Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 12 (13.2.1920)
- Date
- 1920-02-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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J U EDI SCH E RUNDSCHAU Vit«; ~9 Nr. 12 mdn־ I einer )»Milchen .י 1ד uns Palästina derzeit liefert. Deswegen lenkten wir in einem Rundschreiben .־in «lie Organisation die Aufmerksamkeit «ler Gesinnungsceimssen auf die dringende l.cl!rcrfra;;e. Wir traten diivkt mit dein im (ialutli bestehemlen Lehrerseminaren in Verbindung und sueliten darauf cinznwirken, uan in Seminaren trml ergänzenden Kursen Lehrer ment «tu• für die liebriiiselie Sprache, sondern h a u p t s a c 11־ lieli für «tcu Unterricht allgemeiner Fächer in liebraiscm'R Sprache vorbereitet werden. . . . Die Leitung hat die Lehrerseminare und 1-cni•;msbihlungsktirsc in Odessa, Wien, Wilna 1״ul "Ihf finanziell unterstützt und für andere die Unterstut/unj, hu I1׳ in/in beschlossen. Wir hnhen insbesondere unsere Autineiksamkeit dem P.ükwogHim in Wien zu״vwcmlH, das unter der Leitung des qiK'rrabbmers Prof. Dr. Clmies steht und «her vorzügliche Lehrkräfte verfugt, ulierdies durch die zentrale Lage Wiens und durch die Valiit’iverhiiltuisse eine größere bclmloranzalil anz.nz.ielien unsiamle ist. Unser Streben ist darauf gerichtet, vor aliem dieses Seminar so auszubnucn, daß es liebrai-. sehe Lehrer für die allgemeinen Fächer und die 11c* hräisclie Sprache selbst in so grober Zahl ausbildet, 41a!{ wir von dort sowohl Lehrer für Palästina wie <4m den nahen europäischen Osten licraubildcn können. Hebräischer Büchermarkt. Wir haben unsere spezielle Aufmerksamkeit «lern hebräischen Büchermarkt zugewendet. Dureli Bemachrichtig um־׳ unserer Presse über neu erschienene hebräische Biiehe'r haben wir an ihrer Verbreitung mitzuwirken gesoehl. Dies gilt natürlich besonders von palästiiieusivlien Büchern. In vielen Fällen sind wir hebräischem <huppen und Vereinen durch Bücherschenkungen zu Hilfe gekommen. Die Vnhitaverhültnisse erschweren die Verbreitung hebräischer Bücher. Wir werden, wenn diese Verhältnisse andauern, dafür Sorge tragen müssen, daß wenigstens die wichtigsten Neuerscheinungen für die Länder mit niedriger Valuta in Neudrucken besonders angelegt werden. Die gesamte Kulturarbeit zeigt die Notwendigkeit intensiver Zusammenarbeit zwischen allen üaluthländern. Das Departement für Erziehung und Kultur liat daher sofort nach seiner Begründung in einem Rimdschreilx-ii die Organisationen aufgefordert, ähnliche •Stellen für Kulturarbeit in allen Ländern cinzuriditen. Diesem k’iil sind die meisten Organisationen gefolgt. Diese Kiilturdepartements der einzelnen Landes-Ürgnmvitiüiien müssen sich zu Zentren entwickeln, die das palästinensische Judentum mit dem geistigen Leben aller Linder insbesondere dem jüdischen in innigen Kontakt bringen. Sie müssen die Stellen sein, von denen aus der Strom der geistigen Entwicklung aller Volker und Länder nach Palästina gelenkt wird tu Kl die ihrerseits bereit sind die neue hebräische Kultur aus ihrem Zentrum in die ganze Peripherie des jüdischen Volkes zu tragen. 