Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 16 (27.2.1920)
- Date
- 1920-02-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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. Seite 103 JU ED ISCHE RUNDSCHAU 1 heit zu gewinnen, Reife ist keine Lauheit, Nüchternheit Heine Flauheit. Nimmermehr wollen wir die Glut der Ucbcrzeui'ting, die in den einzelnen Zionisten lebt, >■ imd die die Größe der Organisation ausmnclit abkuhlcn. Auch wir füll len unsere jüdische Unzulänglichkeit, abcT wir wissen, daß wir dieses Gefühl der Halbheit, so lange wir leben, nicht werden abstreifen können, da nicht in einer und auch nicht in zwei Generationen eine jahrtausendelange Vergangenheit überwunden werden kann, und wir sind davon durchdrungen, daß es wich■־ tiger ist, für die Gesundung der Gesamtheit als für die Erlösung des Einzelnen und seiner selbst zu sorgen, Fs gilt, ein Programm für die Zionisten in der Zerstreuung aufzustellen, Richtlinien, die das Wesen der doppelten Zugehörigkeit der Juden — zum Juden* rum aut der einen, zmu Staate auf der anderen Seite — offen und ehrlich klarstellen und durch dieses Hekenntnis der Wahrheit die Judcnheit und die Welt von den lauteren und grollen- Zielen, von den die Gefühle keines Juden verletzenden Absichten des. Zioitismus zu überzeugen. Ein solches Programm, wie ich cs mir denke, müßte in seinem ersten Satze unser Bekenntnis zum Zionismus enthalten, in seinem zweiten Abschnitt das Verhältnis des Juden und Zionisten nun Staate klären und eine Anzahl zu erfüllender jüdischer Pflichten aufstcllcn. Das Bekenntnis zum Zionismus nuszudmeken, wird verhältnismäßig einfach sein. ״Wir Zionisten fühlen uns als Glieder des durch gemeinsame Abstammung und Religion, durch gleiche geschichtliche Vergangenheit und durch den Glauben an seine Zukunft geeinten jüdischen Volkes und sehen den Weg zu seiner Erhaltung und Erneuerung in der Schaffung eines jüdischen Gemein* wesens in Palästina.“ Die daraus erwachsenden Vcr* pfliehtuiigen für die Zionisten des Gallith brauchen hier nicht besonders aufgc/iihlt zu werden. Weit schwieriger wird cs sein, unser Verhältnis zur Umwelt in eine alle Juden befriedigende Fassung zu bringen; cs muß aber gelingen, eine Plattform zu finden) auf der die gesamte Judcnheit der Zerstreuung sich zu* **imncnfinden kann. Dieses Problem ist — so scheint es mir wenigstens — bisher insofern nicht geschickt angefaßt worden, als man von zionistischer und auch von nicht/iomstisehcr Seite zu sehr mit Gefühlsmoincnten. mit subjektiven Auffassungen, mit mehrdeutigen sind umstrittenen Termini gearbeitet hat. ״Vaterland“, ״Pa* triotisrnus“, ״national“ ״Staatsbürger“ und derartige von verschiedenen Parteien und Interessengruppen allent* halben mit verschiedenen Inhalten erfüllte Worte, man konnte bald sagen, Schlußworte, werden am besten gemieden, da sic das Problem eher zu verwirren als nt klären imstande sind. Objektivieren kann man aber die Frage nur dann, wenn man von einem fest umrissenen unbestrittenen Begriff ausgeht. Ein solcher Begriff scheint mir der Staat zu sein. Nicht einmal diejenigen, die der Individualität oder die, die der Rasse einen besiimmeinten Einfluß auf das historische Geschehen zu* schreiben, werden leugnen können, daß 11er Staat eine gewaltige, vielleicht die gewaltigste geschichtliche Macht *st, die durch die ihr innewohnende Kraft Menschen und Gemeinschaften zu wandeln imstande ist. Es scheint mir eine unwiderlegbare Tatsache zu sein, dal) sich tuticrhalb der Grenzen eines jeden Staates eine Solidarität »einer Bürger heransbiUlet, die nicht etwa nur auf gleicher Abdämmung und Religion beruht, sondern sich vor allein auf weitgehende Gemeinsamkeiten politischer, wirtschaftlicher und kultureller Interessen gründet. Und es folgt daraus, daß ein jeder Bürger, — auch jeder Jude, auch jeder Zionist — an den gemeinsamen Auf* gaben des Staates nehmend und