Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 14 (20.2.1920)
- Date
- 1920-02-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 92 JUEDISCHE RUNDSCHAU Palästina Das Arbcilslieer Vo»1 Ernst Herrminn, Haifa. Das Problem, van dcirce»» Lösung der Aufbau des neuen!*rslastin.-i ,־iblLingt, ist die Arbeiterfrage. Viele Kapitalisten befürchten, daß der Bolschewismus di€ Geister bdicrrsclien und die Arbeiter zuir» Terror dem Unternehmertum gegen ul kt verführen wird. Manche Arbeiter haben Angst, daß ״das Kapital" bestrebt sein wird, die neue Volkswirt sei ua ft ganz auf kajxtalistisclier Basis cinzurichten, die jüdische Arbeit au sabotieren und die nrnhischr zu l)cvor/u1׳;y11. Wenn die Arbeiter einselten werden, «lall es ohne Kapital nicht geht, wenn «He Kapitalisten verhielten weiden, daß die Volksgesamt• heit kein luteres*.■ am Gedeihen von Unternehmern hat, die nicht unseren verzweifelten Massen Arbeit geben, so ist sefton manches gewonnen. Ein Wciterbauen nach dem alten System kann jetzt nicht in Frage kommen; auf einen Kampf zwischen Unternehmertum und Arbeitersdhift, auf ein unaufhörliche« Drehen der Lchnschraubc können wir uns jetzt nicht entlassen. Man würde uns sonst Vorhalten, daß Weltkrieg und Revolution spurlos an uns vonübergcgaiigen seien, daß wir niclits gelernt Und alles vergessen iiaben. Heute gilt es, luare Wege zu «ueiten. Aber wir sind ßlücklidicrwcise in der Lage, daß die Situation, in der wir uns befinden, von einem unserer Grollten vonrosgealtnt, daß unser Problem! von Gun vor 25 Jahren bereits gelöst worden Ist. Wenn wir uns sagen, daß eine Lösung nur auf Grund eines Systems erfolgen kann, das ein Maximum von Arbeitcrforderungen von vornherein bewi.ligt, 90 gibt uns Tttcodor Herzl in seinem ״Judenstaat" gleich das System selbst, und wir haben nur nötig, es auf Grund unserer hruti'en Erkenntnis auszubaucn und ar.niwcrtdcn; das System des ״A r bci tsh e crea". Es ist sidier, «laß die große Masse der Einwanderer aus — ■wenigstens für unseren Zweck —ungelernten Arbeitern bestehen wird. Wir haben während des Krieges gesellen, daß ungelernte Arbeiter bei entsprechender Anleitung schlechthin zu allem zu ge• brauchen sind. Es liegen für Anleitung ungelernter Arbeiter aller Berufe *י viele Erfahrungen in zahl• reichen Ländern — auch aus Friedenszeiten — vor, C3 stellen 90 viele schon erprobte Erfindungen auf «fiesem Gebiete zur Verfügung, daß wir gar keine Veranlassung halicn mit Klc'snimit an «he Aufgabe der Verwendung sehr großer Massen von ״unski.lcd la• bourers" heraozutreten. Sie werden Verwendung finden bei den vcrsc'iicdenartigen öffentlichen Arbeiten, die die Kolonisationsleitung übernehmen wird, den Arbeiten der Erschließung, Sanierung und Aufforstung, bei den Hafenbauten, Wegchauten und Hausbauten, bei der Schaffung von Kraftzcnfraien, Wasserwerken, Klein• bahnen, Telephon- und Tclegraphennetxcn und auf hundert anderen Ocbicten. Die Männer, die Metliodcn und die Mittel jetzt zu suchen, die zur Leitung, Anfeitung und Beschäftigung der Arbeiter bei diesem unpehetiren Werke des Aufbaus gebraucht werden, ist die Aufgabe unserer Führer, denen die gegenwärtige unfreiwillige Wartezeit vor dem Jkginn «kr .großen Wanderung hierzu willkommen sein wird. Den ״Soldaten" des Arbeitshecres soll nach dem Plane Herzis Verpflegung, Unterkunft und