Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 4 (16.1.1920)
- Date
- 1920-01-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 4 Seit 23 ו־ ¥??sr; A&flBK tii•-. n ft.־, .t» tSKTt V ” * JKIJ. V'U/r »U׳A־ l V• 11׳ hc JlMii 25■- t| T ni.-s1-.1Tte Gesinnungsgenossen, FciiiTseclen und FeueritiVpfe, unser geistiges Niveau hielten. IX׳r /i*thiwmns war damals eine noch Verhältnis• 111.i1ii;j ei 1!f.tel!י> »:uTie, die FiTiilhmg; war nodi in so li'iiir, tlill alle in der WhMiehkdl wurzelnden das 1eli •josc, kulturelle mul soziale Probieni, kaum berührt wurden. Die Vorstellung vom .־n Palästina war entweder ganz in der assilen (ie ״v1twarl befangen oder in dem Bewußtsein, e ritt * Flaue, 1! n 11 knnfli miliv'i t dali dieses I’ ans uslnili'U noch iiit'lit ן istina iNH'11 nnrudlitii lern lie!',t, d»1reh- Die /!onisiisehc Theorie war rum i eil eselialfcn, einzig und allein der Wille, em Volk zu werden und wie alle Völker ein Land zu ln'.'ru, war /ioni'imus. Die einzige (iegenwaitsaufgahe war Propaganda, den man Zionismus nennt, war damals nun s<1 tuienlwiekell, (lall man in allen langen einig sein konnte. Das zionistische leben, dieses piäformierle jüdische Volksleben, war muh «<> ciuhrj-onal, da» es sielt in Vei einen abspiclen konnte. Wenn in dem daiitalii't'ii Stande des Zionismus r!e1, zionistische Verein einer St,ult die adaqnale Lebensform der Ha• wvpnug "'יי,׳• s־* s‘1'^ <*as ''״ I-:ml'e 'Ier Jaltre, und Iwsumlers dtirelt!»0 Entwicklung der letzten Jahre, •.ehr!',(.ändert. Die innere Berührung des Zionisitms mi! allen l’iobli'im'ii tias jüdischen Lebens bedingt eine \ eiseliietleiiai tige l i 1!>tcl! 11,n;j־, je narli dem Grade tmd der Arl des Interesses des Einzelnen an diesem Probleincii. Der ,,Verein" der Zionisten einer Stadt kann dem /i.misnins nicht uicTir das ausschlidiikhe F'eld seiner Arlieil sein, weil er in iiuii nicht die ,volle!nlensit.il j!erasle seine:( Slnhens findet. Wenn da!• :.(.;eu ideale F utw icklimgsfonucn und Aufgalien ihm begegnen, die ihm fremd, überlebt oder weniger wielttig erscbeiiien, seldiellt er sich mit Gleiehstclieiulen zu So 11 <1 e 1!; r 11 p ין e 11 /usnmmen, die nun zum Mittelpunkl seines z niiislisebeti Interesses werde« tmd out• fremdet sich der OtIsgruppe. Diesem natürliche IV<>- /eil ist für di!׳ (icsaiiilorgaiiisntioii besonders deshalb gefährlich, weil ja die Oiisgruppo die Ikisis der Or-!:,ini'udiou i>1 tmil nnt der Enttrcimhmg des Einzelnen, :(',;eiuiher der 01ls';rnppe;mell der Kontakt mit der t Ivv11־nt<>r,;1!1׳bsli1,11 gelockert wird. Wenn so das zio- .tistisclic I eben si 11 aiillcriialh der Ortsgruppen ahspielt, v, rden auch die neugewonnenen Zionisten enttäuscht, die, indem sie der Ortsgruppe beitreten, glauben, in einen Sti im jmlisehen [,ehens iinter/.ulauchen, tmd sehlieltüch h idel ancli die rein organisatorische Arbeit darunter, weil nicht mehr genügend Wille tmd geuügend eifrige Miln heiler zur Verfügung stehen. So hat sich. Im'mhkIcis in der Jugend eine gefährliche Gleich* eiili!;!,eil gegenüber der ücsamtorgnuisation entwickelt, aus;.;(!1e׳ul von der Uninteressiertheit der von den zioiiUtis( liim Ideal( 11 tief erfüllten Jugend an den ihr si hesibar fern lie״e1ulen Aufgaben der Ortsgruppe. Die (M-iMiiisatoiisehe Arbeit, gehemmt