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Jüdische Rundschau · 1919-12-30 · Heft 92 (30.12.1919) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 92 (30.12.1919)
Date
1919-12-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 92 JUEDIÄCHE RUNDSCHAU Seite 725 Ungarn Die Judenpogrome der Weißen Garden Der nach Kees kernet entsandte Sand erbericht- «■statt«׳ des Budapest« ״Az Est“ sendet seinem Blatt einen langen Bericht über die Judenmorde, die in der Stadt Kecskemet von einer Bande, die unter der Füllrtmg des Oberleutnants nejjas, des Kommandanten der Stadt stand, verübt wurden. Ifejjas organisierte eine bewaffnete Antisemitenbande, lieft von dieser die im Oefängnis ätzenden Kommunisten, 31 Personen, von denen 23 /«den sind, holen und verschleppte mit ihnen noch weitere 28 Juden aus der Stadt. Von diesen Personen *ind bisher 22 bereits ermordet aufgefunden worden, die anderen sind s p u r 1 o s versenw 11 n d e n, und es besteht der dringende Verdacht, daß auch diese ermordet worden sind. Ke Ermordeten waren vollkommen ausgeraubt. Einige Tage nach der Verichleppung dieser Personen griff die Pogrombande den von Lajosmitse nach Budapest fahrenden Zug an und zwang fünf jüdische Passagiere abzusteigen, ן die erschossen und ausgeraubt wurden.; * VPa* jetzt Ln Ungarn vorgeht, bildet das fürchte!- lichste Kapitel der neueren Pogromgeschichte. Seit der Miederwerfung der Räteregierung durchziehen die ״weiden Garden“ mordend und plündernd das Land. Unter dem Vorwand, an den Kommunisten Rache nehmen zu wollen, werden hunderte völlig unschuldiger Menschen auf das grausamste gefoltert und abgeschlachtet. Die Wiener ״Arbeiterzeitung“ vom 17. Dejcniber bringt unter dem Titel ״Die Mörderbande des Herrn Horthy“ grauenerregende Einzelheiten und stellt (est, daß tausende Menschen ermordet worden sind!, ohne daß jemand Einspruch erhoben hätte. Das Blatt veröffentlicht Dokumente, durch die die ungarischen Behörden kompromittiert werden. Leider verschweigt die ״Arbeiterzeitung“, daß es sich um Pogrome handeli und die Opfer fast ausnahmslos Juden sind, die der antisemitisch aufgehetzten Bestialität anheim- (allen. Die Entente, die die saubere ״christlich-nationale“ Regierung in Ungarn eingesetzt hat, hat die Pflicht, endlich energisch einzugreifen und es mellt bei der Untersuchungskonimission, die sie nach K e cskernet entsandt ttnd die dort furchtbares Material zutage gefördert hat, bewenden zu lassen. Oesterreich Die Judenhetze in Tirol Einet« Leitartikel der ״Wiener Morgenzeitung“ entnehme« wir folgende Darstellung über die Lage der jüdischen Bevölkerung Tirols: ״Für die in Tirol derzeit herrschenden Rechtsverhältnisse ist die Behandlung der Jüdischen Staatsbürger charakteristisch. Nach unserem Staatsgrundgesetz sind alle Börger gleichberechtigt und in dein׳ von Oesterreich gefertigten und ratifizierten Frieden svertrage ist die Unverletzlichkeit der Rechte der nationalen und kontes«»«eilen Minderheiten, also auch der jüdischen, garaatiert. Dies hindert aber die Gesellschaft Innsbrucks nicht, eine un erhörte Judenhetze systematisch zu betreiben. Die Zeitungen ergehen sich in unflätiger Aufreizung gegen die Juden, in öffentlichen Versatrnnhinge« wird der Judenpogrom als Universalmittel gegen jede Not angepriesen, die Plakatsäulen, die Wände uer Privatiiäuser und Aemter sind mit aufreizenden Affichen ®»erdeckt. Die Behörden tun nichts, um diesem IJnwesen zu steuern und aus den Antworten, welche die führenden Persönlichkeiten des Landes den Schutz heischenden