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Jüdische Rundschau · 1919-11-14 · Heft 80 (14.11.1919) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 80 (14.11.1919)
Date
1919-11-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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80 Nr. 80 trgisci 1 S i er u r s u 'Ci' u1־ J UEDI8GH ■ «ÜND8CHAU Qeächt Seile 63! 1 ur 1 V u MiHe■: dünge an ei, rtilleri( ׳re Mi! (Der Ritualmord) Gigantisches Film werk in 7 Akten von Rita Barre. de reiße״ absith *ufiieu twoeh 1־ (Ora an : S Stad 11 a cl flialien tmiiier! I c <1 ei mimen istr. a! abend h a ui I ״ g s! bräi nissioii tsarbti imlun״ ז o I k s inktlici un lier di ibunde!Gerat ־ Fra! 0 jüdi and ir Grün tt. Be .־s palii a s e 11■ Hu. •ul. De .nd 1111 fall Iv II den le ge ühescli- M4. -N ensren rau. ץ־ . M. — ) 54 J en Regie: Joseph Delmont Cora - Film G. m. b. H., Berlin SW. 68, Zimmerstraße 81a 0 Nivo * Film *Comp, Die Tragödie eines Volkes: verfolgt und geknechtet durch Jahrtausende, rechtlos und friedlos — fremd fort, wo seine Heimat — wandernd auf allen Straßen der Welt — geächtet — Die kleine russische Stadt soll Einquartierung erhalten: eine Kosakenschwadron sucht Obdach. Abe1J| 1111׳ Wohnungen sind überfüllt, keine Kammer stellt leer ־ so müssen die Juden ihre Häuser räumen. CJiaiin Abramowitsch, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, sitzt lehrend unter seinen Freunden, als die Soldaten ihn und die Seinen aus dein Heim vertreiben!. Alt geworden unter der Gewalt, fügt er sich stumm; nur da man sich an seine Tochter vergreifen will, da man sein Weib und seine Kinder mißhandelt, lehnt er sich mit empörten Worten auf. Er soll dafür in Haft genommen werden, zur Freude neugierig zusammengelaufenen Pöbels, dem jeder einem Juden zugefügte schimpf eine Genugtuung ist, dem Unrecht zum Recht wird dem Juden gegenüber. Einer nur tritt ein für die Mißhandelten: Sascha Muhiikow, ein junger Stude nt. Die Mulnikows, eine christlich-orthodoxe Beamten- (amiiie, sind Hausnachbarn der Abramowitsch und leben mit ihnen in gutem Einvernehmen, Sascha und Manja sind als Spielgefährten miteinander aufgewachsen. Den Studenten empört die sinnlose Brutalität des Unrechts, das man den Juden zufügt; energisch nimmt er sich ihrer an, rettet Chaim Abramowitsch vor der drohenden Verhaftung, bringt die Frauen und die Kinder bei seiner Mutter unter. Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde selbst aber verschmäht ein Obdach, da seine Glaubensgenossen kein Dach über dem Haupte haben; die Sterne der Nacht leuchten über den aus ihre« Heimstätten Vertriebenen, die im freien Felde frierend den Schlaf suchen. Sascha MuJnikow ist wie alle Russen groß geworden in der Lehre, daß man die Juden verachten und hassen müsse, daß ihre Verfolgung ein gutes*Werk sei. Aber er hat niemals an diese Lehre geglaubt, und er hat dem Problem des Judentums naehgegriibelt von der Stunde an, da in seinem Herzen eine tiefe Neigung für Manja Abramowitsch erwachte. Seit dem Tage, an dem er seine Liebe erkannt hat, forscht er dem Schicksal der geknechteten Juden in Rußland nach, wird ihr urewiges Leid sein Studium. Seine Freunde spotten, er achtet es nicht. Vera Vronskij, die ihn liebt und ihm kein Hehl macht aus ihren Gefülilen, stellt ihn wegen seiner Teilnahme für die Juden zur Rede — er weist sie zurück. Und Dimitrij Vronskij der Bruder