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Jüdische Rundschau · 1920-03-26 · Heft 21 (26.3.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 21 (26.3.1920)
Date
1920-03-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 21 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 147 Oolus niclit zu jüdischen Persönlidikciten uns bilden können, auch wenn wir es noch 90 sehr wollen. Deswegen Ist cs eiu Gebot der Wahrhaftigkeit, daß wir in der theoretischen Begründung des Zionismus und tu der Propaganda uns von Methoden abwenden, die tet/ten Endes da7.11 führen müssen, daß wir zwar ein zionistisches Bekenntnis mit feinstem dialektischen Raffinement haben, aber auf die Möglichkeit verzichten, unserer Sehnsucht greifbare Gestalt zu geben. Diese Wahrhaftigkeit verlangt von uns auch eine bisher stets umgangene klare Stellung über unser Verluillnis zum Staate. Ich begrüße es dankbar, daß einmal der Versuch gemacht wird, ohne Sentimentalität an diese Frage heranzugehen. Es geht wirklich, nicht an, daß verantwortliche Parteibeamte unter schweigender Duldung der zionistischen Leitung in Deutschland oder unverantwortliche Diskussionsredner den Zionismus a u ן Definitionen fcstlegcn, die keine Stütze in dem zionistischen Programm haben. Deswegen erscheint es mir notwendig, daß einmal klar und unzweideutig eine Mciiiungsäuücrtuig der Vertretung der deutschen Zionisten über diese Frage herbeigeführt wird. Der Zionismus steht heute vor einer neuen Situation, die den ersten Punkt des Baseler Programms aus einem Wunsche zu einer Wirklichkeit gemacht hat. Palästina ist das Land der Juden. Was ist jetzt Aufgäbe des Zionismus? Der Zionismus hat jetzt die Aufgabe, Palästina für das jüdische Volk durch das jüdische Volk auf zubaue 11. Dazu reichen die Kräfte der Zionisten der ganzen Welt nicht aus, und wir werden nur dann diese grandiose Aufgabe lösen können, wenn cs gelingt, die Judenhcit der ganzen Welt für den Aufbau Palästinas z u m o b i I i s i e r c n. Nun hat Weit in seinem erwähnten Artikel gemeint, daß eine der Wahrhaftigkeit entsprechende■ Definition der Stellung der Zionisten zum Staate die Wände cinrcißcn könnte, die sich bisher infolge des Fehlens jeder authentischen Acußcrung und der daraus entspringenden Direklionslosigkeit der Zionistcnagitation zwischen den Zionisten und der Mehrzahl der deutschen Judenhcit aufgciichtct hatten. Sollte die Erfüllung der Forcierung nach einem solchen Programm־ die Neben- Wirkung haben — denn mehr kann es in. E. nicht sein — daß sich das deutsche Judentum in den Dienst des Aufbaues Palästinas stellt, so springt auch ihre taktische Notwendigkeit in die Augen. Es ist mm tn. E. nicht berechtigt, diese Envägungcn mit dem Satze zu charakterisieren: ״Sie sind eine so unglaubliche Verzerrung und Verwässerung der zionistischcn Idee, daß sie höclistcns ais Plattform für einen Club zur Förderung des Zionismus in Betracht kommen.“ Ist die Forderung nach einem wahrhaftigen zionistischen Programm, das die Nebenwirkung hat, auch das dcutsehe Judentum — und in analoger Weise gilt das H'tr den Zionismus und die Juden aller Länder — für den Aufbau Palästinas zu gewinnen, wirklich eine solche ״Verzerrung und Verwässerung der zionistischen Idee“? Ist diese zionistische Idee nicht vielmehr einzig und allein der Aufbau Palästinas? Und ist die Forderung, durch eine klare und präzise, nur der objektiven Wahrheit entsprechende, nicht subjektive Wunschbilder befriedigende Formulierung der Aufgaben des deutsehen Judentums diesem den aus mancher Agitationsblute hcrgeleitctcn Vorwand zu nehmen, sich dein Aufbau Palästinas, also der Hilfeleistung für das jüdische tig und unbedingt notwendig, löst aber nur einen Teil der Aufgaben. Es erscheint an der Zeit, daß sich die Einzclarbciten