10 Milionen Dollar für Palästina Die Campagne für den Rcstoralion Fonds in Amerika. Die amerikanischen Zionisten haben am iä. Januar ihre Campagne eröffnet, um einen Ponds von 10 .Millionen Dollar für den Aufbau Palästinas zu snm- •nein. Au Juden und Nichtjuden wurde ein Appell zur Mithilfe gerichtet. Alle Kräfte, die in den Voreinigten Staaten vorhanden sind, werden für diese Aktion inolii! gemacht werden, die unter Leitung des Richters (,!!tun .M a c k steJi!. Am 2. Januar fand eine Besprechung von Richter Mack und Stefan Wisc mit emigcn R e f o r 111 r a b b i n e r n statt, um deren Mit- Wirkung für die Aktion zu erhalten. Mehrere der Anwesenden verpflichteten sieh zu eifriger Mitarbeit. Die Jugend und die cclite jüdische Volksgemeinschaft Von Dr. Oilcar Epstein, Prag. Wir können der jüdischen Jugendbewegung nur dadurch freie Balm schaffen, daß wir zähe und unablässig, «las Leben jedes einzelnen Volksgliedes von der II c rr- c h a f t des E r vv e r b s z w a n g e s befreien. Freiheit vom Erwerbs zwang ist noch nicht Jugendlichkeit, sie ist aber ihre unentbchrlidie Voraussetzung. Denn was als Gegenpol der Jugendlichkeit empfunden wird, das können wir am treffendsten als ״Zweckbcscssenheit'1 bezeichnen. Die «iborfliichliehstc und zugleich sehr populäre Auffassung von Jugendlichkeit, die in der Poesie des deutschen Stiulcnteiitums ziun Ausdruck kommt, zeigt diese Tatsache ebenso deutlich w׳ie jede tiefgriindig'c Untersuchung des jugendlichen Wesens, Und wenn wir untersuchen wollen, wodurch die Jugendlichkeit, die wir austreben, sich von der des 'deutschen Studenten• tums (ich nichie damit die Poesie der Burschenschaften und farbeuüageudcn Verbindungen) unterscheiden soll, so ist cs der Wegfall der Beschränkung auf eine bc* stimmte Altersklasse. L>as ganze Leben des Judentums im Schoße Europas ist durch die Ablehnung der europäischen Dualität charakterisiert. Diese Dualität besteht noch augenfälliger als in der scharfen Scheidung von Jugend und Erwadisenen in der scharfen Scheidung zwischen Geist und Wirklichkeit. Es gibt praktische Grundsätze und geistige Grundsätze, die miteinander nicht viel?u tun haben. So dachte Europa immer, denkt es noch heute. Nur so ist Ordnung tu der Welt zu schaffen. ״Es gibt ein Zugängliches und ein Unzugängliches; das bedenke man wohl und habe Respekt/‘ So meint Goethe in den Ge* sprächen mit Eckermann. Europa hatte Respekt und bannte das ״Unzugängliche“ in bestimmte Häuser oder in bestimmte Stunden, während welcher Glocken läuten. So blieb das ״Zugängliche“ in bester Ordnung und konnte immer höher organisiert werden, so daß inan es bis zum lenkbaren Luftschiff und zur drahtlosen Telegraphie brachte. Unsere Vorfahren hatten aber keinen solchen ״Respekt“ und lehnten daher Europa ab. Bei unserer |x>liti$chen Lage unfähig, einerseits unserer gegensätzlichen Auffassung, ״Das Recht durchbohre den Berg!" greifbaren, positiven Ausdruck in der Wirklichiccit zu schaffen und unserer Ableimung der europäischen Lebcusanscliauung andererseits, entstand jene Resignation, die wir Assimilation nennen und die zunächst glaubte, ihre innere Kampfstellung gegen Europa aufgeben zu können, ohne ein Teil von Europa zu werden. Heute ist der Traum dieser Resignation wohl zu Ende. Und mm kommt eine neue Art von Resignation. Diese will mit Europa auf folgender Grundlage Frieden schließe״: Für uns gibt es kein Unzugängliches; für uns steht an der Steile des Jenseits die ״kommende Welt“. Aber wir wollen diese Uebcrzcugting nur in einem Lebensgebietc durchsetzen, wo sic nicht allzusehr stört, innerhalb jener Mitglieder der Gesellschaft, welche am praktischen Lehen ohnehin nicht Anteil nehmen, innerhalb der Jugend. Es fehlt aber «las Vertrauen zwischen «len vertragschließenden Teilen