Innsbrucker Juden erteilt haben, ist zu erkennen, daß ihre Passivität eine gewollte ist, und folgten mehrere von den köstlicher! Gedichten der Laster- Schüler, die jüdisches GottgefüM in unmittelbarem sinnliehe« Erleben mit tiefer Innigkeit ausdrücken. Di« ״Metiorah“ von Herzl las Deutsch mit träumerischer Versonaenheit, die in verhaltener GM das Wissen um großes Geschehen andeutet. Für Beer-Hofmanns unvergleichiiches ״Sdhlaflied für Mirjam“ fand er Töne voll Zartheit und beseligten Bewußtseins der Unvergänglichheit der blutgebundenen Geschlechterfolge. Den Abscliltii des erste!» Teiles bildete ״Das letzte Wort“ von B i a 1 i k in neuer, äußerst gelungener Uebertragung von Ludw^r Strauß, jene grandiose, erschütternde Unheilsprophetie, für deren niederschmetternden Fluch Emst Deutsch die adäquaten starken Akzente fand, die einem die Kehle zuschnüren und das Herz, stocken lassen. -- Die zweite Abteilung bildete die Engeiszeue aus ״Jaakobs Fra um“, der Kampf des um Gottes schwer zu tragenden liegen ringenden Jaakob mit dem zum Abfall verlockende«, «*«schliche Urinstinkte anrufenden Semael. Deutsch vetmodite es beide Partien in der charakteristischen stmtmlioben Verkörperung überwältigend zu interprefiere«. Der nicht endenwollende Beifall erzwang als Afg-ahe »och Stefan Zweigs Gedicht ״Das Gericht“. — *ch. Druckfehlerberichtigsag 1■ da» Aufsatz von Theodor Zlocisti über das jüdische Volkslied (״Jüdische Rundschau“ Nr. 89) Finden «cta einige Druckfehler sinnentstellender Art ln Spalte 1 rt• Ceie von unten) rwufl es heißen: Fäden sind in;tent Bande, ln Spalte 5 (1. Zeile von oben): Nur die 'Villkur kennt Grenzen. Ebenda (Zeile 14/15) muß «8 heiße«. Wir können nur froh sein, daß J_eo Vi*1z ctaie folktorittischen und germanistisch-Milo- «ogiidien Schulzwang und ohne musikalische Ver- Bildung an« Werk ging. In Spalte ö (9. Zeile von «ben) mag es heißen: ״Sifz“. Der Setzer, der ״Sitz“ •rächte, hat sichtbar den Ehrgeiz, eher der flotten mo-demie» Jargonübersetzer zu werde«. Z. ,Es ist sehr ärgerlich *bw e» läßt sich nicht ändern, daß der ״Schlemie!“ to» 3. Vierteljahr 1. Januar 1920 ab, pro Vierteljahr 5 M, ׳kosten wird. Wenn Sie bedenke«, daß seit Erwenn sie sich zu irgendeiner Tätigkeit entschließen werden, diese sicherlich gegen die Rechte und die Sicherheit der Juden gerichtet sein soll. Der Oberste in Tirol, Landeshauptmann •Schr-affl, hat den Herren, die im• Interesse der Innsbrucler Judenschaft bei ihm vorsprachen, gemütlich erklärt, er könne nichts tun. Er wisse wohl, daß die Juden am Zusammenbruche nicht schuld seien. Aber das Land brauche nun einmal einen Sünden bock. Er bemerkte ferner daß ja den Juden i 11 so 1 a n g e nichts geschehen werde, als die italienische Besatzung in I nnsbruck sei. Lieber das Nachher hat er sieh nicht ausgesprochen. Diese Antwort ist wohl einzig in ihrer Art. Ein österreicbischer Landespräsident verweist österreichische Staatsbürger auf den Schub, durch die feindliche ße- Satzung. Audi ■der erste Hüter des Gesetzes, der Innsbrucker Oberstaatsanwalt Ganal, beglückte die Herren mit einem Bescheide, der an Aufrichfigkeit, allerdings nur an dieser, wirklich nichts zu wünschen übrig läßt. Auf die Bitte, den Hetzrednem und Hetzschreiibem kraft seines Amtes enttegenzutreten, meinte er, ein Einschreiten seinerseits ätte gar keinen Sinn, denn die Heizer würden von den Tiroler Gerichten, insbesondere den Schwurgerächten, ohnedies freigesprochen werden 1 Das Vertrauen, welches der Oberstaatsanwalt zu den Tiroler Gerichten hegt, ist wahrlich rührend! Diese