Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1919-12-05 · Heft 86 (5.12.1919) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 86 (5.12.1919)
Date
1919-12-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2652135-2652221--12690-2670351
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 86 JUSO ISO HB RUND3CHÄO Seife 673 «ra|l lidb-l No-I licht! :rtol d«j s.kd.1 3ale-| eseil oigtl ו all מ"!■[ ureitl liural ti»s,|!nan• ge»| ntesl fent-1 An-I euer I rcl»■[ idu* iraig lisenniea,tioa dazu feind -iiiä'18 ameti jalem Wiir■ 'indef liehe* kräf• und Ke־j icfühll ellanl :rger,[ Lrbeitl lavoBi Undl a istl freie I neue! ve.u | i einlenen I radenj , dafl| Be■' iefüM I I fiirl mili• t ein־| n II cf- Pal*■ I gilU .eben| weiß, ärkef I wer j auch, I rs als! damit I lühen Straßendieben auszubilden. Gerade unter diesen Kindern( befanden sich manche vom großer Intelligenz und Willenskraft, die zu Grunde gehen zu lassen ein Jammer war. Da war unter anderin ein kleiner sechsjähriger Bengel, der hatte sich einen kleinen 2V»jährigen ״Kompagnon“ augelegt, den er herrenlos auf der Straße gefunden, adoptiert, als Bruder ausgegetoen und erfolgreich zum Mitbetteln verwendet hatte. Da ist Abraham Brachia, da ist Zwi Schiff und da sind viele andere meiner kleinen Bettelfreunde, die verschwunden und verkommen sind, .Alle Mühe war vergeblich, sie in Familien oder in Kolonien unterzubringen. Es bestanden allerdings noch die Waisenhäuser, wenn man die drei Anstalten, die in Jerusalem existierten, überhaupt mit diesem Namen bezeichnen kann. Sie gehören zu jenen Institutionen, welche der Initiative von Privatpersonen ihre Existenz verdanken und hauptsächlich eine gute Einnahmequelle für ihre Gründer bilden sollen. Der Zustand dieser Waisenhäuser war damals unter aller Kritik* *). Die Kinder bekamen weder Erziehung noch Pflege noch Unterricht. Hygiene und Sauberkeit waren in diesen Anstalten ünbekannte Begriffe. Die beiden Knabenwaiseuhäuser beherbergten je 120 Knaben, das Mädchenwaisenhaus ca. 90 Mädchen. In einer dieser Anstalten waren für die 120 Kinder 45 Betten vorhanden, wovon 15 keine Motratzen hatten. Ich brauche der Schilderung dieser Zu- «tände nichts hinzuzufügen, wenn ich sage, daß ich Gewissensbedenken hatte, Kinder, die ich obdachlos auf den Straßen fand, dort unterzubringen. Hier darf jedoch das einzige gute Waisenhaus Jerusalents jiicht unerwähnt bleiben, das Mädchenheim Maorn, welches früher dem Hilfsverein gehörte und jetzt der Zionist Commission untersteht. Vorbildlich eingerichtet und mustergültig geleitet, kann es ruhig als Beispiel für alle derartigen Anstalten gelten. Es hat Raum für 40 Mädchen, die unter der Leitung einer Holländerin, Frau Silbersmidt, eine ausgezeichnete natkjnal-jüdische Erziehung bekommen. Dies Waisenhaus war natürlich immer überfüllt. Ke Waisen, die dort unterkommen konnten, gehörten zu den Bevorzugten des Schicksals. Erst nach der Eroberung Jerusalems, als sich die sozialen Zustände allmählich zum׳ Bessern wendeten, schien auch für die Waisenkinder Hilfe zu kommen. Die Zionist Commission, nach Möglichkeit bestrebt, die traurigen Verhältnisse zu bessern, richtete ihre Aufmerk' *amkeit auf die Waisenfrage. So wurde als erster Schritt zu ihrer Lösung der Waad hajtomitn, das Komitee für Waisenpflege, gebildet. Seine erste Aufgabe war, eine gründliche statistische Zählung aller Waisen voirzuinehmen**). An dieser schwierigen Arbeit beteiligten sich die Mitglieder des