und es muß fehlen. Denn entweder wird die Jugend das ״Unzugängliche“ nur soweit tu den Kreis ihres Lebens ziehen, als es die Schei- «Iung der ״praktisch“ tätigen Mitglieder zwischen Zugängliehem imil Unzugänglichem gestattet, oder ist die Jugend der Beginn der Zerstörung jener Grenze über- Momentbilder aus Mesopotamien N 1 s i I» i 11, die erste gröfiere Etappe auf der Strecke Ras el Ain nach Mossiil. Uralte jtidensiedlung. Eigentlich •*«•stellt es nur aus einer großen Bazarstraße mitten in der Steppe, der Einkanfsplatz der umwohnenden Be- «turnen. Ich besuchte den üenieinilevorstelier und wurde von seinem Sohn mitten in Asien jidisch augcredcL Er hatte es in Jerusalem im Krankenhaus gelernt. Ml jüdisch«• Familien wohnen liier. Die schöne alte Synagoge ist neu aufgefiisdit worden. Während rings um N'isiliin die Christendörfer dem Erdboden glcieligemaelit worden sind, hat kein Mensel» ihnen etwas zuleide getan. Der Basdieliadiam bewirtete mich. Frische grüne Gurken, gebackene t *sch«' und Raki, der scharfe Eingeborenen-Arak. Mos sul, größeic Judengemeinde. Naeli Schätzung <>000 Seelen, aller arm mul verkommen. Der llauptteil lebt vom l’antofl'elflieken, einige wenige sind Kaufleute «xler Goldschmiede. Sie sind ganz nrabisiert. Aber jeder kleine Stiefelputzer spricht französisch. Die schöne Allianccschulc mit ihrem außerordentlich tüchtigen Leiter '.inss'm! bedeutet in Mossut einen Kulturfaktor, «ler gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Sassmi Eff. ist der Kopf der Gemeinde, ohne ihn hätte sieh wollt im Krie:;c jeder Verband gelöst. iu ihren Sitten und Gebräuellen stehen sie auf einer sehr tiefen Stufe und sind mit «len fortgeschrittenen Bagdader Juden «lieht zu vergleichen. Die schlimmsten Sitten sind noch im Gebrauch, die auch bei «len Arabern und Kurilen gewöhnlich' sind. 'Die alte iialbunterirdisthe Synagoge soll aus dem Jahre 70 n. (dir. stammen, ein kleiner Bau aus grauem Mossulmarmor. Unter ihr befindet sich eine kleine Grab- | kammer, in der der Prophet Eli von Zeit zu Zeit er- ן scheinen soll. Ein altes Treppenbad, welches bis zum ürundwasser führt, soll aus derselben Zeit stammen, j Außer diesen beiden Bauwerken gibt cs noch eine neuere ן moderne Synagoge. Alte Bücher und Thorarollen waren * nicht vorhanden. Die ganze Gemeinde macht einen sehr verkommenen Eindruck. Die jüngere Generation läßt jedoch besseres hot'ieii und «lie Arbeit Sassuus, der im Kriege Mossul verlassen mußte, wird nicht verloren sein. Aut meiner Reise nach Kurdistan traf ich fast in jeder größeren Stadt Juden, die alle behaupteten, hier schon seit der grollen Verschleppung zu sitzen. Aber alle «lies«• Slädte siml gestorben und mit ihnen der Geist der Bewohner. Als Kaufleute,! faiuiwerker und Goldschmiede bringen sie sich kümmerlich durch. Ihre soziale Stellung ist sehr tief. Trotzdem werden sie kaum mißhandelt. Iu Erbil, Kerkuk, Kifri befinden sieb kleine Gemeinden, ebenso an «ler persischen Grenze iu Suleiinanie, wo alle Silberschmiede Juden sind. Hier int Gebirge machen sie einen besseren, gesumlen Eindruck. Sie siml meistens wohlhabend. Bei ihnen war ich lange Zeit.