zu einer Gcneralitlec zusanunenfinden und sk'h ihr cinordncn. Eine Dokumentensammlung über die Lage der ukrainischen Juden Der ukrainische Pressedienst in Berlin hat eine Sammlung von Verordnungen, Gesetzen, Regierungserklärungen, Aufrufen und anderem Material über die Lage der Juden in der Ukraine zusammengestellt und veröffentlicht. Der ukrainische Pressedienst ist die Berliner Vertretung der Regierung Petliuras, und die Tendenz der Broschüre ist, zu beweisen, daß die Pogrome Schuld der Bolschcwiki, der Polen und insbesonders Iknikins gewesen seien, daß dagegen die Regierung Petliura stets mit aller Energie gegen die Pogrome aufgctreten sei. Freilich ergibt auch diese Zusammenstellung die leider unleugbare Tatsache, daß in dem von Petliura beherrschten Gebiet gleichfalls blutige Ausschreitungen stattgefunden haben und daß es den Bemühungen Petliuras nicht immer gelungen Nt, ihnen Einhalt zu gebieten. Dem gibt Z a n g w i 11 m einem in der Sammlung abgedruckten Brief deutliehen Ausdruck. Dennoch spricht ans der ganzen Dokunientensnmmiung ein versöhnlicherer Geist als etwa aus en Denikinschcn Proklamationen. Handelt cs sicli doch mn dieselbe Regierung, die die nationale Autonomie jinerzcit in die Wirklichkeit umgesetz.t hat. Im gegenar igen Augenblick ist die Regierung Petliura nicht mdir vorhanden und der Kampf in der Ukraine spielt 1 ־ z *sehen Dcnikin und den bolschewistischen Heeren ab, welche etztere immer mehr die Oberhand zu ge- ~ ״“*״V V,f^M wird ln der Zukunft die von Pdliura vertretene Richtung wieder einmal die Herrschart gewinnen Hoffentlich bewahrheitet sie dann den Geist, der aus den Erlassen der Dokumentensammlung *priCllt yj Volk, zu entziehen, wirklich ein solches Verbrechen, daß man mit der Versetzung in die zweite Klasse des Zionismus drohen muß? Ist et ״opportunistische Politik“, der Sehnsucht des jüdischen Volkes eine Wirklichkeit zu ■bereiten, *j nehme ich gern den Vorwurf des ״Opportunismus“ auf mich — und vertrele diese Politik. Eine Ansicht kann richtig oder falsdi sein, und ich lasse mich durch Argumente überzeugen; aber ich lehne es aufs schärfste ab, daß man eine Ansicht nadt den Gesichtspunkten ״gut oder schlecht“ beurteilt. Wir haben uns leider auch altgewohnt, denjenigen, der nicht die ״normale“ Ansicht hat, für einen ״schlechten“ Zionisten zu halten, und in der ״Jüdischen Rundschau“ hat schon in einem Artikel der Satz ausgesprochen werden können, daß man ״innerhalb der zionistischem Organisation zu einer Trennung in Zionisten und Nichtzionistui werde kommen müssen.“ Das sind gewiß nicht beabsichtigte, sich aber tatsächlich herausstellcnde Wirkungen der Glorifizierung einer bestimmten Theorie, die sich von den Voraussetzungen des Lebens abwendet. Ich halte diese Ansicht für falsch, aber ich würde es nicht wagen, genau so wie idi cs für verkehrt halte, Berliner Zionistische Vereinigung Montag, den 29. März 1920, 8 ‘/a Uhr abends, Stadthalle, Neues Rathaus, Klosteratr. 47-53 (uumilto'bar um U1>t<!rtfrtn14b1>ln11.<1l lCloktjrtili׳.). Varliii-dmigon! Ktvltlmlu.l.of Alvxumlori'U'* (.1 Uloutou)' ll11tm׳gn1n(UM»Hn, K1raB1ml>:1hnUnü>n 8, 68׳ *ti, («, iki, *17, 69, 70, W, *»), 01. Dr. Arthur Handia! Mitglied der Zionistischen Exekutive: ° * ״Zionismus und jüdische Zukunft“. Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 50 Pf״, orhoben. gegen irgend jemand den Vorwurf zu erheben, daß er ״lau“, ״Proz.onist“ ist oder einem ״Club zur Förderung des Zionismus“ angehört, diese Menschen für ״überhitzt“ zu erklären. Damit schafft man keine Argumente aus der Welt, auch nicht durch das immeiliin billige Zitat, daß es eine Lust ist, zu leben. Es ist f ü r d i c!7rage des A u f b a u s Palästinas tatsächlich gleichgültig, oh es für den ein-?,du c n eine Lust oder eine Last zu leben ist, wohl aber ist es von höchster Bedcutung, ob der Aufbau gelingt oder nicht. Sollte der Vorschlag von Weil zu dem Resultat führen, daß wesentliche Kräfte sich in den Dienst dieser Lebensfrage für das jüdische Volk stellen, so wollen wir ruhig alle zensierenden Ausführungen unterlassen, dann ist cs nämlich wirklich eine zionistische Tat. lg,!',"■ ,.