dtirelt deii Interessen• uiangcl der besten Mitglieder, bleibt einigen Wenigen ütverlassi n, die teils in unbegründeter 1 loffnungsscligheit den /ustaud ändern zu Können glauben, teils aus Pflichtgefühl );('".en die Gcsamtorgnmsation, aber immer ohne innige Fühlung mit der Gesamtheit der Zionisten, diese Arbeit leisten. Nach dem allen Vercinsdiarakter der Ortsgrupncn ist die Generalversammlung־ das oberste Organ. l)ie wichtigsten Beschlüsse können nur von dir gefaßt, werden, aller dann kommt cs vor, daß von einer zui.'dligen Zahl \on Mitgliedern, die gerade in diese Generalversammlung kommen, die wichtigsten Beschlüsse gefaßt werden, ob/war die Anwesenden mir ein kleiner Bruchteil der Gesamtheit sind. Es mag sein, dal! diese Schilderung für kleine Ortsgruppen nicht zu trifft, wo naturgemäß die Mög- Hanges anzuschen sind. Fritz Mordechal Kaufmann. üchkci! und die Neigung zur Differenzierung des ziomsfischen Lehens geringer ist. Daß sic für Berlin gilt, haben. mir die Erfahrungen bestätigt, die icli mm in den sieben Jahren gesammelt halre, während der ich Vorsitzender der B. Z. V. bin. Daß diese Entwicklung in der größten Ortsgruppe der Z. V. f. I). so weit gediehen ist, bedauere ich nicht, tm Gegenteil, mau muß sich ihrer. freuen als ein /eichen, daß dis zionistische Leben in Berlin endlich so weit entwickelt ist, daß die alten Formen des Verdnslebons, die den zionistischen Anfangsjahrcu ent• slanmitcn, ühn wHilden sind und als zu eng empfunden um eine Nuance reicher geworden —- was andere Völker bei sieh als Kitsch bezeichnen, ein Schmarren a la l’uppehen, oder ״fin Spanien trug cch! man rimbei“, wird bei uns Juden zum legitimen Volkslied, weil wir den Schumi so gemütvoll zu singen wissen. 5. Da ich auf dem Gebiet der Weissagung ein Laie bin, kann ich nicht beurteilen, ob ZIacislis P-rognuseii über den baldigen Zerfall des Jidischen midi seiner Kultur siiehh.'illigcr sind als seine ästhetischem Dricilc. Was ei aller über die Förderung der Volks- »*'dsaehe dm eh den Zionismus sagt, ist sicher falsch und geliöi I /11 jenen weitverbreiteten merkwürdigen! Konstruktionen, die zu begründen und zu belegen (!jemand für '׳öl >; hO. Di! Z'.smiiincnörängung jüdischer Arbeiter in den Weiksi.iiten ha> ganz anderes für das bereits verklingende und erstellende Volkslied bewirkt als elwa! der bürgerliche /ionisnms im Osten, der auf musikalisch• reiturrisihciu Gebiet eine Sorte von Tcmlenzlyrik schuf, die, seien wir doch ehrlich, jeden Vergleich mit der Poesie deulsiiier Kriegervcreine nushaltcn kann. Glaubt denn ZJorisli, es sei auch nur ein chassklhchcr Nigen, ei n Wiegenlied, c i n Liebeslied mehr in der jüdischen Gasse gesungen oder gar erfunden worden, als gewisse Schitliiin des Bürgertunis, die längst nicht mehr Volkslieder sangen, zionistisch zu denken begannen? (>. Zuni Schill möchte ich den Leser, der sich um diese Dinge interessiert, darauf ,himveisen, daß ihn (iiHUtcSmuigii, ,nisgcvvähltcr jüdischer Volkslieder, die LlK W,H o 1 r a u II in den nächsten Tagen im Welt- Verlag ersciieimn läßt, leicht, besser als ein tlicoreusciier Disput, erkennen lassen werden, ob die nassen* hauerarttgen und ״Kunst'M.icdcr, die bei Winz und, Rbs!- •1״ ,H ,rw11''•1'', ״!'