- Ich habe ilort eine grolle Sammlung Silbersaclicn zusamnieiigcbradit, «lie von diesen Silhcrschinicdcn.nngcfertigt worden sind. Eine andere;׳rolle Jtidensiedlung befindet sich in Za eil o im Norden von Mossul. East der ganze Markt he findet sich in «len Händen der Juden, die noch ein Gewerbe vollständig beherrschen. Sic sind Flößer und bringen «lie uralten Keleks oder Hammelliäuteflößc bis nach Mo>sui. Aber auch sie haben unter der großen Hungersnot sehr gelitten. Alle diese Gemeinden stehen kulturell auf einer sehr tiefen Stufe. Ich bin jedoch überzeugt, daß Schulen, Acrzte und Freiheit «Ins soziale Niveau sehr schnell liebeu vverilcn. Ich habe manche der jüngeren Leute «Ire* Jahre lang beobachtet und war erstaunt über ihre Entwicklungsfähigkeit. Die Kinder dieser Generation werden unsere Hoffnung sein. Die große jüdische Gemeinde Bagdads steht an der Spitze. Schon vor dem Einmarsch der Engländer bildete sie das kulturell wichtigste Element Der Großliandel war in ihren Händen. Heute sintt sic die führenden Leute in Bagdad. Diese 50000 Juden werden noch einmal von großer Bedeutung für uns werden und von dort aus werden die alten Gemeinden an der Bahnstrecke Blutauffrischung bekommen. Paul Borchardt. tvitfpt. Ist al>er «ly» ־zweite der Fall, «kamt tun «vir nur den Schritt, den miserc Vorfahren nicht zu bin wagten: wir vcrwiiklieheu unsere Lebcnsaiischauung schrankenk>s in der Wirklichkeit Dann brauchen tuid können w'rr aber keine Rücksicht auf «lie Anstauungen Europas zu nehmen, denn unsere verwirklichte Lelx*nsa11sd1auu11g wird sieh nicht nur dtirdi ihre Existenz die Achtung Europas gewinnen, sondern für dieses geradezu dm Rettung aus seiner furchtbarsten Krise bedeuten. Vorläufig aber hat die Anschauung, daß man die Befreiung von der Zweckbcssesscuheit auf «lie Jugend beschränken könne, zu argen Schwierigkeiten in der jüdischen Jugendbewegung selbst geführt. Es hat sich gezeigt, daß die Jugendlichkeit wirklich außiörte, sobald ein bestimmtes Lebensalter vorbei war. Da hat sich «lie Resignation eingestellt, von der wir eben sprachen. Die jüdische Jugend dachte da.l>ei nicht an Europa, aber Europa dachte in ihr, ohne daß sic es wußte. Sobald der Mensch etwa 25 Jahre alt wird, wird er notwendigerweise zum ״Philister“. So «lachte man und wollte sich damit zufrieden geben. Aber 1-s zeigte sich das Merkwürdige, oder nach unseren vorstehenden Ausführungen das Selbstverständliche. Währcntl in den deutschen Burschenschaften diese Uehcrzcn* gtmg wenigstens äußerlich zu einer Stärkung tler Bewegung führt«', droht sie innerhalb des Judentums das Grab •der Jugendbewegung zu werden. Daß die AltmitgUeder der Jugendvcrbände den Gegensatz der Lebens- .־inschnuungen dieser zu den allgemeinen nicht bewahrten, führte zu einer geringeren Einschätzung der jugendlichen Grundsätze. Es sank die Werbekraft. Und ich glaube, daß die bewußten Glietier der Jugendbewegung mir zugeben werden, daß es die stärkste Belebung dor Jugendbewegung bedeuten würde, wenn die Altmitglieder der Jugendbünde an fangen würden, in der Mehrzahl die Grundsätze der Jugendbünde weiter treu zu bewahren. Vielleicht werden es einzelne Mitglieder der Jugendbewegung für wichtig genug erachten, gerade zu diesc'r meiner Behauptung Stellung zu nehmen. Und wenn sie «lie praktischen Fälle untersuchen werden, die typisch für die Verringerung der Werbekraft innerhalb der Jugendbewegimg sind, so werden sie finden, daß die Hauptrolle der instinktive Niederschlag der Erkcmittiis spielt, daß unter den Voraussetzungen der Jugendbewegung• die physische Jugendlichkeit, von der B. Siegfried Berufe Id spricht, weit weniger entscheidend ist als die Tatsaclu‘, daß deren Trägern die materiellen Vorbcdingungen ihres Lebens auf