Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 5 (20.1.1920)
- Date
- 1920-01-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 31 1! rtckita: >*ן (!'<־;.; luul!ן! flUKivr. tii’U.i'c׳() »eh tn limtncn!1 ח tkcriin; er.!!״ bering Vorticil, wen!«) uiito e. J > e Amen- W, nN die cs aupit’1. Nach- . d v!1 - eni/ciß die n, da׳ sieten,! 1111• bnpcu v.'ll-׳; t luul fil d;c Türkei 1 e 1)11 Juixli- C ein- Ch.ii te jeder Viril- , La- T die laupt- , n■■!- Juden ■11 in :1־ ist klung noch; ־■! r!1 t ן f i j < ו 1 » t «ßert pcIic , misinen! * .»iijt• ‘! 1 Jo v 1 V4T- % Inig, h .u.. '1 fiten dk'ki. 1J1 t X ■חי-יו! ־11׳ l jöbe r י.י*11זי jE/uc feine cim- ־1 111• >!ks- Varhrvr te n K* (nie,; I ftel- (uitj.: frier »die der den du־ den Ueti;c 11 des 1/11• ii ־ »I e ius■ »oll •n: fl't ־di ״״ ul- Nr. 5 JUEDISCME RUNDSCHAU tvpus, der auf Studium des J ud eittum 9, und einen Typus, der auf Bibel- und Antikestudium beruht. e) Wo die Unterrichtssprache polnisch *st, müssen mindestens a c 111 Wo dien stunden dem ] u dischcn Lehrstoff gewidmet sein. f) An der Spit/c einer jüdischen Mittelschule uau nur ctu N a t i o 11 a 1 j u d c stehen. Kenntnis der juatsenen Kultur und der hebräischen Sprache ist für den Lener ol1|i!;:1tn1 Keil. . , , . . An der Konferenz nahmen 100 Lehier 'ind J־ ' 1/rinnen von 3b jüdischen Gymnasien und Kcaiscti Polen, Galizien und Litauen teil. Ls wun. fltc'..... visorische Leitung aus 21 Mitgliedern gr1..-'׳h!t d11r Ur. Braudc-Lodz, Prof. Ba l׳'‘>>a׳<!, ״'• s '111 11?" und andere prominente Pcrsönhehkeitcci. N.uh A sarheitung eines Statuts wird der ״Bund der judischui Mittelschulen Polens'1 die Legalisation seitens dci Ktgierung erstreben. Jüdische Stadtverordneten-Konferenz. Die auf die Initiative 41er Zionistischen Organisation cinbcrufcuc Kon־^ icrenz. der jüdischen Stadtverordneten in Polen fand in Warschau am 30. Dezember und den darauf folgenden Tagen statt• Trotz der Sabotage der Volkisten, die eine eigene Stadtverordneten-Konferenz inszenierten und trotz der passiven Resistenz seitens der linken Parteien, wurde die Konferenz gut beschickt. Ls erschienen 132 Delegierte aus 8/ Städten, darunter Cö Zionisten, 33 Misrachist en, 10 Unparteiische, 9 Handwerkerbiindler und 5 Zeirc-Zion. Die Konferenz unter dem Vorsitze des Abgeordneten Grün bau 111 brachte nach den offiziellen Begrüßungen interessante Referate aus den einzelnen Städten, welche eine Menge Material Ihr die Willkür gegen die Juden und ihre Vertreter in den Gemeinden enthalten, unter anderem die bemerkenswerte Tatsache, dail die Gemeinderäte in einzelnen Städten die Gewohnheit haben, stets mit Pogromen zu drohen, wenn es gilt, den Widerstand ihrer jüdischen Kollegen gegen antijüdische Mallnalimen zu brechen. Ein grundlegendes Referat über die R! c h 11 i n i e n d e r j ü d 1 s c h e n P o - litlk in den Gemeindevertretungen (Abg. Hartglas) leitete die politischen Beratungen ein, in welche auf die Bedeutung der Stadträte für die Approvisiouierung, für Oie Schuli'ragen, Spitalshilfe usw.!angewiesen wurde. Ingenieur Russak wies auf das spezielle Tätigkrusgebiet in der Wohnungsfrage, der öffentlichen Wohl• fahnsaiist,■dtcii und in den kulturellen und Blldungsfragen hin. 111 einem und dem folgenden Referate des Herrn II eil mann (Lodz) wurde auf die Notwendigkeit des wirtschaftlichen und politischen Zus a in 111 e 11 s e 111 u s s e s der jüdischen Parteien in den < icmviiideräten hingewiesen. Es folgten Spezialreferate über die Finanz-, Wohnungs-, Sanitäts- und ApproviMtmierungsf ragen. Die ziemlich gründlich und mit Sachkenntnis hehandelten t ragen wurden in der Diskussion eingehend besprochen. Die Konferenz gipfelte in dem Besehhili, eine2 ״Iglfedrigeii Zentral rat der jüdischen Gemriiiihratc