Frauen- Vereins. Die Stadt wurde in 10 verschiedene Bezirke geteilt. Für jeden Bezirk wurden zwei Gabhajoth (Vor- Stehen innen) ernannt, die vorerst die Waisen registriertet», Bei dieser ersten Zählung im Jahre 1917 ergaben sich ftjr Jerusalem ca!. 4000 Waisen! Hätte man genügende Mittel und Personal gehabt, für diese 4000 Waisen Heime und Erziehungsanstalten zu gründen, so wäre es leicht gewesen, die ganze Waisenfrage sogleich in großzügiger Waise zu lösen. Leider war dies nicht der Fall. Es mangelte an leitenden und erzieherischer! Kräften last noch mehr wie an Geld. So griff man zu einem Mittel, das ich persönlich zur Lösung der Waisenfrage für völlig ungeeignet halte, daß sich auch in der Praxis als ungenügend und unbefriedigend erwies, und ’) Seit dem Eingreifen der Zionist Commission sind diese Waisenhäuser unter Aufsicht gekommen und haben *ich etwas gebessert. **) Ich spreche hier nur von Jerusalem. Die Kolonien sorgten selbst für ihre Waisen, in Jaffa, Hebron und Safed wurden die Waisen in Waisenhäusern untergebracht, die von der Z. C. gegründet oder subventioniert winden. da* wohl •ur ergriffe» wurde, well in» Moment keine andere Möglichkeit existierte, den Waisenkindern zu helfen. Man beschloß, die Waisen gegen Bezahlung einer monatliche« Vergütigurag in Familien mnterzubringen. Es gab drei Kategorien, und!zhvar zahlte man monatlieh pro Kind: Kategorie I y* £ 60 Piaster, Kategorie II 1 JE. 100 Piaster, Kategorie III U/3 £ ־=־ 150 Piaster. Die Verteilung wurde 90 vorgenommen, daß Halbwaisen, die bei der Mutter lebten, zu Kategorie l gezählt wurden, Vollwaisen, die bei Verwandten wohnten, zu Kategorie II, und solche, die bei Fremden unterge bracht wurden, zu Kategorie 111 gerechnet wurden. Doch war des Schema nicht die Regel. Jeder Fall wurde möglichst individuell behandelt. Es kam vor, daß eine sehr arme Mutter zu einer höheren Kategorie gezählt wurde, während man anderseits für manches bei Fremden unteigebrachte Kind nur 1/j £ oder• 1 £ zahlte. Altersgrenze war für Mädchen 15 Jahre, für Knaben 13 Jahre Die großen Mängel, die «fies System hat, liegen auf der Hand. Vor altem sind die ausgesetzten Summen viel zu klein, als daß eine Familie des *Mittelstandes, die einen einigermaßen anständigen Standard of üfe führt, daflür ein (Kind verköstigen könnte*), dazu gehören schon die minimalsten Bedürfnisse einer ,Protetarierexisteiiz. Utad so meldeten sich zur Aufnähme von Waisen nur solche Personen oder Familien, deren Behausung und Lebensführung nicht danach angetan war, gerade diesem Zwecke zu dienen, die vielmehr von der schmalen Summe, die sie für die Waisen erhielten, noch profitieren wollten. Ich erwähne hier nur den Fall einer armen Frau, die zu Hause sechs unerzogene, unglaublich schmutzige Kuuter hatte und die sich beim Waad zur Aufnahme von vier Waisenkindern meldete, um, wie sie offen sagte, einen Verdienst zu haben 1 Sie erhielt zwar nicht vier, aber doch zwei Waisen und welche Erziehung und Pflege die Kimter dorBfandeni, kann man sich denken. Die Oabbajoth hatten nun die Verpflichtung, jedes in ihrem Distrikt untergebrachte Waisenkind zu besuchen und zu kontrollieren Doch bewährte sich «lies System der freiwilligen Hilfskräfte nicht Die Mühe der Hausbesuche in den ärmsten Vierteln, bei denen man Ein- Mick erhielt in der Menschheit ganzen Jammer, war den meisten der Gabbajpth auf die Dauer zu beschwerlich und eine nach der andern fiel ab. Nun sah sch der Waad-Jiajtaimm