Koste» anderer zur Verfüg ui 1g gestellt werden. Es ist aber klar, daß man gegen einen Feind, von ilcssen äußerem Wohlergehen die eigene Existenz abhängt, nicht mit dem nötigen Ela« zu bekämpfen vermag. Di strömen dann auch wenig Rekruten zu. Ein Teil der jüdischen Jugend hat nun einen Ausweg gefunden, der, wie ich glaube, nur eine neue Resignation bedeutet. Diese Glieder der Jugendbewegung sehen ein, «laß die ״Zweckbesessenheit“ der jüdischen Menschen etwa nach dem 23. Lebcnsjalire nicht einfach physisch erklärt werden kann, weil ja in diesem Falle die Tatsache gar nicht so «!rückend wirken könnte. Sic sagen also: Nicht die physische Grundlage des größten Teiles» unseres Volkes ist s-chuid an seiner Zweckbcsessenheit und Ungeistigkeit, sondern die Galuth. Nur in Palästina können wir das wahre Leben verwirklichen. Siegfried Bern f cid hat in seinem Huche über ״Das jüdische Volk* und seine Jugend‘‘ diese Richtung der Jugendbewegung vernichtend beurteilt (ohne es freilich aiuustreben), dem» Literarische Mitteilungen Jakob Seifensieder, ״Gabriel Ricsser. Ein deutscher Mautt jüdischen Glaubens.“ J. Kaufmann Verlag, Frankfurt a. M. 1Ü20. 10 M. Luxusausgabe 20 M., zuzüglich 20 1,,!ו Teuerungszusdilag. — In welchem Geist diese Riesscr-Biographie geschrieben ist, geht aus einem Satz der Einleitung hervor, Ricsser sei ״ein zweiter Moses (!), der seinen Glaubensbrüderu den Weg ins gelobte Land der bürgerlichen Gleichberechtigung wies־*. — Der Schlußsatz des Buches aber sagt vorsichtiger: ״Mutter Germania durfte trauend ihr Haupt verhüllen, sie hatte einen ihrer besten und treuesten Söhne verloren.“ Zweiter Moses — Mutter Germania — die. Superlative vertragen sich sehr gut. Was dazwischen liegt, kann inan sich denken. Es ist die übliche liberale Lobrcdcrei, als kontrapunktisclie Begleitung zu einer referierenden Darstellung des Lebens und der politisch«» Tätigkeit Oebriel Riesscrs; die Tatsachen sind an sich recht interessant, sie geben aber einen bemerkenswerten Einblick in die Geistesarmut und Flachheit dieses an sich notwendigen politischen E1nanzipati011sk.inipfes, «ler keineswegs als ein Höhepunkt jüdischer Entwicklung glorifiziert zu werden verdiente. Die Persönlichkeit Gabriel Riessürs ist dabei sicherlich von einer gewissen Größe. Seine Mannhaftigkeit, sein Gefühl für Ehre und Recht, seine leidenschaftliche Verurteilung der Taufe und des Abfalls vom Judentum, diese Moment«• lassen ihn noch harte als kämpferische, idealistische Gestalt schätzen; seine edle trnd freie Gesinnung werden auch von denjenigen anerkannt, die den Inhalt seiner politischen Tätigkeit und «lie Art seiner das Wesen dos Judentums grümilidi verkennenden Polemik für vorfehlt erkennen. Sachlich haben uns Riesscrs Schriften nichts mehr zu sagen; wir vermissen darin jtxles Vorständnis ties Judentums und des jüiiisclicn Schicksals, jede tiefere Einsicht in geschichtliche Zusammenhänge; nur diejenigen, die noch heute meinen, mit Apologetik und Selbstentäußerung das Judentum retten zu können, wer- «len die schal gewordenen Argumente, die zu seiner Zeit noch etwas Leben und Schwung hatten, heute aufwärmen wollen. Das Leben Riessers deckt immerhin eine interessante Epoche in der Entwicklung des «leut* sehen Judentums; um ihm gerecht zu werden müßte es einer von hohen historischen Gesichtspunkten iresehenen und die psychologischen Motive berücksich*- tigenden, die sozta^sychologischen Momente genetisch