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Jüdische Rundschau · 1920-03-05 · Heft 18 (5.3.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 18 (5.3.1920)
Date
1920-03-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 124 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. IS Deutschland, Polen, Juden Die Frankfurter Zeitung veröffentlicht den Artikel eines ״guten Beobachters“ über ״Die Zustände וזי Polen“, der symptomatisch ist für die Art, in der man noch heute in ernsten deutschen Kreisen Politik zu machen versucht. Zu K'ricj;n hat Deutschland Ixkanntlicli durch das Programm der Befreiung Polens vom russischen Joch die polnische öffentliche Meinung »1 gewinnen versucht und cs hat in dieser Politik mit allen Mätzchen und allem Bluff dnrchgehaltcn, obwohl «ich allmählich deutlich erwiesen hatte, daß Polen von der deutschen Freundschaft und Protektion nichts wissen will. Die deutsche Politik in Polen gehört zu den traurigsten Verirrungen der deutschen Kricgspolitik. Man tust durch das System brutaler Militärverwaltung das polnische Volk gründlich gegen sich aufgebracht, glcidizeitig meinte man aber durch plumpe und ungeschickte Manöver die Dunst der Polen erwerben zu können. Das traurigste Beispiel war die Behandlung der poltuschen Juden, denen man seinerzeit gleichfalls die ״Bct'reiung“ versprochen hatte, die aber jetzt unbedenklich geopfert wurden, um die Gunst der Polen zu erwerben. Deutschland hat cs nicht verstanden, auf die berechtigten Wünsche der polnischen Juden cinzugchcn und cs hatte bald nicht nur die Polen, sondern auch die Juden gegen sich. Die verächtliche und brutale Behandlung der Juden durch die Deutschen hat die Polen wahrluftig nicht von der Notwendigkeit einer ernsten Am• Juandersetzung mit den Juden überzeugen können. Die Zeit der deutschen Okkupation hat in unglückseliger W eise zur Verschärfung der Gegensätze tuid zur Vcrbetzimg der Völker beigetragen, und cs ist nur seihstverständlich, daß aus solcher Saat auch für Deutsch- Land kein Nutzen sprießen konnte. Als cs siel» heraus- »teilte, daß Polen verloren, d. 11. der Entente verbündet war, begann die offene Feindschaft und der schranke»■ lose Haß. Wir begreifen, daß die Abtretung der Öst- Ikiicn Gebiete an Polen eine schmerzliche Wunde für Deutschland bedeutet. Trotzdem Ist im Interesse einer Wcltfricdenspolitik zu wünschen, daß dieser Gegensatz überwunden wird. Auch der erwähnte Aufsatz der ״Frankfurter Zeitung“ »״II offenbar einer deutsch-polnischen Verständigung dienen. Aber der ״gute Beobachter“ weiß kein anderes Mittel, •als wieder die Juden als Opfer hinzuwerfen. Er wiederholt die alte Weisheit, daß die russische Politik durch Masscnansicdlung russischer Juden den Polen ein feindliches Element ins eigene Land setzen wollte; so »eien die Juden in den schärfsten Gegensatr zti den Polen geraten. Es werde jahrzehntelanger geduldigster Kulturarbeit der polnischen Regierung bcdürfen, um die Juden in Polen zu guten Staatsbürgern zu erziehen. Dazu gehöre ein verständnisvolles Eingehen auf die Eigenart dieses Volkes, das in seiner hoffnungslosen Verzweiflung und seinem tiefen Kulturntveau ein willkommenes Rekruticmngsmaterial für den Bolschewismus liefere. Nur streng durchgefülirter Schulzwang einerseits, und die politische und kulturelle Einflußnahme der Westjuden auf ihre polnischen Glaubensgenossen Im Sinne ihrer Erziehung zu guten