veranlaßt, fest angestellte* jungen Mädchen oder Frauen die Aufsicht über die Waisen zu übergeben, und es bildete sich eine wohlgeordnete Organisation. Jede so angestellte Waisenpflegerin hat die Waisen ihres Distrikts wenigstens •wöchentlich einmal zu besuchen, sie hat darüber zu wachen, «laß das Kind gut gehalten und verköstigt wird, daß es regelmäßig dte Schule oder den Kindergarten besucht und daß es im Notfall ärztliche Hilfe be- Iconant Sieht die Aufseherin, daß das Kind schlecht behandelt oder vernachlässigt wird, 90 hat sie es deffl Waad zu melden, der dam für andere Unterkunft sargt. Viel kann hier aber auch die beste Waisenpflegerin nicht tun, den» in den meisten Fällen wäre es nötig, die Kinder aus ihrer Umgebung heraus und in eine rein- Schere und bessere zu bringen, doch das ist nach dem Vorher״(;sagten nicht möglich. Das System der Unterbringung von Waisen in Familien ist nicht neu. Es mtidt u. a. in einigen Staaten Amerikas zur Anwendung gebracht Dort suchte man aber sorgfältig die besten dafür geeigneten Familien 1 aus, denen man das Staatseigentum, die Waisen, ani vertraute. Man scheute keine kosten lind Mühe, um dies j System 90 gut wie möglich auszugestaiten. Für Paj lästina ist es aber, wie wir gesehen haben, «las denkbar I schlechteste, da iwaa die Waisen nur in den ärmsten *) Audi wen« der Waatf-hajtrnnäm die Bekleidung übernahm. Beweis dafür, daß wirklich der Begriff ״Arbeit“ in Palästina ein andrer ist als im polnischen Ansiedlungsrayon, ist es, daß die neue Lehre von der Arbeit um der Arbeit willen. ja nicht von außen her zu den palästinensischen Arbeitern getragen wurde, sondern daß sie in ihren eignen Reihen entstand. Aber gleichviel ob Berger in dieser Nutzanwendung irrt oder nicht — seine Broschüre ist ein fesselndes Stück jüdischer Kriegschronik und zugleich eine Sanwir hing wichtigsten volkswirtschaftlichen und volkspsychologischen Materials. Helene Henna Cohn. Proletarierhäuser unterbringen konnte, wo sie weder Pflege noch Erziehung haben können. Wir wünschen und hoffen, daß dies nur ein Uebcrgangsstadium ist. Ke Zionist Coimnission hat sich den Dank aller Menschenfreunde verdient, indem sie durdt sofortiges schnelles Eingreifen dem, Waisenelend zu steuern suchte, sa gut oder so schlecht es im Moment eben ging. Aber es war und darf nur eine Augenblickshilfe bleiben, dieses aus der Notlage heraus ergriffene System. Wir müssen nun daran gehen, die Waisenfrage auf befriedigendere Art zu lösen. Auch da* jetzige System kostet beträchtliche Summen. Dte Kost- oder Pensionsgelder fÜT die Waisen verschlingen Tausende von Pfund. Außerdem unterhält die Zionist Commission noch eigene Nähateliers und Schuhmachereien zur Bekleidung der Waisen. Da aber die Kinder in ihrer jetzigen Umgebung die Kleider durch Vernachlässigung doppelt so schnell auf brauch en,als es in einer gut geleiteten Anstalt der Fall wäre, so Erfüllen die hierbei ausgegebenen großen Summen ebenfalls nicht ihren ganzen Zweck. Was uns in Palästina nottut, ist die sofortige und ohne allen Aufschub vorzunehmende Gründung von Anstalten zur Unterbringung von Wais e n. Den Anfang dazu hat die Zionist Commission bereits gemacht, indem sie in diesem Jahre in Jerusalem ein Knabenwaisenhaus für 50 Knaben gründete. Einrichtung und Leitung dieser Anstalt ist sehr gut und entspricht allen modernen Anforderungen. Die IQ«- der besuchen Gan und Schule der orthodoxen Knaben• schule ״Tachkemoni“, und es ist ein