Ant- ״■Worten beweisen, daß man es hier mit allrussischen Zuständen zu tun hat. Man braucht wahrlich kein interessierter Jude zu sein, um die Fortdauer ein« solchen Regimes als unleidlich zu empfinden. Der österreichischen Regierung wird es nicht erspart bleiben, zu diesen Vorgängen Stellung zu nehmen. Es handelt sich da wirklich nicht in erster Linie um das Häuflein! Tirol er Juden, Tirol z ä h 11 n ä tu - lieh •age und schreibe zwölf hundert jüdische Seelen, welcher Umstand beredtes Zeugnis für die Hohlheit der antisemitischen Demagogie ablegt. Hier handelt es sich darum, dem primitivsten Menschenrecht Geltung zu verschaffen ־ und zu verhindern, daß der österreichische Bürger das Bewußtsein verliert, in einem zivilisierten Staatswesen au leben.“ Kleine Nachrichten aus Palästina Die ״Neue Züricher Zeitung“ veröffentlicht folgende Berichte ihres Dr. A. B.-Korrespondenten aus Palästina vom 1. Dezember ■ Mit dem Beginn der Regenperiode har die Badesaison in den Heilquellen von Tiberias eingesetzt. Der Verkehr zwischen der Eisenbalinsiatioi: Sarnach (an der Linie Haifa-Deraa) ttnd der Stadt Tiberias der sieh bisher mittelst eines Dampfbootes auf dem Tiberasee ab wickelte, *mißte infolge der Winterstürme eingestellt werden. Dafür hat die ״Genezaret- See-Gesellschaft“ beschlossen, zwischen Sarnach, Kineret, Tiberias^ Nazareth, Rosch-Pina ■ und Safed einen Automobilverkehr einzuführen, der die Siedhingen Unter- und Obergaläas verbinden soll Der Bt- Schluß tritt sofort in. Kraft. י* In de «letzten Wochen hat der Verkehr im Hafen Jaffas bedeutend angenommen. Es vergeht kein Tag, ohne׳ daß einer, mitunter auch zwei oder mehr Dampfer vor dem Felsenkranz unseres Hafens anlegen. Neulich kamen an einem Tage nicht weniger als vier Dampfer verschiedener Gesellschaften, mit Passafieret! und Waren für Palästina. Auch letzten Freitag rächte ein französisches Schiff einige Dutzend heimkehrende Flüchtlinge und neu zugereiste Personen. Heute ist zum erstenmal seit August 1914 auch das d e u t s che Schiff ״Smyrma“ mit Waren für Palästina angekommen. Der Dampfer bringt Baubolz, Etsenmöbel, Haushaltartikel, Nähmaschine und Petroleumlampen für Palästina und Syrien. scheinen der 1. Nummer des ״Scblemiel“ die Druck-, Klischee- und Papierpreise z. T. um mehr als 50 Prozent gestiegen sind, werden Sie diese geringe Erhöhung zweifellos gerechtfertigt finden. Abonnenten, die bis zum 1. Januar 1930 den Bezugspreis nicht eingesandt haben, erhalten Nr. 13 unter Nachnahme vwt 5 M. zuzügl. Porto und wir bitten um freundliche Einlösung.“ — Der vorstehende Appell des ״Sdilemiel“, den dieser durch seinen Verlag versenden läßt, wird zweifellos Verständnisvolle Aufnahme bei allen finden, denen diese vorz-ügliehe humoristisch-künstlerische Wochenschrift eine Quelle unerschöpflichen Vergnügens geworden ist, die sie nicht mehr misäwi wollen. Wir benutzen den Anlaß, um allen Gesinnungsgenossen den ״Sclilemiel“ neuerlieh wärmsten* zu empfehlen. Jüdische Lesebücher Für jüdische Volks- und Bürgerschule« sind in Prag L esebüchcr in Vorbereitung. Der Unterzeichnete ersucht alle an dem Gelingen der Arbeit interessierten Personen um freundliche lieberlassimg von Materialien, die die Geschichte einzelner Judengemeinden, ihre besonderen Einrichtungen und Gebrauche, ihren Sagen- und Legendenschatz behandeln. Manuskripte werden in kürzester Zeit zurückgestellt. Adresse: Prag, Jüdisches Rathaus. Prof. Dr. Alfred Engel. Von der ״Zionistischen Vereinigung- SftdslaWiens“ wurde in serbo-kroatischer Uebcrsetzung