Staatsbürgern andererseits lassen im Laufe von Jahrzehnten eine langsame Entspannung dieser Frage erhoffen. Es ist unbegreiflich, daß ein sonst seriöses Blatt wie die ״Frankfurter Zeitung“ sich nicht scheut, derartige Ungeheuerlichkeiten an leitender Stelle abzudrucken. Sie beweist damit eine Uninformierlhcit in der Judenfrage, Band dieses höclist wichtigen Werkes ist bereits vollendet. Außerdem wird eine ganze Reihe Wissenschaft- Sicher Werke in jiddischer Sprache durch den Verlag Petersburger Gesellschaft ״Mcfize Haskalah“ vorbereitet. Der junge K u I i s c 11 c r hat eine jüdische Wirtschaftsgeschichte geschrieben. Prof. London und Dr. E 11 a s c 11 e w haben in Jiddisch eine Biologie herausgegeben. Die Gesell- Khaft ״Oze“ bereitet verschiedene Arbeiten auf dem Gebiete der Medizin und der Hygiene vor. Am bedeutendsten jedoch ist, daß auch an einer jüdischen Enzyklopädie bereits gearbeitet wird An der Spitze dieses Unternehmens steht de ״Perez“-Gesel!schaft, die für diesen Zweck vom Bildungskomniissariat eine Subvention von zwei Millionen erhalten hat Die Enzyklopädie soll einen Umfang von 600 Druckbogen haben, wovon bereits 25 Bogen vollendet sind. Gedruckt soll sic erst nach ihrer vollständigen Fertigstellung werden, da bei der jetzigen Isolierung Rußlands von der ganzen Welt, viele Abteilungen nicht gehörig bearbeitet werden können. Im flllgrmrincn kann man behaupten, daß « 1111 jetzigen Rußland nicht an Geldmitteln für jüdische litcrarisclie Unternehmungen fehlt; groß Ist jedoch der Mangel an literarischen Kräften. In Odessa verschieden vor kurzem zwei alte, halbvergessene hebräische Schriftsteller, die seinerzeit markante Figur der literarischen Welt der Haskala waren: E1 imeIa ch Wcchsler-Besredko (bekannt unter dem Pseudonym Isch-Noami) und Dr. Aron Porjcs. Der erste gehörte zu den letzten Mohikanern des ristischcn Bibclmassivs und pflegte die satyrische Kritik, den letzten Jahren beschäftigte er sich mit Textforschungen der Bibel und veröffentlichte zwei kleine Wcrkchcn auf diesem Gebiet. — Dr. Porjes gehörte zu den letzten Popuiarisatoren der neuhebraisehen Ltcratur. Er!unterließ eine Physiologie (״Thorath hacha* jim“), die allerdings, vor einem halben Jahrhundert gcschrieben, ziemlich veraltet ist. Manche Aufsätze über Hygiene sind von ihm in den Jahrbüchern ״Haassif“ veröffentlicht. In New Yoric verschied Anfang Januar Dr. Sehelemo Hurwitz, Dozent für semitische Sprachwissen» *dhaft im Rabbmcrseminar und Verfasser von mehreren Arbeiten auf dem Gebiete der Semitoiogie. deren sic sich wahrscheinlich bezüglich Irgend eines Stammes von Südsccinsulancm schämen würde. Aber die Wahrheit ist ja Nebensache; worauf cs ankommt, ist die Tendenz. Und diese Tendenz gellt offenkundig dahin, die polnischen Juden als schlechte Staatsbürger zu denunzieren, damit das deutsche und polnische Volk sich auf dem gemeinsamen Boden des Antisemitismus begegnen und wie Haruspices lächelnd sich die Hand reidien können. Aus diesem Artikel spricht die bckannte weltfremde Art, die unfähig ist, Volksprobleine auch nur zu begreifen, geschweige denn zu lösen. Deutschland hat seinerzeit versucht, den politischen und kulturellen Einfluß der ״westlichen Glaubensgenossen“ auf das anno polnische Judentum loszulassen; mit welchem Erfolg, ist ja hinlänglich bekannt. Eine aufrichtige Friedenspolitik müßte von ganz anderen Voraussetzungen ausgehen. Ihr müßte