gebend teil hat und *u seinem Gedeihen nach seinen Kräften mitzuarbciteii hat, eben weil er selbst ein lebendiges Glied des großen Organismus ist. Trotzdem gibt cs für viele Staatsbürger noch Konflikte, da es neben und außer den Staaten noch zwischen* staatliche Verbindungen gibt. Der Kapitalismus, der Sozialismus, der Adel, die Katholische Kirche und auch »las Judentum ist eine solche zwischenstaatliche Idee und Gemeinschaft. Die Konflikte aber, in die der einzelne Jude durch die Zugehörigkeit zu dieser zwischenstaatlichen Gemeinschaft kommen kann, können, wenn anders die Existenz mul Ehre des Judentums nicht gefährdet ist, niemals das Wold des Staates bcrühren. Sowie der großstädtische Industriearbeiter eine .liniere Auffassung vom deutschen Geiste haben wird, als der altadlige Besitzer eines Rittergutes, so wie der auf dem Boden einer besonderen Weltanschauung stehende deutsche Katholik viele Aeußerungcn deutschen Geistes, — mau denke nur an Luther, Kant und Goethe — ablclmcn oder wenigstens anders zu deuten bestrebt *ein wird, so wird auch der Jude nicht von allen Aufgaben des Staates in gleicher Weise berührt und nicht von allen Kulturwcrtcn in derselben Weise afick* tiert werden wie die anderen Bürger. Besondere, in der politischen Idee des Zionismus liegende Konflikte — und das ist das Wesentliche — gibt es aber ülverhaupt nicht. Die zionistische Organisation lut viel* mehr, schon um das Vertrauen aller Juden und aller Kulturstaatcu zu gewinnen, alle Veranlassung, ihren Gliedern aus Herz zu legen, dem Wohl des Staates* dom sie angeboren, und solange sie ihm angeboren, mit reinem Herzen zu dienen und sich an seinen Aufgaben fördernd, mit Feingefühl und Takt zu beteiligen. Diese Pflicht erwächst der Partei jetzt um so mehr, als sic mit den Kopcnhagcncr Beschlüssen zum ersten Mal in der Ocffcntlichkcit kuudgctan hat, daß sic außer ihren politischen Plänen für Palästina auch den An* wruch erhebt, die Vertreterin aller Juden in den Län- «fern der Zerstreuung zu sein. . Ich bin fest davon überzeugt, daß derartige Ge* danken — fürs erste jn einem von der zionistischen Vereinigung für Deutschland angenommenen Programm formuliert — ihren Eindruck nicht verfehlen und der deutschen Judcnheit volles Vertrauen zum Zionismus geben werden, — der deutschen Judcnheit, die trotz dem Ausgang des Krieges und der Entwertung des deutschen Geldes noch immer von bestimmendem Ein* fluB auf die Judcnheit der gesamten Kulturwelt ist Wenn auf Grund eines solchen Bekenntnisses der Wahr* iicit ein Kongreß der deutschen Juden ais Etappe auf dem Wege zum jüdischen Weltkongreß zustande kommen wird, wird der Beginn mit gemeinsamer Arbeit im Dienste der großen Sache gemacht sein. Die weiteren Folgen sind imülaerselibar. Sind die Spitzen und Führer der großen jüdischen Organisationen und Gemeinden von der Große des zionistischen Endziels überzeugt und für eine verständnisvolle materielle und moralische Förderung gewonnen, wird die Masse der deutschen Juden und der gesamten Judcnheit blind folgen; dieselbe Masse, die durch ihre fdcallosigkcit als .Menschen und als Juden, diejenigen Zionisten, die mit »1er Klein* Propaganda zu tun gehabt haben, so manches Mal zu dem Glauben an die Erfolglosigkeit einer ziozionistischen Projiaganda in Deutschland gebracht hat. Ich halte cs für möglich, daß schon in kürzester Zeit Aiiswanderiingsämter für Palästina an den offiziellen jüdischem Gemcindebüros »lern ganzen Welt entstehen, »Laß auch nichtzionistischc Persönlichkeiten von Weltruf großzügige- Finanzierungen für den Wiederaufbau Palästinas einieilen, und daß in Verfolg dessen wirklich wertvolle Kräfte sich entschließen werden, nach Paliistiua zu gehen und an dem großen Werke mit zu* schaffen. Aber auch die kulturellen Folgen sind kaum zu ahnen. Man wird sich gegenüber dein Zionismus, der das Verhältnis seiner Anhänger gegenüber »lein Staate durch ein