herzerfreuend« Anblick, die gut gepflegten und gut gekleideten Bübchen in Reih und Glied zur Schule gehen zu sehen. Als weiterer bemerkenswerter Fortschritt ist zu verzeichnen, daß der Direktor der landwirtschaftlichen Schule ״,Mikweh Israel“ bei Jaffa (der Alliance gehörig) ebenfalls 50 Waisenknaben von 12—15 Jahren aus Jerusalem aufgenommen hat. Ke Kinder haben dort hebräische Lehrer für den allgemeinen sowie für de■ praktischen landwirtschaftlichen Unterricht. Mit Lust und Liebe arbeiten sie auf den Feldern und fühlen sich glücklieh in ihrer ländlichen Umgebung. Wir hoffen, daß nicht diese Kinder allein die Bevorzugten unter ihren kleinen Leidensgenossen bleibe■ werden. Alle Waisen Palästinas sollen auf eine sorgfaltige Erziehung in gut geleiteten Heimen Anspruch haben. Und zwar sollen diese Heime ach möglichst nicht in den Städten befinden, sondern in den Kolonien oder in den Farmen. Dort werden die Kinder mit der Natur vertraut, dort lernen sie die heimatliche Scholle liebe« und können so zu tüchtigen Bauern he!ungebildet werten, die ihrem Volk und Land später vielfältig das wiedergeben können, was es für sie getan hat. Kleinere Heime für ca. 25 Kinder, von einem liebevollen Waisenmütterchen und einem tüchtigen Erzieher geleitet, wäre wohl das Ideal. Mehrere solcher Heime könnten in ein« Kolonie oder etwas außerhalb derselben zu einem Kon*־ plex zusammengefügt werden. Außer den selbstverständlichen landwirtschaftliche* ßcbulen könnten Handwerks- und technische Schulen mit den Heimen verbunden werden. Hauptsache aber ist die Erziehung. Hier bietet sich sozial und national empfindenden Frauen ein außerordentlich befriedigend« Lebensberuf. Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich solche Persönlichkeiten unserer Organisation zur V«- fügung, stellen wollten. Außer den für die Waisenerziehung notwendigen Kenntnissen ist natürlich die hebräische Sprache das Haupterfo-rjlernis. Mögen sich viele solcher Kräfte finden und möge dann die Waisenfrage in Erez-israel die einzig richtige Lösung finden: die Heranbildung unserer Waisen zu tüchtigen, glückliehen, an Leib und Seele gesunden Juden. Zur Frage der Einberufung der Konstituante F rauen wählkein anderer die junge Generation Palästinas erzogen hat, •und den Arbeitern Hilfe und Trost wirr. Der zweite Mittelpunkt des palästinensischen Schrifttums ist A. D. Gonfon in dessen Persönlichkeit sich der sozialistische Gedanke in tief jüdischer Font» verkörpert hat. Katzenelson schilderte dann das innige Verhältnis zwischen Schriftsteller und Leser*in Palästina, und gedächte der großen Opfer, welche die palästinensischen Leser für d»e Literatur bringen. Er schloß mit der Auffortemng. an die hebräischen Leser im Galuth, der palästinemischen Literatur «lie gebührende Aufmerksamkelt oi widmen. Die Literatur der Arbeiter in Palästina Die English Zionist Federation hielt hm 5. No- *entber «ine hebräische Versammlung ab, in welch«!Bert Katzen elson aus Palästina über die palästinensischen Arbeiter und ihre Literatur referierte. Den Vorsitz führte Dr. Schmarja Lev in- Der Vortragende charakterisierte die Literatur der palästinensischen Arbeiter als eine Literatur des willens: sie habe keinen literarischen, sondern einen Lebensinhalt Im Gegensatz zur übrigen hebräischen Literatur, welche in den letzten Jahren apologetisch geworden ist, fürchtet sie sich nicht, auch bittere Wahrheiten auszusprechen. Während in den europäischen Literaturen «rer Stil der Sprache