne verstellt Referent die Oialuz-Bewegung in einem weiten Sinne, der auch die Arbeitsbeweguug im Ga'ut'n in sieh schließt. In" der Debatte sprechen■ Joffe und Dr. T a r t a - kowc r. ln der Nachinittagssitzung spricht zunächst Dr. Martin Bub er: Unser Programm ist eine Synthese zwischen Nationalismus anul Sozialismus, dämm müssen wir uns abgren/en gegen das, was mau sonst uiitei^ diesem Begriffe versteht, abgrenzen auch gegen die Sciicinsynthesen, die von anderer Seite postuliert werden. Bubcr charakterisiert hierauf eingehend den Gegensatz zwischen Gemeinschaft, in der die Menschen zu einander in direkter niensdilidier Beziehung stehen, und Gesellschaft, die keine 'organische Verbundenheit, sondern geordnete Getrenntheit ist. Der moderne Sozialismus will dem Mechanismus des Staates die größte Macht gehen. Es gibt aber einen anderen SoziaÜs» mits, der die Tendenz zur Gemeinschaft darstelll. Innerhalb dieses Sozialismus, dem es auf lebendige Beziehung des Menschen zum Menschen, zu den Dingen, zur Natur, rur Arbeit ankommt, wird das Arbcitsproo'.cm durch eine integrale Arbeitsform im Sinne der Vorschläge von Krapotkin durch Zusammenlegung laiulwirtscliaft- Lieber und industrieller Funktionen gelöst werden. Die autonome Gemeinde muß die Zelle des (Jsrmcinwcsciis sein, es kommt darauf an, die richtige Demarkations- Jinki zwischen den zentralistisch zu regelnden techuischeu Funktionen des Staates und der Kompetenz der Gemeinde zu ziehen. Eine Gemeinde kann mir dort entstehen, wo Gemeinschaft da ist. Hapoel-Hazai'r ist in unseren Augen als Lebenskreis der Anfang einer solchen Gemeiuschaftshiklamg. A. D. Gordon: Ich bin nicht so einseitig zu sagen, >vir brauchen nur die Arbeit zu tun und können auf Ideen verzichten. Wir haben auch eine Welt der Gedanken und Gefühle. Wir fühlen, daß wir nicht weiter so leben können, wie das Leben geht, wir müssen uns den Verhältnissen cntgegcnstellen. Zur Arbeit in Erez-Isrnd komme ich nicht nur aus der Forderung nach einer neuen Gesellschaftsordnung, sondern ich komme dazu aus meinem ganzen Menschen, aus meinem kosmischen Gefühl. Rh sehe nicht, daß das Leben vollkommener wird. Man teilt das Lenen ein in Materie und Geist, in Lehre und Leben aber das ist mir verstandesmäßige Analyse, in Wirklichkeit gibt es nur ein einheitliches Leben, auch keinen ״Unterbau“ tmd ״Uebcrbau“, wie die Theoretiker sagen. Unsere Arbeit in Ercz-IsraeJ ist eine Quelle des wirklichen Lebens, Die Zelle des Lebens ist die Familie. Wir!missen zuerst eine neue Familie schaffen. Hier sind direkte Lebcnsbezichungen 7. B. zwischen Mann und WcEb usw. Dies ist nicht au« der Doktrin hergeholt, wie Klassenkampf. Von der Familie kommen wir zum Volk, Das Volk ist nicht nur eine eigene Persönlichkeit, sondern ein schöpferischer Organismus. Das Volk ist die Kraft, welche unser Verhältnis von Mensch zu Mensd» erfüllt. Der neue Mensch ist noch nicht da, auch das neue Volk nicht, ein Volk wie ein Mensch (״Am-Adam“). So wie ein Einzeln! cn sch Träger von Verantwortung und Rechten ist, so auch das Volk. Wir kommen nidit eine neue Gesellschaft zu schaffen, sondern ein neues Volk. Der Mensdi ist von der Vollkommenheit nodi sehr weit entfernt. Trotzdem ist eine gewisse Tendenz da, vollkommen zu werden.' Aber beim Volk merken wir nidit einmal diese Tendenz. Als der Krieg kam; waren alle sozialistischen Bewegungen verschwunden und cs gab pur Völker und ihre Losung war die Gewalt. Wir müssen zurückkchren

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