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Jüdische Rundschau · 1919-11-28 · Heft 84 (28.11.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 84 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 65S JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 84 Nr, 8 löhne In Palästina etwa um 20<Vo niedriger *ein werden als die In Europa. Auch der Abfalt bei der Her- Stellung, der etwa 50«׳» vom Gewicht beträgt, und für den die europäischen Fabriken bisher keine Ver- Wendung hatten, 9011 durch Herstellung von Halskette« und ähnlichen Kleinigkeiten verwertet werden. Auch könnte inan ihn an die Einwohner von Bethlehem verkaufen, wodurch bei der Herstellung der Knöpfe eine VeibMHgimg von 20 <0/י erzielt werden dürfte. Brennmaterial für industrielle Zwecke Das Departement für Handel und 1 ndustrie beim Zionistischen Zentralbüro in London veröffentlicht Angaben über die Be- Schaffung von Brennmaterialien, die für alle industrielle Entwicklung• Palästinas von Bedeutung sind. Eine Tonne Kohlen kostet jetzt in Palästina ebensoviel wie eine Tonne Br e nn öl, aber die Wärmeereeflgung' einer Tonne Bremtöl, in Kesseln verbrannt, ist doppelt so groß wie die Wärmeerzeugung einer Tonne!Anthrazit. Bei Maschinen mit innerer VerbieniHing ist das Resultat noch besser. An der ägyptische« ׳Küste, der Straße von Jubal, die den Golf von Suez mit dem Roten Meer verbindet, wird jetzt Mineralöl erzeugt, das in Alexandria und Port Said lagert. Der Transport kann j*etzt nicht mir zur See, •andern auch per Eis׳enbahn erfolgen. Besonders das d*rt lagernde unb'earbeite te Oel wird mit dem Anwachsen der industriellen Tätigkeit in Palästina für da* Land von Bedeutung werden können. Es müßte ürefct von <ten Oelfeldem nach Haifa und Jaffa versdatfft und dort gereinigt Werden. Auf diese Weise Wilde nicht nur das Brennmaterial billiger, sondern auch neue Industrien in Palästina geschaffen werden. üiwBe Quantitäten Brennöl aus Baku sind auch in Parität erhältlich, ihr Preis ist nicht höher, vielleicht sogar etwas niedriger als der für ägyptisches Oel. Die aetxn Untern eh mamgen in Palästina können also damit rechnen, daß sie auf Jahre hinaus das nötige Brenn- Material 1e1balten. Das Wahlrecht der Frau Am 15, Oktober wurde tat Jerusalem eine Versamm- Hmg allgehalten, die für die Emanzipation der jüdischen Fmi in Palästina demonstrierte. Das von der ״V ere i *Ltg t e n jüdischen Frauengesellschaft“ eidberufene Meeting war außerordentlich zahlreich bcsutHL Der hauptsächlichste Redner war Dr. Elias. &er Qberrabbtner Kuck veröffentlichte ein Zirkular, im den» er es für nötig erklärte, den orthodoxen Kreisen Rechnüng zu tragen, die die Teilnahme von Frauen an ded Wahlen als nicht im Interesse des jüdischen Volkes fegend betrachten. Aus diesem Gründe hat OberrübMner Kuck entschieden, daß jüdische Frauen an den Debatten des Meetings nicht tei (nehmen dürfen. Der Kampf uni' die Stellung der Fra« im jüdischen Lehen stellt heute in Palästina eines der wichtigsten öffterjüdischen Psnobleine dar. Alle Bestreivungen, die Frau Bur aktiven «ml positiven Mitarbeit am Aufbau des jüiSsdbeo Palästina beranzuzjehen, sind jedenfalls aufs wärmste zu begrüßen. Wir werde« die Mitarbeit der Frau hi den Jahren des Aufbaus nicht entbehren können. Das Wahlrecht aber ist die unentbehrliche Voraussetzung, die allein der Frau die Möglichkeit der Information[ ®י« politische Angelegenheiten uad die Betätigung gevfilfrt. Interessant and die diesbezüglichen Ausführungen Jabotinskys in den ״Glia du schot Haarcz“. in ״Chadascitot Haarez" tritt jabotinsky an leitenier Stelle scharf gegen die Verschiebung der Wahlen zur Konstituante auf, in der er den Sieg der klerikalen Elemente des alten und neuen Jiscbuw sieht, die wegen des Frauenwahlrechts die ganze Sache zu Fall gebracht hätten. Er schreibt: ״Politisch werden wir die Folgen nicht nur hier, sondern auch draußen zu spüren haben. . . . Seit Jahren behaupten unsere Gegner, eine jüdische Verwaitutag in Palästina müsse klerikal sein. Die Einwände der AssimUanten in England stützen sich fast inäirer auf diese Befürchtung. Dagegen richtete sich ,auch die zionistische Verteidigung, die stets betonte,!Me Juden seien eine Nation, keine Religtonsgemeteschalt.... Heute widerlegen wir selbst unseren Gegeneinwand. Wir unterwarfen um dem schwärzesten Klerikatismus, der mit Bannflüchen und Pseudo Wissenschaft a!beitet. Wir unterwarfen uns dem Klerikalismus, der das Prinzip der Frauenglerehberechtigimg bekämpft, das doch jubelnd auf dem ersten Kongreß in Basel festgesetzt wurde. . . . Wir werden unsere Nachgiebigtunt teuer bezahle«. Morgen werden unsere Feinde in Europa und Amerika unseren Freunden (den Arbeiterführem in England und dem Präsidenten Wilson, die doch für Frauenwahlrecht kämpften) sagen, bei unserem ersten Schritt hri eigene« Lande stellte sich heraus, daß unsere Religion den Fortschritt und die Gfekhiieit und die Freiheit hemm». ... Zu spät weiden unsere Vertreter im. Auslande einsehen, daß cs unni&gUch ist, m Paris als fortgeschrittenes Volk zu erscheinen und in Kanaan die Urvölkerschafteu wieder eawseteen.“ Axtf die inneren Verhältnisse zurückkontntend, fährt Jabotitisky fort: ״Noch vor wenigen Monaten hofften wir, uns mit j dem orthodoxen Element verständigen zu können. I Viele von uns waren sogar bereit, int Privatleben manche Konzessionen zu machen, um die alte Gerneration nicht zu verletzen. Jetzt aber befürchten wir, daß auch hierzulande ein Kulturkampf in schärfster Form heraufbeschworen wird. . . . Man darf mit dem Feuer nicht spielen. Mau darf nicht Tendenzen entgegenkommen, die ins Grab gehören.“ Die Bevölkerungszahl Palästinas Aus einem Bericht, den die Verwaltung von Palästina veröffentlicht, geht hervor, daß in de« Mutessarifliks Jerusalem, Nablus und Acco von den englischen Behörden eine Vo 1 kszählung veranstaltet worden ist, welche folgendes Resultat hatte: Mutessariflik Jerusalem 347985 Personen, Mutessariflik Nablus 144 256 Personen, 1 Mutessariflik Aceo 155 020 Personen, zusammen 647 261 Personen. Unter dieser Gesa nrtbevölkerung von 647 261 Personen sind ca. 65 300 Juden, 62500 Christen und der Rest Mohammedaner. Nach den letzten Angaben der türkischen Standesämter vor der Eroberung des Landes durch die Engländer waren vorhanden: im Mutessariflik Jerusalem 398 362 Personen, gegenüber dem englischen Zensus -f- 50 377, im Mutessariflik Nablus 153 749 Personen (49493 ־), im Mutessariflik Acco 137 164 Personen (— 17 856). Insgesamt hätte sich also nach dem neuen Zensus die Bevölkerung gegenüber dem türkischen Zensus um 42 014 Seelen vermindert. Ke vorgenannten drei Mutessari fliks machen nun allerdings noch nicht das gesamte Palästina aus. Es kommt noch das Ostjordanland hinzu, das zu den Mutessarifliks Kerak und Hauran, sowie Nordpalästina, das zum Mutessariflik Beyroth gehört. Für diese Bezirke liegt ein englischer Zensus noch nicht vor. Eine auf den letzten Angaben der türkischen Personenstandsregtster beruhende Schätzung aus Palästina gibt folgende Zahlen: im Mutessariflik Kerak 68 000 Personen, im Mutessariflik Hauran 180000 Personen, im Mutessariflik Beyruth (in dem zu Nordpalästina gehörigen Teil) 70000 Personen. Ke Gesaintbevölkerung Palästinas würde ach hieraad* gegenwärtig, wenn man das ganze Mutessariflik Hauran Wneinrechnet, auf 965 261 Seelen stellen Zionistische Bewegung Zum 50 jährigen Geburtstag von Israel Rosow Im Kreise seiner Freunde und Arbeitsgenossen winde vor wenigen Wochen In Jaffa der 50. Getortstag von Israel Rosow gefeiert, der nach' dem( Tode Tschlenows Präsident der Zionistischen Organisation Rußlands wurde. Rosow gehört zu