Veras, der Manja Abramowitsch gewaltsain zu seiner Geliebten machen will, erfährt zu gleicher Zeit die Kraft und den Stolz der Reinheit, die in der Seele des scheuen und zarten Mädchens lebt. Jn den Geschwistern Vronskij, die an der Berechtigung ihres Winden Judenhasses nie gezweifelt haben, fachen Eifersucht und Enttäuschung den Haß zur lodernden Flamme an, und als Sascha es nach dem Abröcken der Kosakenschwadron wagt, Mania mit auf ein öffentliches Fest zu nehmen, kennt ihre Wut keine Grenzen. Sie hetzen und wühlen unter den Freunden; geschmäht und beschimpft müssen Sascha und Manja das Fest fluchtartig verlassen. Manja aber denkt nicht an den Schimpf, den man ihr angetan hat — nur daran denkt sie, daß der Geliebte nicht mit ihr leklen soll unter dem Fluch, der axtf ihrem Volke lastet: ״Wenn sie mich schlagen, treffen sie Dich mit!“ Und lieber hält sie sich von Sascha fern, als daß sie ihn irrn ihretwillen leiden läßt. Während in der Familie Abramowitsch die Vorbereihingen für das Passahfest getroffen werden, vergräbt Sascha sich in das Studium von Schriften über das Judentum: di« Wahrheit dessen sucht er zu ergründen, was dem Volke der Unterdrückten kurzsichtig und gedankenlos an häßlichen Dingen nachgesagt wird. Dabei findet er ein Buch über die Entstehung des Ritualmord־ Aberglaubens, der aus Rassenhaß und Verfolgungswut geboren ist: er liest die Urkunde über den ersten groß angelegten Ritualmord-Betrug ... Im Jahre 332 v. Chr.: Alexander der Große, der Aegypten vom persischen Joch befreit hat, residiert in Macht und Herrlichkeit in der von ihm erbauten Stadt Alexandria. Märchenhaft prunkvolle Feste in den riesigen Sälen seines Palastes belohnen seine Siege. Für ilui und seinen jungen Freund Pe'istratos muß Helena tanzen, die schönste Griechin am Hofe. Auf einem dieser Feste aber hat er Alexander Pe'istratos zum letzten Male gesehen, auf völlig rätselhafte Art ist der junge Feldherr verschwunden. Vergeblich läßt Alexander überall «ach ihm forschen, vergeblich setzt er die höchsten Belohnungen aus auf den, der ihm Nachricht von dem Vermißten bringt. Da nach Tagen — läßt sich Manetho bei ihm melden, der Oberpriester des ägyptischen Gottes Osiris׳. Eine furchtbare Kunde bringt er ihm: ״Die Juden haben Pe'istratos ihrem Gott geopfert!“ Alexander glaubt ihm nicht, will ihm nicht glauben; er schätzt die Judetv hoch begünstigt sie gegen die Aegypter, die ihre Unterdrücker waren, und er bezichtigt Manetho der Lüge Der Priester aber führt ihn zu nächtlicher Stunde in den Tempel der Juden, und zeigt Ihm dort im Allerheiligsten eine blutgefüllte Opferscliale, ein blutiges Schladitmesser; und das blutbefleckte Gewand des Peistrat-os. ... j Soweit hat Sascha den düsteren Bericht gelesen,; als die Mutter in sein Zimmer tritt; sie ist in schwerer! Sorge -- Sonja, Saschas jüngstes Schwesterchen, ist i nicht aufzufinden. Vergeblich forscht Sascha überall j in der Stadt nach der Verschwundenen, vergeblich suchet! j mit ihm alle seine Freunde, auch Vera und Dimitrij j Vronskij, mit denen er sich in der Sorge um das Kind I wieder versöhnt hat. Und schon hebt eia Raunet» an in der Stadt, schleicht sich durch alle Gassen und dringt in alle Häuser: ״Die Juden! ... Es ist Passah! . . . Das Gespenst des Ritualmord-Wahns wacht auf. Die Kinder Chaim Abramowitsehs hatten an diesem Unglückstage einen Ausflug «ach dein benachbarten Dorfe