׳c*' ״ur im Dichterischen (vom Mu* sikalisdieii ganz abgesehen), mit diesen echten Gebilden mehr als die /,utalligkeit der Sprache gemein haben oder gar als Dinge der gleichen Kategorie und dos gleichen Ktltimu! •nr/11i.'r> ioii citizl ° JUEDISCHE RUNDSCHAU ein; artir Mitdes geis wardeii, all er mau ׳muß sich auch dessen bewußt sein, daß die Erkenntnis der Ursache uns die Pflicht auferlegt, schnell und wirksam die Form so mnzii'-e.st'ilten daß sie dem gegenwärtigen I'iitwirklung:, .tadm’in des zl.um 11:.eilen I ehens mt.priiht mul .;ich den künflii-vn l:ntwii'kluug.eu aiijnssen kann, In einem Verein, der;eisiiges Leben haben soll, .muß eine gd!tige Gleich•;keit in Wesen mul Richtung des Geistes aller flieiler bestehen. Diese Form ist fiir die Fülle zionisliselien Lehens‘ zu eng gcwonlcu. Alle diese ligin Strömling,en, die sieh heute im Zionismus vereinen, die •verschiedenartigen politischen, erzieherischen, wirtschaftlichen Aufgaben und die praktischen Aufgaben des P.ilästinaaiifbaues erfordern eine erwei• terte orjfanisatorisclic Erfassung. Sie bedürfen einer Organisation, die viel mehr einer Gemeinde ähnelt als einem- Verein, und daraus folgt für uns: die Ortsgruppe muß aufhören, ein Verein 711 sein und «miß (i i e k ii 11 f t i g c j i'1 d i s c he Ge m e i n de p r ii f o r - 111 ie reu. Wie in einer Gemeinde die verschieden• artigsten Strömungen mul Betätigungen liehen- und oft auch gegeneinander sieh entwickeln, muß auch in der Ortsgruppe 'Platz für die selbständige Entwicklung jeder Form zionistischen Lebens und Tuns gegeben sein. Der Verein aller Zionisten kann mangels eines wirklichen geistigen Lehens auch nicht mehr der Träger der zionistischen Politik sein. Es dürfen nicht mehr die Wenigen, die sieh noch ein IntercsA; an der Ortsgruppenarbeit erhalten haben, allein die zionistische, (I. h. die jüdische Volkspolitik bestimmen, wie das der l all ist, wenn lebhaft interes ierle zionisfisehe Kreise der Orts,gruppe fernstchcn. Dieser Zustand, daß nur diese wenigen noch Interessierten, die Arbeit der Ortsgruppe und damit die zionistische Politik in Deutschland) bestimmen, wird als ״balbntischer Zionismus“ gekennzeichnet. Der darin liegende Vorwurf ist unangebracht, deshalb, weil er nicht die Schuldigen trifft; nicht die Wenigen sind nimigrcifeu, die sich eben noch das Interesse au der Ortsgruppeii-Arbeit bewahrt haben, und1 denen daher diese Arbeit einfach zufällt, sondern die Gesamtheit, die sich nicht die Organisation schafft, die allen Gliedern und allen Strömungen die Möglichkeil einer intensiven Mitarbeit und Miteinanderarbcit; ermöglicht. Nur aus dem Zusammenwirken der ein Eigenleben führenden Kreise und Strömungen kann eine jüdische Volkspolitik, kann ein wirkliches Leben der Ortsgruppe entstehen. Schon seit mehreren Jahren, ja sogar sdion vor 'Beginn des Krieges, datieren in Berlin die Bestie- Bungen durch organisatorische Maßnahmen dieses Ziel zu erreichen. V-or dein Kriege bereits bestand die Ab• sidit durch eine regionale Einteilung in Bezirksgruppen Organisationen von stärkerem Eigenleben zu schaffen. Durch den Krieg sind diese Bestrebungen unterbrochen worden, sie sind aber bei Kriegsende sofort wieder aufgenommen worden. Schon die erste Goncralvcrsammlung nach dem Kriege beschloß eine Aendcrung des Statuts in