die Völkerversöhnung ohne jedes Nebenintercsse das oberste Ziel sein. Sie dürfte nicht widersinnige Anschuldigungen verantwortungslos nachplappern und damit die Atmosphäre vergiften. Die nationalistischen Kreise Polens verstehen heute ebenso wenig wie die nationalistischen Kreise Deutschlands, in weicher Linie das Wohl ihres Vater- Landes liegt. Noch sind diese Völker vom egoistischen Chauvinismus so verblendet, daß sic nicht sehen, daß nur durch eine verträgliche Politik und durch Gewährung der Lcbensredite an alle Völker, auch an die kleinen nationalen Splitter, der Zustand der Welt erreicht werden kann, in dem auch sie selbst gedeihen können. Interessant ist von diesem Gesichtspunkt aus auch eine Notiz der ״Kölnischen Zeitung“ v׳om 26. Februar, welche sich in scharfer Weise gegen die Kritik wendet, die wir in Nr. 14 der ״Jüdischen Rundschau“ an der deutschen Ostpolitik geübt haben. Die Zerstörungswut und Annexionslust der deutschen Generale haben den ganzen Osten in Unordnung gebracht und den Roden vorbereitet, auf dem das Bandenwesen, die Anarchie und die Pogrome sich entwickeln mußten. Wir glauben, daß das neue Deutschland allen Anlaß hätte, die Verantwortung für die unglückseligen Fehlgriffe des wilhelminischen Militarismus abzulchncn; tut es das nicht, ereifert es sich vielmehr in der Vcrtekligung jener wahnwitzigen Politik, dann gibt cs der Entente recht, die keinen Unterschied zwischen der deutschen Monarchie und der dcutschai Republik machen will, ln der Tat luit sich in Deutschland wenig geändert; nur ganz wenige einsichtige deutsche Männer erkennen, was das alte deutsche Regime an seinem eigenen Volk gesündigt hat. Die andcren Deutschen fühlen sich noch immer verletzt, wenn man Ludendorffs Politik kritisiert und werfen dieser Kritik antideutsche Gesinnung vor. Es täte wahrlich not, daß die Völker endlich zwischen wahrem und falschcm Patriotismus unterscheiden Ionen, damit sic erkennen, daß Patriotismus nicht darin besteht, nicht zu hören, was man nicht hören will. ״Aufruf an Chaluzim“ Die PaLäsünakommission, Prag, macht uns aufmerksam, daß ihr in Nr. 14 abgedruckter Aufruf sich nur aut Chaluztm aus der Tschechoslowakei bezieht und nur irrtümlich auch der ״Jüd. Rundschau“ zur Publikation zugesandt wurde. Vakante Stelle. Auskünfte über einen Sanatoriumposten für einen jungen, jüdischen Arzt (ledig) können eingcholt werden beim zionistischen Büro, Prag II., Ruzovä 24. Anton Kuh über ״Die Tragik de* * Judentums“ Am Dienstag, den 0. März, 8 Uhr, findet in Berlin im Sdutbcrt-Saal (Biilowstr. 1(M) ein hochinteressanter Vortrag statt, auf den wir unsere Leser aufmerksam machen möchten: An ton Kuh, einer der bekanntesten und geistvollsten Wiener Journalisten, spricht über ״Die Tragik des Judentums“. Anton Kuh, der in Berlin bisher noch wenig bekannt ist, hat den Vortrag vor kurzem in Prag gelullten. Damals brachte die Prager zionistische ״Sclfastwchr“ einen zwei Spalten langen Bericht, dem wir nachstehende Sätze entnehmen: ,.Mit wunderbarer jüdisch-psychologischer Darsiellungskunst zeichnete Kuh jene Judentypen, welche in verschiedenster Art, bewußt oder unbewußt, robust oder hysterisch, ihr Judentum verschleierten, vertuschten, verdrängten, überkompensierten. Er zeigt in kurzen Schlaglichtern die Entwicklung vom Aufklärungsjude« (Mcndclsohn) zum Fortschrittsjuden (Börne) bis zum sozialdemokratischen Juden . . . Kuh suchte das jüdische Wesen auf eine möglichst einfache Formel gegenüber dein Ario-ücrinnuonlum zu bringen. Er fuhrt die Gegensätze Transzendenz — Immanenz Gottes, Mensch — Weit, sentimentale Bewußtheit — naive Unbewußtheit, Individualismus — Fatalismus, Können — Müssen an . . . Wie immer, war der Vortrag Kuhs blendend, aufreizend, voll genial-unartiger Formulierungen, rhetorisch und schauspielerisch glänzend.