Polens zu wählen, in welchem Warschau mit zehn I •elegierten vertreten ist. Der Zciitralrat, der in Arbeitsgemeinschaft mit dem jüdischen Nationalrat treten soll, isi beauftragt, au alle jüdischen Parteien Polens herauzutreten, damit sie in ihn ihre Vertreter entsende״. — Die Konferenz ist jedenfalls, wenn .sie auch nur als ״Rumpfparlament“ zu betrachten ist, ein guter Anfang für eine auf der Grundlage der wirtschädlichen, kulturellen und politischen, judennöte notwendige Konsolidierung der jüdischen Parteien Polens. Diese muH kommen, soll das Judentum in Polen fähig sein, sich gegen die Ausrottungspolitik zu wehren. Die Initiative dazu gegeben zu haben, ist ein Verdienst der zionistische״ Organisation Polens. Palästina Ankunft Klausners und Glücksolms Der Dampfer ״Rußland“, der an Bord über M)0 Juden aus Odessa mit sich führte, ist am Mittwoch Abend, den 17. Dez., in Jaffa angelangt. Die Reisenden konnten jedoch bis zum Freitag Morgen nicht an Land gehen weil das Meer gerade in _ jenen Tagen sehr stürmisch war und die kleinen Schiffe das Meer nicht befahren konnten. Freitag Morgen, als die Wellen des Meers sieh gelegt hatten, war das jüdische Schiff, auf dem die blau-weiße Fahne mit dem Magen David wehte, das erste, das sich dem ״Rußland“ näherte, um die ungeduldig erwarteten Gäste aufzunehnieii. Trotz des Unwetters wurden die Ankommenden von einer großen Menge erwartet, die zu ihrer Begrüßung gckommen war. Die jüdischen Pfadfinder hatten es überiionnnen, dafür Sorge zu tragen, daß bei der Ausschiffung und Ausladung die Ordnung aufreefit erhalten bleibe. Unter den Angekommenen befindet sich der bekannte jüdisclic Schriftsteller Dr. Klausner und Frau und das Mitglied des Odessacr Waads für Palästina, Dr. M. Gluck soh 11 mit Familie. Der Ankunft Dr. Klausners und Gliicksohns nach Palästina widmet ״Haaretz“ einen Begrüßungsartikel. Neue Vercinigungsbcstrcbungcn in der Arbeiter- *cliaft. Josef Trumpeldor, der Organisator der russischen Chaluzbewcgung, der jetzt in Palästina weilt, richtet einen Aufruf an die palästinensische Arbeiterschaff, in welchem er zu einer Vereinigung auffordcrl. Diese Vereinigung soll unpolitischen Charakter haben, die einzelnen Arbeiterparteien sollen daneben bestehen bleiben und sollen in einen gemeinsamen Ausschuß Delegierte nach dein ProportionaHtätensystem entsenden. Es würde sich also bei dem Vorschlag lediglieh um Schäftung einer Arbeitsgemeinschaft handeln, die auch von anderen Seiten oercits angestrebt wurde. ״Hapod-Hazair“ steht diesem Voischlag svmpathisch gegenüber. Im Leitartikel der Nummer 10 vom 18 Dezember spricht er sich für eine Arbeitsgcmeinscliaft aus, sofern diese den gemeinsamen Interessen der Arbeiter dienen sollen, jedoch nicht eine Verwischurig der wesentdeten Parteigrundsätze fordert, wie dies gelegentlich der Gründung der ״Achduth haawodah“ gssehah. Luden Woiff und Stuart Samuel treten In das jüdische DeleßatiouskomUcc ein. Wie schon gemeldet, hat sich Sir Stuart Samuel kürzlich für eine Beteiligung des Board of Deputies au dem Komitee der jüdischen Delega• tkmen bei der Friedenskonferenz ausgesprochen. Aus Lomluu wird mm bcrichiel, daß die diesbezüglichen Verhandlungen einen günstigen Verlauf nehmen und daß Sir Stuart Samuel und Lucien Woiff in die Delegation cintrctcn dürften. (Stuart Samuel, der Chef der englischen Kommission zum Studium der Judenfrage Nn Polen, ist der Bruder Herbert Samuels.) Die Ostjudenfrage. Der Artikel Professor Albert Einsteins hat in eler gesamten Oeffcntlichkeit cüien großen Eindruck gemacht. Die Presse hat beinahe ausnahmslos Von ihm Notiz genommen, und zwar je nach ihrer Parteirichtung für oder gegen. Auch die gesamte jüdische!,resse bringt aushihrliche Zitate oder Vollahdruck des