Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 15 (24.2.1920)
- Date
- 1920-02-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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(11 e l e, d a li d a s T e 01111 i k 11 m v o 11 | * k o b Schiff für die /i u n i s t i 9e 11 e Ü r״an i• » a t i o 11 a ״ ״ e k a u f f w o r d eil ist und daß z u 11 ״ffeil sieht, dal) Herr Jakob Schiff sich a n c 11 weiter f ü r das T e c 11 n i k u m i n t e r - 1 s 1 e 1׳ c n wird. In der Debatte unterstützte zunächst Prof, Orn־ stein, Physik-Professor an der Utrechter Universität, Di. Weizmann* Antra״ auf Eröffnung der Universität mit einet Iv’ethe von Forschungsinstituten. Er wies auf die Notwendigkeit der Ghemie für den Aufbau Palästinas hin, die Uliemie ihrerseits setzt die Physik voraus. Er hean die Universität eine Schule für Feinmechanik auna״te, an die Universität eine Schule rur femmecnauiK nach d»m Muster der Universität Leyden anzusciiliclleii. Mu, rechiiilatm müsse den Rang einer Mittelschule belullen, und die technische Hochschule, die wir einmal machen werden, muß mit der Universität verbunden werden. Er beantragte, die Universität einem Kuratorium au unterstellen, du* von politischen Einflüssen frei sein müsse. Herr Sacher betonte die Notwendigkeit der An- Sa״• eines Gelelutenvivrtcl* um die Universität und »p!*Ui sich dafür nus, dal) das Ziel der vollen UnivMstiät Leinen Augenblick aus unserem Bewußtsein skiwinden dürfte. Dr. N 0 rd :111 unterstützte sehr energisch Weizmanu*. Antra״. Wir dürfen nichts untcrnelimen, was wir nicht üi alle»■ ürüinllichl.eit auszutühren imstande sind. Anäsrerseits muli alles vermieden werden, was zu Streitigk*iten Anlaß {;eben könnte. Er empfahl daher, die Universiiat mit Forschungsinstituten sofort zu beginnen. Namens der Misraciii luuerstiitzto Dr. S c 11 ö 11 f c l d den von Dr. Wcimtann cingcbraciitcn Antra״. Er empfahl in die Universtät dais englische System des College, da« die Jugend bereits vor Beginn der eigentlichen Uiiivcfiifatssliidieii mit der Universität in engem Kontakt bringt, 11ei r Boris (i o 1 d b e r g empfahl die Schaffung eines «llg»ou־inen Kuratoriums für Hochschulwesen. Die Arbeit 11er von uns mich Palästina cnlsiindlen Experten erleidet groll« Verzögerungen dadurch, daß im Lande keinerlei wi-senscliaftliche Laboratorien bestehen. Diesem Uebel «uä möglichst bald abgeholfeu werden. Prof. W'arburg betonte die Notwendigkeit, neben dar Naturwissenschaft dio üeisteswissenschaften, insbe- .*ndere die Orientalistik au pflegen. Die Universität müsse inhig schaffen, nicht äußere Effekte suchen. Er empfahl datier, «küi di״ Universität zunächst keine Doktorate verl*J1«. Aufs wärmste einpfahl er den Sadicrsdtcn Annag auf Anlage eines Gelehrtenviertch um die Universität. P 0 d 1 i s c 11 c w 9 k i, Böhm und M 01 z. k i n wandt*!1 sich gegen die Beschränkung des Uuiversitätsprofiunnnes auf rein realistische Fächer. Boelun wies auf di• ungeheure propagandistische Anziehungskraft hin, welche der Plan einer Universität in Jerusalem in allen jüdischen, ja sogar in nichtjüdischen Kreisen habe. Dr. Kupp in empfahl die Oritndung eines Wirt- * c 11 a f t s i n s t i 1111 e 3 Wir den Orient und eines ardiä- •logischen Institutes. Sprinzak betonte die Notwendigkeit der laiuiwirticiiaftlidieu Ausdehnung, Hermann Struck wandte sich dagegen, daß man die judaistisclicn Fächer als Tabu behandelt, wenn auch ein Gegensatz der Weltanschauungen bestehe, so bleibe dennoch die Möglichkeit eines durchaus freundlichen Wettbewerbs. Er empfahl, für diejenigen Fächer, wo Gegensätze der Anschauungen bestehen, eine doppelte Besetzung. In seinem Schlußworte stellte Dr. Weizmanji in Aussicht, daß die landwirtschaftliche V'er• * t 0 1 i o 11 Aar on soh ns wieder hergestellt worden würde. F!