den ältesten führenden Persönlichkeiten des russischen- und des Weltzionismus. Er ist seit 1907 Mitglied des Großen Aktionskomitees und des Direktoriums der Jüdischen Kotenialbank. In einer Kleinstadt im Gouvernement Minsk geboren, kam Rosow später mit seinen Eltern nach Zentralru&Iand. Nach seiner Heirat übersiedelte er nad» Petersburg, wo sein Haus ein Sammelpunkt des nationaljüdischen Lebens der Hauptstadt war. Rosow gehört zu den Begründern der russischen Wochenschrift ״Rasswjet“, die von der ersten rassischen Revolution bis zur letzten bolschewistischen Revolution ruhmvoll den Zionismus vertreten hat. Er nahm in den letzten Wodien Anteil an der zionistischen Arbeit in London. Zusammen mit Weizmann kam er jetzt nach Palästina, wo er sich mit seiner Familie ansiedeln wird. | Karl Herbst Wie uns ein Privattelegramm aus Lugano meldet, ist in Sofia der langjährige Führer der bulgarischen Zionisten, Karl Herbst, gestorben. Als Sahm einer AssmiiLant erifamilie wurde er in Brünn gebaren. Seine Eltern, obwohl nicht getauft, hatten ihn für den katholischen Pfarrerberuf bestimmt Vom Schicksal nach Adrianopel ver schlagen, war er dann als hoher Staatsbeamter in Sofia ansässig1. Van seinen Erinnerungen an die Kindheit erwähnte er häufig die Spaziergänge mit der Gouvernante vor dem Stadtpark, au dem geschrieben stand: ״Juden und Hunden ist der Eintritt verboten,“ Er erinnerte sieb audi der Freude, mit der er seiner Mutter erzählt hatte, daß er beim Heimweg van der Schule eine« ״schmutzigen Juden" mit Kot beworfen hatte, und wie seine Mutter ihm mit gesenktem Kopfe zu verstehen gab, «faß er ein anderes Mal so etwas nicht tun solle, da es nicht schön sei. Wie er Zionist geworden ist? Erzählungen von seinem Leben unterbrach er immer in den Jugendjahren um! endete sie mit den Worten: ״und so ein Bursch war ich - Ihr Herbst“. Daß er schon vor Herds Auftreten Zionist war, geht aus einen» Aufsatz Dr. Jeschuah Calebs: ״Zum 20. Jubiläum des ersten Kongresses" hervor. 1896 schon schrieb er Aufsätze für ״J ew r e jski Glas" und übersetzte zusammen mit Dr. Galeb und Feinberg Herzls Judenstaat ins Huigarische, den er mit einem Vorwort einleitete, das historische Bedeutung hat Was Karl Herbst als Mensch bedeutet und wekhen Wert er für den Zionismus, insbesondere in Bulgarien, gehabt hat, ist eine Frage, die man nicht in wenig Worten beantworten kann. Eins aber ist scher: Er war ein Mensch von der Art Theodor Herds mit Ehrgefühl, Stolz in seinem Judentum, mitleidig und immer bereit, sich selbst für dk■ rechte und wahre Tat zu opfern. Karl Herbst, der in seinem Leben wenig Glück batte, hat auch nicht das Glück gehabt sich des Erfolges seiner Tat in votier Hingabe freuen zu können und am Aufbau von Erez-Israel tätigen Anteil zu nehmen. Ke Jungen, die an dieser Aufgabe teilnehmen, werden oft an die zurückdenken, die am! Wege geblieben sind, rin die Bilu, Herd, Wolfsohn und auch an Karl Herbst. M. Benaroja. Vom jüdischen Nationalfonds Außerordentliche Generalversemtnlung de* J. \. F. Bei den kürzlich m London stattgefundenen SitziMgen des Großen Actions-Comites bildete die S i - tuation und die Tätigkeit des Jüdischest N a t iona 1 fo nds in der nächsten Zdt Gegenstand eingehender Beratungen. Vom dem Verwaltimgskotn ite* des J. N.-F. im Haag nahm an den Sitzungen außer den A.-C.-Mitgliedem Jean Fischer und J. H. Kann Herr Nehemia de Lieme teil. Herr de Lieme reftrierte über die gegenwärtige Lage des Nationalfands und wies auf die Notwendigkeit hin, daß der J. N.-F. sich vornehmlich auf reine ursprüngliche Aufgabe des Bodenerwerbs und die Aufforstung in Palästina korizentriere. Nach einer eingehenden Beratung, an der sich besonders die amerikanischen Zionisten mit Herrn Brandeis an der Spitze beteiligten, wurde einsttmsnifc eine Resolution angenommen, die die Zionistische Oesamtorganisation und die einzelnen Föderationen verpflichtet, die Tätigkeit der J. N.