Artikels, um anzudeuten, daß das deutsche Judentum sich mit den mutigen Worten Professor Einsteins identifiziert. Interessant ist übrigens, daß der Aufsatz auch außerhalb Deutschlands Beachtung gefunden hat. So z. B. bringen die ״Närodril Listy" in Prag, das führende tschechische Blatt, eine austührliclie Wiedergabe des Artikels. Audi uic englische Presse hat von Einsteins Aeulicruugen Notiz genommen. Eine französisch-katholische Mission in Palästina. Frankreich hat eine Mission nadi Palästina entsandt. Die Mission, der Kardinal Dubois und zwei Bischöfe angeboren, ist bereits in Jaffa cingetroffcn. ln Gegenwart der englischen Behörden hat die Mission ihren feierlichen Eiu/u״ in Jerusalem gelullten. Aus der Wiener Kultusgcmeinde. Wie wir einem Bericht der ״Wiener Morgcnzeitung“ entnehmen, kam es jüngst während einer Plenarsitzung des Wiener israelitischen Kultusvorstandcs zu großen Skandal- Szenen. Eine gleichzeitig mit der Vorstandssitzung ahgehallcnc Versammlung der Ku Itusbcam te n forderte den sofortigen Empfang einer Deputation zwecks UebcrrcH'hinm der wirtschaftlichen Forderungen der Beamtenschaft. Das Präsidium lehnte diese Forderung ab, wurde jedoch vom Plenum überstimmt, so daß die Deputation im Plenum erscheinen konnte. Die Verhandlungen führte der Vizepräsident Dr. Wilhelm Pappenli eim in einer so verletzenden und über* lieblichen Weise, daß die Beamtenschaft ihrem Unmut offen Ausdruck gab und sich zu lebhaften Protestrufen hiureißen ließ, worauf cs zu einem tumultuösen Skandal kam, der erst durch Auflösung der Sitzung sein Ende fand. Dr. Pappenheim hat daraufhin seine IX'inission gegeben, die “auch von der nächsten Plenarsitzung angenommen wurde. Dr. Pappeiihehn war bi-dier der eigentliche Leiter ׳und sniritus rcetor der Gemeinde* Verwaltung, Er ,war nicht nur extremer Gegner des Zionismus, sondern 'er kämpfte auch gegen jede demokritische ' Regung in der Gemeinde mit ganz mittelalicrlichcn Mitteln, ohne sich in dieser Auflassung auch durch die allgemeinen ]xditisdtcii Umwälzungen erschütten! zu lassen. Während der Wahlreformdebatte war er der Wortführer der reaktionärsten Gruppe. Die Zionisten haben vergeblich versucht, seinen Verderb* liehen Einfluß zu bekämpfen. Nun er durch die Folgen seiner Handlungsweise gestürzt wurde, verliert die Gemeinile ihre leitende Persönlichkeit und es ist zu hoffen, daß dieser Umstand zu einer Beschleunigung der Neuwählen beitragen wird. Hebräische Lclirerkonferenz In Kowno. Aus dem Bedürfnis, das hebräische Schulwesen durch Organisierung der Lehrerschaft einheitlich zu gestalten, erfolgte die Einberufung einer Konferenz, die ain 30. und 31. i>ezember in Kowno abgchaltcn wurde. Eine Fülle von ן Fragen theoretischer ׳und praktischer Art beschäftigte 1 die Tagung. Besonders heftig wurden die f liesen ׳.!es i Referats von Dr. Robinson debattiert, der davon aus-; ging, der Chedcr sei tot und an seiner Stelle ״eite es, I eine weltliche Erziehung zu schaffen, die auf die Stählung 1 des nationalen Willens und nicht der religiösen Resigiiation gerichtet ist. Mit großem Interesse und bc- I geisterten! Beifall wurden die wissensehaftlich-didakiii sehen Referate von Dr. S o 1 o w e i t s c h i k (Minister 1 für jüdische Angelegenheiten in Litauen) über Bibel-! unterricht und \on Herrn F r a n k - Wirhalleo über Ge- | s c 11 i c lt t s unterricht aufgenommen. Die Konferenz ׳ nahm die vorgeschlagcncn Statuten einer Lelircrorgaoij satiou für Litauen an, die auch Nichtlehrer umfaßt, j die das hebräische Kulturwesen fördern. Als die nachsten Aufgaben der Lehrerzentrale stellte die Konferenz, nach dem Referate von Herrn Rosensohn, folgendes auf: Eröffnung eines Lehrerseminars, Organisierung aller hebraistischeit Kräfte und Herausgabe von Lehrbücher״. Befreiung der internierten Juden Ostgaliziens. Der polnische Ministerrat hat die Befreiung der ostgalizischcn Internierten beschlossen. Die Befreite״ werden in ihre llcitna(gemeinden entlassen und gegebenenfalls dort noch koniiniert. (Die Befreiung der ganz utige-!