• betonte die politische Wichtigkeit des archäologischen Institutes. Die Universität wird einmal alles enthalten. Es handelt sich nur darum, die Zelle festzustellcn, mit der sie beginnen soll. Prof. < 'rnsicins Anregung einer Werkstatt« für Feinmechanik iM außerordentlich wichtig. IDie Juden haben hierfür ererbtes. Talent und Palästina hat vorzügliche Licht• veihähiiissc. Das Recht, den Doktortitel zu leiten, müsse sieh die Univcisität erst durch tüchtige Wissenschaft• liehe Arbeiten erwerben. Wir müssen die Universität;11:1 einem Niveau hallen, daß sie einer derartigen Auffassung würdig werde. Er empfahl zum Schluß die Absendun״ emer Dankdepesche an Jakob Schiff für seine Hilfe in Angelegenheit des Technikums. Der Antrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Eine Resolution juemr.cn c Rundschau Seite 101 Angelegenheit der Universität 1mU de* Technikums wird am -S c h I u s s e d e r 1< u 11 u r d c b a 11 c gefaßt werden. Eine politische Kommission. י Snkolow bei Pesehanel C-11 Beginn der Sitzung am 16, Februar wurde auf Vorschlag von Herrn Sprinzak eine ans Jen Herren Dr. Jacobson, Jacohus Kamt, Dr. Bodenheim er, Motzkin und Sprinzak bestehende Kommission ,eingesetzt, welche den Auftrag erhielt, alle in der politischen Debatte vorgebrachten Vorschläge und Anregungen durchruprüfeii lind über das Resultat dein Plenum zu berichten. Hierauf erstattete Herr Soko low Bericht über den Empfang, den ihm der Prasiilent der französischen Republik Monsieur Paul Deachauel gewährt hatte. Die Audienz hatte »'« Stunden gewährt und sich auf die zionistische Frage ifu hesonderen und auf die jüdische Frage im allgemeinen bezogen. Sie trug einen sehr herrlichen Charakter. Nach diesem mit großem Beifall autgenommenen Bericht wurde der in der vorigen Sitzung eingebracht« Antrag, den amerikanischen Zionisten einen, besonderen Dank ausmispmhcn (Antrag Dr. Wei/inauii, Dr.!״•will), einstimmig angenommen. DSe Palästinadebatte Referat Julius Simon) Hierauf begann die Palästinadcbatte, •iiigcleitet dureli em ausführliches Referat des Herrn Julius Simon, welcher den vom Paliistiuailepaitement cutwoifeueu K o I 0 ni s a t i ■o u s p I a n ausführte, insbesondere soweit es sich um die Schaffung der Finanzinstninionte handelt, welche die Kolonisation durch- Zufuhren haben werden. An die Spitze seines Referats stellte er die Grundsätze für die Laiidpaütik in Palästina, die anläßlich der Beratungen nufgestellt worden sind, welche im vergangenen Ileihst zwischen dem Aotions-Comite und der Zionistischen Delegation aus Amerika unter Führung von Justice Brand eis in London stattgefunden haben. Die Einzelheiten des Referats entsprachen in! allgemeinen dem schon vor einiger Zeit (auch »in Zionist Bulletin) veröffentlichten Rundschreiben des Palästina-Departements. Sie wurden ergänzt durch die Verlesung der öu(achten, welche die vom Aotions-Comite heraugezogenen Fachmänner auf kolonisatorischem, finanziellem und technischem Gebiet abgegeben haben. Diese l'achmäiincr haben ihre Untersuduuigen in einem mit dem Palästina-Departement zu- «ammon-arbeitenden Advisory-Coinniittce durcligcfiihrt, dessen Vorsitzender Herbert Samuel ist. Korreferat Ruppin Das Referat des Heim Julius Simon wurde durch Herrn Dr. Ruppin ergänzt, der hauptsächlich darauf aufmerksam machte, daß das Finanzprogramm sowohl den Verhältnisse« Palästinas als der Psychologie der Kreise aiigepallt sein muß, von welchen die notuen• tilgen Mittel erwartet werden. ,Deswegen ist eine definitive Gestaltung Uer Pläne erst nach gründlicher Rückspräche mit den amerikanische« Zionisten möglich. Notwendig sei es aber, den Plänen ganz, großzügigen Charakter zii geben, damit das Werk des Aufbaus Palästinas wirklid! großzügig