dem Sinn, dali Bczirksgnippcn geschaffen wurden, die klein genug sind, um in innen noch das zionistische Leben in die Organisationsform des Vcr• cinslebciis zu umschließen. Die Bczirksgruppei! haben sich in vieler Hinsicht durchaus bewährt. Die organisatorischen Aufgaben, namentlich propagandistischer Art, gewisse erziehe• rische Aufgaben, Kurse, konnten in ihnen bei der großen, Ausdehnung der Berliner Ortsgruppe besser geleistet werden, als in der Gcsamigruppc. Aber es zeigte sich auch liier, daß das geistige Leben in diesen Bcz.irks- Achtzehn Jahre Jüdischer Verlag gruppen unter denselben Mängeln leidet, wie in einen* Gcsainivcrein -der B. Z., nämlich, daß die ideellen Zentren der interessierten Zionisten außerhalb der Bezirk$gr11ppen liegen und daß in manchen Bezirksgruppen, versucht wird, den Stempel einer bestimmten Richtung der ganzen Gruppe ,aufzudrücken, was nur unter lieffigen inneren Reibungen erfolgen kann und in jeden» Fall zu einer »nigerechten Unterdrückung und Dcsintcrcssicrung des zahlenmäßig -oder geistig schwächeren Teiles führt. Vor allem aber gelingt es durch die nur regionale Einteilung nicht, das geistige Interesse aller Zionisten in den Bczirksorganisntioncn zu verwurzeln, und cs gelingt nicht die zionistische Politik auf der Mitarbeit aller aufz.ubauen und so wirklich im demokratischen Geist zur Baas der zionistischen Arbeit die Gesamtheit aller Zionisten zu machen. Wir t1alx׳u er• kannt, <laß die Entwicklung »ins auch schon über diese Org.iuk itioiisform hinausgi führt hat und das Bild, das ich voitmi durch den Vergleich des Vereins mit einer Gemeinde gcgel*’n bahr, hat uns auch bei der Um• gestaltung, die »vir mm beschlossen haben, voigcsdiwcbl. Wir wollen, dali das geistige Leben der sich mit bcstimmten Problemen oder bestimmten Arboilsaiifgalrcn bcfassscndcit Kreise sich in den von diesen gcM'linffeiu'11 boudergTuppcn abspielt, so wie in einer Stadl die geistii-en Strömungen sich in eigenen Orgaitiviii.-nien entwi kein. Die nac'1 regionalen»• < tesichBp'.nkt geschaffenen Bczirksgruppcn aber sollen alle /ionisiert, ganz gleich welcher Schattierung, umtasseii, um die!•ein orga• n 1 s a to r i s c h e n Aufgaben gemein ,am zu erfüllen. In der Hauptsache handelt es sieh dabei um IWagcind.1, Vermittlung der tatsächlichen Wis 'Cns,1|־(j11dlageu an die rici! liinzukomniciulen Zionisten, Fürdeiuu« des Hebräismus, Schaffung der für die Organisation" notwendigen Mittel mul schließlich die Schaffung eines persönlichen Zusammenhangs zu ischcn einzelnen Mitgliedern. Besonders bedacht waren wir daiauf, den ״balbatisehcn“ Zionismus zu entwurzeln, indem wir die ganze zionistische Arbeit auf die Gesamtheit aller Mitglieder basieren, ohne die Somlergriippcu ihrer he• sonderen Eigenart zu entkleiden. Nach dem neuen Statut besieht die B,/.. V. aus allen Zionisten, die es in Berlin gibt und iiir gehören mich an alle Sondcrgruppeii, wie ller/lkhib, Misraehi, I lapoel-l laz.nir, Jugendorganisationen, l'r.iuengruppeii, Sprachvereine, zionistische Logen, ostjudisrhe zioni• slischc Vereine, die koqxrrativ der B./.. V. lx-igelrcii n sind. Jede dieser Sondcrorganisationcii führt weiterhin ihr besonderes Dasein, aber jedes Mitglied ist gleich• zeitig Mitglied der Gesamt-B./. V. und gehört