-F- Organisation zuer Schaffung der Mittel für die ihm in nächster Zeit zufallenden großen Aufgaben mit allen Kräften zu unterstützen. Im Anschluß an die A.-C.-Sitzungen wurde, man erstenmal seit Ausbruch des Krieges, eine «überordentliche Generalversammlung des Jii dischen Nationalfonds in dm Räumen der Zionistische» Organisation in London abgehalten, an der folgend! Mitglieder des j. N.-F. unter dem Vorsitz von Mr Keßler sich beteiligten: M. Ussischkin, J, Rosow, Dr. Victor Jacobson, J. Simon, J• Nbid 11 s c h, Professor O. W a r b u r g, A. H a n t k e. Der Vorsitzende legte die Gründe dar, <Be es verhinderten, während des Krieges eine ordentliche Generalversaramhtng einzuberufen und wkfenet sodann Worte des Gedenkens den verstorbene« Direktoren Wolffsohn und Tschlenow, die sich m stnvergängliche Verdienste tan den Zionismus und um de» Nationalfonds im besonderen erworben haben. Anstelle der Genannten wurde« auf Antrag der Herren Keßler und Rosow die Herren Boris Goldberg, zurzeit Ixmdem, und Nehemia de Lieme, Haag, in das Direktorhm« des Nationalfonds gewählt. Die Gencralver־ Sammlung sprach sodann dem Hauptbüro und dem für die Kriegszeit in» Haag eingesetzten Verwalningskomitec seine« tiefen Dank für die wertvolle« Dienste aus, die sie dem J. N.-F. während der kritischen Kriegsjabre eieistet haben. Für die Folge wurde beschlösset!, aß anstelle des Komitees wieder ein Krektor des J. N.-F. dem Hauptbüro vorsteht, mit welcher Aufgabe Heil Nehemia de Lieme betraut worden ist. Sitzung des schweizerischen Zionistenverbandes Am 9. November 1919 faul In Olten eine La»־ deskomitee-Sitzung des Schweizerische! Z ion i sten ve rba nd es statt, der sich mit Fragen der Statuten und Finanzen befaßte. Here Grünberg (Genf! referierte über die Ausarbeitung■ eines von Um! verfaßten Planes zur Gründung einer dem Roten Krem ähnliche« und ihn» angesehlossenen jüdischem Organi sation. Der Pfan soll dem Granite des Dötegations Juives in Paris unterbreitet werden. Das Referat des Sekretärs, Herrn Fürsprech Goetschel, über das Projekt einer Durchgangskolon ie im Kanton Tessin, das von Hern* Fedlln aus Wien ausgearbdtet und praktisch im dfe Wege geleitet wurde, wurde mit großem Beifall aufgenommen. Mit dem Referate des Hem» Dir. Bloch über die Organisation einer Abwehraktkm gegen da wachsenden Antisemitismus wurde die Sitzung geschlossen. Zionistische Arbeit in Polen Der Jüdische Nationalrat In Warschau, dem auch ebie Reihe von Nichtzionist«» angeboren hat eine außerordentlich wichtige Tätigkeit seit *einem Bestehen entfaltet Als!sofort nach dem׳ Abztff dir Deutschen die Pogrom« ausbrachen, konzentrierte ach die gesamte jüdische Abwehr im Nationalrat. Alle Bf• schwerden und Klagen wurden dorthin gebracht 18») mehr als 30 000 Protokolle sind vom Nationalrat üb» Pogrome, UeberfäWc, Mordtaten und andere Ausschreihingen gegen Juden aufgenommen worden. Hätte nicht der Nattonalrat mit aller Energie gegen die Ausschreihi«■ gen in der Oeffentlichkei't protestiert, so wäre das gegenwärtige Abflauen der Exzesse niemals «tagetreten. Es steht außerhalb jeden Zweifels, daß die Re gierung nicht etwa zu schwach war, um die Pogrom* || Zahl« die Zronlstensteuerl | m unter gebt am Pogrome den Ver! 13er der Jude len wei rügt um Begründi Ke lag mit 1 entri Ressorts, bilden.! . Pal sozial - ,״. t i o «, Das tung WM auch für miHwngc mzwiscli( schaffen, geführt, möglichs das Re« sonen, c 100 Chal Fand in willigen sine eig fiir die enthalt i > ä s t i 11 liatten, 1 sonen, <1 wolle«. Von erwähnt Flug«! Gemosaei große F Ingenien ins Leb« Das n a 0 s fc! resiot vierseme f »rsc Monate für Meli B i a 1 f s denen 8 richtet, das dae den. 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