D1׳. Bernsteins ״Zionismus“!berausgegebes. Die neugegründete ״Zfcfovska WblioteKa“ (״Jüdische Bibliothek‘‘) gab als ersten Band das Buch ״Volk des Ghetto“ heraus, eine Auslese von Novellen der modernen jüdischen Literatur. Ein eigenartiges jüdisches Märchenbuch (״Sabbath-Erzählungen“) erschien von Dr. phil. I. Altara2. Es ist das erste Ln serbo-kroatischer Sprache geschriebene judisehe j,Märchenbuch“ und wird von der Kritik ungemein günstig beurteilt. Schmarja Levin hat eiste Anzahl seiner hebräischen und jidischen Essays in englischer Uebersetrung unter dem Titel ״Out of bondage“ erschein«« lassen. Ke Schrift enifeält ein Vorwort von Leon Simon. Jüdische Welt-Chronik Sir Stuart Samuel in Paris \ Eine Vollsitzung des ״Komitees der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz“ Das ״Komitee der jüdischen Delegation«! bei der Friedenskonferenz“ in Ilms teil! mit: Arr. 13. Dezember, abends, iaiui eine Vollsitzung der Mitglieder des Kombees de! jüdischen Delegationen und einiger anderen jüdischen Persönlichkeiten statt, in der Sir Stuart S a m: t! e 1, der Leiter der offiziellen englischen Enquctekonnnissio.i zur Erforschung der Pogrome in Polen, über seine Erlebnisse i!1 Palm berichtete. Aus den Ausführungen von Sir Stuart Samuel giisg hervor, welch schwere!! Kampf das Judentum Polens noch durchmacheii muß, um volle reclilUrlie Auerkeiuiiing, wawohl als Bürger als als Vo-'ksfnin zu eriaitgen. Andererseits war es aber evident, da 11 ein erfolgi'cidier polnischer Staat ohne die Hilfe der Juden gar nicht restauriert wen len kann. Die Ucberzeugung aber, da ß ins besondere die w i r t s c 11:1 f 11 i c 1! e ' Wie d e ז a n f r i c h t u» g Po lens n ur in it Hilfe d er in I a 1111 i s e h e 11 u«1 d aus!ä n d i s c h 11 ׳! j üilischen E a i, t o r e 11 zu - sta ndekoin ntett kann,!!1111! schließlich trotz aller Konflikte und Reibungen aucl! die Polen im neuen Staate zur Einsicht bringen, wie dringend ein ged eiltliebes Zusammenleben für beide Völker ist. Mit Genugtuung begrüßte das Komitee der Dekgatkinei! die darauf folgende Erklärung des Sir Stuart Samuel, dal! der Board o f Depuiics, die jetzige Repräsentanz des englischen Judentums, dessen Vor• sitzender er ist, an d e 11 k fi 11 f t i g e!1 A r beit c 11 de» K o 11I i t e e s ci e r j ü d i s c It e u Del e g a t i 0» n e a aktiv und direkt teilt! eh men wolle. Damit würde in der Zusammensetzung des Komitees eine Lücke ausgefüllt werden, welche bistang von allen mit Bedauern empfunden wurde, die Solidarität des Judentums, erstreben. in der Diskussion schilderte Dr. Reith seine Eindrücke aus Wien; dort haben sich nach und nach infolge der Krkgsereigiiisse• zahlreiche Flüchtlinge angesammen, deren Schicksal indes durch unerhörte Massenauswcisimgen aufs äußerste bedroht sc:. Von Sir Stuart Samuel erwarten die jüdischen Massen, daß er nach seinen gründliehe» Untersuchungen, die gegen die Juden erhobenen Verleumdungen, namentlicü, die Verleumdungen gegen die natkwaljüdischen Kreise, aufs schärfste und energisch zurückweisen werde. ~ Dr. Ringel verweist auf die , Dringlichkeit der Kämpfe gegen die überhandnehmende antisemitische Praxis. Insues.mdere ,soll;• die englische Regierung darauf achtgebe 11, daß ihre Verrohr, welche nach Osteuropa entsandt werden, rieht dem antiseniiüsehen Einfluß lokaler Hetzer verfall■, n ro mit Bedauern zu konstatieren, daß die engli-d!׳.■ Ritro.e zu «tnctii Teil in der letzten Zeit angefanger habe, an die ant*• semitischen Legenden zu glauben.!> k <! 