durchgeführt werden kann. Mit Rücksicht auf die finanzielle Katastrophe in Mittel- und Osteuropa, welche infolge der Valutaentwevtung die finanzielle Mttarheit der jüdischen Massen Mittel- und Osteuropas fast ganz, unmöglich gemacht hat, schlägt Dr. Ruppin besondere Maßnahmen vor, welche gestattaii, daß vorläufig die finanzielle Arbeit von den jndtsdhon Kreisen des Westens, speziell Amerikas getragen wird, weidhe aber auch die Möglichkeit offen läßt, daß die an der Palästiuaarbeit interessierten jüdi- «dien Volkskreise in Osteuropa, wenn sich die Valuta- Verhältnisse gebessert haben, üi der Lage sind, später audi noch Anteil an dem Aufbauwerk zu nehmen. Dr. Ruppin schlug hu besonderen Gründung einer großen H ä u s e r b a u g c se 11 s ch a f t vor, welche so schnell als möglich au den großzügigen Bau von Arbeiterfüuaern herantrete»! soll, da dieser der eigentlichen Privatinitiative nicht überlassen werden kann und doch die Voraussetzung einer großzügigen Kolonisation ist. Schon dieser Häuserbau wird einer großen Zahl von Arbeitern Beschäftigung geben, Fenier schlug Dr. Ruppin die Gründung einer großen Pflänzlingsgcscllschaft vor, welche vorläufig mit den aus dem Westen kommende»! Finanzmitteln zu arbeiten fiat, aber Vorsicht, daß das auf diese Weise kulturfähig gemachte Land auch für die Emigranten aus dem Osten erreichbar bleibt, sobald sich die finanziellen Verhältnisse geregelt haben. Diskussion in die ganae ftua!t*iell* Gnmdla״* des Kulonisiti.mswc 118« schaffen, sondern nur jene Institute, welche imsUuitf 9iml, weitare Mittel für die Aufbauarbeit heianzurirhcu, Dr. Ritppim Vorschläge müssen als Ergä»tz1m״sv1>rschlüge aufgefaßt werden, welche insbesondere auf die ״egenwattige Notlage eine Antwort gehen. Herr Naiclitseh betonte, daß es nicht so wichtig sei, neue Gesellschaften zu gründe»! als vielmehr den Jüdischen NaUonalfonds zu starken, und wandte sich im übrigra gegen eine allzu große Freiheit der Privatinitiative, von der er nicht dieselben Erfolge wie Herr Goldber!- erwartet. Dr. Gold stein wies darauf hm, daß d.e gewaltige Stimmung, welche durch die pohholieu Fr• folge geschaffen wird, aus,genützt werde« muß. Auel» er hält es nicht für richtig, daß zu viele Fonds ״<- schaffen werden. Es müssen für die Werbern beit neue Kreise herangezogen werdcai. Er hofft, daß es geliugeu wird, die Ücbcrzcugtmg zu verbreiten, daß and! jene Gelder, die speziell für die jüdischen Opfer des Krieges in Osteuropa bestimmt sind, ihrem Zweck am sichersten zugeführt werden, wc»1t1 die Zukunft dieser Kriegsopfer in einem jüdisch«! Gemeinwesen in Palästina siehergesteilt wird. Dr. W c i z in a 11 u griff au dieser Stelle nüt längeren Ausführungen in die IX-hatte ein, in welchen er ausführte, daß es selbstverständlich notwendig sei« werde, an das jüdische Volk heranzutreten und ihm klar und deutlich zu sagen, daß es die «hm gebotene Gelegenheit des Aufbaus seines natioitalen Heims nur durch eine gewaltige Opferwilligkeit ausiniUeu könne. Dr. Weizmann ist sicher, daß die Begeisterung voihandc« sein wird, welche für eine derartige Aktion notwendig ist. In den .Mittelpunkt derselben wird der Jüdische N a l i o 11 a I f ein 11 s gestellt werden müssen, dessen Möglichkeiten bisher auch nicht annähernd ausgemit/t worden sind. Die beste Förderung der Arbeit wird durch die Propaganda de»־ Aktion in Palästina erfolgen. Das in Palästina geschaffeite Werk wird uns gewaltige Kräfte Zufuhren. Dr. Weizmann führte da«111 aus, in welcher Weise Ui* Leitung sich diy sofortige Inangriffnahme der Arbeit in Palästina vorstellt. Herr l)r. Katzen elson wies darauf hin, daß die Arbeit jedenfalls im großen Maßstah geleistet werden muß. Herr Dr. Haiperu erklärte•, daß jedenfalls streng zwischen finanziellen