“ Kults Bejahung des Judentums fußt auf tiefgehender, unbarmherziger Selbstkritik. Obwohl er nicht Zionist ist, ist sein Standpunkt doch ein durchaus positiver, aktivistischcr, der jüdischen Kraft vertrauender. Karten von 3 bis 8 M. sind erhältlich im Schubert- Saal und kn Grapbisdicn Kabinett, Kurfürstendamm 232. Das IH. lieft der ״Haawoda“ ist soeben erschienen. Es enthält unter anderen folgende Artikel: A. Birnbaum: Die Rolle der hebräischen Jugend im Golus. D. J. Silberbusch: Erinnerungen II. Sawlau: Krisis. Dr. Ernst Müller: In den Spuren de« Sozialismus II. Dr. N. M. Gelber: Ein Abschnitt ätrs den inneren Kämpfen der jüdischen Gemetnden ki Polen am Ausgang des 18. Jahrhundert* Ch. T.: Ueber den Tod des ersten Schomer Michael Heilpern in Palästina sowie eine reichhaltige Chronik. Palästina Von der landwirtschaftlichen Abteilung bei der Palästinakommission Die gcnossctischaftlichcBewcgu ■g unlcr den Arbeitern Palästinas begatut vor ca. 12 Jahres, Die Arbeiter waren vollständig entmutigt, nachdem säe hd den Kolonisten meltrere Jahre für ein Gehalt a!beiteten, das nicht einmal für die dringendsten Bedürfnisse des Junggesellen ausrcichte. Ein großer Teil der Arbeiter mußte sogar das Land verlassen, die übrigen setzten ihren Lebenskampf unter schweren Umständen fort. Da organisierten sich die Arbeiter Scdschcra» in eine Genossenschaft tmd übernahmen die Arbeit tu der Farm. Sie zeichneten sich so sehr durch ihre Leistungen aus, daß sich nach kurzer Zeit eine zweite Genosscitsdnft in Dagania am Jordan und später eine dritte in Chcderah bildete. Seitdem wurde die Arbdtergenosscnschaft zur vklverhcißenden Sicdhtngsersdaeinun1>, die die neue Epoche des Jischubs kennzeichnet Die Genossenschaften wurden immer zahlreicher. Heutzutage existieren im Lande etwa 30 Arbeitergenossenschaften, die insgesamt rund 450 Arbeiter und Arbeiterinnen zählen. Obgleich die Genossenschaften noch nidit die Ziele erreichten, weldie die landwirtschaftlichen Arbeitet erstreben, so kann man schon jetzt die folgenden Vorzüge der Arbeitersiedlung hervorheben: a) Der jüdische Arbeiter, der laut seiner sozialen und individuellen Ent- Wicklung nicht unter einer Oberherrschaft arbeiten kann, die ihm das Interesse und die Möglichkeit der hingebungsvollen Arbeit raubt, fand hi der Genossenschaft ein passendes Arbeitsfeld, b) Die Ge- Wissenschaften gewöhnten eine gewisse Zahl von Arbeitern an die Landarbeit und h'eferten das Menschenmaterial für die Organisierung von neuen Genossenschäften an verschiedenen Punkten des Jischubs. c) Durch die Genossenschaften gelang cs, die Bodenflächen zu bcbauen, die noch nicht für die dauernde Ansfcdtung von Familien melioriert sind, d) Durch die eigene Arbeit trugen die Arbeiter in die Kolonistenjugend eine positive Beziehung zur Landarbeit mit eigenen Kräften hinein. Die Genossenschaften organisieren sich nach Arboitagebieten. Es gibt Gruppen für Bodenixstellung t*1d die damit verknüpften Zweige der Landwirtschaft, wie Gcmüsezucht und