1-.: tv erklärte, welch wichtige Phase gerade jetzt im Rech י sieben <i-s polnischen Juden ekigetret-eii sei. Die MkioritätskLausel* im polnischen Traktat seien vorläufig nur auf dein Papier, es gelte, diese Klauseln im Leben dtin!!/!!führe». Gerade die englische Regierung habe die Pllicl!1, dafür Vorsorge zu treffen, daß die ständigen VertetMn;,:-.n «irr durch da! Vertrag gewährleisteten Miiioritätsrccluc aufhären solle■. Gleichzeitig damit sei aber auch eine ■.-:•!־rgisciic Aktivität seitens der polnischen Juden selber nuwaidig. So wäre es zeitgemäß, daß endlich das polnische Judentum durch einen jüdischen Kongreß i 1: Polen organisiert werden solle. Wir alle stellen auf dem Standpunkte, dal jeder Teil des Judentums, welche’Idee er auch ve! folge» mag, der Gesamtorganisation sich zu fügen habe. Motzkin verweist auf die Fülle der Finzel! :die; durch welche der polnische Friedensvertra;, tmreirt verletzt worden sei. Um so dringender sei die zukünftige Au*- gestaltung der gesamtjüdischen Orgams.1Wie *ekl* tig die Schaffung des ,',Waad Haarazofir* sei, einer Ver tretung aller Teile des Judentums, wie sic vom Komitee der jüdischen Delegationen geplant sei, werden schließlich alle Teile einsehen. Der erste Prüfstein für das Gelinge« einer gesamtjüdischen Organisation werde die bevorstehende allgemeine jüdische Hilfsk-oitferenz sein. Rechteairwalt Wi na wer betont die Notwendigkeit intemationakr Aktionen i!n Lclxai der Juden. Nach einer weiteren Rede von Sir Stuart Samuel, in der er nochmals interessante Ergänzuagcii zu seinem friUiere« Bericht machte, schloß der Vorsitzende mit einem Appell an die Solidarität des Judentums aller Länder die Sitzung. Antisemitische Debatten in England. Die Northcliff-Presse, insbesondere die ״Times“ und die seht*■ inaner antisemitische ״Morrtb״ Post׳* bringt in letzter Zeit vv'ederholt .Artikel, die den Bolschewismus nach bekannter Methode als eine jüdische Angelegenheit darstellen. Besonderes Aufsehen haben die .Artikel voa ״Verax“ in der ״Times“ gemacht. Cbeser Autor versucht den Antisemitismus seiner Ausführungen dadurch zu verdecken, daß er die Befürchtung ausspricht, nach Niederwerfung der Bolsdievvikiherrscliatt würde an den Jurten eine furchtbare Rache geübt werden. Zahlreich* Erwiderungen a a., von Israel Cohen und ander« sind in der ״Times“ erschienen. Die jüdisch«! Blätter äußern sich sehr ausführlich zu der Angelegenheit. Der ״Jewisli Chronide“ bringt einen längere« offenen Brief an Northeliff. Die liberale englische ”Presse wendet sich scharf gegen die antisemitische Propaganda, ganz b«- sonders die führende liberale Wochenschrift ״The nation“ ki einem ״Ifepp-hepp-hepp! ' übcrschriebenen Aufsatz, Der Regierungswechsel in Polen. Die jüdische Presse Polens stimmt darin überein, daß der Regie rungswechsel, durch der! anstelle Paderewskfe der Bürgermeister von Lodz, Skulski, KabineUschef <״eworden ist, für die Juden keine wesentliche AenJening der Lage bewirkt. Man erwartet jedoch eine Konzentration des Antisemltismua. Es ist kein Zweifel, schreibt Abg. Grünbaum im ״Jiidischan Volk“; eiaß Skulskis Regierung noch weniger Mut und Hang haben wird, sich ■der antisemitischen Heize und der antijtidisdien Politik entgegenzustellen als Paderevvskis Kabinett. Vereinigen wird sich jetzt in der Regierung der Aiitisemitisnaus der ״Piast״-Gn!ppe mit dem Antisemitismus der Nationaldemokraten.' Der Kampf usn die bürgerlichen und nationalen Rechte der Juden wird daher mit um»o größerer Energie geführt weriten müssen.

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