Lasoma gemacht, zu Petruk Czapka, dem Polenwirt. Auch dort fragen Sascha, Vera und Dimitrij nach Üer Kleinen, und Marusclika, das Weib des Polen- Wirtes, berichtet ihnen, wie sie Sonja zuletzt geschert habe von Oltairn Abramowitsch festgehalten v_ . . Kalt greift es Sascha ans Herz; auch;ur ihn schleicht sich das Gespenst heran, das alle Gemüter verwirrt: Ritual mord! ... Er wehrt sich, wehrt sich verzweifelt aus seiner besseren Ueberzeugung heraus, um seiner Liebe zu Manja willen;. Aber Vera und Dimitrij bohren und hetzen, aufgepeitscht von ieidensdiaftiiciier Angst, stellt Sascha Abramowitsch zur Rede - und findet bei ihtn Sonjas Müt/.chen. . . . Vergeblich beteuert Abramowitsch seine Unschuld: Sascha klagt ihn das Mordes an, und Vera und Dimitrij Vronskij verkünden es überall im Volke, was geschehen ist Mordgesduei gellt durch die Gassen; ehe noch die Polizisten erschienen sind, die Giaim Abramowitsch verhaften sollen, hat der fanatiskrte Volkshaufe das Haus des jüdischen Gemeindevorstehers gestürmt, hat die Menge ihn und seine Angehörigen auf die Straße geschleppt, um die Verhaßten zu lynchen. Im letzten Augenblick rettet das Eintreffen der Polizei die Tod bedrohten: Chaim Abromowitsch wird irr das Gefängnis abgeführt, während die Seinen sich vor der Wut des Volkes itu Keller eines Trödeljuden verbergen müssen. Die Volkswut aber ist nicht mehr eümidämmen, sie fordert ihre Opfer. Während Sascha sich in Schmerz und Verzweiflung in seinem Zimmer einscliliefit während er in Stunden der Qual die Geschichte des Peistratos zu Ende liest und erfährt, daß der angebliche Ritualmord an dem jungen Grieche« nichts war als ein mit . teuflischem Geschick inszenierter Priesterbetrug, rast draußen der Wahnsinn durch die Nacht, feiert der f Blutrausch grauenvolle Orgien; Pogrom, . . . Und wie dieser erste angebliche Rituahnord ein Betrug war, so sind alle spateren Iütt!ul1n!01d-Erzähl1n1!g׳e!1 .Märchen: Niemals ist den Juden das Verbrechen nachgerviesen worden, dessentwegen verblendeter Haß das ungiückliehe Volk so oft verfolgt und gepeinigt hat, niemals haben sie es begangen!“ So endet der Bericht, den Sascha in seinem stillen Zimmer liest, bis er über dem Buch völlig erschöpft cinschtäft und draußen: Mord und Brand in den Gassen der Judenstadt, Flammen, die als Finale furchtbaren Irrens ztnn Himmel lodern, Tote in zerstörten Häusern und an! dem Pflaster der Straßen arme Opfer der Bestie im Menschen.Gehetzte, verzweifelnde Menschen, dem Wahnsinn nahe, flüchten sie i!1 den Tempel, der letzte Zuflucht bieten soll. Aber die BSutgier macht nicht Halt vor geheiligten Mauern: Mord auch hier, und über der! Toten geht der Tempel in Flammen auf .... Auf Stätten des Grauens fallen die ersten Somit nstrahlen des nächsten Tages; sie wecken Chaim Abramowitsch in seiner Kerkerzelle, und beim ersten Sonnenlicht, findet Petruk Czapka, der Pölenwirt, die kleine Sonja, die sich heim Beeren snclien a:1 eil kt von ihm gelegten Reh schlinge gefangen hat Er trägt das Kind in sein Haus; in Angst und Schrecken sitzen er und sein Weib Maruisätka am Lager der Kleinen: ״Mao wird uns steinigen, wenn wir sie jetzt bringen.“ Maruschka macht sich endlich aui den Weg zur Stadt, bei Dimitrij Vronskij und seiner Schwester will sie sich Rat holen; sie weiß, die beiden hassen die Juden so wie sie selbst. Und sie hört dort, was sie zu hören hoffte: ״Solange noch eitler von den Abramowitsch lebt, darf Sonja nicht zmückgebracht werden!