Bekleidung geliefert werden. Das sind drei!Punkte, mit «knen es bei unserer Arbeiterschaft in Palästina bblrcr schlecht bestellt war. Die Verpflegung taugte Zalman RublinsVy — ein büßender Apostat Von Jakob Poüeskin. Wir haben diese außerordentlich interessante Schilderung eines bewegten Lebens aus der Monats• schrift der ainciikaiMSchcn ZiouistcrifÖderatioci ״Maccabean" für die ״Jüd. Rundschau“ ins Deutsche übertragen. Der Verfasser war Arbeiter in Palästina und veröffentlicht jetzt ur hebräischer Spraclre eine Reihe von Monographie aus jener Zeit. Mehrere Jahre hindurch taten wir harte Arbeit, gingen hinter den Schiebkarren, gruben die Erde um, trugen Erdhügel ab, füllten Gräben und Rinnen aus und bauten Straßen. Wir legten das Straßennetz an und gruben die Kanalisation der Heimstätte \Tel-Awvw bei Jaffa, am Strande des Meeres. Zalman Rublinsky war der älteste Arbeiter in unserer Gruppe — sein Bart begann schon zu ergrauen. Doch war er der fröhlichste von uns allen, es» unermüdlieber Spaßmacher, ein Singvogel, ein Kerl voll lustiger Einfälle und Streiche. Zuweilen allerdings, in den Ruhe* pausen zwlsdicn unserer schweren Arbeit, wollte ihn seine fröbüdhe Laune verlassen, ln solchen Augenblicken sang er herzergreifende, kleine russische Volks- Ifcder, voll Lfeheskidenadiaft, voll untrnllicher Seit»• sudit, voll Heimweh nach den Steppen an den Ufern des Drijepr. Dann kam er unvenm'rttclt auf schmerzliche Jon» Kippur-Weisen oder klagende Gesänge der griedi33ch-orÜKxk>xc!1 Kirche. Welche Lieder immer er sang und nudt di« Art, wie er sie sang, erzählten die״ Tragödie eines Menschenlebens. Ich lehrte ilm etwas Hebräisch — nur die nötigsten Wörter, um ihn für die Stellung eines Straßenkehrers und -spritze« in der Kolonie Tel-Awlw vorzUbercrten. Dabei hatte idi Oelegcnhe’rt, der Seele dieses gojisdien Juden nähensukommen. Und n»*1 will leb erzählen, was ich — sowolil aus seinem eigenen Munde als audi von «»deren ־— über itiesen höchst sdtsaxnen Lebenslauf erfahren habe. «!tchts, «la es an Geld und Sachkenntnis, an Räumen und Geräten, lairz an allem fehlte. Wenn wir es vor• 11er rächt gewußt hätten, so hätten wir cs im Weitkriege lernen können: «kr Mensch ist, was er ißt Der schlechtcrnälirte, schwer arbeitende Mensch kann nichte leisten und muß krank werden. Ist ausreichende Verpflegung da, 90 ist die — für den Erfolg sehr wichtige — gute Laune,!«ürperliclic Leistungsfähigkeit und Aussicht auf dauernde GcumJhcit vorlumlen. Was in der Massc’iivcrpflcgung erreicht werden kann bei gutem Willen, Ehrlichkeit und etwas Ehrgeiz der Küchcnldtcr, dafür hat es im Weltkriege eklatante Beispiele gegeben. Ich verweile gerade bei dieser Frage, weil sic tatsächlich eine der wichtigsten für luncren Äuflxui ist. Unsere |»,1lä‘;tinej1'tm־he11 Aibeiler hingen zwar bisher sehr an dem■ System ihrer eigenen Arbeiterküchen, aber ich glaube in dieser Frage müssen sie einmal wider ihren Willen ״glücklich" gemacht werden. Die halb arabische, halb russische Kost, die übermäßige Bevorzugung von Tee und Brot — all das nruß au [hören und einer vernünftigen, ausrcichciKlen, nach den Erfahrungen der letzten Jahre zusammengestellten und natürlich auch dem Klima angcpallten Ernährung Platz machen und die Arbeiter werden sich wohl dabei befinden. Ebenso schlecht wie die bisherige Beköstigung in Palästina