■UgSlJUJ'U JEC. Literarische Mitteilungen Eugen Hoefiich, Der Rote Mond. Wien 1925 Ilf- Verlag. 12 K., geh. 18 K. — In einem Gedicht dieser Sammlung klagt der Autor: ״Schade, daß ich nicht in Tibet bin! Zwar ist cs noch immer Erde, aber doch das Da cli der Welt. Auf Dächern Aber weichen die Menschen mit Vorsicht einander aus, weil man dort leicht stürzt. O warum kann ich niclit stürzen? Immer mir: laues gemächliches Fallen weich in den wohligen Schlamin eines Weltstmvpfes . . Stürzen, steiler Sturz: Dies ist tlie I.chcnsUnic des Orientalen, der sicli in der einen Dimension bewegt, der Höhc.ndtmcnslon, stets am Abgrund, stets 'fallbereit, in der Spannung der Gott verlangenden Seele. Aus dieser Spannung sendet Hoefiich seine ekstatischen Gesänge zu den Sternen. Der Sinn seiner Dichtung Ist nach seiner eigenen Aussage die Schaffung einer Gesinnung des ״Pannsiatismus“, der Solidarität Asiens, ,dessen Schoß auch wir luden entsprossen sind, das Bekenntnis zum leuchtenden Orient, seine Rettung ‘vor Europa, D.!% Buch, das in. Palästina und Anatolien 1während des Feldzugs 1917 entstanden ist, ist eine radikale Absage au Europa, an de europiiisehe Weit des Merkantilismus, der Verlogenheit, der uescliiiftigkdt, des organisierten Mensclienmordcs. Hoeflieh hat das furchtbarste Zerrbild Europas erlebt, den Lcvantiuismus, die 1 Verpflanzung des europäischen Sumpfes, der weit der Gier und des Mammon, an Asiens Küsten. Er beschwört die orientalischen Völker, vor der Gefah* der tevaiiiinisicrung auf *1er Hut zu sein. Das Buch enthält ein ״palästinensisches Tagebuch“ und andere palästinensische Gedichte. Aber das Gegenstündliche wird Jiicr zum Symbol; das Schicksal der Seele, das Leid und Grauen ob der Sinnlosigkeit der ״Stadt“, des 'Krieges, die Wonne der Hoffnung und des Glaubens, rühren ■stets an den tiefsten, den ewigen Weltkouflikt. So üben diese Gedichte starke Wirkung, zumal auch das Formtalent und die von bizarren Neu׳• Wendungen strotzende Sprache Hocflichs mit ihrem kraftvollen Rhythmus dem Gedanken gerecht zu werden weiß. Manchmal allerdings spürt man die Neigung, mit dem Dichter zu sagen: ״Schön wä r' s in Tibet“ — welcher Irrealis daran erinnert, daß nun nicht in Tibet ist. Die Vorstellung muß da das Erlebnis einigermaßen ersetzen. Daher gelingt es nicht, das Letzte auszudrücken; aber seien wir Hoefiich dankbar, daß er uns, Palästina Für jüdische Arbeit Wir haben bereits mitgeteilt, daß auf Anregung der jüdischen Arbeiter Pctach-Tikwahs Ussischkin versprach, einen gemischten Ausschuß einzusetzen, der eich mit der brennenden Frage befassen soll, wie man es durchsetzt, daß in den jüdischen Kolonien jüdische Arbeiter tätig sein sollen. Dieses Versprechen ist nun cingclött worden. Es ist zunächst iu Pctach - Tikwah ein solcher gemischter Ausschuß zustande gekommen, der bereits seine Arbeit in Angriff genommen hat Der Ausschuß besteht aus den Herren Dr. €11 iss in, Dr. Scheinkin und Agronom Sagorotlsky als Vertreter der Palästina-Kommission, aus den Herren Gissin, Liebrecht und Paskal, als Vertreter der Kolonisten und aus den Herren Kleid, Sehapiro imd Gins ko als Vertreter der Arbeiter. Nachdem der Ausschuß sich in drei Sitzungen ausführlich mit der Sachlage beschäftigt hat, kam er zu folgenden Beschlössen, die einstimmig gefaßt worden sind: 1. Die Kolonisten zahlen den jüdisehen Arbeitern 35°/0 mehr als den nichtjüdischen Arbeitern und zwar sowohl bei Tagcslohn als bei Akkordarbeit. 