“ Noch einmal hat Dimitrij Vronskij versucht, sich Manja, deren Versteck ihm verraten worden ist, gefügig zu machen, mit der Lüge, daß der Mord an Sonja! nachgewiesen sei, und mit dem Versprechen, für das Opfer ihres Leibes den Vater zu reiten. Für einen Augenblick auch ist Manja schwankend geworden; da aber sieht sie im Geiste den Vater vor sieh, wie die Schergen der Polizei ihn abgefiiltrt haben; sie hört seine im. Glauben an die ewige Gerechtigkeit stanken Worte wieder: ״Sei getrost und zuversichtlich, mein Kind die Wahrlieit muß siegen!“ Und zum zweiten Male ist ihre Seele gewappnet gegen den Versucher; so stößt sie Dimitrij Vronskij zurück. Auch Vera ist von Sascha zurückgewiesen worden, und unsinniges Racheverlangeii treibt die Geschwister zu teuflischem Tun. Mit der Lüge, daß man Clrairn Abramowitsch aus dem Gelang - nis entfliehen lassen wolle, hetzen sie das Volk auf: ,.Holt Um heraus aus dem Gefängnis - straft ihn selbst!“ Mit Vera und Dimitrij Vronskij an der Spitze zieht die erregte Menge vor aas Gefängnis. Schreie gelle« gerissen; während Vera sieh in tiefem Jammer über den Leichnam des Bruders wirft, dringt die Menge in das Gefängnis ein, wird Chaim Abramowitsch aus seiner Zelle gezerrt . . . Das Ende einer düsteren Tragödie: Chaim Abramowitsch und die Seinen an der Mauer, umringt von einem mordeiitsdiUjssciicn Haufen;. Im Angesicht seines Weibes und seiner Kinder soll der vermeintliche Mörder sterben. Schon werden die Steine aufgehoben, die ihm den Tod bringen sollen da reißt Manja sich mit übermenschlicher Kraft von ihren Peinigem los und wirft sich dem Vater an die Brust, um ihn mit ihrem Leibe zu decken .... Die Blutgier eines entmenschten Pöbels aber kann auch heroische Kindesliebe nicht entwaffnen: die Steine fliegen und treffen nur zu gut. Unterdessen aber Itat Petruk Czapfc» das Weinen der kleinen Sonja, die durdraus ai ihrem Mütterchen will, nicht mehr ertragen können; ohne die Rückkehr seines Weibes abzuwarten, hat er sieh in seinem Wäge!- chen auf den Weg gemacht, das Kind kis Elternhaus zurückzubringen. Unendlich ist die Freude der Eltern und Geschwister, da ihnen die Totgeglaubte neu geschenkt wird. Während sie aber das Kind «och küssen und herzen, bringt ein Knabe die Schreekenskmnle, daß man Chaim Abramowitsch und die Seinen steinigt . . . 111 der Eile der Todesangst macht Sascha sich auf den Weg, die Unschuldigen zu rettet». Er erreicht in dem Augenblick den Schauplatz des furchtbaren Gesehehens, als Manja ohnmächtig zusammenbricht. ״Haltet ein ihr tötet Unschuklige! Sonja lebt!“ .... Wie gelähmt sinken die Arme nieder, die Steine entfallen den Fäusten . . . Vor Chaim Abramowitsch und seinem unglücklichen Künde kniet Sascha. Die Hände des gepeinigten alter Juden aber liehen sich gen Himmel, seine Augen such«! das Licht. - ״Wenn Sie bekehret sind, sei Dir, o Herr, das Opfer .. . . Aber sie sind es nicht.“ Oie Häupter neigen sich tief in Schuld und Reue: die Blicke derer, die bereit waren zu töten, wagen sich nicht zu dem m erheben, •der vor (Minuten noch so tief verachtet und gehaßt wart Sascha aber tritt mit leuchtenden Aigen vor ihm hi«: Mein Leben gehört Gott - mein Werk soll es sei«, die unendliche Liebe zu predigen und eurem armen Volke zu helfen!“ \ V A■• M\ i

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