Programm geregelt hat, und gegenüber den neuen Schöpfungen des jüdischen Palästina, nicht mehr wie bisher, wo man ihn fürchtete, und in Acht und Bann tat, abschließen können und auch nicht abschließen wollen; das langsam in* wiccfercrwacheinkm l ande der Väter erstehende jüdische Geistesleben wird auch auf »lie Juden der Zerstreuung einen belebenden befruchtenden und gesundenden Einfluß ausüben, und das neue jüdische Geschlecht des Galuth wird diejenigen Radikalen lügen strafen, die die gesamte nichtzionistischc! Judenluit in der Zerstreuung als verlorene Posten aufgeben wollten. Das klingt in einer Zeit, da Abfalt und Taufe sieh mehren, schier als unmöglich; ja, es wird manchem sogar als Phantasie eines weltfremden Idealisten erscheinen, diejenigen aber, die die letzten Ltistrcn des Weltgeschehens offenen Blickes durchlebt und gesehen haben, wohin eine übertriebene, aufreizende und vor der Wirklichkeit sich verschließende Politik führt, werden erkennen, daß meine Zukunftshoffnungen die unmittelbare und notwendige Folge einer reifen und wahren zionistischen Politik ist. Möglichst viel Juden nach Palästina zu verpflanzen liegt in der Richtung des Baseler Programms und entspricht dem Streben jedes einzelnen Zionisten; und insoweit wir dies wünschen, sind wir alle Maximalsten, ohne deshalb zu der engeren mit diesem Schlagwort sich nennenden Gruppe zu gehören. Das aber steht fest, daß die Aufstellung eines Galutliprogrnnims in der Art des oben ausgcfiihrten »lie unbedingte Vor- Aussetzung jedes gesunden zionistischen Maxinialismus ist, der bei seinem Werke der .Stützung durch die gesamtc Judcnheit nicht cntraten kann. Und wenn worüber mir jegliches Urteil fehlt, — die schnelle Miilionensieiiiung in Palästina unmöglich sein sollte, wenn, wie die Minimalisten behaupten, überhaupt nur der geringere Teil der Judcnheit, und auch der erst im Laufe von Jahrzehnten, nach Palästina wird vcr- Eflanzt werden können, dann wird ein solches offenes ekenntuis der Wahrheit in Gestalt eines Gnluthpro* grammes für die Millionen Juden der Zerstreuung erst recht eine Notwendigkeit sein. Der nächste Dclcgiertentag wird über ein zionisii* schcs Programm für Deutschland zu beraten haben und der nächste Kongreß ein umfassenderes Programm Wir alle Zionisten der Zerstreuung aufstcllcn müssen. * * 1 Politik und Bewegung Soll des ״Stürmens" wirklich schon ein Ende sein? Mir scheint es, daß dis Stürmen erst am Anfang steht; cs ist ihm noch nicht einmal gelungen, das Sicherheits-Bcwufttscin des jüdischen Philisters zu erschüttern. Der Zionismus ist seinem Wesen nach die Revolution!'(:* rung des jüdischen Denkens; an die Stelle des gewohnhcitsmäliigen Weiterschleppens, der skeptischen Resignation, des Bemühens um persönliche Selbstbehauptung im Strome des feindlichen Lebens trat die Erkenntnis historischer Zusammenhänge und Notwendigkeiten und das neue, strahlende Ziel, die ungeheure Forderung, die an das ganze, des Schattens entwöhnte Volk gerichtet ist. Die Erkenntnis, daß wir ein Volk sind und daß wir eine nationale Aufgabe haben, daß unser bishöriges Leben ein ungeheures Paradox war, schafft allerdings eine Distanz zu diesem Leben, die seine ganze Probleniatik ins Bewußtsein bringt. Während vordem der jiülisehe Bürger — wie es überhaupt das tvpische Merkmal des ״Bourgeois“ ist -raller Problematik aus dem Wege ging, um nicht beunruhigt zu werden, hat der Zionismus den Juden gezwungen, dem Problem■ ins Auge zu sehen; dies erst aber erzeugt jene Gärung, die die Voraussetzung jedes schöpferischen Handelns ist. Selbstverständlich ist die Grundlage alles Zionismus die Bejnhung des jüdischen Volkstums, daraus folgt notwendig, »laß ein Unterschied zwischen Juden und Nichtjudcn fesigestcllt wird, der nicht notwendig ein ״Gegensatz“ sein muß, sondern erst durch Vcrtusehungsverstichc zum Anstoß aggressiver Gesinnung wird. Das Verhältnis zu den anderen