war die Unterbringung der Arbeiter. In den Stätten, aber auch in größeren Kolonien, z. B. In Pcthach Tikwah, wo einige hundert jüdisdie Lohnarbeiter beschäftigt waren, wohnten «lie meisten in sogenannten Arbeiterltoteis, die an Un auberkeit und schlechter Verpflegung ti.ts Menschenmögliche leisteten. Diese ,kleinen Hoteliers wollten ja «loch auch leben; Geld zu besseren Leistungen stand ihnen so wenig zur Verfügung, wie den Arbeitern zur Bezahlung derselben, ln Pethach Tikwah war zur Verbesserung dieses Zustandes wenigstens ein Anfang gemacht worden: das Ledigenheim des Jüdischen NationaJfonds gab einer Anzahl von Arbeitern eine bessere Unterkunft; es waren auch ein Gemeinschafts• und Speiscraum und ein Lesezimmer vorhanden. Eine radikale Lösung der Arbeitcrwolinungsfragc mußte vor «lern Kriege einfach an der Unmöglichkeit der Aufbringung der Baukosten sclicitem, denn von dem Wege der Sammlung, dein einzigen, der beschriften worden ist, kann nun nur sagen: ״dieser Weg ist kein Weg.“ Mit vielen anderen schwerwiegenden Fragen müssen wir jetzt auch <י!■;e lösen. Die Ausführung der öffentlichen Arbeite:' h das Arbeiteheer ist selbst schon eine Grund! > er Kapitalsbcschaffung. Der Bau der Arbciterun•«־ He ist eine öffentliche Arbeit allergrößten Umfan!:!, bei der viele Tausende von ungelernten Arbeitern Be chäfligung finden können. Technische Vora: beiten auf diesem Gebiete wurden übrigen« von der Palasiina-Baugesellschalt in Berlin-Halensce {geleistet, deren Leiter seit langem schon' ihre Aufmerksamkeit diesem!*robtern zugewendet laben. Was mm die Bekleidung anbelangt, so war auch das ein wunder Punkt im bisherigen Budget des palästinensischen Arbeiters. Dgr Arbeiter verdiente ein Minimum, das schlecht für Beköstigung und Unterkunft reichte; für Erneuerung der Bekleidung, b<N0nde« der Stiefel, blieb gar zu oft nichts übrig. Wenn wir auf eine freudige Anteüualimc der Arbeiterschaft an dem großen Werke der Wiederaufrichtung rechnen wollen, müssen wir auch diese Sorge von ihr nehmen und sie nicht «len vielleicht unmäßigen Forderungen der Privatindustrie und «ics Zwisciienhandels aussetzen. Auch die Herstellung der Arbeiterb.k'.eklung kann durch «las Arbeiteheer in großen Betrieben erfolgen; damit 11 יm»יו■ . tJ11 ״ 11 ״-יד י ■י■*. 1 ■י*■-’..-:״׳ 5 ״! »ffiMMMW— Sdn Vater war der einzige Jude — und ein frommer Jude — in einem kleinen Dorfe in der Nlilse der Stadt Boral kn Gouvernement!1Ottawa. Ein einsamer Jude unter lauter Gojim, lehrte er seinen Sohn Chumisch und Tcnach und erzählte ihm von Ercz Israel, wo die Juden vor langer Zeit ein eigenes Volk gewesen־waren. Aber Zalman war «las einzige jüdische Kind unter einer Menge kleiner gesunder Bauernbuben und -M-ädeln und seine Umgebung ü!>tc einen stärkere« Einfluß auf ihn aus, als ' die Jüdisdikcit seines Vaters. Er wuchs auf als ein frohherziger Junge, ein Säuger und Geiger von Ruf, cter beste Tänzer im Dorfe, wohlgelitten von den Dorfmädchen und ihren Brüden!. Als er zum Manne heranreifte, verliebte er sich in ein gesundes, fröhliches, hübsches Dorfmädcbea, Mariana, die Tochter des reichsten Bauern tm Dorfe. Das Mädchen liebte ihn und der Vater, der Zalman als einen starken, arbeitstüchtigcu Burschen kannte, hatte nichts gegen die Heirat ein- %z1fwcndett. Er versprach seinem künftigen Schwiegcrsoltn *zehn