•׳echtfertigt und ohne gerichtliches Verfahren interinerten naiionaijüdischen Führer, die monatelang gefange״ gclultcn und den größten Schikanen ausgesetzt waren, war seit langem eine dringende Forderung der gesamten jüdischen Oeffcntlichkeit A. d. R.) Eine englische Organisation zum Schutz der Ostjuden wurde am 13. Dezember In London begründet. Es sprachen Boris Goldberg, Dr. Saikind, Go Id st ein. Jo ch e 1 m a n n. ״Mosaische und Zionisten“, Der Berner ״Bund“ veröffentlicht anläßlich der bevorstehenden ScWeizer Volkszählung eine Uebcrsicht der in der Schweiz vertretenen Konfessionen mit ihren Nuancen. Nach Auf- Zahlung der protestantischen und katholischen Gmppen heißt es dort: ״Unter den Israeliten gibt es Mosaische und Zionistcn.“ — Das Blatt, das über das Wesen des Zionismus nicht sehr ausreichend informiert zu sein scheint, hat in seiner drolligen Naivität doch eine gute Charakteristik gegeben. Wenn sie auch nicht gerade in die Statistik der Konfessionen gehört. Zionistische Bewegung ' Eine notwendige Klarstellung Max Nordau ist kürzlich nach London gekommen, um zum erstenmal seit Bestand der zionistischeu Organisation aktiv an der Leitung der Bewegung teilziuieluncii. ln London ist ihm Gelegenheit ge 00 teil worden, in die Lm/elhciteii der /mm׳,tischen Aihcit l.mbhtk zu nehmen, und er selbst hat wiederholt Woitc höchster Anerkennung und Bewunderung für das Geleistete und für das Erreichte geäußert. Bekanntlich hat Nordau seit dem zehnten Kongreß, seit Wolifsohns Rücktritt, eine gewisse Zurückhaltung bewahrt; er gchörte zu jenen, die in der notwendigen Entwickln״״ des Zionismus zur Berliner Phase ein Abwcichcn von den ursprünglichen Zielen lierzls argwöhnten. Dieses gewisse Mißtrauen war das charakteristische Verhalten all jener Männer, die in der ersten Phase des Zionismus tätig waren; cs wurde mitSchlagwortcn wie ״politischer“ gegen ״praktischen“ Zionismus, Abwehr ״chowewezionistischer“ Einflüsse usw. charakterisiert, die seit dem Wiener Kongreß eigentlich jede Aktualität eingebüßt haben. Erst gegen Ende des Krieges, als durch die Deklaration Baitours ein ungeahnter Aufschwung der zionistischen Chancen cingctrctcn war, machte sicit die alte Opposition wieder bemerkbar; die abgetallenen Territorialistcn unter Zangwills Führung kehrten ins zionistische Lager zurück, die alten ״Politiker“ Cowen, Ureeiiberg, Marmorck usw., die allerdings wctiig zu dem erzielten politischen Erfolg beigetragen hatten, traten wieder hervor, und wiederholt kam cs in London zu Diskussionen, bei denen gegen Weizinann und Sokolow vor allem der .Vorwurf erhoben wurde, daß sie die zionistischen Forderungen ungebührlich heruntergeschraubt und statt des Judenstaates nur eine ״Heim- Stätte“ verlangt haben. Diese Gruppe begrüßte das Erscheinen Nordaus in London und ei hoffte von ihm Unterstützung in ihrem Kampf gegen die Leitung. Nordau selbst hat kurz vorher in einem Brief an die Jerusalemer ׳?Chadschoth liaarcz“ in dasselbe Horn gcstoßen und die Leitung der Preisgabedes wesentlichsten zionistischen Programmpunktes angektagt. Die gesamte zionistische Oefientlichkeit erwartete von Nordaus Ankunft in London eine Klärung. Leider ist diese Klärung bisher nicht erfolgt, vielmehr wird die Situation immer verwickelter. Nordau hat auf der einen Seite zwar öffentlich in Interviews und bei anderen Gelegenheiten hochtönende Lobreden gehalten, gleichzeitig aber in der jiddischen Tageszeitung ״Jcwish lüncs" einen aufsehenerregenden