Nationen kann nicht bloß das der ״Neutratität“, es kann auch das der Sympathie, Freundschaft, Feindsdiaft usw. sein, niemals aber das der Identität. Wenn ich Jude bin, kann ich nicht gleichzeitig Deutscher (im ethnisch-nationalen Sinn, wohl zu unterscheiden vom politisch-staatlichen!) sein; das ist doch ein Fundamcntalsatz, den in einem zionistischen Organ nlcdcrzuschrcibcn wahrhaftig einige Ucbcrwindung kostet. Da wir Gahrthjudcn jedoch weitgehend von nichtjüdisdier Umgebung beeinflußt sind, bleibt als Ausweg aus dieser Halbheit nur eine Wahl: entweder das Ich der Umwelt an passen od»n• die Umwelt dem Ich anpassen. Letzteres ist nidit so zu verstehen, daß der National- Jude einfada in eine jüdische Kultur übersicdcln kann die cs ■in der Tat nicht gibt; sondern so, daß durcli die Schaltung einer jüdischen Gemeinschaft ein Ort «geben wird, wo die besonderen Anlagen und Kräfte es Jüdischen Volkes sich frei machen und Kultur in die weit setzen können. Herr Dr. Weil glaubt die Sehnsucht nach jüdischem Eigenleben durch den Hinweis widerlegen zu können, daß es jüdische Kultur nicht gibt; in Wirklichkeit ist gerade diese Einsicht, das Oefüfcl unserer Armut, die Leere unserer Welt, diese Nr. 10 Verzweiflung, die ein hebräischer Schriftsteller (U:-x fieißgen Schmerz.'' nennt, die stärkste, übermächtig* Lriebkraft »Irr nationalen Wiedergeburt. Eine aTEischreck ung wäre sie nur für den, der sein Wollen danach cüuiehtct, oh das Gewollte schon fertig ,ja. sicht (den ״Burger“); tür den gesunden Instinkt des Volkes, welches seine schöpferische Urkraft bewahr• hat, ist cs klar, daß cs keinen anderen Weg gibt als den Einsatz des ganzen Lebens. Der Zionist’ist nicht der aus einer jüdischen Organisation in eine andere übergetreleite oder der statt tu einem uuu in zwei Vcreinen sitzende Jude, sondern er ist der in Bewegung geratene Jude; er sagt nicht: ״wir alle glauben an d* Erneuerung des Judentums... in einigen Jahrzehnten״ sondern er sagt: ich will — weil ich anders nicht leben kann und weil mein Volk sonst in völliger ZCr. Setzung zugrunde geht — die Erneuerung tles Judentums und will alles was mein kleines Ich zu geben vermag, daran setzen. Der Zionist weiß, daß Zion;»• mus kein mechanisch zu regelnder Prozeß ist, sondern eine menschliche, Menschen betreffende, von Menschen zu leistende, alle menschlichen Freuden und Schmerzen, Verpflichtungen und Felder umfassende. Angelegenheit! Mit der Befreiung von der assimilatorischen Lüge hat er die Fähigkeit erworben, von aller Verlogenheit der europäischen ScheinkuLitr sieh zu befreien; und darin fühlt er sieh in der Tat verbunden mit »len von großen'' Idem ineiiselilicltcr Neuscltöpfuiig ergriffenen Menschen aller Völker: der lebendig gewordene Jude mit du! lebendig gewordenen Menschen aller Völker. So statt ist fürwahr noch »las gemeinsam Menschliche, Gott sei Dank, über alle nationalen Schranken. (Wie ja übrigens auch der jüdische Spießer eine unverbrüchliche Solidarität mit den Philistern aller Nationen empfindet.) Was heißt ״mehtjüdischc Probleme mit jüdischem Wollen umkleiden?“ Ist die Wiedergeburt eines Volkes nicht ein das ganze Leben umfassendes, alle Fragen men-chliehen Zusammenlebens erschließendes Ereignis? Nur für abstrakte, wirklichkeitsferne Programme, nicht aber in der konkreten Verwirklichung kann man an dieser Tatsache vorbeisehen. Dies ist aber nicht etwa bloß die Lösung iür d;ו .,einzelnen“ jüdischen Menschen, sondern im eiirci:;• liehsfen Sinn die nationale Lösung. Ein Volk kann nur sich selbst helfen; soll nach 20 Jahren zionistischer Entwicklung der deutsche Zionismus »len Ruhm erstreben, wieder zwei Kategorien von Zionisten zu erfinden, neben dem Zionisten^ der die Volkssächc mit seiner eigenen persönlichen Sache identifiziert jenen Zionisten,, der ein jüdisches Volk außerhalb sich selb»! kennt und wohlwollend materiell unterstützt? Nicht den ersten Typus trifft