der IW• zirLsgruppc an, im deren Region es wohnt. Die Arbeit in der B. Z. V. bestimmt und verknüpft mit der Gesamtheit der Berliner /ionisleii, ein staudiges zionistisches Parlament. Das Parlament der Iler•!hier Zionisten ist die Vc r t re t e r V e r s a mm lung. Sic setzt sich ziisamnicn: einmal ans Vei liefern der Bczirksgruppcn und dann aus 28 Mitgliedern, die aus allgemeinen, gleichen mul direkten Wahlen aller Zio• nisten über 18 Jahren nach dem proportionalen Waidrecht hervprgelicu. Die Einführung des propnilinualcit Wahlrechts gibt die Gewähr, daß die Vcrtrelencisammhing alle Strömungen innerhalb des B./.. wiederspie׳־.eit. Die Vorbereitungen »tmi die Beteiligungen an diu-.'n Wahlen schaffen in der Gesamtheit der B. /. die not• wendige politisch-zionistische (uleressieifheit. I );esc Vertretung der Ortsgruppe, die Vertreterversanmiliing, gellt aus der Gesamtheit hervor mul hat alle Befugnisse, die bisher die Generalversammlung halte, sie bestimmt die Gesetze des zionistischen I ehens, gibt die Richtlinien der zionistischen Ailuit und ist das verbindende Glied zwischen der Gesamtheit der Zionisten und der .׳msfiihrenden Instanz dem Haupt• Vorstand der li.Z.V. Wie ein Magistrat von der Stadtverorilnetenversanim• hing, so wird der I Lmptvorstand von der Veitreterversannnluug eingesetzt. Die Vertreierversammlimg wählt den ersten Vorsitzenden des I lauptvoi Standes. Der so gewählte Vorsitzende der B. Z, V. wählt imn'aus den» Kreise der Berliner Gesinnungsgenossen seine Mitarlicitcr aus »uut stellt einen Vorstand 'wie ein Minisleniur» zusammen, das die Ressorts unter sieh verteilt. Der von ihm zusammengesetzte Vorstand bedarf der Bestäfigung der Vcrtreterversanimhing. Der Vorstand, dee mm die Leitung der B. Z. V. übernimmt, ist jederzeit der Vertrcfcrversaininlinig verantwortlich. Diese, die ein eigenes Präsidium, entsprechend dem Stadtvoroni* netc!1-Vorstehcr; hat, tritt regelmäßig einmal im Monat zusammen. Diese Tagung ist der Besprechung aller zionistischen Probleme gewidmet, sowohl der beson• deren Aufgaben der B. Z. V,, wie aller Erscheinungen der zionistischen Bewegung. Dadurch, daß die Ver• treterversanuniung politisches Forum der il. Z. wird, verknüpfen wir das zionistische Leben und die zionistische Politik mit der Gesamtheit der Berliner Zionisten. Wir haben, entsprechend der Vorstellung, daß die zionistische Ortsgruppe die jüdische Volksgomeimlc der Zukunft präforniiert, in unserer Verfassung alle jene Forderungen erfüllt, die wir an die Ü<־1**׳;׳aiie-i dvr Der Jüdische Verlag hat soeben einen Katalog der eigenen Verlagswerke herausgegeben, der zugleich einen Rechenschaftsbericht des Verlags seit der Zeit seiner Begründung im Jahre 1002 darstcllt. Der Katalog enthält ein Verzeichnis sämtlicher Vcrlagswcrke, von denen allerdings eine große Anzahl bereits vergriffen ist. Besonders interessant ist die chronologische Dar- Stellung der Vcrlagsproduktion, aus der man die Entwkkluiig des Verlags — mit ihren Höhepunkten und mit ihren Stagnationen — verfolgen kann. Die ersten Publikationen im Jahre 1002 mußten in der gesamten deutschsprachigen Liternturwelt geradezu revolutionierend wirken. Bis uahiii kannte man wenig andere jüdische Bücher als Gehet- und religiöse Erbuttungsbiidier, und