Dcsjätlncn guten Bodens und ein hübsches Haus, unter der ßodtngung, daß er in Begleitung von zwei Vornehmen des Dorfes als Paten unverzüglich zum P! ics ter gehe und «tte Taufe nehme. ln seuaer Liebe zu der schönen Mariana ־willigte Zalman ein und bekehrte sich zian gricdusch-ortiiodoxcn Glauben, ohne auf seines Vaters Widerspruch und tränen volle Bcsdiw&rungca» zu hören. Der ־fromme alte Jude hatte seinen Solm verloren, der ein Bauer unter Bauen! geworden ,war und nach Art seiner Kameraden ächte und betete. Der alte Mann konnte seine Scham und Verzweiflung nicht überleben, er starb leurze Zeit nad» Zalmans Abfall. Zu «Fan Sohne aber schaute jedermann in» Dorfe achtungsvoll empor und durch 20 Jahre wurde er von seinen Dorfkameraden als ein kluger und gütiger Bauer, als ein ״Schriftkundiger und Grammatiker“, der seine Bride ebensogut zu lesen verstand wie der Schreib» des ״Volost“, als der Berater der Gemeinde in alten Angelegenheiten, die das allgemeine Wohl betrafen; geehrt und geliebt und mit der Zeit wurde er der ״etarosU“ <& ____Nr. 14 wird fine 1m!c Industrie geschaffen, für die »o.!׳;!r gelernte Arbeiter ausreichend zur Verfügung st!•!!«■« «Ja es sich ja hierbei uns ״jüdische" Branchen handelt.’ Wenn die Soldaten des A-.b'i: Jtceres dergestalt einen großen Teil ihres Lohnes ״in natura" er• halten, fällt jeder Streit 11 in den Lolin fort, denn Ihre Existenz ist ge •Liiert. Irgendeine Aen• dertnig in der Kaufkraft des Oeldes, etwa durch auf• tretende Teuerung»» usw., trifft sie .nicht, dieser Anreiz otkr Zwang zum Anziehen der Lolnischraube fafi fort Die Leitung des Arbei :«Heeres entnimmt die Mittel den National-Anlcilien oder sonstigen öffentlichen Fo:k[s• einer etwaigen Verteuerung der Unterhaltung des Ar-’ bcitslireres steht eine entsprechende Erhöhung «L* V. r- K׳s «Irr geschaffenen Anlagen gegenüber r-wp. ‘ ’ liöhter Nutzen, den diese erbringen. Es kann dann eh Barlolm etwa in Höhe von 10 Prozent ties Wertes «1er Naturalleistungen ausgezahit werden. Herzl hat schon mit Recht «brauf hingewiesen, «laß wir «lie Verwendung der Arbeitslüsten nicht auf die Zwecke des ״Staates" zu beschränken brauchen; jeder Unternehmer, «kr sich verpflichtet, sie zu den Bedingütigen des ״Staates" und unter Aufsicht ihrer gewöhnliehen Vorgesetzten zu beschäftigen, kann sic auf bcliebige Zeit und in beliebiger Zahl bekommen. Einen gewaltigen Anreiz würde das ArbeisHcer gewlnnen und sein Erfolg erscliicne von Anfang an pesichert, wenn die Nationalisierung des Boden* durchgeführt und so die Möglichkeit gegeben sein wurde, durch den Arbeitsvertrag, den der ״Staat“ mit jeden» Arbeits901datcn abschließt, ihm Ausiedlimg nach Ablauf dbr Dienstzeit von drei Jahren zu gewährleisten. Wir würden dadurch der Arbeiterschaft etwas geben, was Ihr noch niemals irgendwo in der Welt geboten worden ist; ein Stand von ewig heim- und landlosen Lohnarbeiten» würde dann im neuen Palästina nicht existieren. Auf die Frage der Dauer des Arbeitstages, «!cs Schichtwechsels und der wissenschaftlichen Betriebsfübrung kann ich in diesem Zusammenhänge nicht eingehen; sie erfordern eine besondere Abhandlung. Die den Arbeitssoldaten zu gesicherten Vorteile sind so groß, daß es dem Arbeitsheer auch an der notwendigen Anzahl gelernter Arbeiter aller Bcrufe liieht fehlen wir«k ja es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Einrichtung