schon 90 ausgebildet ist, «laß die Sprache für den Menschen dichtet, und man es einem Werke oft nicht an&ehen kann, ob es «las Werk eines Schöpfers ist oder nicht, spricht in Palästina jeder sein eigenes Wort. In einem Brief einer Korresponttenz, die in irgend ■einer Zeitschrift abgedruckt wird, spricht sich oft ein jahrelanges Erleben eines Menschen aus, der nachher völlig verstummt. Katzenelson ließ «Be ganze Reihe der jungen Schriftsteller Palästinas vor den Zuhörern vorüber gehen und stellte in den Mittel- Punkt die Persönlichkeit von 1. Ch. Brenn«, der wie AI Hanissfm ״AI Ha »i8sim“, eine Chanukkahgabe für dte jüdische Jugend, Sandermunmer von ״Bar Kochba, Blätter für die heran wachs ende jüdische Jugend“, herausgegeben von C. Z. Klötzel, Welt-Verlag, Berlin Nw. 7, broschiert M, 2.—■. Vorrätig auch im Jüdischen Verlag. Dieses 32 Seiten starke, sehr schön ausgestattete Heit bringt außer ein« Einleitung und einem längeren Auszug aus den ״Makkabäerbüchem“ Chanuklcaherzählungen von Schalem Asch, Annette Loewwthal, Gedichte von Z-uckeimann und Herzl, die Noten des ״Moatus zur“ und eine Rahe kleiner« Beiträge, die alle im Zusammenhang mit dem Chanukkahfest stehen. Das Verständnis ein« Kapitels aus den* Jugendroman ״Moses Pipenbrinks Abenteuer“ der ün ״Bar Kochba!“ fortlaufend erscheint, wird «fadurd* ermöglicht, daß der bisherige Inhalt kurz erzählt wird Einest besonderen Schmuck des Heftes stellen die zahlreichen Biklex »ach Zeichnungen von Budko, Lotte BaerwaH und Ludwig Wnonkow dar. Eine Anzahl noch nirgend* veröffentlichter Bilder aus dem Lebe» Palästinas geben dein Heft einen besonderen Reiz, Rätsel und Briefes stennotizea, darunter eine sehr teaenewerte Über «Wn ״jüdischen Weihnachtsbaum", *cfiidten da» Heft Ussischkin zur Frage des rechts. Die Verschiebung der Konstituante ist aus außerpolitischen Gründen, nicht etwa wegen des Frauen Wahlrechts erfolgt, obwohl diese Frage die Gemüter stark bewegt. Eine Rede Ussischkins auf der letzten Sitzung des provisorischen Waad der Judenheit Palästinas bringt Licht in die Sache. Ussischkin sagte unter anderem: ״Im Einvernehmen, mit Weiztnan« hat die Leitung des Waad beschlossen, die Wahlen zur Konstituarite aus gewichtigen Gründen bis auf weitere* zu verschieben. Bevor ich auf die Gründe näher eingehe, möchte ich laut und vernehmlich mitteilen, und zwar nicht nur euch hier, sondern auch der Oe f f en tlichkeit, daß die Wahlen entweder m i t Be - teiiigung der Frauen oder überhaupt nicht s t a 11 f i n d c n. Wir Zionisten haben unsere Kongreßverfassung, von der wir nicht abweichen werden. Wenn Rabbiner im Namen der Religion gegen das Frauenwahlrecht den Bannfluch aussprechen, so ist es noch fraglich, wessen Autorität größer ist: derjenigen Rabbiner, di e stets a 11 unseren Kongressen t e i 1 n a h rn e n oder derjenigen, die Bannstralilen schleudern. Eine Frage des Frauen Wahlrechts gibt es für uns überhaupt nicht. Aus ganz anderen Gründen müssen wir die Wahlen hinausschieben. Wir wollen einen festgefügten Bau und kein Kartenhaus errichten. Wenn' wir eine verfassunggebende Versammlung einberufcn, 90 soll sie gesetzliche und moralische Macht innehaben. Bei der augenblicklichen Lage der Dinge aber wird sie diese Macht nicht haben. Deshalb ist es besser, sie wird vorläufig nicht ein berufen. Wir müssen ab warten. Wie lange, weiß ich nicht; vielleicht noch zwei, vielleicht drei Monate, vielleicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.