Instituten auf geschäftlicher Basis und Schenkungen unterschieden werden muß. Fonds, die durah Schenkungen entstehen, werden natürlich im weiteste«! Maße aufgebracht werde« müssen, aber darum werden grolle und gesunde Finaufiustitute ilodt notwendig sein, um auch Gelder heranz.iiziehen, die schcnkungswcisc nicht beschafft werden könnan. Herr P 0 d I i s C11 c te s k i eiklärte, daß ehe Privatinitiative nicht auf genügende Erfolge hinweiicu könne, und daß jedenfalls das Prinzip, die Privatinitiative zu kontrollieren, nicht gelockert werden dürfe. Für die Liquidierung Uer Vermögen der jüdischen ihmgrauten in Osteuropa verlangt Herr Podlisehueski che Einrichtung von I.iquidatiaiishankeu und Maßnahmen! damit die Emigranten auch Maschinen inltnehmcn können, mit deren Hilfe sic in PalästütJ produktive E!cisten»»cfl aufbauau können. Herr Dr. F c i w c l wies darauf hin, daß zwischen rentablen und unrentablen Untcrnclmmngan scharf unterschieden werden müsse. Ohne Begeisterung wird das Aufbauwerk nicht gelingen. Aber aus Begeisterung allein können unsere Pläne nicht gebaut werden. Wir brau dien geschäftlich fundierte Finanzäustitute und einen 'großen Kolonisationsfonds, welcher auf den Opfern des jüdischen Volkes beruht Anleihen si»!d nur auf Grund rentabler Werte mit gesidiertem Zinsendienst möglich. Sie haben große Finan*• instltute auf si die rer Grundlage, welche die Anleihen zu garantieren imstande sind, zur Voraussetzung. V»e! Icidht wird cs daun möglich sein, Anleihen niclit nur in jüdischen Kfeiscn unterzitbnngen. Herr Ros• ff erklärt, daß das wichtigste das konkrete Programm ftii־ die sofortige Arbeit ist. Fortsetzung der Palästinadeb'atte l»1 dw Nadiuiittagsitzimg begann die Debatte mit einer Rede von Herrn JV, U 0 d e 1111 c i in 1• r , welcher den I lauptwert darauf legte, daß der ganze Bode«, weldier für jüdische Kolomsatiousz.wccke verwendet wird, dem Jüdisdlten Nationalfonds als Eigentum verbleibt, Herr Boris Goldbcrg sprach hierauf über die Bedcititmg der Privatinitiative beim Aufhau des jüdischen Palästina, wobei er von der Ansicht ausging, daß die Privatinitiative genügenden Spielraum haben müsse, natürlich aber im Interesse der nationalen Wirtschaft bestimmten Kontrolle« unterworfen werden müsse. Herr IX Jadobson wies darauf hin, daß die von Herrn Julius Simon angedcuteten Mittel des Ausbau* und der Errichtung von Finan/instituten natürlich nicht Die Palästinadcbatte wurde Dienstag, de« 17. 11. M, vormittags, fortgesetzt. Herr Golden bei!: spra*h mit Rücksicht auf die Bedeutung der amerikanisch•.! Judenschaft für das PalästinawerU über die amerikaui• sdben Verhältnisse und speziell über die .Stellung dw «iditzionistischun Kreise, Herr Sprinzak betont•, daß mit der realen Arbeit sofort begann •n werden muß. Der Jüdische Nationnlfomls muß besonder* in der Propaganda außerordentlich gestärkt werden. Anleihe« seien möglich und notwendig. Es müsse vom Adtious-Coniite der Wunsch ausgesprochen werden, daß die Frage der Anleihe ernst zu verfolgen ist. 1>ic Zionistische Kommission muß sofort Arbeit*- tnöglkhkeiten bekommen. Der I länscrbait dürfe nicht der Privatinitiative a t! v c r t r a u t werden. Der jüdische Grund und Bode« muß dem Jüdischen Nationalfonds gehören. Der Ausbildung der sclbstarbciteiulen Bauern, resp. der jüdischen Laisdarbcitcrsrliaf! mul) die größte Unterstützung gewährt werde«, da von ihnen das nationale Werk abhä'ngt. Die Zionistische Konimission muß den Arbeitern einen größeren Platz einräumen. Herr de Li eine wünscht, daß die Leitung vollkommen einheitlich auftrctc. Für Palästina gelten dieselben ökonomischen Gesetze wie für die übrige Welt. Deswegen sind gut fonuierte reale Pläne notw«md»g, welche uns auch de»! Weltmarkt eröffnen. An- Benutzet für