Artikel veröffentlicht. Ln dein er das Mandat des nur für zwei Jahre gewählten A. C. seit 1915 als erloschen erklärt, den Vertretern vor der Friedenskonferenz die Legitimation abspricht und sie als Privatleute bezeichnet, die nur durch ilir starkes jüdisches Gefühl, nicht aber durch den Votkswitlcu zu Sprechern berufen sind. Lieber diese rein formale Frage lohnt sich nicht zu diskuticien. Jeder Zionist und jede zionistische Gruppe versteht, daß die Einberufung des Kongresses im Kriege und leider bis heute unmöglich war und daß die Leitung daher die Geschäfte weiterfuhrcu mußte, sollte nicht die On'anisaiion zu bestehen aufhören. Alle zionistisehen Landesverbände, die ihre legal gewählten Dolegiertentage abhicltcn, haben der Leitung Vertrauen und L)ank dnlur ausgesprochen, daß sie unter den schwierigsten Verhältnissen die Verantwortung auf sich gcnommen und die Sache des Volkes weiter geführt hat. Wenn auch vielleicht mancher Zionist in Einzelheiten Kritik übt, über die Tatsache, daß die Leitung völlig legal und mit Willen der ganzen Partei im Amte ist, besteht keine Meinungsverschiedenheit und kein Zweifel. Aber der formale Eüiwand, auf den Boris Goldberg in dem genannten Blatt mit juristischer, auf das Organisaitonsstatut gegründeter Argumentation reagiert hat, ist auch nur das Sprungbrett für den Hauptangriff, den Nordau im Verein;nit seinen Freunden unternahm: Er hat eine Botschaft ,an den ״progressiven zionistischen Verein“ in London gerichtet, jn welcher er erklärt, er recluie damit, ״daß Palästina unser sein wird, unser nicht als ״Homeland“, nicht als Zentrum, sondem einfach als unser Land und unser Staat Es ist kein Grund vorhanden, unklare Worte oder Methoden von Camouflage zu gebrauchen. Wir müssen den Mut haben, klar, deutlich um) offen zu sagen, was wir denken. Wer mit weniger zufrieden j s t als einem jüdischen Staat, der vorerst unter Schutz Englands als Mandatar und nachher in Unabhängigkeit dasteht, ist kein politischer Zionist, sondem etwas ganz anderes, für das er sich erst irgend* einen beliebigen Namen erdenken und atiswählen kann.“ Einige Tage später aber fsichc vorige Nummer der ״jüdischen Rundschau“) erklärte er wieder, man solle die Diskussion über die Begriffe ״Staat“ und ״Heimstätte“ aufgeben, die Heimstätte werde das sein, was wir daraus machen werden; gleichzeitig spricht er von den Führern, denen er kurz zuvor sogar die Bezeichnung ״politische Zionisten“ streitig gemacht hat, in geradezu überschwänglichen Tönen. So erfreulich es an sich ist, daß aus der letzten Kundgebung eine weitgehende Uehereinstimmung zwischen A. C. ,und Nordau hervorz 11 gehen scheint, so bedenklich muß es doch stimmen, daß eine prominente zionistische Persönlichkeit cs mit ihrem Verantwortung«• gefühl für vereinbar hält, ün entscheidendsten Moment, vor der Festsetzung des türkischen Friedensvertrages, den zionistischen Vertretern öffentlich in den Rücken zu fallen. Die Angriffe Nordaus sind um so unbegreiflieber, als er selbst, sich in einer langatmigen Polemik mit Goldberg dessen rühmt, daß er nicht ״einer der Schöpfer des Basler Programms“ sei, sondern daß der Wortlaut einzig und allein von ihm stammte. Im Basler Programm steht aber bekanntlich nichts vom Staat, sondern nur von der ״öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte“. Und auf dem neunten Kongrcb in Hamburg hat Nordau sich mit ätzendem Spott gegen jene gewandt, die das Basler Programm für unzu- ' reichend hielten. Er sagte damals: ״Wir wollen und werden an unserem Programm kein Jota ändern. Nicht weil wir ihm etwa eine mystische Unantastbarkeit zuschreiben. Solcher Wortfetischismus ist uns fremd. Sondem weil das Bas.er Programm unsere ganze Sehnsucht und .alle unser« Bestrebungen klar uad