dieses umfangreichen Arbeitsheeres auch einen wohltätigen Zwang zur ausreichenden Bezahlung der nicht dem ״Heere" an;:chörenden, von der Privati du!t:ic bcschäf i;tc.1 Asb.ilcr airsüben und einen angemessenen Standard of life 11er ganzen arbeitenden Klasse sichen! wird. Es ist vorgesclilagen worden, das Arbeit heer durch Einführung der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht für beide Geschlechter nuszugestalten. Jetzt nach den» Weltkriege liegt «kr Gedanke nahe, an die Stelle der militärischen Dienstpflicht der Vergangenheit, «lie te'zten Endes Zwecken der Vernichtung diente, die Pflicht für jedermann zu setzen, eine gewisse Zeit, dem Staate zu dienen und ihn» für alle Arbeiten des Aufbaues zur Verfügung zu stellen. Die Ausführung dieser Idee würde in ganz anderer Weise der Versöhnung «ler Stände, der Verwischung der Klassengegensätze, «ter Förekrung der Solidarität, der Wertschätzung der körperlichen Arbeit zugute kommen, als das auf dem Katlavergeliorsam aufgebaute, keine produktive Arbeit leistende Heer in Waffen. Wer wird nun für die Schaffung des Arbeitshecros eintreten? In erster Reihe die Arbeiter, deren Existenz durch eine solche Organisierung der nationalen Arbeit gesichert wird. Zweiten» die Unternehmer, die hier des Ortes. Seine schöne Singstimme machte ilm zu einer Stütze der Kirclre und zu einen! berühmten Psalmsängcr. Er führte ein gesundes, wohlhabendes Leben, bekam schöne Töchter und starke Söhne und seü! Reichtum an Ländereien und sein Viehstand mehrte sich, ohne daß ihn jemand beneidet oder ihm seine jüdische Geburt und Erziehung vorgeworfen hätte. ״Es ist merkwürdig," sagte er mir in einem unserer vertraulichen Gespräche, ״daß mich in «ten zwanzig wunderlichen Jahren meines Dorflcbens niemals jemand Jude oder ״neuer Christ" genannt hat. Nur Mariana, mein geliebtes Weib und die Mutier meiner Kinder, vergaß cs in den zwanzig wunderlichen Jahren unseres Ehelebcns niemals, das Kreuz vom Halse zu nehmen, wenn ich sie umarmte — damit es nicht entweiht werde . . Es geschah ün Jahre 1905, dem unglücklichsten Jahre in der Geschichte der russischen Judenheit, als die Sonne der Freiheit über unseren hingeschlachteten Volksge- *rossen aufging — ״cs geschah,“ wie Zalman mir selbst erzählte, ״in» Monat Dezember 1905, einige Tage vor Weihnachten, daß ich, der Bauer Zeliman, wie mich die Gojim im Dorfe namiten, daß Dorf für einige Tage verließ und mit meinem Schlitten in die Wälder fuhr, um für die nahenden Feiertage Brennholz zu sammeln. Bis zun! heutigen Tage ist mir diese Fahrt in «he Wähler gegenwärtig, als wäre sie gestern gewesen: der Tag war herrlich, der Himmel wolkenlos, die Luft klar und scharf und der Schnee körnig unter meinem Fuß, als ich aus dem Schlittm sprang, um mich durch Gehen zu erwärmen. Tags vorher hatte ich den des Lesens mkundigen Dorfbewohnern eine Zeitung vorgelescn, welche von den Oktobcrpagromen berichtete — von hü»;eschlachteten M.inneni, geschändeten Weibern, aus” «kn Fenstern geschleuderten kleben Kindern — von verwüsteten Häusern und geplünderte»» Geschäften und auf dem Pflaster verstreuten Einrichtungsstücken — kurz, alles über die Juden und ihr bitteres Los. Id» weiß nicht, welcher Geist über mich kam, als ich durch den Wintertag den Wildem zuschritt —- zum ersten Male seit Ä