2. Die Kolonisten und die Arbeiter wählen je zwei Vertreter in eine gemeinsame Kommission, die die Akkordarbeit in den Orangen- und Mandelgärtcn für beide Parteien regeln soll Die Kommission hat für jüdische Fuhrleute in aßen Betrieben zu sorgen. Die Kommission soll auch den Wachtdienst Juden anvertrauen. Sie hat dafür zu sorgen, daß unverheiratete Arbeiter zu angemessenen Preisen beschäftigt werden und daß bewährte Arbeiter Zulagen bekommen. Die Kommission hat Arbeiterfamilien bei Akkord oder Tagesarbeit zu beschäftigen. 3. Der Ausschuß für jüdische Arbeit übernimmt es, bei der Verwaltung der Rothschildschen Orangengärten durchzusetzen, daß die Zahl der jüdischen Arbeiter vergrößert wird. 4. Der Ausschuß wird sicli bemühen, nach Pctach- Tikwah hauptsächlich größere Familien zu schicken, wo eine kleine Hauswirtschaft und eine Verbilligung der Lebensmittel gewährt werden wird. Arbeiterfamilien erhalten für die ersten zwei Monate ein kleines Darlehen. 5. Unverheiratete Arbeiter, die mit ihrem Lohn nicht auskommen, erhalten aus den Kassen verschiedener Organisationen (Palästinaarbeilerfonds, Palästinakoinmission, Sparkassen usw.) ein kleines Darlehen von 2—3 £, das sie zurückzuzahksn haben, sobald sic zu einer Lohnsteigerung gelangen. 6. Es wird festgesetzt, daß jeder Arbeiter, der bd den Kolonisten tätig ist, in seinem Recht auf Aiisiedlung den Arbeitern in den Kvvuzot und Farmen gleichgestellt wird. 7. Neuliinzugekommenen Arbeitern wird von seiten der Organisation medizinische Hilfe gewährt. 8. Der Arbeitsausschuß setzt seine Arbeit auch in den anderen jüdischen Kolonicn fort Diese Beschlüsse stellen den ersten bemerkenswerten Versuch dar, das P r i n z i p d c r jüdischen Arbeit auf dem Wege der Verständigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern durchzuführen. inbrünstig fordernd, scheltend und mit leidenschaft- Uchcm Eifern, die Richtung weist: Kadimah, nach OstenI — o. — Jidische Literatur In Amerika. M c i s c I s Verlag in New York gibt die gesammelten Werke von Georg Brandes in jidischcr Sprache in einer fünfzehrdündigen /tusgabc heraus, von der bereits zwei Bände erschienen sind. Brandes wird für die jidische ,Gesamtausgabe ■eine einführende Abhandlung schreiben. ~ im gleichen Verlage erscheinen in jidischef Uebcrtragung: Darwins ״Die Abstammung des Mensehen“ (3 Bände), Tolstois ״Anna Karenina“ (3 Bände), Turgcnjcffs ״Väter und Söhne“, Ibsens Dramen (2 Bände) usw. Der Verlag ״D a s Hei m“ gibt eine w׳ i s s e 11 - schnft liehe Bibliothek in 10 Bänden unter der Redaktion des Professors J. A. Hurwitz heraus; er hat auch mit der Herausgabe einer ״Univcrsalbibiiotlick“ nach deutschem und russischem Muster begonnen, von der jedes Bändchen 15 Cents kosten soll. Im ״Literarischen Verlag“ erscheinen die letzten zwei Bände des ״Jean Christophe“ von Rom a in Rolland in jidischcr Sprache. Ostjuden in Deutschland Unter diesem Titel erscheint Ende März ein Sond c r 11 e f t der ״Neuen Jüdischen Monatshefte“ das ausschließlich diesem aktuellen und wichtigen Thema gewidmet ist. Es enthält Beiträge von Arnold Zweig, Skldy Wronsky, Julius Berger, Dr. Martha Esche lbacher und C. k. KiötzcL — Preis des Heftes M. 2.—. Bestellungen an den Verlag der Neuen Jüdischen Monatshefte, Berlin NW. 7, I\>rothccnstraße 35. Das IV. Heft der ״H a a wo d a“ Ist erschienen. Es enthält u. a. folgende Artikel: Chaim Tartakower: Führer oder Diplomat; Silberbusch: Erinnccungen II; Meier Hönisch: Briefe nach Palästina ü; Dr. Brawer: Jüdische Mission; Lifsche Ghana Robinsoh n: TraumfctnJ; Moses Coliger: Mein Gebet kn Walde; Aus der Bewegung: Die A. C -Sitzung. Die Konferenz der Zeire-Zion in Polen usw l

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