der Vorwurf, daß er die ״jüdische Persönlichkeitsfrage“ lösen wolle, sondern den zweiten Typus: der will seine jüdische Pcrsöiilichkcitsfrage in einer jedenfalls ziemlich bequemen Weise lösen. Aber am bedenklichsten scheint cs mir, daß die jungen Leute, die einst tn.aclien »vollen, durch Auf-die-Scliu'ter-Klopfen lächerlich gemacht werden; dadurch kann nur eins erreicht werden, nämlich »lie völlige Ausschaltung »!es deutschen Zionismus aus dem Weh-Zionismus. IE!;4 nicht der Sachwalter »!er Chalnzim und weil( nicht, wie weit die Einzelnen ihre persönliche Bedeutung überschätzen; aber »las Eine will ich betonen, »laß cs nicht aiigcht, die Bedeutung dieser ״Einzelnen“ zu unterschätzen. Palästina wird nur von solchen Einzelnen auf gebaut werden, und wer etwas Tüchtiges zu leisten imstande und von der rechten Gesinnung erfüllt ist, der wird auf die jüdische Gesamtcntwickhmg wirke י־. vielleicht für die große Gcftcn tlichkeit tmmerklich und nur in seinem kleinen Kreise, aber um so nachhaltiger, je höhere menschliche Qualitäten er hat, und stärker als alle in Vereinen formulierten Programme. Gegen die praktischen programmatischen Vorschläge Dr. Wcils zu polemisieren, halte ich für unnötig. Sie sind eine so unglaubliche Verzerrung und Verwässerung der zionistischen Idee, daß sic höchstens als Plattform für einen Klub zur Förde:ttng tles Zionismus in Betracht kommen. Ucbrigens sind gerade in dem Abschnitt über das Verhältnis zum Staat solche Unklarheiten, daß es gar nicht nötig ist, gegen die Darstellung des zionistisehen Verhaltens »lein Staat gegenüber, Einspruch zu erheben, die ~ selbstverständlich unbeabsicliligt — den bekannten assimilatorischen Denunziationen verzweifelt ähnlich sieht. Aber naiv ist doch der Optimismus, durch Formulierungen die nichtzionistischen Natobcln gewinnen zu können. Dies kann mir meinen, für wen Zionismus reine Vercinssaclie ist, über die man Vcrciubnruiigcn schließen kann. Zionismus ist aber eine Bcwcguiig, die, von geistigen Mächten getragen, unerbittlidi fordert und deren Wirklichkeit sich an die schönsten Komproniißformeln nicht kehrt. Dr. Weit meint, die siumpte deutsche Judcnheit unil die zionistische Idee können infolge der Idcal’osigkeit der!Masse nicht Zusammenkommen; entmannen »vir die Idee, machen wir die Formel mundgerecht, und »vir haben das Wunder vollbracht: das deutsche Judentum wird zionistisch! Mit derartigen Fiktionen kann man keine reale Volkspolitik machen. Wenn wir Zionismus mit ״verstandnisvollcr materieller und moralischer Förderung" durch die ״Spitz.«»“ identifizieren, dann haben »vir ilun den Todesstoß versetzt. Dann haben »vir bewiesen, daß unser Geschlecht für die Größe der Sache nicht reif war. Und dann werden wir auch, — des seien wir gewiß — keinen Hund hinterm Ofen hcrvorlockcn. Die Werbekraft des Ziotüstnus kann nur von der Stärke der Idee ausgehen, die nicht durch die spanischen Stiefel eines auf die vermeintlichen Anforderungen der Umgebung abgestimmten Programm eingeschnürt werden, die aber alles, was noch lebendig und der geistigen Berührung offen ist, in ihren Bann zieht, aufgewühlt, hinaustreibt zu unablässiger Arbeit und beglückt durch das Oefühl der Größe der Stunde, in der die Geister wach sind und es eine Lust ist zu leben. Robert Wcltsch. de f״t tu* m »1:1 S'tttl u scj «ml II k׳i PU l.ltj l'iil »11( :T-1 aü ue ml uz >* ׳ , R« w» de > Ul ■ SO; Ui II äs H tu?4 Ul .• '• 4 » i I i ו' 1 י , i > ׳ ן :! s )׳ i i I ' ' Eine Ehrung Iür Kremenetzky. Zu Krcmenetzkys j ׳ siebzigsten Geburtstag fand, wie ״W. M. Z.“ melde(, . < j am Montag, den 15. Februar, in der Urania in Wien , י eine Festsitzung statt, in welcher Krcmenetzkys Wirken *) von Vertretern der wiener Industrie und Arbeiterschaft. | der Technischen Hochschule und der Regierung gefeiert ־!. wurde. Am Nachmittag fanden sich Vertreter der zio־• J nistischen Ocganisation Wiens bei Kremenetzky ein. . J