Viehzucht. Andere Gruppen beschäftigen sich speziell mit Pflanzungen, Baumschulen, Meliorationen, Trocknen von Sümpfen usw. Außerordentlich wichtig für die Sanierung des Landes, für die Lieferung von Heizmaterial und als Erwerbsquelle für die Arbeiter ist die Aufforstung, ln der letzten Zeit organisiert die landwirtschaftliche Abteilung planmäßige Pflanzungen von Waldbättmen und Vorbereitung von Pflänzlingen. Es w׳ird jetzt aufgeforstet in Kastinie, in den Dünen von Kfar Saba, am Karmel, in Merduwjah, bi Kinereth, in Machanaim,• in Kalcndia und Ln Moza. Baumschulen Werden in Jaffa, Pctach Tikwah, Jerusalem und Teldiaj gegründet. Bei 'dein gegenwärtigen Stand der Landwirtsduft ist die Viehzucht von besonderer Wichtigkeit. Eine Versicherungsgesellschaft gegen Vichverlust auf Gegaiseitigkeit ist notwendig. Der Mangel an organisierter tierärztlicher Hilfe steht aber im Wege. In Galiläa sind Ansätze für eine Besserung der Verhältnisse da, hoffentlich gelingt cs, die Kolonien Judäas und Galiläas zu einer gemeinsamen Versicherungsgesellschaft zu vcreinigen. Die landwirtsdiaftliche Abteilung hat Schritte unternommen, um die Konservcnindustfie von Obst und Gemüse zu entwickeln, da von dieser Industrie das Schicksal der Obst und Gemüsezucht abhängt. Hand• und Kopfarbeit Wir entnehmen dem Jerusalemer ״Haarez“ folgende interessanten Ausführungen über die Qualität der kommenden Immigration und über die richtige Proportion zwischen der Zahl der Kopf- und Handarbeiter: Noch ist die Einwanderung wenig zahlreich, aber die Symptome sind bereits gegeben, nach denen man mehr oder weniger über die Tendenz und Beschaffenheit des großen kommenden Stromes urteilen kann. Unter diesen Symptomen ist eines besorgniserregend und befremdend. Nämlich die verhältnismäßig übergroße Zahl der jungen Leute, die für sich ״irgendeine S t e I - lun״“ beanspruchen. Selbstverständlich sollen wir bei der Beurteilung dieser Erscheinung nicht die äugenblicklichcn Umstände vergessen: der Aufbau hat noch nicht begonnen, es gibt noch keine neuen L'indercicif, keüien Handel und keine Industrie 90 daß man Massen von gesunden jungen Leuten nicht beschäftigen kann, und doch bleibt der befremdende Eindruck bestehen, daß die Neigung zum Beamtentum und zur Stellungssuche in einem gewissen Kreise der jungen Immigranten viel mehr psychisch verankert ist, als wir cs gewünscht hätten. Diese Tatsache muß öffentlich erörtert werden, sowohl hier als in der Diaspora. Gewiß ist uns ein Beamter nicht weniger wichtig, als ein Arbeiter, und wir könnten ohne den ersten cben90\venig bauen, wie ohne den letzteren. Eine einfache Rechnung aber läßt erkennen, daß die Z a U1 d e r Beamten, die für unsere Sicdlungsarbcitcn wirklich nötig sein werden — selbst wenn die Immigration noch so zahlreich ist —, verschwindend klein sein wird im Verhältnis zur Arbeiterzahl, die für die verschiedensten Gebiete des Aufbaus benötigt sein wind. Hinzukommt, daß die beste Leistung erfahrungsgemäß gerade dort erzielt wird, wo die Beamtenzahl auf ein Minimum mhiziert wird. Ja, mit der Vervollkommnung unserer Siedhmgsarbeit und Verbesserung unserer Methoden wirf die Zahl unserer Beamten relativ immer mehr sinken. Das besagt aber, daß in der nahen Zukunft von 100 junge■ Leuten, die in Jaffa landen, höchsten» 2 w e I einen Bünoposten, einen natürlichen, nicht gekfautd-

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