das Erscheinen des historisch gewordenen von Bubcr und Fciwel lierausgegebcncn ״Jüdischen Almanachs“ war die erste Offenbarung der modernen schöpferischen Kräfte im Judentum. Schon in diesem ersten Werk wurde klar, i-n welcher reichen Weise die jüdische Bewegung das jüdische Schaffen befruchtet hat und wie umgekehrt eine nachhaltige Steigerung der jüdischen Bewegung von den erwachenden geistigen Kräften ausgegangen ist. Damals begann erst langsam das Verständnis dafür, daß der Zionismus nicht nur eine politische Angelegenheit, sondern eine gewaltige, das ganze Volk tu der Gesamtheit seiner Lebensbeziehungen erschütternde Bewegung ist; diese Tatsache mußte auch für die westlichen Zionisten, die bisher vom lebendigen Strom der jüdischen Voiksentwicklung noch losgelöst waren, von nachhaltigstem Einfluß sein. Es entstand das große Bedürfnis nach dem jüdischen Buch. Der Jüdische Verlag hatte große Aufgaben zu erfüllen und mußte durch seine Tätigkeit erst jene Anschauungen durchsetzen, die uns heute selbstverständlich erscheinen. Daher müssen wir auch bedenken, mit welchen großen Schwierigkeiten der Verlag anfangs zu kämpfen hatte, wie er durch den Mangel ausreichender materieller Dotierung immer wieder gehemmt w.u, wie er gegen Unverständnis aller Art kämpfen mußte. Nach dem ersten Aufblühen zur Zeit seiner Begründung, wo nußj;r dem erwähnten Almanach und dem Sammellxuid ״Jiidiseiie Künstler" auch die wichtigsten Werke der z.onistischen Literatur erschienen, z. B. lier/l und der erste Band des ins Deutsche übersetzten A c 11 a 11 I f a a in, kam während der Kölner Periode eine Zeit des Ab• flauens, und erst nach der Reorganisation des Verlags in Berlin nahm die Produktion wieder einen bctiächtliehen Aufschwung. Inzwischen war allerdings das jüdische Buch schon allgemein anerkannt worden und andere große, auch nichtjüdisehc Verlagsuuteruehm1m׳;a1 konkurrierten mit dem Jüdischen Verlag; es!miß als eine bedauerliche Tatsache festgestellt werden, dali viele der wichtigsten jüdischen und sogar zionistischen Wcike nicht in oem repräsentativen Verlag der Zionistischen Organisation erschienen sind. Dies ist eine Schuld des mangelnden Verständnisses der Partei für eine der wichtigsten Aufgaben und für die geistiip: Rolle »in sc rer Bewegung. Während des Krieges war naturgemäß die Produktion des Verlags ■wieder eingeschränkt, doch sind grundlegende Werke wie Ach ad II.!am II, Bubers Aufsätze zur jüdischen Bewegung, Ru p ין in »mv. erschienen. Das Jahr 1019 charakterisiert den Beginn eines neuen Aufschwungs, der hoiientlidi anhalten wird und den Jüdischen Verlag z»1r anerkamßen repräsetitativen Stelle des modernen jüdischen Buchwesens machen wird. Gerade in der Zukunft erwachsen dem Unternehmen außerordentlich verantwortungsvolle Auf• gaben tmd es ist Sache der zionisliselien Ocffenthch- Keit, sich dieser Rolle des Verlages bewußt zu sein und ihn in jeder Beziehung in seiner Tätigkeit zu fordern. Es sei nur noch erwähnt, daß ein besonders hoffuiKigsvoller Anfang durch die Einrichtung einer hebräischen Abteilung gemacht wurde, in der bisher zwei Bücher von Agnon erschienen sind und die eine nqic Aufläge des hebräischen Achad Haain in Aussicht stellt, eine außerordentlich bedeutungsvolle Unternehmung, die